Warum sind wir so schlecht darin, die Arbeit anderer einzuschätzen – und wie können wir kommunizieren, wenn es zu viel wird? Mit einem kleinen Blick hinter die Kulissen.
Eine Freundin hat mir vergangene Woche gesagt, wie überrascht sie war, als ich ihr von einem Arbeitstag auf der Grünen Woche erzählt habe. Sie hatte sich gar nicht vorgestellt, dass meine Arbeit stressig sein könnte, sagte sie. Besonders spannend fand ich, dass sie zugab, das gar nicht einschätzen zu können. Sie arbeitet in einer anderen Branche. Hinzu kommt, dass ihr das Schreiben nicht liegt. “Ich würde richtig viel Zeit brauchen, weil ich so schlecht bin im Texte schreiben. Ich müsste ewig darüber nachdenken, wie ich formuliere und Zusammenhänge herstelle”, sagte sie. Und trotzdem fügte sie an: “Ich hätte nicht gedacht, dass das Zeit frisst und dass ihr da Stress habt.“
Was wir nicht erleben, können wir nicht bewerten
Die Bewertung der Arbeit oder der “Nicht-Arbeit” anderer Menschen ist ein spannendes Thema. Schon während meiner Berufsausbildung ist mir aufgefallen, dass andere Abteilungen gern als Faulenzer bezeichnet werden, während man sich selbst stets die Beine ausreißt. Da ich nahezu alle Abteilungen durchlief, wurde ich zur Vermittlerin. Ich konnte erklären, wer, was für welche Prozesse auf welche Art benötigte und wieviel Aufwand hinter dem stand, was von außen belächelt wurde.
Diese Rolle und Sichtweise habe ich mir bis heute erhalten. Ich finde das wichtig. Die eigenen Tätigkeiten sind uns bewusster als die der anderen und ich glaube, dass Arbeit im Team einfacher wird, wenn alle eine grundsätzliche Idee von dem haben, was die anderen leisten. Oft fehlt dieser Einblick und somit auch die Wertschätzung für die Tätigkeiten anderer. Wie oft beschweren wir uns über die Post, haben aber keine Ahnung von den Arbeitsabläufen oder verstehen nicht, was so lange daran dauern kann, unsere Heizung zu reparieren. “Ich glaube, man unterschätzt die Arbeit von anderen, wenn man nicht drinsteckt”, sagt meine Freundin. Das denke ich auch.
Aber ist es nicht kurios, Arbeit und Aufwände automatisch zu unterschätzen, obwohl man selbst nicht gut in etwas ist und keine Ahnung hat, wie das geht? Ich meine, man könnte den Aufwand ja auch überschätzen. Vor dem Hintergrund habe ich mich außerdem gefragt: “Wie schwierig muss es sein, zu sagen, dass man gerade untergeht, wenn andere vielleicht ohnehin denken, man arbeite gar nicht richtig?”

Ein Blick hinter die Kulissen
Wir können ja nicht wissen, wie andere arbeiten, wenn sie es nicht erzählen. Auf LinkedIn lese ich so oft Ergebnisse und immer wieder denke ich mir, ich würde so viel lieber lesen, wie die Person das gemacht anstatt zu lesen, was sie am Ende geschafft hat. Deshalb nehme ich euch jetzt mit hinter die Kulissen meiner Arbeit und erzähle euch, was ich eigentlich so gemacht habe in den vergangenen zehn Tagen.
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