Was ist diese Woche nur los, liebe Koapier-Freund:innen?
Einen Tag vor dem Start der Fußball-WM könnte ich dieses Kapitel ausschließlich mit aktuellen Koapier-Referenzen füllen. Ich halte mich aber ein wenig zurück und erzähle die schönste Cover-Cameo-Geschichte der Woche ganz am Ende dieser Folge.
Beginnen wir aber mit dem Thema der Woche (nein, ich meine nicht den Gipfel im Kanzleramt (Öffnet in neuem Fenster)): die Fußball-WM.
Die brasilianische Biermarke Brahma hat dazu einen fast vierminütigen Werbespot erstellt (Öffnet in neuem Fenster), der mit einem meiner Lieblings-Genre spielt: der Fußball-Kopie (das Lob der Kopie (Öffnet in neuem Fenster) beginnt mit Messis Kopie von Maradonas Jahrhundert Tor (Öffnet in neuem Fenster)). In dem Clip spielen gewöhnliche Brasilianer:innen große Szenen ihrer Nationalmannschaft nach.
(Öffnet in neuem Fenster)Ein junger Mann kopiert dabei den Mann, der im WM-Finale 2002 einen Fehler von Oliver Kahn ausnutze - und ein Tor erzielte. Er wird seit ein paar Jahren leider nur noch der “dicke Ronaldo” genannt, was eine Frechheit ist, weil er nichts weniger verdient hätte als “der bessere Ronaldo” - aber auf diesen Aspekt von Original und Kopie gehen wir bei anderer Gelegenheit ein. Dass der erste Ronaldo wie zahlreiche andere einen Cameo-Auftritt (Öffnet in neuem Fenster) hat in diesem Koapier-Clip, versteht sich von selbst.
Jetzt soll es aber vor allem ums Singen im Fußball-Stadion gehen. Und dazu stelle ich euch gleich den nordirischen Fußballer vor, der in der Geschichte der Koapier-Musik eine große Rolle spielt: Will Grigg (Öffnet in neuem Fenster).
Diesbezüglich on fire:
Dirk
P.S.: Noch zwei Tipps für den Umgang mit diesem merkwürdigen Ereignis in Amerika: Wer Probleme mit der WM hat, kann ja mal in diese Call-In-Sendung von Deutschlandfunk-Kultur (Öffnet in neuem Fenster) reinhören. Mir hat das gut gefallen und gezeigt: Publikumsbeteiligung ist eine sehr wichtige und gute Sache.
Und wer ein Tippspiel sucht: der wunderbare Ivo hat die Seite tippspielbande.de (Öffnet in neuem Fenster) ins Netz gestellt.
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“Freed From Desire (Öffnet in neuem Fenster)” von Gala - kopiert von Fußballfans überall auf der Welt. Dank Sean Kennedy, der Fan von Wigan Athletic ist und sich beim Singen gefilmt hat.
Der Text stammt aus einer buddhistische Gebetszeile und lautet auf deutsch:
Befreit von Begierden, mit gereinigtem Geist und gereinigten Sinnen
Das wissen die wenigsten, weil die meisten sich auf das Nachsingen des Chorus konzentrieren:
Na-na-na-na-na-na-na, na-na-na, na-na-na
und dabei von der Begierde ergriffen werden, zu hüpfen und andere zu umarmen. Die begeisterte Begierde bescherte der italienischen Sängerin Gala Rizzatto vor genau 30 Jahren einen absoluten Welthit: “Freed From Desire” (Öffnet in neuem Fenster).
Zwanzig Jahre später bekam dieser Welthit einen völlig neuen Schub - durch eine demokratisierte Coverversion.
Bei der Europameisterschaft 2016 waren es nordirische Fans, die den Song mit solch ansteckender Begeisterung coverten, dass plötzlich alle Länder und Mannschaften mitmachen wollten: Sie texteten die Gebetszeile um und bejubelten fortan ihren Stürmer Will Grigg, der so stark sei, dass er die Abwehr des gegnersichen Teams in Angst versetze: “Will Griggs On Fire (Öffnet in neuem Fenster)” wurde zur Vorlage für nahezu jedes andere Team, das auch einen Spieler mit zweisilbrigem Namen hatte. Rodri (Öffnet in neuem Fenster), Fulham (Öffnet in neuem Fenster), Schottland (Öffnet in neuem Fenster) - alle on Fire.
Auslöser dafür war neben der Mailänderin Gala ein junger Mann namens Sean Kennedy. Vor zehn Jahren probierte Sean einige Songs aus, die er in seine Kamera einsang (Öffnet in neuem Fenster), um der Welt mitzuteilen, dass er Fan von Wigan Athletic und deren Stürmer Will Grigg sei. Sein Cover von “Freed From Desire” kam so gut an, dass die Welt Sean Kennedy fortan kopierte.
Warum Sean mit dieser Version erfolgreich war und - wie man im Netz sagt - “viral” ging, ist unklar und genau deshalb besonders zauberhaft: Niemand kann Fangesänge und deren Begeisterung vorhersagen. Man kann lediglich im Rückblick Indizien zusammentragen, die helfen, den Erfolg zu erklären. Und das ist in Wahrheit wunderbar!
Na-na-na-na-na-na-na, na-na-na, na-na-na
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(B2) Dass eine Gebetszeile mit den Fangesängen zusammenhängt, eröffnet uns den Blick auf eine wichtige Parallele zwischen dem Nachsprechen bedeutsamer kirchlicher Texte und dem Mitsingen von Fangesängen: Beide Formen der Kopie sind Ausdruck von Gruppenzugehörigkeit.
In einer Welt ohne Schriftlichkeit und Digitalisierung wurde auf diese Weise sicher gestellt, dass Inhalte nicht verloren gingen: Menschen lernen sie auswendig, sprachen oder sangen sie regelmäßig und sorgten damit dafür, dass alle sie im Kopf behielten:
Kopieren als Archivierungsform.
Aber natürlich wird auf diese Weise vor allem: Gelernt! Die Kopie ist ein wunderbares Hilfsmittel der Bildung. Wir lernen durch Imitation.
Deshalb funktioniert beispielsweise das Lernen einer Sprache dann besonders gut, wenn du dafür in ein fremdes Land fährst und dort ein Sprachbad nimmst. Es führt dazu, dass du Vorlagen siehst und hörst, die du dann kopieren kannst. Genau diese Nachahmung führt am Ende dazu, dass du die Sprache lernst.
Ohne Kopie keine Erkenntnis!
Na-na-na-na-na-na-na, na-na-na, na-na-na

Ich bin ein wenig aufgeregt: in zwei Wochen haben wir bereits Halbzeit in diesem Newsletterbuchprojekt.
Schau doch hier (Öffnet in neuem Fenster) mal den aktuellen Zwischenstand an.
Was diese Woche sonst noch geschah:
Olivia Rodrigo und The Cure. Der neue Song der Sängerin (Öffnet in neuem Fenster) heißt nämlich so wie die britische Band, die am Wochenende beim Primavera-Festival in Barcelona gespielt hat.
Olivia Rodrigo und Cure-Sänger Robert Smith kennen sich gut, 2025 spielten sie gemeinsam auf dem Glastonbury-Festival u.a. “Friday I’m In Love (Öffnet in neuem Fenster)”. In Barcelona kam es nun zum einem Rück-Cover-Besuch: Rodrigo spielte unangekündigt elf Songs - und bei “What’s Wrong With Me (Öffnet in neuem Fenster)” stand plötzlich Robert Smith auf der Bühne (Öffnet in neuem Fenster). Wie es dazu kam, erzählt Olivia im Popcast der New York Times (Öffnet in neuem Fenster). Wie sich der Überraschungsauftritt für ihn anfühlte, erzählt Robert Smith hier der BBC (Öffnet in neuem Fenster).
Ein guter Zeitpunkt, um nochmal ins Cameo-Kapitel reinzulesen! (Öffnet in neuem Fenster)
Bei TV Noir (Lucas schrieb hier drüber (Öffnet in neuem Fenster)) gibt es übrigens eine tolle Cover-Version von “Durch den Monsun” (Öffnet in neuem Fenster) Bestie Boy Mike D wird in diesem Jahr ein neues eigenes Album veröffentlichen. Jetzt hat er den Song “Mind your Own Business” von Delta 5 (Öffnet in neuem Fenster) gecovert - hier gibt es einen schönen Ausschnitt (Öffnet in neuem Fenster).
Katrin hat mich darauf hingewiesen (hier ihre Unlearn-Folge (Öffnet in neuem Fenster)), dass William Fitzsimmons Sufjan Stevens gecovert hat: Der Song heißt passend zur Fußball-WM-Woche: Chicago (Öffnet in neuem Fenster)
Außerdem habe ich diese Woche eine faszinierende Playlist auf Spotify (Öffnet in neuem Fenster) entdeckt: Grace Spelmann (Öffnet in neuem Fenster) sammelt dort musikalische Kopien - Songs, die sehr ähnlich beginnen. Das macht großen Spaß und was würde besser passen zu einer Woche voller Anfänge?