Die Suche nach der einfachen Antwort / Warum die Causa Timmy viel mehr über uns sagt / Neue Erkenntnisse in der Krebsforschung
Es ist ein Rekord. Wohl noch nie bestimmte ein Tier so lange die deutschen Schlagzeilen wie derzeit Wal Timmy. Und es ist ein Krimi in mehreren Akten - inklusive Open End. Da strandet Ende März ein Buckelwal vor dem Timmendorfer Strand. Schwimmt sich dank Hilfe frei. Strandet einige Kilometer weiter. Schwimmt sich frei. Und strandet ein drittes Mal.
Viel ist über diesen Wal berichtet worden. Es gab Demonstrationen. Rettungsversuche. Influencer mit selbst erklärter Expertise, Minister mit ihren Wal-Strategien. Inzwischen geht der Bergungsversuch unter privater Hand weiter. Eines fällt dabei auf: Wenn es um Leben und Tod geht, wird die Debatte schnell emotional. Und passiert das, sind viele sofort mit einer Antwort, der vermeintlich einzigen Lösung zur Hand. Man denke an die Coronapandemie und ihre Verschwörungen. Man denke an den Klimawandel, und die Ignoranz darum.
Auch in der Causa Wal findet man sie jetzt, die klaren Antworten. Das Tier gelte es zu retten, komme was wolle, fordern die einen. Nur keine Steuergelder verschwenden, fordern die anderen. Es wird emotional weil aussichtslos, und am Ende beschuldigen sich alle gegenseitig. Die Behörden die Influencer, weil sie behindern, die Influencer die Politik, weil sie sich ausgeschlossen fühlen, die Politik die Menschen, weil sie keiner versteht.
Ich finde, das Spannendste an Timmy sind gar nicht die einfachen Antworten. Es sind vielmehr die Fragen über uns, unser Leben, unser Menschsein, zu denen Timmy einlädt. Beim Nachrichtenlesen kamen sie mir immer wieder in den Kopf. Heute möchte ich 20 davon mit Euch teilen. Wir können nie herausfinden, was der Wal eigentlich möchte. Aber wir können uns selbst Fragen stellen - und damit zu ganz neuen Erkenntnissen kommen. Viel Spaß beim lesen, diskutieren, weitertragen.
Wann ist es ein Tier wert, es vor dem Tod zu bewahren?
Wie gehen wir als Menschen damit um, wenn wir etwas nicht schaffen?
Was macht Timmy, auch Hope genannt, zum Hoffnungswal?
Zeugt die Wal-Debatte von Mitleid oder Ego?
Braucht uns der Wal oder brauchen wir ihn?
Ginge es Timmy ohne uns Menschen besser?
Ist es schlecht, wenn uns einzelne Schicksale mehr berühren als das große Ganze?
Können wir Mitgefühl wählen?
Haben Tiere eine Würde?
Wie viel Kontrolle brauchen wir, um uns sicher zu fühlen?
Sind wir der Natur etwas schuldig?
Ist Handeln auch dann moralisch, wenn es unser eigenes Bedürfnis nach Sinn erfüllt?
Sind wir überfordert?
Wie können wir alle mitnehmen, wenn es hart auf hart kommt, ohne auszuschließen, und bleiben dennoch effektiv?
Sind wir Medien dankbar, wenn sie sich einen Monat lang an einem Thema festbeißen?
Kann man gleichzeitig Teil des Problems und Teil der Lösung sein?
Empfehlen wir aktive Sterbehilfe gegenüber Walen, wenn sie möglich wird?
Wie viel Einfluss hat Emotion auf moralische Entscheidungen?
Was bewahrt uns selbst vor Verschwörungsideologien?
Haben wir alles getan? Oder nicht, weil zu viel?
Ebenfalls tierisch - die Good News der Woche #06
40 Jahre nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl müssen Menschen das Gebiet weiterhin meiden. Doch die Tiere haben es längst zurückerobert. Untersuchungen an Grauwölfen belegen nun, dass diese eine starke Resistenz gegen Krebs entwickelt haben. Die Erkenntnisse könnten der Tumorforschung dienlich sein.
https://science.orf.at/stories/3235164/ (Opens in a new window)Habt einen schönen Sonntag!
Immer weiter gehen
Euer Hendrik
Foto: dpa