Vom Loslassen / Bartherapie in Schweden / Ausblick: was der Wal “Hope” über uns Menschen sagt

ABITUR. Ein großes Wort, das Einige von Euch auch beschäftigen dürfte. Oder zumindest mal beschäftigt hat. Ich bin ihm dem Abitur jetzt kleinen Schritt näher gekommen.
Am vergangenen Mittwoch saß ich fünf Zeitstunden lang in meiner Schulaula und habe die PoWi-Prüfung hinter mich gebracht. Wer aus dem Schuljargon raus ist: das steht für Politik und Wirtschaft. Tarifautonomie. Wettbewerbsfunktionen. Soziale Medien.
Der entscheidende Moment in dieser Woche war für mich aber nicht die Prüfung an sich. Er kam davor. Etliche Stunden hatte ich darin investiert, meinen Lernzettel zu üben. 81 Seiten waren es am Schluss, ein kleines Megaprojekt also, zu den unterschiedlichsten Themen, von Rechtsstaat bis Umweltschutz. Und dann war es plötzlich Abend, und zwar der letzte Abend vor der Prüfung. Gegen 18 Uhr habe ich entschieden: ich höre auf. Ich habe genug gemacht. Was im Kopf ist, ist drin, alles andere hole ich jetzt nicht mehr auf.
Es ist dieser Akt der bewussten, selbstbewussten Kontrollabgabe, der mich fasziniert hat, und den ich so auch bei Mitschüler*innen erlebt habe. Ich empfand ihn in der Situation wichtig, um mich nicht bis spät nachts verrückt zu machen, um ein Ende zu setzen. Wenn ich aber genau überlege, gibt es diesen Akt sehr oft im Leben. Wie oft können wir nur temporär begrenzt etwas kontrollieren, und es dann nicht mehr beeinflussen? Ob es die gewünschte Jacke im Kaufhaus noch gibt. Ob die Stimmung auf der Geburtstagsfeier wirklich gut wird, die wir so liebevoll geplant haben. Also: ob Hoffnungen, die wir in unser Umfeld haben, wirklich in Erfüllung gehen! Den Inhalt für PoWi wusste ich. Aber was genau dran kam, blieb mir bis zur Prüfung verborgen.
Hoffnung zu haben bedeutet, nicht alles kontrollieren zu müssen. Es bedeutet, mit einer gewissen inneren Einstellung an Herausforderungen zu gehen. Nicht naiv - das haben wir schon geklärt. Sondern mit einer offenen Sicht aufs Leben. Man könnte es “open-minded” nennen. Das sagt sich leicht, und ist auch nicht immer umzusetzen. Vielleicht hat man sich zwei Monate lang auf die Jacke gefreut, vielleicht ist es ein runder Geburtstag, den man feiern will. Aber am Ende können wir Herausforderungen nur angehen, wenn wir innerlich mit uns im Reinen sind, und bestenfalls sagen können: ich habe alles getan, was ging, ich kann mir nichts mehr vorwerfen!
Am deutlichsten merkt man diese innere Einstellung, wenn es ins Politische geht. Ständig müssen da Entscheidungen getroffen werden, die Auswirkungen auf unser Leben haben. Viele Interessen treffen dabei aufeinander, einige davon fundiert. Daneben gibt es Ratschläge aus der Wissenschaft, Forderungen von NGOs, die Mehrheitsmeinung in der Bevölkerung, und starke Wirtschaftsverbände. Ein Beispiel: die horrenden Spritpreise neulich. Am Ende aber muss man all das hinter sich lassen. Am Ende muss man zu einer Entscheidung kommen, und sie mit gestärkter Brust vertreten. Die Bundeskanzler, die es geschafft haben, zu integrieren und demokratisch zu legitimieren, aber dann klar zu entscheiden, gelten heute als die Größten. Weniger positiv ist das Bedachte, das Zögern eines Olaf Scholz. Vertrauen wir auf uns! Glauben wir daran, dass wir etwas können. Und genießen wir die Momente, in dem wir alles getan haben. Dieser Abend vor der Abiturprüfung war seltsam - mir Zeit für Entspannung zu nehmen aber hat gut getan.
Good News der Woche #05
Wir leben in aufgewühlten Zeiten. Das belastet. In einer Stockholmer Kneipe können Gäste jetzt nicht nur Bier, sondern auch eine „Bartherapie“ ordern. Dafür erhalten sie kostenlose Gespräche mit professionellen Psychologen vor Ort. Im Anschluss können sie bei Bedarf zeitnahe Folgetermine in einer Praxis vereinbaren.
https://www.stern.de/gesellschaft/psychotherapie-in-bar--warum-in-schweden-in-einer-kneipe-therapiert-wird-37296806.html (Opens in a new window)Nächste Woche ziehen wir Fazit zu einem Wal, der wohl Geschichte geschrieben hat. Wahrscheinlich wurde noch über keinen Meeressäuger so lange und intensiv berichtet, wie über Timmy, der vor der Insel Poel strandete. Manch einer nennt den Fisch auch “Hope”. Warum? Und was sagt das über uns Menschen aus?
Bis dahin empfehlt die “kleine Hoffnungsmail” gerne weiter. Einen schönen Sonntag euch!
Immer weiter gehen
Euer Hendrik