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Kleine Geste, große Wirkung

Fünf kleine Rituale für mehr Leichtigkeit und Verbundenheit, für unterschiedliche Gruppengrößen und Kontext.

Wir Menschen sind unfassbar gut darin, Fehler zu finden: bei uns, bei anderen, im System. Der Aufbau unseres Gehirns bestärkt uns in dieser Fähigkeit. Daher ist es sinnvoll, ab und an mal dagegen zu steuern. Mir fällt häufig auf, dass Menschen überrascht sind, wenn ich ihnen sage, was ich gut an ihnen finde, wofür ich sie bewundere oder was ich vielleicht sogar beneide. Oft sind es die Dinge, die uns selbst leichtfallen und wie selbstverständlich erscheinen, die für andere die Welt bedeuten können. So etwas zu hören gibt Kraft und schafft eine wertschätzende Atmosphäre, was wiederum zu mehr Erfolg und Zufriedenheit führt.

Es gibt unterschiedliche Arten, diese „warme Dusche“ in den Alltag, den Sport oder Büro-Kontext einzubauen. 

Variante 1: schnell und direkt:
Wenn euch ein Verhalten auffällt, dass ihr an einer Person mögt, zum Beispiel, dass sie in einer Situation umsichtig war, eine gute Frage gestellt, Geld direkt überwiesen hat – ohne, dass ihr nachfassen musstet oder was auch immer: Sagt es direkt oder schreibt es als Nachricht. Die meisten Leute bekommen über den Tag hinweg so viele anstrengende Nachrichten oder stressiges Feedback, da entspannt es ungemein, mal etwas positives oder bestärkendes zu lesen oder zu hören.

Variante 2: kleine Runde

Nehmt euch abends oder am Wochenende mal 15 Minuten Zeit zu zweit, zu dritt, zu viert und sagt euch, was ihr an diesem Tag/in dieser Woche besonders mochtet. Das kann ein lustiges Instagram-Reel sein, das eine Person mir weitergeleitet hat, der Kaffee, den sie für mich mitgemacht, der Teller, den sie weggeräumt hat oder die Idee, diese besonders lustige Serie zu schauen. Das macht ein gutes Gefühl und positive Gedanken für die Nacht, in die man sich auch oft grübelnd begibt.

Variante 3: allein, für dich

Seit einigen Wochen gehe ich abends im Bett gedanklich den Tag durch und sammle Situationen, in denen ich etwas Gutes gemacht habe. Wenn doch ein Bild von einem blöden Moment kommt, was sowieso passiert, sage ich: „Hey, du hast dein Bestes gegeben, vielleicht war es auch einfach nicht so leicht.“ Ich finde es bemerkenswert, wie sehr mein Körper sich entspannt im Gegensatz zu den Nächten, in denen ich mich innerlich nochmal zerfleischt habe wegen all der Dinge, die ich hätte besser machen können oder sollen.

Es fängt immer bei mir selbst an. ; ) Foto: David Schulz

Ich finde es schön, dieses Ritual für mich selbst durchzuführen. So bin ich von niemandem abhängig und doch hat es einen positiven Effekt auf meine Mitmenschen, weil ich, wenn ich mit mir selbst weniger hart ins Gericht gehe, auch anderen gegenüber weniger streng bin.

Variante 4: auditive Ressourcen-Dusche für Gruppen und Teams

Egal, ob ihr euch unter Freunden trefft, im Team bei der Arbeit oder im Sport, baut gern mal am Ende eines Trainings, in der Mitte einer Verabredung oder zum Start eines Workshops die Ressourcen-Dusche ein. Jede Person bekommt Notizzettel oder so bunte Trennblätter und darauf notiert ihr jeweils drei Stichpunkte zu der Person, die gerade dran ist. Diese setzt sich nach vorn oder in die Mitte – je nach Setting – und alle anderen erzählen nacheinander ausformuliert, welche Eigenschaften oder Fähigkeiten sie besonders an der Person schätzen. Im Anschluss erhält die Person alle Stichpunktkarten. So kann sie sich das Gesagte später wieder in Erinnerung rufen. Danach ist die nächste Person dran. Man kann pro Treffen wahlweise eine Person „duschen“ oder alle, je nachdem, was die Zeit hergibt.

Hier ein Beispiel für die Stichpunkt-Zettel. Wir haben sie als Team der Volleyball-Bundesliga füreinander ausgefüllt. Ich habe sie seit über zehn Jahren in einem Ordner und denke sehr gern an diesen Workshop zurück.

Variante 5: schriftlich

Das Ganze kann man auch als kleine Schreibwerkstatt machen, entweder gemeinsam an einem Ort oder virtuell, für den Fall, dass ihr keinen Termin zusammen findet. Beim Treffen vor Ort gibt es einen großen Zettel pro Person und darauf schreiben alle etwas ausführlicher die positiven Aspekte, die ihnen aufgefallen sind. So kreisen mehrere Zettel umher und es entsteht schnell eine gemütliche Schreibatmosphäre. Wenn ihr das virtuell macht, gibt es eine Deadline und bis dahin reichen alle ihre Werke ein. Das Schreiben dauert etwas länger. Es ist aber auch schön, sich etwas ausführlicher mit den Mitmenschen zu beschäftigen und das später nochmal zu lesen.

Beispiel für Warme-Dusche-Zettel aus einem Beachvolleyball-Camp. Es steht immer ein kleiner Text drauf und dahinter der Name von der Person, die es geschrieben hat. Danach gebt ihr den Zettel weiter.

Wir haben das mal als Abschluss eines Beachvolleyball-Camps gemacht, zehn Spielerinnen und ich als Trainerin. Die Zettel hatten eine Größe von A5. Es hat etwa 30 Minuten gedauert, bis jede auf jeden Zettel geschrieben hatte. Der Effekt aber hält immer noch an. Eine Spielerin hat drei Jahre nach dem Camp ein Foto geschickt, das den Zettel in einem Bilderrahmen zeigt. Sie hat ihn sich zu Hause an die Wand gehängt. Ich habe meinen abgeheftet und mir jedes Mal wieder herausgenommen, bevor ich in ein Camp gefahren bin, um mich daran zu erinnern, dass ich eine gute Trainerin sein kann.

Als ich die Mädels aus der damaligen Trainingsgruppe gefragt habe, ob es ok für sie wäre, wenn ich meinen Zettel hier im Text teile, hat die erste nach zwei Minuten geantwortet: “Auf jeden Fall.” Auch sie schickte mir ihren Zettel und schrieb: "Es ist voll verrückt. Ich hatte ihn schon lange nicht mehr angeguckt aber wusste bei deiner Nachricht gerade direkt, wo er liegt . Sehr bezeichnend für die Bedeutung und den Effekt wie ich finde.” Wir haben diese Zettel vor achteinhalb Jahren füreinander geschrieben.

Die Zettel als kleine Helferlein beim Turnier, im Bilderrahmen und die WhatsApp-Nachricht einer Spielerin, die schon abgereist war, und für die wir auch einen Zettel ausgefüllt und ihr als Foto geschickt haben.

Voraussetzung 

All diese Spiele setzen voraus, dass die Teilnehmenden ihren Fokus auf das Positive lenken und offen über die Stärken anderer sprechen oder schreiben. Wenn man das immer mal wieder macht, verbessern sich Atmosphäre, Motivation und das Miteinander – immer. pinky promise.

Danke an meine Ninjas aus dem Beachcamp in Side für den magischen Moment am Ende. 

Kategorie connecting the dots.

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