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Eddington (Ari Aster)

Die Ampelregierung ist zerbrochen; zerbrochen am ewigen Streit. Zumindest, wenn man der Berichterstattung der Leitmedien vertraut. Ein Kompromiss wurde gefordert, wurde erwartet. Das war auch Robert Habecks Analyse, galt sein größtes Bedauern doch dem Rauswurf Lindners durch Scholz, anstatt erleichtert zu sein, dass der Saboteur endlich raus ist. Entsprechend gestaltete er auch seinen folgenden Wahlkampf. Habeck hat an den Küchentisch gebeten und setzte ganz und gar auf Versöhnung: Der Politiker, der zuhört; versteht. Die Klatsche, die die Grünen daraufhin einfuhren, werfen die Frage auf, wie Kommunikation und der Kompromiss gelingen kann, wenn die widerstreitenden Interessen zu weit auseinanderliegen.

In den USA ist diese Entwicklung selbstverständlich noch einmal potenziert zu beobachten. Spätestens seit dem Maga-Movement ist klar, dass die Fronten zwischen liberalen und konservativen Kräften so sehr verhärtet sind, dass ein Konsens zwischen beiden geradezu absurd klingt.

Ari Aster widmet sich in seinem neuesten Film Eddington den scheinbaren Anfängen dieser Entwicklung. Wir schreiben das Jahr 2020, die Welt befindet sich im Corona Lockdown und in der Kleinstadt Eddington, versucht der Bürgermeister Ted Garcia (Pedro Pascal) das State-Mandat des Gouverneurs aufrecht zu erhalten und die Maskenpflicht durchzudrücken, während der Sheriff Joe Cross (Joaquin Phoenix) seine Form der individuellen Wahlfreiheit dadurch bedroht fühlt.

Verhärtete Fronten

6 Fuß Abstand, das sind die Regeln während der Pandemie. Das steht auch sinnbildlich für den Disput zwischen Joe und Ted. Unüberwindbar ist die Kluft zwischen beiden, aber gerade noch breit genug, dass sie sich drohend gegenüberstehen können. Und genau dafür ist die Regel auch dem Skeptiker Joe willkommen, ermahnt er doch den sonst so staatstreuen Ted, diesen Abstand einzuhalten, wenn er ihn mit seinem Smartphone provozierend filmt.

Und auch sonst misslingen die Dialogversuche zwischen beiden. Hinter der Maske oder der Glasscheibe versteht man sich nicht, die Musik ist zu laut. Aber anstatt aufeinander zuzugehen, gehen beide voneinander weg. Das endet schließlich in der Katastrophe, wenn Joe aus einer Entfernung von hunderten Metern Ted erschießt.

Auch die Black Lives Matter Demonstrationen nach der Ermordung von George Floyd verweigern jeglichen Diskurs. Bestehend aus weißen, privilegierten Studierenden, sprechen sie sogar sich selbst den Dialog ab. Schützend werden die Smartphones auf alles gerichtet, was ihnen zu nahe kommen könnte, so bleibt es bei lediglichen Kampfparolen, die niemand so wirklich ernst nimmt, am wenigsten die Eltern der Kids.

National vs Kommunal

“Das Virus ist nicht hier in Eddington,” behauptet Joe. Was die Welt, die USA oder sogar nur den Staat New Mexico angeht, interessiert den Sheriff nicht. Aber auch Ted ist eher auf die Symbolwirkung der Masken- und Abstandspflicht bedacht, als dass er wirklich an das Virus oder sonst etwas glauben würde. Er beteiligt sich auch nicht an den Black Lives Matter Protesten und hat auch keine Idee, wie er mit den Demonstrationen umgehen soll.

Vielmehr wird der Konflikt zwischen den beiden dadurch begründet, dass Joes Ehefrau Louise (Emma Stone) eine Vergangenheit mit Ted hat. Mehr noch, geht es im Grunde darum, dass Louise keinen Sex mit Joe haben kann, und dieser jetzt in Ted den Verursacher für seine leidenschaftslose Ehe sieht.

Der Film selbst bleibt auch nur bei diesen beiden Charakteren und ihrem als Kulturkampf getarnten privaten Zwist. Die Bürger Eddingtons, um deren Gunst beide buhlen, kommen so gut wie gar nicht zu Wort. So erfahren wir nie, wofür sich der sogenannte kleine Mann interessiert. Man sieht ein paar, die jubeln, wenn der Maskenverweigerer aus dem Laden geworfen wird, zwei weitere in der Bar, die Verschwörungstheorien teilen, aber das wars auch schon.

Während sich aber die beiden Streithähne im Nahkampf zerfleischen, kommt die eigentliche Gefahr von außen: eine Antifa-Splittergruppe macht sich mit dem Flugzeug auf den Weg, um in Eddington mal so richtig aufzuräumen. Die Hetzjagd endet im Blutbad und in der finalen Radikalisierung des ehemals für BLM demonstrierenden Brian Frazee. Die Message ist klar: Die eigentliche Gefahr lauert außen und wenn wir uns nicht einig werden, sind wir eine leichte Beute.

Fazit

Ari Aster hat kein Interesse an materiellen Argumenten. Alles in Eddington läuft auf individuellen Kulturkampf hinaus. Die Gefahr ist gesichtslos und fremd, und wir müssen uns zusammenraufen um dagegen zu bestehen. Dass aber alles strukturelle und (echte) widerstreitende Interessen so ausgeblendet werden, ist der Kern des Problems, dem auch Robert Habeck zum Opfer gefallen ist. Wir können nicht weiterhin so tun, als würden wir alle an einem Strang ziehen, oder dass alle Probleme von außen kommen. Das alles wegzuignorieren machts nur noch schlimmer.

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