Sino Kolumne: Brandkatastrophe ~ Telefonat ~ Thinktanks

Die Brandkatastrophe in der Wohnanlage Wang Fuk Court im Stadtteil Tai Po in Hongkong hat nicht nur in China Entsetzen hervorgerufen. Sieben von den acht Wohntürmen standen innerhalb kürzester Zeit lichterloh in Flammen. Das Feuer breitete sich über Bambus-Baugerüste an den Hochhäusern rasend schnell aus, wobei die Wohnhäuser auch mit brennbaren Schaumstoff- und Netzmaterialien durch Renovierungsarbeiten verbunden waren. Über einhundert Todesopfer sind bereits bestätigt, wobei noch hunderte Menschen vermisst werden und - so die berechtigte Befürchtung - die Todeszahl in den nächsten Tagen noch steigern lässt. Drei Verantwortliche der Baufirma Prestige Construction & Engineering Co. Limited wurden festgenommen, darunter zwei Direktoren und ein Berater. Ihnen wird fahrlässige Tötung vorgeworfen. Eine schnelle und folgerichtige Reaktion der Behörden. Aussagen von Bewohner offenbaren einen verantwortungslosen Umgang auf der Baustelle. So haben einige Bewohner immer wieder beobachtet, wie Bauarbeiter auch in der Nähe von Styropor-Material geraucht haben. Ich hoffe auf zwei Konsequenzen dieser Brandkatastrophe: Erstens wird Transparenz in die korrupte Baubranche in Hongkong gebracht. Zweitens wird die Diskussion über die traditionelle Verwendung von Bambusgerüsten in der Stadt belebt. Ich selbst würde diese veraltete Form des Gerüstbaus verbieten, denn diese haben das Flammeninferno erst möglich gemacht. Beeindruckend ist aber die Hilfsbereitschaft der Menschen in Hongkong, wobei unglaublich viele Bürger spontan zu dem Ort des Geschehens fuhren, um den über 4.000 nun obdachlos gewordenen Bewohnern der Wohnanlage zu helfen. Medizin, Lebensmittel, Ersatzunterkünfte standen somit in nur wenigen Stunden zur Verfügung. Ein großes Gemeinschaftsgefühl der Gesellschaft in Hongkong, was in den Stunden des Schmerzes über den Verlust so zahlreicher Menschenleben trösten kann.
Nachdem die japanische Regierungschefin mit ihrer Taiwan-Äußerung mächtig Unbehagen, nicht nur in diplomatischen Kreisen, erzeugt hat (siehe auch meine letzte LöwenPost 2025/31 (Abre numa nova janela)), wurde sie nun durch ein Telefonat zwischen Präsident Xi und Präsident Trump nicht nur ausgebremst, sondern sogar eiskalt abgewatscht, wie man auf bayrisch sagen kann. Denn auf die offizielle Verlautbarung der chinesischen Regierung zum Telefonat, dass China eine wichtige Rolle beim Sieg im Zweiten Weltkrieg spielte, und die US-Seite die Bedeutung der Taiwan-Frage für China versteht, kam kein Dementi aus Amerika. Auch wenn Trump das Thema aus diplomatischen Gründen in seinem Social Media Post nicht erwähnte, ist der Hinweis auf den zweiten Weltkrieg mit der unterschwelligen Anspielung auf die Aggressor-Rolle von Japan deutlich. Die 50jährige militärische Besetzung von Taiwan durch Japan in den Jahren 1895 bis 1945 sollte eigentlich Japan eine demütigende Haltung in der Taiwan-Frage einnehmen. Die direkte Verständigung von Präsident Xi mit dem amerikanischen Amtskollegen zeigt Japan außerdem seine Rolle in dieser Frage deutlich auf: nämlich am Katzentisch.
Bleiben wir beim Thema, denn es ist immer wieder verwunderlich, welche verzerrte Sichtweisen in den westlichen Thinktanks vorherrschen. Ich habe von den massiven Vorgehen der chinesischen Regierung gegen Korruption im chinesischen Militär berichtet (siehe LöwenPost 2025/29 (Abre numa nova janela)) und die "Experten" und "Beobachter" glauben bei diesen Maßnahmen eine Änderung eines strategischen Militärschlachtplans zu erkennen. Taiwan, so die selbsternannten Kenner, soll nun doch nicht bis 2027 von China militärisch besetzt werden. Woher kommt die Jahreszahl 2027? Es ist eine reine Erfindung genau dieser Thinktanks, die nun ihre unglaubwürdige "Prognose" kurz vor Erreichen des Jahres irgendwie begründet unter den Tisch kehren möchten. Und dazu nutzen sie eben diese Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung in China. Dabei bleiben sie nicht in ihrer lächerlichen Haltung stehen, sondern werfen die nächste Jahreszahl in den Raum, denn nun soll das chinesische Militär 2035 für eine Invasion bereit sein. Die vom militärisch-industriellen Komplex gesponserten Experten in den USA und Europa liefern ihren Geldgebern weiterhin fleißig Material für eine Bedrohungslage, damit leichtgläubige Politiker weiterhin auch Milliardensummen in militärisches Gerät investieren, auch dann, wenn der militärische Ukrainekonflikt irgendwann zum Ende kommt. Wie Politiker und Bevölkerung des Westens die deutlich friedlichen Ziele der chinesischen Regierung absichtlich übersehen wollen, ist schon eine Form von Hyperignoranz. Vor allem wenn man sich die gegenwärtige Entwicklung vor Augen führt, wo ein immer mehr wirtschaftlich starkes und wohlhabendes Land China irgendwann die gleiche Anziehungskraft entwickeln wird, wie es das ehemalig wirtschaftlich starke Westdeutschland für die ostdeutsche Bevölkerung kurz vor der Wiedervereinigung darstellte.