
Source: ideogram.ai (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)
09.10.2025
Liebe Leute,
es war richtig schön, drei Wochen Urlaub von der politischen Kommunikation zu machen. Ich brauchte nämlich nicht nur eine Pause von all dem Taubenschach (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), all der Irrationalität und Arschlochigkeit, die immer mehr unsere politischen Diskurse prägen. Ich brauchte auch und ganz dringend eine Pause von all den Konflikten, die mein politisches Leben bestimmen, seitdem ich vor zwei Jahren lautstark die These vom “Scheitern der Klimabewegung” zu vertreten begann: Konflikte mit meinen alten Klimagenoss*innen, mit meinen marxistischen Genoss*innen, mit großen Teilen der linksgrünversifften Öffentlichkeit, aber auch mit Menschen, die mir persönlich nahestehen. Klar, diese Konflikte zu führen, um dadurch den politischen “Kollaps-Space (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)” zu erweitern, war die letzten zwei Jahre einer meiner Jobs, aber auch für einen konfliktaffinen Menschen wie mich waren das am Ende zu viele, zu dauerhafte, und zu schmerzhafte Konflikte. Ich bin des ständigen Kämpfens gerade ein wenig müde, trotz drei Wochen Pause, weshalb ich heute auf meinem Blog das umsetzen will, was ich hier schon angekündigt hatte: “einen anderen, einen versöhnlicheren Tadzio an den Start bringen... Ich möchte nicht über alte Konflikte, ich möchte über neue (Handlungsmöglichkeiten) reden (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).” Nach zwei Jahren, während derer ich meine Geschichte einer entstehenden Kollapsbewegung immer aus meiner eigenen Erfahrung des Bruches mit der Klimabewegung ableitete, möchte ich eine neue Geschichte über diese neue Bewegung und übers SoliPrepping (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) erzählen, eine, die nicht mit Brüchen, Abgrenzungen und Konflikten beginnt, mit Debatten über Klimaaktivismus und konkurrierende Kollapsdefinitionen, sondern mit “emotionaler Resonanz (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)” statt inhaltlichem auf-Linie-Dreschen. Mit dem, was wir gemeinsam haben, egal, ob wir Klimaaktivist*innen sind (oder waren), ob wir zu denen gehören, die die Letzte Generation am liebsten von der Straße geprügelt hätte, oder zu jenen, denen die gesamte Klimadebatte total am Arsch vorbeigeht. Mit unseren Emotionen.
Angst machen Seele aus
In all den Gesprächen, die ich seit ungefähr zwei Jahren über eine Zukunft führe, die – egal, wie wir zur Frage Klimakollaps ja/nein stehen, oder ob wir glauben, dass sich klimapolitischer Aktivismus noch lohnt – auf jeden Fall von mehr Krisen, Katastrophen und Kriegen geprägt sein wird, ist mir eines aufgefallen: nämlich, dass fast jede Person, mit der ich spreche, Angst vor der Zukunft hat. Manche von uns erkennen diese Ängste an, artikulieren sie offen, und versuchen, damit umzugehen; Andere schieben sie von sich weg, lassen das Gefühl nicht an sich heran, versuchen, sich und ihre Kinder vor dieser dunkleren Zukunft zu schützen – aber alle von uns fühlen sie. Und das ist gut und richtig so: entgegen der zwangsoptimistischen “positive psychology (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)”, die gegen jede tatsächliche Datenlage immer wieder betont, dass Angst etwas schlechtes, etwas demobilisierendes sei, halte ich es für eminent vernünftig und äußerst menschlich, in der gegenwärtigen Situation Angst vor der Zukunft zu haben. Angst vor Faschismus und Klimakatastrophe, Angst vor Krieg und Stromausfall, vor Überflutung und Hungersnot. Oder die Angst der Verdrängungsmitte: davor, dass sich irgendwas ändert, weil es doch bisher eigentlich alles ganz gut lief, das soll halt bitte verdammt nochmal so bleiben. Und natürlich nicht zu vergessen, die Ängste der Anderen: Angst vor trans Menschen und Migrant*innen, Angst vor George Soros und den globalen Illuminaten, Angst vor “Bevölkerungsaustausch” und “gender ideology”. Natürlich haben nicht Alle in dieser Welt Angst, aber fast Alle, und die meisten von ihnen aus gutem Grund: Angst fressen Seele nicht unbedingt auf, auf einer grundlegenden Ebene machen Angst Seele aus – weil ich diese Welt fühle, habe ich Angst; und ich fühle, also bin ich. Das ist die Gemeinsamkeit, von der ich ausgehen will, und deswegen will ich mir unsere Ängste ein bisschen genauer anschauen.
Angst aus Ungewissheit
Erste Frage: haben wir wirklich vor dem Angst, von dem wir vorgeben, davor Angst zu haben? Ihr wisst Alle, dass die meisten von uns (männlich sozialisierte Wesen strugglen hier besonders) keinen besonders direkten Zugang zu unseren Gefühlen haben, vor allem, wenn diese negativ konnotiert sind, also ist die Frage erstmal nicht unfair. Ich würde die These aufstellen, dass wir gar nicht so sehr vor der Flutkatastrophe, dem Krieg, oder dem faschistischen Großangriff Angst haben, weil die meisten von uns (das basiert jetzt auf Annahmen über die Leser*innenschaft meines Blogs) noch nie eine Flutkatastrophe, einen Krieg, oder einen faschistischen Großangriff erlebt haben.
Ich glaube, dass wir tatsächlich, unterhalb der Ebene der politischen Erzählung (wo Menschen, die Angst haben, dass sich zu viel verändert, dann erzählen, sie hätten Angst vor Migrant*innen, obwohl sie noch nie welche gesehen haben), vor Dingen Angst haben, die wir schon kennen, die wir schonmal erlebt haben, die wir ständig und immer wieder erleben: wir haben Angst, uns ohnmächtig (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)zu fühlen (“Oh nein, was kann ich denn überhaupt noch tun angesichts von Klimakatastrophe und Krieg?”), handlungsunfähig zu sein (“Was soll ich jetzt machen?”). Wir haben Angst vor Ungewissheit (“Was wird denn dann passieren?) und dem Gefühl von Unzulänglichkeit (“Fuck, ich weiß, wie ich mich verhalten müsste, aber ich werde es nicht hinkriegen, ich werde nicht mutig und hilfsbereit sein, sondern panisch-paralysiert allein zu hause hocken!”). Wir haben Angst, keine Antworten zu haben, den Ansprüchen (Unseren? Denen der Anderen? Denen des großen Anderen?) nicht zu genügen, die in dieser ungewissen Zukunft an uns gestellt werden. Das sind die Ängste, die unsere Alltage bestimmen, und das sind auch die Ängste, die wir in die Zukunft projizieren: wir haben Angst vor einer immer katastrophaleren Zukunft, weil wir nicht wissen, wie unsere Leben aussehen werden, wenn all die Sicherheiten und relativen Komforts verschwinden, die im globalen Vergleich das Leben in den Externalisierungs- und Verdrängungsdemokratien des reichen Nordens bestimmen, oder noch genauer, wer wir sein werden, wenn die Katastrophe da ist.
Wer würden wir in der Katastrophe sein?
Wenn Ihr politisch in Deutschland sozialisiert wurdet, kennt Ihr folgende zwei Fragen: was haben meine Großeltern (oder Eltern, oder Urgroßeltern...) in der Nazizeit gemacht? Und: was hätte ich in der Nazizeit gemacht? Ich weiß nicht, wie Ihr für Euch diese Frage beantwortet, aber for the record bin ich ziemlich sicher, dass ich entweder im kommunistischen Widerstand, oder, leider wahrscheinlicher, ein glühender Hitlerist gewesen wäre (von letzteren gab's halt ungleich mehr, als von ersteren). Anders gesagt, wir in Deutschland verspüren immer die Angst, wenn es darauf ankommt, nicht die hilfsbereiten Humanist*innen zu sein, die wir sein wollen, sondern zum faschistischen Unmenschen zu werden. Wir wissen erstens nicht, wie Katastrophen aussehen, wie sie funktionieren, welche Handlungsmöglichkeiten es in ihnen eigentlich gibt; und zweitens nicht, wie sich Menschen in Katastrophen mehrheitlich verhalten, und deswegen können wir auch unsere Angst vor dieser Zukunft nicht auflösen oder sie zumindest auf ein managebares Format reduzieren: wir haben panische Angst vor einer Zukunft, über die und in der wir nichts wissen, in der wir ohnmächtig herumstolpern, und am Ende vielleicht sogar Teil der antihumanistischen Horde werden.
Und wenn das stimmt, dann ergibt es viel Sinn, trotz des Wunsches nach Verdrängung und Ignoranz, sich ein bisschen Gedanken darüber zu machen, wie die Katastrophe denn nun als politischer Raum eigentlich aussieht, zu versuchen, uns ein bisschen die Angst vor der Zukunft zu nehmen, indem wir das hinzufügen, das in jeder Bewegungsmobilisierung den Unterschied zwischen mobilisierender und lähmender Angst ausmacht: werden dazu auch Handlungsmöglichkeiten kommuniziert, oder bleibt es bei Angst und Ohnmacht?
Die Katastrophe als Black Box
Die konventionelle politische Perspektive auf “Katastrophe” ist, sie als eine Art Ausnahmezustand zu betrachten, in dem die Regeln der politischen Normalität kurzzeitig aufgehoben sind, die dann aber wieder in eine für Alle erkennbare Normalität mündet. Für den Raum der Katastrophe selbst sind die Sicherheits-, Notfalls- und Rettungsdienste zuständig, “die Politik” konzentriert sich aber weiter auf die Normalität. D.h., die Katastrophe (ob Naturkatastrophe, Stromausfall oder politischer Mord) ist für uns eine Art Black Box: wir wissen nicht wirklich, was in ihr passiert, und deshalb auch nicht, wie wir uns in der Katastrophe verhalten würden, oder verhalten könnten.
Und im mythologischen Sinne können wir sagen: in dieser Black Box steckt der Teufel. Denn wir wissen zwar nicht, wie Menschen sich in einer Katastrophe verhalten, glauben aber zu wissen, wie sie es tun würden: sie würden sofort zu hobbes'schen Wölfen werden, würden sich gegenseitig die Köpfe abreißen, und zwar im besten Fall noch ihre Familien beschützen, sonst aber jeden anderen Menschen als Feind*in betrachten, und sich auch dementsprechend verhalten. Wir glauben dies, weil wir schon in so vielen Büchern, Filmen, Serien, in allerlei popkulturellen Produkten gesehen haben (auch wenn wir nicht so ausgeprägte Fans von Dystopien sind, wie ich SciFi-Nerd das bin ;)): ob Zombie- oder Klimaapokalypse, die zentrale Einheit ist üblicherweise die Familie im Survivalbunker, beschützt vom Paterfamilias mit dem Sturmgewehr. Alle kämpfen gegen Alle, niemand weiß nix.
Solidarität in der Katastrophe
Und jetzt die gute Nachricht: das stimmt gar nicht. Das kleine aber feine Feld der “Katastrophensoziologie”, 2010 populärwissenschaftlich und sehr inspirierend von Rebecca Solnit in “A Paradise Built in Hell” zusammengefasst, zeigt, dass es eine seltene anthropologische Konstante gibt, wenn wir über Katastrophen reden. Denn während wir zwar glauben, dass Katastrophen uns zu Unmenschen machen, stimmt das Gegenteil: sie machen uns, zumindest zeitweise, erst einmal zu besseren Menschen. Wenn eine Gemeinschaft von einer Katastrophe betroffen ist, helfen die Menschen in dieser Gemeinschaft erstmal einander, gibt es erst einmal einen Überschuss von Solidarität und gegenseitiger Hilfe. Und das ist eine gute Nachricht für alle Humanist*innen, stehen wir doch vor einer Zukunft, die – egal, wo Ihr in der Kollaps: ja/nein?-Debatte steht – auf jeden Fall durch mehr Katastrophen gekennzeichnet sein wird: je mehr Katastrophe, desto mehr Solidarität. Wenn Katastrophen dazu führen, dass bestimmte menschliche Grundbedürfnisse nicht mehr befriedigt werden können, dann werden soziale Netzwerke entstehen, die versuchen, diese Bedürfnisse trotzdem zu befriedigen. Solnit schreibt dazu sehr schön: “The real question is not why this brief paradise of mutual aid and altruism appears, but rather why it is ordinarily overwhelmed by another world order. (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)”
Ich könnte das jetzt an konkreten Beispielen durchdeklinieren, aber dieser Text wird schon wieder sehr lang, daher verweise ich nur kurz auf: die comedores populares, riesige KüfAs, die von den argentinischen sozialen Bewegungen Ende der 90er und Anfang der Nuller betrieben wurden, als Argentiniens Wirtschaft kollabierte, und Armut und Hunger weit verbreitet waren; die griechischen Solidaritätsnetzwerke, die in der Eurokrise an den Start kamen, und große Zahlen bedürftiger Menschen versorgten; oder das schon häufiger erwähnte Nothilfenetzwerk “Occupy Sandy”, das nach den Verwüstungen durch den Hurricane Sandy (2012) eingerichtet wurde.
Also: ja, das mit diesen vielen kommenden Katastrophen ist richtig scheiße, aber wir wissen auch, dass Menschen in Katastrophen erstmal einander helfen. Das finde ich schonmal nen Fortschritt zur blanken Angst vor antihumanistischen Zusammenbruch, die sonst beim über-Katastrophen-nachdenken dominiert. Und es beantwortet, zumindest für mich, und ich glaube, dass das auch für die meisten von Euch gilt, auch die Frage, die mir vor ung. zwei Jahren mein Freund Pär Plüschke stellte, von dem ich diesen ganzen “SoliPrepping”-Ansatz erst gelernt habe: “Wer will ich in der Katastrophe sein?” Denn meine Antwort ist jetzt: ich will einer von denen sein, der Anderen helfen kann. Soviel linker Humanismus muss dann doch sein, Politik geht halt nicht wirklich ohne Ausschlüsse und Konflikte. Aber ich hoffe mal, dass wir uns auf diesen Ausschluss einigen können: wir wollen in der Katastrophe die sein, die Anderen helfen, so wie Menschen schon seit jeher in Katastrophen Anderen helfen.
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Vorbereitung auf die Katastrophe, aka...
Alright, das sind ja echte Fortschritte: wir wissen jetzt mehr über Katastrophen, darüber, wie Menschen sich darin verhalten, und wir haben herausgefunden, wie wir uns in ihnen verhalten wollen. Wir wollen helfen. Und was brauchen wir, um helfen zu können um das zu sein, was wir sein wollen, um in einer Katastrophe a real mensch sein zu können? Wir müssen uns aktiv auf diese Katastrophen vorbereiten, und schon haben wir etwas, das uns in der Katastrophe, ebenso wie in ihrem Vorfeld, weniger Angst macht: die gemeinsame, solidarische Vorbereitung darauf. Wir wissen, was zu tun ist, jetzt und dann, und wir wissen, wer wir dann sein werden – und das zu wissen, gibt Kraft, vertreibt ein bisschen die Ungewissheit und Angst, die uns davon abhält, uns rational auf die Zukunft vorzubereiten.
And let's be honest: in Bezug auf rationale Vorbereitung auf eine höchst wahrscheinlich zunehmend katastrophale Zukunft stehen wir Linksgrünversifften nicht besonders gut da. Wir verlassen uns da bisher viel zu sehr auf den Staat und existierende Katastrophenschutzinstitutionen, die doch nach 40 Jahren Neoliberalismus und angesichts immer häufiger und extremer auftretenden Katastrophen notwendigerweise überfordert sein werden. Und während wir uns immer noch viel zu sehr auf einen Katastrophenschutz verlassen, von dem wir selbst wissen, dass er völlig unzureichend ist, überlassen wir das Feld der nichtstaatlichen Katastrophenvorbereitung sträflich den Rechten, deren “Preppertum” wir daher auch lieber von oben herab als absurden, paranoiden Bullshit framen, als uns damit auseinanderzusetzen, was deren Preppen wirklich mit uns macht: es macht uns Angst, und macht uns unzulänglich fühlen, weil wir irgendwo deep down verstehen, dass rechtes Preppen (zumindest aus rechter Perspektive) immer noch rationaler ist, als unsere eigene Verdrängung der katastrophalen Zukunft.
Rechtes Preppen vs. SoliPrepping
Ich habe schon mehrfach über “rechte Katastrophenpolitik” geschrieben (hier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre), hier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und hier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)), daher hier nur eine kurze Zusammenfassung dessen, worauf diese Politik zielt: sie macht erstens Katastrophen wahrscheinlicher, und erhöht ihre Reichweite und Zerstörungskraft (z.B. rechte “Klimapolitik”); zweitens zielt sie darauf ab, Menschen zu vereinzeln und hilflos zu machen; drittens versucht sie aktiv, Angst zu schüren. All dies läuft darauf hinaus, dass im Moment maximaler Bedürftigkeit niemand außer dem Führer da ist, um Hilfe zu leisten: denn, wie Naomi Klein in The Shock Doctrine demonstrierte, Momente des Schocks, traumatische Momente, können gut dafür genutzt werden, um materielle und emotionale Abhängigkeiten herzustellen, um Menschen im Grunde zu “reprogrammieren”: “Schaut her, Ihr nassen, dreckigen, armen Plebs! Nur der Führer kann Euch helfen. Dieser Moment äußerster Bedürftigkeit, den ihr gerade erlebt? In dem gibt es nur eine Art von Hilfe, die von oben, vom Führer. Wenn Ihr den Führer verärgert, krieg ihr keine Hilfe, wenn Ihr Euch benehmt, dann bekommt ihr Hilfe.”
Und das bedeutet, dass unsere Politik in der Katastrophe, für die Katastrophe, genau das Gegenteil machen muss: sie muss vergemeinschaften, statt vereinzeln, sie muss Mut statt Angst machen. Genau dieses Potenzial sehen wir in der neuen Kollapsbewegung im “solidarischen Preppen” (die Ursprungsformulierung von “Preppa Tillsammans” findet Ihr hier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)), dessen Kernprinzipen ich aus Gesprächen mit Pär für mich so zusammengefasst habe:
die echten first responders sind immer wir: auch wenn wir uns darauf verlassen können, dass Katastrophenschutzinstitutionen oder Krankenwägen o.ä. Kommen, wenn wir sie anrufen, so gibt es doch immer die Frage “wer ruft eigentlich an?”, und “was machen wir, bis der Krankenwagen kommt?”
solidarisches Preppen beginnt am besten mit den eigenen Bedürfnissen, denn auf deren Basis können wir uns authentisch mit anderen verbinden.
es geht um Beziehungen, eher als um das Anlegen von Vorräten.
Solidarisches Preppen ist in dem Sinne kein neuer Diskurs, sondern eine in ihren Grundformen schon bestehende Alltagspraxis, die Angst nimmt, Handlungsfähigkeit schafft, und mithin antifaschistisch ist: denn Angst plus Ohnmacht ist allzu oft gleich Faschismus.
Schlussgedanken
Und genau darin sehe ich die kommende Bedeutung einer Kollapsbewegung, deren Hauptfokus im solidarischen Preppen liegt: als Bollwerk gegen die Angst, und deshalb auch als zentraler Teil der antifaschistischen Abwehrstrukturen, die wir in den nächsten 1-3 Jahren bauen müssen – bevor entweder eine Minderheitsregierung der Union sich von der AfD tolerieren lässt, oder die AfD als stärkste Partei nach einem Spahnputsch in der Union mit einer braun-schwarzen Koalition regiert.
Davor habe ich Angst. Darauf bereite ich mich vor, um weniger Angst zu haben. Um handlungsfähig zu sein, wenn das Schlimmste passiert. Ok, vielleicht passiert nicht das Schlimmste. Aber irgendwie erscheint mir die momentane Situation, in der wir zwar viel über die Möglichkeit von Faschismus und Klimakollaps diskutieren, aber die Diskussion darüber dann allzu oft dafür nutzen, uns trotzdem nicht wirklich praktisch vorzubereiten, als the worst of both worlds: dann fühlt mensch zwar die Angst, erlebt aber nicht, wie sie weniger wird, weil praktische Vorbereitung. Und darum geht's uns in der Kollapsbewegung: um die Praxis. Wie drückte Scully das so schön auf ihrem Blog (disrupt!) aus (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)? “Wir wollen selbst handlungsfähig werden und anderen diese Möglichkeit ebenfalls geben: Schritt für Schritt an einen Punkt zu kommen, an dem wir uns und anderen (in einem gewissen Rahmen) selbst helfen können, so dass gemeinsam einiges möglich ist, auch und gerade jenseits von den offensichtlichen Katastrophenereignissen, die zeitlich und lokal begrenzt auftreten werden (z.B. Waldbrände, Überflutungen). Wir stellen keine Forderungen, wir wollen selbst lernen, um zu handeln.”
Mit kollapsbewegten Grüßen,
Euer Tadzio