Über Erwartungen, Perspektiven und Momente abseits der perfekten Pose. Warum Turnierfotos uns verrückt machen und wie es besser laufen könnte.

Leute, auf diesen Text freue ich mich schon lange. Fotos von Beachvolleyball-Turnieren sind ein herrliches Thema. Es gibt genau zwei Dinge, die in der Regel passieren, sobald ein Link mit Turnierfotos im Postfach eintrudelt. Nummer eins: Du klickst dich durch 348 Bilder, merkst, dass du nicht drauf bist und bist unzufrieden. Nummer zwei: Du bist drauf, findest dich hässlich und bist unzufrieden.
Das Finale ohne mich
Eins meiner kuriosesten Fotoerlebnisse hatte ich bei einem Turnier, das meine Partnerin und ich mit der Silbermedaille beenden konnten. Wenn man es bis ins Finale schafft, sollten die Chancen ja nicht schlecht stehen, dass es einige Fotos gibt. Dachte ich. Nach einer langen Weile des Suchens fand ich einige Bilder von Matches, bei denen ich mitgespielt hatte. Meine Partnerin war zu sehen, unsere Gegnerinnen – mich aber hatte die Fotomediathek offenbar verschluckt. Drei Mal entdeckte ich mich – unscharf im Hintergrund, als ich gar nicht spielte: Mit meinem Badereifen in der Hand oder einfach durch die Gegend watschelnd. Stark.

Nächstes Turnier. Wir gewinnen. Ich suche die Fotos vom Finale. Es ist keins dabei. Vier unspektakuläre Bilder finde ich von uns, vom gesamten Turniertag – dafür etwa dreißig von einem anderen Team in knappen grellen Bikinis, das im Achtelfinale ausgeschieden war.
Fotografieren: unterschätzt anstrengend
Beim nächsten Turnier nehme ich mein Glück selbst in die Hand und frage eine andere Spielerin, ob sie mit dem Handy Bilder von uns machen möchte. Endlich haben wir schöne Bilder, denn sie fotografiert echt gut. Danach nehme ich mir ihre Kamera. Dabei fällt mir auf, dass man auch eine ganze Weile an einem Feld sitzen bleiben muss, um die besonderen Momente einzufangen. Vieles ist Schrott, weil man zu früh oder zu spät abdrückt, auf einen bestimmten Moment wartet und dann passieren lauter Aufschlagfehler. Hmm, ist vielleicht gar nicht so einfach, an einem Turniertag an allen Courts langzukommen, und Fotos zu machen, die den Tag repräsentieren.

Fotografieren ist ein Knochenjob. Gerade im Volleyball und Beachvolleyball machen die Leute das als Hobby. Und vielleicht sind die Fotograf:innen auch einfach nicht den ganzen Tag da, weil sie noch etwas anderes mit ihrem Wochenende anfangen möchten. Und dann fehlen eventuell mal Bilder vom Finale. Und selbst, wenn man viele schöne Bilder macht, sind Menschen unzufrieden.
Mit unseren eigenen Fotos sind wir überkritisch. Wir achten auf die Dinge, die niemand außer uns wahrnimmt: Die kleine Narbe am Hals, das Fettpölsterchen am Unterbauch, die drei abstehenden Haarsträhnen oder was uns sonst noch so auffällt, wenn wir unsere eigenen Bilder wie durch ein Vergrößerungsglas beäugen.
Selbstzweifel im Doppelpack
Neulich habe ich das ein bisschen besser verstanden, als ich selbst Fotos von einem Turnier gemacht habe und einen, wie ich fand, sehr herzlichen emotionalen Moment zwischen zwei Freundinnen eingefangen habe, die gerade gegeneinander gespielt hatten. Was ich sah: Zwei hübsche Frauen, die sich anlächelten und an den Händen hielten, obwohl eine gerade ins Halbfinale eingezogen und die andere aus dem Turnier ausgeschieden war. Was meine Freundin mir schrieb, war folgendes: „Oh je, habe ich echt so ein Doppelkinn?“. Ich musste erstmal ganz nah ranzoomen, um überhaupt ihr Kinn zu finden.
Und ich bin selbst nicht besser: Anderes Turnier, andere Partnerin, wieder ein Finale. Dieses Mal gibt es zahlreiche Bilder von uns, beim Spielen, beim Umarmen. Tolle Fotos. Allerdings ist fast jedes Mal, wenn wir uns umarmen oder abklatschen meine Partnerin von hinten zu sehen und ich von vorne. Ich möchte kurz unseren Austausch darüber teilen, damit mal klar wird, was so in unseren Köpfen passiert. Ich: „Schau mal, du bist jedes Mal von hinten drauf und ich von vorn. Vermutlich, weil mein Po einfach zu groß ist und dich sonst verdeckt hätte.“ Sie: „Haha, das ist mir auch schon aufgefallen. Ich hab mich gefragt, ob mein Gesicht einfach zu hässlich ist, so dass man mich lieber von hinten ablichtet.“
Wenn die Kamera überrascht
Ja, wir sind kompliziert. Wir sind oft nicht zufrieden – zuerst mit uns selbst und daraus resultierend mit den Fotos. Deshalb ist Beachvolleyball-Fotografie auch ein heikles Thema – im Speziellen, weil wir dabei nicht so viel Kleidung tragen. Ich merke, dass ich manchmal absichtlich etwas anderes anziehe als ich eigentlich würde, wenn ich weiß, dass Fotos gemacht werden. Ich kenne die Fotografen oft nicht, ich weiß nicht, was ins Netz gestellt wird, dann bin ich lieber vorsichtig. Manchmal vergesse ich auch, dass es Fotos geben könnte. Ich erinnere mich noch an ein Turnier, zu dem ich hingeschlumpft kam und auf einmal war da jemand, den ich nicht kannte und machte Fotos. Ich war mitten im Spiel und hätte mir gern etwas drübergezogen.
Ideen für die Saison
Es kann ein toller Service sein und eine schöne Erinnerung, Bilder von gemeinsamen Momenten im Sand zu haben. Und vielleicht wird diese Dienstleistung noch ein bisschen angenehmer für alle Seiten, wenn wir ein paar Grundregeln beachten:
Ich fänd es hilfreich, wenn bei einem Turnier der Fotograf:die Fotografin bei der Begrüßung kurz vorgestellt wird, damit klar wird: Wer ist das und wo landen diese Bilder. Ich weiß, wir geben mit unserem Haken unter den Durchführungsbestimmungen die Rechte an den Bildern ab, trotzdem wäre es angenehm, die Person einmal offiziell vorzustellen, denn bei unseren Turnieren kann ja jede und jeder einfach mit einer Spiegelreflexkamera vorbeilatschen.
Ich habe das Gefühl, die meisten Fotografen sind auf der Suche nach spektakulären Sportshots, die auf unserem Niveau nicht so regelmäßig zustande kommen und dann kursieren lauter Bilder im Netz, auf denen Leute schief am Netz hängen oder mit krummem Arm angreifen. Das heißt, wenn du Leute vor der Linse hast, die sich für spektakuläre Shots eignen: go for it. Und dann geh aber auch weiter. Und wenn du in einer Partie bemerkst, hier springt niemand zwei Meter hoch oder hechtet durch die Luft, finde eine andere Perspektive, eine andere Storyline.
Was mir in der Fotoauswahl oft fehlt, sind Aufnahmen von Emotionen. Wir erleben so besondere Momente bei Turnieren, die ich auf den Bildern oft vermisse: Zwei Spieler:innen, die sich herzlich umarmen, Sportler:innen, die lachend zusammenstehen, während sie sich den Turnierbaum anschauen, Taktikbesprechungen an der Bande oder der Jubel nach einem gemachten Punkt.
Bitte einmal selbst hinterfragen, ob man überproportional viele Bilder von den Spieler:innen gemacht hat, die besonders wenig anhaben. Und das vielleicht vor dem Hochladen überprüfen.
Sich fragen: Welche Bilder würden die Menschen, die ich fotografiere, gern von sich sehen und welche vielleicht eher nicht? Wie kann ich die Person bestmöglich aussehen lassen?
Wenn ich selbst fotografiert werde: Daran denken, dass das passieren kann und das Outfit dementsprechend wählen oder den Fotografierenden einen Hinweis geben: Ich möchte bitte nicht fotografiert werden.
Wenn der Link im Postfach ist, berücksichtigen: Es geht hier nicht allein um mich. Fotografieren ist nicht so leicht und der:die Fotograf:in war vielleicht nicht den ganzen Tag da.
Wenn es mir ganz wichtig ist, Bilder oder Videos von einem Spiel zu haben, kann ich in die Eigenverantwortung gehen und jemanden bitten, Fotos zu machen oder eine Kamera aufzustellen.
Besondere Erinnerungen
Fotos können so eine schöne Erinnerung an besondere Momente sein. Zum Beispiel hat @isebby (Öffnet in neuem Fenster) im letzten Sommer in Leipzig richtig tolle Bilder von uns gemacht. Es sind nicht nur Fotos von Spielzügen. Er hat unsere Persönlichkeiten eingefangen. Wer das auch super kann, sind Gerri Rebsch (Öffnet in neuem Fenster) und Janina Braun. Ich stelle mal beispielhaft ein paar Bilder hier rein, die ich ganz besonders mag.

So, dann kann der Sommer samt Turnierfotografie jetzt kommen – oder?