KINDERBUCH-KRITIK (Öffnet in neuem Fenster)
Kinder und Grauen (Öffnet in neuem Fenster) – das ist eine bekannte Mischung. Da muss mensch nur mal junge Eltern fragen. 😱🤭 Und dass Kinder in Grusel- und Horrorgeschichten (Öffnet in neuem Fenster) gut funktionieren, ist weithin bekannt. Ob nun als Opfer und/oder Beteiligte, Verdächtige oder Gefäße, etwa von Dämonen. Im Ullstein Verlag ist gerade Lars Engels Halloweenkind erschienen und im Kino lehren uns die Kind-starken und doch wenig kindgerechten Filme Bring Her Back, WEAPONS (Öffnet in neuem Fenster) und Conjuring 4 (Öffnet in neuem Fenster) das teils recht anspruchsvolle Fürchten (und als Dystopie gibt es noch The Long Walk (Öffnet in neuem Fenster), zum Fürchten aus anderen Gründen ist für manche dieser Herbst-Fetzen (Öffnet in neuem Fenster)).

Doch muss es nicht immer das fiese Fürchten sein. Nein, es kann auch ganz charmant, liebevoll und gar ein wenig heiter werden. Etwa, wenn die 2020 mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis für ihr literarisches Gesamtwerk ausgezeichnete Cornelia Funke mit den Stichworten „Keller“, „Kümmel“ und „Keks“ arbeitet. Dann kommen beispielsweise die Gespensterjäger um Tom, Hedwig Kümmelsaft und Schleim-Spuker Hugo heraus.
Der Loewe Verlag (Öffnet in neuem Fenster) hat die Buchreihe, die in den frühen 1990er-Jahren startete, nun neu aufgelegt und so ist auch der Autor dieser Zeilen, der als Kind wenig Kinderbücher gelesen, dafür schnell direkt zu James Fenimore Cooper, Arthur Conan Doyle, John Grisham, Jane Austen (250. Geburtstag am 16. Dezember 2025 - auch da gibt es was von Loewe oder auch Coppenrath…) und Co. gegriffen oder diese in die Hand gedrückt bekommen hatte, auf das Trio aufmerksam geworden. Der erste Band Gespensterjäger auf eisiger Spur ist ein kurzweiliger heidnischer Heidenspaß, der perfekt als Einführung und Themen- wie Teambildung funktioniert.

Für die Neuausgabe der Bücher steuert die 1990 in Berlin (Öffnet in neuem Fenster) geborene Franziska Blinde die Cover- und einige Farbillustrationen bei. Diese ist seit einiger Zeit Teil des Artist-in-Residency-Programms (Öffnet in neuem Fenster) Funkes und arbeitete mit der in Volterra, Italien lebenden Autorin bereits für die Geschichte Das grüne Königreich zusammen. Da sie jedoch Halloween liebe und „mit ihrer spitzen Feder am liebsten Spukiges“ zeichne, wie wir im Vorwort erfahren, lag es nur nah, ihr die bunte Bebilderung der lebendigen Abenteuer Toms, Hedwigs und Hugos anzutragen.
Der noch nicht einmal zehnjährige, wohl etwas tollpatschige Tom hatte einen grässlichen Tag, als er im großen Mehrfamilienhaus (wir denken: Platte, solide) zum Saft holen in den Keller geschickt wird. Die Flaschen gehen zu Bruch, als der Junge einem gar grausigen Geist begegnet. Oben gibt's Ärger von Mutti und Häme von der pubertierenden Schwester Lola. Einzig Oma zeigt Verständnis und vermittelt Tom an ihre Freundin oder Bekannte Hedwig Kümmelsaft. Diese weiß sofort, dass es sich bei Toms Kellergeist um ein MUG – ein Mittelmäßig Unheimliches Gespenst – handelt und wie Tom diesem den Garaus machen könnte...

...doch geht es hier erst richtig los. Denn Hugo, so der Name des MUG, ist von einem größeren und fieseren Gespenst aus seinem eigentlichen Spuk-Habitat, einer alten Villa, in die Nähe des Wohnhauses geblasen worden und kommt nun in dem ihm gar nicht so tauglichen Keller unter. Das ungleiche Trio entscheidet, dass etwas getan werden und Hugo zurück in die Villa muss. Dafür werden Friedhofserde, Schutzhelme, Veilchenduft, Handschriftliches und Backwaren zum Einsatz kommen.
Das alles ist wunderbar charmant und wie erwähnt kurzweilig. Die Gespensterjäger auf eisiger Spur ist hervorragend lesbar, bringt Freude sicherlich auch beim Vorlesen und Lesen lernen bzw. verbessern (der Titel ist bei Antolin gelistet und fördert spielerisch die Lesekompetenz, empfohlen ab acht Jahren). Die Mischung aus Spannung und Witz, Problem und Lösung passt bestens. Und es zeigt auf, dass Empathie und Angst, Fürsorge und Effizienz einander nicht ausschließen. Zudem ist die Nummer reichlich zeitlos, vor allem wenn wir bedenken, dass diese Gespensterjäger nun eigentlich bereits gute dreißig Jahre unterwegs sind. Kreative Kleinigkeiten wie eine Eigenschaftsliste von MUGs und Schlimmeren oder ein Glossar der Gespensterjäger-Abkürzungen runden den durchgehend mit klassischen Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Cornelia Funke versehenen Hardcover Band ab.

Ein Buch zum (Wieder-)Entdecken und ich freu mich nun schon auf die ebenfalls neu aufgelegten Teile zwei bis vier und den jetzt erscheinenden fünften Band Gespensterjäger und der Weihnachtsspuk. Ihr werdet mit den Gedanken zu den weiteren Abenteuern heimgesucht. Versprochen!
AS
PS: Im wunderbaren Insel Verlag ist von Cornelia Funke dieser Tage das Sachbuch Nachtfalter (mit Illustrationen von Jessica Frascht) erschienen. Wir wollen es in Kürze besprechen.
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Cornelia Funke (Text und S/W-Zeichnungen), Franziska Blinde (Cover- und Farbillustrationen): Gespensterjäger auf eisiger Spur (Band 1) (Öffnet in neuem Fenster); Juli 2025 (2. Auflage); 144 Seiten; Hardcover, gebunden, mit Spotlack und Farbseiten; ISBN: 978-3-7432-2239-7; 14,95 €