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GUGGSTE MAL, DRUCKSTE MAL

KOMMENTAR (Opens in a new window)

Nein, liebe Leute – die Person auf dem Beitragsbild ist weder die Küchentischgesprächs-Vertretung für Robert Habeck noch jemand, der mit euch über Gott oder G’tt sprechen möchte. Nein, es ist der mit 258 zu 401 Stimmen recht deutlich gewählte neue Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. (Keine Fake-News, echt nicht (Opens in a new window)!) Der 1982 am (nicht im, unseres Wissens nach) Bodensee geborene Sebastian Guggolz folgt somit auf Verlegerin Karin Schmidt-Friderichs, die seit 2019 Vorsteherin war und den Stab am Buchmesse-Freitag, 17. Oktober 2025, offiziell an ihn übergeben wird.

Der freundliche Vorsteher von nebenan: Sebastian Guggolz // © Nils Stelte

An der Universität Hamburg studierte er Kunstgeschichte, Germanistik, Volkskunde und Literaturwissenschaft und war für einige Zeit Lektor beim Berliner Verlag Matthes & Seitz, der in diesem Jahr untypischerweise in keiner Kategorie für das Wissensbuch des Jahres nominiert ist (Opens in a new window). 2014 gründete Guggolz den gleichnamigen Verlag (Opens in a new window) mit einer Anschubfinanzierung von 40.000 Euro. Das finanzielle Rückgrat bildete jedoch kurze Zeit später sein Gewinn von 250.000 Euro in der ZDF-Nischen-Sendung Der Quiz-Champion.

Der Verlag, der 2025 zu den mit dem Deutschen Verlagspreis Prämierten gehört (Opens in a new window), glänzt durch und überrascht mit Erst- und Neuübersetzungen sowie Neu- wie Wiederentdecknungen aus Skandinavien und Osteuropa. Ein kleiner, früher Coup gelang Guggolz bereits zur Frankfurter Buchmesse 2014 mit dem Gastland Finnland. Suomi hatte bis dahin und bis hierhin genau einen Literaturnobelpreisträger, nämlich Frans Eemil Sillanpää, ausgezeichnet im Jahre 1939 für dessen 1919 erschienenen Roman Frommes Elend* (OT: Hurskas kurjuus). Der pfiffige Jungverleger hatte diesen zum Sommer 2014 von Reetta Karjalainen und Anu Katariina Lindemann ins Deutsche übertragen und mit einem Glossar versehen lassen und war somit ein gefragter Mann auf dem Branchentreff und darüber hinaus.

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„Ich freue mich wahnsinnig. Ich weiß noch gar nicht, wohin mit meinen Gefühlen.“ - Sebastian Guggolz am Abend des 30. September 2025 kurz nach seiner Wahl zum Vorsteher

So kann die Geschichte von Sebastian Guggolz gut und gern als kreative Aufsteigergeschichte gelesen werden. Jedenfalls ist er kein Jakob Augstein, ist ihm kein Wallaby entlaufen... (Opens in a new window) Ja, er besitzt soweit bekannt ist noch nicht einmal eines (aber womöglich hat er ja irgendwo einen Sternnasenmaulwurf versteckt… (Opens in a new window)). Seit 2022 zeichnet er zudem für die Klassiker bei S. Fischer verantwortlich und ist Sprecher des Kuratoriums des Deutschen Literaturfonds sowie – beinahe selbstverständlich – befasst mit dieser und jener Juryarbeit.

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Wir blicken wohlgestimmt auf die unserer Meinung nach recht bezeichnende und gegebenenfalls gar wegweisende Wahl Guggolz'. Dürfte er doch „mit großem Vertrauen in sein breitangelegtes Wissen (Opens in a new window)“ in die neue Aufgabe starten und hierfür kulturelles Verstädnis mit einfallsreicher Flexibilität verbinden. Zumal wir vermuten, dass er souverän und bestenfalls kurzweilig im (öffentlichen) Umgang mit so unterschiedlichen Charakteren wie Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und Belletristik-Autorin Caroline Wahl (Opens in a new window) (der ja Wahl empfahl) oder auch Clemens Meyer und Martina Hefter sein dürfte.

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Zu diesem frischen Börsenwind, der womöglich zu einer Hausse der Klein-/Indieverlage führt, bringt er zudem ein großes Verständnis für den Wert guter, greifbarer, Werke und Autor*innen wie die Leser*innen schätzenden Übersetzungen mit. Das dürfte nicht nur mit Blick auf Künstliche Intelligenz und einen insbesondere von an und dank Bestsellern reichen Konzernverlagen kolportierten Sparzwang interessant sein. Darüber sprach er in Bezug auf den oben genannten Roman bereits 2014 mit Literaturkritiker Thomas Hummitzsch für dessen geschätzten Blog intellectures (Opens in a new window), der wiederum 2025 vom Verband deutschsprachiger Literaturübersetzer*innen mit der Übersetzerbarke ausgezeichnet wird (Opens in a new window). Wir sagen mal nicht, dass sich hier ein Kreis schließt, sondern sich mehr und mehr Kreise zu überschneiden beginnen.

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Die Amtszeit von Sebastian Guggolz beginnt am Samstag nach der Buchmesse am 25. Oktober 2025. Mit ihm beginnen neu im Vorstand Katja Berger (HarperCollins Deutschland, Hamburg) als Schatzmeisterin sowie Lucia Bornhofen (Buchhandlung Bornhofen, Gernsheim), Klaus Kowalke (Buchhandlung Lessing und Kompanie, Chemnitz) und Alyna Wnukowsky (Libri GmbH, Hamburg).

AS/HMS

zu *: In unserem noch immer nicht wieder fertig hergestellten Online-Magazin (siehe IN EIGENER SACHE unten) hatten wir Frommes Elend ausführlich besprochen. In absehbarer Zeit sollte sie wieder am Start sein, bis dahin müsst ihr mit unserem gar nicht so elendigen Instagram-Post zum 105. Finnischen Nationalfeiertag Vorlieb nehmen (Opens in a new window).

PS: Apropos G’tt: Wir haben Jom Kippur! In diesem Sinne: Gmar Chatima tova! Zom Kal!

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PPS: Der Börsenverein feiert in diesem Jahr den 200. Geburtstag. Im Wallstein Verlag ist der von Christine Haug und Stephanie Jacobs herausgegebene Band Zwischen Zeilen und Zeiten. Buchhandel und Verlage 1825 – 2025. Eine andere Geschichte des Börsenvereins erschienen. Ein Band mit Verve, der kurz nach seinem Erscheinen zur Leipziger Buchmesse 2025 vergriffen war und nun bereits in zweiter Auflage vorliegt. In Bälde vorliegen wird ebenso unsere Rezension zum gut in der Hand liegenden Werk. So auch zum für den Deutschen Buchpreis 2025 (Opens in a new window) nominierten Roman ë von Jehona Kicaj.

PPPS: If you walla by me lover... You gotta, you gotta, you gotta, you gotta, you gotta...c
Jump, jump, jump, jump

IN EIGENER SACHE: Da unser reguläres Online-Magazin noch immer nicht wieder am Start ist, veröffentlichen wir vorerst hier. Mehr dazu lest ihr in unserem Instagram-Post (Opens in a new window) oder auf Facebook (Opens in a new window). Außerdem freuen wir uns immer, wenn ihr uns einen Kaffee spendieren wollt (Opens in a new window) oder uns direkt via PayPal (Mail: info_at_thelittlequeerreview.de) unterstützen mögt.

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