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Tatort-Schauspieler Wagner gibt NS-Opfern seine Stimme

Sie kennen Hans-Jochen Wagner aus dem Tatort Schwarzwald und von der Berliner Schaubühne. Jetzt engagiert sich der vielfach ausgezeichnete Film- und Theaterschauspieler für digitale Erinnerungskultur. Wagner spricht die Scrollstory „Das verschwundene Massengrab" – aus persönlicher Überzeugung.

Tatort-Schauspieler Hans-Jochen Wagner
Hans-Jochen Wagner, Foto Jeanne Degraa

Familie als Täter und Opfer

Wagners Großvater war an zwei Weltkriegen beteiligt. Seine Familie war eng mit der NS-Zeit verbunden – als Täter und Opfer. „Ich spüre als Angehöriger dieser Familie, als Mensch und als deutscher Staatsbürger eine große Verantwortung, dass so etwas nie wieder geschehen darf, weder hier noch anderswo", erklärt Wagner im Interview.

Der Schauspieler studierte Geschichte in Tübingen, bevor er zur Schauspielschule „Ernst Busch" in Berlin wechselte. Die NS-Geschichten wurden in seiner Familie nur bruchstückhaft oder als Traumata weitergegeben. „Je mehr ich mich mit dieser Zeit beschäftigte, desto erschreckender wurde mir klar, wie wenig ich wirklich weiß über das Ausmaß der unfassbaren Verbrechen."

Wegschauen beenden

Wagner spürt die Gefahr, dass Verbrechen trotz ihrer Brutalität vergessen werden könnten. „Das damalige Wegschauen konnte in meiner Generation einfach weitergeführt werden. Deshalb mache ich hier mit."

Die Scrollstory erzählt von der Ermordung von KZ-Häftlingen bei Landshut im April 1945 – und das jahrzehntelange Schweigen danach. Wagners Vertonung können Sie in der BayernHistoryApp im Themenbereich NS-Erinnerungsorte hören.

Das Titelbild der Geschichte Ausschnitt der Landkreis-Karte aus der Justizakte.
Das Titelbild der Geschichte wurde von dem Autor Christian Hajer erstellt. Er verwendete einen Ausschnitt der Landkreis-Karte aus der Justizakte.

Digitale Sichtbarkeit für vergessene Orte

„Viele dieser Orte sieht man nicht. Man fährt vorbei – und weiß nichts", sagt Wagner. Die App gebe die Chance, das Unsichtbare sichtbar und hörbar zu machen. „Es geht nicht um Technik. Es geht um Haltung."

Vorbild für weitere Prominente

Wagner ist der erste prominente Unterstützer eines größeren Konzepts. Der Verein dieKunstBauStelle ist bereits mit weiteren Schauspielerinnen und Schauspielern im Gespräch. Prominente Stimmen erzeugen die Aufmerksamkeit, die für schwierige historische Themen dringend benötigt wird.

Erinnerungskultur braucht Menschen, die persönliche Verantwortung übernehmen und bereit sind, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Hans-Jochen Wagner macht den Anfang.

Links

Homepage

NaziCrimesAtlas Website (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Förderung

Das Projekt wird in der Bildungsagenda NS-Unrecht von der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und dem Bundesministerium der Finanzen (BMF) gefördert.

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Sujet Erinnerungskultur