Der besondere Zauber der Kopie braucht keine Worte!
Mit dieser etwas unklaren Einleitung begrüsse ich Euch in der fünften (etwas 🇮🇹 italienischen) Folge von Kopieren kapieren, in der ich Euch eine knapp 75-sekündige Cover-Version vorstellen will, der eben das gelingt, was ich in der Begrüßung behaupte: Sie wird verstanden, ohne dass sie Worte benötigt.
Genau das ist diese Woche der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni passiert geglückt: Sie hat auf Instagram ein Bild gepostet (Öffnet in neuem Fenster), über das in Italien derzeit gestritten wird - und das ich durchaus als Beitrag zur letzten Folge dieses Newsletters interpretiere: Wie gehst du damit um, wenn du kopiert wirst? (Öffnet in neuem Fenster)
(Öffnet in neuem Fenster)Zu sehen ist ein Fresko in der Basilika San Lorenzo in Lucina, die im Herzen Roms liegt. Darauf zu sehen: ein Engel, der eine Schriftrolle in der Hand hält, auf der die Umrisse Italiens zu sehen sind. Das Besondere ist aber das Gesicht des Engels, das seit einer Restaurierung verdächtig kopiert aussieht: Der Engel trägt das Gesicht der rechtskonservativen Regierungschefin Giorgia Meloni!
Urheber dieser Veränderung ist laut der italienischen Zeitung LaRepubblica (Öffnet in neuem Fenster) nicht das offizielle Restaurierungsteam, sondern ein Freund der Kirche, Bruno Valentinetti, der gemeinsam mit dem Priester, Monsignore Daniele Micheletti, die Kopie erstellt haben soll. FAZ-Italien-Korrespondent Matthias Rüb bringt die Reaktion der beiden wunderbar auf den Punkt (Öffnet in neuem Fenster) - und bestätigt damit die Eingangsthese, dass der besondere Zauber einer Kopie kein Wort braucht:
Gegenüber der Presse äußern sich Micheletti und Valentinetti übereinstimmend überrascht, dass die Leute eine Ähnlichkeit mit Meloni erkennen wollen. Ihnen sei das gar nicht aufgefallen, sagen sie – und zwinkern doch verbal mit mehr als einem Auge.
Übereinstimmend überrascht - passen sowohl der Kopiert-Song als auch meine Kapier-These diese Woche zu dem verbalen Augenzwinkern aus Rom. Mit einem verbalen Augenzwinkern wünsche ich:
Viel Freude bei der Lektüre
Dirk
P.S.: Zuerst habe ich die Meloni-Geschichte übrigens im Steady-Newsletter von Ornella Cosenza gelesen, den ich sehr empfehlen möchte: Autostrada Del Sole (Öffnet in neuem Fenster)!
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Maxi Pongratz: Nur ein O (Öffnet in neuem Fenster)
Das Original heißt “Nur ein Wort (Öffnet in neuem Fenster)” und das Cover kommt genau ohne das aus: ohne ein Wort. Und doch gelingt es Maxi Pongratz, die besondere Stimmung einzufangen, die „Wir sind Helden“ im Jahr 2005 auslösten – und die seit dem immer wieder in Covern und Remixes einzufangen versucht wird. Das ist deshalb besonders wichtig, weil das Lied so toll ist, dass es sogar die regelmäßige Verwendung als Markus-Lanz-Titelmelodie unbeschadet übersteht (Öffnet in neuem Fenster).
Es gibt unzählige Versionen (hier eine brasilianische Deutsch-Klasse, die mit dem Song die Sprache lernt (Öffnet in neuem Fenster)) ich möchte hier (nicht nur mit Blick auf den italienischen Einstieg) aber jene von der Crucchi Gang (Öffnet in neuem Fenster) hervorheben, die nicht nur ein, sondern alle Worte des Songs in Italienische übertragen habt: „Solo Una Parola“ (Öffnet in neuem Fenster).
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(B8) Eine Kopie zu erkennen, gleicht dem Moment, in dem du einen Witz verstehst (siehe dazu Folge 01/50 (Öffnet in neuem Fenster)): Kopien sind ein wichtiges Hilfsmittel zur sozialen Orientierung - ich erkenne deine Referenz, ich bin Teil deiner Gruppe.
Bei sprachlichen Kopien lässt sich das sehr gut an Gedichten, Gesängen und Gebeten festmachen, die Gruppen auswendig lernen und zur Festigung der Gemeinschaft in Fankurven, Konzerthallen oder Kirchen vortragen. Besonders schön sind diese Momente des sozialen Zusammenhalts aber dann, wenn sie ohne Worte auskommen - im Erkennen einer Melodie oder eines Geruchs (über Duftzwillinge genannte Duft-Dupes mache ich mal ne eigene Folge).
Unser Konzentration auf das Original (und den damit häufig verbundenen Original-Schöpfer) vergessen wir häufig, wie bedeutsam die Kopie und ihre Funktion als sozialer Wegweiser ist. Wir finden unseren Platz in Gesellschaften häufig genau dadurch: dass wir kopieren und kopiert werden - und besonders schön ist es, wenn wir das kapieren.

Um das Nummerierungs-Muster der bisherigen Folgen…
01/50 - B1 (Öffnet in neuem Fenster)
02/50 - E2 (Öffnet in neuem Fenster)
03/50 - B3 (Öffnet in neuem Fenster)
04/50 - D2 (Öffnet in neuem Fenster)
05/50 - B8 (diese Folge hier)
… aufzulösen, kommt hier das Inhaltsverzeichnis dieses Newsletters. Ich habe mir nämlich schon vor Beginn unserer gemeinsamen Reise einen kleinen Fahrplan gemacht - und dazu fünf Kapitel benannt, die Aspekt des Koapierens umfassen. Diese sollen am Ende je zehn Unterpunkte versammeln. Und jedes Kapitel sortiere ich mit einem Buchstaben, so dass Ihr Euch künftig an dem hier orientieren könnt:
A: 🙂 Zehn grundlegende Feststellungen zur (digitalen) Kopie (&KI)
B: 🤩 Zehn Gründe der Begeisterung für die lobenswerte Kopie
C: 😳 Zehn Herausforderungen für die Idee des Originals
D: 🤬 Zehn Fragen an betrügerische Kopien
E: 🤓 Zehn gute Vorsätze für Kopierkompetenz
Es gibt wieder tolle, aktuelle Cover-Release-News: Jonny Mahoro hatte im vergangenen Jahr eine kleinen viralen Hit (Öffnet in neuem Fenster) mit seinem Song “Vielleicht”, dessen Refrain zum Tiktok-Ohrwurm wurde. Diese Woche hat er mit Ami Warning eine live-home-sessiong-Version veröffenticht, die ich sehr empfehlen kann (Öffnet in neuem Fenster). Lizzy McAlpine hat in dieser Woche ebenfalls eine schöne Cover-Version rausgebracht: House of the rising sun (Öffnet in neuem Fenster). Aber vor allem diese News (Öffnet in neuem Fenster) hier macht gute Laune: Pulp covern ABBA (Öffnet in neuem Fenster).
Weil es mir richtig viel Freude macht: bitte nicht aufhören, mir Cover-Versionen vorzuschlagen! Und hört euch unbedingt die besonderen Cover-Versionen an, die Francesco Wilking und seine Crucchi Gang (Öffnet in neuem Fenster) ins Italienische übertragen: La dolce Lieda!