liebe Koapier-Freund:innen,
habe ich diese Woche Post von der VG-Wort erhalten.
Es wird mir darin eine Tantiemenzahlung angekündigt, die ich bekomme, weil andere meine Texte genutzt haben, ohne direkt dafür zu zahlen. Dafür gibt es Verwertungsgesellschaften wie die VG Wort (für Text) oder die Gema (für Musik). Mit der Tantiemenzahlung sollen Werknutzungen abgegolten werden, die nicht durch direkte Bezahlung erfolgt.
Im Umgang mit Kopien spielt diese Art der Finanzierung eine wichtige Rolle - und durch das Kopieren mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz wird diese Rolle womöglich noch wichtiger.
Das zeigt sich sehr gut an einem Beispiel, das ich ebenfalls in dieser Woche gesehen habe: die Journalistin Eva Wolfangel hat den Fall auf ihrer Website unter der Überschrift “KI und das Ende des Journalismus” (Öffnet in neuem Fenster) dokumentiert. Einer ihrer LinkedIn-Posts wurde ohne Kennzeichnung kopiert - wie sie hier auf LinkedIn zeigt (Öffnet in neuem Fenster). Das Besondere daran:
Im Verlauf der Diskussion wurde klar, dass die Person das vermutlich nicht selbst aktiv getan hat (und ich muss zugeben, das nehme ich ihr ab, denn es wäre tatsächlich naiv zu glauben, dass so etwas nicht auffällt und vor allem angesichts der wörtlichen Übernahme vieler Passagen nicht auch einfach nachzuweisen wäre). Die Person - ebenfalls ein Journalist und "Experte KI und Digital" - nutzt stattdessen diverse KI-Agenten, die das Netz nach Themen durchsuchen und diese in Posts und Artikeln im Namen der Person zusammenfassen. So in de Art muss es auch dazu gekommen sein, dass der KI-Agent meinen LinkedIn-Post fand und sich daraus bediente. Etwas zu wörtlich, so dass es aufflog.
Mich inspirieren beide Erlebnisse dieser Woche zur aktuellen kapiert-Frage: Was kopiert KI eigentlich?
Der Song der Woche wurde von Nhi Le entdeckt - in einer etwa dreißig minütigen Perfomance auf YouTube. Vielen Dank!
Und falls du denkst, dass man bei all der Hitze der vergangenen Tage die eigene Energie doch eher in den Kampf gegen den Klimawandel stecken sollte als ins Koapieren, dann hast du einen guten Punkt. Habe darüber auch schon nachgedacht (Öffnet in neuem Fenster)!
Keep up!
Dirk
P.S.: Eigentlich war der Newsletter schon fertig - da habe ich die lustigste und beste Kopie der Woche entdeckt, die wirklich gute Laune macht: Links dazu ganz am Ende dieser Folge!
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“Day ‘N’ Nite” von Jhené Aiko (Öffnet in neuem Fenster) - im Original von Kid Cudi (Öffnet in neuem Fenster) -vorgeschlagen von Nhi Le. Sie ist preisgekrönte Journalistin und Moderatorin. Für den NDR (ZAPP - Die Medienredaktion und NDR Kultur) und auf ihrem Instagram (Öffnet in neuem Fenster) berichtet sie über Pop- und Internetkultur, Food und vietnamesisch-deutsches Leben. Sie zählt außerdem zu den wichtigsten jungen Stimmen Ostdeutschlands. 2025 sprach sie den viel beachteten tagesthemen-Kommentar zum Tag der Deutschen Einheit (Öffnet in neuem Fenster). Ende Juli erscheint eine dreiteilige Doku von ihr zu Vietnames:innen in Ostdeutschland während der Wiedervereinigungsjahre in der ARD.
Rein optisch löst das Video dieses Covers (Öffnet in neuem Fenster) ein Unbehagen in mir aus. RnB-Engel Jhené Aiko steht mit ihrer Band in einem Raum voller bunter Batikvorhänge. Manche Abschnitte wurden durch ein Prisma gefilmt oder zumindest so editiert, dass man das Bild gleich vier oder fünfmal, teilweise verschwommen sieht. Visuals, die an einen LSD-Trip erinnern sollen.
Es ist also ein bisschen ironisch, dass mich genau dieser Song durch Nächte begleitet hat, in denen ich Ruhe gesucht habe. Aber schon das magische Glockenspiel im Intro kündigt an, dass etwas Besonderes kommen wird. Die plätschernden Harfenklänge wirken für mich wie eine Massage fürs Hirn und natürlich schafft es Jhené Aikos himmlische Stimme immer wieder, mich runterzubringen. Wahrscheinlich ist es auch ein bisschen Überidentifikation mit dem Text dieses Covers.
Day n nite. I toss and turn, I keep stressin′ my mind, mind.
I look for peace, but see I don't attain.
What I need for keeps this silly game we play, play.
Now look at this.
Madness the magnet keeps attracting me, me.
I try to run, but see I′m not that fast.
I think the first but surely finish last, last. Cause day n nite.
The lonely stoner seems to free her mind at nite
Ich bin auf dieses Cover (Öffnet in neuem Fenster) von Kid Cudis 2008 Debutsingle gestoßen, weil ich Jhené Aiko sowieso gern nachts höre. Meist zwischen 2 und 3 Uhr, wenn ich die stillen Stunden zum Schreiben, Lesen oder einfach für mich genutzt habe und einen Übergang in den Schlaf brauche.
“Jhene Aiko Weedmaps 4/20 Celebration Full Performance (Öffnet in neuem Fenster)” heißt das Video, das ich beim Scrollen durch Aikos Livesets auf YouTube gefunden habe. Sie hat etliche Songs übers high sein und Gras rauchen geschrieben, deshalb nicht überraschend, dass sie eine 4/20 celebration spielen würde. Kid Cudis zehnfacher Platinhit hat es wahrscheinlich wegen der Zeile “The lonely stoner seems to free his mind at nite” geschafft. Dass ich noch nie Gras geraucht habe, mindert meine Wertschätzung für den Song nicht.
Schon als Teenagerin habe ich zum Crookers Remix von Day n nite getanzt. Auf der Tanzfläche ist mir der Kontrast zwischen melancholischen Lyrics und Beats nie aufgefallen. Jhené Aikos feenhafte Coverversion hat es aber geschafft. Wie so viele eher unbekannte Coverversionen, existiert auch diese nicht als Single oder gar auf Streamingplattformen, sondern ist versteckt in einem längeren Video. So klicke ich mich also immer wieder auf YouTube, blende das Video aus und lege mich schlafen.
(Und ansonsten lieber Dirk ist das an dich, du kannst es aber auch gerne veröffentlichen:) Danke für die Einladung zu deinem Newsletter. Als ich im Vorfeld durch deine Ausgaben geklickt habe, empfand ich dieses wohlige Gefühl, das ich immer beim Blogs lesen hatte. Nach Tumblr, vor Insta, also auf Wordpress oder Blogspot. Natürlich ist steady kein Nischenportal (mehr), aber in Zeiten, in denen diskutiert wird, ob Websites langsam sterben und nur noch gängig Social Media-Plattformen, den größten traffic abgreifen, tut es gut, einfach mal wieder tief in den Online-Gedanken einer Person zu sein.
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(C2) Ist das Schreiben von Texten noch eine Aufgabe für Menschen? Darüber gibt es eine große Diskussion (Öffnet in neuem Fenster) - unter jenen, die mit dem Schreiben von Texten ihr Geld verdienen (wollen).
Wieviel KI-Text ist im Journalismus erlaubt? Der Spiegel hat gerade gesagt (Öffnet in neuem Fenster): Gar keiner. Ist das richtig so? Oder müsste man nicht eher sagen: KI ist ein gegenwärtiges Werkzeug und gegenwärtiger Journalismus sollte darauf zugreifen?
In jedem Fall stellt dieses Werkzeug den Beruf vor ganz neue Herausforderungen. Die Frage, die mich dabei aus Koapier-Perspektive beschäftigt: Was kopiert KI eigentlich?
Ich habe in Kapitel 7/50 darüber geschrieben (Öffnet in neuem Fenster), dass ich KI für eine Kopie mit unvorstellbarer Rechenleistung halte.
Ist diese Rechenleistung ein eigenschöpferisches Element? Vielleicht.
Ganz sicher ist diese Kopie aber betrügerisch, weil sie ihre Vorlagen nicht benennt.
Dieses wichtige Kriterium für lobenswerte Kopien (Öffnet in neuem Fenster) wird von Sprachmodelle ausgelassen - überhaupt verraten diese Modelle nicht ganz genau, was sie überhaupt kopieren.
Der eingangs zitierte Fall eines kopierten LinkedIn-Posts legt nahe, dass die Modelle sich sehr viel deutlicher an Vorlagen (Öffnet in neuem Fenster) orientieren als bisher behauptet wurde. Ein Verdacht, der schon im Fall von Harry Potter (Öffnet in neuem Fenster) im Raum stand - und der belegt, dass KI-Firmen Nutzungsgebühren für das Trainingsmaterial zahlen sollten (Stichwort: Tantiemen!).
In jedem Fall erinnert uns der Fall daran, dass KI nicht wirklich glaubwürdig oder um es konkreter zu sagen “manipulierbar” ist. Hier ein Beispiel wie du KI dazu bringst, dich als weltbesten KI-Experten (Öffnet in neuem Fenster) zu bezeichnen:
(Öffnet in neuem Fenster)
Danke für das tolle Feedback auf meine Halbzeit-Analyse zu unserem Koapier-Projekt (Öffnet in neuem Fenster). Freue mich auf den Start in die zweite Halbzeit - und damit jetzt auch auf die negativen Aspekte des Koapierens (Kapitel C in der Übersicht). Danach hatte mich zum Beispiel mein Freund Hans gefragt, dessen Newsletter ich euch gerne empfehlen (Öffnet in neuem Fenster) möchte.
Am Wochenende haben die Gorillaz in London gespielt - und am Sonntag gab es einen Überraschungsauftritt von Bad Bunny (Öffnet in neuem Fenster). Nicht nur weil ich solche Selbst-Kopien mag (Robert Smith bei Olivia Rodrigo (Öffnet in neuem Fenster)) habe ich mich sehr darüber gefreut (hier die Folge mit dem Cameo-Auftritt (Öffnet in neuem Fenster))
Vor zwölf Jahren stellte Materia fest: “Keiner hat mehr Bock auf Kiffen, Saufen, Feiern (Öffnet in neuem Fenster)”. Diese Woche nun habe ich in den Neuerscheinungen eine schöne Referenz auf diese Zeile gefunden: “Wer hat heute Bock auf Kiffen, Saufen, Feiern?” (Öffnet in neuem Fenster) fragen Esther Graf x Dani Lia x yola in ihrem Song “Hausverbot”.
Wenn dir solche Referenzen ebenfalls gefallen, dann solltest du diese Woche auch in den neuen Song “Komm näher” (Öffnet in neuem Fenster) von JUJU reinhören - gemeinsam mit RAF Camora hat sie eine Referenzkopie von “Mit Dir” (Öffnet in neuem Fenster) von Freundeskreis aus dem Jahr 1999 erstellt.
(Öffnet in neuem Fenster)Und weil ich nach all dem auf YouTube gesucht habe, hat mich die Plattform an eine meiner Lieblingscover-Versionen erinnert, die es leider (ebenso wie Nhis Vorschlag) nicht als offiziellen Song gibt: Little Simz covert “Feel Good Inc” von den Gorillaz (Öffnet in neuem Fenster). So toll!
Noch toller ist allerdings die Entdeckung, die ich gerade eben gemacht habe - und die ich hier ergänzen möchte: Bei der Premiere des neuen Minion-Films wurden Cover-Versionen gesungen (Öffnet in neuem Fenster), in der Phantasiesprache der Comicfiguren (Minionesisch). Das ist sehr lustig (Öffnet in neuem Fenster)!