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Sollen sie doch Bananen essen!

“Kasperl der Woche: Vizekanzler Babler rutscht auf der Banane aus”. Seit Monaten zieren Überschriften wie diese die Seiten des Boulevards. Es liegt der begründete Verdacht nahe, dass es weniger Andreas Bablers Umgang mit Bananengewächsen als vielmehr seine Politik ist, die Krone, Heute und Österreich erzürnen. Der Medienminister will die Medienförderung auf neue Beine stellen. Sollte er seine Ankündigung wahr machen und öffentliche Gelder zukünftig an journalistische Qualität geknüpft werden, drohen Krone und Co. herbe Einbußen. 

Symbolbild einer aufgeschnittenen Banane
Foto: pixabay.com/t_watanabe

Dass auf Papier gedruckte Schmierereien mit Millionen an Steuergeld bezuschusst werden, ist ohnehin eine österreichische Besonderheit – damit soll jetzt Schluss sein. Ob Babler damit Erfolg hat, wird sich zeigen – der Boulevard jedenfalls wehrt sich mit Händen und Füßen dagegen (wobei nicht immer klar ist, ob Erstere oder Letztere die Artikel tippen). 

Noch so eine Besonderheit der österreichischen Medienförderung: Auch die faire Bezahlung der freien Mitarbeiter:innen ist keine Voraussetzung, um öffentliche Gelder zu erhalten. Journalismus ist die einzige Branche, in der Unternehmen staatlich gefördert werden, selbst wenn sie unterhalb des Kollektivvertrags oder Stundenlöhne von ein paar Euro bezahlen. Ganz nach dem Motto: Sollen sie doch Bananen essen! 

Die derzeit laufende Reform der Medienförderung ist eine auf absehbare Zeit einmalige Gelegenheit, genau das zu ändern. Bisher waren die Interessen freier Journalist:innen im politischen Prozess kaum vertreten. Die Freischreiber:innen Österreich (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) – in deren Vorstand unter anderem der Autor dieser Zeilen sitzt – arbeiten derzeit an einer Kampagne, um den Freien mehr Gehör zu verschaffen. Das Ziel: Kein Steuergeld für Ausbeutung! Privatwirtschaftliche, profitorientierte Medien sollen nur öffentliche Gelder erhalten, wenn sie ihre freien Mitarbeiter:innen fair bezahlen! 

Wie man die Freischreiber:innen dabei unterstützen kann? Eine Möglichkeit findet sich in unserem Gewinnspiel am Ende dieses Newsletters! 

Solidarische Grüße,

Johannes

3 Fragen an: Victoria Schwendenwein

Foto: Johannes Friedl

Victoria Schwendenwein ist freie Journalistin und Vorsitzende der Freischreiber:innen Österreich. 

Du bist bereits seit einigen Jahren als Freie tätig. Was hättest du gerne früher gewusst? 

Da gibt es vieles: Ich war zu Beginn meiner Tätigkeit als freie Journalistin 17 Jahre alt und plötzlich mit dem Beschäftigungsverhältnis der “fixen Freien” (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) konfrontiert. Was das für meine Sozialversicherung und steuerrechtlich bedeutet, konnte mir damals niemand wirklich beantworten. 

Du bist kürzlich Mutter geworden. Ließ sich das mit deinem Beruf gut vereinbaren? 

Ja, es hat besser funktioniert als erwartet. Die Höhe des Wochen- und Kinderbetreuungsgeld wird ja auf Basis der Einkünfte aus den vorangegangenen Monaten berechnet und ich hatte das Glück, dass zusätzlich zu meinen laufenden Aufträgen ein größerer Auftrag genau in den relevanten Zeitraum gefallen ist. Die Tücke liegt in der Komplexität der verschiedenen Kinderbetreuungsmodelle (Karenzmodelle). Da muss man als Familie sehr genau recherchieren, was für die individuelle Situation am besten passt, damit man nicht auf der Strecke bleibt. Mir hat da auch unsere “Schlaue Mittagspause” mit der SVS sehr geholfen. Wir haben jetzt ein Modell gewählt, dass es mir (finanziell) erlaubt, ein wenig zurückzuschrauben und mir Zeit für mich und das Baby zu nehmen, mir aber gleichzeitig ermöglicht, weiter Aufträge anzunehmen. 

In der Vergangenheit hast du auch länger als fixangestellte Redakteurin gearbeitet. Vermisst du das gelegentlich?

Was ich tatsächlich am meisten vermisse, sind Redaktionssitzungen, also regelmäßig stattfindende, zeitlich begrenzte, moderierte Zusammentreffen mit Kolleg:innen, in denen verschiedene Themen und unterschiedliche journalistische Zugänge ausgetauscht und auch einmal leidenschaftlich diskutiert werden. Abgesehen davon: Ich habe gelernt, wie ich mir als Freie eine Stabilität und somit eine gewisse Sicherheit aufbaue. Es ist zwar nicht immer einfach, aber das ist das Angestelltenleben auch nicht.

🍞 Unser täglich Brot 

Über Medienpolitik und -förderung habe ich mir nicht nur in diesem Newsletter ein paar Gedanken gemacht. In meinem Text für die Arbeit & Wirtschaft (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)findet ihr neben ein paar Anekdoten über die “Höllenhunde” des Boulevards auch Anregungen darüber, wie die österreichischen Medien aus der Krise kommen könnten. Und apropos Tipps für Krisen: Für die Wienerzeitung (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) habe ich mir angesehen, was die WKO für “galaktische” Tipps hat, um Geld zu verdienen. 

Naz beschäftigt sich immer wieder mit der Wallensteinstraße und deren geplanten Umgestaltung. Für Zwischenbrücken (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) hat sie zuletzt recherchiert und aufgeschrieben, wieso es damit wohl in nächster Zeit mal nichts wird.

Christians Schwerpunkt liegt aktuell bei der Sparpolitik in Österreich und insbesondere in Wien. Über die Rolle der Sozialdemokratie hat er sich so seine Gedanken gemacht. Unter anderem im Surplus Magazin (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) und im Jacobin (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre)

Seit der zweiten Amtszeit des US-Präsidenten Donald Trump berichten Medien im Dauerfeuer über alles, was er sagt, macht oder nicht macht. Über die tatsächlichen Auswirkungen seiner autoritären Politik auf jene, die nicht im Rampenlicht stehen, hat Christof ein Interview für den Augustin (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre) geführt: mit Lindsay Calka, der Chefredakteurin der Straßenzeitung Groundcover News aus Michigan.

💡 Tipps des Monats

Gewinnspiel 

Und wie versprochen gibt’s hier zum Schluss noch was zu gewinnen.  

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Über uns: Wir sind das FYI-Kollektiv, ein Zusammenschluss aus sechs freien Journalist:innen. Wir machen Journalismus, gemeinsam und solidarisch. Wir, das sind: Christian Bunke, Johannes Greß, Naz Küçüktekin, Christof Mackinger, Milena Österreicher und Nadja Riahi. Einen Überblick über unsere Arbeit findet ihr hier (S'ouvre dans une nouvelle fenêtre).