FILM-KRITIK (Abre numa nova janela)
Zwei Dinge vorweg: „Run Boy Run“ von Woodkid ist ein toller Song. „Run, Forrest, Run!“ ein so legendärer wie häufig kopierter und persiflierter Halbsatz (beispielsweise sehr solide in Scary Movie 2). Weder Song noch Ausruf werden im teils bitter-ironischen THE RUNNING MAN von Edgar Wright in irgendeiner Form verwendet. Falls das für irgendwen von Bedeutung ist. Wer in dieser zweiten Verfilmung der Stephen King Romanvorlage Menschenjagd (1982 unter dem Pseudonym Richard Bachman veröffentlicht) vorkommt, ist der Hauptdarsteller der ersten Interpretation von 1987, Arnold Schwarzenegger. Wenn mensch auch recht genau hinschauen sollte.

Der engagierte Gutmensch mit Aggressionsproblem (Abre numa nova janela) Ben Richards (Glen Powell) benötigt dringend Geld für Medikamente, um seine kranke Tochter zu retten. Das Einkommen von Ehefrau Sheila (Jayme Lawson) reicht dafür nicht aus. So spricht er beim die Gegenwart kontrollierenden Sender vor, um an einer der lukrativen Game-Shows teilzunehmen. Außer einer: The Running Man. Diese wird entweder gewonnen (immerhin eine Milliarde Neuer US-Dollar nach 30 Tagen) oder endet für die Kandidat*innen mit dem Tod (also kein allzu langer Marsch… (Abre numa nova janela)).
Preisfrage (in diesem Szenario gestellt von Will & Grace's Sean Hayes): Für welche Show qualifiziert sich der „wütendste Kandidat den wir je hatten“ wohl?!

Korrekt: Der titelgebenden Running Man-Nummer. Mit von der Partie sind zwei weitere Kandidat*innen (gespielt von Katy O'Brian und Martin Herlihy), deren Ableben erwartet werden darf. Gejagt werden diese, von Produzent und Boss Dan Killian (Josh Brolin) sowie Moderator Bobby T (Colman Domingo) als Nichtsnutze verkauften, Menschen von einer Gruppe mörderischer Jäger sowie der Sender-/Staats-Polizei. Wahrlich bedrohlich dieses Szenario!

Dies ist es zu Beginn in der Tat: Schnell schmeißt uns die von Edgar Wright und Michael Bacall adaptierte Geschichte ins Geschehen, gibt uns die wichtigsten Figuren an die Hand, zeigt uns die dystopische Welt (Abre numa nova janela) mit soliden Klassenunterschieden unter Dauerbeobachtung (Abre numa nova janela) („We're watching you, watching us“ erinnert an „We hear you“ aus Succession) und führt fix ins Glücksspiel des Lebens ein. Das gelingt gut, genau wie auch die Jagd im Außen beeindruckender ist, als die Arena-Atmosphäre des 1987er-Films mit Arnie.
Zudem kommt der Film sehr zeitgeist-y daher, was ihm eine gewisse Relevanz verleiht. Sei es der Umgang mit Menschen im (Reality-)TV – inklusive einer famosen Kardashians-Kopie und bestem Gastauftritt des Films – oder die Vereinnahmung der Exekutive durch andere Kräfte, Korruption und Machtkonzentration (Abre numa nova janela). Donald Trump und Nationalgarde, Shutdown und Project 2025 (Abre numa nova janela), Paramount (Skydance Corporation) und BBC – ick' hör euch alle trapsen! (Dass gerade Paramount als Studio hinter dem neuen Running Man steht, entbehrt natürlich nicht einer gewissen Ironie!)

Anfangs funktioniert das besonders gut, da die wahren Machtmechanismen zunächst zumindest teils im Verborgenen bleiben. Je deutlicher diese aber wieder und wieder ausformuliert werden und je stärker (institutionelle) Verschwörung, Widerstandskampf (u. a. dargestellt von Daniel Ezra und Michael Cera) und persönliche Dramen in den Vordergrund gezogen werden, desto stärker fällt auf, dass die Geschichte schablonenhaft dünn ist. Was nicht weiter wild ist, die Message stimmt – doch sollten geneigte Zuschauer*innen sie auch ohne ständige Floskel-Wiederholungen kapieren.

Eine Mehr-Oder-Weniger-Entführung und Verfolgung wie auch das im Vergleich zum Rest beinahe zurückhaltende Finale sind definitiv zu lang geraten und schmälern die Wow-Wirkung des in Teilen durchaus knackig-kräftigen Running Man (Probleme mit dem Timing hatte Wright allerdings auch schon bei Baby Driver). Doch ist der Film durchweg gut gespielt, was über manche Länge und Schwäche hinwegsehen lässt. Allen voran glänzen Glen Powell als grimmiger Good Guy, Josh Brolin als sadistisch-schmieriger Chef und Colman Domingo als halbseidener Host (übrigens einige Queerness vor und hinter der Kamera). Die bereits erwähnten Co-Stars wie auch ein lang maskierter Lee Pace, Emilia Jones, William H. Macy oder ein sehr ansehnlicher Karl Glusman machen ihre Sache allesamt so gut, wie DoP Chung Chung-hoon (Heretic) sie in engen Gemäuern wie auf weiter Flur in Szene zu setzen versteht (so sie sich denn filmen lassen wollen hrhrhrhr).
https://www.youtube.com/watch?v=KjO_CWrsOtM (Abre numa nova janela)Die oft kreativen Action-Sequenzen wissen fast immer zu überzeugen, sind selten zu lang und lassen uns solide am Geschehen teilhaben (Schnitt: Paul Machliss). Einzig die Musik (Abre numa nova janela) von Steven Price (zuletzt Oh, Hi! und Ozeane mit David Attenborough (Abre numa nova janela)) ist eher austauschbar, bleibt nicht hängen. Schade! Dafür dürfte das Pro-Antifa-Ende von Edgar Wrights teils etwas lapidarem, sozialkritischem (Abre numa nova janela) Sci-Fi-Action-Kracher vielen im Kopf bleiben und wahlweise den kleinen inneren Revolutionär kitzeln oder strukturkonservativen Krawattenhelden triggern.

Um zum Ende noch diesen billigen Spruch zu bringen: The Running Man ist mit Sicherheit kein Film zum Weglaufen (Abre numa nova janela), doch gesprintet werden muss auch nicht.
AS
PS: Apropos brutale Rache: Am 20. November startet SISU: Road to Revenge im Kino. Wir werden berichten. Und schaut hier gern auf einen blutigen Movie-Mash-Up (Abre numa nova janela)!
PPS: Dies war unser erster (indirekter) Stephen King-Streich der Woche... Der zweite folgt sogleich – gar mit Gewinnspiel (Abre numa nova janela).
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THE RUNNING MAN ist ab dem 14. November 2025 im Kino zu sehen; seit dem 29. Dezember 2025 ist der Film digital zu kaufen und zu leihen
THE RUNNING MAN; USA, UK 2025; Regie: Edgar Wright; Drehbuch: Edgar Wright, Michael Bacall nach dem Roman von Stephen King/Richard Bachman; Bildgestaltung: Chung Chung-hoon; Schnitt: Paul Machliss; Musik: Steven Price; Darsteller*innen: Glen Powell, Josh Brolin, Colman Domingo, Katy O'Brien, Martin Herlihy, Lee Pace, Emilia Jones, William H. Macy, Karl Glusman, Jayme Lawson, Michael Cera, David Zayas, Daniel Ezra, u. v. m.; Laufzeit ca. 133 Minuten; FSK: 16; im Kino
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