Hier kommt alles, was du wissen solltest, kompakt erklärt. Heute ist wieder tag eins!

Hallo!
Das Sturmtief Elli zieht weiter über Europa. In Deutschland wurde der Betrieb der Deutschen Bahn teilweise eingestellt, in Norddeutschland, aber auch in Italien, Schweden und Großbritannien bleiben Schulen heute zum Teil zu. Österreich trifft es nicht ganz so hart, aber auch hier wird fast überall vor Glatteis und Schnee gewarnt. An dieser Stelle noch einmal der kleine Hinweis: Die Notschlafstellen für obdachlose Personen sind fast voll. Die Caritas bittet alle, die hilfsbedürftige Obdachlose sehen, beim Kältetelefon unter 01/480 45 53 anzurufen.

Außerdem geht es heute um das Mercosur-Abkommen, Proteste im Iran und Entsetzen in den USA nach tödlichen Schüssen in Minneapolis.

Mercosur-Abkommen kurz vor Abschluss
Seit 25 Jahren wird darüber verhandelt, im Dezember wurde ein möglicher Abschluss noch einmal auf Jänner verschoben, heute könnte es so weit sein: Das Mercosur-Abkommen steht (Si apre in una nuova finestra) kurz vor dem entscheidenden Votum. Das Freihandelsabkommen möchte die Europäische Union mit Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay für etwa 750 Millionen Menschen abschließen und im Handel zwischen den 31 Nationen für rund 90 Prozent aller Produkte die Zölle fallen lassen.
Frankreich hat noch einmal die Ablehnung des Abkommens bekräftigt. Trotzdem kann es heute zustande kommen. Denn Italien signalisierte nun, nach Zugeständnissen der Kommission an die Landwirt*innen, doch zuzustimmen. Irland, Polen, Ungarn und Österreich waren im vergangenen Jahr dagegen. Die EU-Kommission benötigt eine qualifizierte Mehrheit von mindestens 55 Prozent der Mitgliedstaaten. Österreich bleibt voraussichtlich beim Nein. In Deutschland und Frankreich protestierten erneut Landwirt*innen und blockierten Straßen. Auch der österreichische Bauernbund spricht sich weiterhin gegen das Abkommen aus und kritisiert fehlende Transparenz und Wettbewerbsgleichheit. In Österreich protestierten im Bezirk Neusiedl am See am Wochenende Bauern gegen das Handelsabkommen, berichtet (Si apre in una nuova finestra) der Standard. Deutschlandfunk (Si apre in una nuova finestra) fasst die Argumente von Befürworter*innen und Kritiker*innen zusammen. Greenpeace kritisiert, dass in der südamerikanischen Landwirtschaft weniger strenge Standards für Umwelt, Klima und Tierwohl gelten als in der EU.

Proteste im Iran
Im Iran protestieren mittlerweile seit 12 Tagen Menschen gegen das Regime. Heute Nacht fanden die bisher größten Demonstrationen seit Beginn der Proteste statt, berichten zahlreiche Medien, darunter der ORF (Si apre in una nuova finestra). In der Hauptstadt Teheran sowie in zahlreichen anderen Städten kam es zu Massenprotesten. Ausgelöst wurde die Protestwelle von der hohen Inflation und der immer schlechter werdenden wirtschaftlichen Lage für die Bevölkerung. Mittlerweile fordern die Protestierenden ähnlich wie bei den Massenprotesten 2022 ein Ende des autoritären Regimes.
Das Regime geht hart und repressiv gegen die Proteste vor. 45 Menschen sollen bis jetzt nach Angaben von Aktivist*innen ums Leben gekommen sein, über 2.000 Menschen wurden verhaftet. Der Internetzugang für die Bevölkerung wurde massiv eingeschränkt.
Expert*innen sehen die Möglichkeit, dass die Proteste diesmal das Regime zu Fall bringen könnten. Von entscheidenden Tagen und Nächten spricht auch im Ö1-Morgenjournal die Korrespondentin Rosa Lyon. Das Regime stehe unter sehr großem Druck, habe aber auch jahrzehntelange Übung darin, mit Unruhen und Protesten umzugehen.

Entsetzen nach tödlichen Schüssen in Minneapolis
Donald Trump setzt sein Wahlkampfversprechen um, in großem Stil Menschen aus den USA abzuschieben. Die Verfahren sind rechtlich intransparent. Familien werden auseinandergerissen, in der Abschiebehaft mangelt es häufig an Platz, Hygiene und Essen. Seit Monaten patrouillieren oft vermummte Beamte der Einwanderungsbehörde ICE durch viele amerikanische Städte und nehmen Migrant*innen fest. In mehreren Fällen feuerten Beamte bei solchen Einsätzen ihre Waffe ab und verletzten Menschen, mindestens eine Person starb. Vielerorts spitzt sich die Lage zu.
Bei einem der vielen Proteste gegen das ICE-Vorgehen wurde nun in Minneapolis erneut jemand getötet. Videos zeigen, wie ein ICE-Beamter mehrfach aus nächster Nähe auf die 37 Jahre alte Mutter dreier Kinder schießt. Im Hintergrund schreien Menschen. Danach versucht offenbar ein Arzt, Erste Hilfe zu leisten, wird aber von den Beamten brüsk daran gehindert.
Die Trump-Regierung beschuldigte die Getötete umgehend des „inländischen Terrorismus“ und erklärte, sie habe versucht, den Beamten mit ihrem Auto zu rammen. Der Präsident schrieb auf Truth Social, der Mann habe in Notwehr geschossen. ZDFheute (Si apre in una nuova finestra) hat die Videos unter anderem mithilfe einer animierten Sequenz der Recherche-Plattform Bellingcat, verlinkt bei Bluesky (Si apre in una nuova finestra), analysiert (Vorsicht: verstörende Bilder) – und kommt zu dem Schluss: Das stimmt so nicht. Auch in Portland (Oregon) haben (Si apre in una nuova finestra) Bundesbehörden einen Mann und eine Frau bei einem Einsatz angeschossen. Das US-Heimatschutzministerium spricht von einer Verbindung der beiden zu einer venezolanischen Gang, Portlands Bürgermeister Keith Wilson hinterfragte auf einer Pressekonferenz diese Darstellung und sagte, die Zeiten, in denen man Angaben von Bundesbehörden für bare Münze nehmen konnte, seien vorbei.
In mehreren Städten gingen wütende Regierungsgegner*innen auf die Straßen. Weitere Informationen gibt es beim Deutschlandfunk (Si apre in una nuova finestra). Wer sich ausführlicher mit den ICE-Einsätzen beschäftigen möchte, dem sei dieser Weltspiegel-Beitrag (Si apre in una nuova finestra) von September empfohlen.
(Luzia Geier, aktualisiert von Anna Mayrhauser)
Hier empfehlen wir dir jeden Tag ein Recherchestück eines unabhängigen, kleinen Mediums aus Österreich, den aktuellen Krautreporter-Text und unser Fundstück des Tages. Viel Spaß!

Menopause im Mittelpunkt
Medial hat die Menopause wahrscheinlich noch nie so viel gebündelte Aufmerksamkeit bekommen wie heute. Auch Sachbücher, Filme und Romane haben sich in den letzten Jahren dem Thema auf eine neue Art und Weise angenähert. Eine Tagung in Wien beleuchtete die Menopause nun aus verschiedenen Perspektiven, berichtet das feministische Gesundheitsmagazin our*bodies. Und stellt fest: Während um die Menopause ein riesiger Markt entstanden ist, fühlen sich Betroffene immer noch zu wenig informiert.
https://ourbodies.at/menopause-im-mittelpunkt/ (Si apre in una nuova finestra)
Lehrkräfte müssen immer mehr leisten. Was ihnen helfen könnte
Mehr als 500 Lehrkräfte haben der Reporterin Lea Schönborn erzählt, was ihren Arbeitsalltag so schwierig macht. Sechs Punkte, die Politiker*innen und Schulleitungen anpacken müssen.
https://krautreporter.de/kinder-und-bildung/6169-lehrkrafte-mussen-immer-mehr-leisten-was-ihnen-helfen-konnte#lesen (Si apre in una nuova finestra)

Rowohlt geht Väterrechtlern auf dem Leim
Unter dem Titel „Werde ich meine Kinder je wieder sehen. Die zerstörerische Macht der Eltern-Kind-Entfremdung nach einer Trennung“ kündigte der Rowohlt Verlag im Dezember ein Sachbuch zum Thema Familienrecht an. Nach Kritik an Desinformation hat der Verlag das Erscheinungsdatum des Buches nun nach hinten verschoben. Denn das Buch, das unter dem Synonym „Thea Talbusch“ veröffentlicht werden soll, arbeitet mit dem unwissenschaftlichen Begriff der „Eltern-Kind-Entfremdung“. Dieser geht auf das „ Parental Alienation Syndrome (PAS)“ zurück, ein pseudowissenschaftlicher Begriff aus der Väterrechtsbewegung, der oft genutzt wird, um Gewalt gegen Frauen und Kinder auszuüben. Außerdem schrieb das Nachwort des Buches der Kinderpsychologe Stefan Rücker, ein Lobbyist der deutschen Väterrechtsbewegung. Der Journalist Matthias Meisner recherchierte für die taz zum Fall und sprach mit Expert*innen aus dem Familienrecht.
https://taz.de/Umstrittenes-Buch/!6143384/ (Si apre in una nuova finestra)Wünscht ein schönes Wochenende ohne Schneechaos:
Anna