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Erlaubnis.

Gedanken darüber, wie ich die Freiheit nutze, selbst über meine Zeit bestimmen zu können und die Frage, warum das manchmal so schwerfällt.

Zuletzt habe ich immer wieder bemerkt, wie schnell die Zeit an mir vorbeirast und das Gefühl, von Sand, der mir durch die Finger rinnt. Minute für Minute, Stunde um Stunde, einfach so – keine Chance, sie festzuhalten. Kaum liegt sie in meinen Händen, sehe ich sie schon wieder vorüberziehen. Die Zeit ist aktuell ein großes Thema für mich. Vielleicht, weil ich nun so viel davon habe und gleichzeitig denke, dass sie extrem begrenzt ist. In meiner Erinnerung war die Schnelligkeit der Zeit immer irgendwie ausgewogen. Mal verging sie rasend schnell, besonders in schönen Momenten und dann wieder schien sie stillzustehen. Eine Balance, die mir ein gewisses Wohlgefühl verschaffte. Doch in den letzten Monaten raste sie nur noch und ich habe dann und wann Mühe, Schritt zu halten. Was ist anders? Ich glaube, es liegt an meiner Freiheit. Natürlich kann das alles Unsinn sein, angefangen bei dem Gedanken, dass Zeit mal schneller und mal langsamer vergeht. Doch für mich fühlt es sich so an, weshalb ich meine These durchaus darauf stützen kann, denke ich.

Meine aktuelle Lage erlaubt es mir, meine Zeit nahezu zu 100 Prozent selbst einteilen zu können und vor allem auch ganz alleine entscheiden zu können, was ich damit anstelle. Klar, es gibt den ein oder anderen Termin, den ich einhalten sollte und die Terminkalender der Menschen, mit denen ich gerne ausgewählte Sequenzen meiner Zeit verbringen möchte – abgesehen davon, bin ich ganz auf mich gestellt. Diese Freiheit ist wunderschön, manchmal überfordernd und ich habe das Gefühl, unfähig zu sein, immer das Beste aus ihr herauszuholen. Das muss man auch nicht andauernd. Ich bin fest davon überzeugt, dass man zuweilen auch mal Zeit verstreichen lassen darf und sollte. Doch die kostbaren Minuten mit den Dingen zu füllen, die mich wirklich erfüllen und nicht mit dem, was man denkt, damit anfangen zu müssen, das ist leichter gesagt als getan. Zumindest geht es mir regelmäßig so. Kennst du das Gefühl auch, dass du die ganze Woche lang gerannt bist, wie verrückt und am Ende gar nicht weißt, was du alles gemacht hast und irgendwie denkst, gar nichts geschafft zu haben?

Ich habe den Eindruck, mir nicht immer die Erlaubnis zu geben, meine Zeit so zu nutzen, wie ich es gerne möchte und wie es sich für mich gut anfühlt. Dass ich es immer öfter schaffe, erkenne ich an meinen Fortschritten im Schreiben, an meinen Ideen, die in Rekordgeschwindigkeit Form annehmen, sobald ich sie einmal aus meinen Gedanken entlassen habe und den Gesprächen, die ich führe. Aber: das geht nicht von alleine. Immer und immer wieder muss ich mich selbst davon überzeugen, dass ich das alles hier gerade machen darf. Und denke dann doch wieder darüber nach, ob ich meinen Tag anders hätte nutzen sollen und ob ich wirklich genug geschafft habe, ob ich nicht noch mehr hätte tun können oder lieber weniger hätte machen sollen. Warum ist das so? Wir erteilen so oft die Erlaubnis für irgendwas, aber wenn es um die eigene Erfüllung geht, fangen wir auf einmal an zu knausern und finden dauernd einen Grund, unsere Zeit doch lieber so einzusetzen, dass sie anderen mehr gibt als uns selbst.

Ich lese gerade „Die Kunst, frei zu sein“ von Tom Hodgkinson. Eventuell kommen daher diese vielen Gedanken über Freiheit und Zeit. Die Lektüre lege ich dir sehr ans Herz. Nicht weil ich denke, dass er mit allem recht hat und man sein Leben genauso führen sollte. Aber um grundsätzlich mal ins Nachdenken zu kommen und sich bewusst zu machen, wie und was man selbst eigentlich lebt. Eigentlich spricht der Titel schon für sich: Frei zu sein, ist eine Kunst. Kunst ist subjektiv und so kann auch Freiheit für jede:n von uns etwas anderes bedeuten und für uns alle anders aussehen. Dafür braucht es wiederum eine Menge Akzeptanz. Und die Erlaubnis, die eigene Freiheit zu leben. Alles hängt mal wieder zusammen und am Ende ergibt es doch wieder am meisten Sinn, mal innezuhalten, Zeit vergehen zu lassen und einfach nur zu sein. Wenn wir das schaffen, ergibt sich der Rest von alleine. Eine schöne Vorstellung, oder? Ich möchte daran festhalten und so viele Momente wie möglich so verbringen, dass sie sich stimmig anfühlen, egal wie schnell sie vorüberziehen.

Wofür ich mir aktuell regelmäßig die Erlaubnis gebe, ist Schreibzeit. Egal wie viel Raum es einnimmt, ich lasse mein Schreiben nicht im Stich und lasse es geschehen. Und damit auch der Kitsch in dieser Woche nicht zu kurz kommt: Ich merke, dass sich die Kreativität bedankt, dafür, dass ich ihr die Tür aufmache. Nicht nur ab und zu, sondern mit einer gewissen Regelmäßigkeit. Denn auch unser Schreiben muss ja erst mal Vertrauen fassen und sehen, ob wir uns gut darum kümmern. Es braucht gar nicht viel. Einfach nur eine offene Tür und die Erlaubnis, einzutreten. Das kriegen wir doch hin, oder?

Bis nächste Woche!

Alles Liebe

deine Sarah

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