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    <title>Kopieren kapieren - Digitalisierung in 50 Schritten</title>
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    <description>Digitalisierung in 50 Schritten: jeden Mittwoch um 18 Uhr - mit einer musikalischen Kopie</description>
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      <title>Kopieren kapieren - Digitalisierung in 50 Schritten</title>
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      <title><![CDATA[Famous Blue Raincoat (41/50)]]></title>
      <description><![CDATA[KI-Dankbar, ein berühmter Regenmantel und unser Verhältnis zum Denken]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Koapieren,</h1><p><strong>liebe Leserinnen und Leser,</strong></p><p>ist zu einem feststehenden Begiff für mich geworden im Laufe dieses Jahres. Das habe ich gemerkt, als ich diese Woche <a href="https://www.instagram.com/p/DeUtfm-uZtQ/">auf der Frankfurter Buchmesse</a> mit sein Tech-Gründern über den Newsletter sprach. Gemeinsam wollen wir mit den Texten hier im Laufe des Winters was Besonderes ausprobieren. Bleibt dran, es könnte spannend werden.</p><p>Auf dem Rückweg hatte ich den Impuls <a href="https://www.dirkvongehlen.de/ich/danke-liebe-ki/">einen Offenen Brief zu schreiben</a>. Aus Dankbarkeit. An KI. Und zwar ganz ohne Ironie.</p><p>Schon vor ein paar Wochen schrieb ich mit Simon, der gerade ein neues Medium aufbaut. Davon erzählt er z.B. hier <a href="https://www.instagram.com/p/DeWEpzdR58X/">in einem Instagram-Video</a> weiter unten stellt er seine Lieblings-Coverversion vor. </p><p>Auf <a href="https://simon.berlin/">seiner About-Seite</a> habe ich übrigens diese sehr passende Einschätzung zu KI gelesen:</p><blockquote><p>KI fasziniert mich, aber ich misstraue den meisten Konzernen, die sie entwickeln. Technologie hilft mir beim Arbeiten, soll aber nicht für mich denken.</p></blockquote><p>Darüber <a href="https://www.dirkvongehlen.de/ich/ich-mache-mir-gedanken/">mache ich mir jetzt Gedanken</a>!</p><p><strong>Viel Freude bei der Lektüre</strong></p><p>Dirk</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Raincoat</p><p><em>“</em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=qUaE69TNRMo"><em>Famous Blue Raincoa</em></a><em>t” von Damien Rice - ausgewählt von </em><a href="https://simon.berlin/"><em>Simon Berlin</em></a><em> gründet gerade gemeinsam mit Ann-Kathrin Hipp, Moritz Klein und Bojan Albers ein neues Medium. Doch bevor</em><a href="https://tbd.land/"><em> tbd</em></a><em> offiziell startet, reisen die vier durch Deutschland und fragen auf ihrer &quot;Mission 401&quot; Menschen aus allen Stadt- und Landkreisen, wie Journalismus in ihrem Alltag wertvoll werden kann.</em></p><p>Auf der Liste an Dingen, die ich in meinem Leben bereue, steht recht weit oben: kein Instrument gelernt zu haben und nie auf einem Konzert von Leonard Cohen gewesen zu sein. Ein paar Akkorde könnte ich mir vielleicht beibringen, doch Cohen ist seit zehn Jahren tot. Deshalb muss ich mich mit dem grandiosen Album „Live in London“ trösten – und mit anderen Künstlern, die Cohen covern.</p><p>Im Dezember 2017, gut ein Jahr nach Cohens Tod, war ich auf einem Konzert von Damien Rice in Paris. Sein Cover von „<a href="https://ig.ft.com/life-of-a-song/famous-blue-raincoat.html">Famous Blue Raincoat</a>“ ist bis heute eine meiner intensivsten musikalischen Erinnerungen, und das hat zwei Gründe.</p><p>Zum einen kündigt Rice das Lied als „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=Bu7G2tZITmw">my favourite song ever</a>“ an und erklärt, warum ihn eine Zeile des Songs so sehr berührt: <em>Thanks, for the trouble you took from her eyes, I thought it was there for good, so I never tried.</em> Rice sagt <a href="https://www.youtube.com/watch?app=desktop&amp;v=-3J_lnCS4jg">in seiner minutenlangen Anmoderation</a>: „I realized that was the line that used to kill me each time. To be able to have that ... It&#39;s even beyond the word forgiveness.“</p><p>Diese Hingabe und persönliche Beziehung zu dem Song spürt man in den folgenden fünf Minuten. Rice steht allein mit seiner Gitarre auf der großen Bühne, und 2000 Menschen lauschen andächtig und sind am Ende ähnlich sentimental wie der Songwriter selbst.</p><p>Zum anderen war das Konzert eine der ersten Reisen mit meiner damaligen Partnerin und heutigen Frau Alexandra. Neun Jahre später löst die Erinnerung immer noch die gleichen Gefühle bei uns aus. Ich habe Alex gefragt, ob es in Ordnung ist, dass ich über das gemeinsame Erlebnis schreibe. Wir haben <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Bu7G2tZITmw">den verwackelten YouTube-Mitschnitt</a> des Songs angeschaut und waren genauso gerührt wie damals. Seitdem beschwert sich Alex jeden Tag: „Du bist schuld, dass ich diesen Ohrwurm habe.“</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Dankbar sein</p><p><strong>(C3)</strong> An anderer Stelle bin ich bereits der Frage nachgegangen, was KI eigentlich kopiert (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/3f36be1a-2ca7-4400-bb45-a35b7e710b1f">siehe Folge 26</a>). Heute will ich herausfinden, was passieren muss, damit ich KI dankbar sein kann.</p><p>Denn eigentlich ist es schon sehr beeindruckend, dass die Sprachmodelle, die wir gerade benutzen auch deshalb so machtvoll sind, weil sie Texte von mir mitgelesen haben.  Natürlich nicht nur von mir und mein Anteil ist sehr sehr gering, aber dennoch sind Texte von mir in diesem großen Ozean an Buchstaben gelandet, aus dem die Technologie gelernt hat, die wir heute KI nennen.</p><p><strong><em>Wie kann ich dankbar dafür sein?</em></strong></p><p>Zwei Gedanken sind mir <a href="https://www.dirkvongehlen.de/ich/danke-liebe-ki/">dazu diese Woche</a> aufgefallen: erstens muss ich die Technologie von den Firmen trennen, die sie gerade vermarkten. Und zum zweiten muss man mit diesen Firmen über eine Form von Erstattung sprechen - das <a href="https://steady.page/de/692deb47-7f0f-42b7-9a3c-3a07d8e56e65/posts/0fad29f7-d5cd-4c31-9789-b92a8a650a85">Thema Disruptionsabgabe</a> und <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/3f36be1a-2ca7-4400-bb45-a35b7e710b1f">Tantiemen habe ich bereits</a> angesprochen.</p><p><a href="https://www.dirkvongehlen.de/ich/danke-liebe-ki/">Aber der Gedanke, KI dankbar zu sein, fasziniert mich weiterhin.</a></p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>… </strong><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/about"><strong>kannst du hier in der Übersicht </strong></a><strong>nachlesen und nachhören.</strong></p><p>Ich habe erstaunlich wenig Feedback <a href="https://steady.page/de/692deb47-7f0f-42b7-9a3c-3a07d8e56e65/posts/0fad29f7-d5cd-4c31-9789-b92a8a650a85">auf meine Indieopa-Erwähnung</a> aus der vergangenen Woche bekommen. Dabei bin ich mir sicher, dass hier zahlreiche Indie-Großeltern mitlesen ;-)</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 14 Oct 2026 16:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Sexual Healing (40/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Dem Indie-Opa gefällt die Idee einer Disruptions-Abgabe.  Pierrot Raschdorff erinnert außerdem an eine Hamburger Szene-Kneipe]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Heilung</h1><p><strong>liebe Koapier-Community,</strong></p><p>steht über dieser Ausgabe. Den Begriff habe ich mir von <a href="https://www.pierrotraschdorff.de/">Pierrot Raschdorff</a> geliehen, der mich zu einem Resonanz-Retreat an den Tegernsee eingeladen hat - und diese Woche ein Cover mit Healing-Bezug vorstellt.</p><p>Wie Heilung in Bezug auf digitale Veränderungen gelingen kann, habe ich vergangene Woche bei <a href="https://vienna.re-publica.com/de/session/disruption-bewaeltigen-wie-koennen-wir-der-ki-revolution-mit-rechtlichen-und">einem tollen Vortrag auf der Wiener re:publica</a> gelernt. Till Kreutzer hat seine Idee einer “Disruptionsabgabe” vorgestellt. Mehr dazu im kapiert-Teil dieser Ausgabe.</p><p>Auf der Konferenz habe ich mich übrigens auch <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/0941a0c6-1497-4830-ba58-9f7c4ac5686c">mit Christoph Koch getroffen, den aufmerksame Koapier-Freund:innen bereits aus der Folge 33 dieses Newsletters</a> kennen. Christoph hat nicht nur sein tolles Buch vorgestellt (<a href="https://www.emotionaleki.de/">“Hallo wie fühlst du dich heute?”</a>), als ich auf dem Heimweg, den Song <a href="https://www.youtube.com/watch?v=af57skJLXbs">“Indieopa (C’mon)”</a> in meinem Release-Radar entdeckte, musste ich auch an ihn denken. Und zwar im besten Sinne.</p><p>Dazu gibt es ganz am Ende dieser Ausgabe noch eine kleine Tocotronic-Entdeckung.</p><p><strong>Jetzt aber: Kurz durchatmen und ab!</strong></p><p>Dirk</p><p>P.S.: <a href="https://www.rheinwerk-verlag.de/smvv/">Falls du morgen abend zur gleichen Zeit noch nichts vorhast</a>, komm doch vorbei wenn wir im besten kopieren-kapieren-Sinn über Social-Media sprechen!</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Sexual Healing</p><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=I7wG7qjet-0"><em>„Sexual Healing“ (Hot 8 Brass Band</em></a><em>) im Original von Marvin Gaye, ausgewählt von </em><a href="https://www.pierrotraschdorff.de/"><em>Pierrot Raschdorff</em></a><em>, dessen Buch “</em><a href="https://www.klett-cotta.de/produkt/pierrot-raschdorff-die-neue-hoeflichkeit-9783608988833-t-9342"><em>Die neue Höflichkeit</em></a><em>” gerade erschienen ist. Im November lädt er zu </em><a href="https://www.pierrotraschdorff.de/"><em>einem Resonanz-Retreat ins tolle Blyb-Hotel</em></a><em> am Tegernsee.</em></p><p>“Okay, jetzt geht’s los. Kurz durchatmen, und ab.“</p><p>So ungefähr klang es, wenn mein damaliger DJ-Partner Andreas P. sah, dass ich diesen einen Song auflegen würde. Einmal im Monat legten wir als Beat Etiquette im Yoko Mono* in der Hamburger Marktstraße auf. Das war keine klassische Tanzbar, sondern eher unser Wohnzimmer mit Tresen: gemütlich, urban und familiär. Der Anspruch? Gute Musik, serviert strictly Vinyl.</p><p>Unser Ziel war jedes Mal das Gleiche: Irgendwann sollten mindestens vier oder fünf Leute die Hüften bewegen. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=I7wG7qjet-0">„Sexual Healing“ von der Hot 8 Brass Band</a> war dafür unser Streichholz. Wir haben den Track nie zum Auftakt gespielt, sondern genau in dem Moment, in dem spürbar war, dass der Abend langsam Feuer fängt.</p><p>Das Original von Marvin Gaye erzählt eigentlich eine Geschichte von Einsamkeit. Er schrieb den Song Anfang der Achtziger im belgischen Ostende, tief in Schulden, geprägt von Drogen und isoliert nach dem Bruch mit Motown. Den Beat programmierte er auf einer Roland TR-808, auch weil er dafür keine anderen Musiker brauchte. Die Hot 8 Brass Band aus New Orleans übersetzt genau dieses Stück in etwas völlig Neues. Aus der Drummachine werden Snare und Bassdrum, aus den Synthesizern Posaunen, Trompeten und ein Sousaphon. Statt eines Einzelnen spielt hier ein Dutzend Menschen und alle müssen gemeinsam atmen, damit dieser Sound überhaupt entstehen kann. Die Bläser nehmen sich Zeit, Chorus um Chorus, bis der Song nicht mehr nur gespielt, sondern förmlich ausgekostet wird. Man erkennt das Original sofort, fühlt sich aber nie überrumpelt. Es wirkt eher wie eine respektvolle Würdigung. Das ist kein Zufall, in New Orleans spielen Brass Bands bei den Second Lines, den Straßenparaden und den Jazz Funerals. Trauer und Feier laufen dort im selben Zug.</p><p>Hinter den Plattentellern haben wir den Song damals für uns übersetzt: Es geht nicht vordergründig um das Sexuelle von Gaye. Es geht um die Liebe zur Musik, zu Soul und Funk, zu einem ganz bestimmten Gefühl. Heilung entsteht dabei nicht durch Rückzug, sondern durch Bewegung, zuerst in einem selbst, und dann gemeinsam mit den Menschen, die neben einem wippen.</p><p>Damit bin ich bei unserem kleinen Vorhaben: <a href="https://www.pierrotraschdorff.de/">Vom 5. bis 7. November veranstalten Dirk und ich am Tegernsee das Resonanz Retreat, ein Wochenende, bei dem es um nichts anderes geht als um echte Verbindung</a>. Unser Motto: Du kommst allein. Allein geht niemand. Es geht um Kommunikation und frische Ideen für den Dialog in polarisierten Zeiten. Darum, wie wir im Gespräch bleiben, gerade über die eigene Bubble hinaus. Wir kommen in einem kleinen, kuratierten Kreis zusammen, nehmen uns Zeit zum Durchatmen und bekommen Impulse zum Weiterdenken. Und wer weiß: Vielleicht wird am Ende ja auch getanzt.</p><p>Also: Jetzt geht’s los. Kurz durchatmen, und ab.</p><p>*diese Ausgabe ist so voll, dass ich den Hinweis auf den kleinen Kopier-Streit rund um den Namen des “Yoko Mono” <a href="https://www.monopol-magazin.de/yoko-ono-erzwingt-namensaenderung-von-hamburger-szene-kneipe">hier nur verlinken kann</a> (Spoiler: Yoko Ono mochte die Anspielung auf ihren Namen nicht)</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Heilung</p><p><strong>(C10)</strong> Als ich vor 15 Jahren zur Veröffentlichung von “<a href="http://www.lobderkopie.de/">Mashup</a>” gefragt wurde, wie denn eine Lösung für das Digitalisierungs-Dilemma aussehen könnte, hatte ich <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/81a4f538-f980-4376-bb1c-b38b3181f039">selbstähnlich</a> stets eine Antwort parat:</p><blockquote><p>Wir müssen Lösungen <em>mit</em> der Kopie finden - nicht dagegen.</p></blockquote><p>Denn wenn die Beobachtung stimmt, dass wir <em>nicht nicht kopieren</em> können, dann müssen Vergütungsmodelle auch mit der Kopie funktionieren. Der Begriff, der damals immer zu Streit führte, lautete Kulturflatrate. Angesichts der Vergütungs-Modelle bei Spotify würde sich manch einer solch eine Vergangenheits-Utopie wünschen…</p><p>Aber ist es tatsächlich eine Vergangenheits-Utopie? Es gibt spannende Ansätze, die vergleichbare Ideen von Pauschalabgaben auch auf die aktuelle Welle der Digitalisierung übertragen. Vielleicht müssen Bots dafür zahlen, auf Inhalte zugreifen zu können? Und vielleicht muss man eine Disruptions-Abgabe einführen. Diesen Begriff hat sich Till Kreutzer ausgedacht (<a href="https://www.irights-lab.de/media/pages/outputs/genki-report/b6bcbe23ef-1780903318/genki-ir-report-juni-2026_irights.lab.pdf">siehe dazu ausführlich in diesem PDF</a>). Er sagt: “<em>Es geht darum, die gesellschaftlichen Kosten der Disruption gerecht zu verteilen, das Wissensökosystem offen und qualitativ hochwertig zu halten – und den Wert menschlicher Schöpfung nicht dem Markt zu überlassen, sondern gesellschaftlich zu verteidigen. Das erfordert keine Bremsen. Es erfordert Haltung</em>.”</p><p>Diese Haltung drückt sich in einer Abgabe aus, die Disruptionsgewinner für die Folgen ihrer Innovation an die Gemeinschaft zahlen. Sie ist die Fortentwicklung der alten Tantiemen-Idee, die schon hinter der Kulturflatrate stand. Und so gilt auch heute, 15 Jahre nach Mashup:</p><blockquote><p>Wir müssen Lösungen <em>mit</em> der Kopie finden - nicht dagegen.</p></blockquote><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>… </strong><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/about"><strong>kannst du hier in der Übersicht </strong></a><strong>nachlesen und nachhören.</strong></p><p>Mich hat die (Wieder-)Veröffentlichung eines DJ Koze Albums beschäftigt: &#39;<a href="https://pamparecords.bandcamp.com/album/wo-die-rammelwolle-fliegt-pampalp017">Wo Die Rammelwolle Fliegt</a>&#39; ist laut Website-Info: “f<em>ully remastered and brought back to life with new punch and clarity. The release stays true to the raw spirit of the original while adding a fresh sonic edge for today’s turntables</em>.” Dabei ist ebenfalls ein <a href="https://open.spotify.com/intl-de/track/4ej9KHkAkAio9x987XbJXb?si=46fe3d98082f430a">toller Remix des Songs “Jackpot” von Tocotronic</a>, der mir bisher unbekannt war. Das ist allein deshalb bemerkenswert, weil auf dem “Variationen”-Album, das Tocotronic im Jahr 2012 veröffentlichten zwei andere Remixe des Songs enthalten sind.</p><p>In jedem Fall entlasse ich euch mit dem Ohrwurm: <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit;">“Du bist der Jackpot meines Lebens!”</mark></p><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=af57skJLXbs">Euer Indie-Opa</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 07 Oct 2026 16:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Swim Good (39/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Wenn wir Content als Kommunikation verstehen, kann eine echte Chance entstehen ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Wasser</h1><p><strong>liebe Freundinnen und Freunde des Koapierens,</strong></p><p>ist die Metapher der heutigen Ausgabe. Seit <a href="https://www.instagram.com/gynaekollege/">Mertcan</a> mir vergangene Woche seinen Text zum Song “Swim Good” geschickt hat, habe ich nicht nur das Lied im Wiederholungs-Modus gehört. Ich musste auch <a href="https://fs.blog/david-foster-wallace-this-is-water/">an die Rede denken, die David Forster Wallace 2005 gehalten hat</a>. Sie beginnt mit diesem Bild:</p><blockquote><p>Da schwimmen zwei jungen Fische so dahin und treffen zufällig auf einen älteren Fisch, der in die andere Richtung schwimmt. Der nickt ihnen zu und sagt: „Guten Morgen, Jungs. Wie ist das Wasser?“ Die beiden jungen Fische schwimmen noch ein Stück weiter, bis schließlich einer von ihnen den anderen ansieht und fragt: „Was zum Teufel ist Wasser?“</p></blockquote><p>Lasst uns in diesem Sinne in die Folge mit liquid content und der Idee des Aggregatzustands eintauchen.</p><p><strong>Viel Freude bei der Lektüre</strong></p><p>Dirk</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Swim Good</p><p><em>“</em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=84z-g1vjJvg"><em>Swim Good” in der Version von Dermot Kennedy</em></a><em> - ausgewählt von Dr. Mertcan Usluer, der als </em><a href="https://www.instagram.com/gynaekollege/"><em>gynaekollege auf Instagram</em></a><em> medizinische Themen gegenwärtig aufbereitet. Bei der TEDx-München im vergangenen November hat der Mediziner den Vortrag “</em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=pH8GPlwctBc"><em>Die tödliche Lücke in der Medizin</em></a><em>” gehalten.</em></p><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ic1nhvWBvIo">Frank Oceans „Swim Good“</a> (2011) ist im Original schon ein fesselnd-monunemtaler, emotional-vulnerabler und einfach krassser Song. Ocean selbst sagt, der Song sei keine platte Autobiografie, sondern Kino für die Ohren, angetrieben von starken Bildern, fast schon satirischen Übertreibungen und filmischem Storytelling. Da fährt jemand mit gebrochenem Herzen, in einem schwarzen Lincoln Town Car und einem Kofferraum voller blutiger Altlasten ans Meer, um das Auto samt Ballast in den Fluten zu versenken. Die Produktion ist dabei unfassbar smooth. Sie strahlt eine kühle, klinische Distanz aus, die mir oft auch auf Social Media auffällt: Der Schmerz ist zwar häufig ein Thema, aber er sieht dabei verdammt gut inszeniert, reguliert und kontrolliert aus.</p><p>Und dann kommt Dermot Kennedy. Er nimmt Franks glatten R&amp;B-Track, reißt die komplette elektronische Fassade ein und lässt nichts übrig als eine schrammelnde Akustikgitarre und eine Stimme, die klingt, als würde sie gleich an der eigenen Wucht ersticken. Wenn ich nach einem 24-Stunden-Dienst, nach einer aktivistischen Demo oder nach stundenlangem Brüten über Buchmanuskripten durch Köln fahre, ist Kennedys Version für mich der ultimative Reality-Check.</p><p>Ich interpretiere die tiefen Wasser in dem Song auf zwei Arten: Zum einen als Metapher für den unumkehrbaren Sprung in den Ruhm - das Ertrinken in der Öffentlichkeit, aus der es kein Zurück mehr gibt (immerhin nennt er sich Frank Ocean). Gleichzeitig sehe ich in diesem Wasser-Thema eine radikale, schmerzhafte Transformation. Man fährt das Auto, also die alte, von Kummer gelähmte Identität, absichtlich ins Wasser, um sich zu einer Neugeburt zu zwingen. Beide Interpretationen resonieren stark mit meiner aktuellen Lebensrealität.</p><p>Gerade wenn man sich viel mit mentaler Gesundheit, Diskriminierungsstrukturen und den blinden Flecken unserer Gesellschaft beschäftigt, merkt man: Echter Schmerz ist nicht filmreif. Er ist nicht elegant. Kennedy singt nicht über diese Transformation, er durchlebt sie hörbar. Das raue Wegbrechen seiner Stimme, dieses fast panische Luftholen, das ist die physische Manifestation von emotionaler Erschöpfung.</p><p>Die Notenfolge und der Text bleiben identisch, aber der Aggregatzustand verändert sich komplett. In der Medizin und der Aufklärungsarbeit ist das meine tägliche Erfahrung: Die nackte Information - der Befund, der Fakt, der Ratschlag - ist oft völlig wertlos, wenn die Frequenz nicht stimmt. Wir können Menschen die brillantesten Pläne hinlegen; wenn wir ihre Lebensrealität und ihren Schmerz einfach nur wegarbeiten wollen, statt ihn auch mal auszuhalten, erreichen wir sie nicht.</p><p>Dermot Kennedys „Swim Good“ für mich ein Beweis, dass Verletzlichkeit kein Systemfehler ist, sondern der eigentliche Schlüssel zur Verbindung. Manchmal muss der weiße Kittel ausgezogen, die professionelle Distanz runtergerissen werden, und die Stimme brechen, damit die Botschaft wirklich ankommt.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Software</p><p><strong>(A7)</strong> Durch die digitale Kopie werden Inhalte einem Prozess unterzogen, den ich gerne mit dem Schmelzen eines Schneeballs vergleiche: Lege dir den Schneeball in der warmen Stube auf den Oberschenkel. Er wird verschwinden. Jedenfalls wirst du ihn nach ein paar Minuten nicht mehr sehen. Du wirst ihn aber spüren.</p><p><a href="https://www.dirkvongehlen.de/neue-version/">Kultur wird zu Software</a>. Sie verändert ihren Aggregatzustand. Sie wird flüssig. “Liquid Content” ist ein Schlagwort, das immer wieder genutzt wird, um diese Veränderung zu beschreiben. </p><p>Sie wurde in der ersten Welle der Digitalisierung begonnen und wird durch KI fortgesetzt: <strong>Content wird zu Kommunikation</strong>! Nicht mehr nur das Produkt ist wichtig, der Prozess wird ergänzt. Das Werk erlangt Wert durchs Netzwerk. Wir können vom Ergebnis zum Erlebnis denken.</p><p>Darin liegt eine große Chance für alle, die Kunst und Kultur im digitalen Zeitalter erstellen möchten: Wenn wir Kommunikation nicht nur als Senden verstehen, kann im Zuhören und im echten Austausch etwas wirklich Neues entstehen.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>… </strong><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/about"><strong>kannst du hier in der Übersicht </strong></a><strong>nachlesen und nachhören.</strong></p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/133b0495-f8ba-4c7b-b7ed-ba898d38d53b/teaser_image/1790264227?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
      <link>https://steady.page/692deb47-7f0f-42b7-9a3c-3a07d8e56e65/posts/133b0495-f8ba-4c7b-b7ed-ba898d38d53b</link>
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      <pubDate>Wed, 30 Sep 2026 16:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Bad Shop Boys (38/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Dirk ist spät dran & singt. Dazu fraktale Geometrie, eine moralische Frage und zwei tolle Cover-Versionen vorgestellt von Stefan Sippell]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Zu spät,</h1><p><strong>liebe Freundinnen und Freunde des Koapierens,</strong></p><p>war bisher noch keine der 37 Folgen “Kopieren kapieren”.</p><p>Insofern ist diese Ausgabe hier eine Premiere - eine unschöne. <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/150ce46f-7c1e-4bc5-be32-d58df8aef444">Aber wie gesagt</a>: das ist ja das Besondere an so einem Newsletter, er entsteht unter Live-Bedingungen.</p><p><strong><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Ich danke jedenfalls für die Geduld auf diese besondere Ausgabe.</mark></strong></p><p> Sie besteht aus zwei Cover-Versionen, die <a href="https://make.studio/">Stefan</a> dankenswerter Weise vorstellt und mit dem Titel “<strong>Bad Shop Boys</strong>” überschrieben hat - und sie wird abgeschlossen von einem wiesntauglichen (Cover-)Ohrwurm, den ich diese Woche entdeckt habe.</p><p>Mit dem Volksfest in München, <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/9b029243-7381-4ee5-9469-c29da58f634b">über das wir vergangene Woche sprachen</a>, hat meine Verspätung übrigens nichts zu tun, sondern nur mit ausgiebiger Reisetätigkeit - in deren Folge ich übrigens diese Woche gesungen habe: <a href="https://hakendran.podigee.io/631-breaking-die-grossten-luegen-des-internets-mit-dirk-von-gehlen">Hier mit Gavin Karlmeier gemeinsam das “Steigerlied”</a>.</p><p><strong>Ich bitte um Entschuldigung* und wünsche eine gute Woche</strong><br/>Dirk</p><p>*für die Verspätung nicht für den Gesang</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Bad Shop Boys</p><p><a href="https://www.youtube.com/watch?si=Xy9TR9v2Zb6MlYh9&amp;v=xR5xGHPUEew&amp;feature=youtu.be"><em>“Bad Cover-Version”</em></a><em> von Pulp und “</em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=oKeHZJj22Zc"><em>We’re the Pet Shop Boys</em></a><em>” von My Robot Friend - vorgestellt von Stefan Sippell, der bei der Hamburger Design- und Markenberatung </em><a href="https://make.studio/"><em>Make.Studio</em></a><em> arbeitet.</em></p><p>Wenn ich gefragt werde, womit ich meine Tage verbringe (und damit nicht die Ferien oder das Wochenende gemeint sind), dann antworte ich als Branding-Berater aka Marken-Macher gerne: Ich bin Marken-Fuzzi. Passt doppelt gut in diesen Newsletter, denn es steckt gleich zweimal die Kunst des Kopierens drin: „Fuzzi“ ist ein Cover der Filmfigur Fuzzy Q. Jones (<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Al_St._John">gespielt von Al St. John</a>, im ZDF meiner Jugend berühmt geworden in „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=rTPsmKcJ-EU">Western von Gestern</a>“).</p><p>Und jede Marke muss, um lebendig und erfolgreich zu bleiben, immer wieder ein gutes Cover sein: ihres eigenen Originals.</p><p>Wissen natürlich alle, die hier mitlesen, denn die kennen ja Dirks 3004. und Lucas von Gwinners (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/9f822ed7-e001-4dde-b1ec-89a4915ad8f5">siehe Folge 19</a>) einziges Buch: „<a href="https://typografie.de/produkt/macht-marke/">Macht Marke</a>“. In Kurzform: Bei <a href="https://make.studio/">Make Studio</a> versuche ich einer Marke dabei zu helfen, das Original herauszufinden, das sie schon immer gewesen ist und fortan sein möchte … das Original, das ihre Bestimmung ist. Und dann ermuntern meine (Design-)Kolleg·innen und ich die Marke dazu, von diesem Original möglichst gute Cover-Versionen auf den Markt zu bringen. DER SPIEGEL: Sagen, was ist. Cover-Versionen: Sagen, was Geld ist, Job, Fitness, Liebe … <a href="https://make.studio/work/spiegel-extras/">Extras fürs tägliche Leben</a>. Finstral: Fenster, die funktionale und ästhetische Erlebnisse miteinander verbinden. Cover-Versionen: Das hochwertige F_Magazin, das die Finstral-Kernidee <a href="https://make.studio/work/f04/">nun schon zum vierten Mal</a> neu interpretiert und weitertreibt.</p><p>Auch Bands sind in diesem Sinne natürlich Marken, und zwei davon hab ich heute mitgebracht. Erstens: Die beste, schlechteste Cover-Version, die bis jetzt ein Original geblieben ist. In „<a href="https://open.spotify.com/intl-de/track/7hLsRT9GnwTew5dhmKYZ7h?si=9ceef6c3de674e5e">Bad Cover Version</a>“ verwendet Pulp-Sänger Jarvis Cocker diese Metapher, um einer verflossenen Liebe hinterherzusingen: Dein Neuer reicht never-ever an mich, Dein Original heran! Klingt erstmal cheesy, selbst Jarvis soll gemault haben: „just a pop song“.</p><p>Aber die Melodie (von Keyboarderin Candida Doyle) ist wunderschön. Und das <a href="https://youtu.be/xR5xGHPUEew?si=Xy9TR9v2Zb6MlYh9">Video</a> ist ein größtmöglicher Spaß, weil lauter (schlechte) Superstar-Doubles von Robbie Williams bis zu Paul McCartney das Lied nachsingen, sozusagen covern … im „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=RH-xd5bPKTA">Do-they-know-it’s-Christmas</a>“-Style. Plus: Auf der Single-B-Seite finden sich zwei „bad [also großartige] cover versions“ von Pulp-Hits – von <a href="https://open.spotify.com/intl-de/track/4eyi8KFetz1A24k3FJgIz0?si=62501edb4af24f88">Nick Cave</a> und <a href="https://open.spotify.com/intl-de/track/6eZiOn24g1TwVnRZf10nF7?si=d4df704a112648d3">Roísín Murphy</a>. Das Allerbeste: Ganz offenbar (laut meiner und Claudes Recherche) ist „Bad Cover Versions“ seit damals nie officially gecovert worden!!!</p><p>Zweitens: „We’re the Pet Shop Boys“, im Original verwirrender-phantastischerweise nicht von den Pet Shop Boys, sondern 2002 <a href="https://open.spotify.com/intl-de/track/7lo3qDzaX4CGPiif0qKPpQ?si=eb4968e53945486f">erfunden von My Robot Friend</a> (Howard Rigbergs New Yorker Electrop-Projekt). Auch eine Art Liebeslied, auch sehr nostalgisch. Die Originale, also Neil Tennant und Chris Lowe, veröffentlichen ein Jahr später eine <a href="https://open.spotify.com/intl-de/track/6kqV0tpHFq5Dwk3A9cOLgo?si=ce71d016fb474b41">Cover-Version</a>. Ihnen folgt Robbie Williams, der auf dem ungeliebten, unterschätzten Album „Rudebox“ ebenfalls behauptet: „<a href="https://open.spotify.com/intl-de/track/2dsEJMFk56HPacnp2JgsYY?si=6d271c477b7547e1">We’re the Pet Shop Boys</a>“ (produziert von den Pet Shop Boys). Und es geht noch weiter: mit einem <a href="https://open.spotify.com/intl-de/track/2lyZ7Tx7xaQec86r9RDLrc?si=3972926313494053">Mashup-Remix von Sander van Doorn vs. Robbie Williams</a> (vs. Pet Shop Boys vs. My Robot Friend).</p><p>Kopieren kapieren? Wir alle sind die Bad Shop Boys bzw. mehr oder weniger Good Cover Versions von uns selbst. Wer kapieren will, muss kopieren lernen.</p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Selbstähnlich</p><p><strong>(C7)</strong> Ein Wort, das Marken-Expert:innen mögen, ist die “Selbstähnlichkeit”. Damit ist weniger der <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Selbst%C3%A4hnlichkeit">Fachbegriff aus der fraktalen Geometrie</a> gemeint als die Tatsache, dass Marken in ihrem Auftreten sich selbst auch im Laufe der Zeit ähnlich sein sollen.</p><p>Der Ausruf “Das ist mal wieder typisch” beschreibt diese gemeinte Ähnlichkeit in einer häufig negativen Form am besten: Eine Marke handelt so erwartbar, dass ihr dieses Handeln als typisch zugeschrieben wird.</p><p>Dafür muss sie sich selbst covern. Stefan hat das oben beschrieben.</p><p>Ich frage mich im Umgang mit Personen-Marken wie diese Selbstähnlichkeits-Cover moralisch bewertet werden. Denn Fremd-Kopien gelten als moralisch minderwertig. Warum aber sind Eigen-Kopien anders bewertet? Und sogar erstrebenswert?</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>… </strong><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/about"><strong>kannst du hier in der Übersicht </strong></a><strong>nachlesen und nachhören.</strong></p><p>Wie oben angekündigt: die Band <em>Haus F</em> wagt sich an ein Cover des <em>Münchener Freiheit</em> Hits “<a href="https://www.ardmediathek.de/video/puls-startrampe/haus-f-covern-muenchener-freiheit-ohne-dich/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9jYWQxZDc3Zi00NGUyLTRkZGYtODlhZS01ZjMwZGExODU2YzBfb25saW5lYnJvYWRjYXN0">Ohne Dich</a>”</p><figure><a href="https://www.ardmediathek.de/video/puls-startrampe/haus-f-covern-muenchener-freiheit-ohne-dich/br/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9jYWQxZDc3Zi00NGUyLTRkZGYtODlhZS01ZjMwZGExODU2YzBfb25saW5lYnJvYWRjYXN0"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/81a4f538-f980-4376-bb1c-b38b3181f039/uploads/images/p2qldgso3x/Bildschirmfoto_2026-09-23_um_18.13.29.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><figcaption>Ohne Dich</figcaption></figure>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/81a4f538-f980-4376-bb1c-b38b3181f039/teaser_image/1790180414?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 23 Sep 2026 16:38:56 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Das Model (37/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Max stellt ein Bierzelt-Cover vor, das viel über die Zukunft von Inhalten in der digitalen Welt erzählt.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Vorfeude</h1><p><strong>liebe Freundinnen und Freunde des Koapierens,</strong></p><p>liegt über München. Am Samstag beginnt das Oktoberfest, das hier vor allem Wiesn genannt wird.</p><p>Seit Wochen freue ich mich darauf, weil ich nun endlich die Song-Empfehlung von Max verschicken kann - über die wir schon sprachen als <a href="https://www.mixcloud.com/maximilian-westphal/lettered-sheets-7-x-kopieren-kapieren-674fm-16072026/">ich vor ein paar Wochen in seiner Sendung zu Gast war</a>.</p><p>Sie verbindet NRW und Bayern - und das passt mir natürlich sehr gut. Nicht nur, weil ich aus NRW komme und in Bayern wohne, sondern auch weil ich kommende Woche nach NRW reisen werde: <a href="https://www.die-wolfsburg.de/angebote/politik-demokratie-gesellschaft/kw/bereich/kursdetails/kurs/A26153/kursname/Triggerpunkt%20Social-Media-Verbot/kategorie-id/203/">nach Essen-Werden</a>.</p><p><strong>Auf eine friedliche Wiesn</strong><br/>Dirk</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Das Model</p><p><a href="https://grag-und-die-landlergschwister.bandcamp.com/track/das-model"><em>„Das Model“ nach Kraftwerk, interpretiert von G.Rag &amp; Die Landlergschwister</em></a><em>, vorgestellt von </em><a href="https://maximilianwestphal.de/"><em>Maximilian Westphal</em></a><em>. Er ist Mediengestalter und Kunsthistoriker, arbeitet für Digitalität im Museum und hostet die Radiosendung „</em><a href="https://674.fm/sendung/lettered-sheets/"><em>lettered sheets</em></a><em>“ bei 674FM, zuletzt mit </em><a href="https://www.mixcloud.com/maximilian-westphal/lettered-sheets-7-x-kopieren-kapieren-674fm-16072026/"><em>einer Folge über Coversongs</em></a><em> – zu Gast niemand geringerer als der Herausgeber dieses Newsletters.</em> </p><p>Im Gespräch rund um Coversongs kam ich mit Dirk auf den wichtigen Punkt, dass das gemeinsame Erleben eines Coversongs bei einem Livekonzert doch ganz anders kickt, als sich alleine durch eine Playlist zu klicken. So erlebte ich <a href="https://www.youtube.com/watch?v=xq6wqOhrwNs">während des Oktoberfests 2013</a> einen Moment, der mir bis heute einen wohligen Schauer über den Rücken jagt. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=OQIYEPe6DWY">„Das Model“ von Kraftwerk</a> zwischen Maßkrügen und Bierbänken hatte ich definitiv nicht auf der Bucketlist. Erstmals 1978 veröffentlicht, wurde er <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Model#Coverversionen_(Auswahl)">vielfach reinterpretiert</a> – auch von Kraftwerk selbst <a href="https://www.youtube.com/watch?v=KFq2pU21cNU&amp;list=RDKFq2pU21cNU&amp;start_radio=1">mit englischem Text</a>. Es war der international größte Charts-Erfolg der Düsseldorfer Elektronikpioniere, deren Komposition einem klassischen Partykracher nicht ferner sein könnte.</p><p>Die Kollektiverfahrung von erprobtem Liedgut über Balzverhalten und Begehren sind auf dem Oktoberfest die Maßgabe, das Bierzelt ist wahrlich nicht mein Wohlfühlort. Das war im <a href="https://www.herzkasperlzelt.de/">Herzkasperlzelt</a> anders. Der Ort, an dem Subkultur, musikalische Grenzerfahrungen und bayerischer Heimatsound irgendwie zusammengefunden hatten – und ebendort hauten G.Rag &amp; Die Landlergschwister ihre landlerfizierte Version dieses popelektronischen Standards raus. Die Melodien sind Musikgeschichte, die Instrumente hier auf einmal Tuba, Posaune und Klarinette. Was mit behäbigen Humba-Humba anläuft, bäumt sich zu einem Ausbruch auf, live als „Edition Warngau“ zusätzlich verstärkt durch die elektronisch eskalierende Schlachthofbronx und weitere Musiker aus den süddeutschen Alien-Transistor- und Gutfeeling-Kosmen. Da steckt mehr Punk drin als in der <a href="https://www.youtube.com/watch?v=H4Ae67hk2S4&amp;list=RDH4Ae67hk2S4&amp;start_radio=1">Interpretation der Toten Hosen</a>. Die an diesem Tag <a href="https://www.tumblr.com/letteredsheets/65122203484">ergatterte Setlist</a> erinnert mit vertrockneten Bierzelt-Spuren noch an den Moment: Ganz klein steht dort im Zugabenblock „das modell“ (sic!). Erschienen ist der Song 2010 auf „<a href="https://grag-und-die-landlergschwister.bandcamp.com/album/the-woaz">The Woaz</a>“ und in <a href="https://www.discogs.com/de/search?q=landlergschwister+model&amp;type=all&amp;format_description_exact=45+RPM">mehreren Auflagen als Single</a>. Natürlich kann die Studioversion die im Bierzelt eskalierende Blaskapelle nur andeuten. In jedem Fall transportiert Andreas Stäblers Megafon-Stimme aber das, was Heimat auch bedeuten kann: Weltoffenheit, Vielschichtigkeit und Wandlungsfähigkeit – mit Blick nach vorne bei allem Respekt für Wurzeln. „Das Model“ ist für mich das Modell eines guten Coversongs.</p><p> Auf ihrem 2024 erschienenen letzten Album „<a href="https://grag-und-die-landlergschwister.bandcamp.com/album/ins-freie">Ins Freie</a>“ haben sich die Landlergschwister wieder auf ihre ganz eigene Art Popsongs angenommen – wer nach „Das Model“ noch nicht genug hat, dürfte mit der Landlerfizierung von „<a href="https://grag-und-die-landlergschwister.bandcamp.com/track/my-moon-my-man">My Moon My Man</a>“ (Feist) die größte Freude haben. „Meine guilty pleasures sind die Landlergschwister“, schrieb Matthias Stadler vom TAM TAM Kollektiv in <a href="https://www.gutfeeling.de/shop/label/gutfeeling/g-rag-die-landlergschwister-ins-freie/">seinem Text über das Album</a> – ich schließe mich da ohne Vorbehalte an. Jetzt, wo ich in Köln lebe, dreht sich mit den Landlergschwistern auch immer ein Stück „Dahoam“ auf dem Plattenteller. Im erweiterten Sinne. Neben dem Maßkrug stehen im Regal mittlerweile eben auch Kölschgläser. Aber das ist ein anderes Thema.</p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Erlebnis</p><p><strong>(E10)</strong> Ich habe es in <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/6f8078ad-a1fc-4946-b734-185c7b9e64b6">Folge 32</a> schon erwähnt: der Prozess der Digitalisierung verändert den Aggregatzustand von Inhalten - und fordert ein neues Denken: vom Produkt zum Prozess, vom Werk zum Netzwerk.</p><p>Der krönende Abschluss dieser Bewegung, die wir Digitalisierung nennen, ist die Entwicklung vom Ergebnis zum Erlebnis. Das Erlebnis ist das, was uns als Menschen ausmacht. Die KI-Maschine kann Ergebnisse produzieren, aber die Anstrengungen und auch die Freude des Weges, die ist dem Menschen eigen. Hier liegt der Wert, der in Wertschätzung steckt und der für Wertschöpfung nötig ist.</p><p>Wer die Wiesn verstehen will (ich tue mich immer noch schwer) braucht keine Aufzeichnungen und Dokumentationen. Wer die Wiesn verstehen will, muss sie erleben. Daran erinnert Max’ Covervorschlag - und das gilt auch für (digitale) Produkte.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>… </strong><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/about"><strong>kannst du hier in der Übersicht </strong></a><strong>nachlesen und nachhören.</strong></p><p><strong>Was mich diese Woche beschäftigt hat?</strong></p><p>Die Ted-Lasso-Folge der vergangenen Woche endet mit <a href="https://www.youtube.com/watch?v=BupvbvvOPTs">einer weihnachtlichen Cover-Version</a> und meine Timeline ist voll von diesem <a href="https://www.instagram.com/reel/DdH6ZHjzMvW/?stkn=YXplMmxxd3JpZzJm">dieses Phil-Collins-Cover</a>.</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/9b029243-7381-4ee5-9469-c29da58f634b/teaser_image/1789552451?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
      <link>https://steady.page/692deb47-7f0f-42b7-9a3c-3a07d8e56e65/posts/9b029243-7381-4ee5-9469-c29da58f634b</link>
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      <pubDate>Wed, 16 Sep 2026 16:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Funeral for a Friend / Love Lies Bleeding (36/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Alle Aufmerksamkeit auf den rosa Elefanten und die Geschichte wie Metallica dir zeigen: wir verstehen dich]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Aufmerksamkeit</h1><p><strong>liebe Koapier-Community,</strong></p><p>ein hohes Gut! <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/815b9729-13ad-4f6a-9007-5bfdd52bbc1c">Wir haben in diesem Newsletter-Buch bereits darüber gesprochen</a>: Diese Woche möchte ich deine Aufmerksamkeit auf das wunderbare Aufmerksamkeits-Paradox richten, dass wir stets das besonders beachten, was wir eigentlich nicht sehen wollen: <a href="https://www.dirkvongehlen.de/social-media-verbieten-verboten/">Für mein Social-Media-Buch</a> habe ich recherchiert, dass die Wissenschaft dafür den Begriff “<em><mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit">Ironische Prozesstheorie</mark></em>” nutzt. Es geht um den rosa Elefanten, der immer in den Raum tritt, wenn jemand sagt: jetzt bloß nicht an den rosa Elefanten denken! Gesellschaftlich ist das Phänomen übrigens als Streisand-Effekt bekannt.</p><p>Ich glaube, dass zu gegenwärtiger Medienkompetenz die Fähigkeit gehört, selbstbestimmt mit der eigenen Aufmerksamkeit umgehen zu lernen (deshalb <a href="https://www.dirkvongehlen.de/social-media-verbieten-verboten/">das Social-Media-Buch</a>).</p><p>Wir können das in dieser Woche am Umgang mit der AfD sehen - und im Bereich der Musik am Glücksgefühle-Festival. Dort hatten sich der Veranstalter entschieden, die Band Alphaville darum zu bitten, keine politischen Äußerungen auf der Bühne zu tätigen. Die Band sagte daraufhin ab und viele anderen Acts spielten entweder Alphaville-Songs und/oder äußerten sich politisch!</p><p>Das bringt mich dazu, euch mein Lieblings-Cover von “<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Big_in_Japan_(Lied)">Big in Japan</a>” zu empfehlen: Es stammt von der norwegischen Sängerin Ane Brun, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=TFMEzFO87rg">die ihre Version hier bei TV Noir</a> gespielt hat (danke <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/9f822ed7-e001-4dde-b1ec-89a4915ad8f5">an Lucas für die TV Noir-Empfehlung</a>).</p><p><strong>Mehr Aufmerksamkeit für Aufmerksamkeit - es ist eine politische Kategorie!</strong><br/>Dirk</p><p>P.S.: Am Ende dieser Kapitel-Ausgabe übrigens ein Interview-Hinweis mit dem tollen Satz: <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">“Das Original ist in dieser Logik keine Kategorie.”</mark></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Funeral Friend</p><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=CUI24ZZ4ksA"><strong><em>»Funeral for a Friend/Love Lies Bleeding«</em></strong></a><strong><em> von Metallica (im Original von </em></strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=REfKNbNndzo&amp;list=RDREfKNbNndzo&amp;start_radio=1"><strong><em>Elton John</em></strong></a><strong><em>) vorgestellt von </em></strong><a href="https://www.instagram.com/maerys/"><strong><em>Maria Herrmann</em></strong></a><strong><em>. </em></strong><em>Als promovierte Theologin und zertifizierte Innovationsmanagerin denkt sie nach über </em><a href="https://futuresandeternity.de/"><em>Zukünfte und die Ewigkeit</em></a><em>. Aktuell schreibt sie ein Buch übers Pause machen. </em></p><p>Als die Regie zum ersten Mal Elton Johns Gesicht einblendet, sieht man die Augen hinter seiner roten Brille weit aufgerissen. Es scheint so, als ob auch er nicht so ganz weiß, was da nun auf ihn und seinen langjährigen Songwriting-Partner Bernie Taupin zukommt.</p><p>Im Frühjahr 2024 wurden John und Taupin mit dem Gershwin Prize für ihr Lebenswerk geehrt. Besondere Cover-Versionen ihrer Songs fanden an diesem Abend den Weg auf die Bühne. (Die nicht nur musikalisch ungewöhnliche Interpretation von <a href="https://www.youtube.com/watch?v=IxqFJLm6Hp4&amp;list=RDIxqFJLm6Hp4&amp;start_radio=1">»I am still standing« von Joni Mitchell</a> sei hier wenigstens erwähnt. ) Doch ein Auftritt sticht heraus – weil er für keinen eine einfache Wahl war – wie die besten Cover-Versionen, wenn man ehrlich ist. Und weil er gleichzeitig zeigt, wie mit Liebe etwas Neues entsteht, das wie selbstverständlich wirkt.</p><p>Denn die größte Heavy Metal Band der Welt, Metallica, sind nach Washington gereist, um den beiden größten Pop-Komponisten auch ihren Tribut zu zollen. Sie tun das in einem erstaunlichen 8-Minuten-Cover von <a href="https://www.youtube.com/watch?v=CUI24ZZ4ksA&amp;list=RDCUI24ZZ4ksA&amp;start_radio=1)">»Funeral for a Friend/Love Lies Bleeding«</a>. Präzise, laut, krachend. Gar nicht Pop. Und in ihrer Version hätte er genauso gut auch von ihnen sein können.</p><p>Doch der Song eröffnete 1973 das bahnbrechende Doppelalbum »Goodbye Yellow Brick Road«. Es gilt als Elton Johns Meisterwerk. James Hetfield war zu dieser Zeit zehn Jahre alt und wuchs in einer Familie auf, die von einer christlichen Sekte geprägt war. Sein späterer Songwriting-Partner Lars Ulrich lebte zu diesem Zeitpunkt noch in Dänemark und besuchte mit seinem Vater sein erstes Deep Purple Konzert.</p><p>Nicht einmal zehn Jahre später beginnt ihr eigenes musikalisches Wirken – wie so oft nicht mit einem weißen Blatt Notenpapier, sondern mit der Orientierung an Vorbildern. Mit dem Kopieren und dem Zueigen machen: Metallica entstand 1981, weil Hetfield und Ulrich Songs (und Bands), die der dänische Schlagzeuger aus Europa kannte, in die USA bringen wollten. Darunter eben Deep Purple, aber auch Saxon, Iron Maiden, Diamond Head. New Wave of British Metal. Unter diesen Vorbildern war der Engländer Elton John erst einmal nicht zu finden.</p><p>Manche dieser Cover (wie z. B. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=7veMZFTuH4U&amp;list=RD7veMZFTuH4U&amp;start_radio=1">»Am I evil«</a>) blieben feste Bestandteile der Live-Auftritte von Metallica. Und als die Band ihren Bassisten bei einem Bus-Unglück verlor und ersetzen musste, führten sie ihren neuen Vier-Saiter mit der Veröffentlichung einer Cover-EP ein. Es war in gewissen Weise so, als ob sie neuen Schwung holten – an einem neutralen Ort und mit ihren alten Vorbildern im Rücken.</p><p>Bis heute covern Metallica und machen sich diese Dynamik zunutze. Auf Tour gehört ein fester Platz ihrer Setlist, der Rob &amp; Kirk Doodle, bekannten Liedern dem Ort, an dem sie auftreten: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=N3vZDBARcmc">»Take on me« in Oslo</a>, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=-Qx12pLiptA">»Dancing Queen« in Stockholm</a> und <a href="https://www.youtube.com/watch?v=RJO7z9D-jMs&amp;list=RDRJO7z9D-jMs&amp;start_radio=1">»Killers« in London</a>, dazu <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Lm_jVKtZ-6w">»Skandal im Sperrbezirk«</a>, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=KiyQwvfjWUg">tschechische Volkslieder</a> und sogar <a href="https://www.youtube.com/watch?v=jAYFSaj0_1s&amp;list=RDjAYFSaj0_1s&amp;start_radio=1">»Schwarz-Weiß wie Schnee«</a>, Tankard&#39;s Song für die Frankfurter Eintracht. Manchmal covern Metallica sogar ihre eigenen Songs. Wenn sie z. B. in einem Corona-Lockdown vor Langeweile eine akustische Variante ihres Speed Metal Tracks <a href="https://www.youtube.com/watch?v=P_yeICLSDOQ&amp;list=RDP_yeICLSDOQ&amp;start_radio=1">»Blackend«</a> veröffentlichen. Und wenn sie ihr jährliches Fundraising Konzert als akustisches Set spielen. (Dabei ist übrigens eine meiner liebsten Cover-Versionen entstanden: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=tA5evw-EvY0&amp;list=RDtA5evw-EvY0&amp;start_radio=1">»Only happy when it rains«</a> von Garbage)</p><p>Doch »Funeral for a Friend/Love Lies Bleeding«, das Cover von Elton John und Bernie Taupin und die Interpretation der Metal-Giganten sticht heraus: Er ist mehr als Schwungholen. Er ist eine Verneigung einer Songwriter-Generation vor den Riesen, auf deren Schultern man stand und steht – und nun weitere Generationen jüngerer Musiker*innen trägt. Dieser Song ist eine Liebeserklärung. An Elton und Bernie. Und daran, dass die Musik unaufhaltsam Grenzen überwindet und Neues schafft.</p><p>Wenn man genauer hinsieht beginnt diese Geschichte sogar früher: Wenige Jahre vor diesem Live-Auftritt bei der Preisverleihung traten Metallica in der Howard Stern Show auf. 2021 feierten Metallica nicht nur 40-Jähriges Jubiläum als Band, sondern auch 30 Jahre ihres eigenen Meisterwerks »Metallica« – das Album, das sie in den Mainstream und auf die Bühnen ihrer eigenen Preisverleihungen katapultiert hat. Zur Feier dieser besonderen Veröffentlichung entstand erneut ein Cover Album: »The Metallica Blacklist« – doch diesmal bat die Band andere Künstler*innen ihre Songs neu zu interpretieren. Nicht nur marketingmäßig ein faszinierender Move: Zwischen Country und Klassik gibt es kaum ein Genre, das dabei nicht auftaucht.</p><p>Mit unter den Interpret*innen: Elton John. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=wofWGD5TUxo">Howard Stern befragt ihn</a> zu seinem Klavierspiel bei einer der Cover-Versionen von <a href="https://www.youtube.com/watch?v=DqoQY9bobow&amp;list=RDDqoQY9bobow&amp;start_radio=1">»Nothing Else Matters«</a>. Elton schmunzelte hinter seiner roten Brille und schwärmt: »Es ist einer der besten Songs, die jemals geschrieben wurden. (...) Ich musste gar nicht darüber nachdenken. (...) Er ist verdammt gut einfach.« </p><p>Und er fügt hinzu: »Hut ab vor Metallica. Sie sind eine der besten Bands aller Zeiten.«</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Co-Kreation</p><p><strong>(B8)</strong> Weil es diese Woche so gut passt, möchte ich nochmal an die These erinnern, die ich unter B8 formuliert habe:</p><p><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/108d9fb0-820c-4bf6-8d95-4abc517db76e">Kopien können soziale Orientierung schaffen</a></p><p>Wenn Metallica auf der Bühne in Frankfurt einen Eintracht-Song covern, dann geht es genau darum: soziale Orientierung. Sie zeigen den Fans im Stadion, was Menschen umgekehrt beim Erkennen einen Covers fühlen: Wir verstehen dich!</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>… kannst du </strong><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/about"><strong>hier in der Übersicht</strong></a><strong> nachlesen und nachhören.</strong></p><p>Im <a href="https://www.youtube.com/watch?v=bCYIaYAQAkY">Song “1998”</a> singt Andreas Spechtl die Zeile: <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">“I was thinking about / About the weird and the eerie / And how angst used to be”</mark>. Das Lied der österreichischen Band “Ja, Panik” <a href="https://www.dirkvongehlen.de/ich/unheimliche-ki-zweifel-an-der-beseelung-eines-anscheinend-lebendigen-wesens-digitale-november-notizen/">fasziniert mich</a>. Und die Zeile, die sich Spechtl von Mark Fisher geliehen hat, wurde <a href="https://www.dirkvongehlen.de/ich/unheimliche-ki-zweifel-an-der-beseelung-eines-anscheinend-lebendigen-wesens-digitale-november-notizen/">zum Titel eines beeindruckenden Theaterstücks</a>, das jetzt zu einer Band wurde: “The Weird and the Eerie” haben ein Album veröffentlicht und <a href="https://blogs.taz.de/popblog/2026/09/02/wer-in-ein-paar-jahren-fuer-charts-noch-selber-lieder-schreibt-ist-pardon-my-french-ein-fester-trottl/">im taz-Blog spricht Spechtl</a> in dieser Woche darüber. Er sagt darin viele interessante Dinge, unter anderem das hier:</p><blockquote><p>Die Platte heißt ja aus Gründen “Folksongs from the WWW”. Ein Folksong hat keinen Autor und keine Endfassung. Er wandert, und beim Wandern verändert er sich. Dieselbe Ballade geht in einem Dorf gut aus, im nächsten stirbt der Held, drei Täler weiter singt sie jemand auf eine ganz andere Melodie, und kein Mensch fragt, welche Version die echte ist. Das Original ist in dieser Logik keine Kategorie. Das Netz hat eine Zeit lang genauso funktioniert, Sachen sind gewandert, wurden kopiert, verändert, weitergereicht, oft ohne Absender. Deswegen Folksongs.</p></blockquote>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 09 Sep 2026 16:01:00 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Dance (35/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Von der Dorfdisko zur Kopierkompetenz: eine Feelgood-Ausgabe mit Olivia Rodrigo und Kathrin Hollmer]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Feelgood</h1><p><strong>liebe Koapier-Community,</strong></p><p>steht über dieser Folge. Und der Grund dafür sind mindestens zwei Frauen: Olivia Rodrigo und Kathrin Hollmer.</p><p>Erstere hat mir <a href="https://www.youtube.com/watch?v=2rkEOg4eBkM">mit ihrem Ironic-Cover, das sie gemeinsam mit Alanis Morrisette auf dem Daisy Chain Festival</a> gespielt hat, nicht nur den besten Cover-Moment der Woche geliefert. Olivia Rodrigo hat mit dem Festival, auf dem ausschießlich weibliche Acts spielten, <a href="https://www.instagram.com/p/DcruZNVMQYW/">auch ein sehr tolles Zeichen gesetzt</a>.</p><figure><a href="https://www.youtube.com/watch?v=2rkEOg4eBkM"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/cf3b1a96-ee37-49a9-86cc-e0b0423a6faf/uploads/images/jnighbfwse/Bildschirmfoto_2026-08-31_um_22.51.56.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><figcaption>Cover der Woche</figcaption></figure><p>Den zweiten Feelgood-Moment habe ich Kathrin Hollmer zu verdanken. Sie betreibt nicht nur seit diesem Sommer unter dem Namen <a href="https://steady.page/de/feelgood-feuilleton/posts">FEELGOOD-Feuilleton</a> hier auf Steady einen unbedingt empfehlenswerten Newsletter. Sie schenkt diesem Newsletter hier zudem eine Feelgood-Premiere: sie stellt heute den ersten richtigen Mashup-Song vor und hat dafür eine intensive Recherche-Reise unternommen von Dorfdisko-Erinnerungen bis zu einem LinkedIn-DJ.</p><p>Ich verspreche einen Ohrwurm - und eine super Vorlage für den Ko(a)pierkompetenz-Vorsatz: <strong>Wir müssen Co-Kreation zwischen Menschen lernen!</strong></p><p>Am Ende dieser Folge geht es - <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/0ceba397-6e40-469a-9aa7-b86d2c43ccca">Ihr erinnert Euch</a> - um die positiv-werbende Wirkung von Cover-Versionen.</p><p>Auf eine Feelgood-Woche<br/>Dirk</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Dance</p><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=BWetf86K16U"><em>“Dance” von Lumidee vs. Fatman Scoop</em></a><em> vorgestellt von </em><a href="http://www.kathrinhollmer.de/"><em>Kathrin Hollmer</em></a><em>. Sie arbeitet als freie Journalistin in München. Sie schreibt über Kultur, Medien und Gesellschaft unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, Fluter, Galore und Übermedien, </em><a href="https://steady.page/de/feelgood-feuilleton/posts"><em>seit Juli auch in ihrem eigenen Newsletter FEELGOOD-feuilleton</em></a><em>. Manchmal sitzt sie in Jurys oder hält Vorträge über Medien, Gesellschaft und ihre Schnittmengen.</em></p><p>Es fing an auf einer Party, auf der Lars Eidinger Nullerjahre-Hip-Hop auflegte, gefolgt vom Soundtrack der fantastischen Serie „<a href="https://www.zdf.de/serien/chabos-100">Chabos</a>“. Ein bestimmter Song ging mir seitdem nicht aus dem Kopf, nicht ständig wie ein Ohrwurm, aber immer wieder kam er mir in den Sinn. Ich wusste nur, wann und wo ich ihn gehört hatte, und zwar sehr genau: seit meinem 16. Geburtstag in den Nullerjahren so gut wie jeden Freitagabend im „Penker“.</p><p>Der „Penker“ war die Dorfdisco meiner Jugend. Eine sogenannte „Großraumdiskothek“, entstanden aus dem Tanzcafé des Gasthauses, das es bis Anfang der 70-er war. Der „Penker“ war eine Institution. Jede Woche kamen in dem 1.500-Einwohnerdorf Ascha im Landkreis Straubing-Bogen nahezu genauso so viele Discobesucher:innen zusammen. Der „Penker“ (man ging immer „zum Penker“, wer „ins Penker“ sagte, outete sich als Anfänger) hatte keine harte Tür, dafür war die Tanzfläche immer klebrig und über ihr schwebte ein Bouquet aus Bier, Axe-Bodyspray und Zigarettenrauch (der sich auch nach dem Rauchverbot nur langsam verzog). Wir bestellten „Flügerl“ (Wodka-Red-Bull), Malibu-Kirsch und Tequila-Shots, zwei zum Preis von einem, denn freitags war „Doppeldecker“, und auf der Tanzfläche (und auf dem Parkplatz) wurden viele erste Küsse getauscht. Solange ich um Mitternacht wieder raus musste (solange ich noch nicht 18 war oder keinen der Türsteher kannte), war ich um 21 Uhr am Start, um möglichst viel von der Freitagnacht auszukosten. Dann legten die DJs los, eingeleitet unter anderem von einem bestimmten Intro-Song, an den ich mich nur dunkel erinnerte, bis Lars Eidinger und „Chabos“ ihn wieder in meinen Kopf spülten. Vor kurzem versuchte ich erneut, ihn zu finden, und tief im Rabbit Hole stieß ich auf einen der DJs aus dem „Penker“: „T-killa“ hieß er damals. Ich recherchierte, fand Robert schließlich auf LinkedIn und schrieb ihm einfach. Er antwortete prompt und schickte seine Nummer. Nach wenigen Sätzen konnte er zuordnen, was ich meinte, und nach wenigen Beats wusste ich, dass er Recht hat – vielen Dank an dieser Stelle!</p><p>Es ist das Mashup <a href="https://www.youtube.com/watch?v=BWetf86K16U">„Dance“</a> von Whitney Houstons ikonischem, selbstverständlich ungeschlagenem <a href="https://www.youtube.com/watch?v=eH3giaIzONA">Original „I Wanna Dance with Somebody“</a>. Der treibende Rhythmus, dazu Fatman Scoops Shouts und Lumidees Raps, mehr Nullerjahre geht wohl kaum. Gedanklich katapultiert mich der Song bis heute auf die „Penker“-Tanzfläche (ebenso wie das zweite Intro, das Robert noch einfiel: „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=sJiRwDgZbjM&amp;time_continue=4&amp;source_ve_path=NzY3NTg&amp;embeds_referring_euri=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2Fsearch%3Fq%3DNo%2BMercy%2B(Marky%2BMark%2Bsong)%26sourceid%3Dchrome%26ie%3DUTF-8">No Mercy</a>“ von Marky Mark, wie Mark Wahlberg sich damals noch nannte). Wir schwelgten noch kurz in Erinnerungen, denn leider existiert der „Penker“ nicht mehr. Vor gut zehn Jahren ist das Gebäude abgebrannt; als ich ein paar Wochen später dort vorbeigefahren bin, wischte ich mir Tränen aus den Augen. Das Schöne ist: Die Dorfdisco schweißt auch viele Jahre später noch zusammen.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Co-Kreation</p><p><strong>(D6)</strong> In einer digitalisierten Gegenwart, die das Kopieren allgegenwärtig und unausweichbar gemacht hat, ergeben sich neue Rahmenbedingungen für die Ideen von Originalität und Kreativität. Eine klare Ableitung, die wir aus diesen Rahmenbedingungen treffen können, lautet: der singuläre Schöpfer-Akt ist eine Idee, die Realität ist aber viel häufiger: kollaborativ!</p><p>Um Ko(a)pierkompetenz in Zeiten der allgegenwärtigen Kopie zu entwickelt, lautet der Vorsatz also: <strong>Wir müssen Co-Kreation zwischen Menschen lernen!</strong></p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>… kannst du </strong><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/about"><strong>hier in der Übersicht</strong></a><strong> nachlesen und nachhören.</strong></p><p>Was mir darüber hinaus aufgefallen ist: Covern ist eine tolle Werbe-Möglichkeit! <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/0ceba397-6e40-469a-9aa7-b86d2c43ccca">koapier-Leser:innen wissen es seit Folge 4</a>, aber jetzt wird es offensichtlich: Wet Leg hat für die Telekom die Cardigans (<a href="https://www.visions.de/news/wet-leg-covern-cardigans-song-fuer-die-telekom/">My Favorite Game</a>) gecovert, bei und <a href="https://musikwoche.de/recorded-publishing/spotify-holt-fuer-5-geburtstag-von-equal-badmomzjay-an-bord/">für Spotify covert badmomzjay “Rehab” von Rhianna</a> und <a href="https://www.instagram.com/musoraofficial">diese Musiklern-App</a> baut quasi ihre gesamte Social-Strategie auf Covern auf.</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/cf3b1a96-ee37-49a9-86cc-e0b0423a6faf/teaser_image/1788210228?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 02 Sep 2026 16:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Doppelcover (34/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Eingedeutsche Cover im Wandel der Zeit: "Leader of the Pack" - von Susi Bumms]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Eine Premiere,</h1><p><strong>liebe Koapier-Community,</strong></p><p>gibt es in dieser Folge: Es werden gleich zwei Cover des Songs “Leader of the Pack” vorgestellt.</p><p>Weil beide (auf ihre Art) gut sind, weil sich an beiden ihre Entstehungskontext mitdenken lässt und weil beide die <em>kapiert</em>-Erkenntnis der Woche illustrieren:</p><p><strong><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Ich versuche Prozesse zu verstehen, nicht mehr nur Produkte!</mark></strong></p><p>Ich danke Susi Bumms für die Songs und empfehle euch: <a href="https://www.superverlag.de/">Kauft ihren Kalender!</a></p><p><strong>Auf eine doppelt-gute Woche</strong><br/>Dirk<br/>P.S.: Ich schreibe diese Woche übrigens auch einen doppelten Newsletter: in der September-Folge meines monatlichen Newsletters “<a href="https://www.dirkvongehlen.de/briefing-briefing-die-seite-ueber-newsletter/">Digitale Notizen</a>” geht es auch ums Kopieren. Ich erkläre, was das Phänomen <em>MTV unplugged</em> mit der KI-Kennzeichnungspflicht zu tun hat. <a href="https://www.dirkvongehlen.de/briefing-briefing-die-seite-ueber-newsletter/">In der Überschrift steht womöglich das Wort “handgedacht”</a></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Doppelcover</p><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=c_sd0PUTiko"><em>“Feuerstuhl”</em></a><em> &amp; </em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=KB8FhMy51V4"><em>“Lied für Monika oder Brigitte”</em></a><em> (im Original von The Shangri-Las als </em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=5Ge8_6rtQvs"><em>“Leader of the Pack”</em></a><em>) ausgewählt von </em><a href="https://www.instagram.com/susibumms/"><em>Susi Bumms</em></a><em>. Sie ist Künstlerin, vorrangig in Zeichnung und Text, viel im Internet (</em><a href="http://susibumms.de/"><em>susibumms.de</em></a><em>) aber mit Band und Ensemble auch auf der Bühne (</em><a href="http://eineshowhalt.de/"><em>eineshowhalt.de</em></a><em>) Bald erscheint ihr prämierter Wochenkalender für 2027. </em></p><p>Ich schreibe über ein eingedeutschtes Cover eines englischsprachigen Liedes. Eingedeutschte Lieder lieben alle und bei diesem geht auch fast alles schief, was schief gehen kann. Aber: Ich schreibe auch über eine deutsche Version, die dem Original gerecht wird.</p><p>1964 sangen The Shangri-Las „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=5Ge8_6rtQvs">Leader of the Pack</a>“. Der Song wurde geliebt: Platz 1 der US-Charts, 1972 in UK wiederveröffentlicht und Nr.1-Hit, 2004 vom Rolling Stone unter die „500 Greatest Songs of All Time“ gewählt. Jetzt ist es 2026, 62 Jahre und drei Generationen später. Drei Generationen, die jeweils die Fehler der vorherigen ausbügeln und wahlweise neue oder die gleichen wieder machen. Aber auch Gutes weitergeben.</p><p>2026: Leader of the Pack, geliebt von mir.</p><p>Es ist ein epischer Song. Der Wechsel zwischen choralem Duo und verletzlicher Stimme, Motorengeräusche, klirrendes Glas machen es fast zu einem Hörspiel. Es ist eine seltsam ergreifende Erzählung von Klassenunterschied, der ersten Liebe, dem elterlichen Korsett und Verlust.</p><p>Nun zum eingedeutschten Cover, das hier nicht so gut wegkommen wird. Angesichts der westdeutschen Beliebtheit von allem, auf dem in den 1960ern Amerika stand, von Jeans und Jazzcafés, ernsten Westernfilmen und lustigen Westernfilmen, ist es kein Wunder, dass sich am deutschen Cover des US-amerikanischen Nr.1-Hit versucht wurde. „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=c_sd0PUTiko">Feuerstuhl</a>“ erschien 1965 bei Columbia als vierte Single von Die Crazy Girls.</p><p>„Feuerstuhl“ ist eine fantastisch bildhafte Bezeichnung für ein Motorrad und leider für mich auch das Beste am ganzen Song. Instrumental bleibt es sehr nah am Original, handwerklich ist vermutlich alles gut, der Wechselgesang bisweilen stockig, spannender ist der Text:</p><p>Der Song spielt in Deutschland, kennengelernt wird sich nicht im „Candy Store“, sondern auf der „Hauptallee“ – da, wo Jugendliche sich anscheinend rumtrieben. Die Namen wurden übernommen, Jimmy/Betty, was in Kombination mit dem Jugendsprech der 60er „Das muss ja dufte sein, mit ihm zu fahren“ zumindest heute humoristisch wirkt. Das Element der Klasse wurde gänzlich weggelassen, die Eltern sind einfach nicht einverstanden mit dem Kennenlernen. Der junge Mann verunglückt auf dem Motorrad, das Original endet im Trauerschrei: „Leader of the pack, and now he’s gone, gone, gone, gone, gone...“ Diese Cover-Version endet mit moralischer Schuldandeutung. „Und wer hat die Schuld daran? Nicht nur der Feuerstuhl.“ Ein Ende, also an dem nach einer Moral für die Geschichte gesucht wird. Feuerstuhl ist ein Cover, das in seiner Existenz und Ausführung, vermutlich vor allem sehr viel über Westdeutschland in den 60ern erzählt.</p><p>Schnell weiter mit einem Feuerstuhl in die 1980er.</p><p>Drei Jahre vor ihrer erzwungenen Ausreise aus der DDR textete Bettina Wegner 1980 ihr „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=KB8FhMy51V4">Lied für Monika oder Brigitte</a>“ auf das Instrumental der Strophen von „Leader of the Pack“. So weit der Text zunächst vom Original weg scheint, so nah sind sich die Motive und die glaubwürdige Vulnerabilität. „Ick muß bloß machn, wat die andern wolln“: Das „Lied für Monika oder Brigitte“ singt auf Berlinerisch über Enge und Fremdbestimmung. Über die Sehnsucht nach jemandem, der einen sieht. Über einen Job, der keinen Spaß macht und den man sich nicht ausgesucht hat. Über einen gewalttätigen Vater und eine Mutter, die zur Ehe rät, statt zur Selbstbestimmung. Am Ende braucht es kein Motorrad, keinen Unfalltod. „In mein Kopp fühl ick mir janz alleene […] Ick weeß nich weiter, sacht doch eener wat!“ Der Titel, der das Lied Monika oder Brigitte, sprich anderen Frauen, widmet, ist vielleicht gemeint als: Du, die sich so fühlt, bist nicht allein. Aber eben nur vielleicht, weil Wegner sich traut, Leerräume zu lassen.</p><p>Wenn die letzte Zeile gesungen ist, kommt im Lied für Monika oder Brigitte, ein wenig abgesetzt, ein instrumentaler Teil, 1:30min lang: Rock’n’Roll, Gitarre, Keyboard, die Gesangsmelodie instrumental wiederholt. Diese Leerstelle von Text gibt Raum, zu fühlen, das Gefühl der Einsamkeit groß werden zu lassen und gibt der Musik ihre magische Macht, dieses Gefühl aushalten zu können.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Prozesse!</p><p><strong>(E3)</strong> Wenn ich von Kopierkompetenz spreche, meine ich die Fähigkeit, sich in einer Welt zu bewegen, die von den Folgen der digitalen Kopie so verändert ist, dass die alten Erklärmuster nicht mehr helfen. In dieser Welt sollten wir weniger allein auf abgeschlossene monolithische Produkte schauen (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/6f8078ad-a1fc-4946-b734-185c7b9e64b6">siehe dazu z.B. Folge A10</a>), sondern ihre Entstehung mitbetrachten.</p><p>Eine zentrale Fähigkeit für gegenwärtige Kopierkompetenz lautet deshalb:</p><p><strong><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Ich versuche Prozesse zu verstehen, nicht mehr nur Produkte!</mark></strong></p><p>Die Beschreibung der beiden “Leader of the Pack”-Cover im Wandel der Zeit beschreiben einen solchen Prozess sehr anschaulich!</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>… ich bin auf Instagram in ein musikalisches Rabbithole gefallen: </strong>Es handelt von den besten Yeahs der Popgeschichte. <a href="https://www.instagram.com/reels/DcIW5rJyN1F/">Hier spielen sich Menschen gegenseitig Songs vor</a>, in denen Yeah gesungen wird. Das macht gute Laune und erinnert mich an die Hito Steyerl-Ausstellung in Mannheim, die ich 2025 angeschaut habe: <a href="https://kuma.art/de/ausstellungen/hito-steyerl">“Hell Yeah We Fuck Die”</a> (die fünf häufigsten Popsong-Begriffe).</p><p>Auf der Seite <a href="http://copynpaste.xyz/">copynpaste.xyz</a> kann man übrigens nicht nur Text, sondern auch dessen Formatierung kopieren ;-)</p><p>Welche Begriffe am häufigsten <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/about">in den bisherigen Beiträgen</a> dieses Newsletters genutzt wurden, habe ich noch nicht untersucht.</p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/0e019283-d4a4-4cc7-bb9c-b04700a26362/teaser_image/1787137401?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 26 Aug 2026 16:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Ka Überraschung (33/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Ein Tocotronic-Schwerpunkt und ein neues Buch von Christoph Koch]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Es ist mir egal,</h1><p><strong>liebe Koapier-Community,</strong></p><p>aber diese Woche hat einen starken Tocotronic-Schwerpunkt! </p><p>Das liegt an Gringo Mayer, der den Tocotronic-Song “<a href="https://www.youtube.com/watch?v=V6qqXXIrYm4">Es ist mir egal, aber</a>” diese Woche als Mannheimer-Mundart-Cover veröffentlicht hat. </p><p>Und es liegt an <a href="https://www.emotionaleki.de/#autor">Christoph Koch</a>, der diese Woche ein unbedingt <a href="https://www.emotionaleki.de/">empfehlenswertes Buch</a> veröffentlicht hat. Das handelt zwar nicht direkt von der Hamburger Schule, Christoph erzählt aber weiter unten von  den “Tocos” (wie wir Cordhosen vermutlich auch heute noch sagen) und von einer wunderbaren Radiohead-Kopie!</p><p>All das erinnert mich <a href="https://www.dirkvongehlen.de/pop/texte-sind-auch-fast-wie-samples-tocotronic-als-reclam-buch/">an eine kleine Beboachtung</a>, die ich im Herbst 2025 notierte und mit der ich euch in diese Koapier-Woche entlassen möchte:</p><blockquote><p>Irgendwann zu Beginn der Nullerjahre hatte ich große Freude daran, mit Teaser auf <a href="http://jetzt.de/">jetzt.de</a> das zu tun, was die FAZ damals gerne mit Überschriften machte: Anspielungen und Zitate einbauen. Im so genannten Tagesdienst bestand die Arbeit unter anderem darin, gute Texte aus der SZ und dem so genannten Kosmos zu suchen – und im Teaserkasten zu verlinken.</p><p>Wir gingen dieser Arbeit mit Freude und Liebe zum Detail nach. Und wann immer ich Tagesdienst hatte, versuchte ich zu den ausgewählten Texten passende Tocotronic-Referenzen zu finden. Wann immer ich mich durch die Song-Titel gearbeitetet hatte, landete ich auf der damals sehr aktiven Seite <a href="http://tocotronix.de/">tocotronix.de</a>, die ein umfangreiches Text-Archiv anbot. Denn das Besondere an den Lyrics der Band war schon damals: auch hinter den sloganhaften Titeln bieten die Texte jede Menge Möglichkeit zur Anspielung.</p><p>Mir machte dieses Fährtenlegen so viel Spaß, dass ich noch heute gerne daran denke. Nicht nur, dass die Referenzen entdeckt wurden, vor allem die Momente, in denen sich jemand in der Bezugnahme verstanden fühlte, bleiben mir in guter Erinnerung.</p></blockquote><p><strong>Wir sind hier nicht in Seattle,</strong><br/>Dirk</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Ka Überraschung</p><p><em>“</em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=lWhmaak4SUE"><em>Ka Überraschung</em></a><em>” von Wolfgang Ambros im Orignal von Radiohead (</em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=u5CVsCnxyXg"><em>No Surprise</em></a><em>) - vorgestellt von Christoph Koch, dessen Buch “</em><a href="https://www.emotionaleki.de/"><em>Hallo, wie fühltst du dich heute?</em></a><em>” gerade erschienen ist.</em></p><p>Wenn man ein 16-Jähriger in einer bayerischen Kleinstadt der Neunzigerjahre ist und sich als Punk fühlt, braucht man natürlich eine Band. So war es auch bei mir. Und dann will man natürlich auch schnell auf die Bühne des lokalen Jugendzentrums und nicht jahrelang an seinen Songwriting-Skills feilen. Die Lösung: Das Programm der eigenen Songs mit Coverversionen aufstocken. Als Bassist stieg ich in eine Band ein, die zuerst auf den Namen „Foialöscha“ hörte (liebe ich bis heute), dann „Kirkland“.</p><p>Auf unseren Konzerten spielten wir gerne die ersten Takte des damaligen Megasmasher „Smells Like Teen Spirit“ an, nur um dann nach wenigen Sekunden in das deutlich unzugänglichere Hardcore-Brett „Can’t Close My Eyes“ von Youth Of Today umzuschwenken.</p><p>Wir fanden das wesentlich kredibler als den MTV-Hit von Nirvana. Und ließen uns auch von enttäuschten Gesichtern im Publikum, dessen Freude ein jähes Ende fand, nicht umstimmen. Den Leuten immer schön das Gegenteil dessen geben, was sie wollen. So stellten wir uns Punk vor. Und mit Blasen an den Füßen von unseren Doc Martens natürlich.</p><p>In meiner zweiten Band, der sogenannten „Bum Khun Cha Youth“, gingen wir noch einen Schritt weiter. Wir waren so große Tocotronic-Verehrer, dass uns Covern nicht ansatzweise reichte. Bei einem Konzert irgendwo in Hessen (wenn die Jägermeister- benebelte Erinnerung nicht trügt), stellten wir frech ein Schild <strong><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">„Tocotronic + Bum Khun Cha Youth – Eintritt 10 Mark“</mark></strong> an die Kasse am Eingang. Die „Tocos“, wie wir Cordhosen damals sagte, waren natürlich nicht mal in der näheren Umgebung. Sollte uns das Publikum doch verklagen!</p><p>Letzte Coverversions-Anekdote, direkt noch mal Tocotronic. Die Promo-Exemplare des ersten Albums wurden damals vom Label L’Age D’Or auf Kassette verschickt. Zumindest an unwichtigere Medien wie das kleine Fanzine, das ich damals (1995?) in meinem Kinderzimmer zusammentackerte. Mit einem Freund, der in den USA studierte, schickte ich damals regelmäßig Mixtapes hin und her. Diese neuen Songs wie „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=Z6IkRmEUTxw">Drüben auf dem Hügel</a>“, die meine Welt so durchquirlten, mussten natürlich auf das nächste Tape.</p><p>Das Problem: Ich konnte nicht von Kassette auf Kassette überspielen. (Sorry, jetzt wird es endgültig „Opa erzählt vom Krieg“. Bear with me.) Das Gute: Die Lieder waren in ihren Akkordstrukturen überschaubar und ich litt an grenzenloser Selbstüberschätzung. Und so nahm ich für besagten Freund die wichtigsten Songs einfach mit meiner eigenen Gitarre auf und krächzte „Zum Beispiel letztes Jahr im Sommer“ ins Mikro.</p><p>Das Schönste: Wenn ich ihn richtig verstanden habe, ist diese Kassette mit meinen LololoFi-Versionen der frühen Toco-Hits die einzige aus unserem Tausch, die er bis heute hat.</p><p>Nun aber zur Coverversion, die ich mitgebracht habe: „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=lWhmaak4SUE">Ka Überraschung</a>“ von Wolfgang Ambros ist eine wie ich finde sehr gelungene Adaption von „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=u5CVsCnxyXg">No Surprises</a>“, der letzten Single vom gefeierten Radiohead-Album „OK Computer“.</p><p>Über das Lied selbst und die besungene Lebensmüdigkeit ist schon viel geschrieben worden. Da muss ich gar nichts mehr ergänzen. Ich mag es sehr und finde, dass Ambros‘ österreichischer, resignierter Grant ihm eine wundervolle neue Facette hinzufügt.</p><p>„<strong>Ka Aufregung, ka Überraschung – Lossts ma geh</strong>“. Hände hoch, wer’s (zumindest gelegentlich) kennt!</p><p>Coverversionen-Schlussakkord: Radiohead-Sänger Thom Yorke sagte einmal, dass unüblicherweise der allererste Studio-Take des Songs verwendet wurde:</p><blockquote><p>„Wir haben danach noch endlose Versionen aufgenommen (…) Aber sie waren alle nur Coverversionen der ersten Version. Also haben wir irgendwann aufgegeben und sind (zum Original) zurückgekehrt.“</p></blockquote><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Spiegel</p><p><strong>(A9)</strong> Ist das, was KI mit Inhalten macht mit dem Begriff “Kopieren” eigentlich korrekt beschrieben? Darüber kann man streiten. Für mich ist KI eine weitere Variante dessen, was die digitale Kopie begonnen hat. Und am besten kann man dies an <a href="https://www.dirkvongehlen.de/ich/wie-der-maschinelle-spiegel-mir-schmeicheln-will-ueber-den-action-figur-trend/">der spiegelnden Fähigkeit von KI</a> illustrieren. Denn der Input bestimmt stets mit darüber, wie der Output sein wird. Das kennen wir vom Blick in den Spiegel - und beides basiert auf einem Imitationsprinzip.</p><p>Daran musste ich denken als ich diese Woche <a href="https://www.emotionaleki.de/">Christophs Buch anschaute, das sich mit Emotionaler KI</a> befasst.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>… ich hatte etwas Zeit und bin deshalb mal das Archiv durchgegangen. Schon krass, wer hier alles schon dabei war. Vielen Dank!</strong></p><a href="https://www.instagram.com/p/Db-22zBsZhy/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/0941a0c6-1497-4830-ba58-9f7c4ac5686c/uploads/images/p2jekyfc3y/Bildschirmfoto_2026-08-17_um_09.20.52.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><p><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/about"><strong>Hier in der Übersicht</strong></a><strong> kannst du alles nachlesen und nachhören.</strong></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 19 Aug 2026 16:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Ich möchte mich gerne von mir trennen (32/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Was Crowdfunding mit Kopierkompetenz zu tun hat]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Der wichtigste Link dieser Ausgabe,</h1><p><strong>liebe Koapier-Community,</strong></p><p><strong>ist direkt </strong><a href="https://www.startnext.com/album-2027"><strong>hier</strong></a><strong>! </strong></p><p>Er führt auf das Crowdfunding, das Wolfgang Müller für sein <a href="https://www.startnext.com/album-2027">Album 2027</a> gestartet hat. Ich mag seine Musik und ich mag die Art, wie er mit dieser Musik umgeht. Deshalb freue ich mich, dass er in dieser Folge eine Cover-Version vorstellt - und ich auf sein Crowdfunding hinweisen kann. </p><p>Das hat nämlich viel mit dem zu tun, was ich Kopier-Kompetenz nenne: vom Produkt zum Prozess! Dazu passend übrigens auch das kleine Experiment, das ich mit dem Rheinwerk-Verlag zu meiner nächsten Veröffentlichung dort unternehmen will:<a href="https://www.rheinwerk-verlag.de/smvv/"> Vom Buch zum Webinar</a> </p><a href="https://www.rheinwerk-verlag.de/smvv/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/6f8078ad-a1fc-4946-b734-185c7b9e64b6/uploads/images/372tofzduq/Bildschirmfoto_2026-08-09_um_14.38.03.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><p></p><p><strong>Sommerliche Grüße</strong><br/>Dirk</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Trennen</p><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=GDQyaXh_IPU"><em>“Ich möchte mich gerne von mir trennen”</em></a><em> Niels Frevert (im Original </em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=bv4LO0j_Dss"><em>von Hildegard Knef</em></a><em>) - vorgeschlagen von </em><a href="https://www.instagram.com/muellermusik/"><em>Wolfgang Müller</em></a><em>. Er ist ein deutscher Singer-Songwriter aus Hamburg. Gerade läuft das Crowdfunding für sein </em><a href="https://www.startnext.com/album-2027"><em>“Album 2027”</em></a><em>.</em></p><p>Es gibt so viele grandiose Cover, dass ich Mühe habe eins auszuwählen. Ich finde, es ist eine eigene Kunstform, von der einfallslosen repetitiven Wiedergabe des Originals bis hin zur schöpferischen Neuinterpretation, bei der außer Text und Harmonien kein Stein auf dem anderen bleibt. Siehe Cakes „I will survive“ oder Johnny Cashs „Hurt“.</p><p>Um nicht die offensichtlichen Perlen zu bemühen habe ich ein Cover ausgewählt, das vermutlich nicht jedem sofort geläufig ist, jedenfalls nicht jenseits der Szene. Niels Frevert hat auf seinem 2008-er Album „Du kannst mich an der Ecke rauslassen“ den Song <a href="https://www.youtube.com/watch?v=GDQyaXh_IPU">„Ich möchte mich gern von mir trennen“</a> von Hildegard Knef gecovert, und wüsste man das nicht, er würde glatt als ein typischer Frevert-Song durchgehen.  Die Worte passen wie angegossen auf sein übriges Werk, und musikalisch wurde mit Besenschlagzeug, Vibraphone und Klavier eine völlig neue Welt erschaffen. </p><p>Besonders großartig daran finde ich, dass er im C-Teil in der Liste der Dinge, die er hasst und nicht mehr sehen kann, aus dem „belgischen Schrank“ den „schwedischen Schrank“ (Ikea) gemacht hat, und aus dem Nussbaum Klavier seine „Telecaster“. Letzteres ist ein besonderer Geniestreich wenn man weiß, dass Frevert bis zu diesem Album fast ausschließlich Telecaster gespielt hat, und „Du kannst mich an der Ecke rauslassen“ das erste Album mit Fingerpicking auf einer Akustikgitarre war. So hat er dem Kleidchen, das er sich angezogen hat, noch ein paar ganz eigene Besätze hinzugefügt. Fünf Sterne.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Prozess</p><p><strong>(A10)</strong> Die digitale Kopie macht aus Kultur Software - zumindest unterliegen kulturelle Produkte in einer digitalisierten Welt den Regeln, die für Software gelten. Sie ändern ihren Aggregatzustand. </p><p>Um dieser Veränderung Rechnung zu tragen, lohnt e sich drei neue Denkrichtungen zu beginnen:</p><ol><li><p>Vom Produkt zum Prozess</p></li><li><p>Vom Ergebnis zum Erlebnis</p></li><li><p>Vom Werk zum Netzwerk</p></li></ol><p>Diese Entwicklungslinien beschreiben, wie Kultur sich unter den Bedingungen der digitalen Kopie verändern (können). Was das bedeutet? </p><p>Es heißt zum Beispiel, dass nicht nur das finale Produkt öffentlich gemacht wird, sondern schon sein Prozess der Entstehung - <a href="https://www.startnext.com/album-2027">wie Wolfgang Müller es gerade vormacht</a>.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>… ich musste sehr lachen </strong>- über d<a href="https://www.instagram.com/reels/DbZWgUEBP_5/">iesen Live-Auftritt von Timbaland</a>. Außerdem möchte ich <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/eb605925-8e91-478e-8f82-49799f84bec7">als Nachtrag zur vergangenen Folge</a> mit Ted Lasso auf <a href="https://www.instagram.com/reels/DbrUhp-EfbO/">die Wizzard-of-Oz-Anspielungen hinweisen</a>, die es in der Serie gibt.</p><p>Falls Du wissen willst, was in der Koapier-Community passiert ist: <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/about"><strong>Hier in der Übersicht </strong></a><strong>kannst du alles nachlesen und nachhören.</strong></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 12 Aug 2026 16:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Wicked Game (31/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Sprudelnde Begeisterung gegens Kopier-Gejammer, aber für Motorhorst, Ted Lasso und Live-Musik]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Live-Musik ist ein Geschenk!</h1><p><strong>Mit dieser Erkenntnis begrüsse ich euch in einer neuen Koapier-Woche!</strong></p><p>Es geht um Ted Lasso (Details am Ende), das Haldern-Pop-Festival und den einen Song, der auf der Playlist mit 144 “Wicked-Game”-Covern fehlt (Danke <a href="https://www.motorhorst.de/">Motorhorst</a>!).</p><p>Den Begriff <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Collective Effervescence</mark> übersetzen zu wollen, ist etwa so kompliziert wie ihn leicht angetrunken auf einem Konzert aussprechen zu wollen. Es ist möglich, endet aber nicht selten holprig. <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Collective_effervescence">Es geht um kollektive Begeisterung</a>, aber <em>Effervescence</em> meint darüber hinaus auch ein gut gelauntes Übersprudeln, das gemeinsam erlebt und erfreut wird, wenn zum Beispiel einer eine geschüttelte Bierflasche öffnet.</p><p>Live-Konzerte sind gute Anlässe, um <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Collective Effervescence</mark> zu erleben. Mir war genau dies vergangene Woche bei einem Auftritt der <em>Kings of Convenience</em> vergönnt (ja, ich bin schon alt), die auf einer Seebühne oberhalb des Gardasees auftraten - und mir neben ihrer Musik zeigten, dass <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Collective Effervescence</mark> keine Landes- und Sprachgrenzen kennt: Es gibt Menschen in Italien, die auf vergleichbare Art alt werden. Das ist eine beruhigende Erkenntnis.</p><p>Dass man beim Altwerden Gefahr läuft, die Geschichten derjenigen nachzuplappern, die früher schon alt waren, kann man <a href="https://haldernpop.com/festival-2026">am Slogan des Haldern-Pop-Festivals</a> sehen, das diese Woche startet - unter dem Titel “<strong>Einer sich selbst kopierenden Welt gehen die Originale aus”</strong>.</p><p>Das war schon vor 25 Jahren großer Quatsch als die damals (geistig) alten Menschen Bands wie <em>The Strokes</em> (<a href="https://www.derstandard.de/story/3000000333571/the-strokes-feiern-ihre-ersten-25-jahre-schnoferl-ziehen-gitarre-spielen">Happy Is-this-it Birthday</a>, btw) ablehnten, weil die ja angeblich nur kopieren würden. Und es ist auch heute Quatsch - zumal als Motto eines Festivals, das ich stets als Ort des Neuen, Widerständigen und Unabhängigen kennengelernt hatte. Das findet man - so meine Prognose - ganz sicher nicht im kulturpessimistischen Mainstream mit einem Motto, das auch als Titel einer Dieter-Nuhr-Show sein könnte.</p><p>Was der Welt sicher nicht ausgeht, ist das Gejammer übers Kopieren! Dagegen stemmen wir uns hier mit <a href="https://www.dirkvongehlen.de/tv/26-dinge-die-mich-an-ted-lasso-faszinieren-mein-optimistisches-ted-lasso-abc/">Ted-Lasso-artiger Gelassenheit</a>:</p><blockquote><p>Daran zu glauben, dass es besser werden kann. Dass ich besser werden kann. Dass wir besser werden. Oh Mann. An sich selbst zu glauben. Aneinander zu glauben. Mann, das die Grundlage des Lebens.</p></blockquote><p><strong>In diesem Sinne: Believe!</strong><br/>Dirk</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Wicked Game</p><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=iR3567vrw3o"><em>“Wicked Game” von Les Reines Prochaines</em></a><em> - ausgewählt von Gerd Bezold. Er hat vor über 25 Jahren die Kunstfigur </em><a href="https://www.motorhorst.de/"><em>Horst E.Motor</em></a><em>, inspiriert von seiner Seite </em><a href="http://motorhorst.de/"><em>motorhorst.de</em></a><em> (inspiriert von Motorpsycho, Motörhead und dem horstigsten aller Vornamen), erfunden und pflegt diese als Bastion für popkulturelle Eskapaden und Sinnesfreuden. Er arbeitet in der IT, erlaubt sich aber den Luxus, jegliche Selbstbestätigung aus brotlosen pseudokünstlerischen Aktivitäten, kleinen Späßen in Text und Wort und der Leidenschaft für Pop und Referenzen zu ziehen. So sieht er als größten Triumph seinen Sieg beim Bürgermeister-Quiz &quot;City of Pop&quot; im Zündfunk auf Bayern2, der sich nun zum zehnten Mal jährt. Er lebt und wirkt in Bayreuth, das seiner Aussage nach zerstört werden muss.</em><br/></p><p>Coverversionen sammle ich in Playlists, die sehr fragil thematisiert<br/>sind: akzeptabel, obskur und &quot;die besten Coverversionen der Welt“. Die Übergänge sind fließend. Bekannte Spaß-Cover wie <a href="https://www.youtube.com/watch?v=NTfZshkNZRw">Mike Flowers Pops „Wonderwall“</a> oder alles von <a href="https://mambokurt.de/index.html">Mambo Kurt</a> landen nur mental unter „Was kann ich einer Person einmal vorspielen, um sie schmunzeln zu sehen und höre es freiwillig nie (NIE!) an“.<br/><br/>Und ich liebe Coverversionen. Mein ganzes Leben ist eine einzige<br/>Coverversion. Ui, das pittiplatsch-Fanzine – ich mach auch ein<br/>Fanzine. <a href="http://jetzt.de/">Jetzt.de</a> und <a href="http://intro.de/">intro.de</a> haben so tolle Communities – ich mach mir auch eine Webseite mit einer Community. Me-Too-Produkt nennt es der Werber, bei mir wirkt es eher wie Me-Three, aber ich mag es.<br/><br/>Und das „Covern“ geht da locker weiter. Ich hatte lange eine Kolumne, die hieß „Draußen auf Kaution“ (wie der Blumfeld-Song), eine Radio- und später Standup-Liveshow „Ganz tief unten“ (Die Regierung) und einen Podcast „Das war vor Jahren“ (Fehlfarben). Die Song-Titel spielten darin keine Rolle, fungierten aber wie ein Cover im Sinn eines Titelbilds, das Dir verspricht, was Du bekommst (wenn Du Dich mit uns anlegst).<br/><br/>Ich mag Neuauflagen von Songs, die den Originalen mehr geben als nur den „wie witzig“-Faktor. Wenn sich Ton und Emotion ganz woanders hinverschieben. Nina Persson von den Cardigans macht aus der Doom-Metal-Hymne <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Zb7IpfOzon4">„Iron Man“ ein Lounge-Stück</a>, das man völlig unbemerkt auf den Cafe Del Mar-Sampler 312 packen kann. Masha Qrella formt <a href="https://www.youtube.com/watch?v=bRIf6zZ27pQ">„Don’t Stop The Dance“</a> zu einem Akkustiksong, was das dandyeske Bryan Ferry-Original weder überflüssig noch schwächer macht. Verstöße das nicht gegen das dritte Gebot der Mixtape-Manufaktur, könnte man beide hintereinander auf ein Tape spielen. Manchmal entsteht ein selbstbefruchtender Kreis, wenn die New Yorker Band My Robot Friend <a href="https://www.youtube.com/watch?v=oKeHZJj22Zc">„We’re the Pet Shop Boys“</a> einen Song im Stil (und mit Zitaten) der genannten Band kreiiert, der dann von den „echten“ Pet Shop Boys (und Robbie Williams) gecovert wird.<br/><br/>Personen, die bei Dieter Bohlen nicht mal in die Qualifikation kämen und gegen jede Chance ihr Glück versuchen, agieren in der<br/>Meisterklasse: Captain Kirk William Shatner, der ebenfalls <a href="https://www.youtube.com/watch?v=eKggGGo_7RU">„Iron Man“</a> stakkatoartig deklamiert oder „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=ainyK6fXku0">Common People</a>“ sprechsingt, dass einem sofort der Hochkultur-Fan-Satz „Na, das könnte ich auch“ aus dem Mund purzelt. Wenn Anton Maiden oder Klaus Beyer ihre Helden Iron Maiden und The Beatles in ungehörte Höhen heben. Also stimmlich, aber auch vom Grad der Verehrung. Und damit sind wir bei meinem Lieblingscover.<br/><br/>„12 minutes over Bayreuth“ nannte ich einen Musikbrunch vor vielen Jahren, bei dem man einen Song mitbrachte, den vorspielte und darüber erzählen konnte. 12 Minuten lang.<br/><br/>Mein Stück beginnt mit einer verträumten Meeresatmosphäre und ganz wie das Original, &quot;Wicked Game“ von Chris Isaak, bekannt aus „Wild At Heart“ und dem Cover der Schmalz-Metaller HIM.<br/><br/>Hier singt jedoch eine Frau, sie säuselt und trifft nicht jeden Ton<br/>(sage ausgerechnet ich). Der Refrain („No Iiiiiiiiiii…“) klingt im<br/>Chor und mit Background-Vocals fast lieblich. Aber nach etwa drei<br/>Minuten passiert etwas. Da sitzt eine zweite Sängerin entweder im<br/>Nebenraum (dem Klo?) oder im Wandschrank und auch sie singt „Wicked Game“, schreit es regelrecht. Synchron, aber in verzweifelter Lautstärke, hat sie vielleicht Kopfhörer auf oder ist es ein Hilfeschrei? Und dieser Song ist „Opfer dieses Liedes“ von der Schweizer Gruppe „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=iR3567vrw3o">Les Reines Prochaines</a>“. Es gibt eine Playlist mit<br/>144 Wicked Game-Varianten. Man braucht nur diese. Sie fehlt auf der Liste.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Genie - Coach</p><p><strong>(D4)</strong> Ich dachte es mir schon in der ersten Welle der Digitalisierung und es gilt umso mehr, wenn das Kopieren maschinell möglich wird: “<mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Wo die Kopie allgegenwärtig wird, brauchen wir einen neuen Begriff vom Genie</mark>”.</p><p>Unser Vorstellung vom Original und von Original-Schöpfer:innen (worauf sich ja auch das Haldern-Motto bezieht) ist geprägt von dem gut-schlecht Dualismus von Original und Kopie. Dass es in Wahrheit um Originalität gehen sollte, haben wir schon in <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/de805cd8-b273-4b49-a63d-f782735b5b8f">Folge 15</a> und in <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/830ecedc-6a3a-4d05-a1ac-92b9de5df11a">Folge 18</a> beschrieben. Daraus leitet sich aber ab, dass wir auch ein neues Bild vom vermeintlichen Genie entwickeln.</p><p>Es geht hier eher um eine vernetzt denkende Schöpferin als um eine singulär aus sich heraus denkenen Produzenten. Es geht um reflektierte Absender:innenschaft, <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df">die die Kriterien einer lobenswerten Kopie kennt und benennt</a> - und nicht einzig das Produkt, sondern den Prozess in den Mittelpunkt stellt.</p><p>Vielleicht ist es mehr als ein zeitlicher Zufall, dass wir in dieser Woche über die Figur eines Coaches sprechen. Vielleicht ist das neue Bild der/der Schöpfer:in näher an einem Coach als am Denkmal eines Original-Genies.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>… ich habe mir eine sechs Jahre alte Cover-Version angehört. </strong>Marcus Mumford hat sie unter den Bedingungen der Pandemie eingespielt. Es ist seine Version des Fußballstadion-Klassikers <a href="https://www.youtube.com/watch?v=JoSsTXahPA8">“You’ll Never Walk Alone”</a> - und ich erzähle davon, weil sie zum Soundtrack der <a href="https://www.dirkvongehlen.de/tv/26-dinge-die-mich-an-ted-lasso-faszinieren-mein-optimistisches-ted-lasso-abc/">Serie “Ted Lasso”</a> zählt, deren vierte Staffel diese Woche startet.</p><p><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Ted Lasso ist mit großem Abstand meine Lieblingsserie</mark>. Sie hat mich und mein Denken stärker geprägt als mir klar war. Als ich am Wochenende einige Lieblingsszenen nach-schauen wollte, kam ich über Stunden nicht mehr los - und bündelte dann <a href="https://www.dirkvongehlen.de/tv/26-dinge-die-mich-an-ted-lasso-faszinieren-mein-optimistisches-ted-lasso-abc/">meine 26 wichtigsten Ted-Lasso-Momente in einem Alphabet</a>, das ich dir dringend empfehlen möchte. Gerade wenn du die Serie nicht kennst!</p><p>Falls Du wissen willst, was in der Koapier-Community passiert ist: <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/about"><strong>Hier in der Übersicht </strong></a><strong>kannst du alles nachlesen und nachhören.</strong></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 05 Aug 2026 16:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Mehr Liebe (30/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Australische Sittiche und ein Cover-Song mit ganz viel Liebe - mit einem Lieblingslied von Leonie Sontheimer]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Ein Sittich als Ohrwurm,</h1><p><strong>liebe Freundinnen und Freunde des Koapierens,</strong></p><p>beschäftigt mich diese Woche: “Eastern Rosellas” heißt die Vogelart, die in Australien beheimatet ist und seit ein paar Tagen als virales Phänomen durchs Netz fliegt. <a href="https://www.dirkvongehlen.de/netz/jimothy-eastern-rosellas-br-rentner-kaesiger-michael-netflix-doku-gut-genug-netzkultur-juli-2026/">Eastern Rosellas</a> ist nämlich auch der Titel eines Songs, der erstaunlich gute Laune macht - <a href="https://www.dirkvongehlen.de/netz/jimothy-eastern-rosellas-br-rentner-kaesiger-michael-netflix-doku-gut-genug-netzkultur-juli-2026/">mehr dazu hier im Blog</a>.</p><p>Der Song der Woche stammt von Leonie Sontheimer, die damit viel Liebe verbindet, die ich mit euch teilen möchte - verbunden mit der Frage: Wo ist eigentlich der Diebstahl der digitalen Kopie, wenn sie Inhalt ja sogar vermehrt?</p><p><strong>Viel Liebe beim Hören &amp; Lesen</strong><br/>Dirk</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Love</p><p><em>Dionne Warwick</em> „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=Y6gm__EP030">What the World Needs Now Is Love</a>“ - <em>vorgeschlagen von </em><a href="https://www.instagram.com/leonie.sontheimer/"><em>Leonie Sontheimer</em></a><em> - freie Journalistin und Formatentwicklerin. Sie macht Podcasts, TV-Dokus und TikToks - vornehmlich für den ÖRR. 2021 hat sie das Netzwerk Klimajournalismus Deutschland gegründet. Sie hat zwei Kinder und lebt in den Bayerischen Bergen. </em></p><p>Wenn man sein erstes Kind bekommt, steckt man vergleichsweise viel Zeit in alle möglichen Gimmicks für die Geburt. Zumindest war das bei mir so. Im Geburtsvorbereitungskurs wurde mir empfohlen, eine Playlist zusammenzustellen und eine Soundbox in die Krankenhaustasche zu packen. Ich erstellte die Playlist „Urban wonders“ (Anspielung an das Urban-Krankenhaus in Berlin); außer mir durften meine Mutter, meine Schwester und eine enge Freundin Lieder hinzufügen. Der wichtigste Song in der Playlist ist Dionne Warwicks Cover von „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=Y6gm__EP030">What the World Needs Now Is Love</a>“. </p><p><em>What the world needs now <br/>Is love, sweet love <br/>No, not just for some, just for everyone</em></p><p><em>It&#39;s the only thing that there&#39;s just too little of </em></p><p>Der Song wurde in den 60er Jahren in den USA geschrieben und spielt auf den Vietnamkrieg an. Laut Wikipedia wurde er zuerst Dionne Warwick angeboten, sie fand ihn angeblich „zu country“. Also wurde Jackie DeShannon Original-Interpretin, Warwick coverte es 1966. </p><p>Knapp 60 Jahre später schallte es in der Nacht auf den ersten Mai durch den Kreissaal in Berlin Kreuzberg. Wir brauchen nicht „immer mehr“. Das einzige, von dem es zu wenig gibt: Liebe. Es ist das Motto, mit dem ich guten Gewissens Kinder in diese Welt setze. </p><p>Direkt danach läuft in der Geburts-Playlist übrigens: „Lean on Me“ von Bill Withers. Das hatte mein Alltime-Klimakommunikations-Hero Bill McKibben mal in seinem Newsletter für The New Yorker empfohlen. Auch der Song ist seitdem aus meinem Lebens-Soundtrack nicht mehr wegzudenken.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Diebstahl?</p><p><strong>(C1)</strong> Was haben Liebe und digitale Dateien gemeinsam? Beide werden mehr, wenn man sie gibt! Das klingt zunächst merkwürdig, wie etwas wachsen kann, wenn du es teilst, aber es ist in Wahrheit zauberhaft - wie Leonie es oben wunderbar beschrieben hat.</p><p>Diese Erkenntnis der digitale Kopie, die bereits in <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/23a353b6-18e0-4c60-880a-a627b5feb1a9">Folge 9</a> und <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/c46d6dfa-ca24-446c-afc6-784c4ff450a1">10</a> Thema war, führt aber zu einem digitalen Dilemma, nämlich zu der Frage: <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Wo ist der Diebstahl, wenn der Inhalt ja nicht nur bleibt, sondern sogar verbreitet wird?</mark></p><p>Was gestohlen wird, ist ja nicht der Inhalt. Es wird vor allem die Möglichkeit der Verwertung geraubt. Das gilt für die klassische digitale Kopie (erste Welle der Digitalisierung) genauso wie für den Umgang mit KI und ihren Folgen (aktuelle Digitalisierungswelle).</p><p>Ich will den Vorgang nicht schmälern, aber ich glaube die Genauigkeit in der Analyse kann bei der Suche nach einer Lösung helfen: <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">auch KI raubt nicht den Inhalt. </mark>Sprachmodelle nutzen und verbreiten ihn. Was sie allerdings rauben, sind die bisherigen Verwertungsoptionen. Wer den Blick darauf richtet, erkennt vielleicht auch: Womöglich ergeben sich durchs Kopieren (auch mit KI) aber auch neue Verwertungsmöglichkeiten.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>… </strong><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/about"><strong>kannst du hier in der Übersicht </strong></a><strong>nachlesen und nachhören.</strong></p><p><strong>Was mich diese Woche beschäftigt hat?</strong></p><p>Ich habe den Namen <a href="https://www.theguardian.com/music/2026/jul/25/bon-iver-bob-dylan-wisconsin-eauxs-claire">Bon Dylan</a> gelernt - unter dem hat Justin Vernon von Bon Iver nämlich Cover-Songs von Bob Dylan gespielt.</p><p>Und Jazz-Fans sollte sich <a href="https://www.whudat.de/butcher-brown-nicholas-payton-a-supreme-blue-die-visionaeren-jazz-meisterwerke-neu-erfunden/">die Veröffentlichung von “Supreme Blue”</a> anhören. Eine besondere Form der musikalischen Kopie.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 29 Jul 2026 16:01:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Video Games (29/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Fünf Lieder, die sogar das ZDF spielen kann, die Lieblingsliste von Säm Wagner - und ein Lob der angekündigten Konzert-Cover]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Keine Angst,</h1><p><strong>liebe Freundinnen und Freunde des Koapierens,</strong></p><p>Ihr verpasst hier keine aktuellen Themen und Referenzen. Deshalb beginnt diese Woche natürlich mit einem Fußball-Bezug.</p><p><strong>War das das letzte Spiel von Lionel Messi? </strong>Der unbestritten beste Fußballer der Welt lieferte vor fast zwanzig Jahren die <a href="https://www.youtube.com/watch?v=sGteJAB-OGA">unbestritten beste Kopier-Metapher mit der Imitation eine Maradona-Tors</a> (Details dazu in “Lob der Kopie”). Das Besondere daran: die Freude des Kommentator wurde mittlerweile <a href="https://www.youtube.com/watch?v=RddCsppKXyQ">zu einem eigenen Song</a>.</p><p>Das Finale 2026 kam ohne Messi-Kopien aus - aber nicht ohne Lob der Kopie: im Anschluss an das Spiel lieferte der beste Spieler des Turniers eine schöne Kopier-Referenz. Der spanische Mittelfeldspieler Rodri erklärte, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Aitana_Bonmat%C3%AD">er habe schlicht versucht, die Weltfussballerin Aitana Bonmati zu imitieren</a>.</p><p>Ebenfalls viel Aufmerksamkeit bekam diese Woche der Song “<a href="https://www.youtube.com/watch?v=Gg-SCpXba64&amp;list=RDGg-SCpXba64">Keine Angst</a>” von Danger Dan. Der Grund: Der ZDF-Intendant wollte ihm wenig Aufmerksamkeit geben. Er wurde aus der ZDF-Sendung “Die Anstalt” ausgeladen. Da ich glaube, <a href="https://www.instagram.com/p/Da-jVF2jNQC/?img_index=1">dass fast alles zum Thema gesagt wurde</a> und da wir diese Woche ohnehin eine Liste von Säm Wagner bekommen, hier mein Vorschlag zum Thema:</p><p><strong>Meine fünf Keine-Angst-Songs, die sogar das ZDF spielen kann - und zwar von:</strong></p><ol><li><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ia3U-r9eis8&amp;list=RDia3U-r9eis8&amp;start_radio=1">Olli Schulz in der Sesamstraße</a></p></li><li><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=b45-VADntIA">Hinterlandgang</a></p></li><li><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=-q8OPo7P2dM">Kitschkrieg (mit Alli Neumann &amp; Trettmann)</a></p></li><li><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=VHWG9-SOsAs">Casper mit Drangsal</a></p></li><li><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=HjXt1aE-gI8">Milva</a></p><p></p></li></ol><p>An der Spitze von Säm Wagners Cover-Liste steht ein richtig toller Song von Jochen Distelmeyer - obwohl mich die Version des DJ-Ötzi Songs “<em>Ein Stern, der deinen Namen trägt</em>” noch nachhaltiger verstört hat (wie ich überhaupt sehr verwundert bin, <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/a44ff39b-1b5b-4280-bc95-608a9a7d2aeb">wie häufig hier DJ Ötzi auftaucht</a>).</p><p><strong>Viel Spaß beim Hören &amp; Lesen</strong><br/>Dirk</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Video Games</p><p><em>Jochen Distelmeyer “</em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=NAXil6D3l3w"><em>Video Games</em></a><em>” (Original von </em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=cE6wxDqdOV0"><em>Lana del Ray</em></a><em>) vorgeschlagen von Säm Wagner. Er ist Popularmusikbeauftragte des Bezirks Oberpfalz - und Ansprechpartner für Popkulturschaffende in der gesamten Oberpfalz. So steht es auf der </em><a href="https://www.bezirk-oberpfalz.de/heimat-kultur-bildung/kultur-und-heimatpflege/team/mathias-wagner"><em>Website des Bereichs Heimat- und Kulturpflege</em></a><em>. Mehr über Säm auf seinem Instagram-Account </em><a href="https://www.instagram.com/sam3000/"><em>@sam3000</em></a></p><p>Vor ein paar Tagen sah ich beim ursympathischen <a href="https://www.jukuu.de/">Jukuu-Festival</a> im niederbayerischen Kelheim die “Leftovers” live. Es regnete seit sechs Stunden in Strömen, die österreichische Grunge-Band ließ diesen Fakt aber vergessen. Obwohl ich nur ein paar wenige Songs der Leftovers kannte, fühlte ich mich prächtig unterhalten. Dann kam ihr letzter Song. Sie kündigten eine Coverversion an, ohne zu verraten, was es für ein Song sei. Man kennt das ja: Nachher fragt der Sänger ins Publikum, wer den Song denn erkannt hat, und erntet hundertfaches Schulterzucken, weil es wieder irgendein Stück einer obskuren Spezialistenband war, die eh niemand kennt.</p><p>Nein, stopp. Es war anders.</p><p>Die Leftovers stimmten „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=K9EqStdNPT8">Teenage Dirtbag</a>“ an. Die cheesy Mitgrölnummer der zu Recht in Vergessenheit geratenen One-Hit- Wonders Wheatus. Rund um das Millennium auf jedem Abschlussball ein Volltreffer, heute ein berechtigter Grund für Fremdscham, wenn irgendein von Spritz-Getränken angezündeter Boomer den Song auf einer Party in die Playlist zieht.</p><p>Hier im strömenden Regen auf dem Kelheimer Festgelände drehten aber Hunderte Menschen völlig durch. Die Leftovers spielten „Teenage Dirtbag“ 1:1 im Original nach. Keine künstlerische Verfremdung, keine eigene Note. Es war der perfekte Song zur perfekten Zeit. Ich habe selten ein Publikum so durchdrehen gesehen. </p><p>Ich bin ein großer Fan von Coverversionen. Aber jedes Mal, wenn ein Act eine ankündigt, schrecke ich zusammen: Wird es eine eigene Interpretation? Werde ich sie  wiederkennen? Vielleicht sogar besser als das Original finden? Oder wird der Song so richtig verhunzt (schönes bairisches Wort übrigens!). </p><p><strong>Ein paar bemerkenswerte Beispiele: </strong></p><p>- Calexico - <a href="https://www.youtube.com/watch?v=RZkkbFUB-x0">Alone Again Or</a> (ursprünglich von Love): Nah am Original, aber doch noch kleines bisschen besser</p><p>- Die Nerven – „<a href="https://soundcloud.com/christian76/die-nerven-ein-stern-der">Ein Stern (der deinen Namen trägt)</a>“ (von DJ Ötzi): eine völlige Neuinterpretation, die dem Original das Schlagerhafte entzieht und ein tiefdepressives Liebeslied draus macht</p><p>- Scott Matthew - „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=jCIFpeZLlLQ">I wanna dance with somebody</a>“ (von Whitney Houston): siehe Die Nerven</p><p>- Veronika Fischer – „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=zFQJeP0-L6M">Dann ist Liebe ein Teufelskreis</a>“ (Love will Tear us apart von Joy Division): Der beste Song , spielt in aller Zeiten in einer… nun ja, wenigstens Dieter Thomas Heck würde ein Like geben.</p><p>- Hot Chip - „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=PyN_d28-sfw">Dancing in the Dark</a>“ (von Bruce Springsteen): Der Pop-Ausflug vom Boss wird hier auf die Tanzfläche übersetzt, baut sich immer mehr auf und explodiert am Ende in eine weitere Coverversion.</p><p>-„All my Friends“ vom LCD Soundsystem. Perfekt!</p><p>- Sugababes- „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=Ude1dER2p2s">I bet you look good on the Dancefloor</a>“ (von den Arctic Monkeys): Die viel zu unterschätzte Girlgroup nimmt sich den Indie- Kracher vor, spielt ihn nahezu identisch nach und zeigt, dass rotzig auch glamourös klingen kann.</p><p><strong>Halt, ich wurde nach meiner liebsten Coverversion gefragt.</strong></p><p>Ich habe Hunderte!</p><p>Als der Blumfeld-Sänger Jochen Distelmeyer seinen Debütroman „Otis“ schrieb, hörte er viel Musik. Begleitend zum Buch brachte er später „<a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/jochen-distelmeyer-songs-from-the-bottom-vol-1-warum-ein-100.html">Songs from the Bottom</a>“ heraus, ein Album nur mit Neuinterpretationen der Songs, die er in der Zeit hörte. Er spielt die Songs ganz reduziert, nur mit Gitarre und/oder Klavier. Schon mit Blumfeld zeigte der Hamburger Sänger immer wieder, wie großartig er die Songs anderer interpretieren kann: Bei „Kommst du mit in den Alltag“ (im Original von Michael Girke) oder noch viel mehr bei Adamskis „Killer“ (zur Jahrtausendwende regelmäßige Zugabe bei Blumfeld-Konzerten, ich fand ein Bootleg noch vor Jahren bei Napster, online ist diese Version heute unauffindbar…. Soviel zu: „Das Internet vergisst nichts.“). </p><p>Auf jener Coverplatte von Jochen Distelmeyer befindet sich eine schwelgerische, aber bestimmte Version von Lana del Rays „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=NAXil6D3l3w">Video Games</a>“. <strong>Das ist die eine, vielleicht beste Coverversion! </strong>Ich höre den Song regelmäßig etliche Male am Stück. Manchmal mit Tränen in den Augen, manchmal begeistert jubelnd. Und nein, ich möchte nicht sagen, dass diese Coverversionen das Original übertrifft. Sollte sie das überhaupt? </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Kopie-Ankündigung</p><p><strong>(B4)</strong> Wir spielen jetzt ein Cover - ruft der Sänger ins Publikum. Dieser Satz löst nicht nur den Schreck aus: Erkenne ich den Song? Wird er verhunzt? Oder verbesser? Dieser Satz ist auch der Beweis für: hier geht es um Referenz und nicht um Etikettenschwindel.</p><p>Eine gute Kopie - das war hier schon Thema - täuscht fremdes Etikett vor. Eine gute Kopie benennt diese vorab - und schafft eine eigenständige Schöpfung.</p><p>Das angekündigte Konzert-Cover ist dafür das perfekte Beispiel!</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>… </strong><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/about"><strong>kannst du hier in der Übersicht </strong></a><strong>nachlesen und nachhören.</strong></p><p><strong>Was mich diese Woche beschäftigt hat?</strong></p><p>Dass i<a href="https://www.deutschlandfunk.de/schwebende-klaenge-in-weiten-raeumen-das-new-yorker-duo-widowspeak-100.html">m Deutschlandfunk des Phänomen Cover-Erfolge hier in einem schönen Nebensatz</a> erwähnt wurde.</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/7c87cac9-4fd9-4ca3-bc60-dc79d5d7deb0/teaser_image/1784574036?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 22 Jul 2026 16:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Save it for later (28/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Das (menschliche) Original finden - in der Küche in Chicago oder im Seltsamen und Unheimlichen? Eine Folge mit Aura]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Ich bin im Radio</h1><p><strong>liebe Koapier-Community!</strong></p><p>Mit dieser doppelt freudigen Nachricht begrüße ich dich zu einem neuen Kapitel <em>Kopieren kapieren</em>.</p><p>Chris Müller in ein Online-Journalist gegenwärtigster Prägung. Er macht Video-Essays, die ich beeindruckend finde - ästhetisch, erzählerisch und inhaltlich. Eines der erste Videos, das mir in die Timeline gespült wurde, referenziert den britischen Kulturwissenschaftler und <a href="https://edition-tiamat.de/books/k-punk">Blogger Mark Fisher</a>. Von ihm stammt nicht nur der berühmte Ausspruch es sei leichter, sich das Ende der Welt vorzustellen als das Ende des Kapitalismus, Mark Fisher hat auch den Titel “<strong>The Weird and The Eerie</strong>” geprägt.</p><p>Diesen wiederum hat sich <a href="https://www.suhrkamptheater.de/stueck/the-weird-und-the-eerie-tt-102608">Thomas Köck für ein Theaterstück</a> ausgeliehen - <a href="https://www.dirkvongehlen.de/ich/unheimliche-ki-zweifel-an-der-beseelung-eines-anscheinend-lebendigen-wesens-digitale-november-notizen/">das mich in meinem Denken sehr beeinflusst hat</a>. Aus dem Stück ist nicht nur <a href="https://www.dirkvongehlen.de/wie-ki-dein-leben-besser-macht-50-denkanstoesse-fuer-einen-entspannteren-alltag/">ein Kapitel in dem KI-Buch</a> entstanden, das ich mit Franz Himpsel geschrieben habe. Köck hat aus dem Stück auch eine Band geformt: <em>The Weird and The Eerie</em> haben gerade ein Album veröffentlicht, <a href="https://www.muenchner-kammerspiele.de/de/programm/51940-weird-eerie">das sie im Herbst auf der Bühne der Kammerspiele aufführen</a>.</p><p>Wenn dir das selbstsam und unheimlich vorkommt, dann liegt das daran, dass ich ausgehend von Chris Müllers Lieblingscover diese Woche sehr frei assoziiert habe.</p><p>Genau das habe ich auch gemeinsam mit <a href="https://www.maximilianwestphal.de/">Max Westphal</a> für den <a href="https://674.fm/sendung/lettered-sheets/">Kölner Radiosender 674fm</a> gemacht. <strong>Dort läuft morgen Donnerstag um 16 Uhr seine Sendung Lettered Sheets, die ich unbedingt empfehlen will.</strong> Max betreibt dazu auch einen tollen <a href="https://www.instagram.com/letteredsheets/">Instagram-Account</a>, in dem er Setlists von Konzerten zeigt - ich teile auch eine, die Leser:innen dieses Newsletters vielleicht schon <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/150ce46f-7c1e-4bc5-be32-d58df8aef444">aus Folge drei</a> kennen (jedenfalls den Song).</p><a href="https://www.dirkvongehlen.de/social-media-verbieten-verboten/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/14201a37-2e9a-4ee9-aa66-9b03d3e0897e/uploads/images/dzkfea2adl/dlf_dvg_interview.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><p>Um jetzt aber endlich zu Chris’ Cover-Version zu kommen, vervollständige ich noch schnell den Radio-Einstieg: Ich war diese Woche <a href="https://www.dirkvongehlen.de/social-media-verbieten-verboten/">im Deutschlandfunk zu Gast</a> und durfte <a href="https://www.rheinwerk-verlag.de/social-media-verbieten-verboten-ein-plaedoyer-fuer-digitale-demokratie-und-medienkompetenz/">meine Meinung zum Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche</a> sagen: “<em>Es ist ein schönes Beispiel für Symbolpolitik.</em>”</p><p><strong>Unheimlich viel Spaß bei der Lektüre!</strong><br/>Dirk</p><p>P.S.: Ganz am Ende dieser Folge gibt es übrigens eine musikalische Kopie auf bzw. vor der Bühne - dieses Mal mit Plastikglatzen in London.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Save It For Later</p><p><em>Eddie Vedder “</em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=3FOhKWV0TBU"><em>Save it for later</em></a><em>” im Original </em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=_0PUXt4-q80"><em>von The Beat</em></a><em>, vorgestellt von </em><a href="https://chrismuellr.de/"><em>Chris Müller</em></a><em>, der investigative Videos zu Macht, gesellschaftlichem und politischem Wandel macht. Er nennt sich selbst “Video-Journalist und Journalismus-Creator” ist - und ist z.B. auf </em><a href="https://www.instagram.com/chrismuellr/"><em>Instagram</em></a><em>, </em><a href="https://www.tiktok.com/@chrismuellerrr"><em>Tiktok</em></a><em> und </em><a href="https://www.youtube.com/c/ChrisM%C3%BCllerJournalist"><em>Youtube</em></a><em> aktiv.</em></p><p>Dieses Cover wurde mir serviert. Und zwar in “The Bear”, Staffel 3, Folge 2. Die Serie über ein Restaurant in Chicago, die man entweder sofort lieben lernt oder nach zehn Minuten abschaltet, weil sie eine gut getroffene Stress-Simulation ist. Diese Folge beginnt aber anders: Hände falten Teig. Ein Händler röstet Kaffeebohnen. Blumen werden gesteckt. Böden gesaugt. Dampf über Töpfen. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Re2eSItf6n4">Darüber eine warme Stimme</a>: </p><blockquote><p>sooner or later your legs give way, you hit the ground.</p></blockquote><p>Die Montage hat mich, wahrscheinlich, weil hier meine großen Leidenschaften übereinanderliegen: Kochen, Musik und die dritte ist in irgendeiner Form ja mein Beruf: das genaue Beobachten und Einordnen wollen.<br/></p><p>Die Stimme stammt von Eddie Vedder, der (who would’ve thought) den Song als Cover singt. Das Original stammt von The Beat, einer britischen Ska-Band. Und als hätte man geahnt, dass ich irgendwann über diese Klammer schreiben würde, spielt die Serie die OG-Version fünf Folgen später selbst. Zuerst die Kopie, dann die Vorlage.</p><p>Und dann fällt mir auf: Mit den Menschen in dieser Sequenz geht es uns doch meistens genauso. Die Bäckerin, der Händler, der Fahrer. Man kennt sie nur noch als Kopien. Als Fortschrittsbalken in der Lieferapp. Als &quot;So-und-so ist auf dem Weg zu dir“, als Snack im Regal. <br/></p><p>Das Original, den Menschen dahinter, sehe ich nie. Braucht es wirklich eine Streamingserie, um ihn mir zu zeigen? Offenbar ja: abends auf dem Sofa, auf dem Second Screen, wo die Bestellapp weiter offen ist. Man kennt nur die Kopie, und wenn uns jemand das Original vorspielt, sind wir gerührt. <br/><br/>Ich liebe diese Montage. Und gleichzeitig ist sie mir nicht ganz geheuer. Das Original aus den 80ern klingt wie eine Warnung: Irgendwann geben die Beine nach. Die Version aus The Bear warnt nicht mehr. Sie erinnert sich. Und vielleicht ist das die freundlichste Aufgabe einer Kopie: uns zu erinnern, dass es das Original auch noch irgendwo gibt. Man muss nur hingehen.</p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Original-Aura</p><p><strong>(E8)</strong> Das Original zu suchen, ist in digitalen Ökosysteme eine komplizierte Aufgabe. Wer sich auf diesen Weg begeben möchte, sollte bei der Kopie beginnen (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/a0d65f2f-121f-4693-a5e3-57e73a08cf5b">Folge 13</a>) und bereit sein, den Dualismus von<em> echt und unecht</em> zu überwinden (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/de805cd8-b273-4b49-a63d-f782735b5b8f">Folge 15</a>). Denn um das Original zu finden, sollten wir vor allem nach Originalität suchen (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/fbe26709-d0e9-4073-9884-8ad84c1218d0">Folge 24</a>) und die gibt es nicht in schwarz-weiß, die wird skaliert gemessen (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/11b9c400-ed45-4456-b4a9-ad27f81e7132">Folge 16</a>).</p><p>Mit diesem Wissen ausgestattet, lässt sich vielleicht sogar das finden, was Walter Benjamin als <strong>Aura im Original </strong>zu finden meinte. Ich glaube aber, dass diese Aura nicht im Werk alleine liegt, sie entsteht erst in der Nutzung, im Kontext des Werkes. Am Beispiel von Memes könnte man zum Beispiel behaupten, die Aura das Originals hat einen zeitlichen Kontext (<a href="https://www.dirkvongehlen.de/ich/die-sekunden-aura-von-memes-digitale-juli-notizen/">hier das These “Die Sekunden-Aura von Memes” nachlesen</a>), sie kann aber auch in räumlichen oder sozialen Zusammenhängen zu finden sein.</p><p>Auf der Suche nach dem Original nehme ich mir deshalb eine neue kopierkompetente Suchrichtung vor: <strong>Ich suche Aura nicht mehr im Original, sondern in dessen Kontext!</strong></p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>… </strong><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/about"><strong>kannst du hier in der Übersicht </strong></a><strong>nachlesen und nachhören.</strong></p><p><strong>Was mich diese Woche beschäftigt hat?</strong></p><p>In London gab es eine musikalische Bühnen-Kopie: Fans des US-Rappers Pittbull imitierten dessen Friseur. <a href="https://www.spiegel.de/panorama/leute/pitbull-tausende-fans-imitieren-rapper-bei-konzert-in-london-sie-tragen-kuenstliche-glatzen-a-4eb8666c-07ba-43b7-8fac-0b11cd8dec28">Der Spiegel</a> schreibt:</p><blockquote><p>Bei einem Konzert des US-Musikers im Londoner Hyde Park trugen am Freitag insgesamt 21.141 der rund 70.000 Besucher Latexglatzen. Mit dunklen Pilotensonnenbrillen, angeklebten Ziegenbärtchen und Anzügen schlüpften viele komplett in den Look des Sängers.</p></blockquote><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 15 Jul 2026 16:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Three Birds (27/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Don't worry about a copy - über den pragmatische Umgang mit der Kopie und ein Trikot, das kein Trikot ist]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Gelassenheit,</h1><p><strong>liebe Koapier-Community,</strong></p><p>schenkt uns in dieser Folge Martin Oswald aus der Schweiz, der nicht nur ein guter Freund, sondern auch Fußball-Fan ist. Aus seinem Lieblingscover stammt die Zeile…</p><blockquote><p>Don’t worry about a thing</p></blockquote><p>… die dieser Tage nicht nur aufgrund der Weltlage, sondern auch des Fußball wegen eine Erinnerung an Gelassenheit ist.</p><p>Denn selbst der Sport wird in dieser Woche Teil autokratischer Politik: Donald Trump führt <a href="https://www.instagram.com/p/DadLe9fM5Ub/">eine Art telefonische Krankschreibung</a> für den Weltfussball durch, als er bei der FIFA um die Rücknahme einer Sperre für den besten US-Fußballer bittet.</p><p>Das Spiel gegen Belgien endete zum Glück mit einer Niederlage der US-Boys - und einem Sieg des besten Trikots dieses Turniers: <a href="https://shop.rbfa.be/en/x-8797">Das belgische Auswärtstrikot</a> ist nämlich eine Art sportliche Cover-Version - voller Anspielungen.</p><a href="https://shop.rbfa.be/en/x-8797"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b3154cd3-dd70-48a0-b789-7ed0043b8bf0/uploads/images/auilbcq2fe/Bildschirmfoto_2026-07-07_um_14.40.40.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Screenshot des belgischen Auswärtstrikots"/></a><p><strong>„Ceci n&#39;est pas un maillot“ </strong>(Das ist kein Trikot) ist auf der Innenseite des Hemds eingestickt - als Hommage an René Magritte, der den Satz mit seinem Werk „<a href="https://www.schirn.de/schirnmag/magritte-der-verrat-der-bilder/">Der Verrat der Bilder</a>“ („Ceci n&#39;est pas une pipe“ – „Das ist keine Pfeife“) weltbekannt machte. <a href="https://www.instagram.com/reels/DackkTpqCqI/">Meine Instagram-Timeline ist voll von Videos</a>, die die versteckten Botschaften aus dem Hemdchen herauslesen. Womöglich sehen wir das Trikot noch länger bei der WM in Amerika - vielleicht schon am Freitag beim belgischen Viertelfinale gegen Spanien.</p><p><strong>Sportlich bleiben!</strong><br/>Dirk</p><p>P.S.: Um Liebe und Gelassenheit geht es auch ganz am Ende dieser Folge. Denn ein Projekt der Band Offspring hat mich an einen Sommerhit aus dem Jahr 2020 erinnert - <a href="https://www.dirkvongehlen.de/netz/die-story-hinter-dem-love-story-meme-von-taylor-swift-und-disco-lines/">der auch eine Cover-Version war</a>.<br/></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>ThreeLittleBirds</p><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ppXGbN5h3oY"><em>“Three little birds”</em></a><em> von Frances - vorgeschlagen von Martin Oswald. Er ist Leiter Regionalmedien und Mitglied der Geschäftsleitung bei Galledia in der Schweiz. Davor war er über 20 Jahre als Journalist in verschiedenen Redaktionen und Produkt-Teams bei Radio, TV und Print aktiv und hat digitale Strategien entwickelt und umgesetzt. Nebenberuflich ist er Musiker und Fan des aktuellen Schweizer Cup-Siegers FC St. Gallen.</em></p><p><strong>Original:</strong> <a href="https://www.youtube.com/watch?v=HNBCVM4KbUM">Three little birds</a>, Bob Marley and the Wailers</p><p><strong>Cover: </strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ppXGbN5h3oY">Three little birds</a>, Frances<br/><br/><em>Das ungelöste Geheimnis von drei kleinen Vögeln</em></p><p>Ihr kennt die Zeile «Don’t worry about a thing», doch woher Bob Marley &amp; The Wailers 1977 die Inspiration für ihren Welthit nahmen, bleibt bis heute ein Geheimnis. Die Theorien sind so vielfältig wie Marleys Musik selbst:</p><ul><li><p><strong>Die gefiederten Stammgäste:</strong> Marleys enger Freund Tony Gilbert erinnerte sich einst, dass drei echte Kanarienvögel regelmässig auf dem Fenstersimms von Marleys Haus an der Hope Road landeten und den Sänger faszinierten.</p></li><li><p><strong>Die treuen Background-Sängerinnen:</strong> Das Trio «I Threes» – die drei Frauen, die Marley auf Tourneen begleiteten – war felsenfest davon überzeugt, selbst die Vorlage zu sein. Marcia Griffiths von den «I Threes» erzählte später, dass Marley sie nach Auftritten Backstage stets fragte: «Was sagen meine drei kleinen Vögel?»</p></li><li><p><strong>Die grüne Metapher:</strong> Manche behaupten bis heute hartnäckig, die Vögel seien eine feine Metapher für den jamaikanischen Cannabis-Anbau gewesen.</p></li></ul><p>Egal, welche Geschichte stimmt: Der Song strahlt Lebensfreude aus. Dass man diese karibische Leichtigkeit auch ganz anders interpretieren kann, hat die britische Singer-Songwriterin Frances (bekannt durch Hits wie «Don&#39;t Worry About Me») bewiesen.</p><p>Sie hat den Reggae-Klassiker komplett entkleidet und eine wunderschöne, ruhige Cover-Version geschaffen. Offen gestanden: Ich höre das Cover lieber als das wahrscheinlich überspielte Original. Es fühlt sich je nach Tageszeit nach einer warmen Umarmung an oder wie der frühe Morgen, wenn tatsächlich drei kleine Vögel am Fenstersims auftauchen, wenn ich meinen Kaffee trinke.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Kopier-Pragmatism</p><p><strong>(D9)</strong> <br/><em>Don’t worry about a copy</em> - ist die vielleicht beste Adaption nicht nur des von Martin vorgeschlagenen Songs.</p><p><em>Don’t worry about a copy</em> - ist auch eine pragmatische Haltung, die ich im Umgang mit digitalisierten Öffentlichkeiten vorschlage. Kopier-Pragmatismus heißt: <strong>Ich nehme die Kopie als Standard an</strong>. Ich beginne mein Denken über Vorlage und Vervielfältigung bei der Kopie.</p><p>Das heißt nicht, dass ich jede Kopie gut finde. Aber es heißt: Die Kopie ist der Default-Modus, nicht die Ausnahme. <strong>Die Kopie ist die Grundlage all dessen, was wir Digitalisierung nennen. Sie muss also auch der Startpunkt unseres Denkens darüber sein.</strong></p><p>Wenn wir über Kopierkompetenz sprechen, dann ist ihre Normalisierung die Vorraussetzung für einen konstruktiven Umgang. </p><p>Sie ist kein Raub, sie ist kein Fehler - sie ist da!</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>… </strong><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/about"><strong>kannst du hier in der Übersicht </strong></a><strong>nachlesen und nachhören.</strong></p><p><strong>Was mich diese Woche beschäftigt hat?</strong></p><p>Taylor Swift hat geheiratet. Mich interessiert gerade aber vor allem ein Song der Sängerin: “Love Story” war schon 2020 mal ein Thema - als Disco Lines daraus einen Tiktok-Remix baute, <a href="https://www.dirkvongehlen.de/netz/die-story-hinter-dem-love-story-meme-von-taylor-swift-und-disco-lines/">den ich hier ausführlich im Blog beschrieb</a>. </p><p>Jetzt wollen die alternden Punk-Rocker von Offspring mit einer Cover-Version des Songs ins Guinness Buch der Rekorde: <a href="https://www.rollingstone.de/the-offspring-cover-taylor-swift-love-story-3165469/">sie wollen so viele Menschen wie noch nie in einem Moshpit bringen</a>.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 08 Jul 2026 16:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Day 'N' Nite (26/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Tantiemenzahlung und eine Cover-Version zum Arbeiten in der Nacht - vorgestellt von Nhi Lee]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Mit Freude,</h1><p><strong>liebe Koapier-Freund:innen,</strong></p><p>habe ich diese Woche Post von der VG-Wort erhalten.</p><p>Es wird mir darin eine Tantiemenzahlung angekündigt, die ich bekomme, weil andere meine Texte genutzt haben, ohne direkt dafür zu zahlen. Dafür gibt es Verwertungsgesellschaften wie die VG Wort (für Text) oder die Gema (für Musik). Mit der Tantiemenzahlung sollen Werknutzungen abgegolten werden, die nicht durch direkte Bezahlung erfolgt.</p><p>Im Umgang mit Kopien spielt diese Art der Finanzierung eine wichtige Rolle - und durch das Kopieren mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz wird diese Rolle womöglich noch wichtiger.</p><p>Das zeigt sich sehr gut an einem Beispiel, das ich ebenfalls in dieser Woche gesehen habe: die Journalistin Eva Wolfangel hat den Fall auf ihrer Website unter der Überschrift <a href="https://www.ewo.name/termine/457-ki-und-das-ende-des-journalismus">“KI und das Ende des Journalismus”</a> dokumentiert. Einer ihrer LinkedIn-Posts wurde ohne Kennzeichnung kopiert - <a href="https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:7476154086757904384/">wie sie hier auf LinkedIn zeigt</a>. Das Besondere daran:</p><blockquote><p>Im Verlauf der Diskussion wurde klar, dass die Person das vermutlich nicht selbst aktiv getan hat (und ich muss zugeben, das nehme ich ihr ab, denn es wäre tatsächlich naiv zu glauben, dass so etwas nicht auffällt und vor allem angesichts der wörtlichen Übernahme vieler Passagen nicht auch einfach nachzuweisen wäre). Die Person - ebenfalls ein Journalist und &quot;Experte KI und Digital&quot; - nutzt stattdessen diverse KI-Agenten, die das Netz nach Themen durchsuchen und diese in Posts und Artikeln im Namen der Person zusammenfassen. So in de Art muss es auch dazu gekommen sein, dass der KI-Agent meinen LinkedIn-Post fand und sich daraus bediente. Etwas zu wörtlich, so dass es aufflog.</p></blockquote><p>Mich inspirieren beide Erlebnisse dieser Woche zur aktuellen kapiert-Frage: Was kopiert KI eigentlich?</p><p>Der Song der Woche wurde von Nhi Le entdeckt - in einer etwa dreißig minütigen Perfomance auf YouTube. Vielen Dank!</p><p>Und falls du denkst, dass man bei all der Hitze der vergangenen Tage die eigene Energie doch eher in den Kampf gegen den Klimawandel stecken sollte als ins Koapieren, dann hast du einen guten Punkt. <a href="https://steady.page/de/digitale-notizen/posts/d3308f14-104d-49d2-82da-f9220ca0d172">Habe darüber auch schon nachgedacht</a>!</p><p><strong>Keep up!</strong><br/>Dirk<br/>P.S.: Eigentlich war der Newsletter schon fertig - da habe ich die lustigste und beste Kopie der Woche entdeckt, die wirklich gute Laune macht: <strong>Links dazu ganz am Ende dieser Folge!</strong></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Day &#39;N&#39; Nite</p><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=eoro332Vl48&amp;t=792s"><em>“Day ‘N’ Nite” von Jhené Aiko</em></a><em> - im </em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=VrDfSZ_6f4U"><em>Original von Kid Cudi</em></a><em> -vorgeschlagen von Nhi Le. Sie ist preisgekrönte Journalistin und Moderatorin. Für den NDR (ZAPP - Die Medienredaktion und NDR Kultur) und </em><a href="https://www.instagram.com/nhile_de/"><em>auf ihrem Instagram</em></a><em> berichtet sie über Pop- und Internetkultur, Food und vietnamesisch-deutsches Leben. Sie zählt außerdem zu den wichtigsten jungen Stimmen Ostdeutschlands. </em><a href="https://www.instagram.com/reels/DPYp2n9iLuu/"><em>2025 sprach sie den viel beachteten tagesthemen-Kommentar zum Tag der Deutschen Einheit</em></a><em>. Ende Juli erscheint eine dreiteilige Doku von ihr zu Vietnames:innen in Ostdeutschland während der Wiedervereinigungsjahre in der ARD.</em></p><p>Rein optisch löst <a href="https://www.youtube.com/watch?v=eoro332Vl48&amp;t=792s">das Video dieses Covers</a> ein Unbehagen in mir aus. RnB-Engel Jhené Aiko steht mit ihrer Band in einem Raum voller bunter Batikvorhänge. Manche Abschnitte wurden durch ein Prisma gefilmt oder zumindest so editiert, dass man das Bild gleich vier oder fünfmal, teilweise verschwommen sieht. Visuals, die an einen LSD-Trip erinnern sollen.</p><p>Es ist also ein bisschen ironisch, dass mich genau dieser Song durch Nächte begleitet hat, in denen ich Ruhe gesucht habe. Aber schon das magische Glockenspiel im Intro kündigt an, dass etwas Besonderes kommen wird. Die plätschernden Harfenklänge wirken für mich wie eine Massage fürs Hirn und natürlich schafft es Jhené Aikos himmlische Stimme immer wieder, mich runterzubringen. Wahrscheinlich ist es auch ein bisschen Überidentifikation mit dem Text dieses Covers.</p><blockquote><p>Day n nite. I toss and turn, I keep stressin′ my mind, mind.</p><p>I look for peace, but see I don&#39;t attain.</p><p>What I need for keeps this silly game we play, play.</p><p>Now look at this.</p><p>Madness the magnet keeps attracting me, me.</p><p>I try to run, but see I′m not that fast.</p><p>I think the first but surely finish last, last. Cause day n nite.</p><p>The lonely stoner seems to free her mind at nite</p></blockquote><p>Ich bin auf <a href="https://www.youtube.com/watch?v=eoro332Vl48&amp;t=792s">dieses Cover</a> von Kid Cudis 2008 Debutsingle gestoßen, weil ich Jhené Aiko sowieso gern nachts höre. Meist zwischen 2 und 3 Uhr, wenn ich die stillen Stunden zum Schreiben, Lesen oder einfach für mich genutzt habe und einen Übergang in den Schlaf brauche.</p><p>“<a href="https://www.youtube.com/watch?v=eoro332Vl48&amp;t=792s">Jhene Aiko Weedmaps 4/20 Celebration Full Performance</a>” heißt das Video, das ich beim Scrollen durch Aikos Livesets auf YouTube gefunden habe. Sie hat etliche Songs übers high sein und Gras rauchen geschrieben, deshalb nicht überraschend, dass sie eine 4/20 celebration spielen würde. Kid Cudis zehnfacher Platinhit hat es wahrscheinlich wegen der Zeile <em>“The lonely stoner seems to free his mind at nite”</em> geschafft. Dass ich noch nie Gras geraucht habe, mindert meine Wertschätzung für den Song nicht.</p><p>Schon als Teenagerin habe ich zum Crookers Remix von Day n nite getanzt. Auf der Tanzfläche ist mir der Kontrast zwischen melancholischen Lyrics und Beats nie aufgefallen. Jhené Aikos feenhafte Coverversion hat es aber geschafft. Wie so viele eher unbekannte Coverversionen, existiert auch diese nicht als Single oder gar auf Streamingplattformen, sondern ist versteckt in einem längeren Video. So klicke ich mich also immer wieder auf YouTube, blende das Video aus und lege mich schlafen.</p><p>(<em>Und ansonsten lieber Dirk ist das an dich, du kannst es aber auch gerne veröffentlichen:) Danke für die Einladung zu deinem Newsletter. Als ich im Vorfeld durch deine Ausgaben geklickt habe, empfand ich dieses wohlige Gefühl, das ich immer beim Blogs lesen hatte. Nach Tumblr, vor Insta, also auf Wordpress oder Blogspot. Natürlich ist steady kein Nischenportal (mehr), aber in Zeiten, in denen diskutiert wird, ob Websites langsam sterben und nur noch gängig Social Media-Plattformen, den größten traffic abgreifen, tut es gut, einfach mal wieder tief in den Online-Gedanken einer Person zu sein.</em></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Was kopiert KI?</p><p><strong>(C2)</strong> Ist das Schreiben von Texten noch eine Aufgabe für Menschen? Darüber <a href="https://www.dirkvongehlen.de/pop/04-prozent-mamdanis-motivationsrede-ihre-folgen-fuer-die-ki-debatte/">gibt es eine große Diskussion</a> - unter jenen, die mit dem Schreiben von Texten ihr Geld verdienen (wollen).</p><p>Wieviel KI-Text ist im Journalismus erlaubt? <a href="https://www.spiegel.de/politik/kuenstliche-intelligenz-wie-der-spiegel-ki-in-der-redaktion-einsetzt-a-51cbb6aa-4bcc-4a9d-a70a-fc9df37e0611">Der Spiegel hat gerade gesagt</a>: Gar keiner. Ist das richtig so? Oder müsste man nicht eher sagen: KI ist ein gegenwärtiges Werkzeug und gegenwärtiger Journalismus sollte darauf zugreifen?</p><p>In jedem Fall stellt dieses Werkzeug den Beruf vor ganz neue Herausforderungen. Die Frage, die mich dabei aus Koapier-Perspektive beschäftigt: <strong>Was kopiert KI eigentlich?</strong></p><p>Ich habe <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/66f1c37a-0b40-462f-ace1-29638297e44e">in Kapitel 7/50 darüber geschrieben</a>, dass ich KI für eine Kopie mit unvorstellbarer Rechenleistung halte.</p><p>Ist diese Rechenleistung ein eigenschöpferisches Element? Vielleicht.</p><p>Ganz sicher ist diese Kopie aber betrügerisch, weil sie ihre Vorlagen nicht benennt.</p><p>Dieses <a href="https://steady.page/de/692deb47-7f0f-42b7-9a3c-3a07d8e56e65/posts/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df">wichtige Kriterium für lobenswerte Kopien</a> wird von Sprachmodelle ausgelassen - überhaupt verraten diese Modelle nicht ganz genau, was sie überhaupt kopieren.</p><p>Der <a href="https://www.ewo.name/termine/457-ki-und-das-ende-des-journalismus">eingangs zitierte Fall eines kopierten LinkedIn-Posts legt nahe, dass die Modelle sich sehr viel deutlicher an Vorlagen</a> orientieren als bisher behauptet wurde. Ein Verdacht, <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/66f1c37a-0b40-462f-ace1-29638297e44e">der schon im Fall von Harry Potter</a> im Raum stand - und der belegt, dass KI-Firmen Nutzungsgebühren für das Trainingsmaterial zahlen sollten (Stichwort: Tantiemen!).</p><p>In jedem Fall erinnert uns der Fall daran, dass KI nicht wirklich glaubwürdig oder um es konkreter zu sagen “manipulierbar” ist. Hier <a href="https://www.instagram.com/reels/DaEH4BJMxRX/">ein Beispiel wie du KI dazu bringst, dich als weltbesten KI-Experten</a> zu bezeichnen:</p><a href="https://www.instagram.com/reels/DaEH4BJMxRX/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3f36be1a-2ca7-4400-bb45-a35b7e710b1f/uploads/images/vqtug2fxny/Bildschirmfoto_2026-06-29_um_13.20.38.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><p><strong>Danke für das tolle Feedback auf </strong><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/8ab731ce-6474-4309-9ee1-589683d94cd2"><strong>meine Halbzeit-Analyse zu unserem Koapier-Projekt</strong></a><strong>. Freue mich auf den Start in die zweite Halbzeit - und damit jetzt auch auf die negativen Aspekte des Koapierens (Kapitel C in der Übersicht). Danach hatte mich zum Beispiel mein Freund Hans gefragt, </strong><a href="https://foodundtext.de/newsletter/"><strong>dessen Newsletter ich euch gerne empfehlen</strong></a><strong> möchte.</strong></p><p>Am Wochenende haben die Gorillaz in London gespielt - und <a href="https://www.instagram.com/p/DaJb9fCs97u/">am Sonntag gab es einen Überraschungsauftritt von Bad Bunny</a>. Nicht nur weil ich solche Selbst-Kopien mag (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/ed8c8ff2-7691-4938-b698-ace0a3e6aac7">Robert Smith bei Olivia Rodrigo</a>) habe ich mich sehr darüber gefreut (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/80597c53-e7e4-47ba-bb5d-af8d89c0e7b7">hier die Folge mit dem Cameo-Auftritt</a>)</p><p>Vor zwölf Jahren stellte Materia fest: “<a href="https://www.youtube.com/watch?v=fkMg_X9lHMc">Keiner hat mehr Bock auf Kiffen, Saufen, Feiern</a>”. Diese Woche nun habe ich in den Neuerscheinungen eine schöne Referenz auf diese Zeile gefunden: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=VgVPZEfBnuI">“Wer hat heute Bock auf Kiffen, Saufen, Feiern?”</a> fragen Esther Graf x Dani Lia x yola in ihrem Song “Hausverbot”.</p><p>Wenn dir solche Referenzen ebenfalls gefallen, dann solltest du diese Woche auch in den neuen Song <a href="https://www.youtube.com/watch?v=AtedLntkvIU">“Komm näher”</a> von JUJU reinhören - gemeinsam mit RAF Camora hat sie eine Referenzkopie von <a href="https://www.youtube.com/watch?v=HoeQCQKK_lU">“Mit Dir”</a> von Freundeskreis aus dem Jahr 1999 erstellt.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=pt1F9BcA5-4"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3f36be1a-2ca7-4400-bb45-a35b7e710b1f/uploads/images/wsdwky4exf/Bildschirmfoto_2026-06-29_um_13.10.28.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><p>Und weil ich nach all dem auf YouTube gesucht habe, hat mich die Plattform an eine meiner Lieblingscover-Versionen erinnert, die es leider (ebenso wie Nhis Vorschlag) nicht als offiziellen Song gibt: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=pt1F9BcA5-4">Little Simz covert “Feel Good Inc” von den Gorillaz</a>. So toll!</p><p>Noch toller ist allerdings die Entdeckung, die ich gerade eben gemacht habe - und die ich hier ergänzen möchte: <a href="https://www.cbc.ca/news/entertainment/minions-sing-bohemian-rhapsody-viral-clip-9.7252655">Bei der Premiere des neuen Minion-Films wurden Cover-Versionen gesungen</a>, in der Phantasiesprache der Comicfiguren (Minionesisch). <a href="https://www.instagram.com/reels/DaJa285pY7o/">Das ist sehr lustig</a>!</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 01 Jul 2026 16:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Sonderfolge!]]></title>
      <description><![CDATA[Was ich beim Koapieren in der ersten Jahreshälfte gelernt habe]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Halbzeit: Sonderausgabe</h1><p><strong>Herzlichen Glückwunsch &amp; vielen Dank,</strong><br/><strong>liebe Koapier-Freund:innen!</strong></p><p>Dieses kleine Experiment geht mit dieser 25. Folge in eine kleine Halbzeitanalyse. Die Hälfte des Weges liegt noch vor uns, in den bisherigen Folgen habe ich aber bereits einiges über dieses besondere Buch-/Newsletter-Projekt gelernt, was ich heute in sieben Punkten mit euch teilen möchte.</p><p>Deshalb ist diese Sonderausgabe etwas anders. Zunächst gibt es im kopiert-Bereich eine Übersicht über die bisherigen Kapitel. Du kannst dort auch bereits die fünf Bereiche sehen, die ich von A bis E beschrieben habe. Zu erkennen sind dort auch die Leerstellen, die in der zweiten Jahreshälfte gefüllt werden.</p><p>Im kapiert-Bereich folgen diese Woche die Erkenntnisse, die ich bisher gesammelt habe. Sieben Entwicklungen, die vielleicht sogar über dieses Projekt hinausreichen - und zeigen, wie wir Inhalte in Zeiten von KI im digitalen Ökosystem denken und gestalten können: <a href="https://www.dirkvongehlen.de/pop/04-prozent-mamdanis-motivationsrede-ihre-folgen-fuer-die-ki-debatte/">Dazu habe ich diese Woche übrigens auch eine kleine Motivations-Rede gebloggt.</a></p><p><strong>Auf eine tolle zweite Koapier-Jahreshälfte</strong><br/>Dirk</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Zwischenstand</p><h4>🙂 Zehn grundlegende Feststellungen zur (digitalen) Kopie (&amp;KI)<strong> </strong><br/></h4><p><strong>A1 </strong>Die digitale Kopie ist der digitale Urknall (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/9f822ed7-e001-4dde-b1ec-89a4915ad8f5">19/50</a>) <br/><strong>A2</strong> Das Internet ist eine Kopiermaschine (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/c46d6dfa-ca24-446c-afc6-784c4ff450a1">10/50</a>)</p><p>A3</p><p><strong>A4</strong> Die Kopie ist kein Raub am Original, sondern die Produktion von Meta-Daten (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/23a353b6-18e0-4c60-880a-a627b5feb1a9">9/50</a>) <br/><strong>A5</strong> Die Kopie eröffnet neue Perspektiven (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/5c89a9b7-2961-41d1-a551-99ea186e99f7">6/50</a>) <br/><strong>A6</strong> Kopierbarer Content wird durch seinen Kontext wertvoll (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/fbe26709-d0e9-4073-9884-8ad84c1218d0">24/50</a>)</p><p>A7</p><p><strong>A8</strong> Auch KI ist nichts anderes als digitales Kopieren – mit unvorstellbarer Rechenleistung (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/66f1c37a-0b40-462f-ace1-29638297e44e">7/50</a>)</p><p>A9</p><p>A10<br/></p><h4>🤩 Zehn Gründe der Begeisterung für die lobenswerte Kopie</h4><p><strong>B1 </strong>Alles Leben basiert auf der Kopie (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df">1/50</a>) <br/><strong>B2 </strong>Lernen ist Nachahmen (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/ed8c8ff2-7691-4938-b698-ace0a3e6aac7">23/50</a>) <br/><strong>B3</strong> Rückwärts-geboren-Sein (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/150ce46f-7c1e-4bc5-be32-d58df8aef444">3/50</a>)</p><p>B4</p><p><strong>B5</strong> Klare Referenz – die vorher sichtbar wird (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/ba2ef81b-bc50-4777-8e0a-3f324a0a92d4">11/50</a>) <br/><strong>B6 </strong>Der Fehler in der Kopie ist eine Chance (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/f5cd9927-7333-40ba-b292-8c285aacdf6d">22/50</a>) <br/><strong>B7</strong> Neuer zeitlicher, sozialer, räumlicher Kontext (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/a44ff39b-1b5b-4280-bc95-608a9a7d2aeb">17/50</a>) <br/><strong>B8</strong> Kopien schaffen soziale Orientierung (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/108d9fb0-820c-4bf6-8d95-4abc517db76e">5/50</a>) <br/><strong>B9</strong> Die Kopie schafft Copy Relief (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/07ce7602-58ec-4dcc-9cf1-ff9a2c3b8f66">21/50</a>)</p><p>B 10.</p><h4>🤬 Zehn Fragen an betrügerische Kopien</h4><p>C1 C2 C3 C4 C5 C6 C7 C8 C9 C10<br/></p><h4>😳 Zehn Herausforderungen für die Idee des Originals</h4><p><br/>D1 <br/><br/><strong>D2 </strong>Passive Kopierkompetenz: Kopiert zu werden ist mehr Ehre als Angriff (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/0ceba397-6e40-469a-9aa7-b86d2c43ccca">4/50</a>) <br/><strong>D3</strong> Die Behauptung der Kopie hat Folgen (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/80597c53-e7e4-47ba-bb5d-af8d89c0e7b7">8/50</a>)</p><p>D4</p><p><strong>D5</strong> Wir müssen uns mit Interpolation auseinandersetzen (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/f929d1b8-f992-4d13-b84f-6c9ba20a9752">14/50</a>)</p><p>D6</p><p>D7</p><p><strong>D8</strong> Eltern haben nicht immer Recht (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/163238d2-ff4c-4964-93c6-b90dcc6d2b92">20/50</a>)</p><p>D9</p><p>D10 <br/></p><h4>🤓 Zehn gute Vorsätze für Kopierkompetenz</h4><p><strong>E1 </strong>Für mich ist die Kopie der Normalzustand (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/a0d65f2f-121f-4693-a5e3-57e73a08cf5b">13/50</a>) <br/><strong>E2</strong> Ich bin mir bewusst, wie wichtig Aufmerksamkeit ist (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/815b9729-13ad-4f6a-9007-5bfdd52bbc1c">2/50</a>)</p><p>E3</p><p><strong>E4 </strong>Ich verwende einen neuen Begriff des Originals (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/11b9c400-ed45-4456-b4a9-ad27f81e7132">16/20</a>)</p><p><strong>E5</strong> Ich denke hybrid (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/830ecedc-6a3a-4d05-a1ac-92b9de5df11a">18/20</a>)</p><p>E6</p><p><strong>E7</strong> Ich höre auf, nach dem Echten/Wahren suchen zu wollen (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/de805cd8-b273-4b49-a63d-f782735b5b8f">15/50</a>)</p><p>E 8</p><p><strong>E9 </strong>Ich weiß, dass nicht nur Inhalte kopiert sein können, sondern auch Accounts (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/d6411281-736f-4c49-9a53-4301ad4b832a">12/20</a>)</p><p>E10</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Halbzeit-Analyse</p><p><strong>Am Silvster-Nachmittag 2025 habe ich </strong><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/d3024119-a60b-470c-8a23-cc1b5454240c"><strong>einen Mic-Check</strong></a><strong> für dieses Projekt geschrieben. Damals hatte ich eine grobe Idee, aber keine wirkliche Kenntnis darüber, wohin dieser Weg hier führen würde. Deshalb hier sieben Dinge, die ich seitdem gelernt habe:</strong></p><ul><li><p><strong>Vom Produkt zum Prozess: </strong>Dieses Buch-/Newsletter-Projekt ist kein abgeschlossenes Produkt, es entsteht im Prozess. Das ist nicht die Reihenfolge, die in einem gedruckten Buch (Ergebnis-Reihenfolge) genutzt wird. Es ist der zufälligere, aktuellere Prozess, der eine Art Erlebnis-Reihenfolge schafft, die unkopierbar ist.</p></li><li><p><strong>Vom Ergebnis zum Erlebnis:</strong> Denn es geht hier nicht nur um das finale Dokument am Ende. Es geht um den Weg dorthin, es geht darum, daran teilhaben zu können.</p></li><li><p><strong>Regelmäßigkeit schafft Relevanz:</strong> Mittwochs um 18 Uhr eine neue Folge. Das ist nicht nur Erwartungsmanagement für Lesende, sondern hilft mir auch sehr beim Schreiben: Es strukturiert und - das habe ich nach ein paar Tagen gemerkt - hilft dabei, auf aktuelle Entwicklungen einzugehen. So wird das Buch nicht nur zum Newsletter, sondern sogar zur Kolumne.</p></li><li><p><strong>Kommunikation ist mehr als Senden:</strong> <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/815b9729-13ad-4f6a-9007-5bfdd52bbc1c">Christoph Bieber war der erste</a>, der mir zeigte, dass es hier nicht (nur) ums Senden geht. Er hat ein Lieblings-Cover vorgeschlagen - und dem Projekt damit eine völlig neue, interaktive Dimension gegeben, für die ich sehr dankbar bin. Die Leser:innen machen mit.</p></li><li><p><strong>Vom Werk zum Netzwerk:</strong> Dieses Buch-/Newsletter-Projekt ist deshalb der beste Beweis für die These, dass Inhalte in digitalen Zusammenhängen nicht mehr nur singuläres Werk, sondern Netzwerk sind. Ihr Kontext schafft Bedeutung - und grenzt sie von KI-Produkten ab. Dass hier Leser:innen dabei sind, zeigt zudem eine Entwicklung, die ich so betiteln würde:</p></li><li><p><strong>Von der Rampe zum Raum:</strong> Diese Form der digitalen Kommunikation ist das Bespielen eines Raumes - mit Gästen, die hier auftreten und etwas beisteuern.</p></li><li><p><strong>Die Zukunft ist Gespräch:</strong> Mir war vorher nicht klar, wieviel ich über dieses Projekt sprechen würde - allein die Anfragen für Lieblings-Coverversionen. Aber: Es gab so viele tolle Antworten. Es bildete sich so ein tolles Netzwerk. Auch hier sehe ich eine beispielhafte Zukunftsperspektive, die aus dem Projekt entsteht: Kommunikation ist Gespräch!</p></li></ul><p></p><hr aria-hidden="true"/><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 24 Jun 2026 16:01:01 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Nacht Voll Schatten (24/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Herzlich willkommen in einem interessanten Abgrund: deutsche Song-Versionen - vorgestellt von Peter Wittkamp]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Nacht voll Schatten (24/50)</h1><p><strong>Ein Rätsel, liebe Koapier-Community,</strong></p><p>zum Start in dieses Kapitel: <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Was haben die deutsche Band Blumengarten (“Du bist gut genug”) und die niederländische Partyband </mark><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Snollebollekes"><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Snollebollekes</mark></a><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit"> (“</mark><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ucJ2NZRwjmQ"><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Links - rechts</mark></a><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">”) gemeinsam?</mark> </p><p>Sie stehen auf der Rückseite des Themas, das uns Peter Wittkamp diese Woche schenkt:</p><p>Peter hat sich für uns in die Welt der eingedeutschten Cover-Versionen eingearbeitet. Dabei geht es um Lieder, die als englischsprachige Version erfolgreich waren - und nun eine deutsche Fassung bekommen (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/a44ff39b-1b5b-4280-bc95-608a9a7d2aeb">hier im Newsletter schon in der Version von DJ Ötzi Thema</a>).</p><p>Bei <em>Blumengarten</em> und <em>Snollebollekes</em> liegt der Fall genau anders rum: sie sind in ihre Heimatland populär - und werden jetzt in die Welt getragen. Blumengartens “<a href="https://www.giga.de/tech/vom-beziehungs-drama-zum-globalen-meme-bei-tiktok-und-co-die-kuriose-geschichte-des-songs-gut-genug--01KTY2C584WQHR9V3A37JW6ZWH">Du bist gut genug” ist das bekannteste Meme dieser Tage</a> und der niederländische Fangesang von Snollebollekes wird gerade auch in den USA gehüpft. Das ist so ansteckend, dass nach der EM in Deutschland Ikke Hüftgold <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ucJ2NZRwjmQ">eine deutsche Fassung</a> des <a href="https://www.youtube.com/watch?v=pFEDBewcfks">niederländischen Originals</a> auf den Markt brachte - obwohl es keinen Unterschied gibt zwischen rechts und links in den Niederlanden und in Deutschland.</p><p>Bei meinem Lieblings-Cover der Woche gibt es einen Unterschied - aber das erfahrt Ihr ganz am Ende dieses Newsletters.</p><p><strong>Eine gute Woche wünscht:</strong><br/>Dirk</p><p>P.S.: Nächste Woche feiert dieser Newsletter 25. Kapitel-Geburtstag. Zum Jubiläum würde ich gerne eine kleinen Instagram-Account starten - würde mich sehr freuen, wenn du <a href="http://www.instagram.com/kopieren_kapieren">@kopieren_kapieren</a> hier folgst!</p><p><br/></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Schatten/Nacht</p><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=3F-8XEF3r24"><em>“Nacht Voll Schatten”</em></a><em> von Juliane Werding, die deutsche Version von </em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=e80qhyovOnA"><em>“Moonlight Shadow”</em></a><em> von Mike Oldfield. Vorgeschlagen von </em><a href="https://www.instagram.com/peter_wittkamp/?hl=de"><em>Peter Wittkamp</em></a><em>, den ich für einen - womöglich </em><strong><em>den</em></strong><em> - lustigsten Menschen im deutschsprachigen Internet halte. Hier auf Steady schreibt er den Newsletter </em><a href="https://steady.page/de/wittkamps-woche/newsletter/sign_up"><em>Wittkamps Woche</em></a><em> und gerade ist sein Buch </em><a href="https://www.penguin.de/buecher/peter-wittkamp-das-erzaehlen-wir-besser-nicht-der-mama/taschenbuch/9783442774906"><em>“Das erzählen wir besser nicht der Mama”</em></a><em> erschienen.</em></p><p>Ich würde gerne in meinem Beitrag für deinen Newsletter voller wunderbarer Fundstücke an eine Tradition erinnern, die leider ein bisschen in Vergessenheit geraten ist.</p><p>Als ich sehr jung war, in den 80er Jahren, vielleicht auch noch in den frühen 90ern, gab es das Phänomen, dass internationale Hits gelegentlich auf Deutsch gecovert wurden. Kann halt nicht jeder Englisch.</p><p>Eine meiner Lieblingsversionen ist bis heute „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=3F-8XEF3r24">Nacht voll Schatten</a>“ von Juliane Werding, also die Übersetzung von Mike Oldfields „Moonlight Shadow“. Es gab aber auch deutlich ungewöhnlichere Ausflüge, etwa das sensationelle Black-Sabbath-Cover „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=JOAzuqngOYo">Der Hund von Baskerville</a>“ von Cindy und Bert oder die deutsche Version von „Paint It Black“, die Karel Gott als „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=bwJp_Xh8lP0">Schwarz und Rot</a>“ eingesungen hat.</p><p>Erfreulicherweise haben sich einige spätere Bands an dieses fast vergessene Genre erinnert. Die Kölner Band Wolke zum Beispiel hatte eine Radio-Reihe namens „<a href="https://www.last.fm/de/music/Wolke/Popdolmetscher">Popdolmetscher</a>“, bei der internationale Songs in sehr eigenständige, oft pianolastige deutsche Versionen übersetzt wurden. Auch auf ihren regulären Alben fand sich immer ein Song, der nach demselben Prinzip entstanden war.</p><p>Lobend erwähnen möchte ich außerdem die ebenfalls aus Köln stammende Band Erdmöbel. Diese hat <a href="https://laut.de/Erdmoebel/Alben/No.-1-Hits-19963">gleich ein ganzes Album veröffentlicht</a>, auf dem internationale Songs in ihrem ganz eigenen Stil auf Deutsch interpretiert werden.</p><p>Nicht zu vergessen natürlich der legendäre <a href="https://www.youtube.com/watch?v=q8M2MKfnLPA&amp;list=PL1TqoNbEt0gbg32xe1u76Kde-hUEbWaQj">Perrecy, der die Smiths und Morrissey auf Deutsch und mit seiner Ukulele (!)</a> covert.</p><p>Weitere nennenswerte Erwähnungen:</p><p><strong>„</strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=eBlGxK90iaI"><strong>Ich bin ein Nichts</strong></a><strong>“ – Gunter Gabriel („Creep“)</strong></p><p><strong>„</strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=KHDj8Emv69Q"><strong>Weil mein Herz dich nie mehr vergisst</strong></a><strong>“ – Vicky Leandros („My Heart Will Go On“)</strong></p><p><strong>„</strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=2omxM7NMv0M"><strong>Herz aus Glas</strong></a><strong>“ – Marianne Rosenberg</strong></p><p><strong>„</strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=ofq-t7iW8Vc"><strong>Ob-La-Di, Ob-La-Da</strong></a><strong>“ – Howard Carpendale</strong></p><p><strong>„</strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=7ZpFhRLUEhw"><strong>Wunderbar ist die Welt</strong></a><strong>“ – Roy Black</strong></p><p><strong>„</strong><a href="https://youtu.be/Kcne_uio2_U?si=fLh71cClU6F5rdiX"><strong>Berlin, Berlin</strong></a><strong>“ – Harald Juhnke</strong></p><p><strong>„</strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=6dnYOmMiWxM"><strong>Die Antwort weiß ganz allein der Wind</strong></a><strong>“ – Marlene Dietrich</strong></p><p><strong>Und für Mutige: „</strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=7nZ0Z58rCtA"><strong>Menschen</strong></a><strong>“ von Thomas Anders.</strong></p><p><strong>Killer!</strong></p><p>Ich finde: Es ist höchste Zeit, diese Tradition wiederzubeleben. Umgekehrt wäre es natürlich auch möglich, dass Helene Fischer endlich mal „Breathless Through the Night“ auf dem internationalen Markt ausrollt.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Kontext</p><p><strong>(A6)</strong> Die Erkenntnis der Woche lautet: <strong><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Kopierbarer Content wird durch seinen Kontext wertvoll! </mark></strong>Wie lässt sich das schöner illustrieren als an den aus dem Kontext gerissenen eingedeutschten Versionen? Sie klingen vielleicht wie die Vorlagen - aber ihre Bedeutung entsteht nicht aus dem Inhalt. Ihre (mangelnde) Bedeutung erklärt sich aus dem Kontext.</p><p>Denn erst der Kontext schafft den Wert - <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/23a353b6-18e0-4c60-880a-a627b5feb1a9">deshalb ist die Kopie auch kein Raub am Original, sondern die Schaffung eines neuen Kontext’</a> (Folge 9) - denn der <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/c46d6dfa-ca24-446c-afc6-784c4ff450a1">Begriff des Raubs ist ohnehin fragwürdig</a> (Folge 10).</p><p><strong>Meta-Daten schaffen Kontexte. Diese Kontexte lesen zu lernen, ist eine eigene Aufgabe.</strong> Dazu dann mehr in einer künftigen Folge zur Kopierkompetenz.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>Ich habe für diesen Newsletter hier einen Instagram-Account angelegt. Und während ich das hier tippe, hat </strong><a href="http://www.instagram.com/kopieren_kapieren"><strong>@kopieren_kapieren</strong></a><strong> tatsächlich keinen Follower. Kannst du das ändern?</strong></p><p><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/about">Hier</a> geht es zum aktuellen Zwischenstand vor dem Halbzeitpfiff kommende Woche.</p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=duGAqGa5NGs">https://www.youtube.com/watch?v=duGAqGa5NGs</a><p></p><p>Dass ich die Übersetzungen der Crucchi Gang ins Italienische mag, <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/108d9fb0-820c-4bf6-8d95-4abc517db76e">habe ich hier schon mal erzählt</a>. Diese Woche habe ich diese wunderbare <a href="https://www.youtube.com/watch?v=duGAqGa5NGs">David-Bowie-Version von Francesco Wilking</a> in Dauerschleife gehört. <a href="https://www.instagram.com/reels/DZpbRgKMfTs/">Auf Instagram erklärt er wie es dazu kam</a>.</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 17 Jun 2026 16:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Freed Form Desire (23/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Alle mitsingen: die Sonderausgabe zur Fußball-WM mit dem besseren Ronaldo - und Dirk is on fire 🔥]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Fussball-WM (23/50)</h1><p><strong>Was ist diese Woche nur los, liebe Koapier-Freund:innen?</strong></p><p>Einen Tag vor dem Start der Fußball-WM könnte ich dieses Kapitel ausschließlich mit aktuellen Koapier-Referenzen füllen. Ich halte mich aber ein wenig zurück und erzähle die schönste Cover-Cameo-Geschichte der Woche ganz am Ende dieser Folge.</p><p>Beginnen wir aber mit dem Thema der Woche (nein, <a href="https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/treffen-sozialpartner-koalitionsausschuss-100.html">ich meine nicht den Gipfel im Kanzleramt</a>): die Fußball-WM.</p><p>Die brasilianische Biermarke Brahma hat dazu einen fast <a href="https://www.youtube.com/watch?v=_THsmn-n8Lk">vierminütigen Werbespot erstellt</a>, der mit einem meiner Lieblings-Genre spielt: der Fußball-Kopie (das <a href="https://www.dirkvongehlen.de/mashup/">Lob der Kopie</a> beginnt mit <a href="https://www.youtube.com/watch?v=nXzXsdZJ5AQ">Messis Kopie von Maradonas Jahrhundert Tor</a>). In dem Clip spielen gewöhnliche Brasilianer:innen große Szenen ihrer Nationalmannschaft nach.</p><figure><a href="https://www.youtube.com/watch?v=_THsmn-n8Lk"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/ed8c8ff2-7691-4938-b698-ace0a3e6aac7/uploads/images/dnjx5piydb/Bildschirmfoto_2026-06-08_um_20.26.57.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Brasilianische WM-Werbung"/></a><figcaption>Der dickere oder der bessere Ronaldo? Szene aus brasilianischer Bierwerbung zur WM</figcaption></figure><p>Ein junger Mann kopiert dabei den Mann, der im WM-Finale 2002 einen Fehler von Oliver Kahn ausnutze - und ein Tor erzielte. Er wird seit ein paar Jahren leider nur noch der “<strong>dicke Ronaldo</strong>” genannt, was eine Frechheit ist, weil er nichts weniger verdient hätte als “<strong>der bessere Ronaldo</strong>” - aber auf diesen Aspekt von Original und Kopie gehen wir bei anderer Gelegenheit ein. Dass der erste Ronaldo wie zahlreiche andere <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/80597c53-e7e4-47ba-bb5d-af8d89c0e7b7">einen Cameo-Auftritt</a> hat in diesem Koapier-Clip, versteht sich von selbst.</p><p>Jetzt soll es aber vor allem ums Singen im Fußball-Stadion gehen. Und dazu stelle ich euch gleich den nordirischen Fußballer vor, der in der Geschichte der Koapier-Musik eine große Rolle spielt: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=_THsmn-n8Lk">Will Grigg</a>.</p><p><strong>Diesbezüglich on fire:</strong><br/>Dirk</p><p><br/>P.S.: Noch zwei Tipps für den Umgang mit diesem merkwürdigen Ereignis in Amerika: Wer Probleme mit der WM hat, kann ja mal in <a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/fussball-wm-zwischen-leidenschaft-und-kommerz-100.html">diese Call-In-Sendung von Deutschlandfunk-Kultur</a> reinhören. Mir hat das gut gefallen und gezeigt: Publikumsbeteiligung ist eine sehr wichtige und gute Sache.</p><p>Und wer ein Tippspiel sucht: der wunderbare Ivo hat die Seite <a href="http://tippspielbande.de/">tippspielbande.de</a> ins Netz gestellt.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Will Grigg</p><p><em>“</em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=p3l7fgvrEKM"><em>Freed From Desire</em></a><em>” von Gala - kopiert von Fußballfans überall auf der Welt. Dank Sean Kennedy, der Fan von Wigan Athletic ist und sich beim Singen gefilmt hat.</em></p><p>Der Text stammt aus einer buddhistische Gebetszeile und lautet auf deutsch:</p><blockquote><p>Befreit von Begierden, mit gereinigtem Geist und gereinigten Sinnen</p></blockquote><p>Das wissen die wenigsten, weil die meisten sich auf das Nachsingen des Chorus konzentrieren:</p><blockquote><p>Na-na-na-na-na-na-na, na-na-na, na-na-na</p></blockquote><p>und dabei von der Begierde ergriffen werden, zu hüpfen und andere zu umarmen. Die begeisterte Begierde bescherte der italienischen Sängerin Gala Rizzatto vor genau 30 Jahren einen absoluten Welthit: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=p3l7fgvrEKM">“Freed From Desire”</a>.</p><p>Zwanzig Jahre später bekam dieser Welthit einen völlig neuen Schub - durch eine demokratisierte Coverversion.</p><p>Bei der Europameisterschaft 2016 waren es nordirische Fans, die den Song mit solch ansteckender Begeisterung coverten, dass plötzlich alle Länder und Mannschaften mitmachen wollten: Sie texteten die Gebetszeile um und bejubelten fortan ihren Stürmer Will Grigg, der so stark sei, dass er die Abwehr des gegnersichen Teams in Angst versetze: “<a href="https://www.youtube.com/watch?v=vNf2l9SuHHA">Will Griggs On Fire</a>” wurde zur Vorlage für nahezu jedes andere Team, das auch einen Spieler mit zweisilbrigem Namen hatte. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=FKRmr9bClGM">Rodri</a>, <a href="https://www.youtube.com/shorts/JF19n_Mm-oo">Fulham</a>, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=FctOpertwjw">Schottland</a> - alle on Fire.</p><p>Auslöser dafür war neben der Mailänderin Gala ein junger Mann namens Sean Kennedy. <a href="https://willgriggisonfire.com/the-other-legend-sean-kennedy/">Vor zehn Jahren probierte Sean einige Songs aus, die er in seine Kamera einsang</a>, um der Welt mitzuteilen, dass er Fan von Wigan Athletic und deren Stürmer Will Grigg sei. Sein Cover von “Freed From Desire” kam so gut an, dass die Welt Sean Kennedy fortan kopierte.</p><p>Warum Sean mit dieser Version erfolgreich war und - wie man im Netz sagt - “viral” ging, ist unklar und genau deshalb besonders zauberhaft: Niemand kann Fangesänge und deren Begeisterung vorhersagen. Man kann lediglich im Rückblick Indizien zusammentragen, die helfen, den Erfolg zu erklären. Und das ist in Wahrheit wunderbar!</p><blockquote><p>Na-na-na-na-na-na-na, na-na-na, na-na-na</p></blockquote><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Lernen</p><p><strong>(B2)</strong> Dass eine Gebetszeile mit den Fangesängen zusammenhängt, eröffnet uns den Blick auf eine wichtige Parallele zwischen dem Nachsprechen bedeutsamer kirchlicher Texte und dem Mitsingen von Fangesängen: Beide Formen der Kopie sind Ausdruck von Gruppenzugehörigkeit.</p><p>In einer Welt ohne Schriftlichkeit und Digitalisierung wurde auf diese Weise sicher gestellt, dass Inhalte nicht verloren gingen: Menschen lernen sie auswendig, sprachen oder sangen sie regelmäßig und sorgten damit dafür, dass alle sie im Kopf behielten:</p><p>Kopieren als Archivierungsform.</p><p>Aber natürlich wird auf diese Weise vor allem: Gelernt! Die Kopie ist ein wunderbares Hilfsmittel der Bildung. Wir lernen durch Imitation.</p><p>Deshalb funktioniert beispielsweise das Lernen einer Sprache dann besonders gut, wenn du dafür in ein fremdes Land fährst und dort ein <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Sprachbad</mark> nimmst. Es führt dazu, dass du Vorlagen siehst und hörst, die du dann kopieren kannst. Genau diese Nachahmung führt am Ende dazu, dass du die Sprache lernst.</p><p>Ohne Kopie keine Erkenntnis!</p><blockquote><p>Na-na-na-na-na-na-na, na-na-na, na-na-na</p></blockquote><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>Ich bin ein wenig aufgeregt: in zwei Wochen haben wir bereits Halbzeit in diesem Newsletterbuchprojekt.</strong></p><p><strong>Schau doch </strong><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/about"><strong>hier</strong></a><strong> mal den aktuellen Zwischenstand an.</strong></p><p><strong>Was diese Woche sonst noch geschah:</strong></p><p><em>Olivia Rodrigo</em> und <em>The Cure</em>. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=UbbrZTfjkdk">Der neue Song der Sängerin</a> heißt nämlich so wie die britische Band, die am Wochenende beim Primavera-Festival in Barcelona gespielt hat.</p><p>Olivia Rodrigo und Cure-Sänger Robert Smith kennen sich gut, 2025 spielten sie gemeinsam auf dem Glastonbury-Festival u.a. “<a href="https://www.instagram.com/reels/DXPJ7dbCLUh/">Friday I’m In Love</a>”. In Barcelona kam es nun zum einem Rück-Cover-Besuch: Rodrigo spielte unangekündigt elf Songs - und bei “<a href="https://www.youtube.com/watch?v=B7_X1P73qtY&amp;t=131s">What’s Wrong With Me</a>” stand plötzlich Robert Smith <a href="https://www.instagram.com/reels/DZRDnyUICl8/">auf der Bühne</a>. Wie es dazu kam, erzählt Olivia im <a href="https://www.instagram.com/reels/DZVWntzDvXb/">Popcast der New York Times</a>. Wie sich der Überraschungsauftritt für ihn anfühlte, <a href="https://www.instagram.com/reel/DZVcNd0o7X2/?igsh=MXF1M29xY3dzN293cw==">erzählt Robert Smith hier der BBC</a>.</p><p><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/80597c53-e7e4-47ba-bb5d-af8d89c0e7b7">Ein guter Zeitpunkt, um nochmal ins Cameo-Kapitel reinzulesen!</a></p><p>Bei TV Noir (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/9f822ed7-e001-4dde-b1ec-89a4915ad8f5">Lucas schrieb hier drüber</a>) gibt es übrigens eine <a href="https://tvnoir.de/dm-video/durch-den-monsun-tokio-hotel-cover/">tolle Cover-Version von “Durch den Monsun”</a> Bestie Boy Mike D wird in diesem Jahr ein neues eigenes Album veröffentlichen. Jetzt hat er den Song <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Vij8C1mIoNE">“Mind your Own Business” von Delta 5</a> gecovert - <a href="https://www.instagram.com/reels/DZIZ8KLoTnW/">hier gibt es einen schönen Ausschnitt</a>.</p><p>Katrin hat mich darauf hingewiesen (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/23a353b6-18e0-4c60-880a-a627b5feb1a9">hier ihre Unlearn-Folge</a>), dass William Fitzsimmons Sufjan Stevens gecovert hat: Der Song heißt passend zur Fußball-WM-Woche: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=2BqSyM3j-eA">Chicago</a></p><p>Außerdem habe ich diese Woche <a href="https://open.spotify.com/playlist/5Iue7i21L4qAeESDj7Swag?si=U2FliWMPRoeUbw9ME2MKKw&amp;pi=yAUapSLpSE2T7">eine faszinierende Playlist auf Spotify</a> entdeckt: <a href="https://gracespelmanmusicproject.substack.com/">Grace Spelmann</a> sammelt dort musikalische Kopien - Songs, die sehr ähnlich beginnen. <strong>Das macht großen Spaß und was würde besser passen zu einer Woche voller Anfänge?</strong></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 10 Jun 2026 16:00:03 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[The Light 3000 (22/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Hocherfreut: Simon Meier-Vieracker lobt Fehler in der Kopie - und zeigt ein Licht, das weiterleuchtet. ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>(22/50)</h1><p><strong>Liebe Koapiererinnen und Koapierer!</strong></p><p>Ich bin davon überzeugt, dass diese Aussage stimmt:</p><blockquote><p>„Kultur geht nicht unter. Sie geht weiter.“</p></blockquote><p>Der Linguist Simon Meier-Vieracker hat dieser Aussage ein ganzes Buch gewidmet. Es heißt „<a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/prof-dr-simon-meier-vieracker-sprache-ist-was-du-draus-machst-9783426446126?srsltid=AfmBOorhK3oAmR0tYyYp5YOrBVUzjBocHaV0aOcMei8-BrR8aH17GgT7">Sprache ist, was du draus macht</a>“ und bündelt auf Buchseiten was Simon sonst in hochschuligen Räumen und hochformatigen Videos macht. Er zeigt der Welt, dass der gekonnte Umgang mit Sprache nicht darin besteht, das eigene Wissen in Bezug auf Grammatik, Betonung oder Satzstellung als Gipfel der Erkenntnis zu verwalten. Sprache entsteht durch ihre Benutzung. Auch sie geht nicht unter, sie geht weiter. Simon zeigt dies nicht nur in der Hochschule, sondern auch hochformatig, hochkompetent und hochunterhaltsam.</p><p>Diese Woche stellt Simon ein Cover vor, dessen Original hier schon mal Thema war. Aber Simons Version entwickelt ihre besondere Qualität daraus, dass sie das Original nicht besser, sondern absichtsvoll vielleicht sogar schlechter macht. Was für eine tolle kapiert-Erkenntnis: das Kopieren ist lobenswert, weil es etwas Neues schafft, was nicht unbedingt besser sein muss.</p><p>Den Einstieg von der weiter gehenden Kultur habe ich übrigens auch gewählt, weil ich sehr stolz darauf war, <a href="https://bobblume.de/">dass der Bildungs-Publizist Bob Blume diese Aussage mal in einem seiner Bücher zitiert hat</a>. Diese Woche hat er mir zudem einen wunderbaren Absatz geschenkt <a href="https://www.rheinwerk-verlag.de/social-media-verbieten-verboten-ein-plaedoyer-fuer-digitale-demokratie-und-medienkompetenz/">für die Vorbestellseite meines Buches „Social Media verbieten? Verboten!“</a></p><blockquote><p>„Ich empfehle die Bücher von Dirk von Gehlen, wo ich nur kann. Und das hat mehrere Gründe: Den Grundoptimismus, der so vielen Debatten fehlt. Die gelassen-pragmatische Sicht auf die Dinge. Und die neugierig differenzierte Perspektive auf Themen, die zu oft in ein Ja oder Nein aufgelöst werden sollen. Dies gelingt auch hier. Insofern: Lesen Sie dieses Buch!“</p></blockquote><p>Bob Blume macht als <a href="https://www.instagram.com/netzlehrer/">@netzlehrer</a> im Schulkontext, was Simon Meier-Vieracker als <a href="https://www.instagram.com/fussballinguist">@fussballinguist</a> im Hochschulkontext macht: Sie zeigen beide in ihrer Arbeit, dass Bildung auch anders denk- und machbar ist. Dass Kultur weiterleuchtet und nicht <s>unter</s>ausgeht.  </p><p>Was übrigens auch eine passende Erkenntnis mit Blick auf die Social-Media-Debatte ist. Bob und Simon zeigen auf den Plattformen, dass hochformatige Videos auch hohen Erkenntniswert haben können.</p><p>Hocherfreut verabschiede ich mich mit der erneuten Erkenntnis:</p><p><strong>There’s a light that never goes out</strong><br/>Dirk</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>The Light 3000</p><p><em>Schneider TM &amp; KPT.michi.gan: “</em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=vodnI38cNI0&amp;list=RDvodnI38cNI0"><em>The Light 3000</em></a><em>”. Im Original von The Smith als “There’s a light that never goes out”. Vorgestellt von Prof. Simon Meier-Vieracker, Professor für Angewandte Linguistik an der TU Dresden, der als </em><a href="https://www.instagram.com/fussballinguist"><em>@fussballinguist</em></a><em> auf allen Plattformen unterwegs ist - und bei Droemer das Buch „</em><a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/prof-dr-simon-meier-vieracker-sprache-ist-was-du-draus-machst-9783426446126?srsltid=AfmBOorhK3oAmR0tYyYp5YOrBVUzjBocHaV0aOcMei8-BrR8aH17GgT7"><em>Sprache ist, was du draus machst</em></a><em>“ veröffentlicht hat.</em></p><p>Ich kopiere hier <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/de805cd8-b273-4b49-a63d-f782735b5b8f">gleich mal Marie Lina Smyrek</a>. Unsere beiden Coversong-Geschichten eint nämlich der Umstand, dass uns zunächst nicht klar war, dass es sich bei unseren Songs überhaupt um Cover-Versionen handelte. Daraus lässt sich eine schöne Erzählung machen, und bei mir klingt die so:</p><p>Über einen Promo-Sampler, wie er in den frühen 2000ern immer der SPEX beilag, war ich auf den Künstler Schneider TM aufmerksam geworden, dessen elektronisches, unaufdringliches, herrlich schnarzendes Gefrickel mir sehr gefiel. Der Promo-Song stammte von seiner gemeinsam mit KPT.michi.gan releasten EP Binokular, die auch für mein schmales Portemonnaie erschwinglich war.</p><p>Sechs untanzbare Tracks mit verschobenen Beats und mal surrenden, mal dudelnden Synthies. Auch der letzte Track „The Light 3000“ ist so. Allerdings legt sich hier eine Singstimme mit einer lieblichen Melodie darüber, irgendwie melancholisch, aber durch den Vocoder der Emotionalität beraubt.</p><p>Im Leben hätte ich nicht damit gerechnet, dass diesem seltsam unterkühlten Stück Musik ausgerechnet eine regelrechte Hymne Modell gestanden hat. Eine Hymne, zu der sich alle – ob gedanklich oder in echt – in den Armen liegen können, die sich nach dem Licht in der Dunkelheit und nach dem Leben sehnen, die sich treiben lassen, und sei es bis in den Tod.</p><p>Das verstand ich erst, als ich auf dem Flohmarkt das Album „The Queen Is Dead“ von den Smiths (in wunderschönem grünen Vinyl!) erstand. Aber auch dann zog ich erst nach mehrfachem Hören die Verbindung von „There Is a Light That Never Goes Out“ zu der in „<a href="https://www.youtube.com/watch?v=vodnI38cNI0&amp;list=RDvodnI38cNI0">The Light 3000</a>“ umbenannten Version von Schneider TM &amp; KPT.michi.gan.</p><p>Dieses Cover versucht gar nicht erst, das Pathos und den Schmelz des Originals zu replizieren (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/5c89a9b7-2961-41d1-a551-99ea186e99f7">ganz anders als die in diesem Newsletter von Martin Hommel besprochene Fassung</a>). Außer der nackten Melodie der Singstimme und einem Zitat des Streicherarrangements bleibt wenig übrig. Das passt zu Schneider TMs Arbeitsweise, der irgendwann mal in einem Interview gesagt hat, dass er seine Tracks erst wie Popsongs sauber durcharrangiert und dann systematisch wieder kaputt macht.</p><p>Ein so sehr verfremdendes Cover kann irritieren, provozieren und verärgern. „Was für eine Scheißversion! Alles, was den Song so toll macht, wird hier gekillt!“, so sagte mal eine Person zu mir, die offenbar viele herzblutgetränkte Momente mit dem Original verbracht hat.</p><p>Ich liebe „The Light 3000“ trotzdem, so sehr wie das Original. Und es stimmt ja auch nicht, dass alles gekillt wird, was den zweifelsohne zeitlosen Smiths-Song auszeichnet. Die Verlorenheit, die Süße und das Hingebungsvolle der Performance von Morrissey &amp; Co. klingt eben auch dann noch durch, wenn sie durch die Verkaputtungsmaschine von Schneider TM und KPT.michi.gan gejagt wird. Das Licht wird niemals ausgehen, und wenn es nur eine kleine Leuchtdiode auf dem Mischpult von Schneider TM ist.</p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Fehler</p><p><strong>(B6)</strong> Als ich vor 15 Jahren das Lob der Kopie schrieb, war ich sehr begeistert von der Erkenntnis, dass die Entstehung menschlichen Lebens ohne das Prinzip der Kopie nicht denkbar ist, ich blätterte durch das Buch „Ein Kind entsteht“ und las:</p><blockquote><p>„Nach einigen Tagen beginnt die Zelle eine Wanderung hinunter in die Gebärmuter. Dabei teilt sich die Zelle zum ersten Mal und stellte eine exakte Kopie von sich her. Das ist der Ursprung allen menschlichen Lebens, der Schlüssel zum Wunderwerk der Schöpfung.“</p></blockquote><p>Man könnte also sagen:</p><p><strong><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Ich hab kapiert, ich bin kopiert!</mark></strong></p><p>Das ist beruhigend und ein gutes Gegenargument gegen das schlechte Image, das die Kopie hat. Sie wird häufig als minderwertig beschrieben – unter anderem weil bei analogen Kopien früher mit jedem Vervielfältigungsvorgang Qualitätseinbußen einher gingen. Die Original-Fans dachten deshalb: Die Vorlage ist besser als die Vervielfältigung. Denn sie ist fehlerfrei.</p><p>Doch auch der Kopier-Fehler, hat seine schöpferische Bedeutung. Die zitierte Cover-Version dieser Folge zeigt dies, aber auch die menschliche Evolutions-Geschichte. Wie Jürgen Schäfer in seinem Buch „Lob des Irrtums“ schreibt:</p><blockquote><p>„Evolution wäre ohne Fehler undenkbar. Jedem Entwicklungsschritt geht eine Mutation voraus, ein simpler Kopierfehler im Erbgut. Die Evolution sucht nicht die Stärksten, sie strebt nicht nach Perfektion, im Gegenteil: Evolution will Vielfalt, denn nur Vielfalt bedeutet Zukunftsoffenheit.“</p><p></p></blockquote><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><p><strong>Für alle, die neu dazu gekommen sind: Wir sind auf dem Weg zu einem Buch: </strong><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/about"><strong>hier</strong></a><strong> ist das Inhaltsverzeichnis. </strong></p><p><strong>Diese Folge ist das 22. Kapitel. Es werden am Ende (des Jahres) 50 Kapitel, die jeweils mittwochs um 18 Uhr erscheinen.</strong></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 03 Jun 2026 16:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[I can´t give everything away (21/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Copy Relief - mit einer David-Bowie-Kopie; vorgeschlagen von Thorsten Merkle (und ein Bowie-Funfact zu My Way)]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Erleichterung, liebe Koapier-Community,</strong></p><p><br/>ist eine absolut unterschätzte Eigenschaft unserer gemeinsamen Lieblingstätigkeit: der Kopie!</p><p>Ich werde im folgenden den Begriff “Copy Relief” für einen Aspekt der Kopie vorschlagen, den Thorsten Merkle in seinem Lieblings-Cover ebenfalls beschreibt: Das Schwere leicht zu machen, das Traurige lustig(er).</p><p><strong>Genau diese Erleichterung wünsche ich euch mit einer tollen David-Bowie-Kopie</strong><br/>Dirk</p><p>P.S.: Am Ende gibt es übrigens noch eine tolle David-Bowie-Geschichte zum Song “My Way”<br/></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Bowie</p><p><em>“</em><a href="https://open.spotify.com/track/5uLtfWEqn5ngoWySZkI9ii?si=SEsGoMZgQ5CBp8fgIBo8sA"><em>I can´t give everything away</em></a><em>” von Spoon, </em><a href="https://open.spotify.com/track/4iXSEbAYfD0G4bqTkQCfSn?si=8SBvK_3MSuWkigHs_Ca4ug"><em>im Original von David Bowie</em></a><em>. Vorgeschlagen und geschrieben von Thorsten Merkle, Geschäftsführer der </em><a href="https://www.junge-leser.info/"><em>jule : Initiative junge Leser</em></a><em>. In seiner Freizeit ist er Sänger und Bassist der hannoveraner Band </em><a href="https://open.spotify.com/intl-de/artist/77LXj0xG6nydQGRJzkhQwe?si=UElPsGAkQwGQwzglMmSFig"><em>Midnight Parade</em></a><em>, die wenig originell aber effektiv Bowies „Heroes“ covert.</em></p><p>Am Montag, 11. Januar 2016, erfuhren die Welt und ich von David Bowies Tod. Einigermaßen überraschend war er am Vortag verstorben, zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag. An dem hatte er sein, wie dann klar wurde, letztes Studioalbum Blackstar veröffentlicht. Dieses späte Meisterwerk hatte ich am Wochenende intensiv gehört, besonders oft den letzten Song des Albums “I can´t give everything away”, auf Deutsch etwa: Ich kann nicht alles preisgeben. Was für ein passender Songtitel vom Pop-Chamäleon Bowie, der sich bei allen Häutungen und Imagewechseln immer ein Restgeheimnis bewahrt hatte.</p><p>Wie wir alle bald lernen sollten, hatte er auch eine schwere Leberkrebserkrankung nicht preisgegeben, nicht einmal seinen engsten musikalischen Partnern. So ist der letzte Song auf Bowies letztem Album einerseits ein Kommentar zu seiner öffentlichen Persona. Andererseits bleibt der Song auf immer mit seinem Tod verbunden, mit einem letzten Geheimnis, das er nicht preisgeben mochte.</p><p>Die Band Spoon veröffentlichte ihr Cover am 8. Januar 2023, auf den Tag sieben Jahre nach Blackstar, an Bowies 76. Geburtstag. Ein Klavier tupft Akkorde und deutet die Melodie an, eine Akustikgitarre begleitet perkussiv. Der Gesang ist rau und angestrengt, der Sänger klingt wie in Verteidigungshaltung: I<em>ch erzähl dir nicht alles, leb´ damit</em>. Die Spoon-Version ist in jeder Hinsicht kleiner und intimer als das Original. Damit gelingt der Band ein Kunststück: Sie befreit den Song von seiner Bedeutungsschwere, von der Bürde, Bowies Karriere und seinen Tod zusammenzufassen. Und macht ihn so wieder lebendig.</p><p>Linktipp: Die Musikerin und Musikwissenschaftlerin Leah Kardos analysiert “I can´t give everything away” in <a href="https://youtu.be/vDvvxfi03uo?si=6gSi-XwrSBTnQ8as">einem Video-Essay auf YouTube</a>.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Copy Relief</p><p><strong>(B9)</strong> Der Begriff “Comic Relief” hat einen Eintrag in der deutschsprachigen Wikipedia: “Comic relief (englisch „komische Entlastung“, „befreiende Komik“) ist ein literarisches und filmisches Stilmittel”, steht da. “Es bezeichnet, ähnlich wie der Galgenhumor, die Einbeziehung humorvoller Figuren, Szenen oder Dialoge in ansonsten ernsthafte oder spannende Szenen. <em>Comic relief</em> wird genutzt, um kurzfristig Spannung abzubauen.”</p><p>Den Begriff <strong><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Copy Relief</mark></strong> gibt es in der Wikipedia nicht. Aber auch der Kopie kann gelingen, was für den Humor beschrieben ist: in der Imitation, Nachahmung oder Neu-Interpretation kann Schwere leicht werden und Trauriges lustig(er).</p><p>Die Welt der Stimm-Imitation und Karikatur zieht ihre Energie genau aus dieser Kraft der Kopie. Was für eine überaus lobenswerte Eigenschaft der Kopie!</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Das Thema Kopieren und David Bowie wäre nicht vollständig, wenn ich nicht auf <a href="https://www.tiktok.com/@davidhartley94/video/7430381368657317152">diesen Tiktok-Clip</a> verweisen könnte, der behauptet, David Bowie habe eine Version von “My Way” geschrieben - vor Paul Anka. Bowies Way wurde aber abgelehnt…</p><p><strong>Wir sind bereits im 21. Kapitel dieses Buch-Newsletters - ein guter Zeitpunkt euch </strong><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/about"><strong>auf die Inhaltsangabe</strong></a><strong> hinzuweisen.</strong></p><p>Außerdem in Planung: das neue und letzte Album der Toten Hosen, bei dem die Düsseldorfer Punk-Rocker <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/a44ff39b-1b5b-4280-bc95-608a9a7d2aeb">den DJ Ötzi Trick</a> machen und Cover-Versionen spielen. Soll ich dazu was schreiben, wenn es kommende Woche erscheint?</p><p>Außerdem denke ich über die Kampagne “<a href="https://ichbinkeinekopie.org/">Ich bin keine Kopie</a>” nach, die mir zufällig aufgefallen ist. Es geht offenbar um Duft-Kopien… Falls jemand Hintergründe dazu weiß: Gib mir gerne Bescheid!</p>]]></content:encoded>
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      <link>https://steady.page/692deb47-7f0f-42b7-9a3c-3a07d8e56e65/posts/07ce7602-58ec-4dcc-9cf1-ff9a2c3b8f66</link>
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      <pubDate>Wed, 27 May 2026 16:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Ein Girl Wie Du - Ein Typ Wie Ich (20/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Graemsn erzählt Riddimwise die Geschichte von Eltern und Kopier-Kindern. Reggae und Generationenwissen - nicht nur für Münchner im Himmel]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Ein Girl wie Du (20/50)</h1><p><strong>Liebe Kinder,</strong></p><p>möchte ich dieses Koapier-Kapitel überschreiben. Denn die kapiert-Erkenntnis dieser Woche lautet:</p><blockquote><p>Eltern haben nicht immer Recht!</p></blockquote><p>Kindern geht es nicht gut in diesem Land, lese ich in dieser Woche <a href="https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/unicef-kindeswohl-laendervergleich-100.html">in einer Unicef-Studie</a>. Und das deckt sich mit dem, was ich zur Zeit <a href="https://www.rheinwerk-verlag.de/social-media-verbieten-verboten-ein-plaedoyer-fuer-digitale-demokratie-und-medienkompetenz/">für ein Projekt im Rheinwerk-Verlag</a> rechercherie: Wir gehen nicht gut um mit der nächsten Generation!</p><p>Was diese Behautpung mit Reggae, dem aktuellen Kinofilm “Ein Münchner im Himmel” und dem niederbayerischen Rapper Grämsn zu tun hat, erfährst du in dieser 20. Folge des Lieblings-Kopiernewsletters. Denn Konstantin (<a href="https://www.dirkvongehlen.de/pop/ich-keine-lust-als-content-creator-fuer-instagram-zu-arbeiten-warum-graemsn-einen-club-fuer-seine-musik-gegruendet-hat/">der mir unlängst auch ein Interview im Blog gab</a>) stellt uns den Song “<a href="https://www.youtube.com/watch?v=Ne_EzWCs-4s">Ein Girl Wie Du - Ein Typ wie Ich</a>” vom Lunsentrio vor.</p><p><strong>Auf einen optimistischen Blick auf die nächste Generation</strong><br/>Dirk<br/></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Girl Wie Du</p><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Ne_EzWCs-4s"><em>Ein Girl Wie Du - ein Typ wie ich (Lunsentrio)</em></a><em> - vorgeschlagen von Konstantin Gramalla (Jahrgang 1984), der als Rapper und Musiker unter dem Namen “</em><a href="https://www.xn--grmsn-hra.de/"><em>Grämsn</em></a><em>” aktiv ist (hier z.B. </em><a href="https://www.dirkvongehlen.de/pop/ich-keine-lust-als-content-creator-fuer-instagram-zu-arbeiten-warum-graemsn-einen-club-fuer-seine-musik-gegruendet-hat/"><em>im Digitale-Notizen-Interview</em></a><em>). Seit 1999 mischt er in der bayerischen Rap-Szene mit und hat Ende 2024 sein aktuelles Album “Homies” veröffentlicht. Hin und wieder legt er auch als DJ auf und spielt sich durch seine Plattensammlung aus Rap, Soul, Funk und Reggae. Und um einen seiner Alltime-Favorites daraus geht es heute:</em></p><p><br/>Die Karibik-Insel Jamaica hat uns mit Reggae und all seinen Ausprägungen schon wahnsinnig viele Musik-Trends und Techniken beschert. Und auch wenn Reggae das Kopieren in der Musik natürlich nicht erfunden hat, so haben die Jamaikaner es doch auf ein neues Level gehoben.</p><p><br/>Den Dub-Legenden Lee „Scratch“ Perry und King Tubby wird ja u.a. zugeschrieben, dass sie das Remix-Format salonfähig gemacht hätten, aber die Tradition aus Remixen und Kopieren geht im Reggae schon früher los. Denn die Produzenten bastelten ganz selbstverständlich ihre Instrumentals - die „Riddims“ - nicht nur für einen Artist exklusiv, sondern gleich für eine ganze Reihe an Interpret*innen. Der Produzent bzw. das Studio suchte sich eine illustre Auswahl an Sänger*innen zusammen und wenn dann einer der Songs durch die Decke geht, wodurch der Riddim zum Hit wird, zieht er die anderen Songs unter Umständen mit. Die ganze „Riddimwise“-Tradition bekommt dann nochmal eine neue Ebene, wenn jüngere Artists die Songs ihrer Eltern oder Jugend neu-interpretieren und somit ziehen sich manche Songs und Instrumentals wie ein Stammbaum durch die Reggae-Geschichte.</p><p><br/>Einer dieser Songs ist „<a href="https://youtu.be/joh37lrvf-s?si=nMre0VSZAdxn1qfC">Uptown Top Ranking</a>“ von Althea &amp; Donna, der 1977 rauskam. Dieser Song ist zum einen selbst eine Neu-Interpretation von „<a href="https://youtu.be/yR8XrBKLc1E?si=gdR82m3Lk823jGTQ">I’m still in Love with you</a>“ von Alton Ellis aus 1967 und „<a href="https://youtu.be/CbPHcWbOCAY?si=i4GmwqVD0TJmRIfY">Three Peace Suit</a>“ von Trinity aus dem Jahr 1977 - zum anderen inspirierte „Uptown Top Ranking“ wiederum unzählige Artists zu Cover-Versionen. Neben englischen und französischen Versionen gibt es auch eine sehr sympathische deutsche Cover-Version vom „Lunsentrio“ von 2017, die zwar auf <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Ne_EzWCs-4s">„Ein Girl wie Du - ein Typ wie ich“</a> ihr ganz eigenes Ding machen, aber trotzdem einige Referenzen zu „Uptown Top Ranking“ beibehalten haben. Ganz fesche Khaki-Suits beispielsweise.</p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Eltern</p><p><strong>(D8)</strong> Das Urteil ist hart. Aber es ist beispielhaft für die Überzeugung der Eltern-Generation, das Original zu vertreten. </p><p>Ich habe <a href="https://www.artechock.de/film/text/kritik/m/muimhi.htm">es in der Kritik zum Film</a> “Ein Münchner im Himmel gelesen”, der seit vergangener Woche in den Kino zu sehen ist - und ein München anhand von zwei klaren Vorbildern zeichnet: auf Basis der gleichnamigen Kurzgeschichte von Ludwig Thoma vom Beginn des 20. Jahrhunderts einerseits und mit Bezug auf die Serien von Helmut Dietl vom Ende des Jahrhunderts andererseits. Der Kritiker schreibt dazu:</p><blockquote><p>David Dietl zitiert seinen Vater sichtbar und mit großer Ehrfurcht. Doch genau darin liegt viel­leicht auch eins der Probleme dieses Films. Die Zitate bleiben Re-Enact­ments. Sie erzeugen Wieder­erkennen, aber kein Eigen­leben.</p></blockquote><p>Die Kritik nimmt Helmut Dietl zum Maßstab ohne zu erkennen, dass dieser Vater selbst ein Kopier-Kind war. Wer auf dieser Weise den Maßstab anlegt, will nicht ehrlich und interessiert den zu vermessenden Gegenstand kennenlernen. Hier geht es darum, das Original zu verteidigen: den eigenen Maßstab in den Mittelpunkt zu stellen.</p><p>Ich mag den Film - eben weil er Re-Enactment ist. Weil er andeutet, referenziert und zur Kenntnis nimmt. Nicht mehr und nicht weniger. </p><p>Genau diese Haltung empfinde ich als mutig. Sich an das übergroße Vorbild heranzuwagen - und es zu verändern. Den gleichen Mut würde ich mir aber auch von der Eltern-Generation wünschen: zu erkennen, dass sie so übergroß gar nicht sind - wie sie sich selbst sehen.</p><p>Der Reggae-Stammbaum ist dafür ein schönes Vorbild: er wächst eben nur deshalb weiter, weil die Eltern sich jeweils nicht zum Mittelpunkt erheben, sondern in einer Kette von Vorläufern und Nachfolgern erkennen. </p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>Wir haben hier bereits 20 von 50 Kapiteln gemeinsam erarbeitet. </strong>Ich freue mich, dass du immer noch dabei bist - und will einen kleinen Zwischenstand geben, wo wir gerade stehen:</p><h5>Ingesamt besteht Kopieren - Kapieren aus fünf Kapiteln mit je zehn Kapiert-Punkte: </h5><p><strong>A Zehn grundlegende Feststellungen zur (digitalen) Kopie <br/>A1 </strong>Die digitale Kopie ist der digitale Urknall (19/50)<br/><strong>A2</strong> Das Internet ist eine Kopiermaschine (10/50)<br/>A3<br/><strong>A4</strong> Die Kopie ist kein Raub am Original, sondern die Produktion von Meta-Daten (9/50)<br/><strong>A5</strong> Die Kopie eröffnet neue Perspektiven (6/50)<br/>A6<br/>A7<br/><strong>A8</strong> Auch KI ist nichts anderes als digitales Kopieren – mit unvorstellbarer Rechenleistung (7/50)<br/>A9<br/>A10  </p><p><strong>B Zehn Gründe der Begeisterung für die lobenswerte Kopie<br/>B1 </strong>Alles Leben basiert auf der Kopie (1/50)<br/>B2<br/><strong>B3</strong> Rückwärts-geboren-Sein (3/50)<br/>B4<br/><strong>B5</strong> Klare Referenz – die vorher sichtbar wird (11/50)<br/>B6<br/><strong>B7</strong> Neuer zeitlicher, sozialer, räumlicher Kontext (17/50)<br/><strong>B8</strong> Kopien schaffen soziale Orientierung (5/50)<br/>B9<br/>B10.</p><p><strong>C Zehn Fragen an betrügerische Kopien<br/></strong>C1<br/>C2<br/>C3<br/>C4<br/>C5<br/>C6<br/>C7<br/>C8<br/>C9<br/>C10</p><p><strong>D Zehn Herausforderungen für die Idee des Originals</strong><br/>D1<br/><strong>D2 </strong>Passive Kopierkompetenz: Kopiert zu werden ist mehr Ehre als Angriff (4/50)<br/><strong>D3</strong> Die Behauptung der Kopie hat Folgen (8/50)<br/>D4<br/><strong>D5</strong> Wir müssen uns mit Interpolation auseinandersetzen (14/50)<br/>D6<br/>D7<br/><strong>D8</strong> Eltern haben nicht immer Recht (<mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">diese Folge hier</mark>)<br/>D9<br/>D10</p><p><strong>E Zehn gute Vorsätze für Kopierkompetenz</strong></p><p><strong>E1 </strong>Für mich ist die Kopie der Normalzustand (13/50)<br/><strong>E2</strong> Ich bin mir bewusst, wie wichtig Aufmerksamkeit ist (2/50)<br/>E3<br/><strong>E4 </strong>Ich verwende einen neuen Begriff des Originals (16/20)<br/>E5 Ich denke hybrid (18/20)<br/>E6 <br/>E7 Ich höre auf, nach dem Echten/Wahren suchen zu wollen (15/50)<br/>E 8<br/><strong>E9 </strong>Ich weiß, dass nicht nur Inhalte kopiert sein können, sondern auch Accounts (12/20)<br/>E10</p><p> </p><p></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/163238d2-ff4c-4964-93c6-b90dcc6d2b92/teaser_image/1779089801?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 20 May 2026 16:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[911 an Tagen wie diesen (19/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Der Urknall der Digitalisierung, Hosen, Beginner und der beste Cover-Sänger von Tiktok feiern die Hörfassung von "Macht Marke"]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ohne Musik, liebe Koapier-Community,</strong></p><p>kommt die Cover-Version aus, die mich diese Woche beschäftigt - zumindest die ersten 85 Sekunden des Videos, das die <a href="https://www.youtube.com/watch?v=J7lHI1CbEx8">Düsseldorfer Verkehrsgesellschaft zum 130sten Jubiläum in dieser Woche veröffentlicht hat</a>: zum Geburtstag covert die Rheinbahn die Toten Hosen.</p><p>85 Sekunden lang sprechen Fahrerinnen und Fahrer in Bussen und Bahnen den Text des Songs “<a href="https://www.youtube.com/watch?v=J7lHI1CbEx8">An Tagen wie diesen</a>” ehe der Refrain auch mit Musik eingespielt wird.</p><figure><a href="https://www.youtube.com/watch?v=J7lHI1CbEx8"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9f822ed7-e001-4dde-b1ec-89a4915ad8f5/uploads/images/lcpte5c2f2/Bildschirmfoto_2026-05-10_um_16.04.23.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><figcaption>Screenshot der Rheinbahn-Werbung mit &quot;An Tagen wie diesen&quot; von den Toten Hosen</figcaption></figure><p>Mein Freund und Co-Autor Lucas von Gwinner schickte mir den Link zu dem Video als ich ihn bat für die heutige Koapier-Folge sein Lieblingscover vorzustellen. Ihm fielen nämlich viel zu viele Cover-Songs ein und er hatte offenbar einige Probleme, einen auszuwählen. Für welchen Song er sich schließlich entschieden hat, liest du weiter unten.</p><p>Lucas ist heute zu Gast, weil dieser Tage die Hörfassung unseres gemeinsamen Buchs “<a href="https://www.machtmarke.info/">Macht Marke</a>” erscheint, zu dem wir auch einen Newsletter haben (neue Folge am Freitag!).</p><p>In dem Buch gibt es ein Zusammenfassung dessen, was mich am Kopieren fasziniert. Weiter unten findest du den Auszug aus dem Buch.</p><p><strong>Auf die gemeinsame Ko(a)pier-Begeisterung!</strong></p><p>Dirk<br/>P.S.: Der aktuell bekannteste Cover-Sänger von Tiktok (“Meine Mama hat gesagt”) hat übrigens auch eine Version von “An Tagen wie diesen” eingespielt. Mehr dazu am Ende dieses Kapitels, wo ich auch ganz aktuell das besondere Mr. Brightside-Cover ergänzt habe, das zur Amtseinführung des neuen Oberbürgermeisters der Stadt München gespielt wurde.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>911</p><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=aDKhTjXvyTI"><em>911</em></a><em> - von Wyclef Jean in der Version von Kat Frankie und Francesco Wilking im Rahmen von TV Noir - ausgewählt von Lucas von Gwinner, Markenberater und Autor des Buchs “</em><a href="https://www.machtmarke.info/"><em>Macht Marke</em></a><em>”</em></p><p><a href="https://youtu.be/Lx2wfGt0DnE">Wie</a> <a href="https://youtu.be/pXahEs6lRwI">soll</a> <a href="https://m.youtube.com/watch?v=Q_DlqUflpXk&amp;pp=iggUQAFKEDdZczZ3Yl85bGVtb0hQRUo%3D">ich</a> <a href="https://m.youtube.com/watch?v=XzAA5Qq9jzc&amp;pp=iggUQAFKEFRNelp1S28yeTVLeFUzTzE%3D">mich</a> <a href="https://m.youtube.com/watch?v=h9FR08QFqOw&amp;pp=iggUQAFKEEk5aDZSdTdpeERlRF8wMkU%3D">bloß</a> <a href="https://m.youtube.com/watch?v=gTg3TIAmFUk&amp;pp=iggUQAFKEENGM29JbEFvNl9hMkV3TGM%3D">entscheiden</a>? <br/>Meine Lieblingscoverversion für euch ist <a href="https://youtu.be/aDKhTjXvyTI">Wyclef Jeans 911 gesungen im TVnoir Hauptquartier von Kat Frankie und Francesco Wilking</a>, weil sie so vieles vereint was ich liebe: </p><p>- Kat Frankies hinreißende Lässigkeit und  Stimmgewalt</p><p>- Francesco Wilkings Musizierlust und Aberwitz (von seiner ‚Cover‘ Begriffsdeutung zu Beginn bis zum Beginner-Zitat am Schluss)</p><p>- diesen virtuosen Zauber des Moments, den nur Live-Musik erzeugen kann</p><p>- dass Tex mit seiner Marke TVnoir tatsächlich gelungen ist, ein Wohnzimmer der Singer/Songwriter zu bauen, dass so vielen vormals unbekannten Künstlern eine Startrampe bot und bietet</p><p>- und natürlich diese R’n’B-Ballade selbst, veröffentlicht im Jahr meines Abiturs und somit für mich auf ewig Trigger irrationaler Gefühlsduseleien.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a0d65f2f-121f-4693-a5e3-57e73a08cf5b/uploads/images/jxi6rxrrfo/Design_ohne_Titel%2817%29.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Kopieren</p><p><strong>(A1) <em>Die Kopie ist eine historische Ungeheuerlichkeit, der digitale Urknall, der uns hilft all das zu verstehen, was wir als Digitalisierung bezeichnen. </em></strong><em>Diese Erkenntnis habe ich für das Buch </em><a href="https://www.machtmarke.info/"><em>Macht Marke</em></a><em> so zusammengefasst:</em></p><p>Dass das Publikum aktiv geworden ist, ist die erste bedeutsame Veränderung dessen, was wir Digitalisierung nennen. Diese Aktivierung hat weitreichende kulturelle und gesellschaftliche Folgen, ihr Auslöser ist aber technischer Natur: Es ist die digitale Kopie.</p><p>Sie bildet die Grundlage all dessen, was wir Digitalisierung nennen. Um alle Aspekte des digitalen Wandels überblicken zu können, solltest du zunächst die digitale Kopie verstehen – also die Möglichkeit, erstmals in der Menschheitsgeschichte Inhalte quasi kostenfrei duplizieren zu können. <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Diese Veränderung hat nicht nur das Publikum zum Sender gemacht, es hat quasi nebenbei zentrale Geschäftsmodelle der Kultur- und Medienindustrie auf den Kopf gestellt. Der Inhalt wurde von seinem Träger gelöst und dabei sozusagen verflüssigt. Die digitale Kopie hat den Unterschied zwischen Vorlage und Vervielfältigung und das darauf basierende Geschäftsmodell zerstört. Die digitale Kopie hat aus der kulturellen Ausnahme eine alltägliche Selbstverständlichkeit gemacht. </mark>Den Kommunikations-Psychologen Paul Watzlawick kopierend, kann man sagen: <strong>Man kann nicht nicht kopieren. </strong></p><p>Daraus folgen nicht nur völlig neue Perspektiven auf alle Ideen von Kreativität und Genialität, auch die Debatte über alles, was wir als Original oder originelle Marke verstehen wollen, wird um interessante neue Aspekte bereichert.</p><p>Das neue Ökosystem, das auf Basis der digitalen Kopie entsteht, ist unserer Einschätzung nach bisher nur in Ansätzen vermessen. Viele Bereiche dessen, was durch die digitale Kopie möglich wäre, sind bisher noch kaum realisiert. Wie Wissen auf diese Weise unabhängig vom Datenträger geteilt und damit vermehrt werden kann, siehst du auf Wikipedia. Die Enzyklopädie wäre ohne die digitale Kopie nicht möglich, sie basiert auf der Teilhabe der Vielen und ist ein sehr gutes Beispiel für die Vielzahl der Optionen, die sich aus der digitalen Kopie ergeben. </p><p>Um Marke auf gegenwärtige und vor allem zukunftsfähige Weise zu machen und zu führen, sollten alle Implikationen mitgedacht werden, die sich aus der digitalen Kopie und deren Folgen ergeben. Denn die Öffentlichkeiten und alle beteiligten Akteurinnen und Akteure befinden sich in einem durch die Digitalisierung beschleunigten Veränderungsprozess. Auf der Suche nach Orientierung in diesem Veränderungsprozess kann die Marke als Leuchtturm sehr hilfreich sein. Allerdings nur, wenn sich deine Marke in ihrer Kommunikation auch den Gegebenheiten anpasst, die die digitale Kopie im neuen Ökosystem der vielen Öffentlichkeiten ausgelöst hat. </p><p>Wer Antworten auf diese Fragen sucht, muss nicht jedem neuerlichen digitalen Hype hinterher hecheln, sondern kann grundlegende Entwicklungslinien erkennen – und diese bewerten. Wenn wir von der historischen Ungeheuerlichkeit der digitalen Kopie sprechen, wollen wir damit genau diese Dimension der Transformation beschreiben: die durch die Kopie ausgelöste Demokratisierung der Publikationsmittel hat eine neue Form der Kommunikationsgesellschaft eröffnet, die Read-Write-Society genannt wird. Diese neue Form der Öffentlichkeit gibt es nur im Plural. Sie hat ein anderes Bild von dem, was man als Inhalt oder Content bezeichnen kann. Das gilt übrigens für die Schlagworte ‘Metaverse’ oder ‘Künstliche Intelligenz’ genauso wie für die schon länger befeuerten Hypes wie ‘Social-Media’ oder ‘Beteiligungskultur’. All diese Trends (und ihre Folgen für unsere Idee der Öffentlichkeit) basieren auf der Idee der Kopie. Bevor wir diese Veränderungen im Detail beschreiben, müssen wir uns von zwei Ideen verabschieden, die eine gestaltende Haltung zur Zukunft der Kommunikation blockieren: Reklame und Kontrolle.</p><p><strong> Mehr dazu im Buch </strong><a href="https://www.machtmarke.info/"><strong>Macht Marke</strong></a><strong>, das gerade auch als Hörbuch erschienen ist.</strong></p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>…der Tiktok-Account von </strong><a href="https://www.tiktok.com/@philliptheesfeld"><strong>@philliptheesfeld</strong></a><strong> begeistert die deutschsprachige Netzkultur </strong>seit ein paar Tagen mit einer Cover-Version des Songs “<a href="https://www.youtube.com/watch?v=31rzVpAXQC0">Mama hat gesagt</a>” (von Sido, SDP und Esther Graf). <a href="https://www.tiktok.com/@philliptheesfeld/video/7633016402064051488">Über 10 Millionen Aufrufe hat seine Fassung bereits</a> - und auch <a href="https://www.tiktok.com/@itsesthergraf/video/7634983726023281942">Esther Graf hat schon drauf</a> reagiert.</p><p>Und um den Rahmen zum Anfang zu schließen: Phillip hat auch ein Cover von “<a href="https://www.tiktok.com/@philliptheesfeld/video/7373306023584615712">An Tagen wie diesen</a>” eingespielt.</p><p><strong>Und unbedingt empfehlen will ich</strong> <a href="https://www.instagram.com/reels/DYMqPwxBfCb/">noch die Streicher-Version des Killers-Songs “Mr. Brightside”</a>, das bei der Amtseinführung von Dominik Krause als neuem Oberbürgermeister der Stadt München gespielt wurde - auf Wunsch von Krauses Lebensgefährten von dem Streicher:innen-Quartett der Münchner Philharmoniker.</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/9f822ed7-e001-4dde-b1ec-89a4915ad8f5/teaser_image/1778478039?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 13 May 2026 16:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Ballad of Hollis Brown (18/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Verwirrungs-Mashup für deine Kopierkompetenz ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Hybrides Dylan-Denken (18/50)</h1><p><strong>Ein guter Vorsatz, liebe Koapier-Community,</strong></p><p>für deine Kopier-Kompetenz kommt heute in besonderen Cover-Versionen: Es geht um <a href="https://www.dirkvongehlen.de/netz/2022-wird-das-jahr-des-hybriden-denkens/">Hybrides Denken</a> - am Beispiel von Bob Dylan. Thorsten Schmidt stellt einen Lieblingssong vor, <strong><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">der Kopie und originell ist - obwohl die Vorlage Original und nicht so begeisternd ist</mark></strong>.</p><p>Diese Form des hybriden Denkens möchte ich zum Einstieg mit der wunderbaren Mashup-Version in der Folge des Podcasts Deutschland 3000 illustrieren: Marti Fischer ist zu Gast bei Eva Schulz - und spielt dort eine Cover-Version von Nina Chuba im Stile von Helge Schneider.</p><p>Wem das zu abgedreht klingt, <a href="https://www.instagram.com/reels/DXuO7Hhit-5/">bitte hier klicken und freuen</a>!</p><p>Weiter unten gibt es dann noch einen interessanten Tiktok-Trend: wirre Cover-Versionen von Ikkimel-Songs.</p><p><strong>Fröhliches Verwirrtsein!</strong></p><p>Dirk<br/></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Rise Again</p><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=At-YPyVW9R8"><em>“Ballad of Hollis Brown (Rise Again)” </em></a><em>Vorgeschlagen von </em><a href="https://www.filmmakers.eu/de/actors/thorsten-schmidt"><em>Thorsten Schmidt</em></a><em>, der Schauspieler und Synchronsprecher ist und Erfinder von flourishandblottshoerbuch - einem der größten deutschen Harry Potter Accounts </em><a href="https://www.instagram.com/flourishandblottshoerbuch/"><em>auf Instagram</em></a><em> und </em><a href="https://www.tiktok.com/@mynameisschmidt"><em>Tiktok</em></a><em> betreibt:</em></p><p>Bob Dylan war mir zwar ein Begriff, so richtig etwas mit ihm oder seiner Musik hatte ich als Teenager aber nicht zu tun. Umso häufiger „rotierten“ Rise Against auf Handy oder mp3-Player. Deren Wut verband sich perfekt mit meinem privilegierten Gefühl, als Privatschüler auf dem Land nicht so recht in meine Umgebung zu passen – fuck the system als erste-Welt-Problem.</p><p>Von eben jener Kombo aus Chicago habe ich damals ALLES aufgesogen, was es gab und so habe ich mir <a href="https://www.amnesty.de/informieren/blog/die-glocken-der-freiheit">das Album zum 50. Jubiläum von Amnesty International</a> sogar gekauft, denn einer der 73 Bob Dylan Coversongs war ja von Rise Against. Und ich wurde nicht enttäuscht, denn “Ballad of Hollis Brown” ist dramaturgisch einer der besten Songs, die Rise Against je aufgenommen haben. Die Geschichte des Songs erzählt von einem Bauern, der mit seiner Familie in South Dakota in bitterer Armut lebt und im Sog immer weiterer Existenzkrisen seine Frau, seine fünf Kinder und schließlich sich selbst das Leben zu nimmt. Eine Geschichte, die nicht so klingt, als sei sie vor über 60 Jahren geschrieben worden…</p><p>Auf den ersten Blick könnte das ein „echter“ Rise Against Song sein, ist doch auch Frontman Tim McIlrath mit starker Bildsprache gesegnet. In der Hoffnung auf weitere Meisterwerke suchte ich auf YouTube sogleich nach dem Original – und erfuhr, warum Bob Dylan den Nobelpreis für Literatur und nicht für Gesang erhalten hatte. Elf Strophen dieselbe Melodie, ohne gesangliche Finesse. Was für eine Enttäuschung für einen jungen Liebhaber von Strom-Lauten-Musik.</p><p>Umso beeindruckender ist und bleibt für mich, dass Rise Against diesen Song gehört haben und dachten „Da können wir was draus machen“. Und mit der Dramaturgie, die sie dem Song gegeben haben und dem ebenso starken Musikvideo dazu, haben sie aus einer Kopie ein vollständig eigenes Werk kreiert, das dem Original Tribut zollt und gleichzeitig die eigenen Werte bekräftigt.</p><p>Auch wenn ich heute musikalisch härtere Klänge bevorzuge und Rise Against nur noch selten auflege, so ist “Ballad of Hollis Brown” bis heute in meinen Spotify-Jahrescharts. Und wenn DAS nicht genauso viel wert ist wie ein Literaturnobelpreis, dann weiß ich’s auch nicht.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a0d65f2f-121f-4693-a5e3-57e73a08cf5b/uploads/images/jxi6rxrrfo/Design_ohne_Titel%2817%29.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Sowohl als auch</p><p><strong>(E5) </strong>Kopierkompetenz, so die These dieses Newsletters, ist Medienkompetenz: zu verstehen, dass bzw. wie die Kopie die mediale Öffentlichkeit bestimmt, ist eine zentrale Fähigkeit für die Nutzung von Medien im 21. Jahrhundert. Auf dem Wissen der vergangenen Wochen (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/de805cd8-b273-4b49-a63d-f782735b5b8f">Originalität ist skaliert</a>) baut diese Erkenntnis auf: Ein Werk kann gleichzeitig eine Kopie und originell sein. Und umgekehrt gilt ebenso: Ein Werk kann gleichzeitig ein Original und wenig originell sein!</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>…es gibt einen interessanten Netzkultur-Trend </strong>auf meiner For You Page: Künstler:innen cover Ikkimel. Hier <a href="https://www.tiktok.com/@fruchtigerbeigeschmack/video/7626718850691714336?">z.B. als Jazz-Version</a> oder <a href="https://www.tiktok.com/@babashrimpgang/video/7635317468600306976">hier als Max Rabe</a> - und <a href="https://www.tiktok.com/@pulsstartrampe/video/7636037445963844897">auf der Puls Startrampe als Akkustik-Version</a>.</p><p>Außerdem: Die kanadische Indieband “<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Walk_Off_the_Earth">Walk Off The Earth</a>” hat ein kleines, aber sehr schönen Cover-Album veröffentlicht. Es heißt “Enter Sandmann” und bringt außer dem Metallica-Cover noch sehr schöne Fassungen von “Our House”, “Take on Me” und “Your Love”.</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/830ecedc-6a3a-4d05-a1ac-92b9de5df11a/teaser_image/1778061681?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 06 May 2026 16:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Here I Am (17/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Planänderung! DJ Ötzi schleudert diesen Newsletter in die 1980er Jahre]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Öha (17/50)</h1><p><strong>Öha, liebe Koapiercommunity! </strong>Dieser Ausruf des Erstaunens stammt von Gerhard Friedle.</p><p>Friedle, den fast niemand so nennt, hat am Freitag ein Album mit dem Titel <a href="https://www.jpc.de/jpcng/poprock/detail/-/art/dj-oetzi-oeha/hnum/12322342">Öha</a> veröffentlicht, das diesen Newsletter sehr durcheinander geworfen hat.</p><p>Ich hätte nämlich niemals erwartet, dass ich wegen Friedle, den alle DJ Ötzi nennen, mal meinen Newsletter umplanen würde.</p><p>Dazu sehe ich mich aber verpflichtet, weil ich als Koapier-Kolumnist ja auch über aktuelle Cover-Versionen berichten will (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/150ce46f-7c1e-4bc5-be32-d58df8aef444">ich habe das hier schon mal getan</a>): Und Öha versammelt vierzehn Adaptionen von bekannten Songs - und eine davon ist so gut, dass ich sie diese Woche hier vorstellen will. <em>(Eine zweite stelle ich ganz am Ende vor. Sie ist nämlich - </em><a href="https://steady.page/de/wittkamps-woche/about"><em>wie mein Freund Peter Wittkamp urteilt</em></a><em> - ein Verbrechen an der Menschheit.)</em></p><p>Jetzt aber erstmal zu dem Ohrwurm aus den späten 1980er Jahren aus dem Münchner Umland, der mich so überzeugt hat, dass ich den Plan umgeworfen habe.</p><p><strong>Viel Spaß beim Lesen &amp; Hören</strong></p><p>Dirk</p><p>PS: Für den optimalen Lesegenuss empfehle ich, <a href="https://youtu.be/dldtJy-TAuc?si=vF-ARbX6zx6lt1x_">hier auf YouTube den Song zu starten</a> und dann die Lektüre zu beginnen.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Here I Am</p><p><a href="https://youtu.be/dldtJy-TAuc?si=vF-ARbX6zx6lt1x_"><em>“Here I Am”</em></a><em> in der Adaption von DJ Ötzi. I</em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=WiCLuCfkhPs"><em>m Original von der Band Dominoe.</em></a></p><p>Musik kann wie ein gutes Parfüm sein. Sie kann unterbewusste Erinnerungen wecken, die uns auf eine Weise erreichen wie ein angenehmer Duft, den wir wahrnehmen aber nicht erklären können. Deshalb wünsche ich mir ein Shazam für Gerüche, also eine technische Hilfe, die mir Auswege zeigt aus dem merkwürdigen Gefühl der unerklärlichen Erinnerung.</p><p>In dieser Woche stecke ich in genau dieser ausweglosen Erinnerungsklemme - und zwar musikalisch. Ich höre einen Song, den ich zweifelsfrei kenne; aber nicht erklären kann. Es ist ein Song, den ich in einer weit entfernten Vergangenheit häufig gehört hatte. Ich kenne seinen Titel und sogar seinen Text, aber ich weiss nicht, woher und von wem ich ihn kenne.</p><p>Es geht um den Song “<a href="https://youtu.be/dldtJy-TAuc?si=vF-ARbX6zx6lt1x_">Here I Am</a>” von DJ Ötzi. Er beginnt mit den Worten</p><blockquote><p>Ich fahr nächtelang - auf der Autobahn - in jeden Ort und in jede Stadt - um bei dir zu sein - Wir haben uns Kraft gegeben - können uns noch blind verstehen - Ich hätte nie gedacht - dass ich jemals sowas wie mit dir erleb’</p></blockquote><p>Das ist eine Adaption, also eine Übersetzung eines Originalsongs, der in seiner Vorlage auf englisch gesungen wird (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/a0d65f2f-121f-4693-a5e3-57e73a08cf5b">zum Thema Übersetzen und Kopieren bitte die Folge 13 nachlesen</a>).</p><p>Aber all das hilft mir nicht, weil es einfach zu viele Songs mit dem Titel gibt - und das gesuchte “Here I Am”-Lied zu alt und zu unbekannt für die Spotify-Suche ist, um es mir weit oben anzuzeigen.</p><p>Und so verbringe ich dank DJ Ötzi sehr lange Zeit damit, mich durch 80er Jahre Erinnerungen zu wühlen und durch Here-I-Am-Songs zu klicken bis ich endlich die Vorlage für die erste Strophe finde. Sie geht so:</p><blockquote><p>No fantasy - I&#39;m reality - Oh, a dream comes true - for me and you, when I&#39;m with you - You&#39;re watching me - I will make you free - I take you around the world - so I&#39;m with you - and comfort you</p></blockquote><p>Getexte haben diese Worte Jörg Sieber und Robert Papst. Das steht auch in den Autorenangaben der DJ-Ötzi-Version. Hilft mir aber natürlich nicht wirklich.</p><p>Die beiden hatten in den 1980er Jahre eine Rockband, die sie in Grafing bei München gegründet hatten. Diese Rockband hatte einen großen Hit: “Here I Am”. Der Song wurde im Werbespot für den Renault 5 genutzt, der im Jahr 1988 im deutschen Fernsehen beworben wurde und die Band von Sieber und Papst in die Charts brachte.</p><p>Sie hieß: Dominoe</p><p>Ich glaube man tut weder Dominoe noch Bayern1 unrecht, wenn man sagt: “Here I Am” ist der perfekte Bayern1-Song. Musik für Menschen, die die späten 80er und frühen 90er Jahre für den Höhepunkt der Musikgeschichte halten (häufig weil sie damals selbst jung waren) - und genau an dieser Musik festhalten.</p><p>DJ Ötzi ist zu loben, weil ihm mit seiner Here-I-Am-Adaption eine wunderbare Facette der Kopie gelungen ist: Er macht die Original-Version wieder bekannt - was eine besondere Version des <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/150ce46f-7c1e-4bc5-be32-d58df8aef444">Rückwärts-geboren-Seins</a> eröffnet.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a0d65f2f-121f-4693-a5e3-57e73a08cf5b/uploads/images/jxi6rxrrfo/Design_ohne_Titel%2817%29.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Neuer Kontext</p><p><strong>(B7) </strong>Kopien haben ein schlechtes Image. Sie gelten als minderwertig und Künstler:innen, die Cover-Alben rausbringen gelten als faul. Sie haben zu wenig Energie für eigene neue Werke und wollen auf den Schulter von Riesen neue Aufmerksamkeit gewinnen - so der Vorwurf.</p><p>Ich teile diese Ansicht nicht - und “Here I Am” zeigt sehr anschaulich, was eingelöst sein muss, damit ich eine Kopie für lobenswert halte: <strong><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Sie muss einen neuen Kontext schaffen!</mark></strong> Damit meine ich den räumlich, zeitlichen oder sozialen Rahmen, in dem der kopierte Inhalte wahrgenommen wird.</p><p>“Here I Am” gelingt diese durch die Adaption des Textes in den Strophen. Er wird ins Deutsche übertragen, erhält die “Wir halten zusammen”-Stimmung des Originals und schafft dennoch etwas Neues.</p><p>Genau darin unterscheiden sich billige Imitationen von originellen Kopien: ihre Originalität (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/11b9c400-ed45-4456-b4a9-ad27f81e7132">skaliert abzulesen!</a>) ist hoch weil im neuen Kontext neue Aspekte aufscheinen, die im Original vielleicht noch gar nicht (oder schlechter) erkennbar waren.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>… ich habe Feedback bekommen. Eine Leser:innen-Mail, die mich so sehr gefreut hat, dass sie vielleicht in Zukunft hier auch als Cover-Vorschlag auftauchen wird. Das schreibe ich, weil ich auch dich einladen will: <strong><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">Schreib mir gerne, wenn du Here-I-Am-Assoziationen hast oder dir was zum Thema Koapieren einfällt.</mark></strong></p><p><strong>In jedem Fall hier das versprochene Lowlight vom Ötzi-Cover-Album: </strong>Was er mit <a href="https://www.youtube.com/watch?v=RF0HhrwIwp0">“Sex on Fire” von Kings of Leon</a> gemacht hat, ist wirklich ein Verbrechen an der Menschheit. Er hat aus einem sehr schöne Lied, das leider häufig in Trink-Kontexten mitgesungen wird, eine reine und rabiate Sauf-Version gemacht.</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/a44ff39b-1b5b-4280-bc95-608a9a7d2aeb/teaser_image/1777372348?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 29 Apr 2026 16:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[RUN DMC (16/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Das Logo der Band RUN DMC illustriert auf wunderbare Weise: wir brauchen einen skalierten Begriff der Originalität]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zeit für was Neues, liebe Koapier-Community!</strong></p><p>Heute präsentierte ich keine Cover-Version, sondern eine musikalische Kopie - vorgeschlagen von Georg Fischer. Ich hatte ja zu Beginn angekündigt, dass es im ersten Teil dieses Newsletters (<em>kopiert</em>) stets um eine ebensolche musikalische Kopie gehen wird. Und dass ich im zweiten Teil (<em>kapiert</em>) - im besten Fall dazu passend - einen Aspekt der Kopierkompetenz ergänze.</p><p>In den vergangenen Wochen hat sich dabei eine Art Vorbild-Kopie eingeschlichen: Da andere zuvor Coverversionen beschrieben hatte, folgten auch wieder Coverversionen. Georg durchbricht dieses Muster heute und stellt uns den RUN DMC-Schriftzug vor, der nicht selten in direktem Zusammenhang mit dem Adjektiv ikonisch beschrieben wird (es geht um die weißen Versalien auf schwarzem Grund, die von zwei roten Linien oben und unten eingeschlossen sind).</p><p>Für mich ist dies ein willkommener Anlass zur Forderung: <strong><mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit">Wir müssen Originalität lernen!</mark></strong> Was ich damit meine, steht ganz am Ende.</p><p><strong>Eine originelle Lektüre wünscht</strong></p><p>Dirk</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>RUN DMC Logo</p><p><em>Das RUN DMC-Logo - vorgeschlagen von </em><a href="https://orcid.org/0000-0001-5620-5759"><em>Georg Fischer</em></a><em>. Er studierte Technik- und Wissenschaftssoziologie an der TU Berlin. In seiner Doktorarbeit untersuchte er den Zusammenhang zwischen dem deutschen Urheberrecht und der Kreativität in der Sample-basierten Musikkultur. Zu seinen Forschungsinteressen zählen die Medienbranche, das Urheberrecht, Verwertungsgesellschaften, Creative Commons, das wissenschaftliche Publizieren, die Open-Access-Bewegung sowie qualitative und historische Forschungsmethoden. Er veröffentlicht wissenschaftliche und journalistische Beiträge sowie Blogbeiträge.</em></p><p>Sie sind gnadenlos. Hat man sie einmal entdeckt, sieht man die Kopien überall. Man kann ihnen nicht entkommen. Sie sind auf Straßenlaternen und Kneipenklos gestickert, als Reklame verarbeitet, auf T-Shirts gedruckt, im Logo des Handwerkbetriebs um die Ecke, im Fußballstadion und natürlich im Internet.</p><p>Es gibt sie in allen möglichen Farben, klassischerweise aber in Schwarz, Weiß, Rot (zugegeben, eine recht martialische Farbkombination). Auch die Form ist stabil: oben ein Balken, unten ein Balken, dazwischen sechs Buchstaben (mehr oder weniger).</p><p>Das Logo der Band RUN DMC gehört zu den sichtbarsten Memes, die man sich im öffentlichen Raum der westlichen Popkultur so vorstellen kann. Der memetische Erfolg beruht auf einfacher Gestaltung. Das Ding ist so simpel, dass es <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Run-DMC_Logo.svg">keinen Urheberrechtsschutz</a> auf das Logo gibt (wohl aber einen <a href="https://www.trademarkia.com/run-dmc-76624074">markenrechtlichen Schutz</a>, aber das ist eine andere Diskussion).</p><p>Viele Menschen erkennen zwar das Gestaltungsmuster in den Varianten wieder – wissen aber nicht, dass das Logo ursprünglich <a href="https://kerndownforwhat.com/home/2016/3/8/run">1986 von der Designerin Stephanie Nash für RUN DMC</a> kreiert wurde. Oder sollte man besser von einem Schriftzug sprechen?</p><p>Es gibt die konformen Varianten, die das Gestaltungsmuster des Originals exakt wiederholen, in Form, Farbe und Schrift. Oft fehlen dabei die Vokale, denn sechs Buchstaben sind ja nicht so viele – und es gibt die nonkonformen Varianten, denen das Schema zu eng ist, die daraus ausbrechen, etwa einen Balken anbauen (oder weglassen) oder ähnliches. </p><p>Vielfältig ist auch die politische Vereinnahmung: über die Lager hinweg, von ganz links bis ganz rechts. Durch Weglassung von Buchstaben lassen sich die Botschaften verschlüsseln. Zur Wahrheit gehört auch: Über das Logo tragen Nazis verfassungsfeindliche Gedanken in die Öffentlichkeit. </p><p>In einem mehrjährigen Akt der Obsession haben Lorenz Grünewald-Schukalla und ich gut 800 Varianten gesammelt und auf einem <a href="https://www.tumblr.com/dmcpics">Tumblr verbloggt</a> (in unserer Sammlung hatten wir auch einen „Giftschrank“ mit diversen unappetitlichen Exemplaren). </p><p>2024 haben wir den Tumblr dann einschlafen lassen, die Daten sind aber <a href="https://doi.org/10.5281/zenodo.19430278">archiviert</a>. 2017 <a href="https://web.archive.org/web/20170825101819/phaenomeme.sueddeutsche.de/post/160797313634/das-rundmc-meme">interviewte</a> uns Dirk, 2019 trugen wir auf der <a href="https://19.re-publica.com/de/session/run-dmc-meme-zwischen-aneignung-abkurzung.html">Re:Publica</a> dazu vor, <a href="https://doi.org/10.15460/kommges.2018.19.2.591">hier</a> und <a href="https://doi.org/10.5281/zenodo.6529956">da</a> publizierten wir in wissenschaftlichen Blättern.</p><p>Eine Sache kapieren wir immer noch nicht: Wer kennt das Original, orientiert sich beim Kopieren bewusst daran, spielt das memetische Spiel willentlich mit? Und wer nicht? Aber vielleicht muss das auch nicht endgültig beantwortet werden. Solange es was zu rätseln gibt, bleibt die Spannung erhalten. </p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a0d65f2f-121f-4693-a5e3-57e73a08cf5b/uploads/images/jxi6rxrrfo/Design_ohne_Titel%2817%29.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Originalität</p><p><strong>(E4) </strong>Die Popularität des Gegensatzpaars von Original und Kopie liegt in der Einfachheit. Der Gegensatz sortiert und verleiht Klarheit - gerade da, wo vieles vielleicht gar nicht so klar ist (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/de805cd8-b273-4b49-a63d-f782735b5b8f">siehe Mehrdeutigkeits-Folge aus der vergangenen Woche</a>).</p><p>Am Beispiel der RUN DMC-Referenzen kann man aber wunderbar illustrieren, dass dieser einfache Gegensatz so nicht existiert. Es ist nicht einzig die Vorlage gut und alle Vervielfältigungen schlecht. Vielmehr kann man erkennen, manche sind richtig gut und andere eher langweilig. <strong>Woran das liegt? An der Originalität! </strong></p><p>Ich finde den Begriff stärker als jeden Aura-Versuch. Denn auch Kopien können Originalität aufweisen - RUN DMC zeigt: sogar außerordentlich viel. Deshalb glaube ich, dass wir im Sinne eine zukunftsgewandten Kopierkompetenz zu einem skalierten Begriff des Originals kommen müssen: <strong><mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit">Wir müssen Originalität lernen!</mark></strong> Und das bezieht sich weniger aufs Produzieren als aufs Konsumieren von Kunst. Erkenntnis findet sich weniger im Gegensatz Original vs. Kopie, sondern viel mehr in der Originalität jeden Werks.</p><p>Schon im <a href="https://www.dirkvongehlen.de/mashup/">Lob der Kopie</a> habe ich deshalb vorgeschlagen,…</p><blockquote><p>dass man sich von der einfachen Unterscheidung, die nur ein ja oder nein kennt, verabschiedet. Es geht nicht mehr um die klare Trennung zwischen Original und Kopie, sie ist zu einem fließenden Übergang geworden, den man nur mit einer skalierten Beurteilung zu fassen bekommt. An Stelle von einfachen Schwarz-Weiß-Entscheidungen treten Steigerungsformen und Abstufungen, die sich am Grad der Originalität orientieren. Man sollte also von eher schwachen und eher starken Originalen sprechen – je nach dem, wie eng sich ein Werk an seine Quellen und Vorgänger anlehnt, wie kreativ der Üertrag auf einen neuen Kontext ist und wie originell die Bezugswelten sind, die dadurch eröffnetwerden. Dieses veränderte Verständnis der Originalität schlage ich auch deshalb vor, weil dadurch die Bezüge, Anleihen und Referenzen eine Berücksichtigung finden können, auf die im Prozess des Schaffens zurückgegriffen werden.</p></blockquote><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Antje Schomaker hat Wir sind Helden gecovert - <a href="https://www.instagram.com/p/DXXGkLPodNx/">aber leider nur auf Instagram</a>. Vielleicht wird der Song noch einzeln veröffentlicht?</p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 22 Apr 2026 16:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Across the Universe (15/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Ein sowohl-als-auch-Kapitel mit dem Beginn von smypathischs Beatles-Freude - außerdem der Koapierbegriff der Woche: Pastiche]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mehrdeutig wird es in dieser Folge, liebe Koapier-Community!</strong></p><p>“<em><mark style="background-color: rgb(242, 221, 236); color: inherit">Nothing gonna change my world</mark></em>” texteten John Lennon und Paul McCartney irgendwann in den 1960er Jahren in dem Song, der im Jahr 2015 aber genau das tat: Das Leben von Marie Lina Smyrek sehr grundlegend verändern. </p><p>“<a href="https://www.youtube.com/watch?v=jfVOmE1yoRo">Across the Universe</a>” ist somit ein schönes Beispiel dafür, dass Dinge häufig zwei Seiten haben. </p><p>Musik-Streaming zum Beispiel.</p><p>Darüber spricht Marie in dieser Folge. Dass sie zudem <mark style="background-color: rgb(242, 221, 236); color: inherit">die erste Person ist, die für ein Tiktok-Format (</mark><a href="https://www.funk.net/formate/smypathisch-12273"><mark style="background-color: rgb(242, 221, 236); color: inherit">smypathisch</mark></a><mark style="background-color: rgb(242, 221, 236); color: inherit">) einen Fernseh-Grimme-Preis bekommen hat</mark>, passt wunderbar in dieses mehrdeutige Kapitel, in dem ich weiter unten Mehrdeutigkeit in den vermeintlichen Dualismus von Original und Kopie bringen will. Dabei hilft mir Wolfgang Ullrich, der gerade ein neues Buch veröffentlicht hat (<a href="https://ideenfreiheit.wordpress.com/">Memokratie</a>), das ich genauso empfehlen möchte wie smypathischs Videos - besonders die aktuelle Folge <a href="https://www.youtube.com/watch?v=QNiaZPXpM6Q">mit dem mehrdeutigen Bezo/Rezo</a>.</p><p>Mehrdeutig ist auch der Streit um den Song <a href="https://www.youtube.com/watch?v=9RUbxEO-A-w">“Nur Mir”</a> von Sabrina Setlur. In dieser Woche deutet sich nun eine Wendung in der Sample-Auseinandersetzung zwischen Produzent Moses Pelham und der Band Kraftwerk an - auf den damit zusammenhängenden Begriff <strong><em>Pastiche</em></strong> gehe ich ganz am Ende dieser Folge ein.</p><p><strong>Mehrdeutige Freude bei der Lektüre wünscht</strong><br/>Dirk<br/></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Across Universe</p><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=CmlnO1EwCT4"><em>„Across the Universe“ (Fiona Apple)</em></a><em> - vorgeschlagen Marie Lina Smyrek, </em><a href="https://www.instagram.com/marielinasmy/"><em>die im Web als “smypathisch” bekannt ist</em></a><em>. Im Jahr 2023 gewann sie als erster TikTok-Kanal jemals den Fernseh-Grimme-Preis.</em></p><p>2015 ploppte auf meinem iPhone 5s eine Meldung auf, die im ersten Moment sowohl nervig als auch verlockend war. „Apple Music Probeabo - jetzt 3 Monate kostenlos testen!“ Apple Music hatte Glück, denn 2015 war auch das Jahr, in dem ich Spotify ausprobiert und mit den signifikanten Farben schwarz/grün für vor allem ästhetisch abstoßend befunden hatte. Ich meldete mich an, Familienabo über die Kreditkarte meiner Mutter, eine Familieninvestition also, sollte es nach der Probephase überhaupt weitergehen.</p><p>Ich musikalisch also endlich frei. Nachdem der Download meiner großen Lieblingssongs abgeschlossen war, stöberte ich in einer den ominösen Apple Playlists „New Music Daily“ oder der perfekt auf mich zugeschnittenen Liste „Für dich“ und stolperte über ein Lied, das mir ein sehr großes Geschenk machte.</p><p>„Across the Universe - Fiona Apple“. Eine 1998-<a href="https://www.youtube.com/watch?v=jfVOmE1yoRo">Coverversion eines Beatles Songs</a>, auf dem Soundtrack von „Pleasantville“, ein Comedyfilm, in dem Tobey Maguire und Reese Witherspoon ein Abenteuer in der Welt ihrer Lieblingsserie erleben. Der Song interpretiert von Fiona Apple, das Arrangement und die Stimme waren glockenklar. Weder das Cover noch der Titel, der mit der obligatorischen Klammerinformation (from the Original-Soundtrack…) negativ ins Auge fiel, sprachen dafür, doch ich war mir sicher, das schönste Lied der Welt zu hören. </p><p>Natürlich war mir noch nicht klar, dass es sich hier um eine Coverversion handelt, meine Beatles-Kenntnisse umfassten damals noch nicht annähernd das Maß, das für ein gutes Leben notwendig ist. Mir war aber klar: Dieser Song ist magisch und ungefähr so muss es sich im Himmel anhören.</p><p>Wenn mich heutzutage jemand fragt, wann meine allgegenwärtige Beatles-Obsession begann, sage ich so etwas wie „irgendwann im Abi, auf jeden Fall mit 17.“ und unterschlage damit, dass ich ganz genau weiß, wann es um mich geschehen ist. Dieser Tag, an dem ich die Coverversion von „Across the Universe“ hörte, wird der Tag gewesen sein. An diesem Tag war eine Coverversion so überzeugend, dass ich direkt weitere hundert Lieder des Originalinterpreten hören wollte und ich hatte für den Zeitraum von mindestens drei Monaten auch noch den legalen Zugriff auf alles, was ich für meine neue Begeisterung brauchte.  </p><p>So furchtbar unfair und schlimm Musik-Streaming also heute ist und so sehr ich auch jedem aus den Generationen über mir glaube, wie besonders sich Musik damals anfühlte, weil „man was in der Hand hatte“ oder „wir warteten bis ein Lied im Radio lief“, so dankbar bin ich doch für den blöden Algorithmus, der mir einen Cover-Song aus 1998 vorschlug, den ich sonst vielleicht erst Jahre später gehört hätte und damit wertvolle Jahre verloren hätte. </p><p>Fiona Apple öffnete mir die Pforten in den Beatles-Himmel. Danke also an Fiona Apple, Apple Music und Apple Corps! </p><p></p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a0d65f2f-121f-4693-a5e3-57e73a08cf5b/uploads/images/jxi6rxrrfo/Design_ohne_Titel%2817%29.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Sowohl als auch</p><p><strong>(E7)</strong> Die Welt der Kopie ist vermeintlich einfach: hier die Vorlage (gut) dort die Vervielfältigung (schlechter). So zeigte sich das Verhältnis von Original und Kopie jahrhundertelang - als klarer Gegensatz, der einer eindeutigen zeitlichen Abfolge gehorcht: Erst das Original, dann die Kopie.</p><p>Wer so denkt, findet schnell die Unterscheidung zwischen wahr und falsch, zwischen echt und künstlich. Dieses Differenzen bestimmen nahezu alle gegenwärtigen Debatten digitaler Medienkompetenz: Intelligenz (künstlich vs. menschlich), Fakten (wahr vs. falsch) und sogar das Leben (real vs. online) werden in dieses von der Original-Diskussion geprägten Muster gepresst.</p><p>Für Mehrdeutigkeiten ist da wenig Platz. Doch ohne Mehrdeutigkeit entsteht keine Erkenntnis - und erst recht keine Meinungsänderung, die die Grundlage für Fortschritt ist. <mark style="background-color: rgb(242, 221, 236); color: inherit">Zu Kopierkompetenz zählt deshalb die Bereitschaft, den eindeutigen aber eindimensionalen Dualismus von echt und unecht zu überwinden</mark>. Oder um es mit Wolfgang Ullrich zu sagen: „Es wäre schon viel erreicht, wenn man im Original künftig nicht mehr nur das Unmittelbare und Ursprüngliche suchte, sondern darin zugleich das Anfängliche, noch Unfertige und Unvollkommene sähe.“</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>… ist schon eine ganze Menge: </strong>Mit dieser Folge erreichen wir bereits das 15. Kapitel im Kopieren-kapieren-Projekt. Ein guter Zeitpunkt, <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/be8d5a63-1a3f-45a7-bc6a-756d6ad9952b">mal wieder auf die Übersicht zu schauen</a>.</p><p>Außerdem hat mich <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/23a353b6-18e0-4c60-880a-a627b5feb1a9">Katrin Huth heute</a> auf eine sehr schöne Cover-Version von “Dreams“ von den <em>Cranberries</em> hingewiesen: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=__wIicOBPyc">Meg Lui hat gemeinsam mit Sufjan Stevens ihre Version veröffentlicht</a>.</p><p>Und der Koapier-Begriff der Woche lautet natürlich: <a href="https://irights.info/artikel/pastiche-gutachten-till-kreutzer/31615">Pastiche</a>. Denn dieses Wort schickt sich an, einen jahrzehntealten Streit ums Kopieren zu lösen. Gestern wurde die Pastiche-Schranke jedenfalls mehrfach zitiert als es um die Nutzung eines Samples aus dem Kraftwerk-Song “Metall auf Metall” aus dem Jahr 1975 ging: “<strong><mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit">Das Kopieren von Musiksequenzen, sogenanntes Sampling, kann laut dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) als sogenanntes Pastiche ohne Erlaubnis der Rechteinhaber zulässig sein</mark></strong>”, heißt es in der <a href="https://www.sueddeutsche.de/politik/musik-wie-weiter-im-streit-um-kraftwerk-beat-eugh-setzt-massstaebe-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-260414-930-942697">zugehörigen dpa-Meldung</a>.</p><p>Die Juristen <a href="https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/eugh-c59023-metall-auf-metall-kraftwerk-pelham-pastiche-dialog">Greta Sparzynski und Tarmio Frei stellen dazu nun heute fest</a>:</p><blockquote><p>Die Implikationen der Entscheidung reichen weit über den Einzelfall des Samplings hinaus. Denn was der EuGH zum Pastiche-Begriff entscheidet, betrifft künstlerische Übernahmen insgesamt – von der Malerei über Fotografie bis hin zu digitaler Kunst.</p></blockquote><p>Das Thema wird uns weiter beschäftigen. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=CmlnO1EwCT4">Jetzt aber nochmal zurück zum schönsten Lied der Welt</a>.</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/de805cd8-b273-4b49-a63d-f782735b5b8f/teaser_image/1775135934?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 15 Apr 2026 16:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Man Next Door (14/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Ein Kapitel über digitale Nachbarschaft von Menschen und Maschinen - mit einem Musiktipp von dem Erfinder des Begriffs Interpolation]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie fröhlich kann eine E-Mail machen, liebe Koapier-Community?</strong></p><p>Sehr. Jedenfalls war ich sehr fröhlich als ich die Antwort von Blake bekam, die die Grundlage dieses Kapitels bildet. So fröhlich, dass ich diese Begeisterung <s>mit euch teilen</s> für euch kopieren möchte. Denn <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">das ist der Zauber, den digitale Dateien mit Freude, Liebe und Vertrauen teilen: sie wachsen wenn man sie teilt</mark>. <br/><br/>✨Lob der Kopie ✨</p><p>Also erzähle ich euch von der Mail von Blake. Er ist der Mann, von dem ich den Begriff <em>Interpolation</em> gelernt habe. Unter seinem Produzenten- und DJ-Namen <em>Luxxury</em> hatte er diese Form der musikalischen Kopie so bekannt gemacht, dass er im Netz auch als <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Mr. Interpolation</mark> bezeichnet wird. Ich bin großer Fan seines Podcasts <a href="https://luxxury.com/one-song">One Song</a> und <em>niemals nie</em> hätte ich gedacht, dass er sich mal fürs <strong><em>Kopieren kapieren</em></strong> interessieren würde.</p><p>Aber wann immer du <em>niemals nie</em> denkst, solltest du es probieren. Diese Lehre ziehe ich aus der vergangenen Woche: Ich schrieb Blake eine Mail. Denn dank dieser wunderbaren digitalen Nachbarschaft namens Internet, bin ich nicht nur Fan, ich kann auch quasi <em>next door</em> anklopfen - und Blake <s>öffnete</s> antwortete: “<strong><em><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">love the concept, happy to participate</mark></em></strong>”</p><p>Verstanden zu werden, ist eines der schöneren Gefühle. Es ist sozusagen ein indirekter Heureka-Moment, bei du nicht selbst etwas erkennst, sondern erkannt und damit verstanden und gesehen wirst. Und genau diese Heureka-Fröhlichkeit möchte ich heute in dein Postfach kopieren: einer der bekanntesten Musik-Erklärer im Internet mag unser kleines Projekt hier - und macht sogar mit.</p><p>Dass ich dank Blake nun seit Tagen “Massive Attack” (wieder)höre, ist ein weiterer fröhlicher Nebenaspekt dieser wunderbaren Mail.</p><p><strong>Fröhliches Erkennen &amp; Erkanntwerden</strong><br/>Dirk<br/></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Man Next Door</p><p><em>“</em><a href="https://www.youtube.com/watch?v=S71_vIMQ0YY"><em>Man Next Door</em></a><em>” von Massive Attack - vorgeschlagen von Blake Robin, der als </em><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Luxxury"><em>Musik-Produzent und -Exklärer Luxxury</em></a><em> bekannt ist und zum Beispiel im </em><a href="https://luxxury.com/one-song"><em>Podcast One Song</em></a><em> Hintergründe zu Lieder offenlegt.</em></p><p>John Holt hat seine Komposition „Man Next Door (Quiet Place)“ offenbar an dem Song „A Quiet Place“ von <em>Garnett Mimms &amp; The Enchanters</em> aus dem Jahr 1964 orientiert; tatsächlich haben die beiden Songs jedoch nur wenige Textzeilen gemeinsam. Seine Aufnahme dieses Songs aus dem Jahr 1968 mit seiner Gruppe <em>The Paragons</em> besticht durch wunderbar paranoide Texte und eine Melodie in Moll, deren Düsternis nur geringfügig durch den beschwingten Rocksteady-Groove des Songs überdeckt wird.</p><p>1981 nahm die Band eine Neuauflage des Songs mit dem neuen Titel „Indiana Jones“ auf, die von Sly und Robbie abgemischt wurde. Die Fragmentierung von Gesang und Synthesizern sowie die allgemeine Betonung des Raums durch Delay- und Hall-Effekte verstärken das Gefühl der Entfremdung, das der Song vermittelt.</p><p>Der wunderbare Horace Andy coverte den Song einige Male mit seiner unverwechselbaren, rauen, bebenden Stimme, darunter ein Soloauftritt Mitte der 1970er Jahre und am bekanntesten mit der Trip-Hop-Band <em>Massive Attack</em> (deren Version Samples sowohl von Led Zeppelin als auch von The Cure enthält) auf deren unglaublicher LP „Mezzanine“ von 1998.</p><p>Und schließlich nahm die Post-Punk-Band <em>The Slits</em> 1980 eine fantastische Coverversion auf, darunter auch eine Dub-Version, beide produziert vom in Großbritannien lebenden jamaikanischen Produzenten Dennis „Blackbeard“ Bovell. Von Rocksteady über Dub bis hin zu Post-Punk und Trip-Hop bewahrt der Song eine durchgehende unheimliche Spannung, während jeder Künstler ihm auf seine ganz eigene Weise etwas hinzufügt.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a0d65f2f-121f-4693-a5e3-57e73a08cf5b/uploads/images/jxi6rxrrfo/Design_ohne_Titel%2817%29.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Interpolation</p><p><strong>(D5)  </strong>Es geht um eine Möglichkeit, sich an einem fremden Song zu bedienen, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=xgUtciTIH9A">sagt der Mann mit der rotgetönten Sonnenbrille</a>: “Das wird oft mit Sampling verwechselt. Beim Sampling nutzt man die Aufnahme eines Lieds. Bei der Interpolation geht es nicht um die Aufnahme, stattdessen bedient man sich an der Komposition.” Der Mann, der das sagt heißt Blake Robin und sitzt gerade in seinem Studio in Los Angeles. Hier filmt er Videos, in denen er Songs und ihre DNA analysiert. Besonders das Phänomen der Interpolation erklärt er dabei so häufig, dass das Wort eng mit ihm verbunden ist. Arte Tracks hat Blake deshalb in Los Angeles besucht, denn die Form des Nachspielens von Melodien, Songszeilen und Stimmungen ist seit rund zehn Jahren einer der populärsten Trends in der Popmusik. </p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=xgUtciTIH9A"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f929d1b8-f992-4d13-b84f-6c9ba20a9752/uploads/images/zrj5nskq4r/Bildschirmfoto_2026-04-03_um_08.05.22.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Blake Robin"/></a><p>Das hat einerseits einen wirtschaftlichen Aspekt, weil Musikrechte verkauft und deshalb fürs Sampling schwieriger nutzbar wurden - wie der Popjournalist Ted Gioia <a href="https://www.theatlantic.com/ideas/archive/2022/01/old-music-killing-new-music/621339/">in einem bekannten Atlantic-Text im Jahr 2022</a> beschrieb. Aber das interpolierte Referenzieren von Musik hat auch einen kulturellen Antrieb, es ist eine Art “Pop-Punk” geworden, wie Blake in seinem Studio Los Angeles erzählt: “Manchmal kommt Interpolation aus einem Instinkt heraus, du lässt dich inspirieren und versuchst davon ausgehend neue Wege zu gehen.”</p><p>Das ist allerdings kein Diebstahl (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/23a353b6-18e0-4c60-880a-a627b5feb1a9">dass der Begriff schwierig ist, wurde bereits hier thematiert</a>) oder Etikettenschwindel. Es geht um die bewusste Referenz. </p><p>In einem großen Beitrag über das Phänomen des Interpolierens in der Popmusik kommt der Journalist Christoph Möller <a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/interpolation-in-der-popmusik-die-lust-an-der-wiederholung-100.html">im November 2016 in Deutschlandfunk-Kultur</a> zu dem Schluss: “Vielleicht ist der Pop-Trend 2016 also nicht das Interpolieren, sondern die neue Ehrlichkeit gegenüber musikalischen Einflüssen.” Denn das Erkennen der Vorlage ist kein Überführen eines Übeltäters, sondern das Verstehen eines Witzes - ein gemeinsames Erkennen und Erkannt werden (siehe hierzu auch <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/ba2ef81b-bc50-4777-8e0a-3f324a0a92d4">die Ironie-Metapher aus Folge 11</a>).</p><p>Interpolieren hat in der Popmusik als kreative Folgen. Es schafft aber auch eine Herausforderung für die Kopierkompetenz: das Verstehen der Referenz, die nicht einfach 1:1 gesamplet, noch nachgespielt und imitiert ist.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>…ich denke weiterhin über die Frage nach: </strong><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/a0d65f2f-121f-4693-a5e3-57e73a08cf5b">Ist das Übersetzen von Texte eine Kopie in anderer Sprache?</a> Danke für die Rückmeldungen zur letzten Folge.</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/f929d1b8-f992-4d13-b84f-6c9ba20a9752/teaser_image/1774958844?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 08 Apr 2026 16:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Hey Joe (13/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Die Kopie ist der Normalzustand - diese Perspektive wird nirgends so deutlich wie bei Übersetzungen, illustriert von Jochen Adlers Songvorschlag]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Bonjour, liebe Koapier-Community!</strong></p><p>Diese Folge wird französisch und übersetzt. Es geht um die Übertragung von Inhalten in andere Sprachen. Handelt es sich dabei um Kopien?</p><p>Zu Beginn unserer gemeinsamen Reise <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df">habe ich mal drei Punkte definiert, die eine gute Kopie ausmachen</a>. Du kannst ja mal bis zum Fuß dieser Folge darüber nachdenken, ob eine Übersetzung eine Kopie ist oder nicht.</p><p>Mir jedenfalls kam der Gedanke, dass das, was ich hier mache, ja auch eine Form der Übersetzung sein kann: ich übertrage einen musikalischen Impuls in eine Koapier-Erkenntnis. Zumindest versuche ich das.</p><p>In dieser Folge verdanken wir den Impuls dazu Jochen Adler, der “Hey Joe” vorstellt - und uns übersetzt, was daran spannend ist. Jochen ist nämlich Gründer von <a href="https://kompreno.eu/">kompreno</a>, einem europäischen Netzwerk für hochwertigen Journalismus.</p><p><strong>Fröhliches Übersetzen</strong><br/>Dirk<br/></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Hey Joe</p><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=rXwMrBb2x1Q"><em>“Hey Joe” von Johnny Hallyday</em></a><em> - vorgeschlagen von Jochen Adler. Er ist Gründer von </em><a href="https://kompreno.eu/"><em>kompreno</em></a><em>, einem europäischen Netzwerk für hochwertigen Journalismus. Das Team schließt Partnerschaften mit Medienhäusern aus 15 Ländern und macht herausragende Analysen, Reportagen und Kommentare über Sprach- und Ländergrenzen hinweg zugänglich – kuratiert, übersetzt und gebündelt in einem einzigen digitalen Zugang. kompreno steht für Orientierung, Vielfalt und Vertrauen in Zeiten von KI, Dauerkrisen und Informationsüberfluss – und für eine nachhaltige Finanzierung des besten Journalismus Europas.<br/>​</em></p><blockquote><p><strong>&quot;Where you goin’ with that gun in your hand?&quot;</strong></p></blockquote><p>Es gibt Songs, die sich zeitlich nicht binden lassen. “Hey Joe” gehört für mich dazu. Irgendwann war er da - und ist geblieben.</p><p>Ich war Teenager. Anfang der 1990er, auf der Tour zu seinem Debütalbum, mit Songs wie “Killer” und “Crazy”, hatte <a href="https://www.youtube.com/watch?v=5OzOCoigjE8">Seal auch ein Cover dieses Klassikers im Gepäck</a>. Seine Stimme verlieh der Blues-Rock-Performance seiner Band eine einzigartige Dramaturgie, schon in der ersten Zeile der ersten Strophe.</p><blockquote><p><strong>&quot;I’m goin’ down south, way down to Mexico&quot;</strong></p></blockquote><p>„Hey Joe“ ist von Anfang an kein Original im romantischen Sinn. Die Autorenschaft ist diffus, der Song hat seinen Ursprung als Folk-/Blues-Stück. Das erklärt vielleicht auch seinen Zauber, durch den er so archaisch-ursprünglich daherkommt.<br/><br/>Erst The Leaves (1965) und dann natürlich Jimi Hendrix (1966) machten aus der Erzähung einen Mythos. Jimi Hendrix hat den Song nicht erfunden. Aber er hat ihn elektrifiziert, dramatisiert, ikonisiert.</p><p>Ein Remix — lange bevor es dieses Wort gab.</p><blockquote><p><strong>&quot;Ain’t no hangman gonna put a rope around me&quot;</strong></p></blockquote><p>Lange habe ich geglaubt, damit sei die Geschichte erzählt. Folk wird Rock, Rock wird Mythos.</p><p>Bis mir – viel später – eine Version begegnete, die den Song nicht weiter verstärkt, sondern verschiebt. Nicht nach Süden, sondern in eine andere Sprache, eine andere Kultur.</p><p>Johnny Hallyday, Frankreich, 1967.</p><p>Stolz und eigenständig: Hallyday kopiert nicht „den Amerikaner“, sondern integriert ihn in eine selbstbewusste französische Rock-Tradition.</p><blockquote><p><strong>&quot;Cours pas comme ça, dis, y a pas le feu chez toi.&quot;</strong></p></blockquote><p>Er vertont nicht nur neu, er übersetzt die Lyrics, passt sie an. Durch den französischen Liedtext verändern sich Rhythmus und Betonung, vor allem aber die Emotionalität. Das Stück wird weniger Road Movie, mehr Chanson noir. </p><p>Hallyday hat den Song “demokratisiert”, für ein französisches Publikum teils ohne Englischkenntnisse.</p><blockquote><p><strong>&quot;Dis-moi, où tu vas avec ton cœur aujourd’hui ?&quot;</strong></p></blockquote><p>Dieser Gedanke lässt mich nicht los. Denn Übersetzungen werden oft als minderwertige Kopien betrachtet, als Abklatsch. Klar: Eine Netflix-Serie oder einen James-Bond-Film schauen viele von uns lieber im (meist englischen) Original. Aber ist das nicht eine unheimlich privilegierte, sogar überhebliche Position?</p><p>Wenn es um Wissen geht, um Verständnis und Verständigung, um Neuartiges aus Nischen, um überraschende Erkenntnisse... dann ist Übersetzung doch der Schlüssel:</p><p>Dann ist eine Übersetzung sogar noch wertvoller als das Original.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a0d65f2f-121f-4693-a5e3-57e73a08cf5b/uploads/images/jxi6rxrrfo/Design_ohne_Titel%2817%29.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Normal-Kopie</p><p><strong>(E1) </strong>Die Transformation, die wir Digitalisierung nennen, bewegt sich von den Punkten “historische Ungeheuerlichkeit” zu “Normalzustand”. Jedenfalls möchte ich mit diesem Projekt hier genau diesen Weg beschreiben: die digitale Kopie ist für mich eine historische Ungeheuerlichkeit. Erstmals in der Menschheitsgeschichte können Inhalte vom Datenträger gelöst und identisch dupliziert werden. Wir sind noch dabei, das zu verarbeiten, da sollen wir schon damit umgehen, dass die Kopie zur Normalität geworden ist.</p><p>In der Liste der Kopier-Kompetenz-Fähigkeiten steht für mich jedenfalls genau das ganz oben: zu erkennen, dass alles Kopie ist. Im Umgang mit Medien hilft <a href="https://steady.page/de/692deb47-7f0f-42b7-9a3c-3a07d8e56e65/posts/d6411281-736f-4c49-9a53-4301ad4b832a">diese Kompetenz</a> im Umgang mit Inhalten: ich halte erstmal alle für kopiert und betrachte sie skeptisch.</p><p>Besonders deutlich wird die Normalität der Kopie an unserem Umgang mit fremden Sprachen: Natürlich ist eine Übersetzung keine direkte eins-zu-eins-Kopie und dennoch ist ein gewisser imitierender Charakter nicht zu unterschlagen. Der Übertrag in eine andere Sprache hat sich - auch durch den technischen Fortschritt - immer mehr zur Normalität entwickelt. Und so selbstverständlich wie Streaming-Dienste ihre Serien in allen möglichen Sprachen anbieten, so selbstverständlich ist die Kopie im digitalen Ökosystem geworden.</p><p>Vielleicht ist das ein guter Startpunkt zur Entwicklung von Kopierkompetenz: die Kopie als Normalzustand anzusehen.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>…es gibt mal wieder Kopien von der BBC. </strong>In der BBC1-Livelounge waren jetzt wiederholt Künstler:innen zu Besuch, die ihre neue Musik bekannt gemacht haben, in dem sie alte Musik gecovert haben: Diese Woche spielt Noah Kahan ein Sam Fender-Cover und anschließend einen neuen Song. Hier “<a href="https://www.youtube.com/watch?v=8cXPHc6iClM">Rein Me In</a>” anhören.</p><p>Außerdem möchte ich euch mit Blick auf das anstehende Oster-Wochenende an die schöne biblische Geschichte erinnern, in der Jesus Fische und Brot <s>vermehrt</s> kopiert. Wer Begeisterung fürs Koapieren verspürt, kann die <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wundersame_Brotvermehrung">Geschichte der Wundersamen Brotvermehrung</a> ja mal wieder nachlesen.</p><p><a href="https://www.dirkvongehlen.de/ich/ostereier-der-erinnerung-ueber-kreativitaet-und-referenzen/"><strong>Frohe Ostern</strong></a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 01 Apr 2026 16:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[As It Was (12/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Kopierkompetenz für bessere Debatten -und das kleinste Buch zum größten Musik-Event von Lukas Heinser]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Dass dieser Newsletter eine feste Anfangszeit hat, </strong><br/><strong>liebe Koapier-Community,</strong></p><p>wirkte vielleicht anfangs nur wie eine Spielerei. Heute sehen wir an einem ganz konkreten Beispiel wie dieses Denken das Publizieren eines Buchs (das dieser Newsletter ja vielleicht auch irgendwie ist*) verändern kann. Denn niemals könnte ich diesen Satz in ein gewöhnliches Buch schreiben, hier aber funktioniert er prima: <strong><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Unser heutiger Gast geht in 90 Minuten gemeinsam mit Stefan Niggemeier live auf seinem Instagram-Kanal* um sein jüngstes Buch zu feiern. </mark></strong>Begrüssen Sie mit mir: Lukas Heinser! Autor des <a href="https://www.lukasheinser.de/buch02/">kleinsten Buchs zum größten Musikereignis</a>.</p><p>Dass Stefan Niggemeier dabei ist, erwähne ich deshalb weil die <a href="https://re-publica.com/de/news/rp26-sprecher-dirk-von-gehlen-stefan-niggemeier-besser-diskutieren">re:publica diese Woche angekündigt hat</a>, dass auch ich gemeinsam mit ihm “live” sein darf: auf der Bühne der größten Internet-Konferenz im Mai in Berlin. <a href="https://re-publica.com/de/news/rp26-sprecher-dirk-von-gehlen-stefan-niggemeier-besser-diskutieren">Wir wollen über bessere Diskussionen sprechen</a>. Vielleicht kommst du ja auch.</p><p>Jedenfalls hat mich dieser Bezug zu Lukas mehr zur aktuellen kapiert-Folge inspiriert als das “As It Was”-Original von Harry Styles. Sie handelt zumindest indirekt auch von besseren Diskussionen: Es geht mal nicht um kopierte Inhalte, sondern um kopierte Accounts.</p><p>Jetzt aber zu Lukas’ Vorschlag, der natürlich einen ESC-Bezug hat - und ein sehr schöner Ohrwurm ist.</p><p><strong>Wünsche Euch beste Kopier-Kompetenz!</strong><br/>Dirk<br/>P.S.: Die *-Sterne löse ich ganz am Ende auf. An dieser Stelle danke ich aber schon mal für Eure tollen Antworten auf <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/ba2ef81b-bc50-4777-8e0a-3f324a0a92d4">meinen moped-Abschlussgag von vergangener Woche</a>!</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>As It Was</p><p><strong><em>“</em></strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=H5v3kku4y6Q&amp;list=RDH5v3kku4y6Q"><strong><em>As It Was</em></strong></a><strong><em>” (Harry Styles) in </em></strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=9D6uCMMhT9w&amp;list=RD9D6uCMMhT9w"><strong><em>der Version von Maro</em></strong></a><strong><em>. Vorgeschlagen von Lukas Heinser, geboren 1983. Er ist freier Autor und Journalist aus Bochum. Seit 2007 betreibt er das popkulturelle Blog </em></strong><a href="http://coffeeandtv.de/"><strong><em>coffeeandtv.de</em></strong></a><strong><em>, von 2010 bis 2014 leitete er das medienkritische BILDblog. In den Jahren 2010 bis 2012 berichtete er gemeinsam mit Stefan Niggemeier in Videoblogs (Oslog, Duslog, Bakublog) vom Eurovision Song Contest, seit 2013 ist er als Assistent des deutschen Kommentators (erst Peter Urban, seit 2024 Thorsten Schorn) ganz nah dran am Geschehen. Er hat schon mehrere verschiedene Podcasts moderiert und produziert und verschickt seit 2016 seinen eigenen Newsletter </em></strong><a href="https://steady.page/de/einheinser/posts"><strong><em>„Post vom Einheinser“</em></strong></a><strong><em>.</em></strong></p><p><strong><em><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Sein Buch zum ESC erscheint: </mark></em></strong><a href="https://www.lukasheinser.de/buch02/"><strong><em><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Heute!</mark></em></strong></a></p><p>Ich versuche den Menschen schon seit Jahren zu erklären, dass der Eurovision Song Contest längst nicht mehr diese lustige Quatsch-Veranstaltung ist, als die er vielleicht in den 1990er und 2000er Jahren nicht ganz zu Unrecht galt (und schon gar nicht ein übel beleumundeter „Schlager-Grand-Prix“). Gerade seit der Corona-Zwangspause 2020 ist der ESC für mich wirklich das, als was er mal erfunden wurde: ein Festival des zeitgenössischen europäischen Popsongs. Wer am Ende eines ESC-Abends nicht wenigstens einen Song mindestens okay fand, mag vielleicht einfach gar keine Musik.<br/><br/>Besonders angetan hat es mir die Musik von Maro aus Portugal, die 2022 in Turin mit ihrem phantastischen Song <a href="https://www.youtube.com/watch?v=eQul-rkcGPQ">„Saudade, Saudade“</a>, einer akustischen Ballade über ein spezifisch portugiesisches Gefühl, auf Platz 9 gelandet war, und deren Schaffen ich seitdem engagiert verfolge.<br/><br/>Maro heißt eigentlich Mariana Secca, sie wollte ursprünglich Tierärztin werden, entschied sich dann aber doch für die Musik und studierte am renommierten Berklee College of Music in Boston und zog nach Los Angeles, kehrte im Zuge der COVID-19-Pandemie aber wieder nach Portugal zurück. Seit 2018 hat sie fast jährlich neue Alben veröffentlicht, zuletzt Ende Januar „So Much Has Changed“, das den typischen Maro-Sound (filigrane Gitarren, introspektive Texte, organische, aber auch experimentelle Sounds, viel Melancholie und ein leicht verschlafen vernuschelter Gesang) weiterentwickelt. Erst gerade war sie in Deutschland auf Tour.<br/><br/>Im vergangenen Jahr hat sie eine EP mit Akustik-Live-Versionen herausgebracht. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=9D6uCMMhT9w&amp;list=RD9D6uCMMhT9w">Darauf auch eine Coverversion von „As It Was“ von Harry Styles, dargeboten gemeinsam mit Charlotte Cardin und der französischen Sängerin November Ultra</a>.<br/><br/>Nun ist Harry Styles, gerade in den Wochen nach seinem jüngsten Album-Release, natürlich ein Popkultur-Phänomen, das weit über seine Musik hinausstrahlt. (Spötter würden sagen: Er war immer schon mehr Meme als Popstar.) Aber so, wie Maro und ihre Kolleginnen <a href="https://www.youtube.com/watch?v=H5v3kku4y6Q&amp;list=RDH5v3kku4y6Q">den Song</a> singen, klingt er noch mal ganz anders: Ohne das „Take On Me“-Keyboard, mit weniger Spannungsbogen, einer ähnlichen, aber doch ganz anderen Entrückung in der Stimme. Wenn sie in perfekter Harmonie „<em><mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">In this world it’s just us</mark></em>“ deklamieren, glaubt man, dass es wirklich eine sehr überschaubare Anzahl von Menschen (am Ende womöglich gar zwei) geben könnte, die alleine, zumindest aber anders als der ganze Rest sind. Und es klingt nach einem Versprechen.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Kopier-Kompetenz</p><p><strong>(E9) </strong>Der Satz klingt so einfach und doch vergessen wir ihn oft: “<a href="https://www.dirkvongehlen.de/netz/maschinen-sind-keine-menschen-zehn-medienkompetenz-erinnerungen/">Maschinen sind keine Menschen</a>!” ist die wichtigste Richtschnur für eine Form der Medienkompetenz, die ich Kopierkompetenz nennen würde. Gemeinsam mit dem Wissen um die Tatsache, <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/c46d6dfa-ca24-446c-afc6-784c4ff450a1">dass digitale Güter keine rivalen Güter sind</a>, ist sie eine bedeutsame Orientierungshilfe im digitalen Ökosystem und sie wird am Ende ein ganzes Kapitel einnehmen.</p><p>Maschinen sind keine Menschen - erinnert uns daran, dass all die Zahlen, die Social-Media-Plattformen <s>veröffentlichen</s> sich ausdenken, nicht von Menschen, sondern von Accounts handeln. Und ein Account ist nicht zwingend ein Mensch. <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Deshalb sind nicht alle Follower Menschen, nicht alle Likes stammen von Menschen und auch bei den Kommentaren solltest du bedenken: Sie müssen nicht zwingend von einem Menschen stammen</mark>.</p><p>Bei Kommentaren und anderen Inhalten sind wir vielleicht sensibilisiert, dass sie nicht stimmen können. Denn über Fake-Inhalte sprechen wir vergleichsweise oft. Über Fake-Accounts hingegen sprechen wir nicht so häufig. Dabei sind ihre toxischen Folgen nicht weniger schlimm: Denn sie verzerren unsere Wahrnehmung mindestens so sehr wie Lügen und Hass.</p><p>Daran zu erinnern, dass <a href="https://www.dirkvongehlen.de/netz/follower-dilemma-warum-wir-aufhoeren-sollten-fan-zahlen-wichtig-zu-nehmen/">die ohnehin erfundene Anzahl an Followern</a> nicht mit Menschen gleichzusetzen ist, könnte ein Anfang sein, praktische Kopier-Kompetenz im Umgang mit sozialen Medien einzuüben - <a href="https://www.dirkvongehlen.de/politik/wehrhaft-im-web-die-verpflichtende-medienkompetenz-befragung/">vielleicht sogar verpflichtend</a>.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>… ich war auf der Leipziger Buchmesse. Deshalb habe ich oben den *Stern beim Buch gesetzt. Denn diese überaus sympathische Messe fiel im Jahr 2026 mit zwei Dingen auf: Erstens mit einem absurden Auftreten von Wolfram Weimer und zweitens mit einem Besucherrekord. Letzteres liegt vor allem an der Idee, die Messe gemeinsam mit der <a href="https://www.manga-comic-con.de/">Manga Comic Con</a> abzuhalten. Ersteres hingegen lag leider nicht an lustigen Verkleidungen, sondern an <a href="https://www.instagram.com/p/DV0gpmwEdVW/">einer Parade der Peinlichkeiten</a>.</p><p>Mir jedenfalls haben die Tage in Leipzig sehr viel Freude gemacht, nicht nur weil die Messe super inspirierend war (beim <a href="https://www.linkedin.com/company/sz-institut/">SZ-Institut gibt es demnächst ein White Paper</a>), sondern auch weil die Menschen auf der Messe und in der Stadt so freundlich waren. Deshalb glaube ich, <a href="https://www.threads.com/@sophie.mauve.author/post/DWLd4x_irdU">dass diese Beschreibung hier nicht ganz falsch ist</a>:</p><figure><a href="https://www.threads.com/@sophie.mauve.author/post/DWLd4x_irdU"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d6411281-736f-4c49-9a53-4301ad4b832a/uploads/images/iu5m2exwru/Bildschirmfoto_2026-03-24_um_22.24.35.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Frankfurt ist Zahlen - Leipzig ist Gefühle"/></a><figcaption>Screenshot: Threads</figcaption></figure><p><em>Dazu habe ich übrigens noch zwei Bitten: </em>Mir ist schon klar, dass im Thema <strong><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Cosplayen ein krasser Bezug zum Kopieren</mark></strong> steckt. Falls du also dazu Expertise und/oder Freude hast: sag mir gerne Bescheid. Ich würde dazu gerne hinzulernen. Und auch d<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/23a353b6-18e0-4c60-880a-a627b5feb1a9">as Thema “Tiktok-Musik” mit den Phänomenen Phonk und Sped-Up-Kopien</a> würde ich gerne vertiefen. Falls du dazu Wissen hast: schreib mir gerne!</p><p></p><p>*So und jetzt kommt alle auf <a href="https://www.instagram.com/einheinser/">Lukas’ Insta, wo er wie gesagt in 90 Minuten live ist</a>!</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 25 Mar 2026 17:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Modern Love (11/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Die Kopie als Ironie & Hommage - mit der lustigsten Scooter-Coverband und Modern Love von Nicola Wessinghage]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wenn man einen Hammer hat, liebe Koapier-Community,</strong></p><p>sieht man überall Nägel. An dieses Sprichwort musste ich denken als ich in dieser Woche in der New York Times eine Geschichte fand, die ich als Antwort auf meine Frage aus dem Kapitel der vergangenen Woche las: <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/c46d6dfa-ca24-446c-afc6-784c4ff450a1">Wer kennt sich mit Cover-Band aus?</a> </p><p>Neben Euren Antworten (<mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">vielen Dank!</mark>) entdeckte ich also <a href="https://www.nytimes.com/2026/03/11/arts/music/field-music-the-doors.html?unlocked_article_code=1.TFA.9lLa.86X02Xz0kxGs&amp;smid=url-share">diese Reportage (Geschenk-Link)</a> über die <em>fire doors</em> - eine so genannte Tribute-Band aus Musikern der Indie-Band “<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Field_Music">Field Music</a>”, die in den Nullerjahren in der britischen Indieszene bekannt war. Heute verdienen sie ihr Geld als Tribute- oder Cover-Band, d.h. sie spielen ausschließlich Songs einer berühmten (anderen) Band - als Hommage. Im New York Times-Text ist der zentrale Koapier-Moment der Musiker zu den Doors so beschrieben:</p><blockquote><p>The idea to return to playing Doors covers “started as a joke,” David said, “then gradually didn’t become one.” David researched Britain’s tribute band circuit and found that there were already three well respected Doors acts: <a href="https://www.thedoorsalive.co.uk/">the Doors Alive</a>, <a href="http://www.thedoorsrising.co.uk/">the Doors Rising</a> and <a href="https://www.strangedoors.co.uk/">the Strange Doors</a>. But he thought that Field Music’s members, along with David Hyde on drums, could recreate the band just as well, if not better.</p></blockquote><p>Durch die NYTimes-Geschichte bin ich jedenfalls auf zahlreiche weitere Tribute-Bands gestoßen (<strong><em><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Nirvanher, Space Pistol, Mac-Talica</mark></em></strong>) und kurz davor, dieses Projekt hier 2027 von Songs auf Bands zu übertragen ;-)</p><p>Um das Thema Tribute geht es jedenfalls auch im Song dieser Woche, den Nicola Wessinghage mir vorgeschlagen hat: eine Hommage an Greta Gerwig.</p><p>Und ganz am Ende gibt es etwas wirklich Unfassbares: die beste Tribute-Band, die mir beim Abtauchen in die Welt der Coverbands aufgefallen ist.</p><p><strong>Gutes Koapieren!</strong></p><p>Dirk</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Modern Love</p><p><strong><em>“Modern Love” (David Bowie) von Zaho de Sagazin - vorgeschlagen </em></strong><a href="http://www.nicola-wessinghag.de/"><strong><em>Nicola Wessinghage</em></strong></a><strong><em> aus Hamburg. Sie arbeitet als freie Kommunikationsberaterin zu Themen aus Wissenschaft, Bildung und Gesellschaft. In ihrem </em></strong><a href="https://inkladde.blog/"><strong><em>Blog</em></strong></a><strong><em> teilt sie Beobachtungen zu Büchern, Medien und Podcasts, in ihrem </em></strong><a href="https://nicola-wessinghage.de/newsletter-gute-frage/"><strong><em>neuen Newsletter</em></strong></a><strong><em> beantwortet sie jeden Monat eine kommunikative Frage und als Podcasterin </em></strong><a href="https://lob-des-gehens.de/"><strong><em>lobt sie das Gehen</em></strong></a><strong><em> oder </em></strong><a href="https://www.hamburgwaswillstduwissen.de/"><strong><em>fragt Menschen, was Lernen ihnen bedeutet</em></strong></a><strong><em>.</em></strong></p><p>Zur Eröffnung der Filmfestspiele in Cannes 2024 singt Zaho de Sagazan, in Frankreich schon Shootingstar, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ml-Q1sVAFNc">erstmals ihre Version von David Bowies „Modern Love“</a>. Den Auftritt widmet sie der sichtlich ergriffenen Regisseurin und Jury-Vorsitzenden Greta Gerwig.</p><p>Der Auftritt dürfte Gerwig an die Schlüsselszene ihre Films <a href="https://www.youtube.com/watch?v=XQxdpeUVbAo&amp;list=RDXQxdpeUVbAo&amp;start_radio=1">Frances Ha (2012)</a> erinnert haben, in der sie als Tänzerin mit ausgelassenen Sprüngen und Pirouetten zu “Modern Love” durch die Straßen von New York rennt. In diesem Film gelang ihr der Durchbruch als Schauspielerin. Schon damals war die Szene ein Zitat: In <a href="https://www.youtube.com/watch?v=WGUVOMSctkU&amp;list=RDWGUVOMSctkU&amp;start_radio=1">Mauvais Sang von Leos Carax (1986)</a> läuft und springt Denis Lavant zu Bowies Song wild und verliebt durch die Straßen von Paris.</p><p>Zaho de Sagazan greift diese ikonische Szene auf, startet aus dem Publikum heraus, zieht ihre Schuhe aus, springt auf die Bühne, tanzt, stolpert, dreht sich, singt mit französischem Akzent und tiefer Stimme. Sie sucht die Verbindung – zum Publikum, zu Greta Gerwig.</p><p>Cannes 2024 markiert Zaho de Sagazans internationalen Durchbruch. In ihrer Musik verbindet sie Chanson und Techno-Beat. Beides ist in der bisherigen Rezeption von „Modern Love“ schon angelegt: Rhythmisch, fast marionettenhaft <a href="https://www.youtube.com/watch?v=HivQqTtiHVw">bewegte sich Bowie in seinem Video</a>. Und als wilden, emotionalen Tanz inszenieren Leos Carax und Noah Baumbach den Song. Sagazan bündelt alles: den Rhythmus, den Ausbruch, das Tempo, die Emotionen.</p><p>„Meine Welt ist eine Welt, in der alles zur gleichen Zeit passiert“, <a href="https://www.aachener-zeitung.de/kultur/zaho-de-sagazan-ich-moechte-die-leute-stark-und-zuversichtlich-machen/26600600.html">sagt sie in einem Interview</a>, „Freude, Traurigkeit, Tanz und Melancholie“.</p><p>Das ist Modern Love 2024.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Vor-Ironie</p><p><strong>(B5)</strong> “<mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Die Kunst des höheren Abschreiben</mark>” ist ein Zitat, das Thomas Mann zugeschrieben wurde, der damit die Zitat- und Montage-Kunst in seinen Werken rechtfertigt. Ich möchte diese Kunst des höheren Abschreibens heute in der Form mit einem doppelten Eigenzitat feieren, das sich inhaltlich mit der Frage beschäftigt, wann ein gutes Zitat geklärt sein muss. Die Antwort lautet: Vorher!</p><p>Denn mit der guten Kopie verhält</p><blockquote><p>“… es sich also ein wenig wie mit der Ironie. In beiden Fällen müssen vor der Veröffentlichung beziehungsweise der Äußerung die Grundlagen geklärt sein. Es ist unglaubwürdig, erst lauthals eine Behauptung aufzustellen und bei Widerspruch zu behaupten, alles ja nur ironisch gemeint zu haben. Genauso liegt der Fall bei der kreativen Adaption.Wer nicht vor der Kopie seinen Referenzrahmen benennt, wird es im Anschluss schwer haben, als glaubwürdig zu gelten.”</p></blockquote><p>Das Zitat stand im Februar 2010 in der Süddeutschen Zeitung und wurde von mir ein Jahr später ins Suhrkamp-Buch <a href="https://www.dirkvongehlen.de/mashup/">“Mashup”</a> geschrieben. Und jetzt nutze ich es nochmal als Erinnerung für den Umgang mit guten Kopien. Es stammt von mir ;-)</p><p>Ob das höheres Abschreiben ist, können wir Thomas Mann nicht mehr fragen. <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/66f1c37a-0b40-462f-ace1-29638297e44e">Mit Blick auf den Umgang mit den Kopien, die KI produziert</a>, kann diese Einordnung aber hilfreich sein: Woher weiß ein Sprachmodell, was es später als Antwort formuliert? Im Sinne der guten Kopie scheint es ratsam, die Inhalte zu kennen, die ein Sprachmodelle gelernt hat, bevor es sie künstlich intelligent neu zusammensetzt.</p><p><em>(dieser Faden zu KI &amp; Kopien wurde </em><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/66f1c37a-0b40-462f-ace1-29638297e44e"><em>hier bereits begonnen</em></a><em> und geht noch weiter)</em></p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Diese Woche stand ich etwas verwirrt im Supermarkt - vor einem Schoko-Aufsteller. Das habe ich aber erst nach ein paar Augenblicken bemerkt. Erst dachte ich: die CD ist wieder da, nur kleiner und mit weniger Auswahl: Sarah Conner (Muttersprache), Materia (Zum Glück in die Zukunft II), Cro (Raop), Helena Fischer (Farbenspiel) und die Scorpions (Crazy World) waren da zu sehen - als Cover auf einer quadratischen Schokolade. Die Tafeln sind <a href="https://blog.ritter-sport.de/2026/02/27/chocolate-meets-music-musikgeschichte-zum-anbeissen/">eine Werbeaktion für Apple Music</a> und ein interessantes Symbol für die Veränderungen um Umgang mit Musik.</p><p><strong>Harry Styles hat Tears for Fears</strong> gecovert - im BBC1-Radiostudio spielte er seine Version von <a href="https://www.youtube.com/watch?v=ZZ7tgBj3r3M">“Everybody wants to rule the world”</a> ein und das ist ziemlich gut.</p><p><strong>Turnstile haben die Stone Roses</strong> gecovert - <a href="https://www.youtube.com/watch?v=sZgZotipa-0">bei triple Js “Like a Version”</a>, einer Reihe, über die hier auch noch zu reden sein wird.</p><p><strong><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Und für alle, die bis hierhin gelesen haben</mark></strong>, meine lustigste Tribute-Band-Entdeckung: <em>Moped </em>sind eine besondere Scooter-Tribute-Band. Sie covern nicht Songs von Scooter, sondern andere Songs im Stil von Scooter. Mir gefällt <a href="https://www.youtube.com/watch?v=jv1wWVZBrAE&amp;list=PLKv4Aafgw4dCaadjeALRcoDbZVOL2w24l&amp;index=5">“Wonderwall”</a> am besten - aber alle Songs sind unfassbar.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 18 Mar 2026 17:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Smooth Criminal (10/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Geschickte Gauner erkennen wie sie gegen die Macht der Konzerne  vorgehen können - mit einem Tipp von elhotzo]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Gute Erkenntnis-Laune, liebe Koapier-Community,</strong></p><p>macht mir diese Folge, obwohl sie von Monstern und geschickten Gauner handelt. </p><p>Denn am Cover-Song, der diese Woche von Sebastian Hotz vorgeschlagen wird, lässt sich perfekt beschreiben, woher meine Begeisterung fürs Kopieren (als Erklärmuster für die Digitalisierung und ihre Folgen) kommt - und wie wir gegen die Macht der Konzerne aufbegehren könnten. elhotzo nimmt uns mit in die Zeit der Monster, in der das Digitale mit geschickten Gaunern und Räubern assoziiert wurde. Heute erleben wir eine ähnliche Abwertung - die <a href="https://www.dirkvongehlen.de/social-media-scham-die/">Social-Media-Scham</a> arbeitet aber jetzt vor allem mit dem Metaphern-Feld Sucht und Abhängigkeit.</p><p>Die Lösung, um mit beiden negativen Konnotationen umzugehen, liegt meiner Einschätzung nach übrigens darin, die <em><mark style="background-color: rgb(242, 221, 236); color: inherit">Kopiermaschine Internet</mark></em> besser zu verstehen Kopieren kapieren heißt für mich <mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">mehr Digitalisierung, nicht weniger! </mark>diese Antwort möchte ich weiter unten in dieser kleinen Jubiläumsfolge mit euch teilen möchte. Denn 20% des gemeinsamen Koapierweges dieses Newsletters sind mit dieser Folge erreicht und es macht mir sehr viel Freude mit Euch!</p><p><strong>Vielen Dank, ihr geschickten Gauner!</strong><br/>Dirk<br/></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Smooth Criminal</p><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=CDl9ZMfj6aE"><em>“Smooth Criminal” von Alient Ant Farm</em></a><em> - vorgeschlagen von </em><a href="https://www.instagram.com/elhotzo"><em>@elhotzo</em></a><em>, Sebastian Hotz, dessen neuer Roman </em><a href="https://www.kiwi-verlag.de/buch/sebastian-hotz-sidekick-9783462009132"><em>Sidekick</em></a><em> im April erscheint. In seiner Bio auf der Verlagswebsite steht: “seine gesellschaftskritischen und treffsicheren Postings werden täglich von Millionen Menschen gelesen. Sein Debütroman war ein Bestseller” - und spielt zum Teil in meiner Geburtstag Mülheim an der Ruhr. Den letzten Teil habe ich ergänzt, um </em><a href="https://www.kiwi-verlag.de/buch/sebastian-hotz-mindset-9783462007107"><em>Mindset</em></a><em> zu empfehlen.</em></p><p>Als die alte Welt (CDs und Vinyl) im Sterben lag und die neue (problemlos überall streamen) noch nicht geboren wurde, gab es eine Zeit der Monster (Raubkopieren). Zu dieser Zeit der Monster war ich ein Teenager, der sein hart verdientes Konfirmationsgeld in ein brandneues Android-Smartphone investiert hat, von dem noch niemand so richtig wusste, was man damit anstellen kann. </p><p>Naiverweise habe ich damals die Worte “Free Music” in den Appstore getippt und habe - Äonen vor AI-Suchergebnissen und gesponserten Ergebnissen - auch genau das bekommen. Free Music. Nachdem ich mit dem Download aller Ärzte-Alben meine Grundbedürfnisse gedeckt hatte, stieß ich durch Zufall auf einen Song namens “Smooth Criminal” der Band Alien Ant Farm, von dem ich eine Zeit lang annahm, dass er der beste Song der Welt ist und von dem ich noch viel länger annahm, dass diese seltsame Nu Metal-Band mit dem lustigen Namen der originale Urheber dieses Songs wär. Dieser Song hatte alles, was ein pubertierender oberfränkischer Junge ohne echte Probleme haben will. Viel zu laut, viel zu schnell, das <a href="https://www.youtube.com/watch?v=CDl9ZMfj6aE">Musikvideo</a> ist eine dieser typischen Hinterhof-Vorstadt-Gartenparties, die für das Ende der 90er und den Beginn der 2000er in punkrockigen/numetalligen Genres so typisch waren. Alles klingt und sieht aus, als wäre es für den Soundtrack eines Teenie-Sauf-Comedy-Films geschaffen worden, der erst noch gedreht werden muss. </p><p>Erst eine beschämend lange Zeit später, in der die Pubertät zumindest altersmäßig längst vorbei war, hörte ich im Radio den ECHTEN “Smooth Criminal” und es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Denn natürlich hat eine Band namens “Aliens Ant Farm”, die weder vor, noch nach diesem Cover jemals wieder einen vergleichbaren Hit hatte, nicht einen derart fantastischen Song geschrieben. Und natürlich ist Michael Jacksons “Smooth Criminal” um Meilen besser, als die mir so liebe Cover-Version mit den schnellen und viel zu harten Gitarrenriffs. </p><p>Aber es darf die Frage erlaubt sein, ob eine Welt, in der eine Band namens “Alien Ant Farm”, deren Songs ansonsten klingen, als wären sie für 14-Jährige mit zwei Dosen Monster Energy intus gemacht worden, versehentlich einen der größten Popsongs überhaupt schreibt, nicht schöner als unsere wäre?</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Kopiermaschine</p><p><strong>(A2)</strong> Wer einem Grundschulkind eine Tüte Gummibärchen schenkt, wird sich moralisch berufen fühlen, dazu zu animieren, die Süsswaren mit den anderen zu teilen. Wer jedoch eine digitale Datei teilt, wird sich moralisch berufen fühlen, darauf hinzuweisen, diese nicht zu “rauben”.</p><p>Dieser moralische Widerspruch illustriert meiner Einschätzung nach am besten, weshalb die Rhetorik der Raubkopie wenig hilfeich ist. <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/23a353b6-18e0-4c60-880a-a627b5feb1a9">Ich habe in Folge 9 schon beschrieben, weshalb wir sie verlernen sollten</a>.</p><p>Hier möchte ich darauf hinweisen, woher sie kommt: aus dem tiefen Unverständnis der Kopie. Der Internet-Vordenker und <a href="https://www.dirkvongehlen.de/ich/50-dinge-die-vermutlich-stimmen/">Lebensratschlag-Geber Kevin Kelly</a> spricht von der “Kopiermaschine Internet” (&quot;Wird ein kopierbarer Gegenstand mit dem Internet in Berührung gebracht, dann wird er kopiert, und diese Kopien lassen sich nicht mehr aus der Welt schaffen&quot;), die zu dem führt, was ich als <mark style="background-color: rgb(242, 221, 236); color: inherit">historische Ungeheuerlichkeit</mark> bezeichne: die digitale Kopie verändert Geschäftsmodelle und fordert neue Perspektiven - und womöglich eine andere Rhetorik.</p><p>Für das <a href="https://www.dirkvongehlen.de/mashup/">Lob der Kopie</a> habe ich dazu Urs Gasser interviewt, der 2008 das Buch “Generation Internet” veröffentlichte und heute an der TU in München lehrt. Wir sprachen über die Rhetorik der Gauner, Monster und Raubkopierer und Gasser sagte: “<em>Ich bin nicht für die Abschaffung des Urheberrechts, aber diese Rhetorik hilft wenig bei der Lösung des Problems. Weil es eben in der Tat nicht dasselbe ist, ein Brot zu teilen oder aber digitale Informationen. Wir wissen aus der Wissensökonomie, dass das nicht rivalisierende Güter sind, die eher künstlich und relativ spät in der Kulturgeschichte über Monopolrechte gesichert wurden.</em>”</p><p>Die Volkswirtschaftslehre nutzt den Begriff des <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Rivalit%C3%A4tsgrad">Rivalisierungsgrads</a>, um zu beschreiben wie exklusiv bestimmte Güter sind (“Rivale Güter zeichnen sich dadurch aus, dass der Konsum eines Gutes durch einen Konsumenten den Konsum desselben Gutes durch einen anderen Konsumenten behindert oder sogar verhindert.”) Mit diesem Wissen lässt sich übrigens auch sehr gut beschreiben, worauf die Macht der großen Tech-Konzerne gründet: Sie haben uns durch ihre <em>walled gardens</em> eingeredet, digitale Dateien seien rivale und exklusive Güter. Das stimmt aber gar nicht. <mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit">Daran zu erinnert, heißt: das Kopieren zu kapieren und einen Ausweg aus der Übermacht der Konzerne zu erkennen!</mark></p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Wusstest du, dass “Girls Just Wanna Have Fun” von Cindy Lauper eine Cover-Version ist? Ich musste dran denken, als ich für die <a href="https://thefallplaylist.de/">TheFallplaylist</a> den Song vorgeschlagen habe (<a href="https://youtu.be/6zeOag2fU3s?si=o42iFeCOBBcR6J8J">hier das Original</a>, das zurecht weniger bekannt ist).</p><p><strong>Vergangene Woche war aber nicht nur Weltfrauen tag, es ging hier… </strong>um den <a href="https://steady.page/de/692deb47-7f0f-42b7-9a3c-3a07d8e56e65/posts/c46d6dfa-ca24-446c-afc6-784c4ff450a1">relevantesten Musik-Wettbewerb in Italien</a>. Diese Woche möchte ich auf den ECC am 19.9. hinweisen - den <a href="https://rp-online.de/nrw/staedte/erkelenz/erkelenz-erkelenzer-cover-contest-soll-neue-massstaebe-setzen_aid-144764079">Erkelenzer Cover-Contest</a>. Wie in Sanremo geht es auch in Erkelenz um Cover-Versionen - bis 30.4. können sich Cover-Bands bei der Stadt bewerben, las ich diese Woche in der <a href="https://rp-online.de/nrw/staedte/erkelenz/erkelenz-erkelenzer-cover-contest-soll-neue-massstaebe-setzen_aid-144764079">Rheinischen Post</a>.</p><p>Ich erzähle das, weil mich das Thema Cover-Bands natürlich sehr beschäftigt. Da ich auf meinen Wegen durch die Stadt häufiger an Plakaten der Band <a href="https://www.mytallica.com/">Mytallica</a> vorbeifahre, frage ich mich (und hiermit euch): <strong>Kennt Ihr Cover-Bands persönlich?</strong> Mich würde sehr interessieren, was die besondere Begeisterung ausmacht. Gerne würde ich das Thema hier im Newsletter behandeln. Wie schon bei der <a href="https://steady.page/de/692deb47-7f0f-42b7-9a3c-3a07d8e56e65/posts/c46d6dfa-ca24-446c-afc6-784c4ff450a1">Frage zum Phonk-Phänomen</a> also auch hier die Einladung: <strong><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Wenn du dazu eine Idee hast, melde dich gerne bei mir!</mark></strong></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/c46d6dfa-ca24-446c-afc6-784c4ff450a1/teaser_image/1772838628?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
      <link>https://steady.page/692deb47-7f0f-42b7-9a3c-3a07d8e56e65/posts/c46d6dfa-ca24-446c-afc6-784c4ff450a1</link>
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      <pubDate>Wed, 11 Mar 2026 17:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Unlearned (09/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Um Kopierkompetenz zu erlangen müssen wir die Raub-Metapher verlernen - dank an Katrin Huth für ein Cover-Album der besonderen Art]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Unlearned (9/50)</h1><p><strong>Das Verlernen, liebe Koapier-Community, ist</strong></p><p>ein mir besonders liebes, aber auch herausforderndes Konzept. </p><p>Das von <a href="https://www.ktinka.ch/">Katrin Huth</a> heute vorgestellte Cover-Album trägt den Titel - und ich nehme es zum Anlass nicht nur an <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/5c89a9b7-2961-41d1-a551-99ea186e99f7">das Zähneputzen mit der falschen Hand zu erinnern</a>, das Cover-Alben uns nahelegen. Ich nehme <em>Unlearned</em> auch als Motto für den <em>kapiert</em>-Punkt dieser Folge: <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Das Verlernen nämlich, dass eine Kopie ein Diebstahl am Original sei. Es ist im Gegenteil eine Neuproduktion</mark>, denn beim Kopieren ensteht etwas Neues, was wir gerne übersehen: Meta-Daten!</p><p>Wie wir die Raub-Metapher verlernen - und den Blick auf die Meta-Daten richten, versuche ich weiter unten zu beschreiben. Außerdem habe ich einen schrecklichen Ohrwurm entdeckt (beim Sanremo-Coverabend) und eine Frage zu Sped-Up-Versionen. Beides ganz am Ende dieser Folge!</p><p>Bis dahin höre ich “Territorial Pissing” in Dauerschleife - und zwar in der Version von Scott Matthew (weil ich das Nirvana-Original erst durch ihn richtig kennenlernte - ein Phänomen, <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/150ce46f-7c1e-4bc5-be32-d58df8aef444">das ich bereits in Folge drei beschrieben habe</a>).</p><p><strong>Fröhliches Verlernen</strong><br/>Dirk<br/></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Unlearned</p><p><em>Unlearned von Scott Matthew - vorgeschlagen von Katrin Huth. Katrin lebt in Zürich und arbeitet, nach Stationen in Berliner und Zürcher Agenturen sowie einem grossen Schweizer Medienhaus, seit 2023 </em><a href="https://www.ktinka.ch/"><em>selbstständig zwischen Strategie, Text und Fotografie</em></a><em>. Am liebsten ist sie mit ihrer Kamera unterwegs, um bekannte und unbekannte Orte zu erkunden. Man trifft sie auf Konzerten in Zürich, Berlin oder anderen europäischen Städten, meist vorne links – oder bei Gesprächen über Popkultur am Tresen einer Bar. </em></p><p><em>Im Internet kennt man sie auch als </em><a href="https://www.instagram.com/ktinka/"><em>@ktinka</em></a><em>. Dort teilt sie Dinge aus ihrem Alltag </em><a href="https://www.instagram.com/ktinka/"><em>auf Instagram</em></a><em>. Mit </em><a href="https://steady.page/de/ktinka/posts"><em>»Unrast«</em></a><em> führt sie ausserdem eine Art digitales Notizbuch, das man früher vielleicht als Blog bezeichnet hätte, nur dass man es heute auch als </em><a href="https://steady.page/de/ktinka/newsletter/sign_up"><em>unregelmässigen Newsletter abonnieren</em></a><em> kann.</em></p><p>Seit 2008 war ich auf zahlreichen Konzerten von Scott Matthew – und irgendwo liegt auch noch der knallgelbe Jutebeutel mit der Zeile »I&#39;m not special but it helped to know that someone thinks I am«, den ich in meiner Peak-Indie-Melancholie-Phase mit mir herumschleppte. </p><p>Aber sein Cover-Album UNLEARNED von 2013 war mir, bis ich es vor gar nicht allzu langer Zeit in einem Second-Hand-Plattenladen in Zürich entdeckte, irgendwie durchgerutscht. Ich war schon auf dem Weg zur Kasse ganz selig!</p><p>»I have set out to find my true essence of these songs. A process of filtering them through myself and moments in my life«, schreibt Scott Matthew in den Liner Notes. Auch die Hörer:innen ruft er dazu auf, die Originalversionen für einen Moment zu verlernen.</p><p>Mir muss man das nicht zweimal sagen. Für mich sind Coverversionen dann gelungen, wenn Künstler:innen sie sich komplett zu eigen machen, statt sie aus Verlegenheit oder Mangel an eigenem Material einfach nur nachzuspielen.</p><p>Bei »Territorial Pissings« musste ich auch wirklich zweimal hinhören, bis ich das Original von Nirvana erkannte. Aus Grunge-Geschrammel macht er eine Ballade mit Klavier und Ukulele. Statt Wut liegt die für ihn so typische Verletzlichkeit in der Stimme. Die Kopie als Transformation.</p><p>Matthew scheut sich auch bei den anderen Tracks des Albums nicht, Songs, die längst Teil unseres kollektiven Gedächtnisses sind, in seinem ganz eigenen Stil zu interpretieren. Und es gelingt ihm unfassbar gut, ob Joy Division, Radiohead, Whitney Houston oder Neil Young. </p><p>Ja, okay, bei »Anarchy in the UK« rutscht es dann doch etwas ins Absurde ab. Aber wer Scott Matthew einmal live gesehen hat, weiß: Zwischen all der Melancholie bringt er sein Publikum mindestens genauso gerne zum Lachen wie zum Weinen.</p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Meta-Daten</p><p><strong>(A4)</strong> Wenn ich die zentrale Erkenntnis aus zwanzig Jahren Beschäftigung mit Kopien auf den Punkt bringen müsste, dann lautet sie: “<mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Kopieren ist kein Raub am Original, sondern die Produktion von Meta-Daten</mark>.”</p><p>Es geht bei meinem Blick aufs Kopieren (in all seinen Facetten) vor allem ums Verlernen eines bekannten Blicks: Ich möchte nicht vom Original aus denken, sondern das Ökosystem erkennen. Das hat zur Folge, dass ich die Kopie nicht als reine Ableitung der Vorlage erkenne, sondern als etwas prinzipiell Neues. </p><p>Wenn man sich auf diese These einlässt, lautet die Antwort auf die Frage: <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Was ist denn neu an der digitalen Kopie?</mark> Es ist nicht der Inhalt (der wird ja identisch dupliziert), es sind die Meta-Daten! Also all die Kontext-Daten, die erst durch die Kopie bzw. durch die Nutzung des Contents entstehen. Deshalb war das zweite Buch, das ich nach dem Lob der Kopie schrieb, eines, das den Kontext lobte - und je länger ich über die Digitalisierung und ihre Folgen nachdenken, umso klarer wird mir: der Dreischritt <strong><em>Kopie - Version - Kontext</em></strong> erklärt mehr als wir beim ersten Blick erkennen.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>Mir hat in dieser Woche musikalisch am besten gefallen,</strong> dass das neue Gorillaz-Album erschien. Leser:innen dieses Newsletters wissen bereits <a href="https://steady.page/de/692deb47-7f0f-42b7-9a3c-3a07d8e56e65/posts/150ce46f-7c1e-4bc5-be32-d58df8aef444">seit Folge 3</a>, dass ich die Musik- und die Referenzen der virtuellen Band sehr mag.</p><a href="https://www.youtube.com/playlist?list=PLb_Qew9DujkhfMDN4e5jG5tSjSQxliToS"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/23a353b6-18e0-4c60-880a-a627b5feb1a9/uploads/images/prbu63ygzh/Bildschirmfoto_2026-03-01_um_12.21.34.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><p>Darüberhinaus möchte ich auf das Musik-Festival von Sanremo verweisen, bei dem es einen traditionellen Cover-Abend gibt. Dabei dürfen die Teilnehmer:innen nur musikalische Kopien auf die Bühne bringen. Der spätere Sieger des Jahrgangs 2026 (<a href="https://www.youtube.com/watch?v=jaXKi-HzMH4&amp;t=2s">Sal da Vinci mit dem Song “Per Sempre Si”</a>) sang dabei den Song <a href="https://www.youtube.com/watch?v=C1zuMloNBRM">“Cinque Giorni”</a> (einen italienischen Klassiker aus den 1990er Jahren).</p><p>Neben der Tatsache, dass ich nicht verstehe, warum das Festival nicht mehr Wirkung in deutschen Medien erzeugt - muss ich unbedingt noch auf die Cover-Version dieses Songs hinweisen, der in allen Köpfen nur als Ketchup-Song Zuhause ist. Er heißt aber offiziell <a href="https://youtu.be/WZ-YxoFB9pM?si=CwmWCYPvaz2Ahw9B">“Aserje”</a> und sorgte in Sanremo dafür, dass im Publikum getanzt wurde.</p><p><strong>Zum Abschluss noch zwei Anmerkungen in eigener Sache:</strong> <br/><br/>1. Ich bin seit Anfang des Jahres auch mit meinem Newsletter <a href="https://steady.page/de/1789426d-2953-424a-9b62-ff836767096b/posts/27f7003e-93ef-442e-ada0-bdd213e09330">“Digitale Notizen” auf Steady</a>, ich finde das solltest du wissen. <br/><br/>Und 2. möchte ich gerne in einer der kommenden Folgen dieser Kolumne hier <mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">über Tiktok-Musik schreiben</mark>. Aus der <a href="https://www.nytimes.com/2026/02/23/arts/music/phonk-youtube-tiktok-music.html">New York Times</a> habe ich den Genre-Begriff <em>Phonk</em> <a href="https://www.dirkvongehlen.de/ich/dazu-lernen-2026/">gelernt</a>, der eine Form von Musik beschreiben soll, die voller Referenzen und in Hochformaten sehr populär ist. Nicht nur (aber vor allem) bei Songs, die diesem Genre zuzuordnen sind, ist mir ein Phänomen der Eigenkopie aufgefallen, das ich erstaunlich finde: Mir scheint, dass Künstler:innen nicht nur ihre normale Songs-Version veröffentlichen, sondern immer häufiger auch direkt eine beschleunigte (Sped-Up) und verlangsamte (slow down) Fassung. Über das <a href="https://www.dirkvongehlen.de/netz/aber-schneller-das-phaenomen-spedupsounds/">Sped-Up-Nightcore-Phänomen</a> hatte ich 2023 schon mal geschrieben, jetzt meine sehr weit ausgeholte Frage: <mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Fällt dir zu meiner Beobachtung was ein?</mark></p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/23a353b6-18e0-4c60-880a-a627b5feb1a9/teaser_image/1771320055?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
      <link>https://steady.page/692deb47-7f0f-42b7-9a3c-3a07d8e56e65/posts/23a353b6-18e0-4c60-880a-a627b5feb1a9</link>
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      <pubDate>Wed, 04 Mar 2026 17:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[I See A Darkness (8/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Cameo-Auftritt einer Stimme und eine schöne Behauptung. Dank an Theresa Bäuerlein für einen tollen Remix]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Es beginnt etwas abseitig, liebe Koapier-Community!</strong></p><p>Denn bei der Recherche zu dieser achten Folge habe ich mich in Wikipedia verloren. Ich habe nachgelesen, was ein <em>Kamee</em> ist und bin durch den <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Kamee">Beitrag über den Gravur-Schmuckstein</a> irgendwo zwischen dem 4. Jahrhundert vor Christus und der Renaissance hängen geblieben.</p><p>Um wieder <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">zurück in die Zukunft</mark> zu kommen, müssen wir über Michael J. Fox sprechen. Denn der Schauspieler hat mich erst auf Wikipedia gebracht. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=cG2uC2u3coc">Ich sah ihn dieser Tage in der Serie “Shrinking</a>”. Dort spielt Michael J. Fox Michael J. Fox. Das nennt man einen <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Cameo_(Medien)">Cameo-Auftritt</a> - und diese Selbstkopien haben ihren Namen… genau von den Gravur-Schmucksteinen, die schon im 4. Jahrhundert vor Christus genutzt wurden.</p><p>Dass der Schauspieler, den die meisten aus <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">Zurück in die Zukunft </mark>kennen, mich auf Wikipedia bringt, hat mit einer Kopier-Behauptung in dieser aktuellen Folge zu tun - in der Theresa Bäuerlein uns am Beispiel <a href="https://www.youtube.com/watch?v=zjcqpp79nSo">einer Remix-Version</a> zeigt, wie auch eine Stimme einen Cameo-Auftritt haben kann und Kopien neue Aspekte herausstellen können - fast wie Gravur-Schmucksteine, die den Blick lenken.</p><p><strong>Zurück in die Zukunft!</strong><br/>Dirk</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>I See Darkness</p><p><em>“I See A Darkness” (Acid Pauli vs. Johnny Cash) ausgewählt von Theresa Bäuerlein. Sie ist Journalistin, Autorin und Co-Gründerin von Krautreporter, einem der bekanntesten mitgliederfinanzierten Online-Magazine in Deutschland. Sie hat sechs Bücher veröffentlicht; ihr Roman „Hannas Reise“ wurde verfilmt.<br/></em></p><p><em>Heute arbeitet sie zu mentaler Überforderung, Aufmerksamkeitskultur und emotionaler Intelligenz. Sie schreibt den Newsletter  </em><a href="https://steady.page/de/verstand-verlieren/newsletter/sign_up"><em>„Wie du nicht den Verstand verlierst“</em></a><em>, in dem sie das verbreitete Gefühl ständiger mentaler Überforderung untersucht und fragt, was konkret helfen kann.</em></p><p>Meine musikalische Bildung endete mit 17, als mein Freund meinte, ich sähe total nerdig aus mit meiner Gitarre. Leider wollte ich cool sein und stellte sie weg. Daher verstehe ich bis heute wenig vom Musikmachen, reagiere aber extrem emotional auf bestimmte Stücke – etwa auf <em>Acid Pauli vs. Johnny Cash – I See A Darkness</em>. Dieser Track zeigt, wie ein Remix die Emotion eines Songs völlig verändern kann.</p><p></p><p>Der US-Musiker Will Oldham veröffentlichte das<a href="https://www.youtube.com/watch?v=ElygSMtokAw"> Original</a> 1999. Es ist ziemlich traurig. “I See A Darkness” handelt von Schmerz, existenzieller Angst und der leisen Hoffnung, dass Freundschaft dagegen helfen könnte. </p><p></p><p>2000 hat Johnny Cash den Song für sein Album<a href="https://www.youtube.com/watch?v=1ln-8GeFI5w"> American III: Solitary Man </a>gecovert. Cash war noch keine 70. Seine brüchige Stimme klingt eher wie 90. Oldham singt im Hintergrund. Diese Version weckt den Drang, mit einem Whiskey in der Badewanne zu liegen und an trübe Dinge zu denken, den Tod etwa oder warum es kaum noch ordentliche Brötchen gibt. </p><p></p><p>Und dann kam 2004 der Remix von Acid Pauli – das ist ein Pseudonym des deutschen Musikers Martin Gretschmann (u.a. Console, The Notwist). Er machte aus der depressiven Hymne der Vorversionen einen Song wie eine Fahrt in den Sonnenuntergang. Der elektronische Beat gibt dem Gesang eine andere emotionale Wucht. Aus Abgrund wird Abfahrt – eine Melancholie, zu der man tanzen will. </p><p></p><p>Mittlerweile gibt es die <a href="https://www.youtube.com/watch?v=74d_upCz6m0&amp;list=RD74d_upCz6m0&amp;start_radio=1">offizielle Version</a> ohne Cashs Stimme, <a href="https://laut.de/News/laut.de-Charts-Song-des-Jahres-verboten-04-01-2005-3294#:~:text=Urheberrecht%20strikes%20back:%20Martin%20Gretschmanns%20Elektronikversion%20des,2004%20war%20ein%20ruhiges%20Jahr%20f%C3%BCr%20Console">vermutlich </a>aus rechtlichen Gründen. Trotzdem bleibt der ursprüngliche Edit bei Fans im Netz erhalten, zum Beispiel<a href="https://www.youtube.com/watch?v=zjcqpp79nSo"> hier.</a></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Behauptung</p><p><strong>(D3)</strong> Die Behauptung einer Kopie wird meist aus negativer Absicht erstellt: um einen Betrug aufzudecken, wird betont, dass jemand kopiert habe. Dass die Behauptung einer Kopie aber auch positive Folgen für den so Bezeichneten haben kann, zeigt diese kleine Episode aus der US-amerikanischen Serienwelt.</p><p>Für die dritte Staffel der Serie “Shrinking” konnte der Schauspieler Michael J. Fox für eine Selbstkopie gewonnen werden: der an Parkinson erkrankte Schauspieler spielt darin einen an Parkison erkrankten Mann, der auf die von Harrison Ford gespielte Hauptfigur Dr. Paul Rhodes trifft, der ebenfalls an Parkinson erkrankt ist.</p><p>Michael J. Fox hat sich wegen der Erkrankung aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Seit dem Jahr 2000 ist er kaum noch in Filmen oder Serien zu sehen. Seine letzte große Arbeit war die Rolle des stellvertretenden Bürgermeisters Mike Flaherty in “Spin City”. Er verabschiedete sich aus der Serie mit einer bewegenden Rede, die er hinter den Kulissen hielt.</p><p>Das jedenfalls <a href="https://www.instagram.com/reel/DUN8RbzDin8/">behauptet einer der Schauspieler aus der Serie Shrinking, in der Fox nun einen Cameo-Auftritt hatte</a>. Und er ergänzt: die Rede von Michael J. Fox hinter den Kulissen von Spin City diente als Vorlage für eine Rede, die Dr. Paul Rhodes (Harrison Ford) in der Serie Shrinking hält. Zu sehen ist diese Ansprache in der Folge 12 der zweiten Staffel (“The Last Thanksgiving”).</p><p>Ich erzähle diese Geschichte weil sie beweist, dass die Behauptung einer Kopie nicht nur negative Folgen haben muss - im Gegenteil: sie kann ein Werk sogar aufwerten. <br/><em><br/>(Auf das Problem, dass ich die Behauptung nicht verifizieren kann - und bei dem Versuch in Wikipedia verloren ging, gehen wir bei anderer Gelegenheit ein)</em></p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>… kannst du auf </strong><a href="https://steady.page/de/692deb47-7f0f-42b7-9a3c-3a07d8e56e65/posts/be8d5a63-1a3f-45a7-bc6a-756d6ad9952b"><strong>dieser Übersichtsseite</strong></a><strong> nachlesen.  </strong>Dort habe ich notiert, welche Folgen hier schon gelaufen sind. Die Buchstaben stehen dabei für die fünf Oberkapitel, in denen ich meine kapiert-Punkte sortiere. Je Kapitel soll es zehn Aspekte geben.</p><p><strong><mark style="background-color: rgb(230, 243, 251); color: inherit">Neuigkeiten aus dem Bereich kopierter Musik aus dieser Woche?</mark></strong>Gerne doch: Es gibt ein neues Falco-Cover: <a href="https://frontstage-magazine.de/2026/02/18/love-ghost-kommen-auf-europa-tour-und-releasen-falco-cover/">Rock Me Amadeus.</a> Für den Soundtrack von “Lie to me” haben die <a href="https://stereogum.com/2489397/chvrches-such-great-heights-the-postal-service-cover/music">CHVRCHES den Indie-Klassiker “Such Great Heights”</a> von Postal Service gecovert. Das ist eine schöne Version, die für mich eine neue Facette zum Thema “<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/150ce46f-7c1e-4bc5-be32-d58df8aef444">Rückwärts geboren sein</a>” ergänzt. Mir war die Band vorher unbekannt ;-)</p><p>Kleiner Nachtrag zur Karnevals-Woche: <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/815b9729-13ad-4f6a-9007-5bfdd52bbc1c">Christoph Bieber hat mich darauf hingewiesen</a>, dass viele Karnevals-Lieder Kopien bzw. Cover-Versionen sind. <a href="https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-neugier-genuegt-freiflaeche/audio-woher-karnevalslieder-wirklich-stammen-100.html">Er hat mir diesen interessanten WDR5-Beitrag empfohlen</a>, in dem zum Beispiel <em>Highland Cathedral vs. Black Föss</em> vorgespielt wird.</p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/80597c53-e7e4-47ba-bb5d-af8d89c0e7b7/teaser_image/1771316495?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 25 Feb 2026 17:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Summertime (07/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Sommer im Februar und endlich die Antwort auf alle KI-Fragen - dank Marita Oidas Song-Tipp]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>&quot;Summertime” von Janis Joplin (7/50)</h1><p><strong>Der Sommer, liebe Koapiererin und Koapierer,</strong><br/><br/>scheint noch recht weit weg. Während ich diese Zeilen tippe, fallen vor dem Fenster Schneeflocken und wenn Ihr die Folge öffnet, ist Aschermittwoch - und doch steht &quot;Summertime” im Mittelpunkt dieser siebten Folge des Newsletters. Die Schreibtrainerin <a href="https://www.odia.de/">Marita Odia</a> verbindet ihren Janis-Joplin-Songtipp mit einem Hinweis auf künstliche Intelligenz - das gibt mir die Gelegenheit, endlich die am häufigsten gestellte Frage an dieses Projekt zu beantworten:<strong> <mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit">Was hat Kopieren denn mit KI zu tun?</mark></strong></p><p><strong>Außerdem in dieser fröhlichen Aschermittwoch-Folge:</strong> Mehr Cover-News mit einem Schwamm, der Zartmann covert und einer Entdeckung, die ich dem lustigsten Mann des deutschsprachigen Internet zu verdanken habe - <a href="https://www.instagram.com/peter_wittkamp/">Peter Wittkamp</a> hat nämlich in einer Story auf wunderbare acapella-Cover verlinkt (dass er auch einen <a href="https://steady.page/de/wittkamps-woche/about">Steady-Newsletter</a> hat, wisst Ihr eh alle, oder?)</p><p><strong>Aber jetzt erstmal: Summertime!</strong><br/>Dirk</p><p>P.S.: <a href="https://steady.page/de/evaschulz/posts">Eva3000</a> empfiehlt diesen Newsletter hier. <a href="https://steady.page/de/evaschulz/posts">Eva3000</a> ist der Steady-Account von Eva Schulz, deren Newsletter ich immer mit großem Gewinn lese. Vielen Dank!<br/><br/></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Summertime</p><p><strong><em>Janis Joplin: </em></strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=9pQMb2niOO8"><strong><em>“Summertime”</em></strong></a><strong><em> Vorgeschlagen und beschrieben von </em></strong><a href="https://www.odia.de/"><strong><em>Marita Odia</em></strong></a><strong><em>, Texterin und Texttrainerin aus Köln. Zur Zeit steht steckt sie knietief in den Vorbereitungen von Schreibtrainings mit KI (unter anderem an der Universität Bonn und weiteren Weiterbildungsorganisationen). Das Tempo, mit dem sich KI-Tools und ihre Nutzung entwickeln, macht sie manchmal schwindelig - und fasziniert sie zugleich.</em></strong></p><p>„Summertime“ aus dem Musical Porgy and Bess von George Gershwin soll noch häufiger gecovert worden sein als „Yesterday“ von den Beatles. Eine frühe Aufnahme (1935) stammt von der lyrischen Sopranistin Helen Jepson und klingt in meinen Ohren unglaublich artig: So, als würde ein kleines Mädchen ein Gedicht aufsagen, für das es unbedingt gelobt werden möchte. Bei der <a href="https://www.youtube.com/watch?v=u2bigf337aU">berühmten Aufnahme</a> von Ella Fitzgerald und Louis Amstrong (1957) fühle ich immer schon die Spannung eines flirrenden Sommers, große Sehnsucht und eine genau so große Traurigkeit.</p><p>Ich surfe über die Intros verschiedener Summertime-Cover von Billie Holiday (1936), Charlie Parker (1949), Miles Davis (1958), Nina Simone (1960) und Duke Ellington (1960). Und dann Janis Joplin, Woodstock, Hochsommer und grottig schlechtes Wetter. Ihr Intro beginnt mit einigen Takten …</p><p>Bach? Auf Reddit erkannte jemand vor 4 Jahren die Fuge in C moll, BWV 847. Ein schräg-schöner Übergang von der Fuge zum Intro von Big Brother &amp; the Holding Company. Janis will nicht gelobt werden. Sie singt rauh, ich höre und fühle Wut. Wut und eine heftige Energie. Und eine schmerzliche Zerrissenheit. Copilot, das Cleverle, kommentiert: „Vom Wiegenlied zum Klageschrei“. Gefällt mir.</p><p>Verdammt, warum habe ich die KI gefragt, bevor ich meine eigenen Gedanken aufgeschrieben habe? Jetzt höre ich es noch ein paarmal, um das kopierte Weltwissen wieder abzuschütteln. …</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>KI-Kopie</p><p><strong>(A8)</strong> Was eine lobenswerte Kopie ist, <a href="https://steady.page/de/692deb47-7f0f-42b7-9a3c-3a07d8e56e65/posts/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df">habe ich bereits in der ersten Folge zu erklären versucht</a>. Was aber eine Kopie ist, darüber sind sich die Expert:innen uneins: Gilt nur das direkte, sozusagen gespiegelte, Duplikat als Kopie? Wer diese strikte Regel anlegt, wird allerdings auch von den meisten Cover-Versionen enttäuscht - denn das Kopieren ist mehr als die exakte Imitation.</p><p>Kopieren ist ein weites Spektrum - <a href="https://www.dirkvongehlen.de/mashup/">ich habe dazu ein ganzes Buch geschrieben</a>. Und das, was wir im Umgang mit Sprachmodellen sehen, passt genau in dieses Spektrum: <strong><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">KI ist Kopieren mit unvorstellbarer Rechenleistung.</mark> </strong>Nicht nur sind Sprachmodelle <a href="https://www.dirkvongehlen.de/ich/wie-der-maschinelle-spiegel-mir-schmeicheln-will-ueber-den-action-figur-trend/">schmeichelnde Spiegel</a>, in denen wir “<a href="https://www.dirkvongehlen.de/netz/die-geschichte-wie-ich-mir-selbst-entkam-wie-tocotronic-ueber-ki-singen/"><em>eine Version meiner eigenen Person</em></a>” erkennen, es geht vor allem darum, dass alles, was wir als KI kennen, auf dem <s>Lernen </s>Kopieren von vorhandenen Daten beruht. Natürlich fertigen LLMs keine exakten Duplikate an, aber <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/5c89a9b7-2961-41d1-a551-99ea186e99f7">in der vergangenen Woche haben wir bereits am Beispiel der KI-Biases</a> gelernt, dass im Umgang mit Sprachmodellen die “Garbage In, Garbage Out”-Regel gilt, die auch nur eine andere Formulierung fürs Kopieren ist.</p><p>Und wem das für meine Kopier-KI-These nicht reicht: gerade habe ich <a href="https://arxiv.org/html/2505.12546v4#abstract">von diesem interessanten Experiment aus Stanfort</a> gelesen. Dabei ist es Forschenden gelungen, in Sprachmodellen den genauen Wortlaut der Bücher Harry Potter und 1984 hervorzubringen. Im Abstract zu dem Experiment heißt es:</p><blockquote><p>Wir stellen fest, dass die meisten LLMs die meisten Bücher nicht vollständig oder teilweise auswendig lernen. Wir stellen jedoch auch fest, dass Llama 3.1 70B einige Bücher vollständig auswendig lernt, wie beispielsweise das erste Harry-Potter-Buch und 1984. Tatsächlich ist der erste Harry-Potter-Band so gut gespeichert, dass wir mit einer Seed-Eingabe, die nur aus den ersten paar Tokens des ersten Kapitels besteht, das gesamte Buch nahezu wortwörtlich deterministisch generieren können. Wir diskutieren, warum unsere Ergebnisse erhebliche Auswirkungen auf Urheberrechtsfälle haben, wenn auch nicht solche, die eindeutig für eine der beiden Seiten sprechen.</p></blockquote><p>Nicht diskutieren muss man dabei meiner Meinung nach: Wenn es gelingt, das <s>Trainings-</s>Kopier-Material aus den Modellen wieder zu finden, dann ist es dort auch irgendwie hereingekommen. Ich sage: Durch die Kopie!</p><p><em>(welche Schlüsse sich daraus ziehen lassen, dazu später mehr)</em></p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ich habe die bisherigen Folgen <a href="https://steady.page/de/692deb47-7f0f-42b7-9a3c-3a07d8e56e65/posts/be8d5a63-1a3f-45a7-bc6a-756d6ad9952b">auf der Übersichts-Seite</a> ergänzt - sie lassen sich den fünf Oberkapiteln des Projekts zuordnen (A bis E), in denen ich jeweils zehn Aspekte des Kopierens zusammenfassen will.</p><p><strong><mark style="background-color: rgb(250, 232, 214); color: inherit">Aktuelle Cover-News der Woche:</mark></strong></p><p><a href="https://www.nytimes.com/by/lindsay-zoladz">Lindsay Zolatz</a> schreibt den Pop-Newsletter der New York Times. Die jüngste Folge lese ich als Beitrag zu diesem Newsletter - sie widmet sich nämlich ausführlich dem Thema Beatles-Cover und stellt <a href="https://www.nytimes.com/2026/02/10/arts/music/amplifier-newsletter-beatles-covers-black-musicians.html?unlocked_article_code=1.MVA.bJvM.JFlZr_gUvUa8&amp;smid=url-share">13 Transcendent Versionen von schwarzen Musiker:innen</a> (NYT-Geschenk-Link) vor.</p><p>Dem Thema Cover-Versionen in Form von Kinderliedern widmen wir uns demnächst noch ausführlich. Deshalb diese Woche nur der Hinweis auf die SpongeBob-Version als Zartschwamm von “<a href="https://www.youtube.com/watch?v=_AYka3-oUhw">bin gut drauf</a>”. Ritter Lean covern die Goo Goo Dools: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=CmQbs4bj06w">Iris</a> und in <a href="https://www.instagram.com/peter_wittkamp/">der Insta-Story des lustigsten Menschen im Internet</a> habe ich einen Hinweis auf Janice Whaley gefunden. Die amerikanische Sängerin hat - <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/5c89a9b7-2961-41d1-a551-99ea186e99f7">passend zur letzten <em>Kopieren kapieren</em>-Folge</a> - im Jahr 2010 Smith-Songs gecovert - <a href="https://janice.bandcamp.com/album/the-smiths-project-best-of">und zwar nahezu alle und acapella</a>.</p><p>Das ist richtig gut und ich höre jetzt schon zum fünften Mal die acapella-Fassung von “<a href="https://janice.bandcamp.com/album/the-smiths-project-best-of">There’s a light that never goes out</a>” - <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">auch eine Form von Summertime.</mark></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 18 Feb 2026 17:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[There's a light that never goes out  (6/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Kopien können neue Perspektive eröffnen - Null Problemo mit Martin Hommel von Ein Song Reicht]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>“There’s a light that never goes out” (6/50)</h1><p><strong>Liebe Koapier-Community,</strong></p><p>kann etwas in der Wiederholung Neues produzieren? Das klingt vielleicht unlogisch, aber Cover-Versionen entwickeln genau dadurch ihren Zauber.</p><p>Martin Hommel zeigt uns in dieser Folge, wie die Kopie auf diese Weise das Werk vor seinem Schöpfer bewahren kann. Und ich möchte dem einen Ohrwurm ergänzen, den ich seit ein paar Tagen habe: <a href="https://www.youtube.com/shorts/5fh5McptM-A">“Kids” in der Version von Renee &amp; Jeremy</a> zeigt nämlich ganz neue Facetten im MGMT-Hit.</p><p>Dass genauso auch KI-Sprachmodelle wie ein Blick in den Spiegel Neues erschaffen, versuche ich im kapiert-Teil zu beschreiben. Außerdem am Ende dieser Ausgabe: <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">der Auftritt von Benito Antonio Martínez Ocasio in Santa Clara in dieser Woche.</mark></p><p>Denn <a href="https://www.nytimes.com/2026/02/06/opinion/bad-bunny-super-bowl.html">Bad Bunny</a> hat beim Superbowl gezeigt, welche politische Stärke in Kopien und Referenzen liegen kann.<br/><br/><a href="https://www.instagram.com/p/DUhz5DhjOXN/"><strong>The only thing more powerful than hate is love</strong></a></p><p>Dirk<br/></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Rick Rolling</p><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=jQV8HNsKU2U"><strong><em>“There’s a light that never goes out” von Rick Astley </em></strong></a><strong><em>- ausgewählt und vorgeschlagen von </em></strong><a href="https://www.martinhommel-coaching.de/"><strong><em>Martin Hommel</em></strong></a><strong><em>, Musikjournalist aus Leipzig und Berlin. Er moderierte eigene Radiosendungen und Podcasts. Er arbeitete unter anderem für BBC 6 Music, </em></strong><a href="http://detektor.fm/"><strong><em>detektor.fm</em></strong></a><strong><em> und den Musikexpress. Gemeinsam mit </em></strong><a href="https://steady.page/de/692deb47-7f0f-42b7-9a3c-3a07d8e56e65/posts/0ceba397-6e40-469a-9aa7-b86d2c43ccca?"><strong><em>Melanie Gollin</em></strong></a><strong><em> entwickelte er 2023 die vielbeachtete Kampagne „Wo ist hier der Krach?“, die sich für mehr Diversität und eine stärkere Präsenz unabhängiger Künstler*innen im öffentlich-rechtlichen Radio einsetzt. Seit 2024 leitet er das Newsletter-Projekt „</em></strong><a href="https://einsongreicht.de/"><strong><em>Ein Song Reicht</em></strong></a><strong><em>“ und verantwortet die gesamte Umsetzung. Als Speaker spricht er über Themen wie die Zukunft des Musikjournalismus, Community Building und neue Wege im Musikbusiness. Er berät außerdem </em></strong><a href="https://www.martinhommel-coaching.de/"><strong>Menschen aus Musik und Medien</strong></a><strong><em> und macht derzeit eine Weiterbildung zum systemischen Business Coach am isiBerlin. Er liebt Post-Punk, weirden Pop und alles, was schlecht gelaunt klingt – und denkt (zu) viel über Paul McCartney nach.</em></strong></p><p>Bevor ich hier mein Lieblingscover in den Ring werfe, kurz ein Aha-Moment:</p><p>Für den Newsletter Ein Song Reicht frage ich regelmäßig mehr oder weniger bekannte Menschen nach ihrem Lieblingssong. Die häufigste erste Antwort: „Uff, wie soll ich mich da entscheiden?“ Das fand ich immer seltsam. Ist doch völlig klar, welcher Song das sein muss. Mir zumindest. Bis ich bei Dirks Anfrage selbst genau diesen Satz tippte: „Wie soll ich mich für einen Coversong entscheiden?“ Klassischer Fall von Betriebsblindheit.</p><p>Lieber Dirk, danke fürs Neujustieren.</p><p>So, jetzt aber zum Coversong, mit dem ich gleichzeitig die sich immer öfter stellende Frage „Wie soll man die Kunst vom problematischen Künstler (absichtlich nicht gegendert) trennen?“ klären möchte. Ganz einfach: <a href="https://www.theguardian.com/music/2019/may/30/bigmouth-strikes-again-morrissey-songs-loneliness-shyness-misfits-far-right-party-tonight-show-jimmy-fallon">Man ersetzt den Problemo durch einen null Problemo.</a></p><p>Bühne frei für Rick „Never Gonna Give You Up“ Astley.</p><p>Als die britische Band Blossoms 2021 Rick „Together Forever“ Astley bei einem ihrer Gigs als Überraschung auf die Bühne holt und mit ihm eine Handvoll Smiths-Klassiker ins Publikum schmettert, passiert was im Indie-Hive-Mind. Ein kollektives Aufatmen. Ein: Das fühlt sich irgendwie frisch an. Wo kommt das denn auf einmal her? <a href="https://www.youtube.com/watch?v=jQV8HNsKU2U">Und warum zur Hölle funktioniert das so gut?</a></p><p>Wir dachten doch, die Songs sind für immer verloren. <a href="https://www.theguardian.com/music/2019/may/30/bigmouth-strikes-again-morrissey-songs-loneliness-shyness-misfits-far-right-party-tonight-show-jimmy-fallon">Vollgekleckert mit Morrisseys verbalem Durchfall</a>. Das Gefühl war irgendwie weg, wir waren enttäuscht. The King Is Dead!</p><p>Was wir nicht ahnten: Wir brauchen den grummeligen Indie-Opa gar nicht, um die Songs wiederzubeleben! Man nimmt einfach den 80s-Synth-Popper mit der tollen Frisur (oder: Tollen-Frisur), packt eine smarte Indieband hinter ihn, und zack entsteht da was richtig Großes. </p><p>2023 wiederholt sich dieses Spektakel bzw. setzen alle Beteiligten (außer Morrissey selbst) nochmal einen oben drauf. </p><p>Glastonbury Festival. Woodsies Stage. 60 Minuten Smiths-Covers. Alles sitzt perfekt. Die Menge singt jedes Wort mit. Ich klebe am Livestream. Gänsehaut. Und brülle spätestens bei „There’s a Light That Never Goes Out“ laut mit.<br/><br/>Da sind sie. Die Songs, die ich schon 100 Mal in einer Indie-Disse mitgesungen habe. Zu denen ich Liebeskummer hatte. Die ich selbst auf meiner Gitarre stundenlang geübt habe.<br/>Und: Sie haben eine Leichtigkeit und Freude, die sie – festhalten – so vielleicht noch nie hatten. Endlich wieder diese Songs! Endlich wieder dieses Gefühl!</p><p>Noch brillanter wird das Ganze natürlich, wenn man an Morrisseys Gesicht denkt, der zu Hause auf dem teuren Ledersofa verärgert diese Power-Performance anschauen muss. Es ist der einzige Smiths-Gig, den er nicht absagen kann. Man möchte Mitleid haben, aber dann kommt schon dieses eine Gitarrenintro …<br/></p><p>Danke, Rick „This Charming Man“ Astley!</p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Perspektivwechsel</p><p><strong>(A5)</strong> Heute geht es ums Zähneputzen mit der anderen Hand. Wenn Ihr heute abend zur Zahnbürste greift, sollte Ihr mal die Hand nehmen, die Ihr sonst beim Zähneputzen nicht braucht. Diese Form des Regelbruchs tut dem Hirn gut - und ist ein schönes Bild für die Möglichkeiten der Kopie.</p><p>So merkwürdig es klingen mag, aber: die Kopie eröffnet neue Perspektiven. Das gilt für Cover-Versionen, aber es lässt sich auch auf die gesellschaftliche Spiegelungen übertragen, die durch Sprachmodelle und KI entstehen (dass ich diese auch als Form der Kopie interpretiere, wird im Verlauf des Newsletters noch Thema sein): Sprachmodelle neigen dazu, <a href="https://www.sueddeutsche.de/wissen/kuenstliche-intelligenz-chatbots-chatgpt-studie-diskriminierung-verzerrung-ostdeutschland-gender-li.3330760">so genannten Biases abzubilden</a>:</p><blockquote><p>Das englische Wort <em>bias</em> bedeutet Vorurteil. Von einer KI-Bias spricht man, wenn der Algorithmus durch eine einseitige Datenlage verzerrt wird und dadurch voreingenommene oder unter Umständen falsche Ergebnisse liefert.</p></blockquote><p>Diese einseitige Datenlage ist aber manchmal eben keine Absicht, sondern nur Ergebnis einer verzerrten Realität. Insofern zeigt ein KI-Bias vielleicht wie eine Cover-Version einen Blick in den Spiegel (der nicht immer angenehm sein muss): Dadurch dass eine Melodie kopiert und leicht verändert wird, kann sie plötzlich ganz neu klingen. </p><p>Diese Möglichkeit wird häufig unterschätzt, aber wie beim Zähneputzen ist sie gut fürs Gehirn. Sie hilft uns, neue Perspektiven zu erkennen.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Mit dieser Folge haben wir erstmal einen Punkt aus dem ersten Kapitel im Newsletter - A5. Bisher hatten wir:</p><p>01/50 - <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df">B1</a></p><p>02/50 - <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/815b9729-13ad-4f6a-9007-5bfdd52bbc1c">E2</a></p><p>03/50 - <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/150ce46f-7c1e-4bc5-be32-d58df8aef444">B3</a></p><p>04/50 - <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/0ceba397-6e40-469a-9aa7-b86d2c43ccca">D2</a></p><p>05/50 - <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/108d9fb0-820c-4bf6-8d95-4abc517db76e">B8</a></p><p>Zur Einordnung der Ziffern und Buchstaben <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/108d9fb0-820c-4bf6-8d95-4abc517db76e">empfehle ich die letzte italienische Ausgabe</a> dieses Newsletters.</p><p><strong>Bevor ich dieses Projekt gestartet habe, waren mir zwei Dinge nicht ganz klar:</strong> Zum einen <mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">wusste ich nicht wieviel Freude der interaktive Teil des Newsletters mit sich bringen würde. Deshalb: Schlag mir bitte weiterhin Cover-Versionen und kopierte Songs </mark><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/be8d5a63-1a3f-45a7-bc6a-756d6ad9952b"><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit">für die Liste</mark></a><mark style="background-color: rgb(222, 244, 220); color: inherit"> vor!</mark></p><p><strong>Und zum zweiten war mir unklar, wieviele Cover-News sich jede Woche sammeln: </strong>So entstand diese kleine Rubrik zum Abschluss des Newsletters, die in dieser Folge eigentlich ein eigener Newsletter sein könnte. Denn die Superbowl-Halbzeitshow von Bad Bunny würde eine eigene Ausgabe rechtfertigen - so viele Kopien und Referenzen waren in der 13-minütigen Performance versteckt. Die <a href="https://mashable.com/article/bad-bunny-super-bowl-halftime-show-cameos">Cameos</a> und <a href="https://www.forbes.com/sites/hannahabraham/2026/02/08/every-song-at-bad-bunnys-nfl-super-bowl-2026-halftime-show/">die Songs</a> allein liefern ausreichend Stoff für das popkulturelle Referenzspiel, besonders möchte ich aber die <a href="https://www.youtube.com/watch?v=CCF1_jI8Prk">Cover-Version des Songs “Gasolina”</a> aus dem Jahr 2004 von Don Omar, Tego Calderón, Héctor El Father und Daddy Yankee hervorheben, weil sie als Hommage zu lesen ist. </p><p>Die beste Analyse dazu und zu all den anderen Bezügen <a href="https://www.nytimes.com/2026/02/09/arts/music/bad-bunny-super-bowl-halftime-show-review.html">habe ich in der New York Times</a> gelesen:</p><blockquote><p>Offene Parolen, verschlüsselte Botschaften, visuelle Hinweise. Freiheit und Freude selbst können Akte des Widerstands sein. All das war während dieser Performance zu sehen, auch wenn es keinen so direkten Moment gab wie Bad Bunnys „ICE out“-Ruf bei den Grammys vor einer Woche. Stattdessen führte er Dutzende von Tänzern in einer kunstvollen Choreografie an, in der bewusst auch gleichgeschlechtliche Paare vertreten waren.</p></blockquote><p></p><figure><a href="https://www.instagram.com/p/DUhz5DhjOXN/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5c89a9b7-2961-41d1-a551-99ea186e99f7/uploads/images/ywbuiq55f6/Bildschirmfoto_2026-02-09_um_13.53.20.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><figcaption>Die zentrale Botschaft von Bad Bunny an Amerika</figcaption></figure><p><strong>Außerdem:</strong> die Noise-Rock-Band Chat Pile hat einen Protestsong gegen die US-amerikanische Einwanderungspolizei ICE veröffentlicht - und dazu einen Nirvana Song gecovert: <a href="https://stereogum.com/2488156/chat-pile-masks-sifting-nirvana-cover/music">Sifting</a>. Norah Jones und Josh Homme von Queens of the Stone Age haben einen Frank Sinatra-Cover-Klassiker gecovert: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=K-WIIOSXw18">Something Stupid</a>.</p><p>Und Mariah Carey hat offenbar <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/108d9fb0-820c-4bf6-8d95-4abc517db76e">die italienische Ausgabe dieses Newsletters</a> gelesen - jedenfalls hat sie zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Mailand <a href="https://www.youtube.com/shorts/8jy2pa24hjM">eine äußerst interessante Version von “Volare” gesungen</a>.</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/5c89a9b7-2961-41d1-a551-99ea186e99f7/teaser_image/1770480376?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 11 Feb 2026 17:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Nur ein Wort (5/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Soziale Orientierung durchs Kopieren - und ein wenig italienisches Lebensgefühl ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Nur ein O (5/50)</h1><p><strong>Der besondere Zauber der Kopie braucht keine Worte!</strong></p><p>Mit dieser etwas unklaren Einleitung begrüsse ich Euch in der fünften (etwas 🇮🇹 italienischen) Folge von <em>Kopieren kapieren</em>, in der ich Euch eine knapp 75-sekündige Cover-Version vorstellen will, der eben das gelingt, was ich in der Begrüßung behaupte: Sie wird verstanden, ohne dass sie Worte benötigt.</p><p>Genau das ist diese Woche der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni <s>passiert</s> geglückt: Sie <a href="https://www.instagram.com/p/DULKhxLDGPB/">hat auf Instagram ein Bild gepostet</a>, über das in Italien derzeit gestritten wird - und das ich durchaus als Beitrag zur letzten Folge dieses Newsletters interpretiere: <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/0ceba397-6e40-469a-9aa7-b86d2c43ccca">Wie gehst du damit um, wenn du kopiert wirst?</a></p><figure><a href="https://www.instagram.com/p/DULKhxLDGPB/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/108d9fb0-820c-4bf6-8d95-4abc517db76e/uploads/images/m3wvfhg4af/Bildschirmfoto_2026-02-01_um_16.56.05.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Instagram-Post von Giorgia Meloni"/></a><figcaption>Instagram-Post der italienischen Ministerpräsidentin, das ein Bild aus der Basilika San Lorenzo in Lucina in Rom zeigt</figcaption></figure><p>Zu sehen ist ein Fresko in der Basilika San Lorenzo in Lucina, die im Herzen Roms liegt. Darauf zu sehen: ein Engel, der eine Schriftrolle in der Hand hält, auf der die Umrisse Italiens zu sehen sind. Das Besondere ist aber das Gesicht des Engels, das seit einer Restaurierung verdächtig kopiert aussieht: <strong>Der Engel trägt das Gesicht der rechtskonservativen Regierungschefin Giorgia Meloni!</strong></p><p>Urheber dieser Veränderung ist laut <a href="https://www.repubblica.it/politica/2026/01/31/news/meloni_ritratto_basilica_san_lorenzo_in_lucina-425129378/">der italienischen Zeitung LaRepubblica</a> nicht das offizielle Restaurierungsteam, sondern ein Freund der Kirche, Bruno Valentinetti, der gemeinsam mit dem Priester, Monsignore Daniele Micheletti, die Kopie erstellt haben soll. <a href="https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/aerger-in-rom-sieht-dieser-engel-aus-wie-giorgia-meloni-accg-200494660.html">FAZ-Italien-Korrespondent Matthias Rüb bringt die Reaktion der beiden wunderbar auf den Punkt</a> - und bestätigt damit die Eingangsthese, dass der besondere Zauber einer Kopie kein Wort braucht:</p><blockquote><p>Gegenüber der Presse äußern sich Micheletti und Valentinetti übereinstimmend überrascht, dass die Leute eine Ähnlichkeit mit Meloni erkennen wollen. Ihnen sei das gar nicht aufgefallen, sagen sie – und zwinkern doch verbal mit mehr als einem Auge.</p></blockquote><p><em>Übereinstimmend überrascht</em> - passen sowohl der Kopiert-Song als auch meine Kapier-These diese Woche zu dem verbalen Augenzwinkern aus Rom. Mit einem verbalen Augenzwinkern wünsche ich:</p><p><strong>Viel Freude bei der Lektüre</strong><br/>Dirk<br/>P.S.: Zuerst habe ich die Meloni-Geschichte übrigens im Steady-Newsletter von Ornella Cosenza gelesen, den ich sehr empfehlen möchte: <a href="https://steady.page/de/autostrada-del-sole/posts/8af7db5e-122a-451a-8903-21ee3411c0c0">Autostrada Del Sole</a>!<br/></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Nur ein Wort</p><p><strong>Maxi Pongratz: </strong><a href="https://www.youtube.com/watch?v=N1uB1DW37j4"><strong>Nur ein O</strong></a></p><p>Das Original heißt “<a href="https://www.youtube.com/watch?v=X5kmM98iklo">Nur ein Wort</a>” und das Cover kommt genau ohne das aus: ohne ein Wort. Und doch gelingt es Maxi Pongratz, die besondere Stimmung einzufangen, die „Wir sind Helden“ im Jahr 2005 auslösten – und die seit dem immer wieder in Covern und Remixes einzufangen versucht wird. Das ist deshalb besonders wichtig, weil das Lied so toll ist, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=GWnFZI-m-pM">dass es sogar die regelmäßige Verwendung als Markus-Lanz-Titelmelodie unbeschadet übersteht</a>.</p><p>Es gibt unzählige Versionen (<a href="https://www.judith-holofernes.de/2015/06/nur-ein-wort-2/">hier eine brasilianische Deutsch-Klasse, die mit dem Song die Sprache lernt</a>) ich möchte hier (nicht nur mit Blick auf den italienischen Einstieg) aber jene von der <a href="https://www.crucchigang.de/">Crucchi Gang</a> hervorheben, die nicht nur ein, sondern alle Worte des Songs in Italienische übertragen habt: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=oUsl9TRhBCI">„Solo Una Parola“</a>.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Orientierung</p><p><strong>(B8)</strong> Eine Kopie zu erkennen, gleicht dem Moment, in dem du einen Witz verstehst (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df">siehe dazu Folge 01/50</a>): <strong>Kopien sind ein wichtiges Hilfsmittel zur sozialen Orientierung - ich erkenne deine Referenz, ich bin Teil deiner Gruppe.</strong></p><p>Bei sprachlichen Kopien lässt sich das sehr gut an Gedichten, Gesängen und Gebeten festmachen, die Gruppen auswendig lernen und zur Festigung der Gemeinschaft in Fankurven, Konzerthallen oder Kirchen vortragen. Besonders schön sind diese Momente des sozialen Zusammenhalts aber dann, wenn sie ohne Worte auskommen - im Erkennen einer Melodie oder eines Geruchs (über Duftzwillinge genannte Duft-Dupes mache ich mal ne eigene Folge).</p><p>Unser Konzentration auf das Original (und den damit häufig verbundenen Original-Schöpfer) vergessen wir häufig, wie bedeutsam die Kopie und ihre Funktion als sozialer Wegweiser ist. Wir finden unseren Platz in Gesellschaften häufig genau dadurch: dass wir kopieren und kopiert werden - und besonders schön ist es, wenn wir das kapieren.</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Um das Nummerierungs-Muster der bisherigen Folgen…</p><p>01/50 - <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df">B1</a></p><p>02/50 - <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/815b9729-13ad-4f6a-9007-5bfdd52bbc1c">E2</a></p><p>03/50 - <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/150ce46f-7c1e-4bc5-be32-d58df8aef444">B3</a></p><p>04/50 - <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/0ceba397-6e40-469a-9aa7-b86d2c43ccca">D2</a></p><p>05/50 - B8 (diese Folge hier)</p><p>… aufzulösen, kommt hier <strong>das Inhaltsverzeichnis dieses Newsletters</strong>. Ich habe mir nämlich schon vor Beginn unserer gemeinsamen Reise einen kleinen Fahrplan gemacht - und dazu fünf Kapitel benannt, die Aspekt des <em>Koapierens</em> umfassen. Diese sollen am Ende je zehn Unterpunkte versammeln. Und jedes Kapitel sortiere ich mit einem Buchstaben, so dass Ihr Euch künftig an dem hier orientieren könnt:</p><p><strong>A: </strong>🙂 Zehn grundlegende Feststellungen zur (digitalen) Kopie (&amp;KI)</p><p><strong>B: </strong>🤩 Zehn Gründe der Begeisterung für die lobenswerte Kopie</p><p><strong>C:</strong> 😳 Zehn Herausforderungen für die Idee des Originals</p><p><strong>D:</strong> 🤬 Zehn Fragen an betrügerische Kopien</p><p><strong>E:</strong> 🤓 Zehn gute Vorsätze für Kopierkompetenz</p><p><strong>Es gibt wieder tolle, aktuelle Cover-Release-News: </strong>Jonny Mahoro hatte im vergangenen Jahr <a href="https://www.dirkvongehlen.de/pop/coldplay-meme-ok-garmin-jet2-holiday-illegal-handshake-aura-farming-viraler-donnie-netzkulturcharts-juli-2025/">eine kleinen viralen Hit</a> mit seinem Song “Vielleicht”, dessen Refrain zum Tiktok-Ohrwurm wurde. Diese Woche hat er mit Ami Warning eine <a href="https://www.youtube.com/watch?v=iNPJIAt7bzE">live-home-sessiong-Version veröffenticht, die ich sehr empfehlen kann</a>. Lizzy McAlpine hat in dieser Woche ebenfalls eine schöne Cover-Version rausgebracht: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=3igYRj82EiU">House of the rising sun</a>. Aber vor allem <a href="https://stereogum.com/2487751/watch-pulp-cover-abba-with-the-bbc-concert-orchestra/news">diese News</a> hier macht gute Laune: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=5Wd1lm3K27Y">Pulp covern ABBA</a>.</p><p><strong><em>Weil es mir richtig viel Freude macht: bitte nicht aufhören, mir Cover-Versionen vorzuschlagen!</em></strong> Und hört euch unbedingt die besonderen Cover-Versionen an, die <a href="https://www.crucchigang.de/">Francesco Wilking und seine Crucchi Gang</a> ins Italienische übertragen: <mark style="background-color: rgb(250, 241, 211); color: inherit">La dolce Lieda!</mark></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 04 Feb 2026 17:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Cape Cod Kwassa Kwassa (4/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Passive Kopierkompetenz - mit einem Cover-Vorschlag von Melanie Gollin vom Newsletter "Zwischen 2 und 4"]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Herzlich willkommen, liebe Koapiererin und Koapierer!</strong><br/><br/>Bist du schon mal kopiert worden?</p><p>In der heutigen Folge geht es um die Frage, wie du damit umgehst, wenn dich jemand so interessant findet, dass sie oder er dich imitiert.</p><p><a href="https://www.instagram.com/melonenvogel/?hl=de">Melanie Gollin</a> vom <a href="https://www.zwischenzweiundvier.de/">Musik-Newsletter “Zwischen zwei und vier”</a> hat zum Thema “passive Kopierkompetenz” ein wunderbares musikalisches Beispiel, das sie weiter unten vorstellt.</p><p>Mir persönlich fällt dazu lediglich eine musikalisch sehr viel bodenständigere Variante ein, die aber nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert: In seinem Song “<a href="https://www.youtube.com/watch?v=8GhAcmbpRdA">Was wird aus Hannover</a>” singt Thees Uhlmann: “<em>Du hattest einen Plan vom Leben, ich hatte Fury in the Slaughterhouse</em>”. Diese Zeile sorgte dafür, <a href="https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/rockpalast/video-fury-in-the-slaughterhouse-feat-thees-uhlmann---was-wird-aus-hannover-100.html">dass die genannte Band aus Hannover ihn 2021 in die historische Stadthalle nach Wuppertal einlud</a> (Corona!) - um gemeinsam eine Cover-Version des Songs einzuspielen. Allerdings singen die Musiker aus Hannover die Strophe über sich nicht selbst, weshalb der von Melanie vorgeschlagene Song ohnehin viel besser (und eine sehr gute Einstimmung zum Thema “Kopieren als Hommage”) ist.</p><p><strong>In diesem Sinne: ein Sunny-Woche (bis zum Ende lesen, dort gibt es Sunny-Laune)</strong></p><p>Dirk<br/></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Cape Cod Kwassa</p><p><strong><em>Vorgeschlagen und beschrieben von </em></strong><a href="https://www.instagram.com/melonenvogel/?hl=de"><strong><em>Melanie Gollin</em></strong></a><strong><em>, die gemeinsam mit Rosalie Ernst, den Newsletter “</em></strong><a href="https://www.zwischenzweiundvier.de/"><strong><em>Zwischen zwei und vier</em></strong></a><strong><em>” schreibt. Am </em></strong><a href="https://www.colosseumberlin.com/details-registrierung/zwischen-zwei-und-vier-live"><strong><em>20. März treten sie im Coloseum in Berlin</em></strong></a><strong><em> auf:</em></strong></p><p>Der heutige Coversong ist ein Meisterstück der Metaebene. “<a href="https://www.youtube.com/watch?v=9wHl9qRsMzw">Cape Cod Kwassa Kwassa</a>” befindet sich im Original auf dem ersten Vampire Weekend-Album von 2008. Gott weiß, was dieser Songtitel bedeuten soll. Naja, Gott und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Cape_Cod_Kwassa_Kwassa">Wikipedia</a>, es geht um Kolonialisierung, aber für uns hier ist das jetzt nicht wichtig.</p><p>Hot Chip sind 2008 schon zwei Alben deep in ihrer Karriere, auch das: gar nicht so wichtig. Die untersetzen Engländer kopieren im gleichen Jahr preppy New Yorker, beide Bands sind zu ihren Hochzeiten zwei der wichtigsten Bands der Indie- und Nu Rave-Szene. So weit, so schon sehr aufregend, ABER. </p><p>Wichtig ist eigentlich nur dieser Fakt: Im Song “Cape Cod Kwassa Kwassa” gibt es folgende Textzeile: </p><blockquote><p><em>But this feels so unnatural, Peter Gabriel, too</em></p><p><em>This feels so unnatural, Peter Gabriel, too</em></p></blockquote><p>Auch hier: Was soll es bedeuten? Egal. Denn jetzt kommt’s doch. Die Coverversion wird nicht etwa von den Hot Chip-Sängern Alexis Taylor oder Joe Goddard gesungen, sondern…</p><p>Sagen wir so: die oben genannte Textzeile lautet in der <a href="https://www.youtube.com/watch?v=o5HcC7ZsXMw">Coverversion (ca 1,20 min)</a>:</p><blockquote><p><em>It feels so unnatural / Peter Gabriel too </em></p><p><em>and it feels so unnatural / to sing your own name.</em></p></blockquote><p>Und alles andere hört ihr selbst. <em>WER</em> etwas kopiert, ist manchmal genauso wichtig wie <em>WIE</em> etwas kopiert wird. Nur dadurch entsteht hier ein Mindfuckmoment.</p><p>(Na, der Song ist auch catchy, so is’ ja nich.)</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Eine Ehre</p><p><strong>(D2)</strong> Mit der Frage, woher das folgende Zitat stammt, kannst du recht viel Zeit <a href="https://www.phrases.org.uk/meanings/imitation-is-the-sincerest-form-of-flattery.html">im Internet</a> verbringen: “<strong>Nachahmung ist die aufrichtigste aller Schmeicheleien.</strong>” Ob es tatsächlich von Oscar Wilde stammt, ist unklar. Wilde hat der Welt allerdings recht sicher den Satz geschenkt: “Talent borrows, genius steals.”</p><p>Wie aber fühlt es sich an, wenn du nicht selbst kopierst, sondern kopiert wirst? Fühlst du dich tatsächlich geschmeichelt?</p><p>Wenn wir hier über Kopierkompetenz sprechen, muss genau diesem Aspekt des passiven Kopierens ein eigenes Kapitel gewidmet werden. Denn obwohl “genius steals”, sollte das Kopiertwerden sich nicht wie ein Raub anfühlen. Denn: “Man muss feststellen, dass derjenige, der kopiert wird, häufig profitiert, weil der Grad seiner Bekanntheit enorm steigt,” <a href="https://www.jetzt.de/jetztgedruckt/das-ist-eine-kraftvolle-entwicklung-449476">sagte mir Michael Welsch im Jahr 2008 als ich ihn interviewte</a>, weil er damals Bekanntheit als YouTube-Professor erlangte. Die Plattform war unschuldige drei Jahre alt und Welsch hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die eigene Dynamik in diesem noch jungen Ökosysteme zu erforschen.</p><p>Viel hat sich seitdem geändert, sein Urteil trifft aber weiterhin zu (nicht nur auf Youtube): Kopierer (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df">die nach den Kriterien der lobenswerten Kopie arbeiten</a>) rauben nicht, sie verschenken etwas - und es sei es nur Aufmerksamkeit. Sie werfen einen neuen Blick auf das Original, stellen es in ein anderes Licht und machen es vielleicht auch erst bekannt (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/150ce46f-7c1e-4bc5-be32-d58df8aef444">genau das ist mir vergangene Woche passiert</a>).</p><p>Im <a href="https://www.dirkvongehlen.de/mashup/">Lob der Kopie</a> komme ich deshalb in Bezug auf die passive Kopierkompetenz zu dem Urteil: “Das Original profitiert von der Kopie.”</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Hast du schon ein Muster in den bisherigen Folgen erkannt? Ich habe sie (etwas geheim) nummeriert - und das bezieht sich nicht auf Schiffe-Versenken-Muster.</p><p>01/50 - <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df">B1</a></p><p>02/50 - <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/815b9729-13ad-4f6a-9007-5bfdd52bbc1c">E2</a></p><p>03/50 - <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/150ce46f-7c1e-4bc5-be32-d58df8aef444">B3</a></p><p>04/50 (diese hier) D2</p><p>Mehr dazu dann in den nächsten Wochen ;-)</p><p><strong>Außerdem:</strong> Unser Newsletter wird von Theresa Bäuerlein und ihrem Newsletter <a href="https://steady.page/de/verstand-verlieren/recommendations">“Wie du nicht den Verstand verlierst”</a> empfohlen. Vielen Dank!</p><p>Nach dem <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/150ce46f-7c1e-4bc5-be32-d58df8aef444">aktuellen Einschub zum Release einer Notwist-Coverversion</a> bin ich offenbar besonders aufmerksam, was aktuelle Cover-Themen angeht: <a href="https://xiuxiu.bandcamp.com/album/xiu-mutha-fuckin-xiu-vol-1">Xiu Xiu haben ein sehr tolles Cover-Album in der vergangenen Woche veröffentlicht</a>, Cat Power hat <a href="https://www.ndr.de/kultur/musik/pop/coverversionen-als-kuenstlerisches-prinzip-redux-von-cat-power,catpower-redux-100.html">eine EP mit drei Cover-Versionen rausgebracht</a>, Green Day Frontman Billie Joe Armstrong <a href="https://www.nme.com/news/music/listen-to-green-days-billie-joe-armstrong-and-son-jakobs-faithful-new-cover-of-david-bowies-heroes-3925141">hat gemeinsam mit seinem Sohn Jakob ein David Bowie Cover</a> gemacht - und wer meine Begeisterung für Referenzen und Anspielungen teilt, wird sicher große Freude am Video zur aktuellen Harry Styles Single haben: <a href="https://www.tiktok.com/@amberatbarricade/video/7598808857741249814?">“Aperture” weist erstaunliche Parallelen zu David Bowies “I’m afraid of the Americans”-Video aus dem Jahr 1997 auf</a>.</p><figure><a href="https://www.tiktok.com/@amberatbarricade/video/7598808857741249814?"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/0ceba397-6e40-469a-9aa7-b86d2c43ccca/uploads/images/4jippa66v5/Bildschirmfoto_2026-01-26_um_18.10.24.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><figcaption>Harry Styles kopiert David Bowie</figcaption></figure><p><strong><em>Weil es mir richtig viel Freude macht: bitte nicht aufhören, mir Cover-Versionen vorzuschlagen!</em></strong><em> Am Sonntag (</em><a href="https://www.instagram.com/diskomanni/?hl=de"><em>danke, Manni!</em></a><em>) wurde ich beispielsweise </em><a href="https://open.spotify.com/playlist/5BbsMoLTDQXxi1ctn4hdyv?si=ece89cfc62cb4f5e"><em>auf diese Spotify-Playlist hingewiesen</em></a><em>, die 31 Versionen von Sunny bündelt.</em></p><p><em>Viel Spaß damit: möge deine Woche ebenso sein: Sunny!</em></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/0ceba397-6e40-469a-9aa7-b86d2c43ccca/teaser_image/1769446917?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 28 Jan 2026 17:00:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[How the Story Ends (3/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Planänderung - fürs Rückwärts-Geboren-Sein - mit großem Dank an die Band "The Notwist"]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>How the Story ends (3/50)</h1><p><strong>Jetzt wird’s spannend, liebe Koapier-Community,</strong></p><p>wir sind erst in der dritten Folge und schon passiert, worauf ich gehofft hatte, was aber nicht planbar ist: Die Realität tritt ein - und nimmt Einfluss auf dieses Projekt.</p><p>Ursprünglich hatte ich in meinem (ohnehin lockeren) Plan für diese Woche eine andere Kopie vorgesehen und der korrespondierende Kapier-Punkt des <em>Rückwärts-Geboren-Seins</em> war eigentlich für andere Songs und erst später geplant. Aber dann machte mir eine Band einen Strich durch die Rechnung, von der ich bis vergangenen Donnerstag noch nie gehört hatte. Und zu verdanken habe ich diesen Erkenntnismoment - wenig überraschend - dem Thema, das uns hier verbindet: der Kopie!</p><p>Genau an diesem Moment der Planänderung zeigt sich, warum dieses Projekt ein Prozess sein soll - und nicht bloß ein Produkt: Weil auf dem Weg Dinge passieren, die spannender sein können als das bloße Ankommen am Ziel.</p><p><strong>Auf eine weiterhin gute Erkenntnis-Reise</strong></p><p>Dirk</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Howthe Story Ends</p><p><em>See, hidden in the pages of my notes<br/>is a letter that I wrote to you, but never sent,<br/>and that&#39;s how the story ends.</em></p><p>Mit diesen titelgebenden Zeilen endet der Song, den Carolyn Berk, Kerby Ferris und Emily Kingan im Jahr 2011 in die Seiten ihrer Notizen steckten. Mir war <a href="https://badmanrecordingco.bandcamp.com/album/lovers-i-was-the-east">“How the story ends” der Band “Lovers” aus Portland</a>, im US-Bundesstaat Oregon, nicht bekannt - bis die Münchner/Weilheimer Band “The Notwist” ihn aus den Notiz-Seiten holten und als Cover-Version abschickten. Erstmals hörte ich ihn im Sommer 2025 als “The Notwist” ihre Version auf einem besonderen Doppelkonzert im Münchner Import/Export spielten; am Ende einer Woche, in der sie das neue Album “News from Planet Zombie” aufnahmen, das am 3. März erscheinen wird.</p><p>Als zweite Single von “News from Planet Zombie” wurde in dieser Woche “<a href="https://www.youtube.com/watch?v=9ATxC8zN-A8">How the Story Ends</a>” in der Notwist-Version veröffentlicht. Eine klassissches Cover: gleicher Song, (fast) gleiche Länge, aber andere Stimme und andere Instrumentation. Diese Veränderung konnte mir aber natürlich nicht auffallen, weil “How the Story Ends” keine Cover-Version ist, die mir durch ihren besonderen Zugang des Original neu vorstellt. Dieses Cover-Version stellt mir das Original überhaupt vor. Und <strong>das ist eine besonders ehrenvolle Aufgabe, die Cover übernehmen können: mit Hilfe der Kopie, Musik bekannt machen.</strong></p><p>In diesem konkreten Fall war das ein besonders schöner Start einer Geschichte: Ich habe Original und Cover in den vergangenen Tagen in Dauerschleife gehört - und dann angefangen weitere Songs von “Lovers” zu hören … <em>and that&#39;s how the story starts.</em></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Hinzulernen</p><p><strong>(B3)</strong> Vom US-Schriftsteller Jonathan Lethem stammt die Formuliereung des <em>Rückwärts-Geboren-Seins</em> für diese Art der (pop-)kulturellen Orientierung, die erst durch die Kopie möglich wird. Lethem schreibt in seinem Essay <a href="https://www.theguardian.com/books/2012/feb/24/ecstasy-of-influence-jonathan-lethem-review">“Ecstasy of Influence”</a>:</p><p>“<em>Die Welt ist eine Wohnung, übersät mit Produkten der Pop-Kultur und deren Emblemen. Beim Aufwachsen wurde ich überschwemmt mit den Parodien auf Originale, die mir unbekannt und geheimnisvoll waren – ich kannte die Monkees früher als die Beatles und Belmondo früher als Bogart [. . .]. Ich stehe nicht allein damit, dass ich rückwärts geboren bin, hinein in ein chaotisches Reich der Texte, Produkte und Bilder – in eine Kommerz- und Kultur-Umwelt, die unsere natürliche Umwelt zugleich ergänzt und auslöscht. Sie gehören mir genauso wenig wie die Gehsteige oder die Wälder der Welt, dennoch wohne ich darin.</em>”</p><p>Beide Bilder - des Wohnens und Rückwärts-Geboren-Seins - mag ich sehr: Sie beschreiben die Bindung an Werke, die bereits in der Welt sind (bekannt wie unbekannt) und zeigen, wie wir uns in dieser Welt heimisch fühlen können - durchs Kopieren. Was meiner Einschätzung nach das passive Konsumieren von Kopien ebenso einschließt, wie das aktive Produzieren durchs Kopieren z.B. von Memes.</p><p>Für diese Woche möchte ich es aber bei der Idee der Orientierung in und durch Kopien belassen - und dazu Jamie Hewlett zitieren, dessen Band Gorillaz diese Woche ebenfalls einen neuen Song veröffentlicht hat (“Orange County”). <a href="https://www.wired.com/2005/07/gorillaz-2/">Im Jahr 2005 sprachen Hewlett und Damon Alban in Wired</a> über ihre Band Gorillaz. Das Gespräch ist noch immer lesenswert - u.a. wegen dieser Einschätzung von Jamie Hewlett:</p><p><em>“The coolest thing is that kids are catching the references we put in the music and the visuals, and then they&#39;re going out to learn about the original pieces of culture we were inspired by. The payoff is that the next generation of artists and writers might say, &quot;I learned a lot from listening to the Gorillaz when I was 15.&quot;</em></p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><strong>Es gibt eine klare Definition dessen, </strong><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df"><strong>was ich als Kopie lobenswert finde</strong></a><strong>. Und für mich zählt zu </strong><a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/815b9729-13ad-4f6a-9007-5bfdd52bbc1c"><strong>Kopierkompetenz das Wissen darum, welche Rolle deine Aufmerksamkeit spielt</strong></a><strong>.</strong></p><p>Ich habe in dieser Woche sehr viel “How the Story Ends” gehört - und nebenbei <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/be8d5a63-1a3f-45a7-bc6a-756d6ad9952b">eine Liste auf der Steady-Seite angelegt</a>, in der ich all eure Vorschläge für gute Cover-Versionen und musikalische Kopien sammle. Falls du also Empfehlungen hast: <strong>Bitte schicke sie mir!</strong></p><p><strong>Meine Empfehlung:</strong> Schau dir mal die Newsletter von <a href="https://media-rewilding.de/">Alexander von Streit</a> und <a href="https://steady.page/de/sebastian/recommendations">Sebastian Esser</a> an - beide haben nämlich in der vergangenen Woche “Kopieren kapieren” auf ihrer Steady-Seite empfohlen. Vielen Dank!</p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/150ce46f-7c1e-4bc5-be32-d58df8aef444/teaser_image/1768585454?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 21 Jan 2026 17:00:01 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Cover-Versionen, die der Kopier-Community gefallen]]></title>
      <description><![CDATA[Fortlaufend aktualisierte Liste mit Cover-Vorschlägen]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Die besten Cover-Versionen der Kopier-Community</h1><p><strong>Was für eine unvorsichtige Frage! </strong>Als ich um eure Lieblings-Cover bat, war mir nicht klar, wieviele und wieviele tolle Vorschläge ich bekommen würde. Deshalb versammle ich weiter unten mit großem Dank die Liste Eurer Cover-Einreichungen!</p><p><strong><mark style="background-color: rgb(247, 227, 225); color: inherit">Um diesen Post aber als Übersicht zu nutzen, beginne ich mit der Liste der Songs, die in den laufenden Folgen genutzt werden</mark></strong> (die Nummerierung in Klammer zeigt, zu welchem Kapitel der jeweilige Beitrag später gehören wird):</p><p>Folge 01/50 (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df">B1</a>): Anxiety</p><p>Folge 02/50 (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/815b9729-13ad-4f6a-9007-5bfdd52bbc1c">E2</a>): Against all Odds (vorgeschlagen von Prof. Christoph Bieber)</p><p>Folge 03/50 (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/150ce46f-7c1e-4bc5-be32-d58df8aef444">B3</a>): How the Story Ends</p><p>Folge 04/50 (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/0ceba397-6e40-469a-9aa7-b86d2c43ccca">D2</a>): Cape Cod Kwassa Kwassa (vorgeschlagen von Melanie Gollin)</p><p>Folge 05/50 (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/108d9fb0-820c-4bf6-8d95-4abc517db76e">B8</a>): Nur ein O</p><p>Folge 06/50 (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/5c89a9b7-2961-41d1-a551-99ea186e99f7">A5</a>): There’s a light that never goes out (vorgeschlagen von Martin Hommel)</p><p>Folge 07/50 (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/66f1c37a-0b40-462f-ace1-29638297e44e">A8</a>) Summertime (vorgeschlagen von Marita Oida)</p><p>Folge 08/50 (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/80597c53-e7e4-47ba-bb5d-af8d89c0e7b7">D3</a>): I See A Darkness (vorgeschlagen von Theresa Bäuerlein)</p><p>Folge 09/50 (<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/23a353b6-18e0-4c60-880a-a627b5feb1a9">A4</a>): Unlearned (vorgeschlagen von Katrin Huth)</p><p>Folge 10/50 (A2): Smooth Criminal (vorgeschlagen von Sebastian Hotz)</p><h4>Die Vorschläge der Koapier-Community</h4><p></p><p>“All Day” von GirlTalk</p><p>“Creep” Max Mutzke</p><p>“Yesterday” Eva Cassidy</p><p>“Feeling Good” Muse</p><p>„Blinded by the light“ als Country-Mix von Tebey (Original von The Weeknd)</p><p>“Grey Album” von Danger Mouse</p><p>Der <a href="https://www.davidbyrne.com/radio/david-byrne-radio-presents-under-the-covers-2">heutige Newsletter von David Byrne mit Playlist</a> passt perfekt zu Deinem Thema</p><p>The Notwist — Boneless (Grizzly Bear Remix) </p><p>Die Nerven – Ein Stern, der deinen Namen trägt</p><p>Jaydiohead – 99 Anthems</p><p>Charli XCX feat The 1975 &amp; Jon Hopkins – I might say something stupid </p><p>“Hallelujah” Jeff Buckley</p><p>“Zombie” Bella Poarch</p><p>DJ Koze “1000 Tränen tief” (Steve Bug Loverboy Remix)</p><p>“Vois dur ton chemin” BENNETT </p><p>“She&#39;s lost control” Grace Jones</p><p>PIMP Bacao Rhythm and Steel Band</p><p>“Jiggle Jiggle” (Duke and Jones / Louis Theroux)</p><p>“Hey Hey” Meute</p><p>Peter Gabriel and Hot Chip: “Cape Cod Kwassa Kwassa”</p><p>Hans Albers: “Goodbye Johnny”</p><p>“Linger” Royel Otis</p><p>Bowling for Soup: “Actually romantic”</p><p>Acid Pauli vs. Johnny Cash “I See A Darkness”</p><p>“Somewhere only we know” Lily Allen</p><p>D&#39;Angelo -”Feels Like Making Love” </p><p>Obadiah Parker “Hey Ya”<br/><br/>“You can call me Al” Noah and the Whale</p><p>Teddy Swims “Mercy Mercy Me”<br/><br/>“The Man Who Sold the World”- Nirvana</p><p>“Respect” Aretha Franklin (ursprünglich Otis Redding)</p><p>“Valerie” - Amy Whinehouse</p><p>“Knockin&#39; on Heaven&#39;s Door” - Guns N&#39; Roses</p><p>“Ruby Tuesday” Melanie Safka</p><p>“Was wird aus Hannover” Fury in The Slaughterhouse</p><p>&quot;Where the Lights Are Low&quot; von Toby Romeo, Felix Jaehn and FAULHABER</p><p>“I Will Always Love You” Whitney Houston (ursprünglich von Dolly Parton)</p><p>Weck mich auf - Xavier Naidoo</p><p>Franz Ferdinand “Call Me”</p><p>Bruce Springsteen “Don‘t Change”</p><p>Tocotronic vs. Console, Freiburg 3.0</p><p>Pet Shop Boys “Go West”</p><p>“Pale Blue Eyes” Soap&amp;Skin</p><p>A Star is Born Lady Gaga und Bradley Cooper</p><p>&quot;I will survive&quot; von Cake (Original Gloria Gaynor)</p><p>Elkie Brooks - Human (Rag’n’Bone Man Cover) Radio 2 Piano Room (25th Feb 2025)</p><p><em>Auf Spotify (</em><a href="https://www.dirkvongehlen.de/pop/ich-keine-lust-als-content-creator-fuer-instagram-zu-arbeiten-warum-graemsn-einen-club-fuer-seine-musik-gegruendet-hat/"><em>ich weiß um die Probleme</em></a><em>) sammle ich seit Jahren musikalische Kopien: </em><a href="https://open.spotify.com/playlist/1pp1ztDIFnhfJQawt8dIHj?si=5ea2eb83681d45ba"><em>in der Playlist</em></a><em> habe ich die Versionen (sofern verfügbar) ergänzt. Gerne weitere Vorschläge schicken!</em></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 14 Jan 2026 20:32:15 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Against All Odds (2/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Über den Wert von Aufmerksamkeit für Kopierkompetenz - und ein Cover-Vorschlag von Prof. Christoph Bieber]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Herzlich willkommen, liebe Kopier-Community!</strong></p><p>Ich gebs zu: Das hier macht Spaß mit Euch. <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df">Und wie gesagt</a>: wegen Euch! </p><p>Wäre das hier ein normales Buch, würde ich jetzt (Dienstag 22.30 Uhr) die Bundesliga angucken und vielleicht am Wochenende am zweiten Kapitel arbeiten. </p><p>Aber weil es Euch gibt, sitze ich jetzt hier und schreibe die zweite Folge. Nicht gegen Widerstände, sondern aus innerem Antrieb. Weil ich weiß, dass Ihr hingucken werdet.</p><p>In diesen beiden Sätzen steckt ein mittelgutes Rätsel zur heutigen Cover-Version. Christoph Bieber hat sie mir vorgeschlagen - und stellt sie mit einer lesenswerten Erklärung vor. Sie steht unten - und im Anschluss ergänze ich, was ich übers Hingucken weiß: ausgelöst durch die Zeile “<em>Take a look at me now</em>”</p><p><strong>Auf eine gute Woche </strong></p><p>Dirk</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><hr/><p>Against All Odds </p><p><strong><em>Vorgeschlagen und beschrieben von Prof. Dr. Christoph Bieber, </em></strong><em>Professor für Politikwissenschaft an der Universität Duisburg-Essen. Aktuell ist er beurlaubt an das Center for Advanced Internet Studies (CAIS) in Bochum, dort leitet er als Forschungsprofessor die Arbeitsgruppe „Digitale Demokratische Innovationen“. Jenseits der Fußnoten interessiert er sich für populäre Kultur und Sport - </em><a href="https://internetundpolitik.wordpress.com/2017/02/09/boys-dont-cry-song-for-donald/"><em>2017 hat er beispielsweise über ein “The Cure”-Cover von Jan Böhmermann gebloggt</em></a><em>.</em></p><p>„<a href="https://www.youtube.com/watch?v=wuvtoyVi7vY">Against All Odds (Take a Look at Me Now)</a>“ von 1984 gilt als „Power-Ballade“, ein eher ruhig-romantisches Stück, das irgendwann laut und kraftvoll über die Stränge schlägt - hier kommt der „vibe shift“ ziemlich genau zur Hälfte des Songs, wenn der Interpret an seinem Signatur-Instrument zur Tat schreitet. Wir reden hier vom Schlagzeug, denn am Mikrofon ist Phil Collins, der Drummer von „Genesis“. Er legt hier ein Werk vor, das sich wie der kleine Bruder (oder die kleine Schwester) des etwas älteren „In the Air Tonight“ anfühlt - auch hier sorgt ein furioses Trommelsolo für den Wiedererkennungswert des Arrangements.</p><p>„<a href="https://www.youtube.com/watch?v=pvjlivsCBcM">Against All Odds (Take a Look at Me Now)</a>“ ist aber auch ein Song der US-amerikanischen Indie-Formation „The Postal Service“ von 2004, ebenfalls als Teil eines Soundtracks, der Film heißt dieses Mal „Wicker Park“. Und wieder zerfällt der Song in mehrere Teile, allerdings sind es nun drei. Die ersten 90 Sekunden klingen gedämpft, als würden sie aus großer Entfernung an die Zuhörer herangetragen. Dann plötzlich wird der Sound klar und das Tempo zieht langsam an - die Instrumentalisierung ist sparsam, das ursprünglich dominante Schlagzeug ist in elektronische Impulse übertragen. Nach zwei Dritteln des Songs folgt ein erneuter Formwandel - zum Ende hin löst sich das Stück allmählich auf: der Text wird reduziert auf die mehrfach wiederholte Zeile „Take a look at me now“, während der Soundteppich immer sphärischer und digitaler wird. Beinahe wirkt es, als würde das Cover mit seinem Original reden: „Sieh dir an, was aus mir geworden ist.“ </p><p></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Alles ist Kopie</p><p><strong>(E2)</strong> “<em>Take a look at me now</em>” ist in einer Welt der duplizierbaren Inhalte (die auch von - kopierenden - Maschinen erstellt werden können) eine Erinnerung daran, <a href="https://www.dirkvongehlen.de/netz/mehr-aufmerksamkeit-fuer-aufmerksamkeit-mein-republica-vortrag-2025/">wie bedeutsam Aufmerksamkeit wird</a>.</p><p>Diese Erinnerung folgt nicht linear als zweite Folge des Newsletters, ich schreibe sie dennoch heute, weil sie gut zu dem Cover dieser Woche passt und der Newsletter sich dem Korsett der Linearität entziehen kann. Wir springen also zu den guten Vorsätzen der Kopierkompetenz (E). Ich wünsche mir nämlich, dass wir in einer medienkompetenten Welt mehr Aufmerksamkeit für unsere Aufmerksamkeit entwickeln - und <strong>feststellen, dass selbstbestimmte Aufmerksamkeit die Grundlage für Bildung wäre, die man sogar als Aufklärung der Aufmerksamkeit beschreiben könnten.</strong></p><p>Wenn wir selbst entscheiden, wem wir unsere Aufmerksamkeit schenken (und dies nicht öffentlichen Debatten oder Algorithmen überlassen), gewinnen wir damit eine Form von Autonomie, die mit dem Mut vergleichbar ist, der nötig ist, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.</p><p><strong>Deshalb ist Kopierkompetenz für mich auch die Fähigkeit, selbst über die eigene Aufmerksamkeit zu bestimmen.</strong></p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ich habe versucht in drei Kriterien zu definieren, <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df">was ich als Kopie lobenswert finde</a>.</p><p>Und ihr kennt euch richtig gut mit Musik aus! Jedenfalls habe ich sehr viele, sehr tolle Cover-Versionen von euch bekommen. Vielen Dank! Ich werde sie weiterhin <a href="https://open.spotify.com/playlist/1pp1ztDIFnhfJQawt8dIHj?si=5ea2eb83681d45ba">in der Spotify-Playlist</a> (sofern verfügbar) ergänzen, hier auf Steady aber auch eine richtige Liste anlegen. Dazu aber dann beim nächsten Mal mehr…</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 14 Jan 2026 17:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Anxiety (1/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Drei Kiterien für lobenswerte Kopien und - und ein großes Dankeschön für die Mic-Check-Rückmeldung (B1: Alles ist Kopie)]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Es ist Mittwoch, 18 Uhr und wir starten… ein Experiment!Herzlich willkommen!</strong></p><p>Es gibt zwei Fragen in Bezug auf “Kopieren kapieren”, die mir seit ein paar Wochen gestellt werden - und die mich in aufsteigender Reihenfolge nervös machen. Die Fragen aus dem ersten Bereich beziehen sich auf das <em>was?</em> dieses Newsletters - also auf die korrekte Bezeichnung für das, was wir hier machen:<strong> </strong></p><p><strong>Ist das ein neues Buch? Ein Club? Eine Newsletter-Serie?</strong><br/>Die Antwort ist einfach, weil mir im sehr guten Sinne: egal!</p><p><strong>Ich möchte übers Kopieren schreiben, weil das Kopieren meiner Einschätzung nach der Schlüssel zum Verständnis der digitalen Welt ist (ja, auch KI). </strong>Und ich möchte auf eine gegenwärtige Weise übers Kopieren schreiben - deshalb gibt es ab sofort jeden Mittwoch um 18 Uhr eine Newsletter-Folge, die vielleicht (gemeinsam mit dir?) einen Buchclub gründet und womöglich auch zu einem klassischen Buch führt. Aber wie gesagt: das ist mir auf die bestdenkbare Weise egal, weil es für mich erstmal um den Inhalt geht - die passende Form wird sich dann schon finden (dieses Motto <s>borge</s> kopiere ich übrigens bei Lucas von Gwinner, der diesen Satz <a href="https://www.machtmarke.info/p/buch">in unser gemeinsames Buch</a> geschrieben hat: “<strong>Suche den Inhalt, finde die Form</strong>”)</p><p>Die zweite Frage hingegen macht mir mehr Sorgen. Sie geht ans Grundsätzliche und sollte am Beginn eines jeden (guten) Projekts stehen. Sie will den Grund kennenlernen und lautet: <strong>Und warum machst du das?</strong></p><p>Ich habe sie in den vergangenen Tagen immer häufiger gehört und sie macht mich ein wenig nervös. Denn die Antwort ist natürlich einerseits (s.o.) <strong>weil ich Kopierkompetenz wichtig finde - und im Prozess herausfinden will, wie sie zu definieren und zu erlernen ist.</strong> <em>(Das ist sehr offen, weil mich niemand darum gebeten oder gar beauftragt hat.)</em></p><p>Die Antwort bezieht sich andererseits aber auch auf dich*. Denn ein solches Experiment gelingt (anders als ein klassisches Buch) nur dann, wenn von Anfang an auch Leute dabei sind. Während ich hier also nervös auf die Subscriber-Zahlen in Steady schaue, erkenne ich (auf der Meta-Ebene) auch eine Bestätigung für meine These, <a href="https://www.dirkvongehlen.de/netz/mehr-aufmerksamkeit-fuer-aufmerksamkeit-mein-republica-vortrag-2025/">dass Aufmerksamkeit die zentrale Währung der Zukunft wird</a>.</p><p><strong>Deshalb freue ich mich sehr, dass du mir deine Aufmerksamkeit schenkst und dich auf dieses Experiment einlässt: vielen Dank!</strong></p><p>Passend zu meiner Unruhe in Bezug auf das Publikums-Interesse beginne ich unsere gemeinsame Playlist des Jahres 2026 mit <a href="https://www.dirkvongehlen.de/ich/das-internet-hat-einen-neuen-ohrwurm-anxiety-von-doechii/">“Anxiety” von Doechii</a>. Bevor der Song ein Überhit wurde, hatte die Rapperin (bürgerlich Jaylah Ji’mya Hickmon) das Lied in ihrem Schlafzimmer eingesungen - als Cover/Remix. </p><p>Irgendwie ein gutes Bild für den Start in dieses Experiment</p><p><strong>Viele Grüße aus meinem Schlafzimmer &amp; auf gutes Kapieren!</strong><br/>Dirk<br/></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/rnc3khf22n/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Anxiety (01/50)</p><p>Eine musikalische Referenz zu erkennen, gleicht dem Moment, in dem ich einen Witz verstehe: Es fühlt sich an als würde ich eine Botschaft nicht nur in Empfang nehmen, sondern auspacken und erkennen. In <a href="https://www.dirkvongehlen.de/meme_muster_digitaler_kommunikation/">Meme - Muster digitaler Kommunikation</a> habe ich diesen Moment der Erkenntnis so beschrieben: „<em>In der biblischen Schöpfungsgeschichte wird das Erkennen (»Und Adam erkannte sein Weib Eva, und sie ward schwanger und gebar den Kain«) als schöpferischer Akt beschrieben. Semantisch liegt dies daran, dass die Wörter »erkennen« und »miteinander schlafen« im Hebräischen den gleichen Wortstamm haben, aber voneinander unterschieden werden. Es ist deshalb vielleicht etwas zu weit gegriffen, deutet aber an, welche Bedeutung im tatsächlichen Erkennen zum Beispiel eines Witzes liegen kann.</em>“</p><p>Bei dem Song “Anxiety” von Doechii hatte ich diesen (schöpferischen) Moment der Erkenntnis doppelt. Zunächst als ich “<a href="https://www.youtube.com/watch?v=-d_PZikUT2I">Somebody That I Used To Know</a>” von Gotye erkannte (mehr zu dessen Internet-Ruhm <a href="https://www.dirkvongehlen.de/ich/das-internet-hat-einen-neuen-ohrwurm-anxiety-von-doechii/">hier</a>). Und dann als ich feststellte, dass auch Gotye kopierten - <a href="https://www.dirkvongehlen.de/ich/das-internet-hat-einen-neuen-ohrwurm-anxiety-von-doechii/">bei Luiz Bonfa im Jahr 1968</a>.<br/></p><p>Dass Doechii mit der doppelten Kopie eigenen Ruhm erlangte - und selbst zur Kopiervorlage wurde, habe ich im Frühjahr 2025 ausführlich beschrieben. Deshalb hier keine weiteren Erklärungen zu dem ersten Song <a href="https://open.spotify.com/playlist/1pp1ztDIFnhfJQawt8dIHj?si=26a3cf0119bf40d6">in der Liste</a>, sondern nur <a href="https://www.dirkvongehlen.de/ich/das-internet-hat-einen-neuen-ohrwurm-anxiety-von-doechii/">Bühne frei für den Ohrwurm</a>.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/wftq4b6sai/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><hr/><p>Alles ist Kopie</p><p><strong>(B1)</strong> Es bietet sich an, beim Anfang zu beginnen - nicht nur, wenn man die digitale Welt durchschreiten will. <strong>Aber wo ist der Anfang dessen, was wir Digitalisierung nennen? Meine Antwort: in der Kopie.</strong> </p><p>Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild und auch die Zellteilung ist eine Kopie. So entsteht das Leben und so orientieren wir uns im Leben. Wir schauen zu und wir schauen ab. Wir imitieren, wir ahmen nach und ja: Wir kopieren. Egal, wie weit wir blicken, egal, wie vornedran wir uns fühlen: Wir bauen auf dem auf, was vor uns war.</p><p>Diese Form der Kopie ist zu loben. Und sie unterscheidet sich grundlegend von jeder Art des Betrugs, des Etikettenschwindels und des geistigen Diebstahls. Im <a href="https://www.dirkvongehlen.de/mashup/">Lob der Kopie</a> habe ich diese drei Kriterien für die lobenswerte Kopie definiert - und ich muss sie zu Beginn des Projekts benennen um Missverständnisse zu vermeiden. Der Hauptkritikpunkt ist stets mein unscharfer Kopierbegriff, aber glaube mir: Schärfe ist hier nicht wirklich hilfreich - im Gegenteil: gerade durch die Unschärfe wird sichtbar, wie umfassend das Kopieren ist. </p><p>Dennoch zu Beginn <strong>meine Definition dessen, was ich als lobenswerte Kopie verstehe:</strong></p><ol><li><p><strong>Glaubwürdig: </strong>Die lobenswerte Kopie legt erstens ihre Vorlagen und Bezugnahmen offen. Als Faustregel verwende ich den Vergleich zur Ironie: eine Aussage kann auch nur dann als Ironie verstanden werden, wenn der Bezugsrahmen vorher klar war.</p></li><li><p><strong>Neu:</strong> Zum zweiten muss eine lobenswerte Kopie etwas Neues erschaffen. Sie muss der Vorlage etwas ergänzen oder nehmen, sie darf sie in jedem Fall nicht einfach nur vervielfältigen.</p></li><li><p><strong>Schöpferisch:</strong> Genau in dieser Neuheit kann das liegen, was für das Lob drittens notwendig ist: der eigene Beitrag, die eigene ergänzende Leistung. Diese kann man technisch, handwerklich oder kontextuell beschreiben, aber sie ist dringend erforderlich, um von einer lobenswerten Kopie zu sprechen.</p></li></ol><p>Genau an dieser eigenschöpferischen Leistung lassen sich viele spannende Konflikte entzünden: Wie hoch ist die Leistung von KI-Modellen? Und ist das, was KI da macht überhaupt eine Kopie?<br/><br/>Aber dazu mehr in den nächsten Folgen…</p><hr aria-hidden="true"/><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/g75y63weq3/Was_bisher.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Vergangene Woche habe ich einen <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/posts/d3024119-a60b-470c-8a23-cc1b5454240c">Mic-Check verschickt - als Generalprobe für den Newsletter</a> und als Hinweis darauf, dass manche Mailserver diese Botschaften hier als Spam markieren könnten. Deshalb bat ich darum, eine leere Mail als Antwort zu schicken - um den System zu signalisieren: Wir sind hier tatsächlich im Austausch. <strong>Das ist kein Spam!</strong></p><p><strong>*</strong>Seit ich am Neujahrsmorgen in meine Mails schaute, bin ich auf die bestmögliche Weise überrascht: <strong>Ich habe nicht nur super viele leere Antwortmails bekommen, sondern auch richtig viele Musiktipps.</strong></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/uploads/images/3wpnlisbn2/KOPIERT(4).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Darum hatte ich nämlich auch gebeten: <strong>Schicke mir deine Lieblings-Coverversion bzw. den Remix oder das Mashup, die auf keinen Fall in diesem Jahr fehlen dürfen!</strong> Gerne per Mail oder als Kommentar unter diesem Post.<br/><br/>Hier schon mal ein paar Antworten als Inspiration - <em>mit großem Dank an alle, die mir geschrieben haben (konnte leider nicht alle Mails beantworten!)</em></p><p>“All Day” von GirlTalk</p><p>“Creep” Max Mutzke</p><p>“Yesterday” Eva Cassidy</p><p>“Feeling Good” Muse</p><p>„Blinded by the light“ als Country-Mix von Tebey (Original von The Weeknd)</p><p>“Grey Album” von Danger Mouse</p><p>Der <a href="https://www.davidbyrne.com/radio/david-byrne-radio-presents-under-the-covers-2">heutige Newsletter von David Byrne mit Playlist</a> passt perfekt zu Deinem Thema</p><p>The Notwist — Boneless (Grizzly Bear Remix) </p><p>Die Nerven – Ein Stern, der deinen Namen trägt</p><p>Jaydiohead – 99 Anthems</p><p>Charli XCX feat The 1975 &amp; Jon Hopkins – I might say something stupid </p><p>“Hallelujah” Jeff Buckley</p><p>“Zombie” Bella Poarch</p><p>DJ Koze “1000 Tränen tief” (Steve Bug Loverboy Remix)</p><p>“Vois dur ton chemin” BENNETT </p><p>“She&#39;s lost control” Grace Jones</p><p>PIMP Bacao Rhythm and Steel Band</p><p>“Jiggle Jiggle” (Duke and Jones / Louis Theroux)</p><p>“Hey Hey” Meute</p><p>Peter Gabriel and Hot Chip: “Cape Cod Kwassa Kwassa”</p><p>Hans Albers: “Goodbye Johnny”</p><p>“Linger” Royel Otis</p><p>Bowling for Soup: “Actually romantic”</p><p>Acid Pauli vs. Johnny Cash “I See A Darkness”</p><p>“Somewhere only we know” Lily Allen</p><p>D&#39;Angelo -”Feels Like Making Love” </p><p>Obadiah Parker “Hey Ya”<br/><br/>“You can call me Al” Noah and the Whale</p><p>Teddy Swims “Mercy Mercy Me”<br/><br/>“The Man Who Sold the World”- Nirvana </p><p> “Respect” Aretha Franklin (ursprünglich Otis Redding)</p><p> “Valerie” - Amy Whinehouse</p><p>“Knockin&#39; on Heaven&#39;s Door” - Guns N&#39; Roses </p><p>“Ruby Tuesday” Melanie Safka</p><p>“Was wird aus Hannover” Fury in The Slaughterhouse</p><p>&quot;Where the Lights Are Low&quot; von Toby Romeo, Felix Jaehn and FAULHABER</p><p>“I Will Always Love You” Whitney Houston (ursprünglich von Dolly Parton)<br/></p><p><em>Auf Spotify (</em><a href="https://www.dirkvongehlen.de/pop/ich-keine-lust-als-content-creator-fuer-instagram-zu-arbeiten-warum-graemsn-einen-club-fuer-seine-musik-gegruendet-hat/"><em>ich weiß um die Probleme</em></a><em>) sammle ich seit Jahren musikalische Kopien: </em><a href="https://open.spotify.com/playlist/1pp1ztDIFnhfJQawt8dIHj?si=5ea2eb83681d45ba"><em>in der Playlist</em></a><em> habe ich die Versionen (sofern verfügbar) ergänzt. Gerne weitere Vorschläge schicken!</em></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/d65c67c9-33d3-4a44-a2b1-a62ef49c91df/teaser_image/1767198198?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 07 Jan 2026 18:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Mic Check (0/50)]]></title>
      <description><![CDATA[Hallo! Dieser Post ist eine Art Generalprobe, ein Mic-Check*. Genau in einer Woche - am 7. Januar um 18 Uhr - startet die erste Folge des Kopieren kapieren-Newsletters. …]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p><strong>Hallo!</strong></p><p>Dieser Post ist eine Art Generalprobe, ein Mic-Check*. Genau in einer Woche - am 7. Januar um 18 Uhr - startet die erste Folge des <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/about"><strong>Kopieren kapieren-Newsletters</strong></a>.</p><p>Ich freue mich, dass du bei meinem neuen Projekt auf Steady im Jahr 2026 dabei bist: In 50 Folgen versuche ich zu ergründen, warum Kopieren der Schlüssel zum Verständnis der digitalen Welt ist (ja, auch KI!) - und dazu gibt es in jeder Woche einen (kopierten) Musik-Tipp (Cover, Remix, Mashup - alles erlaubt).</p><p>Dazu brauche ich deine Hilfe: <strong>Damit diese Mails nicht im Spamordner landen, wäre es super, wenn du einfach eine leere Mail als Antwort schickst.</strong> Dann erkennt dein Mailprogramm, dass wir ernsthaft im Austausch sind.</p><p>Und wenn du schon dabei bist, eine Mail zu schreiben, würde ich mich sehr freuen, wenn du ein oder zwei Sätze ergänzen könntest. Mich interessiert nämlich zum einen: <strong>Welche Cover-Version/Mashup darf auf keinen Fall in meiner Liste fehlen?</strong> Und zum zweiten würde ich gerne wissen: Was interessiert dich an dem Projekt?</p><p><strong>Vielen Dank &amp; auf ein gutes neues Jahr!</strong><br/>Dirk</p><p><br/></p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d3024119-a60b-470c-8a23-cc1b5454240c/uploads/images/qqwiprnvk4/Design_ohne_Titel(16).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Diese Testfolge zeigt noch keine richtige musikalische Kopie - ich möchte aber trotzdem einen Musik-Tipp zum Abschluss teilen: *Der Song “<a href="https://www.youtube.com/watch?v=m575gWm1w9I&amp;t=29s">Mic Check</a>” von Cornelius stammt aus dem Jahr 1997 - und enthält laut <a href="https://www.whosampled.com/Cornelius/Mic-Check/">WhoSampled</a> auch eine Referenz - auf Ludwig van Beethoven.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d3024119-a60b-470c-8a23-cc1b5454240c/uploads/images/t7h4xtq3tr/Design_ohne_Titel(17).png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Ich möchte in dieser Folge etwas kapieren - und zwar: Welche Cover-Version kannst du mir empfehlen? <strong>Schreibe mir gerne eine kurze Antwort-Mail mit deinem Vorschlag!</strong></p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/d3024119-a60b-470c-8a23-cc1b5454240c/teaser_image/1767196764?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Wed, 31 Dec 2025 17:01:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die fünf besten musikalischen Kopien des Jahres 2025]]></title>
      <description><![CDATA[Welche Cover, Mashups und Remixe aus 2025 werden auch im neuen Jahr bleiben? Ich bin meine Kopieren kapieren-Playlist auf Spotify durchgegangen und habe meine fünf…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Welche Cover, Mashups und Remixe aus 2025 werden auch im neuen Jahr bleiben? Ich bin meine <a href="https://open.spotify.com/playlist/1pp1ztDIFnhfJQawt8dIHj?si=92426614a99848d7">Kopieren kapieren-Playlist</a> auf Spotify durchgegangen und habe meine fünf Favoriten herausgesucht (Foto oben <a href="https://www.instagram.com/dvg">via Instagram</a>)</p><p></p><p><strong>Platz 5: Kae Tempest “Freedom!2025”</strong></p><a href="https://youtu.be/eos0PiYZpI0?si=n6aZz16NOwcJCeNT"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1fdce8df-ddd2-4288-937c-6d812d5a2c20/uploads/images/2gnchcjrjk/IMG_6861.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Cover Freedom!25 - Kae Tempest"/></a><p>Die Vorlage stammt von George Michael - und heißt <a href="https://www.youtube.com/watch?v=diYAc7gB-0A">Freedom! 90</a> Es ist also kein klassisches Cover, aber eine klare Adaption und Referenz: <a href="https://youtu.be/eos0PiYZpI0?si=n6aZz16NOwcJCeNT">Freedom! 25</a></p><p><strong>Platz 4: Bonapart Studio: “On Melancholy Hill”</strong></p><a href="https://youtu.be/ESYqhgYsZQw?si=nu1GuBezzcmig--w"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1fdce8df-ddd2-4288-937c-6d812d5a2c20/uploads/images/onegktlidv/IMG_6862.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><p>Den Gorillaz-Song auf schweizer-deutsch? Ja das geht. Und klingt super. <a href="https://youtu.be/ESYqhgYsZQw?si=nu1GuBezzcmig--w">Hier von Studio Bonaparte vorgeführt</a>.</p><p><strong>Platz 3: Jan Böhmermann: “Wir sind frei”</strong></p><a href="https://youtu.be/yrHW7AD5tto?si=jYUM-qTxGVT2t1Qc"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1fdce8df-ddd2-4288-937c-6d812d5a2c20/uploads/images/dnlefpdhti/IMG_6864.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/></a><p>Jan Böhmermann als Jochen Distelmeyer: <a href="https://youtu.be/yrHW7AD5tto?si=jYUM-qTxGVT2t1Qc">Wir sind frei</a> ist eine Blumfeld-Coverversion, die Jan gemeinsam mit dem Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld und dem Popchor Köln eingespielt hat.</p><p><strong>Platz 2: Disarstar “Meine Söhne geb ich nicht”</strong></p><a href="https://youtu.be/8aJbxvK8bcg?si=y-JN5IcNddzVAw_g"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1fdce8df-ddd2-4288-937c-6d812d5a2c20/uploads/images/rgdxu74k36/IMG_6865.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Cover Disarstar"/></a><p>Reinhard Mey hat einen Song mit fast gleichem Namen veröffentlicht. Er heißt “<a href="https://www.dirkvongehlen.de/pop/reinhard-die-rapper-meine-soehne-geb-ich-nicht/">Nein, meine Söhne geb ich nicht</a>” und klingt etwas anders. Der Bezug, den Disarstar nimmt, ist aber klar erkennbar - <a href="https://www.dirkvongehlen.de/pop/reinhard-die-rapper-meine-soehne-geb-ich-nicht/">sogar in Text-Referenzen</a>: “<a href="https://youtu.be/8aJbxvK8bcg?si=y-JN5IcNddzVAw_g">Meine Söhne geb ich nicht</a>”</p><p><strong>Platz 1: Zah1de “Mona Lisa Motion (Einmal um die Welt)&quot;</strong></p><a href="https://youtu.be/jdE-EvhdXlg?si=IXD7FZlChBsYaGKr"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/1fdce8df-ddd2-4288-937c-6d812d5a2c20/uploads/images/jzk5ulnvow/IMG_6863.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Cover Zahide"/></a><p>Klar, da ist Cro zu dem Zah1de-Song gemischt worden - aber weißt du woher seine “<a href="https://youtu.be/jdE-EvhdXlg?si=IXD7FZlChBsYaGKr">Einmal um die Welt</a>”-Referenz stammt? Von den Strokes aus dem Ruhrgebiet: den Kilians. Mehr dazu in den <a href="https://www.dirkvongehlen.de/ich/zah1de-treppe-nicht-genormt-italian-brainrot-yannick-action-figure-und-neue-lehrer-netzkulturcharts-april-2025/">Netzkulturcharts</a> - <a href="https://youtu.be/jdE-EvhdXlg?si=IXD7FZlChBsYaGKr">und hier der Song</a>!</p><p><strong>Welche musikalischen Kopien haben dir 2025 besonders gut gefallen? Schreib es mir!</strong></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 30 Dec 2025 16:38:54 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Verschenken: der Kopier- und Kapierschein]]></title>
      <description><![CDATA[Ich habe eine Geschenk-Idee! Du kannst diesen Newsletter verschenken - an Menschen, die sich für Mashups und Musik interessieren oder an jene, die mehr Medien- und…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<p>Ich habe eine Geschenk-Idee!</p><p><strong>Du kannst diesen Newsletter verschenken</strong> - an Menschen, die sich für Mashups und Musik interessieren oder an jene, die mehr Medien- und Kopierkompetenz wünschen. Das geht im Prinzip wie ein gewöhnliches Buchgeschenk zu Weihnachten. Mit dem kleinen Unterschied, dass “<a href="https://steady.page/de/unkreativsein/newsletter/sign_up">Kopieren kapieren</a>” ja erst entsteht: ab Januar in 50 Folgen im Jahr 2026.</p><p></p><figure><a href="https://www.dirkvongehlen.de/wp-content/kopierschein_geschenk.pdf"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f194ebe0-962b-450f-b800-e43f3b0ff2be/uploads/images/57ld6lcy34/Bildschirmfoto_2025-12-20_um_21.08.51.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Kopierschein-Bild"/></a><figcaption>Zum Verschenken an Mashup-Freund:innen: der Kopierschein (zum PDF-Download verlinkt)</figcaption></figure><p>Deshalb kannst du noch nicht das Ergebnis, aber das Erlebnis verschenken: die Teilnahme am Entstehen des Buches. Dafür gibt es zwei Gutscheine, die ich Kopierschein (für Mashup- und Musik-Freunde) und Kapierschein (für Medienkompetenz-Interessierte) genannt habe. </p><p>Du kannst beide Scheine als PDF runterladen und ausdrucken - oder du verschickst sie per Mail mit dem <a href="https://steady.page/de/unkreativsein/newsletter/sign_up">Link auf die Anmelde-Seite</a>. </p><figure><a href="https://www.dirkvongehlen.de/wp-content/kapierschein_geschenk.pdf"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f194ebe0-962b-450f-b800-e43f3b0ff2be/uploads/images/5by7mjizns/Bildschirmfoto_2025-12-20_um_21.08.13.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Kapierschein-Bild"/></a><figcaption>Zum Verschenken an Kopierkompetenz-Interessierte: der Kapierschein (PDF zum Download verlinkt)</figcaption></figure><p></p><p><strong>In jedem Fall freue ich mich, wenn du die Einladung zu diesem Newsletter an Freundinnen und Bekannte weiterleitest!</strong></p><p></p>]]></content:encoded>
      <media:content type="image/jpeg" url="https://assets.steadyhq.com/production/post/f194ebe0-962b-450f-b800-e43f3b0ff2be/uploads/images/57ld6lcy34/Bildschirmfoto_2025-12-20_um_21.08.51.png?auto=format&amp;h=787&amp;w=1400&amp;fit=fill&amp;fm=jpg&amp;crop=faces" medium="image"/>
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      <pubDate>Sat, 20 Dec 2025 20:14:15 +0000</pubDate>
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