Slow down, you crazy child
Unsere Autorin zwischen Euphorie und süßem Schmerz: Das Töchterchen zieht aus.


Vor 30 Jahren war ich das letzte Mal hier mit einer jungen Liebe. Hab die Stadt, die Kaffeehäuser, den Wind, die Menschen, jeden Schritt, mein junges Leben umarmt. 30 Jahre sind eine Zeit, in die ein halbes Leben passt. Als ich wiederkehre nach Wien, hab ich keinen Boyfriend im Gepäck, sondern meine Tochter, kaum jünger als ich damals. Es ist Sommer 2025 geworden, 20 Grad, ich parke im zweiten Bezirk ein, zehn Uhr morgens, das Auto bis unters Dach voll bepackt mit Umzugskartons, Daunenkissen, Pfannen und Töpfen, Teppich, Besen, Putzlappen, dazwischen wir Beide, hellwach und innerlich bebend nach nur vier Stunden Schlaf. Wir kommen nicht für einen Kurztripp, nicht für Schloss Schönbrunn und auch nicht für Sachertorte. Wir kommen, um ein Nest zu bauen. Cocos Nest. Ihre erste Studentenbude in der „Zimmerei“, ihr neues Zuhause 400 Kilometer von zuhause entfernt. Ich heule ja gar nicht, ich bin doch bloß am Durchdrehen. Es ist so wahnsinnig toll, und es ist so fürchterlich. Beide Gefühle sind gleichzeitig da. Ich schwanke zwischen Euphorie und süßem Schmerz. Und verspreche, ganz tapfer zu sein. Heißt: ignorieren, fokussieren, organisieren. Funktioniert stets zuverlässig, wenn man emotional umschiffen will, was wirklich auf dem Tablett liegt.
Erste Station unserer Loslass-Expedition: Wohnungsübergabe. Der nette Verwalter notiert
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