Herausforderung Behinderung
Habe ich mich durch die Behinderung verändert?
Ja und nein.
Ich habe meine Tiefe nicht durch die Behinderung gefunden.
Sie war schon da... lange davor.
Was die Behinderung getan hat: Sie hat mich herausgefordert.
Nicht auf irgendeiner metaphorischen Ebene. Ganz konkret. Täglich.
Sie hat mich gezwungen, mir Fragen zu stellen, auf die ich vorher keine Antwort gebraucht hätte.
Wie gestalte ich einen Alltag, der nicht mehr mit den gewohnten Selbstverständlichkeiten funktioniert?
Wie bleibe ich bei mir, wenn der Körper nicht mehr „mitspielt“?
Wie bleibe ich sichtbar, wenn ich langsamer, leiser, unbequemer werde?
Behinderung ist nicht romantisch.
Sie ist nicht inspirierend per se.
Sie ist oft einfach nur anstrengend.
Sie fordert dich.
Und sie lässt sich nicht ignorieren.
Sie steht jeden Morgen mit dir auf... und fragt:
Wie willst du heute damit umgehen?
Ich bin nicht gewachsen, weil ich behindert bin.
Ich bin gewachsen, weil ich herausgefordert wurde…und mich entschieden habe, zu antworten.
Mal mit Tränen. Mal mit einem inneren Lächeln.
Die Behinderung hat mein Leben nicht zerstört.
Aber sie hat es umgebaut.
Mit groben Werkzeugen... ohne viel Feingefühl.
Ich fühlte mich oft hilflos, war oft wütend,
hatte aber immer auch mit diesen Gedanken: Da geht noch was.
Ich musste lernen, meinen Ausdruck zu verändern.
Nicht meine Essenz.
Die blieb.
Aber die Wege, wie sie in die Welt kommt, haben sich verschoben.
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Und genau da liegt für mich der wahre Prozess, wenn man mit Behinderung konfrontiert wird.
Nicht im permanenten Leiden, das einen verbittern läßt. Nicht in einer permanenten, toxischen Positivität.
Sondern in der bewussten Reaktion auf eine große, ungewollte Herausforderung.