KINDERBUCH-KRITIK (Opens in a new window)
Wenn zwei sich streiten, freut sich der*die Dritte, heißt es. Gilt das nun für den (vermeintlichen) Teil-Frieden im Nahen Osten? Israel und die Palästinenser*innen „streiten“ und Donald Trump erhält 2026 den Friedensnobelpreis (Opens in a new window) (so er sich mal entscheidet, im eigenen Land nicht weiterhin ohne Grund und Not Militär und Co. gegen demokratisch gewählte Volksvertreter*innen und die eigene Bevölkerung einzusetzen (Opens in a new window) oder Kanada annektieren zu wollen...)?!? We'll see...

Allerdings muss es nicht immer so sein, dass sich ein*e Dritte*r freut, wenn zwei streiten. Ganz im Gegenteil. Beispielsweise bei Scheidungen/Trennungen, von denen es heißt, die Kinder (und/oder Freundeskreise (Opens in a new window)) litten darunter. Oder wenn Paare respektive zwei sehr eng befreundete (Mensch-)Tiere sich streiten – auch da kann das Umfeld in Mitleidenschaft gezogen werden (Opens in a new window). Neben den hauptbeteiligten zwei natürlich.
So etwa im achten Band der Wir gehören zusammen-Reihe von Michael Engler (nicht zu verwechseln oder verwandt mit Leon Engler (Opens in a new window)) und Joëlle Tourlonias um die BFFs Igel und Hase mit dem programmatischen Titel Wir zwei vertragen uns. Hier lernen wir und alle, die sich den wunderhübschen und niedlichen Band zeigen (Opens in a new window) und vorlesen lassen (empfohlen ab vier Jahren): Auch allerbeste Freunde streiten ... und (Spoiler #1) vertragen sich.
Zumindest in dieser Geschichte ist das so. (Der Autor dieser Zeilen weiß aus eigener Erfahrung, dass manch ein Streit so tief geht, dass eine Aussöhnung kaum möglich scheint...) An einem wunderschönen Sommertag (hach...), an dem sich Margeriten und Butterblumen „im warmen Sommerwind“ wiegen, sucht der Igel „nach interessanten Käfern und leckeren Schnecken“, während der Hase übt, „über Maulwurfshügel zu springen.“

Doch dann hält der Hase inne und stellt fest, dass ihm langweilig sei. Der Igel schlägt vor, er könne doch ein Loch graben, womöglich fände der Hase gar einen Schatz. Nach einigem Hin und Her gräbt der und findet eine... „wunderschöne Wurzel“! Meint auch der Igel und so beanspruchen diese nun beide für sich und verheddern sich schnell in einen pfotenfesten Streit, den Engler im Text so berührend realitätsnah erzählt wie Tourlonias in ihren kraftvollen Illustrationen sehr menschliches Gebaren nachzeichnet (Opens in a new window).
Der Gipfel des Authentischen ist nach Wut und Eigensinn, Selbstzufriedenheit und Hinterlist schließlich erreicht, als beide in der Nacht schlecht bis gar nicht schlafen. Etwas, das all jene von uns, die nicht allzu sozio- und/oder psychopathisch unterwegs sind, unangenehm vertraut sein dürfte. Da ich/wir/der Buchtitel/die Buch-Webpage von Bastei Lübbe das Ende ohnehin vorweggenommen haben, soll der Verlauf nicht weiter ausgeführt werden.

Nun geht es bei derlei geschmeidigen Kinderbüchern sicherlich weniger um die große Spannungskurve (Opens in a new window) (die argumentativ durchaus vorhanden ist (Opens in a new window)) oder die fette Punchline zum Ende (Opens in a new window). Viel eher um die Aussage und natürlich den emotionalen wie optischen Mehrwert. In all diesen Punkten punktet Wir zwei vertragen uns und wurzelt tief in unseren Herzen und im Kopf.
Michael Engler erzählt kurzweilig und doch nachhaltig, Joëlle Tourlonias Illustrationen sind sowohl possierlich als auch detailliert und liebevoll (inklusive der Schnäuzchen und Näschen mitsamt all ihrer malerischen Beweglichkeit (Opens in a new window)). Die „Unterwelt“ aka der „Mikrokosmos unter unseren Füssen“ sowie die Wohnwelt – wohnst du noch oder gräbst du schon? – sind fantastisch dargestellt und die Farb-/Lichtwechsel überzeugen durch kleine Nuancen vollends. Keine großen Brüche, dafür kleine Striche – ganz ohne böse Nadelstiche. Ein schönes Buch! Und rein gar nichts, wofür sich irgendwer entschuldigen müsste.

JW
PS: Zum Thema Frieden besprechen wir in Kürze die gleichnamige „reale Utopie“ von Autorin Joana Osman. Spoiler #2: Naja...
PPS: Maulwürfe sind in Kinderbüchern stark unterrepräsentiert und noch seltener die Hauptfigur. Shame!
https://steady.page/de/thelittlequeerreview/posts/696b95fc-a052-4cac-be24-867bb1359ed5 (Opens in a new window)PPPS: Es gibt auch für 2026 wieder einen Wir gehören zusammen-Familienplaner (funktioniert alternativ als Redaktionsplaner). Mehr dazu in Kürze in unserem Kalender-Special 2026, das wieder kunstvoll-sexy, schön anspruchsvoll und verwegen kreativ ausfallen wird...
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Michael Engler (Text), Joëlle Tourlonias (Illustration): Wir zwei vertragen uns (Wir zwei gehören zusammen-Reihe, Band 8) (Opens in a new window); Februar 2025; 32 Seiten, durchgehend farbig illustriert; Hardcover; Format:; ISBN: 978-3-8339-0969-6; Baumhaus; empfohlen ab 4 Jahren; 15,00 €