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Beim Premium weht ein anderer Wind

Zu viel Stress, zu wenig Side-out und die Erkenntnis, dass man beim Premium direkt ins kalte Wasser geworfen wird. Im wahrsten Sinne.

Ich möchte kurz anmerken, dass dieses Foto nicht ansatzweise die Realität des Tages widerspiegelt. Es ist aber das einzige Bild, das ich geschafft habe zu machen. Da war allerdings schon alles vorbei.

Nachdem ich ja in der vergangenen Beach-Saison (Öffnet in neuem Fenster)festgestellt habe, dass man mehr als fünf Turniere innerhalb einer Saison spielen kann, dass das sogar Spaß macht und ich so gut abgeschnitten habe, dass gar nicht mehr alles in die Wertung zählte (Öffnet in neuem Fenster), wollten wir diese Saison einen Schritt weitergehen.

SMS von Unbekannt

Im März konnten wir endlich unsere Schiedsrichter-Lizenz (Öffnet in neuem Fenster)aktualisieren (was von der Terminfindung her schwieriger war als die Prüfung selbst), können wir nun jedes beliebige Turnier spielen. Naja, fast. Neulich hatten wir uns bereits uns für ein A+ Turnier in Magdeburg angemeldet und freuten uns riesig, dass wir es reingeschafft hatten. Das war gar nicht so leicht, da wir zwar Landespunkte aus Sachsen vom letzten Jahr hatten, aber keine aus Sachsen-Anhalt. Ich beantragte eine Wild Card, formulierte eine höflich Mail – und wir waren drin. „Ich bin einfach genial”, dachte ich.

Zwei Tage vor dem Turnier empfing ich eine SMS von einer fremden Nummer. Ich hatte gerade eine große Kiste mit Wasserflaschen gekauft, weil in der Turniereinladung stand, es gebe kein Wasser vor Ort. „Hallo Ninja, ruf mich mal bitte zurück“, stand in der Nachricht. Kein Name, keine weitere Erklärung. Ich tat, was man tut in der heutigen Zeit: Ich rief nicht zurück, sondern googelte erstmal die Nummer. Als ich die Buchstaben VVSA (Volleyball Verband Sachsen-Anhalt) in Zusammenhang mit der Handynummer sah, hatte ich kein gutes Gefühl.

Es stellte sich heraus, dass der Turnierorganisator uns gar keine Wild Card gegeben hatte. Er hatte einfach nur die Zulassungsliste falsch erstellt. Statt uns hätte ein anderes Team ins Hauptfeld aufgenommen werden müssen. Er korrigierte den Fehler. Wir wurden erster Nachrücker. Das blieben wir auch. Schade Marmelade.

Dann eben ein Premium

Wir versuchte es wieder. Diesmal ein Premium Turnier in Barby. Wieder in Sachsen-Anhalt. Man könnte jetzt meinen, das sei ja ein bisschen zu ambitioniert, wenn man schon in das A+ nicht reingekommen ist. Allerdings waren wir ja nicht an unseren DVV-Punkten, sondern an den fehlenden Landespunkten gescheitert und bei einem Premium werden mehr Teams über DVV-Punkte zugelassen.

Das hatten sich aber so einige Teams gedacht, die wesentlich höher in der deutschen Rangliste stehen als wir. Wir waren sechster Nachrücker. An Himmelfahrt sollte das Turnier stattfinden, ein Donnerstag. Am Montag davor schaute ich in die Liste und wunderte mich, dass dort immer noch Teams drinstanden, die eigentlich längst in die Qualifikation der German Beach Tour in Düsseldorf gerückt waren. Ich zählte nach. Wir sollten nun zweite Nachrücker sein. Am Dienstagabend bekamen wir eine Mail. Offensichtlich waren wir nun drin. Allerdings standen wir in der Zulassungsliste auf Platz sieben und in der Setzliste auf Platz 17. Zum Hintergrund: 16 Teams sollten im Hauptfeld antreten.

Reagieren auf das, was kommt

So richtig trauten wir uns nicht, uns zu 100 Prozent auf das Abenteuer einzulassen. Stattdessen erwarteten wir jeden Moment den erneuten Anruf: „Sorry, da ist uns wohl ein Fehler unterlaufen.“ Der Anruf kam aber nicht. Also packten wir ein bisschen unsicher unsere Sachen und fuhren am Donnerstagfrüh nach Barby. Wie nervig das sein muss als Profi und Semi-Profi, wenn die gesamte Planung davon abhängig ist, wer wo in welches Turnier rückt und man einfach reagieren muss. Gut, dass ich kein Beachvolleyball-Profi geworden bin. Das wär mir ja nix. ; )

In der Liste stand, dass wir das erste Spiel pfeifen. Um 10 Uhr. Nagut, dann muss man ja nicht so ultrafrüh losfahren, dachte ich. Am Mittwochabend kam dann aber noch eine Mail. Man möge sich zwischen 9.00 und 9.30 Uhr vor Ort noch einmal anmelden. Und Zeit einplanen, um das Spiel, das man pfeift mit einem QR-Code auf das Handy zu laden. Aha. Meine Partnerin besitzt kein Smartphone, das wird dann wohl meine Aufgabe sein, dachte ich.

Lauter starke Teams – und wir

Normalerweise bin ich lieber zu früh da als zu spät. Das bedeutet, ich hätte als Ankunftszeit 9 Uhr, maximal 9.15 Uhr eingeplant, allerdings erschien mit die Organisation bis dahin wenig strukturiert und ich dachte: Wenn ich so früh losfahre und dann sitze ich eh nur in der Kälte rum, dann kann ich doch auch einfach Punkt 9.30 Uhr ankommen. Leider hatte ich nicht einkalkuliert, dass ich noch eine Ausfahrt verpassen würde. Es wurde dann 9.45 Uhr.

Ab dem Moment war es nur noch stressig: Ankommen. Zelt der Spieler:innen suchen, Sachen ablegen, QR-Code holen, überlegen, was wir am Feld noch brauchen, weil kalt und einplanen, dass wir eventuell noch etwas essen sollten, weil wir danach spielen mussten.

Wir waren Seed 11 in einer Gruppe mit Seed 3, Seed 6 und Seed 14. Der schlechteste Seed in unserer Gruppe, Nummer 14 war mit einer Wild Card die Deutsche Tour-Legende Natascha Oßner-Niemczyk mit einer ebenfalls starken Partnerin. Sie besiegten im ersten Spiel die an Drei gesetzten Ida und Alexa Kaminski 2:0, die nun auf das Verliererteam aus unserem Spiel warteten, um gegen das Ausscheiden zu spielen. Spoiler: Die beiden Kaminski-Ladies haben das Turnier am Ende gewonnen.

Pfeifen, verlieren, pfeifen, verlieren

So weit sind wir aber noch nicht. Durchgefroren vom Pfeifen rannten wir zur Toilette und dachten, jetzt machen wir uns so richtig schön warm. Doch auf unserem Feld schlugen sich unsere Gegnerinnen schon ein, sie hatten sich ja schon aufgewärmt. Das Schiedsgericht saß bereits am Rand. Der erste Satz war so schnell vorbei, dass ich mich an fast nichts erinnern kann – nur an den Stress, den wir die ganze Zeit gefühlt haben. Nach der Satzpause und ein paar tiefen Atemzügen kamen wir besser ins Spiel, aber nicht so gut, dass es gegen unsere Gegnerinnen gereicht hätte. 0:2. Und dann? Man könnte meinen, jetzt hätten wir eine kleine Pause, könnten etwas essen, ankommen. Nein. Wir mussten wieder pfeifen, um danach um den Verbleib im Turnier zu spielen gegen die beiden Kaminskis, die frei hatten, aber so lieb waren, mit dem Warm-up auf uns zu warten. Trotzdem ist es ja ein Unterschied, ob man sich schonmal mental auf ein Spiel einstellen kann oder direkt vom Pfeifen wieder ins Zelt rennt, auf Toilette und versucht, wieder warm zu werden. Bei Emma Gangey und Louisa Marunde auf Instagram bekommt ihr einen kleinen Einblick in die Bedingungen inklusive Regen und Wind.

https://www.instagram.com/p/DYcy95yoztv/ (Öffnet in neuem Fenster)

 100 Prozent Side-Out-Quote dank Schweden-Style

Es war so richtig schönes Wetter für einen Tag auf der Couch. Der erste Satz flog erneut vorbei. Mein Side-out muss noch irgendwo auf der Autobahn herumgelegen haben, allerdings war mein Kopf jetzt wacher. Ich bemerkte nämlich, dass zwei Dinge klappten: Meine Annahme und der Angriff meiner Partnerin. Daraus musste sich doch etwas basteln lassen. In der Satzpause entschieden wir: Ich nehme jetzt jeden Ball so nach vorne an, dass sie direkt draufschlagen kann. Das haben wir dann bis 17:18 durchgezogen. Es lief unfassbar gut. Unsere Side-out Quote lag bei 100 Prozent. Dann kam ich leider auf die in meinem Kopf so lustige Idee, einen leichten kurzen Aufschlag direkt als Annahme rüberzulasern. Der Ball blieb aber im Netz hängen. 17:19. Es folgte ein sehr guter Aufschlag in den Wind. Der erste in diesem Satz, den ich nicht gut kontrollieren konnte. 17:20. Am Ende verabschiedeten wir uns mit 18:21 aus dem Satz und somit aus dem Turnier – immerhin gegen die späteren Turniersiegerinnen.

Danach mussten wir übrigens wieder pfeifen und dabei ging mein Handy einfach aus, weil die Software, mit der man Punkte und Aufschlagwechsel einträgt pro Spiel mehr als 30 Prozent meines Akkus gefressen hat. Unsere Schiedsrichterlizenz haben wir uns jetzt nochmal mehr verdient, finde ich. Wir haben tatsächlich mehr Spiele gepfiffen als gespielt. Ach so, im zweiten Satz des Achtelfinales verschwanden Regen und Wind. Die Sonne kam raus. Wir haben sie auf dem Rückweg im Auto genossen.

Raps, Raps, Raps, Raps. :)

Und irgendwie haben wir trotzdem gewonnen

So, was habe ich jetzt gewonnen durch diese Teilnahme? Kein Spiel, keinen Satz und Preisgeld schon gar nicht. Aber, es gibt ein paar Dinge, die wir mitnehmen, mal abgesehen von der genialen Autofahrt mit extrem guten Gesprächen: 1. Ich habe in Barby meine Freundin Diana getroffen, die in der Nähe von Leipzig wohnt und die ich fast nie sehe. 2. Sie hat mir ein T-Shirt in meiner Lieblingsfarbe mitgebracht, das sie in Italien entdeckt hat und mir unbedingt schenken wollte. Wie toll. 3. Auf dem Turniergelände hat mich jemand angesprochen, der meinte, dass er mir seit einer Woche auf Instagram folge und mal persönlich „hallo“ sagen wollte. Wie nett! Während meine spielerische Leistung mich nicht gerade in die Popularität katapultiert, ist zumindest auf meine Schreib-Skills Verlass. 4. Die Krönung: Wir wurden von einem Spieler mit dem schwedischen Nationalteam Åhman/Hellvig verglichen. Das next Level der zweiten Bälle ist auf jeden Fall freigeschaltet. Was wollen wir mehr?

Beachvolleyball ist ein langsamer Sport

Im Training am Tag danach haben dann das Thema mit meinem Side-out in Stress-Situationen analysiert und herausgefunden, dass ich wieder komplett durchgerannt bin. Ohne Halt und Absprung wird’s auch schwierig mit der Stabilität in der Luft – besonders bei Wind. Das ist übrigens auch mein Muster im Action-Type-Profil: Zu schnell durchs Feld rennen, anstatt zu warten. „Beachvolleyball ist ein langsamer Sport“, hat Thomas Kaczmarek mal zu mir gesagt. Ich werde es zukünftig mehr beherzigen. Dafür werde ich dazu zurückkehren, zu früh am Turnierort zu sein und zu warten als dort hinhetzen zu müssen.

Das sind doch Erkenntnisse, mit denen sich arbeiten lässt. Und, dann hat meine Freundin noch einen lustigen Satz gesagt, über den ich immer noch lachen muss. „Irgendwie hatten wir kein schwaches Team in der Gruppe“, sagt sie. Dann grinste sie mich an und ergänzte: „Vermutlich, weil in unserer Gruppe wir das schwache Team waren.“

Nächster Stopp: Berlin

Hahaha. Ja, da muss man sich auch erstmal dran gewöhnen, wenn man sonst A-Turniere spielt und die Spiele sich bei einer guten Setzung im Schwierigkeitsgrad langsam steigern. Beim Premium gibt es nur direkt Vollgas – zumindest für uns.

Die Ansetzungen mit dem Pfeifen und der ultra kurzen Zeit zum Einspielen sollte man aber trotzdem überdenken, finde ich.

Wir werden es auf jeden Fall weiter probieren und schauen mal, ob wir neben Premium pfeifen auch Premium spielen können. Nächster Stopp: 30.05. Berlin – am selben Tag übrigens wie das Human-Design-Summit.

Kategorie beachvolleyball.

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