Zum Hauptinhalt springen

Schutzmechanismen

Wenn das Leben plötzlich anders läuft… und dein Inneres versucht, dich zu retten

Es gibt Momente im Leben, da passt auf einmal nichts mehr zusammen. Der Körper macht nicht mehr mit wie bisher… und innen tobt ein Chaos, das kaum jemand sieht. In so einer Umbruchsituation, wie sie z. B. eine plötzliche Behinderung mit sich bringt, reagiert unser System mit dem, was es am besten kann: es schützt uns.

Schutzmechanismen sind keine Fehler. Sie sind Strategien… Überlebenskunst… innere Intelligenz. Sie helfen uns, mit einer Realität klarzukommen, auf die wir nicht vorbereitet sind.

Diese inneren Muster sind weder falsch noch „unnormal“. Sie sind Ausdruck eines tiefen Bedürfnisses nach Sicherheit, Kontrolle oder Stabilität in einer Phase, die sich komplett chaotisch anfühlen kann.

Aber irgendwann… verwandeln sie sich. Von innerem Schutzschild… zu unsichtbaren Fesseln.

Und genau dann wird es spannend. Denn wenn wir erkennen, was uns gerade festhält… können wir anfangen, uns zu befreien. Mit Betonung auf ‘anfangen’.

Wenn sie dauerhaft aktiv bleiben, verhindern sie oft genau das, wonach wir uns eigentlich sehnen: ein selbstbestimmtes, freies Leben unter neuen Umständen.

Hier die häufigsten Schutzmechanismen:

1. Rückzug in die Stille Plötzlich wird alles zu viel. Zu laut. Zu nah. Also ziehst du dich zurück. Sagst seltener ja. Tauchst ab.

Dieser Rückzug kann kurzfristig entlastend sein… aber auf Dauer macht er einsam und verhindert echte Unterstützung.

2. „Ich pack das schon allein“
Du willst stark sein. Unabhängig. Kein Mitleid, kein Theater. Also beißt du dich durch. Und vergisst dabei, dass wahre Stärke manchmal darin liegt, Hilfe anzunehmen. Ohne sich schwach zu fühlen.

3. Funktionieren als Überlebensstrategie
Du organisierst, planst, machst. Alles muss irgendwie weiterlaufen. Du funktionierst… aber lebst du noch? Oder bist du nur die eigene Projektleitung im Ausnahmezustand?

Hinter diesem selbstgemachten Druck steckt oft der Wunsch, trotz Hilfsbedürftigkeit stark zu wirken…aber auf Dauer führt er zu Erschöpfung und innerer Leere.

4. Gefühle ausknipsen
Was nicht gefühlt wird… tut nicht weh. Oder? Du gehst in den Kopf. Wirst sachlich. Vernünftig. Und spürst irgendwann… gar nichts mehr. Auch nicht die Freude.

Über-Rationalisierung  kann kurzfristig schützen …verhindert aber echte innere Heilung

5. Flucht in die Helferrolle Ein interessanter Mechanismus ist auch, sich stark auf das Wohlergehen anderer zu konzentrieren, um sich selbst nicht mit dem eigenen Schmerz auseinanderzusetzen. Helfen wird dann zur Ablenkung.

Das kann sinnvoll sein…solange es nicht zum Vermeidungsprogramm mutiert.

Es ist okay, wie du reagierst… und du darfst hinschauen

Diese Schutzmechanismen sind menschlich… und liebevoll. Sie wollen dich…schützen.

Doch es lohnt sich, sie zu erkennen und liebevoll zu hinterfragen. Denn echte Selbstbestimmtheit beginnt nicht im Außen… sondern mit dem Mut, nach innen zu schauen. Hinter jedem Schutz steckt ein Wunsch… und dieser Wunsch will nicht erstickt werden. Er will gesehen und gelebt werden.

Wenn du dich hier wiederfindest, dann bist du nicht allein. Ich habe bei der Vergabe von Schutzmechanismen laut “.Hier!” geschrieben. Auch 10 Jahre nach plötzlicher Behinderung poppen sie auf: meine Schutzmechanismen. Und ich darf mein Verhalten, meine Reaktion und Gefühle wieder hinterfragen..

Du bist nicht falsch, weil du so reagierst…du darfst dich fragen, ob es dir noch dient.

Kategorie GedankenQuelle

0 Kommentare

Möchtest du den ersten Kommentar schreiben?
Werde Mitglied von RolliMindset und starte die Unterhaltung.
Mitglied werden