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Trauma: plötzliche Behinderung

Wenn das Leben plötzlich kippt

Trauma bedeutet nicht nur, etwas Schlimmes erlebt zu haben… Es ist die tiefe Erschütterung unseres inneren Sicherheitsgefühls. Es entsteht, wenn ein Ereignis so überwältigend ist, dass unser Körper, unser Geist und unsere Seele nicht in der Lage sind, es zu verarbeiten und u.U. nicht hilfreiche Schutzmechanismen entwickeln.
Eine plötzliche Behinderung ist genau so ein Ereignis. Sie verändert nicht nur den Alltag… Sie reißt an den Grundfesten deiner Identität. Dein bisheriger Lebensentwurf bricht ein… und du stehst vor einer völlig neuen Realität, für die du keinen Plan hast.

Es gibt Momente, die brennen sich ein… und du weißt im selben Augenblick, dass nichts mehr so sein wird wie vorher. Bei mir war es der Moment, als ich innerhalb weniger Wochen nicht mehr gehen konnte, kein Gleichgewicht, aber Ataxie hatte, nicht mehr alleine essen konnte und ein paar Unannehmlichkeiten mehr.

Plötzlich war alles, was bisher selbstverständlich war, eine potenzielle Hürde.

Das innere Beben

Man denkt, das Schlimmste sei der Verlust der körperlichen Fähigkeiten. Doch oft ist es der innere Sturm, der dich noch zusätzlich aus der Bahn wirft.
Der Schmerz darüber, nicht mehr so zu funktionieren wie früher, kratzt an deiner Identität. Du stehst vor der Frage: Wer bin ich jetzt? Und es gibt keine sofortige Antwort.
Es fühlt sich an, als hätte dir jemand den Boden unter den Füßen weggezogen… und mit ihm einen erheblichen Teil deines inneren Sicherheitsnetzes. Plötzlich stehst du nicht nur körperlich, sondern auch innerlich im Leeren… und musst lernen, auf unsicherem Grund wieder Halt zu finden.

Die stille Versuchung der Opferhaltung

Es gibt diese verlockende Stimme… Sie sagt: Du bist im Recht, dich zurückzuziehen. Niemand kann von dir erwarten, dass du damit klarkommst.
Und ja… Selbstmitgefühl ist wichtig. Aber es gibt einen schmalen Grat zwischen heilsamer Selbstfürsorge und dem Gefängnis der Opferhaltung.
Sobald du dich darin einrichtest, raubst du dir selbst die Chance, Neues zu entdecken.

Die Wahl im Chaos

Selbstbestimmung beginnt nicht im Außen… Sie beginnt in dir.
Es geht darum, erst mal innezuhalten… um dann bewusst zu reagieren…nicht automatisiert, möglichst ehrlich.
Manchmal heißt das, den Blick zu heben, obwohl noch Tränen fließen… und winzige Schritte zu feiern, weil sie den Weg in ein neues Leben markieren.

Die Kraft der neuen Geschichte

Deine alte Geschichte mag an einem Punkt enden… Doch das Leben schreibt weiter.
Wenn du beginnst, dein Narrativ zu verändern, entdeckst du Räume, die du vorher nie betreten hättest.
Plötzliche Behinderung ist kein Ende… Sie ist ein radikaler Neuanfang.
Nicht leicht. Nicht fair. Aber mit Möglichkeiten für den, der bereit ist, sie zu sehen.

Am Ende bleibt diese Wahrheit: Du bist nicht, was dir passiert ist… Du bist, was du daraus machst.

Kategorie GedankenQuelle

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