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    <title>Friedliche Sabotage</title>
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    <description>Strategien, Perspektiven und Taktiken für Klimagerechtigkeit und gegen den Faschismus</description>
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      <title><![CDATA[Gemeinsam gegen die Angst - solidarische Kollapspolitik]]></title>
      <description><![CDATA[Yeay, das 2. Buch ist da! Zwar heute noch nicht in den Buchläden, aber ganz bald. Ich freue mich, & hoffe auf viele Rückmeldungen von Euch. Schaut auf tadziomueller.net]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/4ea09d8e-7b13-41cd-a446-56fe81e2741e/uploads/images/xwudwxl5nh/IMG_8615.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>04/11/2026</p><p></p><p>Liebe Leute,</p><p><em>eppur si existe</em>: und es existiert doch! Nachdem es einige Tage/Wochen im Orkus des Paketlieferkapitalismus verschwunden war, klingelte es heute morgen um 9:00 an der Tür, und ein Paket wurde geliefert. Ein Paket mit 4 Ausgaben meines neuen Buches, Gemeinsam gegen die Angst - solidarische Kollapspolitik.</p><p>Ich freu mich wahnsinnig, bin wirklich enorm erleichtert. Die Zwischenphase - die Zeit zwischen dem Fertigschreiben des Buchs am 20. Juli, und dem Herauskommen des Buchs - ist für mich keine einfache gewesen. Ich habe so viel von mir in dieses Buch hineingetan, dass ich mich eigentlich erst wieder “whole” fühlen kann, wenn das Buch irgendwie auch rezipiert wird, bei Euch ankommt, und von Euch beantwortet wird.</p><p>Wem das jetzt so merkwürdig-hippie klingt: <em>fair enough</em>. Ich bin halt merkwürdig, und das Gefühl, erst dann wieder ganz zu sein, wenn der Kommunikationsakt, den das Buch darstellt, auch bei Euch Empfänger*innen ankommt, und da dann wiederum zu weiteren Kommunikationsakten führt, empfinde ich klar und deutlich, seitdem ich den <em>final draft</em> an den mandelbaum Verlag geschickt habe.</p><p>Und nun ist es da. Ich kann zwar leider nicht genau sagen, wann es im Buchhandel erscheinen wird - irgendwas mit Auslieferfristen in Österreich vs. in Deutschland, <em>I don’t really get it</em> - aber es kann sich wirklich nur noch um Tage handeln. Und so ungern ich zu <em>mehr Konsum</em> rate, hoffe ich natürlich, dass viele von Euch sich entscheiden, das Buch zu kaufen, zu lesen, und darüber zu sprechen. Mein von anwaltlicher Natur aus eher zur subtilen Kommunikation neigender Vater legte mir kürzlich nahe, ich solle doch nicht ganz so <em>heavy-handed</em> mein eigenes Buch bewerben, und wenn Ihr diesen Blog regelmäßig lest, wisst Ihr natürlich, worum es im Buch geht. Ich werde also nicht nochmal ausführen, wie die Geschichte im Buch ist, was ich da <em>genau</em> mache, um mit Euch über den “Kollaps” und Handlungsmöglichkeiten darin ins Gespräch zu kommen.</p><p>Aber eines vielleicht: als das Buch ankam, und ich anfing, durchzublättern, kamen mir ein paar Tränen in die Augen. Weil es sich anfühlt, wie das Destillat von 30 Jahren politischer und intellektueller Arbeit. Alles, was ich als “Aktivist” und “Politikwissenschaftler” getan habe, lief am Ende auf dieses Buch hinaus. Deswegen bin ich vor seiner Erscheinung auch so nervös. <em>Nobody likes fear of rejection</em>.</p><p>Also: schau’n mer mal, wie es ankommt.</p><p>Bis dahin arbeite ich weiter an meiner neuen Kommunikationsinfrastruktur - es gibt eine neue Website: <a href="http://tadziomueller.net/">tadziomueller.net</a>, die in Zukunft alle meine Aktivitäten bündeln wird (Texte, aber auch Interviews, Videos, Veranstaltungen, etc.) - und möchte für morgen noch einen Blogtext zur “Gen Z im Kollaps” schreiben. Ach ja, außerdem arbeite ich daran, einige der Kapitel im Buch zu vertonen, quasi als Episoden-Audiobook zu veröffentlichen. Mal schauen, wie das klappen wird.</p><p>Aber jetzt freu ich mich erstmal, dass das Buch da ist.</p><p>Endlich.</p><p>Mit extrem erleichterten Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Wed, 04 Nov 2026 09:07:15 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Schüler*innendemos, oder „Migrantische Horden schaffen Deutschland ab"]]></title>
      <description><![CDATA[Die Mitte ruft "Agents Provocateurs" Rechte "migrantisches Millieu". Aber in Wahrheit: Jugendliche, die nicht krawallieren, sollten mal ihre Realitätssensoren checken.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Schüler*innendemos, oder: „Migrantische Horden schaffen Deutschland ab”</h1><a href="https://www.infranken.de/deutschland/gen-z-proteste-am-samstag-ausschreitungen-in-mehreren-staedten-art-6407755"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/63c7decb-b6e8-4a18-97f8-fbccc1c1a8b3/uploads/images/mkvw352lyq/4610763_demonstrationen-gen-z-regelt-hamburg_artikel-detail-bild-748-1496w_1GVy51_nJJ2A5.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Riot porn"/></a><p>02/11/2026</p><p></p><p>Liebe Leute,</p><p>alle Jahre wieder, oder zumindest, seitdem ich mich praktisch und akademisch mit „Riots“ auseinandersetze – jetzt mal breit gefasst: „Ein Riot (Krawall oder Ausschreitung) ist eine heftige, gewalttätige und unkontrollierte Störung der öffentlichen Ordnung durch eine größere Menschenmenge“ (Cambridge Dictionary) –, folgt auf jeden Riot irgendwo im globalen Norden derselbe weinerliche bürgerliche Chor: „Oh weh! Oh jemine! Da hat jemand unsere schöne ‚öffentliche Ordnung‘ zerstört, da hat jemand die liberale Schöpfungslüge in Frage gestellt, der zufolge Politik NIEMALS mit gewaltvollen Mitteln betrieben werden sollte (which is funny, weil die meisten Liberalismen sich mit Waffengewalt durchgesetzt haben), weil es ja diese wunderschönen habermasianischen Diskurstools gäbe, ausgehend von der idealen Sprechsituation, mit denen wir alles und jeden Konflikt rational und ohne Gewalteinsatz auflösen könnten.“</p><p>Und da die aufgeklärte bürgerliche Demokratie der BRD in einem gewissen und gewichtigen Sinne das Ende der Geschichte darstellt, die beste je erreichbare politische und gesellschaftliche Form überhaupt, kann es UNMÖGLICH so sein, dass es tatsächliche, real existierende deutsche Jugendliche und Schüler*innen waren, die jetzt in ein paar deutschen Städten ein paar Fenster entglast haben, sich eventuell gegen übermäßig brutale Polizeieinsätze verteidigen wollten oder tatsächlich ganz souverän die Entscheidung getroffen haben, jetzt mal ein bisschen mehr auf die Kacke zu hauen, weil, noch so’n langweiliger angeblicher „Schulstreik“ von Fridays, und die junge Generation müsste sich wirklich mal fragen lassen, ob sie alle in ‘nem K-Hole hängengeblieben sind oder zumindest wegen dauernden Bongrauchens nicht in der Lage sind, für ihre ureigenen Interessen zu kämpfen.</p><p></p><p></p><p><strong>„Kriminelle Ausländer fressen unser Land auf“</strong></p><p>Schon im Vorfeld der Demos wurde ein gigantisches Aufheben gemacht, der Diskurs um die Samstagsdemos herum wirkte manchmal so, als würden die Hannoveraner Chaostage der 90er oder die großen autonomen Straßenschlachten der 80er zurückkehren, obwohl es dafür natürlich keinerlei Anhaltspunkte gab. Das wirkliche „Movens“ hier, der wahrhaft treibende kausale Faktor im bürgerlichen Diskurs über diese Demos, waren nicht die Demos, sondern die zunehmend panische Angst der „gesellschaftlichen Mitte“ in den bald nicht mehr so reichen spätimperialen Ländern, dass die Gewalt, die sie seit Jahrhunderten anderen antut, die „Unregierbarkeit“, die wir anderen Ländern aufdrücken – kurz: all die Scheiße, die wir seit Jahrhunderten anderen über die Köpfe kübeln –, nun langsam, aber sicher auch hier ankommt.</p><p>So kam es nach den Demos, wie es kommen musste: Die Rechten und die rechte Mitte rufen „migrantische Milieus“ und meinen damit einfach nur den alten rassistischen Mythos des kriminellen Ausländers, das ist nicht mal mehr „dog whistling“, das ist straight-up Rassismus. „Irgendwas Schlechtes ist passiert. Wer kann’s gewesen sein? DER KRIMINELLE AUSLÄNDER!“ Und der muss natürlich irgendwie „raus“. Das freut die AfD, weil es mal wieder zeigt, dass der deutsche Konservatismus nur noch einen kleinen Schritt von der direkten Artikulation faschistischer Widerlichkeiten entfernt ist, denn von der Hetze gegen ein angebliches „migrantisches Milieu“ ist es nur ein kurzer Schritt zu „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“. Ok, das ist nicht überraschend, und auch nicht wirklich interessant. Deutschland ist ein zutiefst rassistisches Land. Big deal: Wer „Ausländer<em>in“ ist oder Zeit mit „Ausländer</em>innen“ verbringt, weiß davon jeden Tag ein Lied zu singen.</p><p></p><p>______________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>______________________________________________</p><p></p><p><strong>Der Mythos der „Agents Provocateurs“</strong></p><p>Derweil redet sich die (linke) Mitte mal wieder ein, dass ihre eigenen Kinderchen sowas wie einen Riot nie machen würden, nie mal ein Bankfenster entglasen oder eine Glasflasche in Richtung Robocops werfen. Und raunt jetzt schon wieder (in einem echt ekligen Echo US-amerikanischer Rechter), das seien „False Flag“-Attacken gewesen, es müsse doch Bilder von „Agents Provocateurs“ geben – und die gibt’s eventuell auch. Aber seid Ihr wirklich so naiv, zu glauben, es gäbe für junge Menschen keine guten Gründe, mal auf die Kacke zu hauen und Scheiben zu zerdeppern? Keine guten Gründe, sich gegen Bullenangriffe zu wehren?</p><p>Ich weiß, Ihr möchtet Eure Normalität als die beste aller möglichen betrachten, aber sie ist ein ungerechter, rassistischer, welt- und zukunftszerstörender Wahnsinn. Wer heute Teenager*in ist, wird ihre 30er in einer sozio-ökologischen Hellscape erleben, and that’s not a guess, it’s a certainty. Und das ist jetzt ja „nur“ der globale ökologische Kollaps, da haben wir noch gar nicht von den direkter greifbaren generationellen Ungerechtigkeiten gesprochen, die das politische System der Alte-reiche-Leute-Republik durchziehen: die konstanten Unterinvestitionen in Bildung, die Definition von „Generationengerechtigkeit“ als „keine Schulden aufnehmen“.</p><p>Ich würde es so formulieren: Überraschend ist nicht, dass es zu Ausschreitungen kam (im ziemlich begrenzten Rahmen und meist als Antwort auf Bullengewalt), sondern, dass es zu so wenigen Ausschreitungen kam. Denn, liebe „Mitte“: Die ganzen anderen Menschen, die Eure imperiale Lebensweise fickt, die leben außerhalb Deutschlands, deswegen könnt Ihr denen gegenüber einfach die Grenzen zumachen, und in ein paar Monaten oder spätestens Jahren wird’s dann halt dauerhafte Schießbefehle an den EU-Außengrenzen geben.</p><p>Aber Ihr bringt’s noch nicht übers Herz: Die Opfer Eurer imperialen Lebensweise, die im selben Land wohnen wie Ihr, die vielleicht sogar am selben Tisch mit Euch essen, die einfach niederzukartätschen, traut Ihr Euch noch nicht – Ausbeutung und Vernichtung funktionieren immer dann am besten, wenn man dabei nicht selbst zuschauen muss, das wäre ja äh-bäh. Die „Ausschreitungen“ bei den Schüliprotesten sind für Euch in der Mitte also deswegen so scary, weil sie – ein bisschen wie die ersten Aktionen der Letzten Generation – ein Zeichen der Tatsache sind, dass die „Externalisierung“ (Lessenich) an ein Ende kommt. Die Gewalt, EURE/UNSERE Gewalt, die kehrt langsam in die imperialen Zentren zurück. Nach Minneapolis nannte man das „imperial blowback“. Malcolm X nannte es „chickens coming home to roost“. This is the future: ein permanenter Anstieg innergesellschaftlicher Gewalt auch in den spätimperialen Zentren.</p><p>Wir können uns also jetzt schon auf neue und spannende Formen „nichtletaler Waffen“ freuen, auf Schülidemos, die mit Wasser, Gas, Schall, Geruch und whatnot angegriffen werden, irgendwann dann halt auch mit scharfer Munition.</p><p>All dies ist nicht „wahrscheinlich“. Es ist sicher. Get ready.</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonniere meinen Blog</a></p><p>Mit montäglich-frustrierten Grüßen,<br/>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 02 Nov 2026 10:01:58 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Don’t look away: Von der Klimakatastrophe zur Katastrophenpolitik]]></title>
      <description><![CDATA[Die Klimakatastrophe zu verdrängen ist kein smarter Move. Stattdessen sollten wir endlich Strategien entwickeln: was tun in der Katastrophe? Lest dazu gerne mein Buch :)]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/8aa57e12-8471-4ad2-8b19-fc3ff32f9eba/uploads/images/bbddy2feza/Screenshot_2026-10-15_at_08.32.50.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>22/10/2026<br/><br/></p><p>Liebe Leute,</p><p>ich weiß nicht, wie es Euch gerade geht, aber die letzten Tage und Wochen fand ich die morgendliche Zeitungslektüre nochmal unangenehmer, als sie es in den letzten Chaosjahren war. Der Grund dafür liegt weniger in den vielen Katastrophen, denn wie sagen die Klimaleugner*innen: Katastrophen gab es schon immer, und in den letzten Jahren gehäuft. Da könnte man aus linker Perspektive sogar sagen, dass die rapide expandierenden „Gen-Z-Proteste“ einen neuen Hoffnungsschimmer darstellen – <em>a claim on which I reserve judgement</em>, aber klar, es macht erstmal ein bisschen Mut, dass in so vielen europäischen Ländern <em>and beyond</em> der progressive Teil der Gen Z wieder zu lernen scheint, dass es manchmal mehr bringt, die Straßen vor dem Parlament zu blockieren und ein bisschen Stadtmobiliar zu flambieren, als sich in irgendwelche Kommissionen einbinden zu lassen, die am Ende die Bewegung kooptieren und lähmen.</p><p>Tatsächlich glaube ich aber, dass das, was das Nachrichtenlesen derzeit so anstrengend macht, die Verdummung der Nachrichten selbst ist, oder vielmehr die ziemlich eklatante Verdummung des deutschen Polidiskurses: wenn zum Beispiel die JU, immerhin die Jugendorganisation der Partei, die sich mittelfristig anschickt, als Juniorpartner*in der faschistischen AfD zu regieren (zuerst in den Ländern, dann im Bund), und bisher den Kanzler stellt, bei ihrem Kongress ein Banner aufhängt, auf dem „Nie Wieder ist Jetzt“ steht – und damit nicht ihren zukünftigen faschistischen Koalitionspartner meint, sondern eine Sozialdemokratin („demokratische Sozialistin“) aus Berlin –, dann ist klar: Worte haben keine Bedeutung mehr, <em>the zone has been flooded with shit</em>, aus dem kein Entkommen ist. Was ich bisher mein „tägliches Jauchebad“ nannte, die morgendliche Zeitungslektüre, ist mittlerweile ein Kopfsprung in ein Becken voller Scheiße geworden.</p><p>Sorry. Ich hoffe, Ihr lest das nicht beim Frühstück.</p><p><br/><br/></p><p><strong>War da nicht was mit dem Klima?</strong></p><p>But I digress, denn eigentlich will ich heute mal wieder zu meinen Kernthemen kommen: Klima, Kollaps und Katastrophenpolitik, das Ganze im Kontext der Tatsache, die ich vielleicht gleich in den ersten Zeilen dieses Textes hätte reinschreiben sollen („burying the lede“), dass heute endlich mein zweites Buch – <a href="https://dieguteseiteberlin.de/"><em>Gemeinsam gegen die Angst: solidarische Kollapspolitik</em></a> – aus der Druckerei kommt und spätestens am 4.11. im Buchhandel erhältlich sein wird. Im Buch mache ich einen Vorschlag, wie wir mit unseren Ängsten ob all der offensichtlichen und der vielen verdrängten Katastrophen umgehen können, und ich führe dort zum ersten Mal ausführlicher aus, was ich mit „Katastrophenpolitik“ und „Kollapsbewegung“ meine. In all meiner erheblichen Eitelkeit glaube ich, dass es zumindest inhaltlich (wahrscheinlich nicht in Verkaufszahlen, aber na gut, wer braucht schon ökonomische Stabilität und die Anerkennung der bürgerlichen Feuilletons, ich deklassierter Exgroßbürger doch nicht) ein bisschen das Buch der Stunde sein könnte: viel Angst, kaum jemand redet darüber, und von denen, die darüber reden, hat kaum jemand einen Vorschlag jenseits von „<em>learn to deal with it</em>“, wie wir mit unseren Ängsten produktiv umgehen können, sie in eine politische Produktivkraft für solidarisches (Über-)Leben konvertieren können. Mein Buch ist so ein Vorschlag, m. E. der erste seiner Art im deutschsprachigen Raum, aber auch die international schon relevanten Kollapspolitikdiskurse (<em>Kollapsologie, Deep Adaptation</em>) verharren eher auf einer Reflexionsebene, als dass sie kohärente strategische Vorschläge entwickeln.</p><p>So, genug <em>sales-pitching</em>, zur Klimasache. Die Fakten sind kurz referiert, sie tauchten leicht verschämt erzählt (<em>oopsie</em>!) sogar in den meisten deutschen Medien auf.</p><p>„<em>The world is running headlong towards a long-term temperature rise of 2.8C based on present government policies“</em>, wobei man dazu sagen muss, dass dies extrem optimistische Projektionen sind, die einen viel zu starken Vergangenheits- und Linearitätsbias aufweisen. Anders gesagt: weil die Welt noch nie einen so schnellen Klimakollaps erlebt hat, gibt es dazu keine historischen Daten, außerdem sind Veränderungen in komplexen Systemen nicht linear, weshalb „2,8 Grad“ eigentlich heißt: „bis Ende des Jahrhunderts wird das Klima mit Sicherheit kollabiert sein“. <em>Cool. Coolcoolcool</em>.</p><p>Dann: „<a href="https://www.ft.com/content/76bf9a5f-a1f9-4b59-9473-35fe18a7a008?syn-25a6b1a6=1">T<em>he UN report confirmed that there was no longer any chance of preventing global warming of 1.5C above pre-industrial levels</em></a><em>.</em>“ D. h., wer immer noch davon redet, 1,5 Grad einzuhalten, redet genauso Quatsch wie – entschuldigt den random Themenwechsel, aber das kotzt mich schon lange an – irgendwelche residualhumanistischen Vertreter*innen der „deutschen Staatsräson“ oder auch „bedingungslos Israelsolidarische“, die nach drei Jahren siedlerfaschistischen Genozids in Gaza immer noch von einer „Zweistaatenlösung“ reden, die schon lange materiell unmöglich ist, es ihren Vertreter*innen aber erlaubt, so zu tun, als wären ihnen palästinensische Leben auch nur einen feuchten Furz wert. Wer von „Zweistaatenlösung“ oder „1,5 Grad“ redet, hat, in den Worten des Situationisten Raoul Vaneigem, „<em>a corpse in their mouth</em>“.</p><p><br/>______________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>______________________________________________<br/></p><p><strong>Katastrophenpolitik</strong></p><p>So weit, so bekannt, wenngleich oft verdrängt. To be honest ging es mir mit diesem Blogtext auch erstmal darum, darauf hinzuweisen, dass das Buch jetzt aus der Druckerei kommt, dass Ihr es bitte gerne danke in Scharen kaufen und danach seine Inhalte an Stammtischen, in Cafés, beim Mittag- und Abendessen, gerne auch postkoital mit ner Kippe diskutieren solltet ;)</p><p>Aber so ganz nackte Werbung will ich ja auch nicht betreiben, und glücklicherweise liefert der Guardian mir da eine Vorlage. Denn, wie schon gesagt, ist eines der zentralen Themen des 2. Buches (das ich testweise mal als „Die gelben Seiten“ bezeichne, aber ich glaube nicht, dass das den Marketingerfolg von „Das Kleine Rosa Buch“ wiederholen kann: wer weiß denn noch, was die Gelben Seiten waren? ;)) die „Katastrophenpolitik“. Kernthese: Kollaps bedeutet die Verallgemeinerung dessen, was früher „Ausnahmezustand“ war, in den gesellschaftlichen Normalzustand. Deshalb analysiere ich im Buch „die Katastrophe“ als politischen Raum und stelle die These auf, dass Politik, die aus Katastrophen heraus entsteht, immer wirkmächtiger werden wird. Ich verweise dann unter anderem auf Griechenland, wo das Zugunglück von Tempi eine riesige, machtvolle Protestbewegung gegen den konservativen Premier Mitsotakis auslöste, und auf Serbien, wo der Einsturz eines schlecht gebauten Bahnhofs in Novi Sad ebenfalls eine Protestbewegung gegen den autoritären Vučić auslöste.</p><p>Tja, und heute lese ich, <a href="https://www.theguardian.com/commentisfree/2026/oct/21/serbia-election-gen-z-protest-strongman-europe-aleksandar-vucic">dass Vučić möglicherweise die nahenden Wahlen verlieren wird</a> (AWESOME!), und dass die Opposition, die ihn hoffentlich besiegen wird, ganz zentral auf die Bewegung zurückzuführen ist, die nach dem Einsturz des Bahnhofs gegen den korrupten Autokraten zu demonstrieren begann. Katastrophen sind ungewöhnlich wirkmächtige Ereignisse, und wer es versteht, sie zu politisieren, kann damit einiges gewinnen. Meine besten Wünsche gehen an die serbische Opposition, crush that authoritarian fucker.</p><p>Die These von der Katastrophe als politisch wirkmächtigem Raum wird auch von einem Artikel aus den USA bestätigt: „<a href="https://www.theguardian.com/us-news/2026/oct/21/extreme-weather-survivors-climate-crisis">US extreme weather survivors are a growing group – now they want to be a political force</a>“. Ganz kurz zusammengefasst: es gibt immer mehr extreme weather events, u. a. in Bundesstaaten wie Texas, und die davon betroffenen Menschen beginnen, sich entlang ihrer neuen Identität als Katastrophenüberlebende oder -betroffene zu organisieren. „<em>The shock of extreme weather helps bond people in an unusually bipartisan way, with politically diverse delegations of survivors making several trips to press lawmakers in Washington. ‘I think you’d be hard-pressed to find a group of people that are more united on the core issues.’“</em></p><p>Das ist natürlich alles noch recht neu, aber diese beiden Nachrichten haben mir heute überraschend gute Laune gemacht – auch, weil sie die Kernthesen meines Buches bestätigen, und es ist ja nicht so ganz einfach, über die Zukunft zu schreiben, weil, you know... Aber die These von der Katastrophe als zentralem politischen Raum der Zukunft findet immer mehr Bestätigung, und vielleicht kann dieser Text noch einen oder zwei von Euch überzeugen, sich mit meinen Ideen auseinanderzusetzen.</p><p>Denn während das erste Buch wirklich eine Art Arbeitsbericht war, ist das zweite eine Geschichte und ein Gesprächsangebot. <em>So let’s start talking</em> (<em>after you’ve bought and read the book, of course </em>;)).</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Mit freudig-erregten Grüßen,<br/>Euer Tadzio</p><p><br/><br/></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 22 Oct 2026 07:27:42 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[An die Neuköllner Revolutionist*innen: Hört auf mit dem Querschießen!]]></title>
      <description><![CDATA[Ein offener Brief an die Linke Neukölln, von einem Linken in Neukölln, der links wählte, weil er eine linkere Regierung in der Stadt wollte: Hört auf, quer zu schießen!]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/74a7f31d-908a-4007-b579-cac2aa10c82a/uploads/images/zbfkpamldz/aufnahmen-im-rahmen-der-demonstration-auf-die-strasse-gegen-nazistische-deportationsplaene-der-afd-vor-dem-roten-rathau.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Demo vor dem Roten Rathaus"/><figcaption>Um dieses Rote Haus geht&#39;s in den Debatten um die Berliner Linke. Es geht *nicht* um Israel und Gaza.</figcaption></figure><h2>Offener Brief an den Neuköllner Bezirksverband der Berliner Linken</h2><p></p><p>Hi, ich weiß nicht, ob wir uns kennen. Ich heiße Tadzio Müller, bin marxistischer Politikwissenschaftler, jahrzehntelang antikapitalistischer Klimaaktivist, jetzt arbeite ich am Aufbau einer Bewegung fürs „solidarische Katastrophenprepping“. Ich wohne seit 2011 in Neukölln, und bei jeder Wahl kriegt Ihr meine Stimme. Ich bin Fleisch von Eurem Fleische, und deshalb wäre ich dankbar, wenn Ihr mir zuhört, wenn ich Euch sage: hört verdammt nochmal mit dem Querschießen gegen eine mögliche linke(re) Regierung in Berlin auf. <em>Stop it</em>. Ich glaube nämlich, Ihr habt dafür kein Mandat von Euren Wähler*innen, die mehrheitlich eine Regierung wollen, die das Leben in der Stadt für die Mehrheit der Menschen in der Stadt verbessert.</p><p>Klar, eine im besten Fall sozialdemokratische Stadtregierung in Berlin wird nicht den Kapitalismus abschaffen. Ich wurde gestern gefragt, was ich mir denn von einer Linksregierung erhoffen würde, und ich musste erstmal kurz nachdenken. Klar, besseren Mieter*innenschutz, eine soziale Wohnungsbauoffensive (aber puuuh, in Berlin bauen...). Ganz explizit erwarte ich keine wirkliche „Vergesellschaftung“, weil das policymäßig so komplex ist, dass es m. E. kaum ein wirklich durchsetzbares Projekt ist, aber da kann ich auch völlig falsch liegen. Dann fielen mir noch ein: ein Ende der manischen pro-Auto-Politik der Union, eine aktivere Verteidigung queerer Strukturen, möglicherweise der Aufbau solidarischer Kiezvorbereitung für Hitze- und andere Katastrophen. Andere würden andere Prios hier reinschreiben, der Punkt ist aber: für die meisten Vorhaben, die tatsächlich die Leben der Menschen in Neukölln und in Berlin verbessern würden, ist es nützlich, die eingeschriebenen Machtpotenziale und Ressourcen der Berliner Landesregierung und Senatsverwaltungen zu kontrollieren. Darüber hinaus wissen wir, dass wir als linke Kräfte auf linke Regierungen mehr Zugriff haben, stärkere Hebel, und deswegen eine linke Regierung für alle linken Kräfte im Schnitt bessere Durchsetzungsmöglichkeiten bringt.</p><p>Was steht auf der anderen Seite, auf der von Vanessa Emde und all denen, die momentan ganz offensichtlich aktiv daran arbeiten, eine Linksregierung in Berlin unmöglich zu machen? Vordergründig ein klares Bekenntnis zur Palästinasolidarität und gegen die deutsche Staatsräson: Emde sieht ihre Aufnahme in die Fraktion als „Geländegewinn gegen die Staatsräson“, und ja, damit hat sie recht. Aber, liebe Genoss*innen, wie wichtig ist uns dieser „Geländegewinn“? Ich verachte die deutsche Staatsräson herzlich, aber <em>last time I checked</em> war es sowohl dem siedlerfaschistischen israelischen Regime als auch den in Gaza leidenden Menschen herzlich egal, was eine Hinterbänklerin im Berliner Abgeordnetenhaus zum „Existenzrecht Israels“ zu sagen hat.</p><p>Und siehe da, es geht um anderes: es geht um größere strategische Setzungen, es geht um die vollkommen irrige Annahme mancher Linker – ich nenne sie gerne „Revolutionist*innen“, bei denen „die Revolution“ ungefähr so sicher kommen wird und muss wie die „<em>Rapture</em>“ bei manchen US-Evangelikalen - dass das Vermeiden der vielen Kompromisse, die die Linke in der Regierung eingehen müsste, es möglich machen würde, von dort aus ein “revolutionäres antikapitalistisches Subjekt” zu konstituieren.</p><p>Allein: die Abschaffung des Kapitalismus durch eine wuchtige populare Revolution steht halt nirgendwo auf der Agenda, und wer glaubt, dass sie es tut, blickt offensichtlich mit einem extremen Verdrängungsblick auf die politische und gesellschaftliche Lage. Die strategische Marschroute für linke Kräfte derzeit muss in Richtung „<em>popular front</em>“ gehen, zum Bündnis aller, auch bürgerlicher antifaschistischer Kräfte. In diese Richtung liegt gerade das mythische „Letzte Gefecht“, von dem die Internationale singt. Das ist es, was viele Eure Wähler*innen von Euch wollen: ein Berlin zu schaffen, in dem es sich für Alle so weit wie möglich gut lebt, in dem Queers und Migrant*innen sicher vor Faschist*innen sind, ein Berlin, das zeigt, dass das Leben in den großen Städten der Welt, trotz der langsamen Faschisierung des Landes, immer noch frei, solidarisch und geil sein kann.</p><p>______________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>______________________________________________</p><p>In diesem Sinne könnte Berlin, so es denn „erfolgreich“ links regiert würde, eine Art antifaschistischen Leuchtturm darstellen, ein Zeichen, dass es auch links vom sachsen-anhaltinischen Grinsenazi ein politisches Projekt gibt.</p><p>Deswegen bitte ich Euch darum, endlich mit Eurem Querschießen aufzuhören. Wir Linken in Neukölln, Eure Wähler*innen, wollen mehrheitlich (davon geh ich aus, klar hab ich dazu keine Zahlen, ich bin kein Wahlforschungsinstitut) eine funktionierende linke Regierung anstatt ideologischem Positionierungsgehabe.</p><p>Vanessa: ich glaube, ich stimme Dir in Fragen der Staatsräson sogar zu. Trotzdem bitte ich Dich inständig: hör auf mit dem Querschießen. Du bist eine einsame, verlorene Avantgarde, während der Große Vorsitzende uns doch daran erinnert, dass eine Guerillakämpferin wie Du im Volk schwimmen muss wie der Fisch im Wasser. Du hast Deine Anbindung an Deine Wähler*innen, an Deine Basis verloren, die 46% in Deinen Wahlkreis hast Du glaube ich nicht bekommen, um eine Linksregierung zu verhindern. <em>You’re a fish out of water</em>.</p><p>Ich würde mir wünschen, dass bis zur schicksalhaften Parteisitzung am Dienstag noch andere Linke in Neukölln den Neuköllner Revolutionist*innen klarmachen: nicht mit uns, nicht für uns. Wir wollen die Linksregierung. Deswegen haben wir die Linke gewählt. Wenn Ihr das mit der Regierung verkackt, dann zerstört Ihr die Linke, ich würde Euch nie wieder wählen.</p><p>Warum auch?</p><p>In, wie heißt das noch: „kritischer Solidarität“, Euer Neuköllner Genosse</p><p>Tadzio Müller</p><p><br/></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 17 Oct 2026 08:06:31 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Klimaanlagen im Klimakollaps: wer wird sich kühlen dürfen?]]></title>
      <description><![CDATA[Viele von uns Linksökos leben gerne in der Vergangenheit, in der Klimakollaps noch vermeidbar war. Hier eine Diskussion für die Zukunft, Klimaanlagen und -gerechtigkeit.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><a href="https://www.umweltbundesamt.de/en/topics/climate-energy/fluorinated-greenhouse-gases-fully-halogenated-cfcs/application-domains-emission-reduction/building-air-conditioning"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/68759430-be36-4c8f-8a9d-7eea3044eb11/uploads/images/er6gbsza47/wirtschaft-konsum_produkte_fluorierte_treibhausgase_fckw_anwendungsbereiche_gebaeudeklimatisierung_kanvag_fotolia.com_30855546.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Klimaanlagen an einem Gebäude"/></a><figcaption>Die Zukunft...</figcaption></figure><p>15/10/2026<br/><br/></p><p>Liebe Leute,</p><p><br/>dass das Alte endet, sollte mittlerweile allen klar sein: Die Regierungskrisen in Deutschland, Schweden, Frankreich, der Kollaps der alten deutschen „Volksparteien“ – der der SPD ist ein jahrzehntelanger Sinkflug, die alte Tante hat schon mehrere deutsche Staaten überlebt, die knickt nicht so schnell ein, aber der „Kanzlerwahlverein“ CDU bricht gerade mit einer wirklich beeindruckenden und sogar für einen Verächter der Union etwas erschreckenden Geschwindigkeit zusammen – legen nahe, dass die Grundstruktur des Verhältnisses von Gesellschaft und Regierung sich ebenfalls grundlegend ändert ... All das wäre doch super Futter für einen Blog, der sich unter anderem ganz zentral mit dem „Kollaps“ als Thema beschäftigt.<br/>Aber so gern ich dasselbe Argument auch immer wieder in verschiedene Metaphern verpacke, so wenig Lust habe ich, zum mindestens achten Mal aufzuschreiben, dass wir in eine posthegemoniale Zeit eintreten, in der das Zusammenspiel von globalem ökologischem Kollaps mit der „Polykrise“ dazu führt, dass es im Normalfall weniger Zeugs gibt, weniger „Wachstum“, mit dem gesellschaftliche Kompromisse geschmiedet werden können, weshalb es natürlich auch immer weniger stabile Regierungen geben wird. Instabile Regierungen werden die „moralische Ökonomie der imperialen Lebensweise“ nicht bedienen können, derzufolge zumindest hierzulande die meisten Güter des täglichen Lebens für die meisten Menschen irgendwie erschwinglich sein sollten. Dann werden Begriffe wie „Staatsversagen“ immer lauter werden, Leute werden Sachen wie „Take Back Control“ (der höchst effektive Slogan der Brexit-Kampagne) grölen, und so füttern Klimakollaps und Polykrise die Regierungskrisen, die wiederum die gesellschaftliche Arschlochisierung vorantreiben, die dann am Ende wieder die anderen Krisen verstärkt. So weit, so bekannt, so häufig beschrieben, dass es mich langweilt, weil es seit Jahren genauso vorhersagbar ist: Es ist spannend, zuzuschauen, es ist nicht mehr spannend, es immer wieder zu erklären.</p><p><br/></p><p><strong>Das Neue</strong><br/>Viel spannender, aber natürlich auch ein bisschen herausfordernder, ist die Frage, wie denn „das Neue“ beschaffen sein wird, in das wir uns hineinentwickeln: Anstatt ehrfürchtig, wie vor einem riesigen Wasserfall stehend, den Kollaps des Jetzt zu beobachten, sollten wir die vielen kleinen Flüsse herabschwimmen, die sich hinter dem Wasserfall ergeben, sollten wir uns überlegen, welche Konflikte es nächstes Jahr (wo „nächstes Jahr“ erst mal allgemein für „nahe Zukunft“ steht) geben wird und welche Positionen linksökologische und humanistische Akteure darin einnehmen sollten – wie sich der verbleibende „humanistische Pol“ in den kommenden Kollapskämpfen positionieren sollte.<br/>Ich selbst bin da in vielen Fragen noch absolut am Anfang und will heute auch nicht besonders ausführlich in eine bestimmte Thematik einsteigen. Dieser Text handelt noch nicht im Detail von den Positionen, die wir einnehmen werden/könnten, er handelt davon, dass wir anfangen müssen, sie zu entwickeln, und geht dabei von einem einzigen Beispiel aus, das meiner Meinung nach aber eine erhebliche symbolische Relevanz hat: Es wird hier um die Frage der Verteilung von Kühlungsmöglichkeiten in zunehmend höllisch heißen Klimakatastrophensommern gehen, ganz konkret aber um die Frage: Klimaanlage – ja oder nein? Und wenn ja, für wen?</p><p><br/></p><p><strong>Die Klimaanlage als Gerechtigkeitsfrage</strong><br/>Häh, wieso denn jetzt Klimaanlage, draußen wird’s kalt, Frankreich brennt, dito die Ukraine und das Kanzlerinnenamt, wie komm ich da jetzt drauf? Auslöser waren die Schülerinnenriots in Frankreich, die natürlich von vielen meiner Genossinnen wahnsinnig gefeiert und angefeuert werden, die bei mir aber tbh nur begrenztes Interesse auslösen konnten: „Aha, da krawallieren wieder junge Französinnen auf den Straßen, kämpfen gegen irgendeine unpopuläre Regierung, und die Zeitungen erinnern dran, dass es im Mai 1968 ein Bündnis aus Studierenden und streikenden Arbeiterinnen war, das kurzzeitig drohte, de Gaulles Republik zu stürzen. So weit, so bekannt, sagt Bescheid, wenn die Bastille gestürmt worden ist.“ Ich will nicht allzu blasé klingen, aber militante Proteste in Frankreich sind kein Zeichen von Revolte, sie sind ein ganz rationaler Move in einem politischen System, das bekanntermaßen wenige politische Mitsprachemöglichkeiten für Nichtregierungsakteure kennt, weshalb die „außen“ Stehenden sich immer wieder, vernünftigerweise, mit Steinwürfen behelfen.<br/>Eine Sache aber interessierte mich doch, nämlich der Hinweis auf die schlechten Heizungen/Kühlungen der französischen Schulen. Das fand ich interessant, denn es war m. E. die erste große progressive Bewegung im reichen Europa, die irgendwas mit Klimaanlagen forderte: mehr Klimaanlagen für Schulen, um für die ständig heißer werdenden Sommer vorzusorgen. Klingt erst mal sinnig, aber der klassische linksökologische Konter wäre gewesen: Nein, das geht nicht, denn Klimaanlagen sind Luxustechnologie, wer auf Klimaanlagen setzt, setzt auf Ungerechtigkeit, verschlimmert Ungleichheiten und scheint irgendwie die Möglichkeit zu übersehen, dass wir diese massiven Hitzewellen doch lieber verhindern, als uns defätistisch darauf einstellen sollten, sie zu überleben.<br/>So lautet ungefähr, correct me if I’m wrong, die linksökologische Standardposition zu Klimaanlagen, und solange wir uns noch eine Chance einreden konnten, den Klimakollaps abzuwenden, so lange war das auch eine, vielleicht sogar die richtige Position. Die Klimaanlage ist in einem gewissen Sinne die Technologiewerdung der Externalisierungsgesellschaft, sie ist eine Art Miniversion der globalen Ausbeutungs- und Zerstörungsökonomie: Knappe Energie produziert Kühlung für die Nutzerinnen/Besitzerinnen der Technologie, während die Energie und die Ressourcen für die Anlage von dort kommen, wohin auch der Hitzemüll gekippt wird – alles Gute nach innen, alles andere von und nach außen. Sich nicht mit der Ungerechtigkeit der Klimaanlage gemein zu machen, hieß in einem gewissen Sinne auch, sich nicht mit der Ungerechtigkeit der Externalisierungsgesellschaft gemein zu machen, diese gleichsam abzulehnen.</p><p></p><p>______________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>______________________________________________<br/></p><p><strong>Anstatt linksökologischem Blablabla</strong><br/>Gerade kürzlich erzählte mir ein alter Freund und Bewegungsgenosse, der nunmehr auch in der Kommunalpolitik aktiv ist, von einer Debatte im Rahmen der Öko-AG seiner Linksfraktion, von einer Debatte über Klimaanlagen, in der trotz der mörderischen Hitzewellen des vergangenen Sommers eine Genossin doch glatt die Position vertrat, Klimaanlagen seien des Teufels, es gäbe doch andere, nicht-technologische Optionen der Kühlung, wie zum Beispiel blablablablablabla ... Klar, die Person hat nicht wirklich blablabla gesagt, aber an diesem Punkt setzt wieder meine langjährige Frustration mit linken Verdrängungsdiskursen ein, und ich dachte kurz: „Fuck, das ist wie jede andere Debatte mit Linken, die nicht den Kollaps anerkennen wollen, die nicht akzeptieren wollen, dass wir uns in einem neuen politischen Zeitalter befinden, im Zeitalter des Kollapses, in dem sich sehr viele politische Wahrheiten ändern, obwohl wir das immer aggressiver nicht anerkennen wollen.“ Die Grundstruktur viel zu vieler linker Positionen ist mittlerweile: „Klar sieht es so aus, als würde sich ganz viel ändern, aber wir Linke und Ökos, wir hatten mit unseren Positionen schon immer recht, die anderen müssen ihre vielleicht ändern, aber egal ob Klima oder internationale Beziehungen, unsere Positionen waren immer schon richtig – ob zur revolutionären Arbeiterinnenklasse oder zur Rolle Russlands im geopolitischen System.“<br/>Für „blablabla“ könntet Ihr also Worthülsen wie „gerechte Übergänge“, „industrielle Konversion“, „zivile Verteidigung“ oder andere einsetzen, die alle dieselbe Funktion haben: nicht wirklich über die fundamentalen Veränderungen nachdenken zu müssen, die unsere Welt gerade durchläuft, sondern sich – eigentlich nicht anders als bei den Rechten – in eine Vergangenheit zurückzudenken, in der es eben noch möglich war, als Linke jedwede Klimaanlage abzulehnen, weil es eben noch keine 40-Grad-Tage in deutschen Schulen gab, weil die Ablehnung von Klimaanlagen zum Beispiel in Krankenhäusern noch keine fahrlässige Tötung alter oder kranker Menschen darstellte.<br/>Das kluge Faschowiesel Marine Le Pen hat das schon lange vor uns verstanden: Schon in den Zehnern, als viele Linke das Klima- und Ökothema noch mit dem Verdrängungsverweis auf „braune Ökologie“ ablehnten, bauten Le Pen und ihre Partei – damals noch der FN – ein Institut zum Thema „rechte Umweltpolitiken“ auf, was sich später dann auch auszahlte: Schon 2025 erkannte Le Pen, dass die Klimaanlagenfrage eine wichtige Konfliktlinie werden würde, und forderte den Einbau von Klimaanlagen in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen sowie öffentlichen Schulen, später kam dann noch eine Idee zur Finanzierung eines breiten Rollouts von Klimaanlagen in Privatwohnungen dazu.<br/>Das war ehrlich gesagt ein ziemlich kluger Move: Sie artikulierte eine national-soziale Position, in der die imperiale Lebensweise akzeptiert und gefestigt wird, sie verspricht, dass der Staat/die Öffentlichkeit sich um ihre Leute in ihren Institutionen kümmern wird, ermöglicht Privathaushalten einen Weg zur AC – und zeigt so den Französinnen, dass es dem RN um sie geht und nicht um den Rest der Welt, der heizt ja weiter auf, und „Mitigation“ – also Klimaschutz durch Emissionsreduktionen – könne man sich nun schenken.</p><p><br/></p><p><strong>Linksökos und die Zukunft des Kollapses</strong><br/>Ich unterstütze hier natürlich nicht Le Pens Position, sie liegt weder beim Klimaschutz richtig noch bei der Frage von Privathaushalten. Aber es sollte uns zu denken geben, dass es eine faschistische Politikerin ist, die noch vor der Linken in Frankreich forderte, dass es Klimaanlagen in Gebäuden und Institutionen geben sollte, in denen sich akut hitzegefährdete Menschen aufhalten. Le Pen sah ein, dass es wichtig sein würde, Positionen für die Zukunft zu entwickeln, während die Reaktion vieler französischer Linker auf die Hitzewellen im Grunde immer noch darin bestand, so zu tun, als könne man sie in Zukunft wieder zurückrollen. Das wird uns auf links nix bringen, wenn die nächste Hitzewelle da ist. Wir müssen Positionen entwickeln, die wirklich auf die Zukunft anzuwenden sind, nicht solche, die uns gut fühlen machen: Klimaanlagen für öffentliche Gebäude, besonders die – pardon – von Le Pen und dem RN genannten. Bei Privatwohnungen würde ich erst mal einen Platzhalter setzen: kein unregulierter Einbau von Klimaanlagen in Privatwohnungen, weil diese erheblich die Wärmebilanz eines Ortes ändern und massiv lokale Klimaungerechtigkeiten verstärken können. Das klingt jetzt nicht besonders durchdacht, ich bin ja auch kein Policymensch. Daher, liebe Policymenschen: Kommt mal in die Puschen, nach der Hitzewelle ist nämlich vor der Hitzewelle.</p><p><br/>Mit gekühlten Grüßen,</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p><br/>Euer Tadzio</p><p><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 15 Oct 2026 07:13:05 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die deutsche Rechte und Sachsen-Anhalt: Ego me absolvo]]></title>
      <description><![CDATA[Der maßlose Shitstorm gegen die Berliner Linke und die Ereignisse in Sachsen-Anhalt hängen zusammen: es geht um rechte Entschuldung angesichts politischer Todsünden...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/df2f12c9-8c41-46b1-a179-519fcfd5aa67/uploads/images/xbozqpnqo4/Ende_der_Brandmauer.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Schuld gibt dem Fascholandtagspräsidenten Blumen"/><figcaption>Keine Blumen für Nazis!</figcaption></figure><p>08.10.2026</p><p></p><p></p><p>Liebe Leute,</p><p>das war&#39;s dann wohl mit „Nie Wieder“: vorgestern, am 6. Oktober 2026, fiel mit lautem Getöse ein wichtiger Teil der „Brandmauer“ zusammen, die angesichts des rapiden Aufstiegs der AfD in den vergangenen Jahren zwischen dem konservativen, dem nicht-rechtsradikalen, dem zwar ziemlich arschlochigen, aber auf keinen Fall faschismusoffenen gesellschaftlichen Milieu und der zunehmend offen faschistisch auftretenden AfD konstruiert wurde. Dem sachsen-anhaltinischen Landtag steht von nun an ein Faschist vor, und auch wenn das nicht das wichtigste Amt im Land ist, so ist doch allen klar, dass die Wahl am Dienstag auch eine Generalprobe für die vom blauäugigen Kuschelnazi-<em>in-Chief</em> für den Dezember angekündigte Wahl zum Ministerpräsidenten war. Bis Dienstag konnte man sich, wenn man das wollte, noch einreden, der würde nur auf dicke Hose machen, wenn er sagt, er habe die zusätzlichen Stimmen schon beisammen. Seit Dienstag wäre es albern, das zu tun. Die Brandmauer ist in Sachsen-Anhalt gefallen, das rechte deutsche Bürger*innentum paktiert offen mit dem Faschismus, und noch vor Ende des Jahres wird eine faschistische Regierung zum ersten Mal seit dem 8. Mai 1945 wahrscheinlich wieder Exekutivgewalt in Deutschland haben.</p><p><br/></p><p><strong>Der zweite Sündenfall der deutschen Rechten</strong></p><p>Nix mit Nie Wieder, nix mit „wir sind mehr“, nix mit „historischer Verantwortung“ – die, erlaubt mir die <em>side note</em>, nicht bedeutet, dass Deutschland Genozide und Kriegsverbrechen rechtfertigen soll, wenn diese „vom jüdischen (Apartheids-)Staat“ verübt werden, sondern sicherstellen soll, dass hierzulande nie mehr der Faschismus an die Macht kommt und von da aus sein Zerstörungswerk in der Welt aufnimmt. Die deutsche Rechte hat ihrer historischen Verantwortung in die Augen geschaut, sich – ein bisschen wie Deutschland das mit dem Klimaschutz auch gemacht hat – kurz überlegt, was das für sie bedeutet, und hat am Dienstag schlussendlich dazu gesagt: „Weißt Du was, historische Verantwortung? Fick Dich. Wir würden viel lieber mit den Faschos schamfrei unseren nie verschwundenen Queerhass, unsere Frauenfeindlichkeit, unseren Rassismus pflegen – Ja, wir wollen wieder eine schamfreie Arschlochgesellschaft werden. Ja zum kommenden Faschismus, ja zur Führerin Weidel, zum Führer Höcke oder Siegmund. Rechts immer, links nimmer!“</p><p>Klar, „geheime Wahl“ und so, wir können natürlich nicht mit absoluter Sicherheit sagen, ob die vier zusätzlichen Stimmen, zusätzlich also zu den AfD-Stimmen und denen des mittlerweile weit jenseits jeglicher ethisch-politischen Satisfaktionsfähigkeit abgedrifteten BSW, aus der CDU kamen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist nicht nur politisch ziemlich hoch, die Arithmetik legt auch nahe: ja, das waren Leute aus der CDU, angetrieben seit Wochen, Monaten, Jahren von den zunehmend enthemmten rhetorischen und politischen Eskalationen konservativer und anderweitig rechter „Intellektueller“ und Diskursproduzent*innen. Und was am Dienstag, dem 6.10.2026, in Sachsen-Anhalt so war, wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch im Dezember in Sachsen-Anhalt so sein, und dann, Schritt für Schritt, in anderen Bundesländern, bis es irgendwann auch im Bund so sein wird: bis irgendwann eine braun-schwarze Koalition im Bund regiert, bis im Land des Nie Wieder dann doch wieder ein*e Faschist*in am zentralen Hebel der Macht sitzt.</p><p>Ich wiederhole diesen Punkt immer wieder, weil... naja, weil&#39;s halt krass ist. Weil am Dienstag, dem 6.10.2026, in Sachsen-Anhalt eines der wichtigsten, nein, das wichtigste politische Tabu der BRD gebrochen wurde, das konstitutive Tabu. Das wäre ein bisschen so, als hätte jemand plötzlich ein Goldenes Kalb auf den Petersplatz gehievt, und eine Reihe katholischer Kardinäle würde darum herumtanzen. Zwar noch nicht der Papst, aber nicht unerhebliche Teile der Kurie. Und siehe da, Boris Rhein, Chef der hessischen Rechtsausleger-CDU (mein Heimatbundesland hat Deutschland nicht nur den Gauland beschert, sondern auch den Thüringer Verfassungsschutz, vermittelt also den NSU), ruft jetzt schon danach, AfD-Politiker*innen nicht von Ausschussvorsitzen auszuschließen. Klar, Boris, warum sollte eine liberale Demokratie auch diejenigen von Machtpositionen fernhalten wollen, die geschworen haben, sie zu zerstören?</p><p><br/></p><p><strong>Sie können nicht anders</strong></p><p>All dies wusste die Union schon vor Tagen und Wochen, all dies weiß der deutsche Konservatismus mindestens schon so lange, wie der Begriff „Brandmauer“ diskutiert wird: die nichtfaschistische deutsche Rechte weiß schon seit Jahren, dass sie dereinst wieder, wie Anfang der 1930er, Seit an Seit mit dem Faschismus stehen wird, weil sie gar nicht anders kann. Zweierlei drängt sie in diese Richtung.</p><p>Einerseits ist sie, wie auch damals, getrieben von der Angst vor irgendwelchen imaginierten Gegner*innen, zum Beispiel Angst vor all den Kommunist*innen, die jetzt scheinbar die Großstädte des Landes unter militärische Kontrolle ihrer vielen Roten Armeen bringen wollen, offensichtlich vor Menschen mit sichtbar dunklerer Haut und eventuell weniger Deutschkenntnissen, und dann natürlich vor diesen „trans Menschen“, die die gewohnte rechte Ontologie („Existieren darf nur, was mich nicht überfordert“) durcheinanderbringen.</p><p>Andererseits ist sie gezogen von einfacher politischer Arithmetik: „<a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/870ee3a0-9119-4fb8-a39a-bd56c77c55fe">Dadurch, dass die Union (außer in Bayern) bisher keinen akzeptablen Koalitionspartner rechts von sich hat,</a> muss sie immer etwas weiter links regieren, als sie, ihre sich zunehmend arschlochisierende Basis und die rechtsrückende Gesellschaft eigentlich wollen, und als es ihr ein Land ohne Brandmauerreste auch ermöglichen würde. Dadurch, glaubt die Union (and I&#39;m tempted to agree), verliert sie weiterhin Leute an die AfD, denn die Union hat einen viel rechteren Wahlkampf gemacht, als sie nun wahrscheinlich regieren wird, und das könnte enttäuschte rechte Konservative durchaus in die Arme der AfD treiben.“</p><p><br/><br/></p><p><strong>Statt Selbstkritik: maßloser antilinker Shitstorm</strong></p><p>Jetzt müsste man davon ausgehen, dass dieser Bruch des fundamentalen bundesdeutschen Polittabus eine absolute Zäsur in der deutschen Politlandschaft darstellt, dass es – sagen wir mal, wie nach 9/11 – für ein paar Tage oder Wochen nichts anderes zu besprechen gibt als „holy shit, der Faschismus hat einen klaren Pfad zur Macht im Land“, jedoch...: als der Geradenochsokanzler am Dienstagabend in den ZDF-Nachrichten über Sachsen-Anhalt sprach, sprach er nicht nur über Sachsen-Anhalt, er sprach auch, die Ereignisse im Grunde gleichsetzend, über Berlins potenzielle neue Regierende Bürgermeisterin und ihre Partei, die Linke: „<a href="https://www.tagesspiegel.de/politik/kann-es-mir-nicht-vorstellen-kanzler-merz-warnt-vor-linken-regierung-in-berlin-16137097.html">Gerade an diesem Tag sollen diese unverhandelbaren Grundsätze unseres Gemeinwesens allen Ernstes verhandelt werden, sollen in Teilen zur Disposition gestellt werden für ein Regierungsbündnis mitten in unserer Hauptstadt</a>?“</p><p>Spannend: am Tag, an dem die CDU ganz offensichtlich „die unverhandelbaren Grundsätze unseres Gemeinwesens“ nicht nur „zur Disposition gestellt“, sondern geschleift hat, wirft Merz dies seinen Counterparts bei SPD und Grünen vor, und reiht sich so in den vollkommen maßlosen Shitstorm gegenüber der Berliner Linken und einem möglichen dunkelrot-rot-grünen Regierungsbündnis (dem queerkommunistischen Berliner Kalifat, wie wir es mittlerweile gerne nennen) ein, der seit Elifs Wahlsieg tobt. Elif ist eine durchgeknallte Kommunistin, wehret den Enteignungen, aber vor allem wurde die Berliner Linke zur allgemeinen Repräsentation eliminatorischen Antisemitismus konstruiert (was im Kern nichts anderes ist als die Projektion der Sünden unserer Großeltern auf genau den Akteur, den deutschen Kommunismus, der dieser Verbrechen tatsächlich unverdächtig ist, weil selbst Opfer, und zumindest während der Zeit der Verbrechen meist selbst im Lager). Ein paar Sozialdemokrat*innen verstiegen sich sogar zu der völlig durchgeknallten Aussage – kurze Zeit danach abgeschwächt, aber die BILD preschte leider vor und veröffentlichte das Originalzitat – die Linke als Organisation würde auf die Zerstörung jüdischen Lebens in Deutschland hinarbeiten. (Ich könnte noch mehr Beispiele finden, aber tbh fände ich das ziemlich ermüdend, der Shitstorm war echt ziemlich full of shit, und ich muss da jetzt nicht nochmal durchwaten.)</p><p>Das absolute Highlight war dann aber am Tag des Tabubruchs von Magdeburg eine Headline in der WELT, die den deutschen Gründungskonsens – egal was, das Schlimmste ist immer der Faschismus – völlig in sein Gegenteil verkehren wollte: „<a href="https://www.welt.de/mediathek/talk/meine-welt-meine-meinung/video6ac33da195c283447e8626f4/hans-ulrich-joerges-die-linke-ist-viel-gefaehrlicher-und-verrueckter-als-die-afd.html">Die Linke ist viel gefährlicher und verrückter, als die AfD</a>“. „Krass“, dachte ich mir, „das ist kein politstrategischer Shitstorm mehr, in dem nach messbaren politischen Rationalitäten gehandelt wird, das ist ein...“ Naja, was könnte es denn sein?</p><p>Ich muss gestehen, dass ich zu Beginn des Shitstorms nämlich noch fälschlicherweise dachte, es handele sich hier um einen ziemlich rationalen Move der deutschen Rechten: sie will keine linke Regierung in Berlin, hat Angst vor Enteignungen, ist identitär „antikommunistisch“, etc. Also macht man Shitstorm, zuerst, um zu versuchen, die gesamte Regierung zu verhindern; dann, als klar wird, dass das nicht mehr besonders wahrscheinlich ist, als der Shitstorm gegen Elif vor ein paar Wochen den Bogen überspannte (when it „<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Jumping_the_shark">jumped the shark</a>“), dachte ich, jetzt ginge es noch darum, den politischen Preis hochzutreiben, den SPD und Grüne zahlen müssten, um diese linke Koalition einzugehen. Aber... erklärte das wirklich die absolute Maßlosigkeit, die Gier nach irgendwelchem Schmodder, den man in Richtung Elif und Berliner Linke werfen konnte...? Spätestens als ich dann im Land der Nazitäter las, die Linken wären doch schlimmer und gefährlicher als die Nazis, wurde mir klar, dass wir weit über jegliche politische Rationalität hinaus waren, dass wir wieder in meinem Raum des beschämten und schuldigen Unterbewussten waren, über den ich seit 4,5 Jahren schreibe, <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/46875490-2964-4b6a-9929-526a81dfe2b9">seit dem ersten Text</a>, in dem ich die Klimadebatte mit meinen Kämpfen mit meinem Ex verglich.</p><p></p><p>______________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>______________________________________________<br/></p><p><strong>Ego me absolvo</strong></p><p>Gestern wurde mir dann klar, worum es bei diesem absolut crazy Shitstorm geht: es geht wie immer um die eigene moralische Entlastung. This is the core: die nichtfaschistische deutsche Rechte weiß schon seit Jahren, dass sie bald sündigen wird, dass es aus machtpolitischer und aus emotionaler Perspektive eigentlich keinen anderen Weg für sie gibt als den, den sie schon vor hundert Jahren einmal ging. Den sie schon einmal freiwillig ging. Sie weiß genauso sicher wie ein Junkie, der vor &#39;ner gut gefüllten Crackpfeife sitzt, die da einfach so vor ihm liegt, niemand würde ihn davon abhalten... genauso sicher, wie dieser Junkie weiß, dass diese Pfeife bald in seinem Mund sein wird, so weiß die Union, dass sie bald der Steigbügelhalter für den zweiten deutschen Faschismus sein wird.</p><p>Der Angriff auf die Linke, der Versuch, SPD und Grüne als Sünder*innen darzustellen, die sich mit dem Teufel nachts darniederlegen, handelte im Kern nicht davon, die linke Regierung in Berlin zu verhindern, oder irgendwelche politischen Kosten hochzutreiben: es war der Versuch, sich selbst im Voraus die Absolution für den eigenen, mit Sicherheit kommenden Sündenfall zu geben. In etwa: „Klar sündigen wir, wenn wir Steigbügelhalter für den Faschismus werden, aber schaut mal, die da drüben sind auch ganz pöse!“ Und wenn das Böse dort nicht so schlimm ist wie das Böse hier? Dann versuchen wir einfach alles, um die Vorzeichen zu ändern: wir reden uns einfach ein, dass eliminatorischer Antisemitismus nach Deutschland importiert wird, dass demokratische Sozialist*innen genauso schlimm sind wie Völkische und Faschist*innen, dass mit der Linken in Berlin zu regieren genauso schlimm ist wie mit der AfD in Sachsen-Anhalt, und dann bald, allerspätestens 2029, im Bund. Die mundschäumende Tollwut der deutschen Rechten in den vergangenen Wochen hat nichts, wirklich gar nichts mit den angeblichen Sünden der Linken zu tun, und alles damit, dass sie selbst gerade im Begriff sind, das Nie Wieder auszuhebeln, Faschisten zurück an die Macht zu verhelfen.</p><p>Das ist in der BRD, die sich nach der Nazizeit mit aller Macht (und natürlich fälschlicherweise) einreden musste, eine geläuterte, eine entnazifizierte Republik zu sein, eben nicht nur eine, es ist die Todsünde. Dafür würde, dafür wird man sich schlecht fühlen, eigentlich fühlt man sich schon jetzt dafür schlecht. Und wie bei Donald Trump oder Elon Musk: zutiefst schlechte Menschen fühlen sich unter anderem dann besser, wenn sie den Rest von uns zwingen können, auch zu schlechten Menschen zu werden, wenn nicht nur sie die Sünder sind, sondern alle anderen auch. Also muss die deutsche Rechte, die kurz vor dem absoluten Tabubruch steht, sich einreden, die anderen seien auch so scheiße.</p><p>Sind sie aber nicht, liebe deutsche Rechte: Ihr müsst mit Eurem eigenen Sündenfall schon selbst umgehen, weil die zentrale politische Konfliktlinie in Deutschland halt gerade quer durch Euch hindurch verläuft, und Ihr im Endeffekt die sein werdet, die entscheiden, ob Deutschland wieder vom Faschismus regiert wird. Es tut mir für Euch und uns und die Welt leid, dass Ihr diese Entscheidung im Kern schon getroffen habt. Der maßlose Shitstorm der letzten Tage beweist das ebenso wie die Ergebnisse von Magdeburg.</p><p>Der Ernstfall ist da. Und jetzt? Chto Delat?</p><p>Stay tuned.</p><p><br/></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p><br/></p><p>Mit Berliner Grüßen,<br/>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 08 Oct 2026 06:56:44 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[“Preise bereits gesunken”: Tankrabatt und imperiale Lebensweise...]]></title>
      <description><![CDATA[Der Tankrabatt beweist: alle hierzulande proditieren von Fossilismus, imperialer Lebensweise und imp. Ausbeutung. "Bezahlbarkeit" reicht als linke Position nicht aus.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>“Preise bereits gesunken”: Tankrabatt, Wohlfahrtsstaat und imperiale Lebensweise</h1><a href="https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-09/tankrabatt-energiesteuer-benzin-diesel-bundesregierung-gxe"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/52c45505-5683-4cf1-9417-ae2c15bb2cc3/uploads/images/neznurn7pi/Tankstelle.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Eine verlassene Tankstelle im Morgengrauen..."/></a><p>01.10.2026</p><p></p><p>Liebe Leute,</p><p>bevor ich zum eigentlichen Thema komme – zusammengefasst in einer DLF-Headline heute morgen: “<a href="https://www.deutschlandfunk.de/erneuter-tankrabatt-um-mitternacht-gestartet-preise-bereits-gesunken-100.html">Erneuter Tankrabatt um Mitternacht gestartet: Preise bereits gesunken</a>” - erstmal eine kurze Ankündigung, dann zwei Bitten.</p><p>Die Ankündigung: es hat ein bisschen gedauert, aber ich habe jetzt ein Veröffentlichungsdatum für mein neues Buch, für <a href="https://www.mandelbaum.at/buecher/tadzio-mueller/gemeinsam-gegen-die-angst/"><em>Gemeinsam gegen die Angst: Solidarische Kollapspolitik</em></a>. Es wird spätestens am 5.11. in den Buchläden erhältlich sein, und natürlich könnt Ihr es bis dahin auch bestellen, zum Beispiel <a href="https://www.kulturkaufhaus.de/de/detail/ISBN-9783991365280/M%C3%BCller-Tadzio/Gemeinsam-gegen-die-Angst">hier</a>.</p><p>Die Bitten:</p><p>1. Ich weiß, dass nicht wenige Journalist*innen und andere “Content Produzent*innen” meinem Blog folgen. Danke erstmal für Euer Interesse, meine Bitte handelt von PR fürs Buch: wenn Ihr an einer <strong>Rezensionskopie</strong> interessiert seid, sei es, um einen Text für eine klassische Zeitung zu schreiben, oder weil Ihr es auf Eurem Youtube oder Twitch Kanal besprechen wollt, meldet Euch, wir schicken Euch gerne eine Ausgabe. In dieser Hinsicht wäre ich für Eure Hilfe sehr dankbar, weil das letzte Buch sich zwar relativ gut verkaufte und auch viel rezipiert wurde, die Rezensionen aber dünn gesät waren. Und Ihr wisst, narzisstische Persönlichkeitsanteile und so ;)</p><p>2. <strong>Veranstaltungseinladungen</strong>: das zweite Buch ist im Gegensatz zum ersten viel mehr Gesprächsangebot, weshalb es mir sehr wichtig ist, darüber auch tatsächlich mit Euch ins Gespräch zu kommen. Wir arbeiten gerade an online-Möglichkeiten, wie Menschen, die das Buch kaufen, auch über die Inhalte ins Gespräch kommen können, trotzdem ist die beste Methode natürlich immer das <em>face-to-face </em>Gespräch, und das ergibt sich am besten, wenn Ihr mich zu Veranstaltungen einladet: Lesungen, Diskussionen, <em>you name it</em>. Das Buch wird wie gesagt spätestens ab dem 5.11. in den Läden sein, mein Kalender danach noch ziemlich flexibel: meldet Euch.<br/><br/></p><p><strong>Zur Sache</strong></p><p>Ich bin <em>tbh</em> immer noch nicht wieder ganz auf Betriebstemperatur, deswegen wird der heutige Text ein bisschen kürzer, als sonst – hah! Das verspreche ich immer wieder, und scheitere daran meist ;) - eher ein paar Gedanken zum Verhältnis zwischen “Bezahlbarkeit” in reichen Ländern, der Diskussion um den Tankrabatt, und den Positionen, die meine linken Genoss*innen und ich in diesen Fragen einnehmen, als eine ausformulierte Analyse. Aber diese Gedanken drängen sich mir in einer Zeit, in der viele meiner Genoss*innen angesichts der Wahlerfolge von Zohran Mamdani, Elif Eralp und der Popularität von Andy Burnham zu denken scheinen, dass einfach nur “Bezahlbarkeit für Alle in Deutschland” zu rufen ausreicht, um eine linke Position zu basteln.</p><p>Klar, dieses Thema haben wir hier schon ein paarmal diskutiert (letztens in “<a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/d0017a10-e6c0-45ef-af4e-6f2036ff7eea">die imperiale Lebensweise soll wieder Spaß machen</a>”), aber da ich kürzlich schon wieder in Diskussionen verwickelt war, in denen manche Linke in den sozialen Medien doch einfach mal glatt leugneten, es gäbe überhaupt so etwas wie “imperiale Ausbeutung”, dass es eben keinen Unterschied machen würde, ob man in Bottrop oder in Bogota arm sei, wollte ich das nochmal kurz am Beispiel des Tankrabatts durchtanzen. Was durchtanzen? Den Tanz, der zeigt, <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/b371d428-310a-4f2e-ab07-7dda4c4194bb">dass wir von oben bis unten, von links bis rechts, mit Haut und Haar Teil der fossilkapitalistischen Zerstörung des Planeten sind</a>, wo “wir” die deutliche Mehrheit der in Deutschland lebenden Menschen meint, von denen über die Hälfte zu den Top Ten Percent globaler Konsument*innen gehört, die „<a href="https://collapse2050.substack.com/p/global-10-an-inconvenient-truth">überproportional für die Überschreitung der planetaren Grenzen verantwortlich sind und Schäden verursachen, deren Kosten von der Gesellschaft insgesamt getragen werden</a>“. Das beweist die Tatsache, dass „wir“ in der Welt, wie sie ist, ziemlich <em>fucking</em> privilegiert sind, weshalb es für uns tatsächlich zumindest kurzfristig ziemlich irrational wäre, <em>mehrheitlich</em> irgendwas an diesem Stand der Dinge zu ändern.</p><p>Das ganze Argument lässt sich in drei relativ <em>straightforward</em> Argumenten zusammenfassen: erstens, wir brauchen Benzin. Zweitens, Benzin wird teurer. Drittens, reiche Staaten können das besser auffangen, als ärmere, und zwar <em>für Alle </em>Menschen, die dann in diesem reichen Land Benzin kaufen, weil der Staat den Preis drückt. Ergo sind alle Menschen, die in reichen Staaten Benzin tanken, in globale Ausbeutungsketten involviert, ziehen Nutzen aus der imperialen Lebensweise, leben wir mal wieder über die Verhältnisse Anderer. Und als Reminder: es geht mir hier nicht per se um eine moralische Kritik des Tankrabatts, auch wenn die Insistenz vieler Linker, es dürfe keine “individuelle Konsumkritik” geben, mich allzu oft an die nervige und antihumanistische Kritik vieler Rechter erinnert, man solle sie doch nicht mit der “Moralkeule” hauen: das sind nämlich identische Positionen, nur ganz leicht unterschiedlich formuliert.</p><p>Aber zurück zur Sache:<br/><br/></p><p><strong>1. Wir brauchen Benzin</strong></p><p>Der Benzinpreis, so wurde in den vergangenen Monaten immer wieder kommentiert, ist das, was in der Frühmoderne der Brotpreis war: keine im engeren Sinne ökonomische, sondern eine moralische Größe, denn Benzin ist nicht nur die häufigste Energiequelle der dominanten Fortbewegungsmöglichkeit im Land, es ist viel mehr, es ist eine Art… naja, es ist ein bisschen wie das Blut im menschlichen Körper, denn wir sind nicht nur Autoland, wir sind eine fossilistische Gesellschaft.</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/446359ac-19ac-4a72-b1d0-50e0b5333b9d">Aus einem Text vom April</a>: “Etwas konkreter: wenn ich von unserer fossilistischen Gesellschaft spreche, meint das ein System, in dem nicht nur der Benzin- und Dieselpreis von einer Krise des globalen Fossilismus beeinflusst ist, sondern so ziemlich alles, was wir heutzutage zum Leben brauchen – von Nahrungsmitteln bis hin zu Computerchips. Wenn die Straße von Hormuz dicht bleibt, sogar, wenn sie bald wieder aufgeht, werden Lebensmittelpreise <em>around the world </em>trotzdem ansteigen, weil die Lieferungen mit dem fossilen Dünger, von dem die industrielle Landwirtschaft weltweit abhängt, natürlich auch erstmal wieder anlaufen müssen. Teures Benzin = teures Essen. Wenn das fossile Energiesystem wackelt, wackelt die gesamte Gesellschaft. Wenn die Benzinpreise steigen, wird kurz- bis mittelfristig unser Leben schlechter (<em>never mind the climate thing, nobody does these days</em>). Wenn der Spritpreis explodiert oder Tankstellen leer sind, trifft das auch die überzeugte Klimaschützerin, die kein Auto hat – weil ihr Gemüse im Supermarkt teurer wird, weil die Heizkosten steigen, weil die Lieferketten stocken. Der Fossilismus ist die Infrastruktur, in der wir alle leben, auch die, die ihn ablehnen und bekämpfen (ist mit dem Kapitalismus genau so).”</p><p>Und weil wir Benzin brauchen, besagt die “moralische Ökonomie” des Fossilismus (eine traditionelle Vorstellung von sozialen Normen und Verpflichtungen, von den angemessenen wirtschaftlichen Funktionen der Akteure in einer Gemeinschaft), dass sich alle Auto- aber auch Motorrad- oder Jeepney-fahrer*innen auch Benzin (oder Diesel) leisten können müssen. Passiert dies nicht, besteht eine Art gesellschaftlicher Legitimation, ziemlich radikale Proteste zu organisieren, vgl. Irland 2026 oder UK 2000, oder auch die lange Geschichte von “<em>fuel riots”</em> in der Welt.</p><p><br/></p><p><strong>2. Benzin wird teurer</strong></p><p>Das muss ich glaube ich nicht sehr viel weiter ausführen: erstens treibt die zunehmend konfliktive internationale Lage globale Ölpreise nach oben, vor allem natürlich die Situation im persischen Golf und der Bab-el-Mandeb Straße im roten Meer. Zweitens treibt der vor allem durch Datenzentren, das globale Internet und neue KI-Anwendungen steigende Energiehunger der Welt, der nicht auch nur annähernd durch den Ausbau erneuerbarer Energien aufgefangen wird, die Energiepreise nach oben. Drittens lösen unter anderem diese aber auch andere Prozesse steigende Inflation aus, was wiederum den Benzinpreis nach oben drückt.</p><p>Also, Benzin wird teurer, deshalb hat jede Regierung der Welt Angst vor <em>Fuel Riots</em>, weshalb jede Regierung der Welt nach Möglichkeiten sucht, erstens Vorräte von Öl und Benzin zu hamstern (was dann auch wieder Preise nach oben treiben würde), und zweitens natürlich den Preis an der Zapfsäule zu reduzieren. Benzinpreise nach unten bringen ist derzeit ein absolut zentrales Ziel globaler <em>statecraft</em>, ohne sinkende Benzinpreise steigt die Angst vor gesellschaftlichen Unruhen stetig an.</p><p><br/>______________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>______________________________________________<br/></p><p><strong>3. Reiche Regierungen machen Benzin billiger</strong></p><p>Fangen wir mal in der Mehrheitswelt an, in der Welt, die mehrheitlich von der imperialen Lebensweise nicht profitiert, sondern unter ihr leidet. In den letzten Wochen gab es radikale fuel protests unter anderem in Indonesien, in Guatemala und in Syrien, in Bolivien und den Ländern der europäischen Peripherie, Irland und Portugal. Auch in Frankreich, einem Land, dessen <em>borrowing costs</em> gerade rapide in die Höhe gehen (wieviel Geld muss Frankreich bezahlen, um sich Geld zu leihen?), und das natürlich die Proteste der Gelbwesten erlebt hat, gab es Straßenschlachten vor Ölraffinerien (vgl. <a href="https://www.nytimes.com/2026/09/15/world/asia/syria-fuel-price-protests-world.html">hier</a> und <a href="https://www.news.com.au/finance/economy/world-economy/global-protests-erupt-as-energy-crisis-bites-billions-after-200-days-of-iran-war/news-story/73d13fe0adc23f76252dba1c2fa79fe0">hier</a>).</p><p>Und in Deutschland? Ach, Deutschland, <em>felix Germania</em>, <em>tu</em>… hast halt ordentlich Staatskohle, weil Du die großen ökonomischen Krisen der letzten Jahrzehnte immer dadurch gut überstanden hast, dass Du ganz oben auf der Pyramide europäischer Ausbeutung sitzt, dass zumindest bisher, bis die Krise sich anschickt, Deinen Autosektor plattzumachen, bei Dir ökonomisch alles halbwegs gut gelaufen ist – naja, zumindest im Vergleich.</p><p>Was macht <em>felix Germania</em> also? Während sich Trump und die Republikaner anschicken, bei den Midterms eine ordentliche Watschen zu bekommen – wenn sie nicht die Wahl stehlen, was auch gut passieren kann, <em>watch this space</em> – während von Frankreich bis Bolivien Menschen auf der Straße für billigeres Benzin kämpfen, kann Deutschland sich einen Tankrabatt gönnen, oder gleich mehrere. Zur Erinnerung: beim Tankrabatt senkt der Staat vorübergehend die Energiesteuer auf Kraftstoffe, nimmt also weniger ein, damit die Energieunternehmen einen Teil davon dann als Preissenkungen an die Konsument*innen weitergeben können, was den politischen Druck auf Regierung und Gesellschaft reduziert.</p><p>Und woher hat der deutsche Staat die Kohle, um das zu machen? Naja, aus seinen historischen Vermögen, aber vor allem aus dem Steueraufkommen. Das Steueraufkommen Deutschlands ist natürlich eng an sein politökonomisches Modell gekoppelt, den deutschen Exportkapitalismus, der vor allem auf Autos, Maschinen, Chemie, und immer mehr: auf Rüstung aufbaut. Das heißt, dass der deutsche Staat nur in der Lage ist, den Menschen in Deutschland niedrigere Benzinpreise zu bescheren, weil der deutsche Exportkapitalismus in den vergangenen Jahrzehnten so effektiv Superprofite erzeugt hat. Und das bedeutet, dass auch ärmere Menschen in Deutschland ein Interesse daran haben, dass Deutschland weiterhin seine Position ganz oben auf der Pyramide der Ausbeutung, der Zerstörung und des Mordes innehat, die der fossile Massenproduktionskapitalismus darstellt.</p><p><br/></p><p><strong>Bezahlbarkeit und imperiale Lebensweise</strong></p><p>Natürlich reden wir Linken bei “Bezahlbarkeit” lieber von Mieten, als von Benzin, lieber vom ÖPNV, als von Flugreisen, und lieber vom Klopapier, als vom argentinischen Hüftsteak, aber <em>same, same</em>: in jedem Fall geht es um die Lebenshaltungskosten im globalen Norden, die hier im Vergleich zum Lohndurchschnitt natürlich sehr, sehr viel niedriger sind, als in ärmeren Ländern. Egal, ob reich, oder arm, hierzulande gibt’s Krankenversicherung. Klar ist die megaungleich, klar wird da vieles auch schlechter, aber auch die ärmste Person mit deutscher Staatsbürgerschaft hat zum Beispiel einen Rechtsanspruch auf Krankenversicherung, in deren Rahmen sie auch, zum Beispiel, mit lebensrettenden HIV-Medikamenten versorgt werden muss. Ich erwähne meine eigenen Medikamente hier, um zu demonstrieren, dass es mir nicht um eine allgemeine moralische Kritik geht, im Sinne von “alle Arschlöcher, die von der imperialen Lebensweise (IL) profitieren”. Mein Punkt ist, zu zeigen: wir in Deutschland profitieren netto alle ziemlich hart von der IL, und genau deswegen – das zeigt sich am Tankrabatt – kann es in Deutschland auch keine Mehrheiten für international gerechte Politiken geben: klar können wir uns linke “Bezahlbarkeitsmehrheiten” vorstellen, Kernforderung wäre, einen gewissen <em>basket of commodities</em> für Alle in Deutschland “bezahlbar” zu machen. Aber im globalen Sinne würde das halt die Forderung nach einer Intensivierung der o.g. Ausbeutungsstrukturen bedeuten. Denn der gesellschaftliche Reichtum in Deutschland liegt beiweitem nicht nur bei “den Reichen”, wie wir Linke uns gerne einreden. Jede Person in Deutschland, wenngleich auch nur sehr ungleich, nimmt am gesellschaftlichen Reichtum teil, den wir haben, weil wir ihn anderen weggenommen haben.</p><p>Die Prinzen haben dazu mal was gesungen: alles nur geklaut. Quite. Und jetzt wollen wir’s halt nicht zurückgeben. Europa <em>up to its old tricks</em>…</p><p>Nichts davon ist überraschend, nichts davon soll bedeuten, dass wir alle Arschlöcher sind. Es sollte uns aber zeigen, dass wirklich “linke” Mehrheiten im Sinne von “gesellschaftliche Mehrheiten fürs Beenden globaler Ausbeutungs- und Zerstörungsverhältnisse” in Deutschland und anderen hochprivilegierten Ländern eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit sind. Daher auch meine Position: vorwärts in die minoritäre solidarische Kollapspolitik. Da gibt’s auch bald ein neues Buch zu.</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p></p><p>Mit imperialismuskritischen Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 01 Oct 2026 07:24:33 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Klimahölle 2027: the Year after Tomorrow]]></title>
      <description><![CDATA[Aufgrund eines extrem starken El Niño und der ständig eskalierenden globalen Erwärmung wird 2027 ein absolutes Höllenjahr werden: wir sind darauf nicht vorbereitet.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><a href="https://www.theguardian.com/environment/2026/sep/21/super-el-nino-temperature-record"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5c6f901f-7419-4393-9ceb-f5d153fa0d30/uploads/images/xhtam5wtin/Screenshot_2026-09-22_at_10-14-48____Jaw-dropping____El_Nino_bursts_through_temperature_record_months_before_peak_El_Nino_southern_oscillation_The_Guardian.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Grafik: Temperature anomalies in the El Nino 3.4 region of the pacific ocean. Die Linie für 2026 verläuft deutlich über aller anderen."/></a><figcaption>Die alten Rekorde werden um rekordverdächtige Werte überboten.</figcaption></figure><p>24.09.2026</p><p></p><p>Liebe Leute,</p><p>heute geht es zuerst ein bisschen über die Parteiendämmerung, die wir in Deutschland gerade erleben, wie die Kampagne gegen Elif Eralp und die Linke in Berlin da reinspielt, und warum Fritze Merz, schrecklich schlechter Kanzler er auch sein mag, nicht wirklich am Aufstieg der AfD und der Implosion der Volksparteien schuld ist. Danach geht’s zum Hauptthema, der Gefahr, die irgendwie noch größer ist, als die, die von der AfD ausgeht, die ständig eskaliert, und die wir immer effektiver verdrängen, je größer sie wird: die Gefahr einer absoluten Klimahölle im Jahr 2027, eine Art <em>Year after Tomorrow</em>, um den alten Klimakatastrophenfilm falsch zu zitieren.</p><p>Bevor ich in die Themen einsteige, zuerst noch ein paar kurze Hinweise:</p><p><strong>Erstens</strong> und für mich gerade am wichtigsten: es tut mir leid, aber ich brauche mal wieder Eure Hilfe bei der Bewältigung meiner Anwaltskosten. War es bisher vor allem der dünnhäutige Baldnichtmehrkanzler Fritze Merz, der mich mit frivolen Beleidigungsklagen überzog, sieht es mittlerweile so aus, als hätte ich in der Berliner Staatsanwaltschaft persönliche Fans, die es sich zur Aufgabe machen, mir alle möglichen, zunehmend albernen Beleidungsvorwürfe zu machen und daraus Anklagen zu stricken, die zwar nie vor Gericht durchkommen würden, meinem Anwalt aber immer wieder Arbeit, und mir deshalb immer wieder Kosten verursachen.</p><p>Mein Lieblingsbeispiel: ich hatte in den sozialen Medien nebeneinander zwei Fotos gepostet, links ein cooles queeres, rechts den eingenässten Nazi aus Rostock-Lichtenhagen. Ihr erinnert Euch bestimmt: der zeigt den Hitlergruß. Was macht die Staatsanwaltschaft daraus? Ein Strafverfahren wg. Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen. Mehr dazu,und eine Spendenmöglichkeit, findet Ihr hier: <a href="https://www.gofundme.com/f/helft-mir-gegen-juristisches-harrassment-und-slappklagen">https://www.gofundme.com/f/helft-mir-gegen-juristisches-harrassment-und-slappklagen</a>. Danke für Euren Support.</p><p><br/></p><p><strong>Zweitens</strong> hat der DLF Kultur kürzlich ein schönes Feature über mich nochmal ausgestrahlt: Tini von Poser spricht mit mir über Aktivismus, Mystik in der Aktion, und mein Verhältnis zu meinem Vater – alles meine Lieblingsthemen :) Hört gerne mal rein: <a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/ein-klima-aktivist-verzweifelt-aufhoeren-zu-kaempfen-100.html">https://www.deutschlandfunkkultur.de/ein-klima-aktivist-verzweifelt-aufhoeren-zu-kaempfen-100.html</a> </p><p></p><p><strong>Drittens</strong> habe ich kürzlich ein sehr spannendes Gespräch mit Adam Aron geführt, einem Genossen aus Südafrika, der mittlerweile an der US Westküste wohnt, und von dort aus mit Interesse die dt. “Kollapsbewegung” betrachtet. Ihr könnt das Gespräch als Podcast hier hören: <a href="https://www.buzzsprout.com/2650322/episodes/19792340-tadzio-muller-organizing-in-an-age-of-collapse">https://www.buzzsprout.com/2650322/episodes/19792340-tadzio-muller-organizing-in-an-age-of-collapse</a>; oder als Text hier lesen: <a href="https://znetwork.org/znetarticle/how-do-we-build-social-movements-for-an-age-of-collapse/">https://znetwork.org/znetarticle/how-do-we-build-social-movements-for-an-age-of-collapse/</a>.</p><p></p><p><em>______________________________</em><br/></p><p>So, jetzt zur Sache:</p><p><br/><br/></p><p><em>Alarm! Fire! Foes! </em>Das Land ist in höchster Gefahr!</p><p>Soweit, so richtig. Alarm schlagen, auf die vielen brennenden Feuer hinweisen, sowie auf die anrückenden Gegner*innen, das sind genau die richtigen Moves, wenn äußerste Gefahr droht. Das Dumme an der derzeitigen öffentlichen Debatte über die drohenden Gefahren ist allerdings, dass sie, anstatt die wirklichen Gefahren in den Blick zu nehmen, sich lieber auf Nebenschauplätze kapriziert (zum Beispiel den Shitstorm, den die Berliner Linke gerade erlebt), damit sie nicht das wirkliche Ausmaß der Probleme anerkennen muss.</p><p></p><p><strong>Parteiendämmerung</strong></p><p>Nehmen wir mal den gegenwärtig stattfindenden Kollaps des deutschen Nachkriegsparteiensystems, ein Prozess, der in Deutschland eine Art nachholende Entwicklung darstellt, und in den meisten anderen reichen Externalisierungsdemokratien schon vor ungefähr zehn Jahren ablief. Dieser Prozess ist durchaus <em>scary</em>: Deutschland ist ein “Parteienstaat”, war eines der ersten Länder auf der Welt, das politischen Parteien Verfassungsrang einräumte. Und Parteien sind, oder waren zumindest, auch wichtige Akteure im gesellschaftlichen Leben, viel mehr, als zum Beispiel in den angelsächsischen Demokratien oder auch in Frankreich. Als ich in der Schule war – zugegebenermaßen war das, als Helmut Kohl noch Kanzler war, <em>so I guess things have changed since then</em> – war eines der wichtigen gesellschaftlichen Ausschlusskriterien, ob jemand in der Schüler*innenunion oder bei den JuLis war. JuSos waren ok, junge Grüne gab’s damals noch nicht so viele…</p><p>Parteien reichen in Deutschland bis runter an die gesellschaftliche Basis, und deswegen ist es eben durchaus nachvollziehbarerweise <em>scary</em>, dass die in der BRD-Geschichte mit Abstand stärkste Partei(enfamilie), die CDU (die Union), jetzt aus dem Landtag in MeckPomm rausgeflogen ist. Es ist zusätzlich verunsichernd, dass dies zuerst der CDU zustößt, die meisten politischen Kommentator*innen hatten gedacht, dass es die SPD zuerst treffen würde. Zusammengefasst: das Parteiensystem ist ein wichtiger, stabilisierender Bestandteil des gesellschaftlichen Systems BRD, und jetzt wackeln seine zwei zentralen Pfeiler, die Optik irgendwo zwischen schiefer Turm von Pisa und einstürzende <em>Twin Towers</em> am 9/11.</p><p>Aber es geht ja um weit mehr, als “bloß” den Kollaps des Parteiensystems, das Ganze geht nämlich einher mit dem seit mehreren Jahren scheinbar unaufhaltbaren Aufstieg einer faschistischen Partei (wenn in einem Liter Wasser ein großer Haufen Scheiße schwimmt, dann ist das ganze Wasser untrinkbare Scheiße – so viel zum Thema “in Teilen gesichert rechtsextrem”), die: vor 2,5 Wochen bei Wahlen in Sachsen-Anhalt einen historischen Wahlerfolg erzielt hat, der ihr zum ersten Mal einen klaren “Regierungsauftrag” bescherte; vor ein paar Tagen auch in MeckPomm Wahlsiegerin wurde, ihr Ergebnis verdoppeln konnte, und nur dank der scheinbar ziemlich kompetent durchgezogenen Aufholjagd der “Frau gegen Blau” nicht so strahlend darsteht, wie vor einigen Wochen in S-A; und die in der bundesweiten Sonntagsfrage seit Monaten mit Abstand die stärkste Partei ist. <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/345eb2bc-7a3d-4e5b-a316-bffc2f07b6f6">Wie schon vor ein paar Wochen geschrieben</a>: im Land des angeblichen “Nie Wieder” sollte das eigentlich gesellschaftliche Panikattacken auslösen.</p><p>Aber worüber zerreißt sich die mediale Debatte gerade das Maul? Erstens darüber, wie schlecht Fritze Merz als Kanzler ist, was natürlich stimmt, aber nicht das Kernproblem ist. Wir suchen gerne Schuldige für Dinge, die uns nicht gefallen, die uns stressen, auch und gerade dann, wenn niemand wirklich “daran schuld” ist. Wenn zum Beispiel das Parteiensystem in jeder reichen Externalisierungsdemokratie im Grunde auf ganz ähnliche Arten und Weisen und ähnliche Richtungen kollabiert, dann bedeutet das, dass die Ursachen für diese Kollapse transnational und strukturell sind, und nicht auf das Verhalten (die Fehler oder nicht-Fehler) dieser oder jener Person oder Partei zurückzuführen sind.</p><p>Ich will hier natürlich nicht Fritze <em>Twoplanes</em> Merz in Schutz nehmen, tatsächlich freue ich mich jeden Tag, wenn ich mir vorstelle, wie sehr dieses dünnhäutige Manbaby unter dem öffentlichen Druck und der öffentlichen Ablehnung emotional leidet – da bin ich nachtragend, der Mann hat mich mit seinen “SLAPP”-Klagen schon manchen Euro gekostet. Ich will aber darauf hinweisen, dass der “Merz kann es nicht”-Diskurs auch existiert, damit wir nicht anerkennen müssen, dass es derzeit niemand “könnte”: auch die Brits werden einsehen, dass ein <em>Good Vibes Prime Minister </em>zwar bessere Vibes produzieren kann, aber auch Andy Burnham wird nicht den Zielkonflikt zwischen Öl- und Gasbohrungen in der Nordsee auf der einen, und dem britischen Commitment zu “net zero” andererseits auflösen können.</p><p>Zweitens läuft gerade eine Kampagne gegen die Partei die Linke, die sich gewaschen hat: man könnte meinen, es gäbe keine faschistische Partei, die die Sonntagsfragen anführt, es gäbe keine Faschist*innen, die in der Provinz (lang nicht nur der “ostdeutschen”) die Leben von Jüd*innen, migrantisierten Menschen, Queers etc in Gefahr bringen, keine AfD, die sich anschickt, die zweite faschistische Diktatur der deutschen Geschichte an den Start zu bringen, angefangen mit dem Entfernen (Deportieren/Einsperren) ihrer Gegner*innen.</p><p>Worauf ich hinaus will: in einer Verdrängungsgesellschaft sind sogar die Debatten, in denen es um reale Probleme wie zum Beispiel die Volksparteiendämmerung geht, in Wahrheit Ablenkungsdebatten, deren Funktion es ist, die realen Ausmaße der Probleme herunterzuspielen, “<em>misdirection</em>” zu betreiben (“<em>don’t look here, LOOK HERE</em>!”), und Diskussionen zu führen, die… sich halbwegs angenehm führen lassen, in denen irgendjemand anderes der Villain ist, in denen auch mögliche Lösungen zu sehen sind. Das Merz-Problem ist zwar technisch komplex (weil Kanzler*in absägen in D gar nicht so einfach ist), aber strukturell einfach zu lösen: Merz weg, dann wieder gut. Das Linken-Problem <em>muss</em> gar nicht gelöst werden, seine bloße Existenz beruhigt die Mitte schon: “Ah, gut, dass wir eine Linke mit einem Antisemitismusproblem haben, dann können wir uns einreden, dass nicht unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern die Nazis waren, sondern irgendjemand anderes all die Jüd*innen, Queers, Sinti und Roma, Kommunist*innen und anderes ‘lebensunwertes Leben’ vernichtet hat.”</p><p>Schuld ist immer jemand anderes. Das Problem ist immer irgendwie lösbar. Und, ganz wichtig: man selbst muss nichts ändern, kann einfach so weitermachen, wie bisher. Sehr viel mehr Inhalt haben politische Debatten nicht mehr.</p><p><br/></p><p><strong><em>The supercalifragilisticexpialidocious El Nino</em></strong></p><p>Ähm. Damn, so viel wollte ich eigentlich gar nicht über die Parteien schreiben, aber das Sein bestimmt wohl das Bewusstsein, und im Superlandtagswahlmonat geht’s halt viel um Parteien und das ganze Gedöns, und irgendwie konnte ich mich nicht zurückhalten. Eigentlich wollte ich aber über die eine Riesenfrage schreiben, über die wir eigentlich fast kaum noch reden, nämlich die Sache mit dem Klima. Klar, der Sommer war wirklich <em>scary</em>, die Hitzewellen, die vielen Toten, dazu noch die ständige Drohung einer großen Energie-, Diesel- und Benzinkrise, deshalb gab es wie erwartet zum Ende des Sommers ein kurzes Möglichkeitsfenster, in dem “Klimakatastrophe” und Hitzetote, Klimaanpassung und kollektive Vorbereitung auf kommende Disaster besprochen werden konnten.</p><p>Nun ist der Sommer vorbei, heute waren es nachts bei uns in Berlin nur noch sieben Grad, und als ich heute morgen zur Arbeit radelte, hatte ich meine Herbstjacke an, und einen dünnen Schlauchschal um den Hals: es herbstelt, weshalb die Klimafrage <em>quite literally </em>aus dem Auge, aus dem Sinn ist. Das, liebe Leute, ist ein Fehler, ein großer Fehler.</p><p>Denn, Ihr werdet Euch erinnern, zum Ende des Sommers hörten wir, warum es denn jetzt schon so wahnsinnig heiß sei, und warum die vielen Klimakatastrophen dieses Sommers nur ein Vorgeschmack auf die Zukunft seien, überhaupt lernten wir dieses Jahr ziemlich viel übers Weltklima, und über das mittlerweile weltbekannte Klimaphänomen “El Niño”. Und davon soll der Rest dieses Texts handeln: von der rapide eskalierenden globalen Erhitzung und ihrem Zusammenspiel mit einem historisch unüblich starken El Niño (“<a href="https://jimehansen.substack.com/p/super-duper-el-nino-and-the-bigger?utm_source=publication-search">super duper</a>”, “<a href="https://www.theguardian.com/environment/video/2026/jul/28/godzilla-el-nino-hottest-year-on-record-video-explainer">Godzilla</a>”, “<a href="https://www.theguardian.com/environment/2026/sep/23/el-nino-450000-extra-deaths-six-months">huge</a>”, “<a href="https://www.theguardian.com/environment/2026/sep/21/super-el-nino-temperature-record">jaw-dropping</a>”), und was das alles <em>für uns</em> hier bedeuten könnte. <em>Spoiler</em>: <em>it will be hell.</em> 2027 wird unsere Reise ins Herz der Finsternis: <em>The horror! The horror</em>!</p><p>Zuerst mal zum technischen, und ich hoffe, mich hier nicht allzusehr zu blamieren. Also, wenn wir vom kommenden Klimahöllenjahr 2027 sprechen, reden wir von zwei grundsätzlich unterschiedlichen Dynamiken, die sich aber gegenseitig verstärken: da wäre einerseits die menschengemachte globale Erhitzung, die in den vergangenen Jahren an Fahrt aufgenommen hat, die meiner Meinung nach ihren “<em>point of no return</em>” schon überschritten hat, und jetzt, mal stetig, mal in rapiden Sprüngen, permanent ansteigen wird, bis die globale industrielle Zivilisation zerstört und der ständige anthropogene Ausstoß von Treibhausgasen beendet ist. Die globale Erwärmung erhöht die globale Durchschnittstemperatur, und sorgt unter anderem dafür, dass die Atmosphäre immer mehr Wasser aufnimmt, was wiederum zu immer extremeren Regenfällen und deshalb Flutkatastrophen führt. Und der “<a href="https://www.theclimatebrink.com/p/the-atmosphere-just-set-a-water-vapor"><em>August 2026 set a record for the amount of water vapor in the atmosphere, more water vapor means more rocket fuel for extreme rain — so this record is not good news</em></a><em>.”</em></p><p>Zur ohnehin stattfindenden globalen Erwärmung gesellt sich seit dem Spätsommer 2026 ein unüblich starker El Niño: “<a href="https://www.youtube.com/watch?v=-kmObmfWyqs&amp;t=1">ein natürliches Klimaphänomen im pazifischen Ozean, das alle zwei bis sieben Jahre das Wetter weltweit durcheinanderbringt</a>”, und vor allem in Äquatornähe zu deutlich höheren Temperaturen, und weltweit zu sich verändernden Niederschlagsmustern führen kann – an manchen Orten regnet es dann viel zu viel, an anderen viel zu wenig. Das wiederum kann zu Ernteausfällen führen, dies zu Preisänderungen auf Weltmärkten, und Hungersnöten allüberall. Ernteausfälle können auch zu größeren Migrationsbewegungen führen, wenn Menschen von dort abhauen müssen, wo sie nix mehr zu futtern haben, und jede Migrationsbewegung, von der zumindest ein paar Leute an die Grenzen des globalen Nordens und seiner Wohlstandsfestungen kommt, führt in der reichen Welt sofort zu einer Zunahme von Arschlochisierungstendenzen, vgl. Ceuta vor einigen Wochen.</p><p>Auf der einen Seite also ein globales Klimasystem, das, wenn ich recht habe, seinen <em>point of no return</em> schon überschritten hat, und sich jetzt schon rapide verändert, vor allem in Richtung mehr globale Erhitzung. Auf der anderen Seite ein ohnehin schon starker El Niño – alle paar Jahrzehnte fällt er besonders stark aus, z.B. 1876 – 78, 1982 – 83, oder 2015 – 16. Und diese beiden Dynamiken verstärken sich nun gegenseitig: der El Niño heizt die Atmosphäre noch schneller auf, und die globale Erhitzung <em>supercharges</em> den El Niño. Die genauen “attribution studies” stehen natürlich noch aus, und wir werden in den nächsten 18 Monaten unzählige Artikel mit Headlines wie “<em>Deadly flood in XYZ made ABC% more likely by man-made global heating</em>”, klar ist aber: die beiden Erhitzungsdynamiken werden sich derart gegenseitig verstärken, dass das kommende Jahr aus Klima-, Wetter- und daher Menschenrechtsperspektive ein ziemliches Höllenjahr werden wird.</p><p><br/></p><p>______________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>______________________________________________</p><p></p><p><strong>2027: <em>annus horribilis</em></strong></p><p>Aber was meine ich eigentlich mit “Höllenjahr”? Irgendwo im neuen Buch schreibe ich in etwa, dass der globale Ökokollaps seit dem “Grenzen des Wachstums”-Bericht für den Club of Rome eigentlich schon hinreichend beschrieben worden ist, weshalb ich mich im Buch auf die gesellschaftlichen Effekte konzentriere, die der globale Klimakollaps verursachen wird. Aber heute will ich mich nochmal auf die ganz direkten Effekte des kommenden Terminator El Niño konzentrieren, denn es erscheint mir, dass wir diese momentan ziemlich aktiv verdrängen, weil es a) keine klaren Schuldigen, b) keine einfachen Lösungen, und c) kein wirkliches Entkommen vor dem Problem geben kann. Daher die vielen Ablenkungsdebatten.</p><p>Zum Einstieg ein kleiner Ausflug in die Vergangenheit, zum El Niño 1876 – 1878, der wahrscheinlich der stärkste bisher gemessene war, und der mit Abstand tödlichste. Wikipedia sagt dazu:</p><p>“<em>The event led to famines that killed more than 50 million people, about 3% of the global population of the time. Famines occurred in Brazil (</em><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Grande_Seca"><em>Grande Seca</em></a><em>), China (</em><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Northern_Chinese_Famine_of_1876%E2%80%931879"><em>Northern Chinese Famine of 1876–1879</em></a><em>), India (</em><a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Great_Famine_of_1876%E2%80%931878"><em>Great Famine of 1876–1878</em></a><em>), Africa, and other areas. According to Deepti Singh et al., it ‘was arguably the worst environmental disaster to ever befall humanity’.”</em></p><p>Ok, also: extreme Dürren, Ernteausfälle, massenmörderische Hungersnöte, und das noch lange vor der Entstehung des gegenwärtigen, hochintegrierten globalen Produktions- und Handelssystems. Drei Prozent der Weltbevölkerung wären heute ca. 250 Millionen Menschen, und bei der Zahl handelt es sich nur um die Toten – was dabei nicht miterzählt wird, sind die horrenden Impacts, die Dürren, Hungersnöte, Flucht usw auf Gemeinschaften und Gesellschaften haben. <em>Add to that</em> eine vollkommen anders mediatisierte globale Gesellschaft, wo der Hunger der einen sofort in den Nachrichten das schlechte Gewissen der anderen wird. <em>Add to that</em> eine globale faschistische Offensive, die sich aggressiv einer Auseinandersetzung mit der Realität verweigert, und jedes Problem irgendeinem Sündenbock vorwirft, der dann auch gleich deportiert, ausgemerzt, exterminiert werden soll: Dürre? Trans Menschen dran schuld. Flut? Schwuchteln dran schuld. Hitzewelle? Ausländer dran schuld. Usw, usw: die gesellschaftlichen Effekte einer globalen “Umweltkatastrophe” wie des El Niño der späten 1870er in der heutigen Welt wären derart weitreichend, dass sie wirklich nur schwer abzubilden sind. Auf jeden Fall wären, nein: werden sie ziemlich <em>devastating </em>sein, <a href="https://taz.de/Anschlag-auf-Berliner-CSD/!6199997/">weil je näher das Ende unserer Welt, desto mehr müssen wir verdrängen, desto widerlicher und faschistischer werden wir</a>, vor allem in der reichen Welt.</p><p>Derzeit kommen aber eine ganze Reihe von Studien heraus, die sich mit dieser Frage beschäftigt haben, ich habe mir die Freiheit genommen, ein paar der Highlights hier zu reproduzieren, um meine These vom sicherlich kommenden “<em>annus horribilis</em>” zu illustrieren:</p><p>„<a href="https://www.theguardian.com/environment/2026/sep/21/super-el-nino-temperature-record"><em>Sehr starke El-Niño-Ereignisse</em></a><em> wie jene in den Jahren 1997/1998 und 2015/2016 gingen weltweit mit Schäden in Höhe von Hunderten von Milliarden Dollar einher – dieser El Niño lässt die vergangenen Ereignisse weit hinter sich… Heiße und trockene Bedingungen in Indonesien haben bereits zu Rekordwaldbränden und lebensbedrohlicher Luftverschmutzung geführt, während in Indien die lebenswichtigen Monsunregenfälle ausblieben. Die Dürre in Mittelamerika und der Karibik führt zu Ernteausfällen und einer Verlangsamung des Handels aufgrund niedriger Wasserstände im Panamakanal. Das Welternährungsprogramm erklärte im August, dass die Auswirkungen von El Niño voraussichtlich etwa 50 Millionen Menschen in akute Hungersnot treiben und die Preise in die Höhe treiben würden. Diese doppelte Belastung bedeutet, dass das Jahr 2027 voraussichtlich alle bisherigen Rekorde &#39;in den Schatten stellen&#39; und zum heißesten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen werden wird.“</em></p><p>Das klingt schonmal ziemlich erschreckend, aber das ist nur der Anfang:</p><p>“<a href="https://www.theguardian.com/environment/2026/sep/23/el-nino-450000-extra-deaths-six-months"><em>Prognosen zufolge</em></a><em> werden in den nächsten sechs Monaten mehr als 450.000 Menschen an den Folgen der durch den Super-El-Niño verursachten zusätzlichen Hitze sterben. Diese Zahl kommt zu den vorzeitigen Todesfällen hinzu, die bereits auf die durch die Klimakrise gestiegenen Temperaturen zurückzuführen sind. Die Auswirkungen werden weltweit zu spüren sein, von Indonesien bis Indien und von Nigeria bis in die USA. Es wird mit vielen weiteren Todesfällen infolge der Dürren, Waldbrände und Überschwemmungen gerechnet, die El-Niño-Ereignisse mit sich bringen.”</em></p><p>Ich könnte jetzt noch ne ganze Menge an Fakten und Daten aufrufen, die beweisen: <em>shit is hitting the fan now</em>, nicht in irgendeiner fernen Zukunft, der Kollaps steht vor der Tür, und wir sind darauf nur sehr schlecht vorbereitet, wenn überhaupt, aber ich belasse es mal hierbei:</p><p>“<a href="https://www.theguardian.com/environment/2026/sep/21/planetary-boundaries-breached-scientists-warn-climate-crisis"><em>The planetary life support systems</em></a><em> relied upon by humans have deteriorated to their worst levels ever recorded amid ongoing pollution and habitat destruction. Of the nine ‘planetary boundaries’ that help determine whether life can flourish on Earth, seven are being breached at their highest ever levels of transgression</em>.”</p><p>Ach ja: und die Zahl 450.000 ist mit großer Wahrscheinlichkeit viel zu niedrig angesetzt, weil wir einfach keine historischen Daten haben, die ein derartig wuchtiges Event in unserer hochvernetzten globalen Zivilisation abbilden: <em>it’ll be hell</em>.</p><p><br/></p><p><strong>Schlussgedanken</strong></p><p>Egal, wie häufig ich diese Zahlen lese, oder in einen Text einbaue: auch ich kann mir kaum ausmalen, was genau das bedeuten wird. Es gibt ja den lustigen Satz, dementsprechend wir nur neun verpasste Mahlzeiten von der Barbarei entfernt sind, ich denke mir eher, wir sind nur ein oder zwei Euro teureres Benzin von der Barbarei entfernt. Wie werden reiche Gesellschaften reagieren, wenn das billige Essen ausbleibt, wenn die Regale nicht nur im Discounter, sondern auch im KaDeWe leer sind? Mit großer Wahrscheinlichkeit ziemlich scheiße, zumindest, wenn wir darüber nicht gesprochen haben. Daher dieser Text, um in all dem politischen Chaos, in dem wir stecken, nochmal darauf hinzuweisen, dass es schon sehr bald sehr wahrscheinlich sehr viel schlechter kommen wird. Weil Klima. Und weil El Niño.</p><p><br/></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p><br/></p><p>Mit klimabesorgten Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 24 Sep 2026 06:32:38 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Guerrilla Benching im Tiergarten, oder: die queere Hydra]]></title>
      <description><![CDATA[Nachdem die Gedenk-Regenbogenbank im Tiergarten zerstört wurde, wollten wir zeigen, dass die queere Community handlungsfähig ist: this is the story of how we did it.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/df9ee0af-29dd-4e45-95b7-7f38ce2a71c1/uploads/images/tjr762mryy/IMG_7800.JPG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Zwei Regenbogenbänke im Tiergarten: hinten rechts die &quot;offizielle&quot;, vorne links die von uns aufgestellten &quot;Community-Bänke&quot;"/><figcaption>Die zwei Bänke im Tiergarten: mögen sie lange stehen. Foto: Wolf Schumacher.</figcaption></figure><p>17.09.2026</p><p></p><p><br/><br/></p><p>Liebe Leute,</p><p>wie Ihr wisst, bin ich ziemlich <em>obsessed</em> von meinen Lieblingsthemen queere Handlungsfähigkeit und Selbstverteidigung, war dieses Jahr sogar zufällig auf dem Berliner CSD, kurz bevor der Attentäter in die Menschenmenge fuhr, und schaue schon seit mindestens 4 Jahren, als der <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/30375fe8-2e60-4d53-8207-0adf951c2698">trans Mann Malte </a>in Münster von einem rechten Angreifer totgeschlagen wurde, mit großer Sorge auf <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/0e21d917-d38e-4fa0-bb6e-bfadd4a8a893">die immer stärker zunehmenden Angriffe auf CSDs</a>.</p><p>Wie Ihr vielleicht auch wisst, wurde in Berliner Tiergarten zum Gedenken an den Anschlag auf den CSD eine Regenbogenbank aufgestellt, und ein Regenbogenbaum gepflanzt: beide wurden kurz darauf geschändet. Der Baum wurde ausgerissen, <a href="https://taz.de/Queeres-Gedenken-in-Berlin/!6209210/">die Bank zerstört</a>, und obwohl wir nicht wissen, wer das getan hat, können wir mit ziemlicher Sicherheit davon ausgehen, dass es ein Queerhasser (nichtgegendert) war.</p><p>Klar, dit is imma noch Berlin: der Bezirk Berlin-Mitte erklärte sich ziemlich schnell bereit, eine neue Bank am selben Ort aufzustellen, wo die alte stand, und diesen Ort in Zukunft besser zu überwachen. Fanden wir, Wolf und ich, ne gute Sache, aber so richtig zufrieden waren wir mit diesem Zustand nicht: es kann doch nicht sein, dass die queere Community angegriffen wird, dass daraufhin „unser“ Gedenkort angegriffen wird, und wir nicht in der Lage sind, als Community selbst darauf zu reagieren, sondern die Reaktion dem Bezirk überlassen, während wir Queers in Berlin in vielen geraunten Gesprächen darüber flüstern, dass wir uns zunehmend Sorgen über unsere Sicherheit im öffentlichen Raum machen. Das <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/345eb2bc-7a3d-4e5b-a316-bffc2f07b6f6">Wahl- und Gesellschaftsdebakel in Sachsen-Anhalt </a>hat diese Gespräche nochmal ein bisschen dringender gemacht: wir können in Zukunft nicht davon ausgehen, dass öffentliche/staatliche Institutionen auf unserer Seite stehen, unsere Rechte verteidigen werden: stellt Euch mal vor, wie so eine Auseinandersetzung in einer fränkischen oder sächsischen Kleinstadt laufen würde, wie würde die Stadt, der Bezirk, der Landkreis, das Dorf sich dazu verhalten – wären die auf unserer Seite? Können wir mit Blick auf die Zukunft nicht sicher sagen. Und wenn der Staat nicht für unsere Rechte eintritt, wer tut es dann?</p><p>Mit einem leicht abgewandelten Brecht: mittelfristig kann die Verteidigung der Queers nur das Werk der Queers sein.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Vorschlag: die queere Hydra</strong></p><p>In dieser Situation – politisch unzufriedenstellend, aber, da von unserer Seite noch nicht wirklich bespielt, auch mit einigen <em>low hanging political fruits</em> – sprach ich mit einem Freund und Ally, der folgenden brillanten Vorschlag entwickelte: was, fragte er, wenn wir jedes Mal, wenn irgendein Queerhasser die Gedenk-Regenbogenbank wieder zerstört, nicht nur eine Bank wieder hinstellen, sondern gleich zwei? Wenn jeder Angriff auf queeres Stadtmobiliar, queere Infrastruktur oder queere Räume, zu mehr queerem Stadtmobiliar, mehr queerer Infrastruktur, oder einer Ausweitung queerer Räume führen würde?</p><p>Ich war sofort angefixt: was für eine grandiose Idee im Sinne queerer Handlungsfähigkeit, und der Entstehung von der Art von Eskalationsdynamik, die ich mir bisher in Bezug auf queere Selbstverteidigung vorgestellt hatte? Klar, Regenbogenbänke wieder aufstellen, oder eine geschändete Regenbogenfange durch zwei neue ersetzen, ist nicht das selbe, wie Nazis vermöbeln, und denen Angst vor unseren (hoffentlich irgendwann existierenden und dann auch gefürchteten) Pink Panthers Brigaden machen, aber es wäre ein Anfang. Denkt Euch mal in die zunehmend faschistischen Provinzen Deutschlands hinein: dort ist es mittlerweile so, dass es eine Art... queerfeindlichen rechten Mobilisierungswettbewerb gibt. Kleine Gruppen meist junger Männer treffen sich, reißen eine Regenbogenfahne runter, schänden sie, machen daraus ein Tiktok-Video, woraufhin andere Gruppen junger Queerhasser sich motiviert fühlen, das selbe zu tun. So kommen die vielen Nachrichten über verschwundene Regenbogenfahnen in der Provinz zustande, und mich kotzt das schon lange an: nicht nur drängt es uns aus dem öffentlichen Raum heraus, es gibt den Nasen auch ein ziemlich cooles Mobilisierungstool an die Hand.</p><p>Der Vorschlag meines Bürogenossen war aus meiner Perspektive genau die richtige Antwort darauf: immer, wenn die was kaputt machen, was „uns“ gehört, was für und/oder von uns ist, taucht hinterher <em>mehr</em> davon auf. Eine Regenbogenfahne wir abgerissen? Kurz darauf hängen zwei. Eine Regenbogenbank wird geschändet? Bald stehen zwei davon da. Und so weiter, und so fort. Die Logik ist offensichtlich: je mehr ihr uns zurückdrängt, desto sichtbarer werden wir. <em>Cut off one head, two shall take its place</em>. Eine Art freundliche queere Hydra, oder zumindest eine, die nur gegenüber unseren Gegner*innen unfreundlich ist.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Umsetzung Teil 1</strong></p><p>Die Idee war super, jetzt ging es an die praktische Umsetzung. Zuerst fanden wir heraus, dass der Bezirk plante, selbst eine neue Bank aufzustellen: super, weil wir dann nur noch eine zusätzliche bauen und aufstellen müssten, das wäre deutlich einfacher, als zwei. Außerdem sprach das zu meiner politischen Position, dass eine Kollapsbewegung, dass sich selbst verteidigende Queers in Zukunft eine Art strategischem Agnostizismus gegenüber dem Staat entwickeln sollten: manchmal, wie jetzt in Mitte, wird der an unserer Seite stehen, manchmal wird er einfach an der Seite stehen, manchmal an der Seite unserer Gegner. Wenn er an unserer Seite steht: um so besser, dann gehen wir in die Räume, wo er nicht ist, und besetzen diese.</p><p>Anyway, also, praktische Umsetzung: ein Freund der Familie hatte vor einigen Jahren das Projekt „Benching Berlin“ aufgezogen, wo er und seine Partnerin in Kreuzberg, Neukölln, Alt-Treptow nächtens Bänke aufstellten, ohne Genehmigung, und an Orten, die sie selbst gewählt hatten: sie nannten es „guerrilla benching“ (vermutlich inspiriert von „guerrilla gardening“?), und entwickelten die Fähigkeit, schnell und einfach cool aussehende Bänke zu bauen, und die an spannenden Orten zu platzieren. Von uns angesprochen kam von dort sofort enthusiastischer Support, die Konstruktion und Bemalung der Bänke war organisiert.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Einschub: Bauplan und Kosten</strong></p><p>Weil schon einige Menschen gefragt haben, wie diese äußerst hübschen Bänke so schnell gebaut wurden: hier ist ein ganz basaler Bauplan in vier Bildern, sagt doch bitte Bescheid, ob das ausreicht, um die nachzubauen. Ich selbst freue mich, wenn ich einen Nagel gerade in die Wand geschlagen kriege, für mich sind diese Bilder ein nicht zu brechender Code.</p><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/df9ee0af-29dd-4e45-95b7-7f38ce2a71c1/uploads/images/y557ai5ddr/signal-2026-09-17-11-00-26-477.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>Kosten: die Kosten für Holz und Farbe belaufen sich auf nicht mehr als 50€, aber da sind natürlich die Kosten für Werkzeuge nicht drin enthalten, die mein Freund schon zu Hause hatte.</p><p>Soviel dazu, falls Ihr mehr Infos wollt, sagt Bescheid.</p><p><br/>_______________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_______________________________________________</p><p><br/></p><p><strong>Umsetzung Teil 2</strong></p><p>Die Bänke gebaut mussten wir noch nur darauf warten, dass der Bezirk seine eigene neue Bank aufstellen würde, weil ich mir dachte: da kommt dann ja auch Presse, was unserer Guerrilla-Regenbogenbank nationale und vielleicht sogar internationale Aufmerksamkeit zukommen lassen könnte. Und siehe, der Pressetermin war für Montag morgen, 9:30 angesetzt. Also mieteten Wolf und ich uns ein kleines Auto, fuhren morgens um 7:30 in Richtung Tiergarten, und stellten unsere zwei kleinen Bänke, die von vorne eigentlich eher wie eine aussehen, direkt neben den Ort, wo kurz darauf die „offizielle“ Gedenkbank hingestellt werden würde.</p><p>Als wir im Tiergarten ankamen und unsere Bänke aufstellten, war zuerst niemand zu sehen, dann kamen aber doch ein paar Cops in unsere Richtung. Ich geriet in leise aktivistische Panik, wir hatten zwei Ketten gekaut, um die Bänke an Bäume anzuschließen, aber ich hatte nur ein Schloss zumachen können, bevor die Polizei vor uns stand, und ich war schon am überlegen, ob ich den Schlüssel wegschmeissen, oder ihn gar schlucken sollte. Albern: am Ende grüßten die zwei uns nett, und gingen dann unbehelligt und ohne uns zu behelligen weiter. <em>Silly me</em>.</p><p>Dann standen die Bänke, und ein paar Menschen tröpfelten ein: zuerst eine brasilianische Drag Queen, dann diejenigen, die die neue Bank aufstellen würden, dann weiteres politisches Publikum. Der Berliner Queerbeauftrage Pantisano, die Bezirksbürgermeisterin von Mitte, Stefanie Remlinger. Remlinger sagte einige nette Worte zur Bank, zum Bezirk, der uns unterstützen würde... Und überraschte mich, als sie mich aufforderte, auch ein paar Worte zu sagen. Meine Story war genau die, die ich hier erzählt habe: wenn wir Queers angegriffen werden, müssen wir in der Lage sein, selbst zu reagieren, selbst zu antworten, selbst handlungsfähig zu sein. Hinterher erzählte Remlinger dies sogar dem rbb, der als einziges Medium mit einer Kamera vor Ort war (leider: wäre eine Nachrichtenagentur da gewesen, wären die Bänke in jeder journalistischen Inbox in Deutschland gelandet – so nutzten die Zeitungen des Landes ein altes Bild der alten Bank, um über die neuen Bänke zu berichten, schrieben nur die Presemitteilung des Bezirks ab.</p><p>Anyway, ich verliere mich in Details: das Ganze war, finden Wolf und ich, ein echter Erfolg. Wir haben mit Hilfe von Allies einen kleinen aber wichtigen Punkt gemacht, nämlich den, dass die queere Community handlungsfähig sein muss, und dies mit nicht allzu großem Aufwand auch sein kann, wenn wir angegriffen werden. Bänke aufstellen ist nicht die Art von Selbstverteidigung, die ich perspektivisch anstrebe, aber es ist ein kleiner Anfang. Es geht nicht nur um die Bänke an sich, es geht um die Logik. Die Logik der queeren Hydra: <em>cut off one head, another two take its place. Queerhaters: beware</em>.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Schlussgedanken</strong></p><p>So, jetzt mach ich Schluss für heute, und mach mich an die Überarbeitung des lektorierten Manuskripts, mit der ich hoffentlich diese Woche fertig werde. Außerdem eine kleine Vorwarnung, ich werde mich die Tage wieder mit einem Crowdfunding-Aufruf melden, nicht weil Merz mich wieder so oft verklagt hat, sondern, weil ich langsam das Ziel allgemeinen juristischen Harrassments bin – z.B. wurde ich wegen „Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen“ angezeigt, weil ich ein antifaschistisches Video gepostet hatte, in dem ein Nazi eine reingehauen bekommt. Mein „Vergehen“: Der geschlagene Nazi trug im Video eine Hakenkreuzbinde um den Arm. Ihr seht: „Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen“. Klar ist das albern, klar wird das eingestellt, aber es kostet mich jedesmal etwas, weil mein Anwalt jedes Mal die Einstellung beantragen muss. Und solche frivolen Verfahren laufen derzeit ständig gegen mich. Dies nur zur Anmoderation, jetzt weiter mit dem Buch.</p><p><br/><br/></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p><br/></p><p>Mit queer-antifaschistischen Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 17 Sep 2026 07:10:42 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Was, wenn wir weniger sind? S-A & Das Ende des Demokratieschönsaufens]]></title>
      <description><![CDATA[Am Ende kam es in Sachsen-Anhalt noch schlimmer, als viele erwartet hatten: was bedeutet das für unser Verhältnis zur Demokratie? Was für unsere politische Praxis?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Was, wenn wir weniger sind? Sachsen-Anhalt und das Ende des Demokratieschönsaufens</h1><figure><a href="https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/landtagswahl-sachsen-anhalt-180.html"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/345eb2bc-7a3d-4e5b-a316-bffc2f07b6f6/uploads/images/s6pkctzs2q/Screenshot_2026-09-07_at_09-12-04_Wahlergebnis_in_Sachsen-Anhalt_AfD_siegt_-_aber_verpasst_absolute_Mehrheit_tagesschau.de.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das amtliche Endergebnis der S-A Wahlen"/></a><figcaption>Auf jeden Fall waren &quot;wir&quot; in Sachsen-Anhalt weniger...</figcaption></figure><p>07/09/2026</p><p></p><p><br/><br/></p><p>Liebe Leute,</p><p>am Ende kam es dann doch noch einen Zacken schlimmer, als wir erwartet hatten: als wir (im ZDF) den CDU-Balken bei nur knapp über 18% landen sahen, wussten wir, das wird ein Desaster. Dann der blaue, leider nur in den Hochrechnungen der taz braune Balken: rauf bis über 44%. Fuck: keine Umfrage hatte die CDU bisher unter 20, keine die AfD bei 44% gesehen. Worst case und so. Die gerade erst gefüllten Weingläser in unseren Händen wurden langsam angehoben... und dann in betretener Stille geext. Macht man mit Wein eigentlich nicht so. Aber hey, scheiß drauf: gestern war, so sagt es auch ein Großteil der politischen Kommentare heute, gestern war „eine Zäsur“, da kann man auch mal ein Glas Rosé vor Schreck weginhalieren.</p><p>Aber warum denn eigentlich „schlimmer, als erwartet“? Als professioneller Doomer und Schlechtreder müsste ich doch eigentlich auf das Schlimmte vorbereitet sein, oder nicht? Naja, auch ich hab meine lange Hopium-Abhängigkeit noch nicht ganz überwunden – man ist, wie die AA es sagen, natürlich immer Abhängige*r, nur bin ich mittlerweile halt weitgehend trocken/weg vom Stoff – und deswegen haben auch mich die Bilder vom Samstag beeindruckt, als in Magdeburg Zehntausende gemeinsam gegen die AfD und den Faschismus auf die Straße gingen. Außerdem erinnerte ich mich daran, dass Parteien, die in den Umfragen eine lange Hochphase erleben, diesen Höhenflug bei den Wahlen dann meist nicht komplett abholen können, sie landen meist ein paar Prozentpunkte unter dem, was die Umfragen ihnen vorhergesagt hatten.</p><p>Was mal wieder beweist, wie wirkmächtig <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/f4f54b37-96cd-4003-bcfb-c1fe9fe0fa86">Hopium</a> ist, was für eine starke Droge: obwohl ich immer wieder vor ihren Gefahren warne, bin ich selbst auch nicht vollkommen in der Lage, mich von ihr zu lösen, weil es halt angenehmer ist, unrealistisch positive Erwartungen an die Welt zu haben, als sich ihr jeden Tag realistisch zu stellen. Letzteres will ich in diesem Text mal in Bezug auf die Faschismusgefahr in Deutschland versuchen: mich ihr realistisch zu stellen, damit ich beim nächsten Mal, wenn die AfD wieder haushoch eine Wahl gewinnt, nicht gleich vor Schreck ne Whiskyflasche inhaliere...</p><p><br/><br/></p><p><strong>3 Schlussfolgerungen aus der Wahl in Sachsen-Anhalt</strong></p><p><em>Erstens: Schluss mit dem „Demokratiefetischismus“.</em></p><p><a href="https://taz.de/Landtagswahl-in-Sachsen-Anhalt/!6188290/">Von den 288.000 Zweitstimmen, die die AfD bekam, kamen ungefähr 170.000 von Nichtwähler*innen, 82.000 von der CDU, der Rest von FDP, Linken und SPD</a>. Aber der Großteil der Stimmen kam von Menschen, die bisher nicht gewählt haben. Möglicherweise, weil es kein gutes, erfolgversprechendes faschistisches Politikangebot gab, möglicherweise aus anderen Gründen, aber grundsätzlich haben lauter Menschen, die bisher <em>nicht</em> gewählt haben, eine faschistische Partei zum Wahlsieg verholfen. Was uns zu einer schwierigen Frage bringt: ist „mehr Demokratie“ - mehr Wahlbeteiligung und viele mobilisierte Nichtwähler*innen sind quantitativ mehr Demokratie – tatsächlich immer gut und richtig? Nein, denn, zum Beispiel, Weimar, zum Beispiel (bis vor kurzem) Orbans „illiberale Demokratie“, zum Beispiel die zweite Trump-Wahl: Demokratie ist nicht das selbe wie Menschenrechte, ist nicht das selbe wie Antifaschismus (oder auch nicht das selbe wie Klimaschutz).</p><p>Wenn wir etwas wollen, dann müssen wir dafür kämpfen, nicht einfach davon ausgehen, dass „die Demokratie“, wenn sie nur „echt“ sei, das wählen wird, was wir von ihr erhoffen. Was, wenn die Dinge, die wir brauchen/uns erhoffen/“notwendig“ sind, wenn diese von Mehrheiten abgelehnt werden? Sind wir dann trotzdem noch in der Lage, dafür zu kämpfen? Werden wir in der Lage sein, bedrohten Gruppen als Allies zur Seite zu stehen, wenn sie von einer kommenden faschistischen Mehrheit angegriffen und in Lager gesteckt werden? Das werden wir nur können, wenn wir uns von unserem allzu bequemen Demokratiefetischismus verabschieden. Nicht alles, was demokratisch gewählt wird, ist gut, nicht alles, was nur von Minderheiten gefordert wird, falsch oder illegitim.</p><p>Ich schreibe das hier so explizit auf, weil ich schon lange davon ausgehe, dass „humanistisch sein und Verantwortung für die Welt übernehmen“ ein Nischenangebot sein wird, weil ich glaube, dass im rapide eskalierenden globalen ökologischen und zunehmend auch gesellschaftlichen Kollaps das Sich-von-der-Welt-abwenden, das der neue Faschismus anbietet, immer attraktiver sein wird. Dass wir Antifaschist*innen im Kollaps zunehmend zur Minderheit werden, je privilegierter das Land, in dem wir leben, desto faschistischer wird es ceteris paribus werden: „<a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/d172c6e1-eff5-440d-a476-d8011f4e235f">wir wissen, dass der Faschismus auch eine Art Todeskult ist, ein Feiern des Heldentodes im schon aussichtslosen Kampf gegen die feindlichen, kulturfressenden Horden. Und was kann im Moment des gesellschaftlichen Thanatos schöner sein, als diesen nicht zu</a> fürchten, sondern zu feiern?“</p><p><br/>________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>________________________________________________<br/></p><p><em>Zweitens: The New Normal ist das Auflösen von Normalitäten.</em></p><p>Wie gesagt, üblicherweise holen Parteien mit krassen Umfragehochs diese nicht Eins zu Eins bei den Wahlen ab, sondern landen ein bisschen unter den grandiosen Ergebnissen, auf die sie bis kurz vor der Wahl noch hoffen durften. Die AfD hat auch diese politische „Gesetzmäßigkeit“ aufgehoben, wie schon davor alles, was wir über „politische Skandale“ wussten, dito die Annahme, dass eine Partei, die zu lange von der Macht ferngehalten wird, nicht in der Lage sein wird, den Laden zusammenzuhalten, weil Parteien auch immer Beutegemeinschaften sind, und wenn nicht genug Beute, dann irgendwann auch weniger Partei.</p><p>Aber bei der AfD gelten so viele politische „Gesetze“ nicht, ist so wenig „normal“, dass wir, so mein Vorschlag für kommende Diskussionen, die Aussage von der “Zäsur“ erstmal ernst nehmen, und tatsächlich von der Annahme ausgehen, dass wir uns in einem neuen politischen Raum befinden, in dem viele der Dinge, die wir bisher für „normal“ im politischen Raum hielten, nicht mehr „normal“ sind, in dem neue Normen und Gesetzmäßigkeiten gelten (dies auch ein zentraler Claim in <a href="https://www.kulturkaufhaus.de/de/detail/ISBN-9783991365280/M%C3%BCller-Tadzio/Gemeinsam-gegen-die-Angst">meinem neuen Buch</a>: in Kapitel 5, „Katastrophe als strategischer Raum“).</p><p>Warum betone ich das so? Weil in so einer Situation des politischen Schocks erstmal die Tendenz sein wird, genau das zu machen, was wir immer schon gemacht haben, nur nochmal „mehr“ davon: größere anti-AfD-Demos, größere antifaschistische Blockaden, mehr Petitionen, etc. Das liegt nicht daran, dass wir blöd sind, sondern an unserer völlig nachvollziehbaren Suche nach Handlungsfähigkeit im Angesicht einer schrecklichen Bedrohung. Ich schlage nur vor, dass wir uns die neue politische Landschaft, das neue Terrain der Auseinandersetzungen, erst einmal genauer anschauen, bevor wir darin irgendwelche überhasteten Moves machen: ich weiß, es ist wichtig, „was zu machen“ - aber wir sollten ehrlich genug sein, zuzugeben, dass das, was wir bisher gemacht haben, offensichtlich nicht funktioniert, und es evtl. gut wäre, mal über neue Strategien und Taktiken nachzudenken.</p><p><br/><br/></p><p><em>Drittens: Vom Bewegungs- zum Stellungskrieg - 2027 wird die Hölle.</em></p><p>Ich habe hier schonmal darauf hingewiesen, dass wir in ein „posthegemoniales Zeitalter“ eintreten, eine Zeit, in der es immer schwieriger sein wird, auch in den spätimperialen Zentren, gesellschaftliche Kompromisse zu schmieden, wie sie zB in der reichen Welt so effektiv zwischen Kapitalfraktionen und dem Großteil der Gesellschaft geschmiedet wurden: „lasst uns gemeinsam den Rest der Welt ficken, Ihr Arbeiter*innen kriegt auch was davon ab, was wir den anderen wegnehmen, dafür stellt ihr nicht zu viele kritische Fragen, und hört auf von der &#39;Vergesellschaftung der Produktionsmittel&#39; zu labern.“ Mein Lieblingsmarxist Antonio Gramsci beschrieb diese Art der politischen Auseinandersetzung einmal als „Bewegungskrieg“, den er mit dem eher langsamen und vorsichtigen „Stellungskrieg“ verglich, der sonst, in „normalen“ politischen Zeiten vorherrscht.</p><p>Wir sind, glaube ich, mittlerweile in so einer Phase, im Bewegungskrieg (<em>war of movement</em>, nicht <em>war between movements</em>), unter anderem, weil die relative Stabilität des Stellungskrieges nicht ohne gesellschaftliche Kompromisse zu denken wäre. Wenn diese Zeit tatsächlich vorbei ist, und wenn wir noch den 2027 wahrscheinlich bis zu 1,7+ Grad globaler Erwärmung erleben werden – der super duper El Nino kombiniert mit der globalen Erwärmung wird 2027 zu einem echten globalen Chaosjahr machen – dann müssen wir davon ausgehen, dass der politische und gesellschaftliche Kampf immer schneller und härter und gnadenloser werden wird.</p><p>Ich habe nicht den Eindruck, dass wir – in diesem Fall „der humanistische Block/Pol“ - auf so eine Zeit vorbereitet sind. Sich darauf mental einzustellen und das zwangsoptimistische Denken abzustellen, das auch bei mir gestern kurz zu Schockstarre geführt hat, wäre schonmal ein Anfang.</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Mit antifaschistischen Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 07 Sep 2026 07:16:09 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Sommerpause: jetzt noch was in persönlicher Sache]]></title>
      <description><![CDATA[Nach 3 Monaten intensivster Arbeit am 2. Buch, 3 Jahren Projekt Kollapsbewegung brauch ich jetzt Pause, & Zeit für kritische Selbstreflexion. See you on the other side.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/4dc371c9-932a-4371-8dd2-6699c11dcc25/uploads/images/5jzdaowsrc/d0bd09fb-61fa-4b07-9006-9e395210987e_2.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Kater Juri schläft auf rotem Teppich, Vorderpfoten süß in der Luft. Links schaut ein Zähnchen ein bisschen raus."/><figcaption>So bitte die nächsten Wochen... (Foto: Wolf Schumacher)</figcaption></figure><p><em>Ah ja, klar, weil mein Blog ja sonst so unpersönlich und akademisch-abstrakt ist :)</em></p><p>09/08/2026</p><p></p><p><br/></p><p>Liebe Leute,</p><p>Ihr habt es in den letzten Wochen mitbekommen, ich habe wie ein Wahnsinniger an meinem Manuskript gearbeitet, es ist jetzt fertig, und liegt beim Verlag. Die allerersten Reaktionen klingen positiv, es fühlt sich ein bisschen so an, als hätte ich diesmal den richtigen Ton getroffen – btw: danke an Alle von Euch, die mein 1. Buch gelesen haben, aber im Nachhinein ist mir ein bisschen unangenehm, wie wenig „Geschichte“ im Sinne von „Erzählung“ das kleine rosa Buch war, wie wenig Mühe ich mir gegeben hatte, meine Arbeitsgedanken in eine Form zu bringen, die angenehm zu lesen war, und wie verdammt oft ich meine Leser*innen, darin im Grunde anschrie oder gar beleidigte. Das 1. Buch war ein Arbeitsbuch – das 2. Buch ist eine Geschichte über eine neue Welt, eine Geschichte, die so geschrieben ist, dass sie zu lesen trotz des Themas hoffentlich ein bisschen Spaß macht, eine Geschichte, die erklären und inspirieren und vor allem: Bedeutung vermitteln soll.</p><p><br/><br/><br/></p><p><strong>Fegefeuer meiner Eitelkeiten</strong></p><p>Ich bin, <em>to be perfectly honest</em>, wahnsinnig stolz drauf, was ich glaube, da geschafft zu haben – jetzt ist es halt wichtig, dass es Euch auch gefällt, was bedeutet, dass ich bis zum Erscheinen des Buches irgendwann im Oktober erstmal in einer Art Limbo bin, einem Fegefeuer meiner narzisstischen Persönlichkeitsanteile. Es ist kein Geheimnis, dass ich auf dem Weg zur Kollapsbewegung, mit der Diagnose des Scheiterns der Klimabewegung, der Kritik auch grüner und linker Verdrängung, dem ständigen Insistieren, dass bestimmte politische Praxen nichts mehr bringen und beendet werden sollten, mit dem manchmal analytischen, manchmal <em>ad hominem</em> Gepöbel gegen den Quatsch, den ein Großteil des deutschen Journalismus zumindest in der Klimafrage mittlerweile produziert, nicht gerade der beliebteste in der deutschen Bewegungslandschaft geworden bin. Das ist nicht ganz einfach auszuhalten, und unter auch deswegen ist das 2. Buch in einer anderen, einer verständnisvolleren und hoffentlich weniger nervigen Stimme geschrieben, als das 1. Das kleine rosa Buch wollte, musste unbedingt verstehen, und dafür halt auch Dinge einfach mal herausschreien, die zu verstehen ja auch mich selbst aus der Fassung brachten (z.B.: deutscher linker Klimadiskurs ist ähnlich magisch, wie die <em>green economy</em>-Erzählung). Das 2. Buch will erzählen und ins Gespräch kommen.</p><p>Mal schauen, ob Ihr das auch so seht. Ich hoffe es sehr. Ich mag es nicht, nicht gemocht zu werden. Das ist für Menschen mit narzisstischen Persönlichkeitsanteilen schwierig. Außerdem muss ich natürlich warten, bis das Buch rauskommt, und das ist für ADHS-Zappler schwierig. Es kommen zwei nervige Monate des Wartens auf mich zu. Urgh.</p><p>Aber ich möchte diese zwei Monate nicht nur fürs Warten nutzen. Es stehen einerseits noch Projekte an – die Übersetzung des 1. Buchs ins Englische für <em>zero books</em>, die zuerst Claude unter Anleitung eines guten Freundes, dann vor allem Ramey Rieger in den letzten Monaten gemacht hat (<em>thank you Ramey, I&#39;ll be in touch on monday</em>); die Abwicklung des HEAT; und natürlich die Transformation eines Manuskripts in ein Buch – aber vor allem brauche ich jetzt eine echte Pause.</p><p><br/><br/>_______________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_______________________________________________<br/></p><p><strong>Drei Jahre „Projekt Kollapsbewegung“</strong></p><p>Seit 2023, seitdem ich aus Schweden zurückgekommen bin und die Idee „jetzt braucht&#39;s eine Kollapsbewegung!“ hatte, habe ich non-stop an diesem Projekt gearbeitet, gefühlt jede Sekunde. Das 1. Buch, die Lesereise, die Orga des 1. Kollapscamps, die darauf folgenden Konflikte, das HEAT, das 2. Buch... Ich habe nie nicht an die Kollapsbewegung gedacht, für sowas ist halt die Hyperfokus-Variante von ADHS nützlich. Aber jetzt, vor allem nach dem ultraintensiven dreimonatigen Prozess, in dem ich das 2. Buch schrieb – ein Prozess, dessen Intensität ich völlig unterschätzt hatte, der viel mehr mit... genuiner Kreation zu tun hatte, als ich erwartet hätte, der viel mehr Energie und Zeit fraß, als erwartet – habe ich es gerade noch so, kurz vor knapp am Rande des Abgrunds, geschafft, einen ernsthaften Burnout zu vermeiden. Wolf und ich haben unsere gemeinsamen Leben komplett „der Sache“ untergeordnet (danke dafür, mein Wolf), und ich bin mir nicht sicher, was es mit mir gemacht hat, drei Jahre lang immer auf ein Ziel hinzuarbeiten, und alles, auch menschliche Beziehungen, meinem Verständnis der Bedürfnisse „der Sache“ unterzuordnen. Bin ich in den letzten Jahren zu einem merkwürdigen Spätecho der hochdisziplinierten aber amoralischen leninistischen Kader geworden, die ich manchmal insgeheim in meinem Kopf feiere?</p><p>Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, was ich weiß, ist, dass die letzten drei Jahre tiefe Schneisen in mein Leben geschlagen haben, ich vielen Menschen wehgetan habe, und von vielen Menschen „verlassen“ wurde. Ja, ich habe auch neue Genoss*innen gefunden, aber manche von denen wenden sich auch schon wieder von mir ab, weil sie merken, dass ich zwar gerne von solidarischen Beziehungen rede, meine eigene Praxis diese Werte aber nicht unbedingt... lebt, abbildet, ernst nimmt. Ich bin also einerseits wirklich stolz, auf das, was ich in den letzten Jahren erreicht habe, und das 2. Buch ist, glaube ich, das beste, was ich je in meinem Leben erschaffen habe. Es ist die Art von Erzählung geworden, die wir jetzt brauchen, eine Erzählung für die neue Welt jenseits des &quot;modernen Fortschritts&quot;. Ich fühle aber auch, dass ich selten politisch und gesellschaftlich so einsam war – btw: das sag ich nicht, um Mitleid zu erzeugen, viel von dieser Einsamkeit ist der Tatsache geschuldet, dass ich mich gegenüber vielen Menschen irgendwo zwischen ruppig und „wie ein absolutes Arschloch“ verhalten habe.</p><p><em>I see that, I do</em>. Und die nächsten Monate werden für mich auch eine Zeit der Introspektion sein: für Menschen mit Riesenegos sind Selbstzweifel wichtig, ohne sie wären wir permanent unausstehlich.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Sommerpause</strong></p><p>Aber zuerst mal fahr ich jetzt runter, fahren Wolf und ich in einen Kurzurlaub in der Nähe Berlins, an einen Ort, der uns immer gut tut. Ich glaube, mein nächster Blogtext wird irgendwann Anfang September kommen. Bis dahin herrscht hier jetzt erstmal ein paar Woche Funkstille. Den echten Burnout am Ende dann doch vermieden zu haben, ist eigentlich ein großer Erfolg für mich und Wolf, ohne den ich es nicht hätte schaffen können (stellt Euch vor, mich monatelang im Hyperstress stabilisieren zu müssen – <em>sounds super stressful</em>), und jetzt kümmer ich mich erstmal um ihn und die Katzen und um mich.</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Mit erschöpften, stolzen und selbstkritischen Grüßen</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sun, 09 Aug 2026 06:34:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Trial and error im Kollaps: Das Mutual Aid HEAT 2026 ist abgesagt]]></title>
      <description><![CDATA[Es gibt wichtige Neuigkeiten: das Mutual Aid HEAT muss für dieses Jahr leider abgesagt werden, aber d.h. nicht, dass wir aufgeben: 2027 kommt der nächste Versuch.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/0bacac41-b94c-4ef7-a6c3-642a4b5d381a/uploads/images/2sw5psdhyp/Screenshot_2026-08-08_at_09-04-49_Mutual_Aid_HEAT_2026_-_Gemeinsam_in_Krisen_handeln_lernen.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p><br/><br/></p><p>Liebe Leute,</p><p>es gibt wichtige Neuigkeiten (naja, die Info ist schon seit einer Woche raus, aber zumindest auf diesem Kanal habe ich sie noch nicht kommuniziert) vom Mutual Aid HEAT, dem „kollapsaktivistischen Trainingslager“, das manche von uns aus dem Orgaprozess des Kollapscamp 2025 dieses Jahr organisieren wollten. Die Neuigkeit kommt vom gesamten Orgateam:</p><p><br/></p><h2>Das Mutual Aid HEAT 2026 ist abgesagt</h2><p>„Mit schwerem Herzen müssen wir das Mutual Aid HEAT für 2026 leider absagen. Wir sehen uns aufgrund mehrerer Entwicklungen der letzten Tage und Wochen in unserem Arbeitsprozess nicht im Stande, ein Event zu veranstalten, dass unseren Ansprüchen gerecht werden kann.</p><p>Zunächst einmal entschuldigen wir uns bei allen, auf die diese Entscheidung eine Auswirkung hat. Es tut uns leid für all die, die in unterschiedlichsten Rollen mit uns an diesem Projekt beteiligt sind und die schon viel Zeit und Arbeit investiert haben. Ganz besonders tut es uns leid für alle, die sich angemeldet und ein Ticket erworben haben. Wir sind uns bewusst, dass viele von euch ihre Urlaubs- und Jahrespläne an den Zeitraum unseres Events angepasst haben, dass viele bereits Züge gebucht haben und auch, dass die Ticketpreise für einige eine Herausforderung war (die werden selbstverständlich erstattet, mehr dazu per Mail). Ihr habt an uns geglaubt, als noch vieles unklar war, seid ein Risiko eingegangen und wir konnten letztendlich nicht liefern, was wir versprochen haben.</p><p>Gleichzeitig sind wir zutiefst dankbar für euer Vertrauen und euren Glauben an uns, an das Projekt und vor allem an die Idee von solidarischer Krisenvorbereitung. Unser Dank gebührt auch allen denen, die uns mit Wort, Tat und finanziellen Mitteln in der Arbeit unterstützt haben.</p><p>Gleichzeitig sind wir zutiefst dankbar für euer Vertrauen und euren Glauben an uns, an das Projekt und vor allem an die Idee von solidarischer Krisenvorbereitung. Unser Dank gebührt auch allen denen, die uns mit Wort, Tat und finanziellen Mitteln in der Arbeit unterstützt haben.</p><p><br/></p><p><strong>Komplexer Prototyp</strong></p><p>Die Absage ist eine unglaublich schwierige Entscheidung für uns, nachdem schon seit Ende letzten Jahres bis heute unglaublich viel Liebe, Schweiß und Herzblut in das Projekt geflossen sind. Für einige von uns war dieses Projekt seit Monaten alleiniger Fokus, um unsere Überzeugungen für eine solidarische Welt im Kollaps in die Tat umzusetzen. Umso schmerzhafter ist es jetzt, angesichts eines sich global und national weiter zuspitzenden Kollaps, unseren Gegenentwurf zu Faschismus, zu Angst, zu einer Fragmentierung der Gesellschaft zurückzuziehen. Die Welt scheint aktuell Formate wie dieses mehr zu brauchen denn je.</p><p>Unser Format hat schon seit Beginn sehr viel Komplexität mit sich gebracht, vor allem durch die Kombination aus mehreren Tagen Training und einem anschließenden Szenario, um das Gelernte praktisch umzusetzen. Wir haben mit diesem Event etwas wirklich Neues versucht, kein klassisches Bildungscamp mit einer Reihe von Workshops, auch kein Aktionscamp mit großer Blockade am Ende, sondern wir haben über Monate in allen vier Trainingssträngen die Inhalte in enger Zusammenarbeit mit einer Vielzahl an Trainer*innen entwickelt und aufeinander abgestimmt. Gleichzeitig mussten diese Inhalte dann auch mit dem Szenario verwoben werden, damit diese beiden Phasen des Trainings ineinandergreifen. Diese Komplexität hat sich sowohl in den Arbeitsprozessen und der Anzahl an Meetings und Abstimmungen gezeigt, als auch in der Zusammensetzung unseres Teams. Es gibt ein Kernteam von etwa 7 Menschen, sowie ein erweitertes Team mit 13 Rollenspieler*innen und etwa 20-30 Trainer*innen und anderen Rollen.</p><p>Jetzt, zwei Monate vor Beginn, gibt es noch einige große Baustellen in der Vorbereitung. Diese Baustellen ziehen sich durch die Trainingsinhalte, die Integration der Inhalte in die Szenarien und auch die Logistik vor Ort. In den jüngsten Entwicklungen gab es jetzt sowohl im Kernteam, als auch in entscheidenden Positionen bei den Trainer*innen noch mehrere Ausfälle und gesundheitliche Vorfälle. Angesichts dessen sehen wir uns nicht im Stande, die großen Baustellen bis zum Event zu lösen.</p><p><br/></p><p><strong>Schwächen im Prozess</strong></p><p>Wir sind leider auch in unserem Arbeitsprozess aus verschiedenen Gründen daran gescheitert, eine solidarische, verlässliche und vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen, die wir uns für aus dem HEAT eventuell hervorgehende Gruppen wünschen und die wir vor allem für die Teilnehmenden während des HEATs schaffen wollten. Wir werden das in der nächsten Zeit reflektieren und überlegen, was daraus für uns und einen hoffentlich nächsten Termin 2027 folgt. Für eine solidarische, verlässliche und vertrauensvolle Atmosphäre für Teilnehmenden, möchten wir diese auch vorleben und brauchen Zeit, die Konflikte aufzuarbeiten und unseren Zusammenhalt als Team zu stärken.</p><p>Bevor wir ein Event veranstalten, dass nicht nur Chaos simuliert, sondern selbst im Chaos versinkt und bei dem grundlegende Vorraussetzungen für ein funktionierendes Camp fehlen, haben wir uns daher jetzt entschieden die Reißleine zu ziehen. Alle Ticketinhaber*innen werden von uns in den nächsten Tagen benachrichtigt, sodass eine Rückerstattung der Beiträge vorgenommen werden kann.</p><p>Unser Glaube an solidarische Kollapsvorbereitung erlischt mit dieser Absage allerdings nicht. Viele in unserem Team möchten das Mutual Aid HEAT stattdessen in 2027 durchführen, mit einer stabileren Basis aus den Lernerfahrungen von diesem Jahr, mit mehr Zeit und mit einer besseren Integration aller Arbeitsprozesse. Wir glauben, damit ein deutlich besseres Event auf die Beine stellen zu können, als es für dieses Jahr geplant war.</p><p>Jetzt brauchen wir allerdings erstmal etwas Zeit, um diese Entscheidung und unsere Trauer, Scham und Schuld zu verarbeiten. Wir werden uns mit Updates zu 2027 melden.</p><p>Mit viel Liebe,<br/>das Mutual Aid HEAT Team</p><p><br/><br/></p><p>///////////////////////////////////</p><p>So, ich bin&#39;s wieder. Puuuuh. So ein großes Projekt abzusagen, zu verschieben, den vielen Menschen, mit denen wir zusammengearbeitet haben, die sich Zeit und Urlaub genommen haben, den vielen Menschen, denen wir die Teilnahme an einer ganz neuen Art aktivistischen Events versprochen hatten, der entstehenden Kollapsbewegung zu kommunizieren: „<em>hey, we tried, but didn&#39;t manage</em>“, das war schon ziemlich tough, das zehrt auch am Selbstbewusstsein. Ich bin zwar wahnsinnig froh und stolz, das Manuskript fürs zweite Buch (<a href="https://www.lehmanns.de/shop/naturwissenschaften/91505733-9783991365280-gemeinsam-gegen-die-angst">Gemeinsam gegen die Angst: Solidarische Kollapspolitik</a>) an den mandelbaum Verlag geschickt zu haben, aber das wiegt natürlich kaum das Gewicht des Scheiterns eines Megaprojekts auf.</p><p><br/>_______________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_______________________________________________</p><p></p><p><strong>Ein gescheitertes Experiment ist kein Scheitern: es ist Teil des Prozesses</strong></p><p><em>Then again</em>: ist diese Absage wirklich ein Scheitern? Ich habe die Überschrift „trial and error im Kollaps“ hier nicht aus Zufall gewählt. Seit einigen Jahren verstehen immer mehr Bewegungsaktivist*innen und -strateg*innen, dass wir uns in eine neue politische Situation hineinbegeben, eine Situation, in der die alten Werkzeuge unter Umständen nicht mehr funktionieren. In solchen Situationen ist die Entwicklung neuer politischer Formate nur bedingt eine Frage der Analyse, sie ist eher eine Frage des Experimentierens. Als Mitte der 1990er die argentinischen <em>Piqueteros</em> die Blockade langer Straßen durch dieses große Land als effektive Kampftaktik im globalisierten just-in-time-Kapitalismus „entdeckten“, war dies das Resultat langer Jahre des Experimentierens, dito der Fokus der deutschen Antiatombewegung auf Castorblockaden. Bewegungen suchen ständig Schwachstellen bei Gegner*innen, und neue Formate, um die eigenen Leute zu organisieren und in irgendeiner Form „auszubilden“.</p><p>Und genau das war der Plan mit dem Mutual Aid HEAT: neue Formen der Ausbildung und Organisierung im Kollaps zu finden. Unser Gedanke: ok, wir bringen zwei Teile zusammen, einmal Training, und dazu dann noch ein Szenario, in dem das in den Trainings gelernte angewendet wird. Unsere ziemlich einfache „engineering choice“: wir bauen zuerst Teil A (die Trainings), dann bauen wir Teil B (das Szenario), und dann nähen wir die beiden irgendwie zusammen, oder ducttapen sie, irgendwie so wird das schon klappen.</p><p>Es stellte sich im Prozess aber raus, dass das nicht die richtige <em>engineering choice</em> war, dass die beiden Teile nicht getrennt voneinander gebaut und dann einfach zusammengesetzt werden konnten – sie hätten von Anfang an integriert gedacht und designed werden müssen, der eine Teil mit viel Wissen über den anderen. Aber dass wir das nicht gesehen haben, war kein <em>Fehler</em>: es war Teil eines <em>Experimentierprozesses</em>. Wir wissen dass die Wright Brüder das Flugzeug erfunden haben, und kennen ihre Namen deswegen. Was wir nicht kennen sind die Namen der vielen Erfinder*innen, die die falschen <em>engineering choices</em> trafen, und dann mit ihren nichtfliegenden Protoflugzeugen abstürzten, tödlich oder nur tödlich peinlich.</p><p>In Experimentierprozessen ist Scheitern notwendiger Teil des Erfolgs, genau so funktioniert Trial and Error, und in einer neuen politischen Zeit ist das die Art und Weise, politische Innovationen zu produzieren. Und solche Innovationen braucht es. Deswegen hoffen wir, hoffe ich, dass unsere Absage zu einer offeneren Fehlerkultur im Aktivismus und den Bewegungen beiträgt, weil, wer ganz viel Angst hat, was in den Sand zu setzen, wird kaum Risiken eingehen, und Neues versuchen.</p><p>Wir haben mit dem Mutual Aid HEAT was Neues versucht, es hat dieses Jahr nicht geklappt, und das suckt. Wir werden hoffentlich die vielen Beziehungen aufrechterhalten können, die wir im Prozess aufgebaut haben, und mein Gefühl sagt mir, dass wir es auf jeden Fall nächstes Jahr wieder versuchen werden, diesmal mit viel mehr Wissen darüber, was es ist, das wir da eigentlich bauen. In dem Sinne: <em>we tried. We failed. We&#39;ll try again – and at the very least we&#39;ll fail better</em>.</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Mit experimentierfreudigen Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p><p><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 08 Aug 2026 08:20:10 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Turning 50 in collapse: Die Gnade der frühen Geburt]]></title>
      <description><![CDATA[Es ist mein 50. Geburtstag, und heute fühle ich sie besonders stark: die Gnade der frühen Geburt, als der ökologische und gesellschaftliche Kollaps nicht so spürbar war.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/09e4090d-20f0-46e6-83c7-a67a35a58538/uploads/images/vutvduevss/good-but-can-you-increase-the-visibility_s_j_zY95XmuSHpVFxeQpeA_FA_X2ohVSi2Df0D6RcvRdw.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>30/07/2026</p><p></p><p>Liebe Leute,</p><p>heute ist mein 50. Geburtstag, Wolf hat sich 2 Tage Urlaub genommen, und wir werden den Tag zusammen in dem verbringen, was ich gerne das <a href="https://www.tagesspiegel.de/berlin/keine-termine-und-leicht-einen-sitzen-4073131.html">Juhnke-Optimum</a> nenne: keine Termine und leicht einen sitzen.</p><p>Sehr viel mehr können wir auch gar nicht tun, weil heute der heißeste Tag der… 3.? der 4. Hitzewelle des Jahres ist, und die eigentlich so richtig heiße Sommerzeit noch gar nicht angefangen hat. Es werden heute um 12 Mittags schon 33 Grad sein, später dann 37, und darauf haben wir keine Lust, wir werden uns wieder zu Hause verstecken. Abends dann geht’s raus zum zeremoniellen Birthday Dinner, aber erst spät. Wie im mediterranen Süden Europas. Der zur Zeit brennt, und brennt, und brennt, und im schlimmsten Fall diesen Sommer einfach nicht mehr aufhören wird, zu brennen.</p><p></p><p></p><p><strong><em>End of the world vibe</em></strong></p><p>Aber da sind ja nicht nur die Brände. Gestern radelte ich durch Berlin, kam dem Brandenburger Tor nahe, und merkte, dass sich dort noch… wie sage ich das, ohne allzu hippie zu klingen… ich merkte auf jeden Fall noch, dass ganz nah dort, wo ich gerade auf dem Fahrrad saß, ein mörderischer queerfeindlicher Anschlag auf einen CSD verübt wurde, auf dem ich nicht allzu lang davor ausgelassen am Tanzen war. Das fühlte sich echt creepy an.</p><p>Aber diese Vibes sind ja nicht konzentriert auf Berlin, auch, wenn sie hier gerade stark zu fühlen sind. Heute morgen lese ich im Guardian über <a href="https://www.theguardian.com/wellness/2026/jul/29/sarah-wilson-book-interview">ein neues Kollapsbuch</a>: “This is not just about the climate, but civilisation buckling under the weight of its own complexity. Given worsening inequality, political polarisation, falling fertility, resource shortages and global conflicts, Wilson argues that we are hurtling towards the same end as ancient Rome, the Mayan civilisation and every other sophisticated society before us.”</p><p>Der Vibe in dem Teil der Welt, der sich eine Zeitlang einbildete, Alles könnte ständig Immer Besser Werden, Irgendwie auch Für Alle, ist entweder immer schriller zwangsoptimistisch, oder geschichts- und erzählungslos immer depressiver. Dagegen hab ich mein 2. Buch geschrieben, aber… das ist nur ein Buch. Der Vibe kommt aus… der Weltgeschichte.</p><p></p><p></p><p><strong><em>Die Gnade der frühen Geburt</em></strong></p><p>Da fiel mir etwas ein, das “der dicke Pfälzer”, wie wir den ewigen Kanzler <em>vor</em> der ewigen Kanzlerin nannten, Helmut Kohl einmal sagte: der sprach, im Kontext der deutschen Schuld ob Nationalsozialismus, Ostfront und Holocaust mal von “<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Gnade_der_sp%C3%A4ten_Geburt">der Gnade der späten Geburt</a>”. Er meinte damit eigentlich das “Glück der späten Geburt”, das Glück, sich nicht mit der Schuld und der Scham auseinandersetzen zu müssen, bei den Nazis mitgemacht zu haben, Nazi gewesen zu sein, deutscher Massenmörder.</p><p>Ich werde heute 50, in einer rapide kollabierenden Welt, in der “<em>faster than expected</em>” das neue “<em>to be expected</em>” ist. Wir sollen ja unsere Privilegien checken, <em>well here goes</em>: meine relativ “frühe Geburt” 1976 im Bürgertum der BRD hat bedeutet, dass ich die im Sinne materiellen Konsums und z.B. globaler Reisemöglichkeiten wahrscheinlich besten Jahrzehnte der Menschheitsgeschichte mit erleben durfte. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, jetzt “erst” 30, 20, gar 10 oder neugeboren zu sein. Ich weiß, dieser Gedanke klingt schrecklich egoistisch, er ist es wohl auch, aber ich dachte mir, er ist das ehrlichste, was ich an meinem Geburtstag sagen kann: holy shit, bin ich dankbar, dass ich schon so alt bin. Und ich weiß: ich bin mit diesem Gedanken nicht allein.</p><p></p><p>So, Wolf ist aufgewacht, hat mir per App ein schwedisches Geburtstagsständchen gespielt, jetzt gibt’s Irish Coffee. Ja, wir wissen, bei Hitze nicht so viel trinken, aber es ist ja auch erst 8:16, sind erst 22 Grad, da geht noch was.</p><p></p><p>Mit alternden Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 30 Jul 2026 06:19:44 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[“I'm scared”: the conversation nobody wants to have]]></title>
      <description><![CDATA[It's scare to think and talk about the future, about climate collapse and fascism, & yet we very rarely do. But if we acknowledge and face our fears, we will find agency.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5e27ea31-d086-4987-8a06-f8b8af79a802/uploads/images/zuqfp3qjnw/Keine_Angst.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p></p><p>Dear friends,</p><p>it’s day 2 after a horrific attack on Berlin Pride. One person died, many are injured. I was at the event with a date, but we luckily left the event a while before the attack. We’re fine. Queer life isn’t. It is under attack, and I’m terribly afraid. I’ve you’ve been in the unfortunate position to have a debate-fight about this with me in the past few years, you may have felt that I was being impatient, abrasive and arrogant. And while these are all indeed real flaws in my character, in no small part connected to the mountain of privilege I live on in spite of my economic precarity: I was indeed impatient, because I was, and am, afraid. Take Pride marches: Saturday’s attack was deadly, it was carried out by an islamist, and is as such actually unusual - most anti-queer violence in Germany is perpetrated from the hard right, and ever more Pride marches are met with (usually small, but growing) fascist counterdemonstrations and threats.</p><p>So: I’m scared. I’m also scared of losing access to my HIV meds, like millions in subsaharan Africa, and tens of thousands in the US. I’m scared of many things, so I’ve written a second book, entitely “Together against fear: prepping together for collapse”. I’m posting the introduction here today, since… it just seemed to fit.</p><p>With somewhat frightened greetings,</p><p>Tadzio</p><p></p><p>_________________________________________________</p><p><strong><em>I finance most of my political work by way of this blog, and would be grateful for your support</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Support me and my work</a></p><p>_________________________________________________</p><p></p><p></p><p>“<strong>I&#39;m scared”: the conversation nobody wants to have</strong></p><p><br/></p><p>&quot;I wish it need not have happened in my time,&quot; said Frodo.</p><p>&quot;So do all who live to see such times,&quot; said Gandalf. &quot;But that is not for them to decide. All we have to decide is what to do with the time that is given us.&quot;</p><p>JRR Tolkien, Lord of the Rings: the Fellowship of the Ring</p><p><br/><br/><br/></p><p>I&#39;m scared.</p><p>It&#39;s not easy to admit that so openly: but my work, my political work, which used to be my vocation and my hobby, my pastime, my livelihood and the meaning of my life, &quot;politics&quot; now scare me. The whole damned world scares me; thinking about the world isn&#39;t &quot;interesting&quot; any more, it actively puts me in a bad mood. Although I&#39;ve been a daily newspaper reader for about as long as I&#39;ve been able to read, there are now days — Sundays, bank holidays, days of rest — when I resolve not to so much as glance at a single newspaper website, because I know: it&#39;ll drag me down, I&#39;ll end up reading about catastrophes, genocides and the queerphobic power fantasies of fascist assholes... I&#39;d rather skip it; it&#39;s emotionally more relaxing to consume my beloved Stephen King horror novels instead. At least there, sometimes, there are still heroes who can defeat the monsters. The real world nowadays is one where the heroes have lost: Sauron has the Ring, Luke and Leia are in the Emperor&#39;s hands, and in the next Robin Hood movie adaptation the erstwhile hero of the common folk in the rich world is now a psychopathic murderer and rapist. Only a fool would think this isn&#39;t about more than just Robin Hood.</p><p>I&#39;m scared of the future.</p><p>It wasn&#39;t always like this, because despite being a “commie eco faggot”, I am, first and foremost, a fairly privileged, bourgeois (albeit half-migrant, but white-passing) cis man, and as such the world didn&#39;t, until recently, really have to frighten me. Until not so very long ago, until the end of the last decade, I was certain, on some deep psychological level — &quot;knew,&quot; in a way that was probably more faith than actual knowledge — that the future would be good, or at least: could be good. What exactly &quot;good&quot; meant, whether it was about &quot;fully automated luxury communism&quot; or global climate justice or &quot;the good life for everyone&quot; or simply &quot;a good life and a pleasant old age for my husband and me,&quot; wasn&#39;t really the point; in any case, I was convinced that a &quot;good&quot; future for everyone in the world was possible.</p><p>Of course I knew — anticapitalism and all that — that there were a few rather weighty problems to be cleared out of the way on the road to the good life for everyone, capitalism chief among them, the many looming global environmental crises, and of course the fascists, who already last decade, were crawling out from under their rocks and out of their rotting tree-stumps ever faster and in ever greater numbers. And I was certainly afraid of these developments, of these confrontations, I was deeply worried — but in my head there was always something that enabled me deal with these fears: social movement. An anti-capitalist movement against capitalism. An antifascist movement against fascism. A climate movement against climate collapse. Sure, it didn&#39;t necessarily look like we were about to win against these opponents in the short term, but in the long term...? Without really understanding back then why I was so sure of it, I was simply certain that in the long run we would somehow win. Because... it had to be that way. “History” had promised us as much, hadn&#39;t it? The iconic German leftist Band Ton Steine Scherben once promised in a song that is still belted out at lefty marches: “Die letzte Schlacht gewinnen wir. Wir!” (The final battle will be won by us. By us!”)</p><p>But &quot;the movements&quot; didn&#39;t win: the final battle never came, and the many second-, third- and fourth-to-last battles that are currently under way don&#39;t look particularly good for the progressive side — the left, the greens, the remaining humanist centre. And instead of moving, a bit jerkily, two steps forward, one step back, towards a good, enlightened, liberated world for everyone, we&#39;re moving in great strides towards something nobody really wants to think about. Towards collapse.</p><p>I&#39;m scared of collapse. Terrified, really — a panicky, initially paralysing, soul-devouring fear. Fear of climate collapse, of the collapse of other global ecological systems (&quot;crossing planetary boundaries&quot;), and of the societal &quot;collapses&quot; that will come with them. Fear of growing societal irrationality and &quot;assholification&quot; — that is, a hardening of the performative, shameless politics of malice towards &quot;minorities&quot; and towards those who give the relatively privileged majority a guilty conscience: trans people, for instance, migrants, Gaza-solidarity demonstrators, climate activists... In headlines like the one I&#39;m looking at right now in the Guardian: &quot;&#39;Witch-hunt&#39; in Niger: military regime cracks down on LGBTQ+ population. Fears of a resurgence of HIV/Aids due to lack of access to PrEP medication...&quot; barely raise an eyebrow any more, because attacks on queer rights, and likewise on medication access for marginalised groups, have become standard fare in the right-wing offensive.</p><p>(Oh, and in between writing this text in German, and translating it into English, someone drove a car into the Berlin Pride Party, killed one person, wounded others, my date and I had gone home earlier to... well, we&#39;d left earlier, so we were safe, but the shock waves still resonate)</p><p>I&#39;m afraid of a future in which heatwaves, floods and famines aren&#39;t exceptions, temporary breakdowns of chaos into a normality that will soon re-establish itself — but one in which catastrophe becomes the normal state of affairs, the new normal. And I&#39;m afraid of <em>myself</em> within this future of permanent catastrophe: who will I be, when shit gets really serious? My German grandparents certainly didn&#39;t respond too well their time came acount.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Tear down that (fourth) wall!</strong></p><p>I&#39;m scared. Really, really scared. So much so that I have to admit my political outlook is currently, above all, driven by fear: by my wish, my need, to deal with these fears, to make them manageable, to avoid being completely paralysed by them. I believe — no, I&#39;m certain — that I&#39;m not alone with these fears, not alone in feeling that a genuinely very dark future is coming towards us, that at bottom there&#39;s nothing we can do to avert it. And fear isn&#39;t the only thing we have in common... Hang on: &quot;we&quot;? Who exactly is this &quot;we,&quot; if I may ask?</p><p>Pardon the unsolicited collectivising and the direct address. I know one doesn&#39;t usually do that in political books, addressing readers directly — it&#39;s even a bit presumptuous, what do I really know about who you are? — but this book is going to deal with some genuinely difficult subjects, subjects we&#39;d rather avoid thinking and talking about. In almost thirty years of political communication I&#39;ve found that directly addressing people makes it easier to think about difficult subjects, precisely because it addresses us directly, and so makes it harder to personally opt out of the topic, to shift its contents onto a &quot;that&#39;s interesting information, but it&#39;s got nothing to do with me&quot; plane.</p><p>And I want to call on us — everyone reading this book, hearing about it, holding it in their hands — to think about things we need to think about, but which, so far, we don&#39;t do nearly enough. We need to talk about ecological and societal collapse, and about how we prepare ourselves for it: we need to make plans, contingency plans, for a catastrophic future that we know is coming, but for which we aren&#39;t really preparing. Most of us — with very few exceptions, and if you&#39;re one of them: kudos, I mean it! — avoid this conversation in most cases, and I want you not to avoid it. It&#39;s often no fun, but it&#39;s absolutely necessary, and if you&#39;ll trust me enough to follow the story I&#39;m telling here, I promise you there will also be things that are inspiring and encouraging.</p><p>This book, then, has no &quot;fourth wall,&quot; as it&#39;s known in the film business — the wall behind which the audience sits. This book is an attempt to have a conversation we otherwise avoid, so it will keep taking the form of a conversation. Between me and you. You&#39;re there in the room with me while I write, partly because I want to talk to you about feelings, and speaking about one&#39;s own feelings into an empty room doesn&#39;t feel good. It&#39;s much more comfortable for me to imagine you&#39;re in the room with me. And if you feel addressed by one of the &quot;we&quot;/&quot;you&quot; pronouns, great. If not, then not. I leave that entirely up to your own sovereign judgement.</p><p>Speaking of &quot;the film business&quot;, that brings us straight to pop culture: this book contains roughly as many references to TV series, films and pop songs as it does to history and theory books. That&#39;s not accidental, because much of what&#39;s discussed in this book isn&#39;t only about what &quot;is,&quot; but about how we think about it: about what Gramsci called society&#39;s &quot;common sense&quot;, which usually expresses itself more directly and more universally in pop culture than in a theory book. And not least, we like to shift discussion of difficult political and societal topics into pop culture, mainly because it hurts less there: interestingly enough, even in our societies of denial there&#39;s a place where &quot;collapse&quot; is discussed endlessly. Just look at the cinemas, at Netflix, at the fiction shelves of your local bookshop: we&#39;ve long sensed that things are coming to an end, otherwise there wouldn&#39;t be at least three successful television series from recent years in which people live in bunkers underground (Silo, Fallout, Paradise). Or the world-saving film Project Hail Mary, or, or, or. We sense what&#39;s going on, and then express it through pop culture. More honestly and more eloquently than in most of our political discourse.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Common ground</strong></p><p>Where was I? Right: fear is, if I&#39;m not entirely mistaken, not the only thing we have in common when we think about the future. We also ask ourselves what we&#39;ll do in this far more dangerous, more catastrophic, more inhumane future, how we&#39;ll behave. One of the many reasons we so frequently suppress thoughts about the future is that we don&#39;t know how to think about it in a way that&#39;s simultaneously realistic and — if not hopeful, then at least not merely despairing. How we can find inspiration and meaning in thinking about the future. Can &quot;utopia&quot; even function within collapse?</p><p>That&#39;s why this book is about fear of and within collapse, about unspoken, suppressed feelings that are sanctioned in public discourse, but also about other &quot;negative&quot; feelings such as guilt and shame. It&#39;s a book against the toxic positivity of progressive discourse in Germany, because, dear readers: things are looking pretty shite, they&#39;re not gonna get better, and telling ourselves that they will definitely soon get much better doesn&#39;t help either — however much we like to do it, and however good it feels. I&#39;ll go on a great deal, and at length, about fear and darkness, about everything that&#39;s going to change, about what that does to us, and about the fact that both of those things look, at first, pretty dreadful. It&#39;s going to be about that because it matters that we have these conversations with one another, that we prepare ourselves mentally for the fact that this is how it&#39;s going to go. Because telling ourselves comforting stories about the future — as the prominent climate journalist does, whom I&#39;m currently arguing with on social media, who likes to tell the fairy tale of Norway as an eco-model nation, while just as happily leaving out the fact that Norway is in fact a fossil-fuel superpower — is, sadly, politically counterproductive. Rather than motivating people towards &quot;transformative action&quot; through &quot;positive stories,&quot; positive stories confirm to a society of denial that it can carry on as before, confirm, at least, that someone will still save us: Obama! Merkel! Norway! The Communist Party of China! Jürgen Klopp!</p><p>I&#39;m not invoking these negative feelings to trigger defensiveness; I&#39;m addressing them because there&#39;s considerable power in jointly acknowledging feelings that have so far been repressed or denied, or at least left unspoken. We know this from the experience of queer people (&quot;coming out&quot;), and, for instance, from the &quot;consciousness-raising circles&quot; of the second wave of the women&#39;s movement in the 1960s and 70s. And that&#39;s why the &quot;emotional&quot; part of this book is also about my feelings and experiences and fears — not those of other, generally less privileged subjects: my fears, those of a white gay cis man in Germany, will be different from those of a white cishet woman in Germany, will be different from those of a POC in queer Germany, will be different from... The magic of collective storytelling doesn&#39;t lie in one storyteller telling a shared story for everyone, but in everyone telling their own story (more on that in the closing chapter). That&#39;s where the power to create common ground lies.</p><p>The second part of my story, then, is about how I deal with my negative feelings, how I work through them and, at best, get them under control: the second part of the story is about &quot;collapse movement-building.&quot; In conversation with my therapist, I realised that the rather frenetic pace of my work since 2023, helping to build a movement of solidarity around collapse, is also rooted in the fact that I&#39;ve found a way, through it, to deal with my considerable fears about the future. And this book is, among other things, testing the communicative hypothesis that talking to you about my fears for the future will trigger emotional resonances that will then allow us to talk to one another about collapse in a relatively rational way, and about how we can develop collective, “solidaristic” agency within it. (side note: the English language sadly lacks an adjective for “solidarity”, so I&#39;m just gonna use “solidaristic”, knowing full well it&#39;s not an actual word)</p><p>This book, then, is also about developing collective, solidaristic agency: against fear, against fascism, against the injustice that keeps escalating within collapse — developing a politics of solidarity for collapse.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Weird structure</strong></p><p>Even in the best case — when everyone involved plays by the rules of intellectual honesty instead of actively denying reality — collapse communication is a constant attempt to anticipate and steer around psychological defence reflexes, in others and in oneself. Every conversation about collapse is a difficult conversation.</p><p>I want to talk about ecological and societal collapse, and I know from bitter personal experience that most of us would rather not have this conversation. That&#39;s why this isn&#39;t a &quot;normal&quot; political book: it wants to talk to people who, on the global average, are very likely privileged — if you&#39;re holding this book, we very probably both belong to the top ten per cent of global consumers who are &quot;disproportionately responsible for breaching planetary boundaries and causing harm whose costs are borne by society as a whole&quot; — about a societal demise that is at once unavoidable and yet somehow jointly self-inflicted, and therefore laden with fear, guilt and shame. That&#39;s about as easy and pleasant as talking to a heavy smoker about her almost-certainly-imminent death from advanced lung cancer. Not only has the heavy smoker, who&#39;s known for at least fifty years that she really ought to quit, but is too addicted, and simply enjoys smoking too much — not only is she terrified of the slow, cruel death that lung cancer causes; she also somehow feels guilty for her own death, and ashamed that she carried on puffing away against her better judgement, no matter how many studies and articles proved that smoking is deadly.</p><p>Having the &quot;collapse conversation&quot; is, in most cases and with most people, genuinely about as possible as persuading someone to go to therapy who believes all this psychobabble is just woke-feminist nonsense. And yet here this book is, in front of you, some 200-odd pages about collapse: about why it&#39;s so hard to talk about how it feels, what it is, and above all, how we can become jointly, solidaristically capable of acting within it. This book is the attempt of a person who has spent nearly twenty years engaging in strategic political communication on capitalism, climate and collapse (alright, for a few years it was also about gay sex and crystal meth, but that&#39;s another story), who had some successes with it, but who in the end hit such a wall that he lost his job, fell into a depression, and very nearly killed himself with drugs in the Berlin party scene — to communicate about collapse with you anyway, to talk with a society about its coming death, a society that doesn&#39;t want to have this conversation.</p><p>So in thinking about the structure of this book, I not only had to develop a political-intellectual argument, I also had to build it in such a way that it could get around the many traps of denial that our society of denial has built between itself and a rational discourse on collapse — traps that turn up in all our heads, too. If it strikes you as a slightly odd structure in places: that&#39;s why. It isn&#39;t a &quot;normal&quot; political conversation; it&#39;s a mixture of political debate, group-therapy session and movement-strategy agitprop. So if, in what follows, you get the impression that you don&#39;t quite know where things are heading — trust me, in this book it&#39;s always heading towards joint, solidaristic agency. Within a collapsing future, sure, but one we&#39;re preparing for together, and through this shared preparation — even though it will never be complete — we can also fight for, and sometimes experience, community, meaning, and occasionally even success and a sense of our own agency.</p><p>This is a book for everyone who, faced with the question &quot;who do I want to be when the catastrophe comes?&quot;, wants to answer: I want to be one of those who can help themselves and others, so that even in future, despite collapse, catastrophe and fascism, there can still be spaces of the good life, of love, of solidarity, of light and of warmth.</p><p><br/><br/></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Subscribe to my blog</a></p><p></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Mon, 27 Jul 2026 13:28:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Der Angriff auf den CSD war ein Angriff auf queeres Leben]]></title>
      <description><![CDATA[Nach dem Anschlag in Berlin sind Viele in der Welt aufgewacht, in der ich seit 2022 lebe: in einer Welt, in der wir Queers under attack sind. & Queere Selbstverteidigung?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/26953f8b-e026-4814-bb47-5d54ee91c2b1/uploads/images/jvcatdragm/PHOTO-2026-07-26-16-07-41.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Transpi: Angriff auf CSD: Von Trauer zu Wut zu Widerstand. Demo 2.8. 17:00 Neptunbrunnen."/><figcaption>Dieses Foto hat Eric auf der spontanen Versammlung gestern am Brandenburger Tor gemacht. Ich war nicht dabei. Meine megasouveräne Reaktion auf den Anschlag war ein Anruf bei meinem Dealer. I tried to snort and fuck the pain away, but the pain was too strong.</figcaption></figure><p></p><p>Liebe Leute,</p><p>Der Angriff auf den CSD in Berlin war kein &quot;Angriff auf die offene Gesellschaft&quot;, pace Söder. Es war ein Angriff auf queeres Leben, wie sie von rechten, queerfeindlichen und klerikalfaschistischen Kräften überall auf der Welt zunehmen - es war ein Teil des gesellschaftlichen #Kollaps.</p><p></p><p></p><p><strong>Mein 1. CSD seit 2019…</strong></p><p>Ich war zum 1. Mal seit 2019 auf dem &quot;mainstream&quot; CSD - der politisch so viel falsch macht, dass über die Jahre alternative linke CSDs entstanden sind - um ein bisschen zu beobachten, ich nenne das &quot;Bewegungsethnographie&quot;. &amp; weil ich ein Date mit einem sexy nichtlinksradikalen Franzosen hatte.</p><p>Ich war da, weil ich wir es alle spüren: dieses Jahr kippt es: Europa hört nicht auf, zu brennen; die Meere &quot;brennen&quot;; Sachsen-Anhalt wird bald seine Abkürzung verdienen; die AfD ist bundesweit stärkste Partei; die AMOC schwächelt. Und sogar wir Doomers sind überrascht von der Geschwindigkeit.</p><p>Ich war da, weil es der mörderische Angriff auf den trans Mann Malte als Ordner beim CSD Münster 2022 durch einen rechten Boxer war, der mir zeigte: nicht nur das Klima, auch die Gesellschaft kollabiert, und wir Queers werden ganz zentral im Fadenkreuz rechter Kräfte stehen.</p><p></p><p></p><p><strong>Vom CSD zu den Pink Panthers</strong></p><p>Aus dem Mord an Malte entstand in meinem Kopf die Idee der #PinkPanthers, glamouröser &amp; für ihre High Heels und weaponised sextoys gefürchteter queerer Selbstverteidigungsbrigaden, und seitdem erzähle seitdem, dass wir Queers nicht mehr sicher sein werden, und Selbstverteidigung lernen müssen.</p><p>Dieser Ruf traf aber auf weitgehendes Unverständnis, vor allem unter weißdeutschen schwulen cis Männern, die entweder (Spahn et al) hinter sich die Leiter hochziehen wollten, oder, dies die MEhrheitsfraktion, sich einfach die Finger in die Ohren steckten, und die kommende Gefahr verdrängten.</p><p>Und jetzt verrate ich Euch ein Geheimnis: für Luca (the artist formerly known as Scully) und mich ist die #Kollapsbewegung im Grunde ein Vehikel, ein Frame, in dessen Rahmen wir queere Selbstverteidigung organisieren wollen, ohne dafür <em>sofort</em> als Rädelsführende in den Knast geworfen zu werden.</p><p>Am So. 26.7., sind Viele - zB mein Date, der vom Angriff tief geschockt war, OBWOHL er die Hochphase der AIDS-Krise durchlebt hatte - in der Welt aufgewacht, in der ich seit 2022, und Viele andernorts schon viel länger leben: im gesell. Kollaps, in dem rechte Kräfte Queers zu Freiwild erklären.</p><p>Und ja, natürlich sind islamistische und faschistische Arschlöcher Teil der selben globalen Welle der Reaktion, die haben inhaltlich und re: ihre Hassobjekte sehr viel mehr gemeinsam, als sie trennt, unter anderem eben ihre radikale Queer- und Frauenfeindlichkeit, etc. #Klerikalfaschismus.</p><p>Wenn Ihr den Eindruck habt, ich sei gehetzt, ständig unter Druck, und würde ständig Druck auf Alle machen wollen: you&#39;re absolutely right. Und seit gestern versteht Ihr vielleicht ein bisschen besser, warum Luca (ehedem Scully) &amp; ich Euch seit bald 2 Jahren ständig von #PinkPanthers erzählen.</p><p>__________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>__________________________________________________</p><p></p><p><strong>Wir Queers sind “under attack”</strong></p><p>Wir #Queers sind &quot;under attack&quot;, aber die Verdrängungsgesellschaft hat nunmal viele Flügel, auch einen queeren, und vor allem die Privilegierteren unter uns (vor allem weiße schwule cis-Männer, im politischen Sinne die Eiterbeule queeren Lebens) möchten gerne die Leiter hinter sich hochziehen, und weniger privilegierte Queers, vor allem unsere trans Geschwister, den rechten Löwen zum Fraß vorwerfen.</p><p>Dazu ein paar Gedanken:</p><ol><li><p>&quot;Als die Rechten die trans Menschen ermordeten, habe ich geschwiegen, ich war ja nicht trans....&quot;: no queer is safe unless all queers are safe, you morons.</p><p></p></li><li><p>Wenn sie dann mit den Queers durch sind, glaubt Ihr, sie werden da anhalten? Ich nenn das die &quot;<a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/c2cc3d4d-7948-4ac1-a71d-14d979c2f230">Dominotheorie der Arschlochisierung</a>“: die wollen ein Recht nach dem anderen abräumen, das sich über die Jahrhunderte von unten erkämpft wurde - Frauen-, Arbeiter*innen, antikolonial, you name it.</p></li></ol><p>Fuck, und jetzt bin ich schon wieder am heulen. Das, was viele von Euch seit gestern fühlen, die Ängste, die durch diesen Anschlag ausgelöst wurden, die fühle ich permanent seit mind. 4 Jahren, sie sind der Grund, warum ich, wie die schweizerische Woz mal schrieb, &quot;gerne auch Menschen anpöbele&quot;.</p><p>Denn während Danger Dan uns zwar motivieren will (&quot;Keine Angst&quot;), ist das, was sein Song am Ende macht, eher gaslighting: &quot;ihr müsst keine Angst vor der globalen faschistischen Welle haben, ein bisschen 90er Jahre Kleinstadt-und-RechercheAntifa-Arbeit wird das Problem in den Griff kriegen.&quot;</p><p>Dan: thanks for trying, aber Du könntest auch mit Klimastreiks gegen den Klimakollaps ansingen. Ich nerve Euch seit Jahren, fordere rationale Nutzung knapper Ressourcen, bezeichne Verdrängungsdiskurse und Hopium als gefährliche Dummheiten, auch wenn sie von meinen Freund*innen kommen, weil:</p><p>We are under attack. Was mich zum Söder zurückbringt: wenn es in Bayern in den Wahlkampf mit der AfD &amp; den Freien Wählern geht, schmeißt die CSU natürlich zuerst Drag Queens unter den Bus. Wenn wir Queers mehr Rechte einfordern, sind wir Bedrohungen der Familie und potenzielle Pädokriminelle.</p><p>Aber da ja in diesem Fall der Angreifer ein radikalisierter &quot;Ausländer&quot; war, sind wir plötzlich ein ganz organischer Teil dieser ach so offenen Gesellschaft, Drag Queens, baumelnde Schwänze und Puppymasken angeblich gern gesehen. Nein, Markus: diese Heuchelei lassen wir dir nicht durchgehen.</p><p></p><p><strong>Markus Söder ist NICHT unser Freund</strong></p><p>Du, Markus Söder, bist nicht weniger unser Feind, als es das islamistische Arschloch war, das am Samstag den Anschlag verübte. Wie kann man rausfinden, wer Feind, wer nicht? It&#39;s pretty simple: Wer ist für CSD, wer dagegen? Wer hatet auf die Regenbogenfahne? Wer nennt queeres Leben &quot;Zirkus&quot;?</p><p>Klar, das sind symbolische Fragen, but symbols matter, und sind manchmal klarer zu analysieren, als komplexe Gesetzesvorschläge. Also, wir Queers sind under attack, die Attacken weiten sich aus, werden intensiver. Manchmal wird der Staat uns schützen, manchmal jagen, manchmal wegschauen.</p><p>Und deswegen muss für uns #Queers die zentrale Lektion sein: wir müssen lernen, uns selbst zu verteidigen. Natürlich ist das Auto eine derart gefährliche &quot;dual use&quot; Waffe, dass nie alle Angriffe zu verhindern sind. Aber die Zukunft, in der wir das selbst organisieren müssen: die ist da.</p><p></p><p>Mit zukunftsängstlichen Grüßen,<br/></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Euer Tadzio</p><p></p><p>p.s.: ich habe vor gut einer Woche mein Buchmanuskript “Gemeinsam gegen die Angst” an den Verlag geschickt, und es ist scheinbar gut geworden! Pyrx vom Verlag schreibt: “er ist wirklich sehr gut geworden! du schaffst es wirklich gut, die <br/>notwendigkeit des bruchs mit der alten linken politikmaschine zu <br/>beschreiben, und auch verschiedene ansätze einer neuen kollapspolitik zu <br/>skizzieren.”</p><p>I’m so happy I could cry, but those would be good tears.<br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Mon, 27 Jul 2026 08:35:07 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[“Keine Angst”? Ich habe aber Angst…]]></title>
      <description><![CDATA[Danger Dan ruft uns zum Antifaschismus auf,& dazu, Keine Angst zu haben. Bei antifa bin ich voll dabei aber lasst uns bitte ehrlich sein: wir haben Alle immer mehr Angst.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><a href="https://genius.com/Danger-dan-keine-angst-lyrics"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/dca8b28b-f7e7-4a67-bf24-8d39a58fd1eb/uploads/images/vqiduahwtw/Keine_Angst.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Schattenspiel: Hände über Klaviertasten."/></a><figcaption>Danger Dan meint: Keine Angst! Die Bildsprache sagt was anderes aus.</figcaption></figure><p>18/07/2026</p><p><br/></p><p>Liebe Leute,</p><p>gestern hab ich nach drei Monaten intensiver Arbeit das Manuskript für mein zweites Buch – Gemeinsam gegen die Angst: solidarische Kollapspolitik – abgeschickt, bin jetzt wirklich total fertig, aber auch ziemlich stolz. Ich glaube, ich habe es geschafft, eine richtige Geschichte zu erzählen, eine über die neue Welt, in der es nicht immer Mehr, sondern tendenziell immer Weniger gibt, es sei denn, wir reden über Konflikte, Katastrophen, und natürlich faschistische Arschlöcher; in der es deswegen aber auch mehr Solidarität geben kann, mehr gemeinschaftliche Hilfe, gerade <em>weil</em> Alles so scheiße wird. Eine Geschichte darüber, wer wir in dieser Zukunft sein wollen und können, was eine solidarische Kollapsbewegung in Zukunft sein kann, wie wir in Zukunft mit unseren Ängsten umgehen können.</p><p>Die Sache mit der Angst war eine der zentralen strategischen Setzungen im Buch, und die Sache mit Danger Dan und dem ZDF hat mir gestern gezeigt: die war richtig.<br/><br/></p><p>„<strong>Keine Angst“</strong></p><p>Was ist passiert? Ihr habt es sicher mitbekommen, Danger Dan und Igor Levitt sollten in Der Anstalt den neuen Antifa-Song „Keine Angst“ performen, <a href="https://www.deutschlandfunk.de/wegen-songtext-von-keine-angst-zdf-laedt-danger-dan-und-igor-levit-wieder-aus-vorwurf-der-zensur-102.html">der Sender lud die beiden aber wieder aus, weil er darin einen Aufruf zur Gewalt sah</a>.</p><p>Daran ist zweierlei wichtig: erstens, die Verdrängungsgesellschaft schlägt zu, und zwar immer härter. Wir wissen, es besteht eine durchaus realistische (nicht vernachlässigbare) Möglichkeit, dass in Sachsen Anhalt bald eine gesichert rechtsextrem Partei die absolute Mehrheit erhält. Das wäre dann die erste offen faschistische Regierung auf deutschem Boden seit dem 8. Mai 1945 – und davor haben viele, vermutlich Alle, die diesen Blog lesen, ziemlich viel Angst. Dagegen muss was getan werden, dagegen müssen wir uns organisieren, dagegen muss Antifaschismus zum gesellschaftlichen Projekt werden.</p><p>Und genau das will Danger Dan mit seinem Song, der im Kern eine siebenminütige Erklärung ist, wie man antifa macht, eines der vielen „How Tos“, die im eskalierenden Kollaps immer wichtiger werden, weil man immer mehr „selber machen“ werden muss, von medizinischer Versorgung über die Bereitstellung physischer Sicherheit für solche Subjekte, die von den Faschos zum Abschuss freigegeben werden. Der Song sagt: hey, die Faschos kommen, wir müssen uns vorbereiten. Andere würden das vielleicht „antifaschistisches Preppen“ nennen.</p><p><br/></p><p><strong>Ich <em>habe </em>aber Angst</strong></p><p>Erstmal volle Solidarität mit Danger Dan, und natürlich spielt das ZDF hier ne echte Scheißrolle. Aber ich will an einem anderen Punkt ansetzen, an Danger Dans emotionaler Kommunikation, wenn es um Angst geht: ich hab den Song jetzt ein paarmal gehört, und jedes Mal, wenn er den Refrain sing, läuft mir ein Schauer über den Rücken.</p><p>„Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst.</p><p>Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst.“</p><p>Wäre es kein Lied sondern ein geschriebener Text, würde da: „habt keine Angst“ stehen, Dan ruft uns also (zählt nach...) 48mal dazu auf, keine Angst zu haben, und da möchte ich mal reingrätschen: Lieber Danger Dan, zuerst mal Danke für Deinen Mut, für tolle Songs wie diesen und den mit der Kunstfreiheit, und dafür, dass Du endlich direkt über die Angst redest, die so viele von uns derzeit empfinden. Aber wenn Du mir 48mal sagst, ich solle keine Angst haben, dann frage ich mich, ob es nicht Sinn ergeben würde, zuerst mal darüber zu sprechen, <em>dass</em> wir überhaupt Angst haben.</p><p>Denn Menschen, die Angst haben, zu sagen „habt keine Angst“, kann einerseits ermutigend klingend, wenn aber die Ängste davor nicht explizit anerkannt und besprochen werden, kann das auch was von Gaslighten haben: „keine Angst, wir kriegen das hin, mit den Methoden der klassischen Antifa, die ich hier im Song erkläre, kriegen wir das hin...“.</p><p>Ich sag nicht, dass Danger Dan das sagen will, aber eine Verdrängungsgesellschaft kann das durchaus so verstehen. Deswegen ist es so wichtig, das Gespräch anzufangen, indem wir die Angst und die anderen dunklen Gefühle anerkennen und aussprechen, die uns derzeit umtreiben. Und weil da die Einleitung meines Buches gut ins Gespräch passt, ich außerdem so nochmal ein bisschen Werbung dafür machen wollte, <em>und </em>es mich total stresst, dass ich jetzt schon zwei Donnerstage keine Texte gepostet habe... hier die Einleitung für mein neues Buch, das im Oktober erscheint.</p><p>Ich hoffe, sie gefällt Euch, und macht Lust auf&#39;s Buch.</p><p>Mit oft ängstlichen Grüßen,</p><p>Euer Tadzio<br/><br/>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________</p><p></p><h2><strong>Einleitung: das Gespräch, das niemand führen will</strong></h2><p><br/><em>“I wish it need not have happened in my time,”</em> said Frodo.</p><p><em>“So do all who live to see such times,”</em> said Gandalf. <em>“But that is not for them to decide. All we have to decide is what to do with the time that is given us.”</em></p><p>JRR Tolkien, Lord of the Rings: the Fellowship of the Ring</p><p><br/></p><p>Ich habe Angst.</p><p>Es ist nicht ganz leicht, das so offen anzuerkennen: aber meine Arbeit, die politische Arbeit, die bisher meine Berufung und mein Hobby war, Zeitvertreib, Brotverdienst und Sinn meines Lebens, „die Politik“ macht mir mittlerweile Angst. Die ganze verdammte Welt macht mir Angst, über die Welt nachzudenken ist nicht mehr „interessant“, sondern macht aktiv schlechte Laune. Obwohl ich ungefähr seitdem ich lesen kann ein täglicher Zeitungsleser bin, gibt es mittlerweile Tage, Sonntage, Feiertage, Pausentage, wo ich mir vornehme, keinen einzigen Blick auf nur eine Zeitungswebsite zu werfen, weil ich weiß: das wird mich runterziehen, da werde ich über Katastrophen, Genozide und die queerfeindlichen Machtfantasien faschistischer Politclowns lesen... das lasse ich lieber, da ist es emotional noch entspannender, Horrorromane zu konsumieren. Da gibt es wenigstens manchmal noch Held*innen, die die Monster besiegen können. Die reale Welt heutzutage ist eine, wo die Held*innen verloren haben: Sauron hat den Ring, Luke und Leia sind in der Hand des Imperators, und in der nächsten Robin Hood Verfilmung ist der ehemalige Held der einfachen Leute in der reichen Welt ein psychopathischer Mörder und Vergewaltiger.<a href="#sdendnote1sym">i</a> Ein Schelm, wer denkt, dass es dabei nicht nur um Robin Hood geht.</p><p>Ich habe Angst vor der Zukunft.</p><p>Das war nicht immer so, denn trotz „schwule Ökozecke“ bin ich ja trotzdem erstmal ein ziemlich privilegierter bürgerlicher (zwar halbmigrantischer aber weiß-gelesener) cis-Mann, und als solcher musste mir die Welt bis vor kurzem eigentlich keine Angst machen. Bis vor gar nicht allzu langer Zeit, bis Ende des vergangenen Jahrzehnts war ich auf irgendeiner tiefenpsychologischen Ebene sicher, „wusste“ ich auf eine Art, die wohl eher Glaube als wirkliches Wissen war, dass die Zukunft gut würde, oder zumindest: gut werden könnte. Was „gut“ genau meint, ob es da um den „Vollautomatisierten Luxuskommunismus“ oder globale Klimagerechtigkeit oder „das gute Leben für Alle“ oder einfach nur „ein gutes Leben und einen angenehmen Lebensabend für meinen Mann und mich“ ging, ist gar nicht so wichtig, auf jeden Fall war ich überzeugt, dass eine „gute“ Zukunft für Alle auf der Welt möglich wäre.</p><p>Natürlich wusste ich – Antikapitalismus und so – dass es auf dem Weg zum guten Leben für Alle ein paar ziemlich gewichtige Probleme aus dem Weg zu räumen gäbe, unter anderem die eben erwähnte Produktions- und Lebensweise, die vielen drohenden globalen Umweltkrisen, und natürlich die Rechtsradikalen, die sich überall herumtrieben, und schon letztes Jahrzehnt immer schneller und vielzähliger unter ihren Steinen hervor- und aus ihren verrottenden Baumstämmen herauskrabbelten. Und vor diesen Entwicklungen, vor diesen Auseinandersetzungen hatte ich durchaus Angst, machte mir große Sorgen, aber in meinem Kopf gab es immer etwas, das es mir ermöglichte, mit diesen Ängsten umzugehen: soziale Bewegung. Eine antikapitalistische Bewegung gegen den Kapitalismus. Eine antifaschistische Bewegung gegen den Faschismus. Eine Klimabewegung gegen den Klimakollaps. Klar, es sah jetzt nicht unbedingt so aus, als würden wir kurzfristig gegen diese Gegner*innen gewinnen, aber langfristig...? Ohne damals genau zu verstehen, <em>warum </em>ich da so sicher war, war ich mir eben sicher, dass wir <em>langfristig</em> schon irgendwie gewinnen würden. Weil... es so sein musste. Das hatte Väterchen Geschichte uns doch versprochen, oder? „Die letzte Schlacht“, sang mal eine linke Band, die „gewinnen wir! WIR!“</p><p>Aber „die Bewegungen“ haben sie nicht gewonnen: die letzte Schlacht kam nie, und die vielen vor- und vorvorletzten Schlachten, die gerade laufen, in denen sieht es für die progressive Seite – Linke, Grüne, die verbleibende humanistische Mitte – nicht besonders gut aus. Und anstatt uns etwas ruckelnd, zwei Schritte vorwärts, einen Schritt zurück, auf eine gute, aufgeklärte, befreite Welt für Alle zuzubewegen, bewegen wir uns mit Riesenschritten auf etwas zu, worüber niemand wirklich nachdenken will. Auf den Kollaps.</p><p>Ich habe Angst vorm Kollaps, Riesenangst, eine oft panische, zu Beginn lähmende, seelenzerfressende Angst. Angst vor dem Klimakollaps, vor dem Kollaps anderer globaler ökologischer Systeme („Überschreiten planetarer Grenzen“), und vor den gesellschaftlichen „Kollapsen“, die damit einhergehen werden. Angst vor zunehmender gesellschaftlicher Irrationalität und „Arschlochisierung“<a href="#sdendnote2sym">ii</a>, also einer Verschärfung der performativ-schamfreien Politik der Boshaftigkeiten gegenüber „Minderheiten“ und solchen, die der relativ privilegierten Mehrheitsgesellschaft ein schlechtes Gewissen machen: zum Beispiel trans Menschen, Migrant*innen, gazasolidarische Demonstrant*innen, Klimaaktivist*innen... In der Überschriften, wie ich sie eben gerade im <em>Guardian</em> sehe: „&#39;<em>Hexenjagd&#39; im Niger: Militärregime geht gegen LGBTQ+-Bevölkerung vor. Befürchtungen vor einem Wiederanstieg von HIV/Aids aufgrund fehlenden Zugangs zu PrEP-Medikamenten...</em>“<a href="#sdendnote3sym">iii</a> kaum noch Aufsehen erregen, weil Angriffe auf queere Rechte, ebenso auf Medikamentenzugang für marginalisierte Gruppen, zum Standardrepertoire der rechten Offensive gehören.</p><p>Ich habe Angst vor einer Zukunft, in der Hitzewellen, Flutkatastrophen und Hungersnöte keine Ausnahmen, keine vorübergehenden Einbrüche des Chaos&#39; in eine Normalität sind, die sich dann in Bälde wieder herstellt – sondern in der die Katastrophe zum Normalzustand wird. Und ich habe Angst vor mir selbst in der permanenten Katastrophe: wer werde ich sein, wenn&#39;s wirklich ernst wird?</p><p><br/><br/></p><p><strong>Die vierte Wand (ist abgebrannt)</strong></p><p>Ich habe Angst. Richtig viel davon. So viel, dass ich anerkennen muss, dass meine politische Perspektive derzeit vor allem von Angst getrieben ist: von meinem Wunsch, meinem Bedürfnis, mit diesen Ängsten umzugehen, sie handhabbar zu machen, von ihnen nicht vollkommen gelähmt zu werden. Ich glaube, nein, ich bin mir <em>sicher</em>, dass ich mit mit diesen Ängsten nicht alleine bin, nicht alleine das Gefühl habe, dass eine wirklich extrem dunkle Zukunft auf uns zukommt, dass wir im Kern nichts tun können, diese Zukunft abzuwenden. Und Angst ist nicht das Einzige, das wir gemeinsam haben... Moment: „Wir“? Wer ist denn hier bitte „wir“?</p><p>Verzeiht mir die ungefragte Vergemeinschaftung und direkte Ansprache. Ich weiß, das macht man eigentlich nicht in politischen Büchern, die Leser*innen direkt ansprechen, es ist sogar ein bisschen anmaßend – was weiß <em>ich</em> denn schon darüber, wer <em>Ihr</em> seid? - aber es wird in diesem Buch um wirklich sehr, sehr schwierige Themen gehen, über die zu sprechen und nachzudenken wir lieber vermeiden. Ich habe in bald 30 Jahren politischer Kommunikation die Erfahrung gemacht, dass die direkte Anrede es leichter macht, über schwierige Themen nachzudenken, eben gerade, weil sie uns direkt anruft, und es deswegen schwieriger macht, sich dem Thema persönlich zu entziehen, die Inhalte auf eine „das ist ja interessante Information, die mit mir erstmal nichts zu tun hat“-Ebene zu schieben.</p><p>Und ich will <strong>uns</strong> – alle, die dieses Buch lesen, die davon hören, die es in der Hand halten – anrufen, über Dinge nachzudenken, über die wir nachdenken müssen, es aber bisher auch nicht annähernd ausreichend tun. Wir müssen über ökologischen und gesellschaftlichen Kollaps reden, und darüber wie wir uns darauf einstellen: wir müssen Pläne, Notfallpläne für eine katastrophale Zukunft machen, von der wir wissen, dass sie kommt, auf die wir uns aber nicht wirklich vorbereiten. Diesem Gespräch weichen die meisten von uns – mit sehr wenigen Ausnahmen, und wenn Ihr dazu gehört: <em>well done</em>, gratuliere, mein&#39; ich ernst – in den meisten Fällen aus, und ich will, dass Ihr diesem Gespräch nicht ausweicht. Es macht oft keinen Spaß, aber es ist absolut notwendig, und wenn Ihr mir das Vertrauen entgegenbringt, der Geschichte zu folgen, die ich hier erzähle, verspreche ich Euch, dass es auch Inspirierendes und Ermutigendes geben wird.</p><p>Dieses Buch hat also keine „Vierte Wand“, wie sie im Filmgeschäft heißt, die Wand, hinter der das Publikum sitzt. Dieses Buch ist der Versuch, ein Gespräch zu führen, dem wir sonst ausweichen, also wird es auch immer wieder die <em>Form</em> eines Gesprächs haben. Zwischen mir und Euch. Ihr seid mit im Raum, wenn ich schreibe, auch, weil ich mit Euch über Gefühle sprechen will, und über die eigenen Gefühle in einen leeren Raum hinein zu sprechen, fühlt sich nicht schön an. Da ist es für mich viel angenehmer, mir vorzustellen, ihr wärt mit mir im Raum. Und wenn Ihr Euch von einem der „wir“/“ihr“-Pronomen angesprochen fühlt, super. Wenn nicht, dann halt nicht. Das überlass ich ganz Eurer souveränen Wahrnehmung.</p><p>Apropos „Filmgeschäft“, da sind wir gleich bei Popkultur: in diesem Buch finden sich ungefähr so viele Verweise auf Serien, Filme und Popsongs, wie auf Geschichts- und Theoriebücher. Das ist nicht zufällig, denn viel von dem, was in diesem Buch besprochen wird, bezieht sich nicht nur darauf, was „ist“, sondern darauf, wie wir darüber nachdenken: auf das, was Gramsci als den „gesellschaftlichen Alltagsverstand“ bezeichnete, und der drückt sich meist direkter und allgemeingültiger in der Popkultur aus, als im Theoriebuch. Und nicht zuletzt verschieben wir die Diskussion schwieriger politischer und gesellschaftlicher Themen gerne in die Popkultur, vor allem, weil sie da nicht so wehtun: spannenderweise gibt es sogar in unseren Verdrängungsgesellschaften einen Ort, wo „Kollaps“ rauf und runter besprochen wird. Schaut nur mal in die Kinos, auf Netflix, in die Belletristikregale Eurer Buchhandlung: wir spüren schon lang, dass es zu Ende geht, sonst gäbe es nicht mindestens drei erfolgreiche Fernsehserien aus den letzten Jahren, in denen Menschen in Bunkern unter der Erde leben (Silo, Fallout, Paradise). Oder den Weltrettungsfilm „<em>Project Hail Mary</em>“ („Der Astronaut“), oder, oder, oder. Wir spüren, was los ist, und drücken es dann in der Popkultur aus. Ehrlicher und eloquenter, als in den meisten unserer politischen Diskurse.</p><p><br/><br/></p><p><br/><br/></p><p><strong>Gemeinsamkeiten</strong></p><p>Wo war ich? Richtig: Angst ist, wenn ich nicht ganz falsch liege, nicht das Einzige, was wir gemeinsam haben, wenn wir an die Zukunft denken. Wir fragen uns auch, was wir in dieser auf jeden Fall, mit absoluter Sicherheit sehr viel gefährlicheren, katastrophaleren, inhumaneren Zukunft tun, wie wir uns verhalten werden. Einer der vielen Gründe, warum wir so oft Gedanken über die Zukunft verdrängen, ist der, dass wir nicht wissen, wie wir gleichzeitig realistisch, und... wenn nicht hoffnungsvoll, dann doch zumindest nicht nur verzweifelnd über diese Zukunft nachdenken können. Wie wir im Nachdenken über die Zukunft Inspiration und Bedeutung finden können. Kann „Utopie“ im Kollaps überhaupt noch funktionieren?</p><p>Deswegen handelt dieses Buch von Angst vor dem und im Kollaps, von unausgesprochenen, verdrängten, in öffentlichen Diskussionen sanktionierten Ängsten, aber auch von anderen „negativen“ Gefühlen wie Schuld und Scham. Es ist ein Buch gegen die toxische Positivität progressiver Diskurse in Deutschland, weil, liebe Leute: da draußen sieht&#39;s echt scheiße aus, es wird nicht besser, und sich einzureden, dass es ganz sicher ganz bald viel besser wird, hilft auch nicht weiter – so gerne wir das auch tun, und so gut sich das anfühlt. Es wird viel und ausführlich um Angst und Dunkelheit gehen, es wird darum gehen, was sich alles ändern wird, was das mit uns macht, und dass sowohl das eine, als auch das andere erstmal ziemlich schrecklich aussieht. Es wird darum gehen, weil es wichtig ist, dass wir diese Gespräche miteinander führen, uns mental darauf vorbereiten, dass es so kommen wird. Denn sich die Zukunft schönzureden, wie der prominente Klimajournalist es tut, mit dem ich mich gerade in einem sozialen Medium streite, der gerne das Märchen vom Ökomusterland Norwegen erzählt, und dabei ebenso gerne auslässt, dass Norwegen tatsächlich eine fossile Supermacht ist, ist leider politisch total kontraproduktiv. Anstatt Menschen durch „positive Geschichten“ zu „transformativem Handeln“ zu motivieren, bestätigen positive Geschichten einer Verdrängungsgesellschaft, dass sie so weitermachen kann, wie bisher, bestätigen zumindest, dass irgendjemand uns noch retten wird: Obama! Merkel! Norwegen! Die kommunistische Partei Chinas! Jürgen Klopp!</p><p>Ich rufe diese negativen Gefühle nicht auf, um Abwehrreaktionen auszulösen, ich spreche sie an, weil im gemeinsamen Anerkennen bisher verdrängter oder verleugneter, zumindest unausgesprochener Gefühle eine erhebliche Kraft liegt. Das wissen wir aus den Erfahrungen queerer Menschen („Coming Out“), und zum Beispiel den „Bewusstseinsbildungsgruppen“ (<em>consciousness-raising circles</em>) der zweiten Welle der Frauenbewegung in den 1960er und 1970ern. Und deshalb handelt der „emotionale“ Teil des Buches auch von meinen Gefühlen und Erfahrungen und Ängsten, nicht denen Anderer, meist weniger privilegierter Subjekte: meine Ängste, die eines weißen schwulen cis-Mannes in Deutschland, werden anders sein, als die einer weißen cishet-Frau in Deutschland, werden anders sein als die einer POC in queeren Deutschland, werden anders sein, als... Die Magie des gemeinsamen Geschichtenerzählens liegt nicht darin, dass eine*r Geschichtenerzähler*in eine gemeinsame Geschichte für Alle erzählt, sondern, dass Alle ihre eigene Geschichte erzählen (dazu nochmal mehr im Schlusskapitel). Darin liegt die Kraft, Gemeinsamkeit herzustellen.</p><p>Der zweite Teil meiner Geschichte handelt also davon, wie ich mit meinen negativen Gefühlen umgehe, wie ich sie bearbeite und im besten Fall unter Kontrolle bringe: der zweite Teil der Geschichte handelt von „Kollapsbewegung“. Ich stellte nämlich im Gespräch mit meinem Therapeuten fest, dass das seit 2023 ziemlich frenetische Tempo meiner Arbeit, eine solidarische Kollapsbewegung mit aufzubauen, auch darin begründet liegt, dass ich darin einen Weg gefunden habe, mit meinen erheblichen Zukunftsängsten umzugehen. Und dieses Buch testet unter anderem die kommunikative Hypothese, dass mit Euch über meine Zukunftsängste reden emotionale Resonanzen auslösen wird, die es uns danach erlauben werden, verhältnismäßig rational miteinander über den Kollaps zu reden, und darüber, wie wir darin gemeinsam solidarisch handlungsfähig werden können.</p><p>Dieses Buch handelt also auch davon, gemeinsam solidarisch handlungsfähig zu werden: gegen die Angst, gegen den Faschismus, gegen die im Kollaps ständig eskalierende Ungerechtigkeit eine solidarische Kollapspolitik entwickeln.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Weirde Struktur</strong></p><p>Kollapskommunikation ist auch im besten Fall, wenn alle Beteiligten nach den Regeln der intellektuellen Redlichkeit spielen, anstatt aktiv zu verdrängen, der ständige Versuch, psychologische Abwehrreflexe zu antizipieren und zu umschiffen – bei anderen, und bei sich selbst. Jedes Gespräch, das vom Kollaps handelt, ist ein schwieriges Gespräch. Ich verspreche Euch, das liegt nicht nur an mir.</p><p>Ich will über ökologischen und gesellschaftlichen Kollaps reden, und ich weiß aus leidvoller eigener Erfahrung, dass die meisten von uns dieses Gespräch lieber nicht führen wollen. Deswegen ist dies kein „normales“ politisches Buch: es will mit im globalen Durchschnitt sehr wahrscheinlich privilegierten Menschen - wenn Ihr dieses Buch in der Hand haltet, gehören wir mit großer Wahrscheinlichkeit zusammen zu den <em>Top 10 Prozent</em> globaler Konsument*innen, die „überproportional für die Überschreitung der planetarischen Grenzen verantwortlich sind und Schäden verursachen, deren Kosten von der Gesellschaft insgesamt getragen werden“<a href="#sdendnote4sym">iv</a> - über den gleichzeitig unvermeidbaren und doch irgendwie gemeinsam mitverschuldeten und deshalb mit Angst, Schuld und Scham beladenen gesellschaftlichen Exitus sprechen. Das ist ungefähr so einfach und angenehm, wie mit einer schweren Raucherin über ihren mit Sicherheit sehr bald kommenden Tod durch fortgeschrittenen Lungenkrebs zu sprechen. Nicht nur hat die schwere Raucherin, die seit mindestens 50 Jahren weiß, dass sie doch mit dem Rauchen aufhören sollte, allein, sie ist zu abhängig, und Rauchen macht ihr einfach zu viel Spaß, nicht nur hat sie riesige Angst vor dem langsamen, grausamen Sterben, das Lungenkrebs verursacht; sie fühlt sich irgendwie auch selbst schuldig für ihren Tod, und schämt sich, dass sie wider besseres Wissen einfach immer weitergequalmt hat, da konnten noch so viele Studien und Artikel beweisen, dass Rauchen tödlich ist.</p><p>Das „Kollapsgespräch“ zu führen ist in den meisten Fällen und mit den meisten Menschen tatsächlich genau so wenig möglich, wie einen Menschen dazu zu bewegen, eine Therapie zu machen, der der Meinung ist, all dieser Psychoquatsch sei doch woke-feministischer Pussykram. Trotzdem liegt dieses Buch jetzt vor Euch, trotzdem stehen da jetzt 200 Seiten über Kollaps: warum es so schwer ist, darüber zu sprechen, wie er sich anfühlt, was er ist, und vor allem, wie wir darin gemeinsam solidarisch handlungsfähig werden können. Dieses Buch ist der Versuch eines Menschen, der seit bald 20 Jahren strategische politische Kommunikation um die Themen Kapitalismus, Klima und Kollaps betreibt (na gut, ein paar Jahre ging es auch um schwulen Sex und Crystal Meth, aber das ist eine andere Geschichte), der damit manche Erfolge hatte, aber am Ende so hart abblockte, dass er seinen Job verlor, in eine Depression fiel, und sich beinahe mit Drogen in der Berliner Partyszene umbrachte, mit Euch trotzdem über Kollaps zu kommunizieren, mit einer Gesellschaft über ihren kommenden Tod zu sprechen, die dieses Gespräch nicht führen will.</p><p>Ich musste beim Nachdenken über die Struktur dieses Buches also nicht nur ein politisch-intellektuelles Argument entwickeln, ich musste es auch noch so aufbauen, dass es die Vielzahl von Verdrängungsfallen umgehen kann, die unsere Verdrängungsgesellschaft zwischen sich und einen rationalen Kollapsdiskurs gebaut hat, und die sich in all unseren Köpfen wiederfinden. Falls es Euch ein wenig merkwürdig aufgebaut erscheint: <em>that&#39;s why</em>. Es ist kein „normales“ politisches Gespräch, es ist eine Mischung aus politischer Debatte, Gruppentherapiegespräch und bewegungsstrategischer Agitprop. Wenn Ihr also im Folgenden den Eindruck habt, nicht genau zu wissen, wo es gerade langgeht – <em>trust me</em>, es geht in diesem Buch <em>immer</em> in Richtung gemeinsame, solidarische Handlungsfähigkeit. In einer kollabierenden Zukunft, klar, aber in einer, auf die wir uns gemeinsame vorbereiten, und durch diese solidarische Vorbereitung, auch, wenn sie nie vollständig sein wird, auch Gemeinschaft, Sinn, und gelegentlich sogar Erfolge erkämpfen und/oder Selbstwirksamkeit erfahren können.</p><p>Dies ist ein Buch für all diejenigen, die auf die Frage „wer will ich in sein, wenn die Katastrophe kommt?“ sagen wollen: ich möchte eine*r von denjenigen sein, die sich und anderen helfen kann, damit es auch in Zukunft, trotz Kollaps, Katastrophe und Faschismus noch Räume des guten Lebens, der Liebe, der Solidarität, des Lichts und der Wärme geben kann.</p><p>___________________________________________</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier&#39; meinen Blog</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 18 Jul 2026 06:54:28 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Kollapsutopien: der letzte schwule Kuss]]></title>
      <description><![CDATA[Zum Schluss eines linken Politbuchs kommt immer: der "Utopie"-Teil. Aber wie sieht Utopie im Kollaps eigentlich aus - wie kann sie ihre motivierende Funktion erfüllen?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><a href="https://www.deutschlandfunk.de/twitter-trend-proudboys-schwule-kuesse-gegen-rechts-100.html"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b511215b-0aae-4719-93f7-7f871b6b88b6/uploads/images/dqjb67djkf/paar-maenner-kuss-jpg-102-768x432.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Zwei küssende Männer vor grauem Himmel über grauem Meer"/></a><figcaption>This isn&#39;t the last gay kiss, but it&#39;s already an antifascist gay kiss.</figcaption></figure><p>02/07/2026</p><p></p><p></p><p>Liebe Leute,</p><p>ich habe gestern die Einleitung für mein 2. Buch geschrieben, heute das Ende. Eigentlich wollte ich heute morgen die Einleitung als Blogtext posten, aber ihr hattet schon ein paar Einblicke in den Anfang, noch ein Text über “Angst” würde Euch evtl. langweilen.</p><p>Also kommt Euer Text heute ausnahmsweise am Nachmittag (schweig still, geschundene Zwanghaftigkeitsstörung!), was für Euch glaube ich eher egal ist, aber bei mir Zuckungen auslöst ;)</p><p>Was Ihr hier vor Euch habt, ist der wirkliche Schluss des Buches, das werden die letzten Seite, Absätze, Sätze sein. Der 1st draft steht zwar noch nicht, ich hab alle möglichen Deadlines gerissen und muss noch richtig viel überarbeiten und neu schreiben (einschließlich dieses Schlussteils). Aber ich glaube, im Kern hab ich’s.</p><p>Schaut mal in den Schluss rein, und sagt Bescheid, ob Ihr den Eindruck auch habt. Ach ja, diesmal bitte ich eigentlich nicht wirklich um kritisches Feedback - das gerne nächste Woche. Heute möchte ich mich ein bisschen freuen, in zwei Monaten schreiben so weit gekommen zu sein. 220 Seiten, 7 Kapitel, eine Geschichte, die Euch hoffentlich interessiert.</p><p>Hier also, als Teaser und zum “hey Tadzio, das liest sich voll gut”-fishing-for-compliments: der Schluss meines 2. Buches. Gemeinsam gegen die Angst: solidarische Kollapspolitik, erscheint im Oktober 2026 im mandelbaum Verlag.</p><p>Enjoy.</p><p>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________</p><p></p><p><em>Do not go gentle into that good night.</em></p><p><em>Rage, rage against the dying of the light.</em><br/></p><p>Dylan Thomas</p><p></p><p><strong>Der letzte schwule Kuss</strong></p><p>…Jetzt würde an dieser Stelle in einem linken Politbuch üblicherweise der „<em>Visioning</em>“-Teil kommen, denn jede große linke Erzählung – und das wäre dieses Buch zumindest gerne – braucht eine Utopie, denn ohne Utopie kein „utopischer Wärmestrom“. Ohne Utopie wäre die politische Perspektive, die ich hier aufgemacht habe, sich nicht unbedingt von denen einer durchschnittlichen Freiwilligen Feuerwehr irgendwo mitten in Deutschland zu unterscheiden. Als ich vor gut zwei Jahren gegenüber einem alten Freund und Genossen die „SoliPreppen“-Strategie erklärte, fragte dieser mich ein wenig süffisant, ob denn „in der Flut Sandsäcke schippen“ jetzt wirklich der ausschließliche Horizont meines politischen Denkens und Handelns geworden wäre – und wenn ja, ob ich mich dafür als Kommunist denn nicht schämen würde.</p><p>Das war natürlich erstmal viel freundschaftliches Frotzeln, aber die Frage ist mir im Kopf geblieben, ich hab sie in fast jeder meiner Lesungen und öffentlichen Veranstaltungen zitiert, weil sie mich lange umgetrieben hat: was ist denn nun der „radikale“ Kern meiner Erzählung? Hat sie überhaupt einen?</p><p>Was die „radikale“ Linke seit jeher von der „moderaten“ Linken unterschied – ich benutze bewusst nicht identitäre historische Zuschreibungen wie „revolutionär“ oder „reformistisch“, erstens, weil sie zu ungenau sind, zweitens, weil der Begriff „revolutionär“, wie oben erklärt, keine Bedeutung mehr hat, und daher nicht als Gegenpart eines Begriffspaars fungieren kann – war die Utopie. In konkreten Arbeiter*innenkämpfen zum Beispiel können Sozen und Kommunist*innen gut miteinander, beide wollten ja Lohnerhöhungen. Aber für die sozialdemokratischen Arbeiter*innen ging es bei Lohnkämpfen wirklich um Löhne, während Kämpfe innerhalb des Kapitalismus, also zum Beispiel um die relative Verteilung des Mehrwerts zwischen den zwei miteinander ringenden einander auch brauchenden Klassen, für die kommunistischen Arbeiter*innen immer nur ein Schritt zur besseren Organisierung für die Revolution sein konnte: die Utopie, also Annahmen über die Zukunft, bestimmen die Bedeutung von Dingen in der Gegenwart.</p><p>Was soviel bedeutet: ohne ein Bild der Zukunft ist die Gegenwart im politischen Sinne zwar nicht vollständig bedeutungslos, aber wenn ich im Heute sitze, und mir überlege, was ich im Morgen machen soll, dann ist die einzige Art und Weise, diese Entscheidung sinnvoll zu treffen, eine Vorstellung davon zu haben, wie das Übermorgen aussieht. Strategien sind Linien, und damit diese Linien nicht <em>all over the place</em> gehen, brauchen sie einen Fluchtpunkt. Diesen Fluchtpunkt stellt traditionell für radikale Linke eben „die Revolution“ dar, später, als den meisten denkenden Linken klar wurde, dass die Sache mit der leninistischen Revolution mittlerweile ungefähr so realistisch geworden war, wie die Vorstellung einer Reiterstaffel, die eine Seeschlacht gewinnt, nannten wir es dann „Transformation“, was eigentlich nur „ganz viele Reformen, die irgendwann eine Revolution werden“ bedeutete, also im Kern gar nichts.</p><p>Es gibt eigentlich keine radikal-linke Utopie mehr, außer den modernistischen Fieberträumen der „Akzelerationist*innen“, deren strategische Position damals in <em>Empire</em> – einem Buch, das in der globalisierungskritischen Bewegungen stark rezipiert wurde, und während der Nuller Jahre den zentralen theoretischen Frame der radikalen Linken in den imperialen Zentren darstellte – folgendermaßen zusammengefasst wurde: „<em>we&#39;ve got to push through Empire and come out the side</em>“. Also: Kapitalismus bis zum Anschlag, dann magisch in den Kommunismus rüber, und alle sind happy. <em>Fully automated luxury communism</em> als die letzte falsche Utopie der kapitalistischen Moderne.</p><p>Es gibt aber auch keine progressive bürgerliche Utopie mehr, denn die hätte im Kern immer ein bisschen ausgesehen, wie die Welt, in der Star Trek/“Raumschiff Enterprise“ spielt: überall Demokratie, überall technologischer Hyperfortschritt, keine Kriege, keine Armut... in der Utopie des Bürgertums ist es einfach so, dass Alle zu Bürger*innen geworden sind, weil genau so, wie unsere (und jetzt meine ich ganz spezifisch: meine Klasse) Leben im Idealfall aussehen – wohlhabend, friedlich, mit Rechten und politischer Macht ausgestattet – sollten doch alle Leben aussehen können, richtig? Diese Idee ist mittlerweile genau so realistisch, wie die leninistische Revolution, oder eben der Sieg von Kublai Khans Reiterstaffeln im peloponnesischen Krieg. Die seit langem konstatierte „Verrohung“ des Bürgertums – was ich im letzten Buch als „Arschlochisierung“ analysiert habe – ist auch eine Reaktion auf die verdrängte Einsicht in die Unmöglichkeit, dass Alle auf der Welt so leben, wie das Bürgertum z.B. in Deutschland, und deswegen fühlt dieses auch, das seine Privilegien nicht unbedingt von Dauer sein werden. Es kann ja sein, dass irgendjemand anderes irgendwann mal das mit uns macht, was wir <em>as a matter of course</em> früher mit Anderen, andernorts gemacht haben: militärisch besiegen, besetzen, ausrauben, umbringen. Dass das nicht besonders realistisch ist: geschenkt. Aber Gewalttäter sind selbst von ihren Gewalttaten so traumatisiert, dass sie nie mehr in der Lage sind, die Opfer ihrer Taten anzuschauen, und <em>keine </em>Angst zu haben, dass ihnen irgendwann das angetan wird, was sie Anderen angetan haben.</p><p>Dass es keine ökologische, keine grüne Utopie im globalen ökologischen Kollaps geben kann, ist klar. Aber auch die linken und bürgerlichen, die humanistischen Utopien funktionieren im Kollaps nicht mehr. Der Kollaps räumt die Fluchtpunkte modern-kapitalistischer Politik ab, linke <em>included</em>, weil die lagen immer weit oben auf der Y-Achse gesellschaftlicher Outcomes: „<em>the arc of the moral universe is long, but it bends towards justice</em>.“ Da im globalen ökologischen Kollaps nur noch netto negative gesellschaftliche <em>Outcomes</em> denkbar sind – weil sich die materiellen Bedingungen menschlichen Lebens auf dem Planeten so schnell und so drastisch verändern werden, dass „Chaos“ das wahrscheinlichste Makroresultat ist – braucht es also neue Fluchtpunkte, neue progressive Utopien.</p><p><br/><br/></p><p><em>Grenzutopien im Kollaps</em></p><p>Aber kann es im Kollaps eigentlich noch Utopien geben? Ein kurzer Rückblick: seitdem Thomas More im frühen 16. Jahrhundert die erste „Utopie“ verfasste, ist die U-Topie (gleichzeitig ein „nicht-Ort“, und der „glückliche Ort“ ein nicht-existierender Ort, außerhalb der Realität, von dem aus man die Realität kritisieren kann. Alles, was in der Realität schlecht ist, ist am U-Topos (am Nichtort) gut, und bleibt auch gut. Die U-topie ist ein stabiler Ort des Guten, wenn nicht sogar des Perfekten, und der Kollaps macht ja gerade <em>alle Orte instabil</em>. Egal, wo man wohnt, je mehr der ökologische Kollaps eskaliert, je schneller er auf der Erde Effekte hat, desto weniger noch stabile Orte wird es geben. Deswegen bauen die Hyperreichen ja so viel Raumschiffe: weil sie das verstanden haben.</p><p>Na gut, wenn es keine wirkliche Utopie im klassischen Sinne geben kann, brauchen wir sie denn dann wirklich? <em>I mean</em>, ich wehre mich die ganze Zeit gegen jedes bisschen „hopium“ in der Klima- und Kollapsdebatte, rege mich wahnsinnig auf, wenn meine Genoss*innen wieder durch irgendeine Hintertür das magische Denken in unsere Strategiedebatten einladen – will ich jetzt der sein, der die Utopie zurück in die Kollapsdebatte bringt?</p><p>Die Antwort wird Euch überraschen: ja, der möchte ich sein. Besonders meine Erfahrung während meiner „Zukunftsdepression“, der Phase absoluter Sinnfreiheit meines Lebens, als es keinerlei Fluchtpunkt gab außer „<em>get high and get fucked</em>“, hat mir gezeigt, dass es, oder auch: dass ich ohne „Fluchtpunkt“ nicht funktionieren kann. Ich brauche die Vorstellung eines Ziels, das außerhalb des Jetzt liegt, einer Situation, auf die ich hinarbeiten kann, einen „<em>horizon state</em>“, etwas, das zwar nie erreicht werden, aber in dessen Richtung man sich immer bewegen kann.</p><p>Das mit der „Richtung“ wird auch von der wahrscheinlich berühmtesten Formulierung der Funktion von „Utopie“ in der Geschichte der globalen Linken betont. Der uruguayische Autor Eduardo Galeano schrieb mal dies: „Die Utopie steht am Horizont. Ich gehe zwei Schritte auf sie zu, sie entfernt sich um zwei Schritte. Ich gehe zehn Schritte und der Horizont weicht zehn Schritte zurück. Wozu dient die Utopie? Dazu, dass wir weitergehen.“</p><p>Weitergehen. Genau darum geht es mir: dass wir weitergehen, weitermachen, weiterkämpfen, weiterlieben, weiter... Deswegen braucht es für mich weiterhin Utopie. Aber Utopie im klassischen Sinne ist im Kollaps unmöglich, denn, wie gesagt: eine Utopie ist ein stabiler Ort, von dem aus wir das Bestehende kritisieren können, aber da im Kollaps „stabile Orte“ nicht nur „weit weg“ sind, sondern tatsächlich <em>unmöglich</em>, müssen wir das Konzept an den Kollaps anpassen. Wenn es keine stabilen Orte geben kann, von denen aus wir das Bestehende kritisieren, und die unsere strategischen Fluchtpunkte darstellen können, dann brauchen wir eine Konzeption von „Utopie“, die nicht statisch ist, die immer und überall funktionieren kann, unabhängig davon, wie gut oder schlecht die Situation ist, in der wir handeln. Die „Utopie“ beschreibt dann keinen perfekten Ort, auf den wir zulaufen, sondern eine Handlung, eine Intervention, die einen temporären Zustand herstellen soll: sie besteht aus einer Handlung, die auf ein Ziel hinarbeitet, sie ist eine Utopie, der es ganz bewusst um das „weitergehen“ geht, egal, wie schlecht es in Realität wird. Das klingt jetzt ehrlich gesagt total abstrakt, also mach ich&#39;s lieber konkret, und erzähle Euch von meiner ganz persönlichen Kollapsutopie.</p><p>Wichtiger Hinweis: die wird sich von Euren Kollapsutopien unterscheiden. Wie genau wir uns den Kollaps und unsere Rolle darin vorstellen, ist eine total persönliche Sache, genau wie das mit den Ängsten – ich habe riesige Angst vor dem Verschwinden meiner HIV-Medis, die meisten von Euch wohl nicht, also ergeben sich andere Pläne und Strategien, <em>which makes total sense</em>. Meine Kollapsutopie geht von mir aus, von meinen Ängsten, meinen Bedürfnissen, meinen Fähigkeiten, weshalb sie möglicherweise auch nur mich motivieren wird – but that&#39;s fine, weil sie ja genau das tun soll: mich motivieren, mir das weitergehen ermöglichen. Ich lade Euch also gar nicht unbedingt ein, meine Kollapsutopie zu Eurer zu machen, die ist schon ziemlich nischig. Natürlich freu ich mich, wenn sie Euch inspiriert, aber eigentlich möchte ich Euch durch&#39;s Erzählen dieser letzten kleinen Geschichte dazu einladen, Eure eigenen Kollapsutopien zu formulieren. In meiner Erzählung tauchen Nazis auf und kommunistische Queers, sexpositive Parties in dunklen Berliner Kellern, Prügeleien oder Schießereien mit faschistischen Kampftruppen. Meine eigene Privatutopie entspringt also sehr genau meiner eigenen Vorstellungswelt, und als mich jemand mal fragte, ob ich nicht eine weniger „private“ Utopie, eine potenziell für Alle formulieren könnte, zum Beispiel eine, in der auch Kinder vorkämen, war meine Antwort: nope, meine Utopien handeln vom Kämpfen und vom Knutschen, da passen Kinder überhaupt nicht rein. Wenn Ihr Kinder in Euren Utopien haben wollt: dann baut sie da ein. Darum geht’s in der Kollapsbewegung. Selber machen. Weil erstens Eure Utopie für Euch da ist, sie soll Euch beim weitergehen helfen: das ist viel, viel effizienter, wenn Ihr es selbst macht. Und zweitens, weil die „Kollapsutopie“, die Ihr formuliert, immer auch eine Antwort auf die Frage sein wird, die diese Suchbewegung auch ein bisschen antreibt: wer will, wer werde ich im Kollaps sein – und ich habe natürlich überhaupt keine Ahnung, wie das bei Euch konkret aussieht. Und wenn wir dann erstmal Alle so ne Utopie vor uns haben, einen Weg, auf dem wir weitergehen können, dann wäre es spannend, die zueinander ins Verhältnis zu setzen, zum Beispiel im Rahmen einer solidarischen Kollapsbewegung.</p><p><br/><br/></p><p><em>My own private collapse utopia</em></p><p>Aber noch sind wir nicht da, noch muss recht viel weitergegangen werden, durch zunehmend umkämpftes Terrain, das immer schwieriger zu navigieren wird. Als ich mir dieses neuen Terrain zum ersten Mal bewusst wurde, verzweifelte ich, weil ich keinen Weg durch das Dickicht fand, das sich vor mir auftürmte. Und warum sollte ich mich überhaupt durch den ganzen Schmodder hindurchkämpfen, wenn am Ende ohnehin die Niederlage der wahrscheinlichste Outcome ist, wenn die Gefahren so groß, die Gegenseite so stark ist? <em>Why fight if we&#39;re most likely gonna lose</em>?</p><p>Aber dann wurde mir klar, dass ich als Mensch nicht funktioniere, wenn ich nicht den Eindruck habe, strategisch nach vorne zu gehen, zu handeln. Einen Weg durchs Dickicht finden wurde also für mich zur Überlebensbedingungen – <em>literally</em>: ich hatte versucht, mich aus „der Politik“ und „dem Kampf“ zu verabschieden, und was ich in der Zeit war und getan habe... nunja. <em>I&#39;ve had better days</em> – und im Dienste des eigenen Überlebens werden wir bekannterweise oft ziemlich kreativ.</p><p>Ich seh das mittlerweile so: wir sind zwar in einer schlechten strategischen Situation relativ zu der, in der wir uns noch vor 10, 20 Jahren befanden, aber Andere, andernorts waren in viel, in unvergleichbar schlechteren Situationen, und haben trotzdem gekämpft. Der Beispiele, die ich zitieren könnte, sind viele, und alle bringen ihre eigenen Gefahren mit sich: ob ich indigene Kämpfe in den Amerikas zitiere, die seit über 500 Jahren von Menschen aus Europa kollabiert werden, oder den Aufstand im Warschauer Ghetto, der ohne Erfolgswahrscheinlichkeit affirmatives, kämpfendes jüdisches Leben in einer Hölle ermöglichte, die designed war, jüdisches Leben zu zerstöre, ich würde immer Kämpfe und Situationen zitieren, die sich von unserer signifikant unterscheiden. Ich würde immer Gefahr laufen, aus meiner privilegierten Situation die falschen Schlussfolgerungen aus den Erfahrungen Anderer zu ziehen.</p><p>Also versuch ich es mal ohne historische Vergleiche: die Agenda ist auch gar nicht so kompliziert: Egal, wie schlecht es wird, haben wir nicht das Recht, aufzugeben, und das heißt auch, dass wir nicht das Recht haben, wie die meisten von uns es noch tun, uns in komfortable Lügen zu flüchten, in einer dieser hopium-Stories, in denen China, Norwegen oder irgendwelche aufgeklärten Aliens uns noch vor uns selbst retten können. Egal, wie dramatisch sich die Situation hierzulande verschlechtert, es gilt die klassisch-queere Strategie des „aufstehen, Krone richten, weiterkämpfen...“.</p><p>Weiterkämpfen bis...? Bis wann und wohin? Meine Kollapsutopie beginnt, <em>appropriately</em>, in einer dystopischen Situation, was zuerst vielleicht merkwürdig klingt, aber im Kollaps funktional ist: wenn die Zukunft dystopisch wird, dann muss die Utopie, die mir erlaubt, in dieser Zukunft trotz allem immer „weiter zu gehen“ auch in einer Dystopie Sinn ergeben, egal, wie dunkel diese ist. Also sollten Kollapsutopien immer von einem „worst case Szenario“ ausgehen, und darin Inspirierendes verorten, eben etwas, das einen zum „Weitergehen“ motiviert.</p><p>In meinem Kopf sieht das so aus: der globale ökologische Kollaps hat innerhalb weniger Jahre dazu geführt, dass die Gewalt und Zerstörung und das gesellschaftliche Chaos, das wir sonst exportiert haben, auch in den reichen Externalisierungsgesellschaften des Nordens angekommen ist. Der Faschismus ist bewaffnet, in den meisten Ländern des „alten Westens“ kontrolliert er auch die Staatsapparate, und Deutschland ist mal wieder Weltmeister geworden, zum zweiten Mal halten wir den Pokal für „größte faschistische Arschlöcher aller Zeiten“ in unseren Händen, sind wie immer die Gröfaaz</p><p>Einige Städte hielten eine Zeitlang den Angriffen aus den eher ländlichen Regionen stand, aber eine nach der anderen fielen sie unter dem Ansturm der braunen Horden (wer hier Echos des Herrn der Ringe hört: <em>sure. We&#39;re telling stories, aren&#39;t we?</em>). Alle Städte? Nein, das von unbeugsamen Migrant*innen, Queers und Kommunist*innen bevölkerte Berlin war die letzte Stadt, die aushielt – bis vor ganz kurzem, als die Faschist*innen die Stadt umzingelten, uns von unseren Vorwärtsverteidigungspositionen (ehedem: „Speckgürtel“) und Nahrungsmittelproduktionsexklaven abschnitten, und mit der Unterstützung von Kollaborateur*innen im reichen Berliner Westen und im faschistischen Berliner Südosten begannen, in Richtung Berliner Ring vorzustoßen. Das mythische „Letzte Gefecht“, das kommunistische Ragnarök (<em>except that we traditionally hoped we&#39;d win</em> – da waren die alten Vikinger realistischer, die wussten, die Guten würden am Ende verlieren) bahnt sich auf dem Tempelhofer Feld an, nicht, weil Städtekampf sich in offenen Feldschlachten ergießt, sondern, weil mein Kopf es da besser inszenieren kann.</p><p>Mich interessiert der letzte Kampf aber nicht: ich bin Teil der Pink Panthers Brigaden, deren Aufgabe es ist, in der sozioökologischen <em>hellscape</em>, zu der die Welt, auch die ehedem reichen Teile im Kollaps geworden sind, in der die braunen Horden fast ganz Europa übernommen haben, in der sich migrantisch gelesene Menschen, Linke, Queers, Menschen mit Behinderungen verstecken müssen, temporäre aber geschützte Räume für queeres Leben zu organisieren, im Notfall: zu erkämpfen. Wir wissen: die Niederlage kommt. Genau deswegen werfen wir alle unsere verbleibenden Ressourcen in unsere Kernmission, queeres Leben zu ermöglichen und zu verteidigen. Wir ziehen uns in die Katakomben der Stadt zurück, in die vielen Keller und Tunnel unter Berlin, die wir in jahrelanger vorausschauender Vorbereitungsarbeit ausgebaut und miteinander vernetzt haben.</p><p>Nachrichten gehen raus an unsere Verbündeten jenseits Berlins: die Großstädte der Welt sind gefallen, aber überall – erinnert Euch an Independence Day: die Aliens zerstören die Großstädte, die Menschen ziehen sich in Höhlen, Wüsten und Wälder zurück – leben noch radikale Queers, und überall wollen Menschen noch einmal eine letzte fett geile queere Party feiern, bevor es in die permanente Flucht geht, ins Lager, oder eben... wie drückte Rosa Luxemburg das mal aus? „Ich werde trotzdem hoffentlich auf dem Posten sterben: in einer Straßenschlacht oder im Zuchthaus.“<a href="#sdendnote1sym">i</a></p><p>Der letzte Kampf der Pink Panthers ist also nicht der (in dieser dunklen Utopie) aussichtslose Kampf auf dem Tempelhofer Feld, gegen die anrückenden Massen. Er ist der Kampf in den Katakomben <em>für </em>affirmatives queeres Leben, für queeres Leben, wie es sein sollte, frei, ekstatisch, gemeinsam, geil, solidarisch, liebevoll, sexy, euphorisch, menschlich... Die Party ist ein rauschendes Fest, es gibt keinen Unterschied mehr zwischen Darkroom und Dancefloor, überall wird geknutscht, gevögelt, gegessen, gesoffen, geweint, getanzt, gefesselt und gepeitscht, geliebt und gelacht...</p><p>Ich selbst bin nicht auf der Feier. Ich bin Teil der Panthers, unsere Aufgabe war es, die Party zu ermöglichen, jetzt ist es unsere Aufgabe, sie zu verteidigen. Ich höre die Musik, ich höre das Stöhnen und das Lachen. Ich bin nicht dabei, und trotzdem erfüllt mich dieser Moment total, denn ich weiß genau, was ich tue, warum ich hier stehe: an einem der Eingänge zu den Katakomben, wo ich jetzt schon die erste Vorhut der Faschos auf uns zukommen sehe. Ich weiß: lang wird die Party nicht mehr sein. Der Gegner ist schon da.</p><p>Aber ich weiß auch: je länger wir hier stehen, desto länger wird es noch queeres Leben geben. Also werfen wir alles in diesen letzten Moment, opfern uns tatsächlich auf. Für das was in den vergangenen Jahren zum Sinn unserer Leben geworden ist. Die Verteidigung queeren Lebens, das aktive, das offensive Erschaffen von Räumen, in denen queeres und feministisches und humanistisches und solidarisches und liebevolles und warmes... in denen menschliches Leben möglich ist, wie es sein soll. Die Art von Leben, das die Arschlöcher so irritiert, weil es eben so menschlich ist.</p><p>In meiner Kollapsutopie bin ich, sind wir in der Lage, diese letzte queere Party so lange gegen die anrückenden Faschos zu verteidigen, bis der letzte Sechzehnjährige auf dieser Welt den letzten schwulen Kuss mit dem letzten Achtzehnjährigen geküsst hat. Und so merkwürdig das klingen mag: das reicht mir als „meaning of life“, das reicht mir als Ziel für ein erfülltes Leben im Kollaps. Und wenn das nicht als Motivation ausreicht, sich den Raum der Katastrophe als strategischen Raum auszumalen, weiß ich auch nicht. Denn die Agenda ist klar, der Weg ist klar – wir müssen uns nur aufraffen, und anfangen, ihn zu gehen.</p><p><em>To be sure</em>: wir können in der Katastrophe sehr, sehr viel mehr erreichen und erkämpfen, als nur einen schwulen Kuss irgendwo zu ermöglichen. Aber mein Punkt ist der: dieser Gedanke gibt Orientierung. Alles Gute, was wir erkämpfen können, ist wichtig, denn wenn wir es nicht erkämpfen, nicht erschaffen, wird es dieses Gute nicht geben, in einer Welt, die sonst immer schlechter wird.</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Mit zunehmend erschöpften Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 02 Jul 2026 15:01:30 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Der heißeste Tag]]></title>
      <description><![CDATA[Am 27.6. sind wir in Deutschland in einer anderen Welt aufgewacht: ganz kurz ist ein Fenster offen, um über Kollaps, Katastrophe und Vorbereitung darauf zu sprechen.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<a href="https://www.cleanthinking.de/el-nino-hitzewelle-europa-2026/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/06df3a67-f1fa-4a22-b6b0-ed0d83e9ed2f/uploads/images/f7hx2eaiq7/Hitzewelle-Europe-El-Nino.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Eine  Hitzekarte Europas: es ist sehr heiß."/></a><p>27/6/2026</p><p></p><p>Liebe Leute,</p><p>Es ist Samstag, 27.6., 6:27, ich sitze in der Küche, neben mir eine kleine Kanne grüner Tee, auf meinem Schoß steht mein Laptop, und ich schreibe diese Zeilen. Das ist nicht mein normaler Rhythmus, wenn ich sonst an einem Samstag arbeite, dann eigentlich erst ab 10, nachdem ich ein bisschen ausgeschlafen und gemütlich im Bett die morgendliche Zeitungslektüre absolviert habe. Heute aber soll es einer der heißesten Tage in Deutschland seit Beginn der Aufzeichnungen werden. Gestern wurden an einer Wetterstation in Saarbrücken 41,3 Grad gemessen, der höchste jemals gemessene Wert. Heute wird dieser Rekord wahrscheinlich übertroffen werden, in Berlin sind für heute Nachmittag 39 Grad angekündigt, die höchste Temperatur, die ich je in Deutschland erlebt habe: weder mein Büro noch unsere Wohnung haben eine Klimaanlage, ich bin unter Zeitdruck, dieses Buch fertigzuschreiben, also sitze ich hier um 6:46, schon voll am arbeiten, weil es ab Mittag einfach zu heiß wird. Es wird zu heiß sein, um zu arbeiten, zu heiß, um zu denken, zu heiß, um Geschichten zu erzählen. Es wird einfach zu heiß für alles sein. Ende Juni. In Norddeutschland, nicht in Ecuador.</p><p>Und diese Hitzewelle ist erst der Anfang. Die Meere der Welt sind aufgeheizt wie noch nie zuvor, oder zumindest nicht im Kontext eines stabilen, menschenfreundlichen Klimas. Im Pazifik nimmt der „Godzilla El Nino“ Anlauf, und im Nordatlantik macht der „Kälteblob“ Angst, der jetzt schon in Indien den Monsun beeinflusst, und die erste klar sichtbare Repräsentation des kommenden Kollaps der AMOC ist, der dereinst in Europa eine ganz eigene Klimakatastrophe auslösen wird. Wann? Wissen wir nicht, aber das Datum kommt immer näher, seitdem ich die Studien dazu lese.</p><p>Es ist das letzte Juniwochenende, normalerweise eines, an denen unglaublich viele Festivals, Pride Märsche, Dorffeiern und <em>whatnot</em> stattfinden – und von überall in Deutschland kommen Meldungen, dass die meisten von denen dieses Wochenende abgesagt werden. Meine gute Freundin und Kollapsgenossin Scully wollte zum CSD in Illmenau: abgesagt wegen der Hitze; ich hatte überlegt, zusammen mit Wolf zum CSD in Bernau zu fahren, wie Scully auch um sicherzugehen, dass mehr von uns da sind, als von eventuell stören wollenden Faschos: abgesagt werden der Hitze.</p><p>Gestern, am heißesten Tag in Deutschland seit Beginn der Aufzeichnungen, sind Straßen geplatzt, Menschen gestorben, und Berlin fühlte sich wie eine Geisterstadt an, niemand wollte draußen, niemand wollte in der Sonne sein. Ungefähr eine Stunde nördlich von Berlin findet dieses Wochenende wie immer Ende Juni das linksalternative Musikfestival Fusion statt, um die 50.000 hedonistische Ferienkommunist*innen feiern dort ausgelassen über mehrere Tage, ein nicht unerheblicher Teil davon betrunken, stoned, oder auch high auf Amphetaminen, ich selbst habe in jüngeren Tage viele wache Tage und Nächte dort durchgefeiert. Seit einigen Jahren fahre ich selbst nicht mehr zur Fusion, erlebe aber jedes Jahr, wenn ich nicht dort bin, FOMO, oder auch „<em>fear of missing out</em>“. Es könnte ja jemand mehr Spaß haben, als ich.</p><p>Dieses Jahr mache ich mir keine Sorgen, da was zu verpassen. Dieses Jahr mache ich mir Sorgen, dass Menschen dort reihenweise umfallen, eventuell an nem Hitzschlag sterben werden. Ich hab <em>The Heat Will Kill You First</em> gelesen, und <em>Ministry for the Future</em>, ich weiß, wie sich bei extremer Hitze unsere Körper in sich selbst hinein auflösen, wie unsere Eingeweide zu Rührei werden. Ich habe Angst vor Hitze, und dieses Jahr werden es auf der Fusion bis zu 40 Grad werden. Ich habe Angst, dass Menschen beim Feiern einfach elendiglich krepieren werden, weil wir als Gesellschaft einfach noch nicht darauf vorbereitet sind, im <em>Hothouse Earth, </em>im „Treibhaus Erde“ zu leben, wie das ein einflussreiches Paper vor einigen Jahren formulierte.</p><p>Es ist Samstag, 27.6., 6:28. Heute wird wahrscheinlich wieder der heißeste Tag in Deutschland seit Beginn der Aufzeichnungen. Und morgen wird der Rekord vielleicht schon wieder gebrochen. Wie uns der bekannte Meteorologe Özden Terli gestern in den Abendnachrichten erinnerte: wir emittieren mehr Treibhausgase, nicht weniger, und wie ich vor ein paar Jahren vorhergesagt hatte, je mehr die Klimakatastrophe eskaliert, desto weniger interessieren wir uns für Klimaschutz.</p><p></p><p>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________</p><p></p><p>Es ist Samstag, 27.6., 6:29, und der letzte Bericht, der im Deutschlandfunk vor den 6:30 Nachrichten kommt, handelt vom mangelnden Bevölkerungsschutz in Deutschland. Ich hab nicht alles gehört, es ist noch früh und ich mach gerade meinen grünen Tee. Ein Mann im mittleren Alter wird gefragt, wann er das letzte Mal einen Sirenenalarm erlebt habe: er antwortet, dass das schon ziemlich lang her sein müsste, vielleicht 40 Jahre? Ich verspreche mir, diesen Bericht nachher nochmal zu hören, vielleicht finde ich ja noch ein paar gute Zitate darin.</p><p>Zitate, die was belegen sollen? Dass ich am 27.6. in einer anderen Welt aufgewacht bin, als der, die ich im letzten Kapitel noch beschrieben habe. Eine Welt, in der „Katastrophenvorbereitung“ etwas ist, über das man sich lustig machen kann, das man mit all dem Selbstbewusstsein derer, die in ihrem Leben nie selbst auf eine Katastrophe reagieren mussten, als „faschistisches Preppertum“ abtun kann. Eine Welt, in der immer klarer wird: die Katastrophen kommen, tatsächlich sind sie schon da. Man kann sich vorbereiten, oder aber auch nicht – aber wenn nicht, dann wird’s halt scheiße.</p><p>Der 27.6.2026 ist einer der wenigen Tage, die ich bisher erlebt habe, die sich für mich wirklich so anfühlen: wie eine Welt im Kollaps. Eine Welt, in der Alles aus den Fugen gerät. Eine Welt, die in einem wichtige Sinne an ihr Ende kommt. Und das wirft seine Schatten voraus. Schatten, die von vielen noch ignoriert werden. Aber das spannende und gefährliche an Hitze ist: es ist hart, sie zu ignorieren, und teuer. Also haben wir jetzt ein kurzes Fenster, in dem wir über Hitzewellen, Klimakollaps, und Bevölkerungsschutz reden werden. Das Fenster wird sich schnell wieder schließen, weil Verdrängungsgesellschaft. Aber vielleicht bleibt es ja lang genug offen, dass ich darin mein Buch über Kollaps und Kollapsvorbereitung fertig schreiben kann. Kognitiv wäre das blöd, weil Hitze blöd macht. Aber symbolisch würde es passen. <em>And stories are all about symbols.</em> <em>So here we go</em>: die Welt endet, dieses Buch bald auch, <em>let&#39;s wrap it up, people</em>.</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Mit fleißigen aber hitzebesorgten Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Sat, 27 Jun 2026 05:27:05 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Hitzewellenupdate: The heat will kill you first…]]></title>
      <description><![CDATA[Morning, your #BadNewsOfTheDay are largely that it's very, very hot. Actually, it's hotter than ever before 😬]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e427ba1a-f29e-4685-aa31-dd6a24ea07d3/uploads/images/tvfywstciv/IMG_7141.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>25/6/2026</p><p></p><p>Ihr Lieben,</p><p>ich bin auf den letzten Kilometern des Buchschreibmarathons, oder auch: beim Schreiben der letzten Staffel, und meine große Angst ist, die Landung ungefähr so zu versemmeln, wie die Macher von Game of Thrones die 8. Staffel versemmelt haben - und wenn Euch das nichts sagt: it started out great, and ended in disaster. So there you go :)</p><p>Aber die Hitzewelle ballert, und zumindest kurzfristig schaffen wir es auch als hochtrainierte Verdrängungsgesellschaft nicht vollständig, den Kollaps zu ignorieren - unter anderem, weil es so schwer ist, Hitze zu ignorieren. Ich habe sch0n ein paar Texte zu Hitze und meiner Angst davor geschrieben, hier der mit den meisten Infos dazu, wie Hitze uns eigentlich gefährdet: </p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/64ec9c82-e8ea-4819-b92c-d19203735ea1">https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/64ec9c82-e8ea-4819-b92c-d19203735ea1</a><p>Aber die Presse ist auch voll von interessanten Artikeln, deswegen kriegt Ihr heute eine Art kommentierte Linksammlung, und das auch noch auf Englisch - weil ich tbh heute nur meinen täglichen Social Media Thread #BadNewsOfTheDay hier reinposte. Ich hoffe, Ihr verzeiht mir.</p><p></p><p>Morning, your <a href="https://bsky.app/hashtag/BadNewsOfTheDay">#BadNewsOfTheDay</a> are largely that it&#39;s very, very hot. Actually, it&#39;s hotter than ever before 😬</p><p>1. &quot;The UK has broken its all-time temperature record for June and France has recorded its hottest day ever for the second day running.&quot;</p><a href="https://www.theguardian.com/environment/2026/jun/24/uk-records-hottest-june-day">https://www.theguardian.com/environment/2026/jun/24/uk-records-hottest-june-day</a><p>2. But before I go on about <a href="https://bsky.app/hashtag/heat">#heat</a> in Europe, let&#39;s recall the fact of <a href="https://bsky.app/hashtag/climateINjustice">#climateINjustice</a>: &quot;Families across Papua New Guinea are facing depleted harvests and hunger after El Niño brought frost and dry conditions that have destroyed food gardens providing sustenance &amp; income for thousands.&quot;</p><a href="https://www.theguardian.com/world/2026/jun/25/el-nino-pacific-papua-new-guinea-png-food-shortages">https://www.theguardian.com/world/2026/jun/25/el-nino-pacific-papua-new-guinea-png-food-shortages</a><p>&quot;While Papua New Guinea is experiencing the most severe impacts, countries across the Pacific were also being affected. As many as 4.7 million people faced increased risks of hunger, poverty and disease due to El Niño-related droughts, erratic rainfall and frost...&quot;</p><p></p><p>3. Back to sweltering Europe &amp; the way <a href="https://bsky.app/hashtag/HeatKills">#HeatKills</a>: silently, and very unjustly. &quot;One in every 6 babies in England are living in overheated homes, causing sleep disruption and serious health risks.&quot; Babies, old folks, the ill &amp; unhoused suffer the most. Where&#39;s the <a href="https://bsky.app/hashtag/climatejustice">#climatejustice</a> movement?</p><a href="https://www.theguardian.com/society/2026/jun/25/one-in-six-babies-in-england-live-in-overheated-homes-analysis">https://www.theguardian.com/society/2026/jun/25/one-in-six-babies-in-england-live-in-overheated-homes-analysis</a><p>4. Environmental injustice is transnational: those who cause the problems suffer less than those who don&#39;t: &quot;French struggle with heat-trap homes as climate inequality grows: Many of France’s buildings are not designed for hot weather – and low-income housing estates are suffering the worst&quot;</p><a href="https://www.theguardian.com/world/2026/jun/25/french-heat-trap-homes-climate-inequality-grows">https://www.theguardian.com/world/2026/jun/25/french-heat-trap-homes-climate-inequality-grows</a><p>Extreme heat is a hell that&#39;s hard to escape: &quot;Extreme heat has led to higher air pollution, a rise in hospital admissions, school closures &amp; train cancellations. It&#39;s caused power cuts to thousands of homes. French nuclear energy output was reduced as heat limited access to cooling water.&quot;</p><p></p><p>6. Excessive <a href="https://bsky.app/hashtag/heat">#heat</a> can cause the body to <a href="https://bsky.app/hashtag/collapse">#collapse</a>: Große Hitze kann zum Kollaps führen. Bei den hohen Temperaturen weiten sich die Blutgefäße, mit der Folge, dass der Blutdruck abfällt. Im Extremfall wird das Gehirn nicht mehr ausreichend durchblutet, der Betroffene verliert das Bewusstsein.</p><a href="https://www.deutschlandfunk.de/hitzewelle-gesundheit-hitzschlag-100.html#Tipps">https://www.deutschlandfunk.de/hitzewelle-gesundheit-hitzschlag-100.html#Tipps</a><p></p><p>7. And while Europe is burning, the trade union movement is solidly pro fossil jobs: &quot;2 of Britain’s biggest trade unions are increasing pressure on Andy Burnham not to pick Ed Miliband as the UK’s next finance minister, arguing that his North Sea oil policy has damaged jobs in the sector.&quot;</p><a href="https://www.ft.com/content/74410b7b-cee2-48e0-84d5-77b567530dc3?syn-25a6b1a6=1">https://www.ft.com/content/74410b7b-cee2-48e0-84d5-77b567530dc3?syn-25a6b1a6=1</a><p></p><p>8. One big political conflict will be the aircon-question: who gets it, who doesn&#39;t? And who&#39;s negatively affected by it? &quot;Hospitals cancel operations owing to lack of air conditioning: Hospitals across Britain have been forced to reduce services owing to the record-breaking heatwave...&quot;</p><a href="https://www.ft.com/content/fb187483-f496-4432-976e-0aaa9d0506fd?syn-25a6b1a6=1">https://www.ft.com/content/fb187483-f496-4432-976e-0aaa9d0506fd?syn-25a6b1a6=1</a><p></p><p>9. And just for final kicks: &quot;DJ Alok: ‘There’s a way to fly mindfully. Like, I don’t have my own plane any more’.&quot; 🤣 Of course there is. &amp; good for you. The level of stupid self-justifying bullshit we&#39;ll have to endure in the future will be unbearable. But also just a tiny bit funny...</p><a href="https://www.theguardian.com/music/2026/jun/23/dj-alok-dance-music-sustainable-rave-the-world-tour">https://www.theguardian.com/music/2026/jun/23/dj-alok-dance-music-sustainable-rave-the-world-tour</a><p></p><p>Soviel dazu. Passt in der Hitze auf Euch auf, und wenn Ihr zur Fusion oder einem anderen Festival fahrt: trinkt viel, tanzt nicht zu wild in der Hitze, und versucht, tagsüber weniger druff zu sein. Ich sprech aus Erfahrung.</p><p>Ich selbst werde versuchen, bei 39 Grad Celsius mein Buch fertigzuschreiben, was voll gut ist, weil höhere Temperaturen uns auch kognitiv einschränken. What fun….</p><p>Mit hitzemüden Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 25 Jun 2026 06:34:12 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Mutual Aid HEAT: try, fail, try again, fail again, fail better.]]></title>
      <description><![CDATA[Wir würden gerne von Euch wissen, was Ihr interessant findet, was Euch abschreckt, was Euch eventuell abhält, daran teilzunehmen oder über eine Teilnahme nachzudenken... ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/4fd4df54-3d97-44d9-97c5-b5f6cf066f25/uploads/images/xwfjv2kom7/Quotefancy-206643-3840x2160%281%29.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><p>18/06/2026</p><p></p><p>Liebe Leute,</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/f2ddc00f-063b-45f7-add3-e1e9a617964e">letzte Woche</a> schrieb ich, dass wir mit Euch ins Gespräch über unser Event kommen wollen. Konkret würden wir Euch gerne ein bisschen erzählen, was wir uns damit gedacht haben und warum, und wir würden gerne von Euch wissen, was Ihr interessant findet, was Euch abschreckt, was Euch eventuell abhält, daran teilzunehmen oder über eine Teilnahme nachzudenken... und letztens auch: was Ihr vielleicht noch verbessern würdet, was Euch beim Mutual Aid HEAT 2027, den es auf jeden Fall geben wird, an Elementen hinzufügen würdet, um es noch interessanter zu machen.</p><p><br/><br/><br/></p><p><strong><em>Wir haben Fragen...</em></strong></p><p>Aber bevor wir zu Eurem Feedback kommen, haben wir uns gedacht, dass es vielleicht nicht schlecht wäre, ein bisschen mehr zu erklären, wie wir auf die Idee kamen, ein politisches Event mit dieser ungewöhnlichen Struktur – zuerst mehrere Tage gemeinsame Trainings, dann ein komplexes „Szenario“ mit „Rollenspieler*innen“, in denen das Gelernte dann zusammen ausprobiert wird – zu organisieren, und wie wir uns vorstellen und hoffen, dass es damit weitergehen wird.</p><p>Also: zuallererst mal wissen wir auch nicht wirklich, was die richtigen Antworten auf die wahnsinnig schwierigen strategischen und taktischen Fragen sind, vor denen progressive/linke/ökologische soziale Bewegungen in Deutschland gerade stehen.</p><p><strong>Welche Aktionsformate ergeben in einer Arschlochgesellschaft überhaupt noch Sinn</strong>, wenn ganz viele unserer Aktionen designed waren, die Gesellschaft an ihre... <em>better angels</em> zu erinnern, die performativ zu schlachten ja ein zentraler Teil der Arschlochisierung ist?</p><p><strong>Wie kommen wir von „Aktionsform“ zu stabiler Organisierung</strong>, und wie überwinden wir die <em>firewall</em> („Brandmauer“ ist irgendwie... verbrannt, <em>pardon the lousy pun</em>) zwischen Wochenend-/Eventaktivismus – <em>no shade</em>: viele von Uns in der Orga haben <em>vieeeeel</em> Lebenszeit mit der Orga verschiedener Wochenendevents verbracht, von Aktionscamps über Festivals bis hin zu HEAT-Szenariotrainings – und alltäglicher Organisierung, nachbarschaftlich, gemeinschaftlich, betrieblich?</p><p><strong>Was sind „richtige“ Organisierungsformen für eine solidarische Kollapsbewegung</strong>, angesichts der Tatsache, dass viele der linksradikalen Formen und Bewegungsstrukturen, mit denen ich mich auskenne, in der momentanen Situation nicht mehr so richtig... passend erscheinen?</p><p><em>We. Don&#39;t. Know</em>.</p><p>Und nein, in diesem Fall ist das kein performativ-kokettierendes „wir wissen nicht, aber schaut mal hier: das ist die richtige Antwort.“ Wir haben auf jeden Fall ein paar Ideen, was ich gerne „politische Hypothesen“ nenne, aber es sind halt Hypothesen, und diese müssen jetzt getestet werden. Sind die getestet, braucht es eine Auswertung, und im wahrscheinlichen Fall, dass sich die Hypothesen als nicht 100% „richtig“ (in der Politik gilt meist: „richtig“ ist, was funktioniert, zumindest kurzfristig) herausstellen, müssen sie dann verfeinert, und wieder getestet werden.</p><p><br/><br/><br/></p><p><strong><em>Trial-and-error-Event</em></strong></p><p>Wieder verfeinert und getestet... Genau das ist der Plan mit dem Mutual Aid HEAT. Wir wollen dieses Event regelmäßig organisieren (alle Jahre wieder, aber auch gerne in kleineren regionalen Varianten, oder auch in internationalen Formaten), immer wieder updaten, immer wieder anpassen, immer wieder verändern und verbessern, und dafür brauchen wir Eure Hilfe. Wir würden gerne von Euch hören, was Ihr von unseren Antwortvorschlägen auf die oben gestellten Fragen haltet, und wie gesagt, was Ihr am Event noch verändern wollen würdet, was Euch fehlt, etc.</p><p><strong>Warum „Training“?</strong> Weil wir glauben, dass in einer Arschlochgesellschaft immer wieder um die Erfüllung von Versprechen zu betteln, die auf gar keinen Fall mehr erfüllt werden („Klimaschutz! Artenschutz! Offene Grenzen!“) maximal entmächtigend ist, wir haben da keine Lust mehr drauf. Wer aber nicht nur um Sachen bitten, sondern sie auch selbst können will, braucht dafür Skills, und hier muss ich mal ein bisschen Selbstkritik üben: die lange taktische Hegemonie der 5-Finger-Taktik, die den Erfolg von Ende Gelände mit begründete, und seitdem auch international Schule gemacht hat, hat dazu geführt – dies war auch immer die Kritik der Anarchoautonomen an der Aktionsform und dem ganzen Apparat drum herum, eine Kritik, der ich im Nachhinein zustimmen muss – dass wir uns als Aktivisti ziemlich „deskilled“ haben. In frustrierten Momenten denke ich dann „wir haben Menschen vor allem beigebracht, hinter einer Fahne herzurennen“. Dass das nicht fair ist, weiß ich, die 5-Finger-Taktik hat unglaublich vielen Menschen Zugang zu radikaler, ungehorsamer Aktion ermöglicht, die ihn sonst nicht gehabt hätten, und das war gut und wichtig. Jetzt glauben wir aber, dass es neue Formen braucht, und dass wir dafür mehr selbst können, mehr praktische Skills haben müssen. Es geht nicht um „etwas interessant finden und unterstützen“, es geht um „etwas selber machen können“. Dafür, glauben wir, braucht es Trainingsformate, richtiggehende Trainingslager, nicht nur Zweistundenworkshops.</p><p><strong>Warum „Szenario“</strong>? Weil so ein Ende Gelände-Aktionscamp anno dazumal ja nicht nur da war, um Sachen zu lernen, sondern weil es primär für die Aktion da war. Und „Aktion“ ist für Linksradikale, und für Protestbewegungen was wichtiges, Aktion ist eine Art Hochamt, eines der zentralen Rituale sozialer Bewegung. Das liegt nicht nur daran, dass für viele politische Ziele eine ungehorsame Massenaktion ein durchaus probates Mittel der Auseinandersetzung ist, es liegt auch am<em> Inneneffekt</em>, den so eine Aktion sehr oft hat. Stellt Euch vor, Ihr macht ein geiles Curry, aber Ihr habt bisher nur die Zutaten. Knoblauch, Ingwer, Zwiebeln, Tomaten, Kurkuma, Koriander, Garam oder Tandoori Masala, Kreuzkümmel und Chili, außerdem Kartoffeln, Blumenkohl und anderes Gemüse (<a href="https://youtu.be/U4zVQxPJmnY?is=7HbbmHFfU-RDfXid">das ist übrigens mein Lieblingscurryrezept</a>, ich dachte mir, ich schreib das mal kurz hier rein ;)) - aber bisher liegt das alles nur so nebeneinander herum, ist noch kein Curry, sondern nur ein Haufen Gemüse und Gewürze. Jetzt schmeißt Ihr es in einen großen Topf, macht ne Flamme drunter an, und schon wird aus den ganzen einzelnen Zutaten ein megaleckeres veganes Curry. Ungefähr so funktioniert im Grunde „Aktion“ für uns in den „Protestbewegungen“. <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/ee411305-2a0a-439f-9b63-9fc0c26fb784">Sie sind gemeinsame transformative Events</a>, nicht nur politisch, sondern auch persönlich.</p><p>Aber eine „Kollapsbewegung“ kann ja nicht lange im Vorfeld Aktionen wie Tagebaublockaden organisieren, deshalb glauben wir, dass in einem Szenario das Gelernte auszuprobieren, wie es immer mehr auch in anderen gesellschaftlichen Feldern getan wird, könnte eine Art und Weise sein, die Intensität einer Aktion ein wenig zu simulieren, ohne sich gleich den Risiken auszusetzen, die mit einer ungehorsamen Massenaktion einhergehen.</p><p><strong>Welche Trainings</strong>? Wir werden ja vier Trainings organisieren, vier „was tun im Notfall“-Ausbildungen: Nahrungsmittelversorgung und -logistik; Kommunikation; kollektiver Selbstschutz; medizinische und psychologische Hilfe. Warum diese, und nicht andere, wie zum Beispiel „Wassersicherheit“, oder „Strom für Alle!“, etc., etc.? Wir dachten, dass Nahrung, Logistik, Sicherheit und medizinische Versorgung erstmal die wichtigsten Basics wären, aber es kann auch gut sein, dass wir uns das nicht richtig überlegt, dass wir wichtiges ausgelassen haben. Deswegen ist es so wichtig, dass dies ein wiederkehrendes Event ist: wie werden überprüfen, ob die Trainings dieses Jahr funktionieren, und dann nächstes Jahr wieder neu entscheiden, was wir gemeinsam lernen wollen.</p><p><br/><br/></p><p></p><p><strong><em>Fragen an Euch</em></strong></p><p>Wir wissen, dies ist ein „trial-and-error-Event“, wir wissen selbst gar nicht, was dabei rauskommen wird, und wollen es in Zukunft immer weiter verfeinern, denn wir sind uns sicher: Formate, in denen wir lernen, gemeinsam solidarisch in Katastrophen zu handeln, wird es in Zukunft mehr brauchen, nicht weniger, und sie werden ständig verfeinert, verbessert, verworfen und neudesigned werden, auf jeden Fall sollten sie einer gewissen Quality Control unterliegen. Und dafür wenden wir Uns an Euch: wir wissen aus vielen persönlichen Gesprächen, teilweise auch aus der aktivistischen Gerüchteküche, dass viele von Euch zwar schon von unserem Event gehört haben, es aber noch viel Skepsis gibt, manchmal, weil wir noch nicht so richtig viel im Detail kommuniziert haben, manchmal, weil ihr denkt, da fehlt was/da wird was falsch gemacht.</p><p>Hier findet Ihr ein Cryptpad, in das Ihr Eure Kritiken und Euer Feedback eintragen könnt – wir haben uns für ein Pad anstatt einer Emailadresse (feedback@...) entschieden, damit die Diskussion nicht nur mit uns, sondern auch unter Euch stattfinden kann. Wir werden selbst auch mitdiskutieren, und hoffen, dass daraus ein produktiver Feedback-Prozess entstehen kann.</p><a href="https://cryptpad.fr/doc/#/2/doc/edit/VkjhRtmMVfMufTyWbh5PN9IZ/">https://cryptpad.fr/doc/#/2/doc/edit/VkjhRtmMVfMufTyWbh5PN9IZ/</a><p>Einen kritischen Hinweis haben wir schon gehört: unsere Website (<a href="http://mutualaidheat.de/">mutualaidheat.de</a>) sagt nichts über Zugangsbarrieren aus, weil, um ganz ehrlich zu sein, wir nicht so richtig wussten, wie wir darüber kommunizieren sollten, <em>dass</em> es eine Reihe von Barrieren geben wird, welche das sind, und wen diese potenziell ausschließen könnten. Das sind, wie Ihr Euch denken könnt, keine ganz einfachen Themen, sie sind auch mit Schuld und Scham verbunden, aber eine Freundin und Genossin riet uns, einfach ganz offen und ehrlich zu kommunizieren, was wir geschafft haben, was nicht, ob es ein safer oder braver space sein soll, etc.</p><p>Scully hat dazu gerade gestern einen ganz wundervollen Blogtext geschrieben, den findet Ihr hier: <a href="https://steady.page/en/disrupt/posts/530e7273-0098-4ecd-818e-64889a574a9e">https://steady.page/en/disrupt/posts/530e7273-0098-4ecd-818e-64889a574a9e</a>.</p><p><br/><br/><br/></p><p><strong>Wir meinen&#39;s ernst</strong></p><p>Also, ich hoffe, dass dieses Cryptpad trotz des nichtexistenten Layouts (sorry, ich kann sowas sehr, sehr schlecht) für Euch ein Ort sein kann, an dem Ihr Eure Gedanken über unser Event mit uns teilen könnt. Wir hätten wirklich gern Euer Feedback, denn wie gesagt, <em>trial and error</em>, was wir dieses Jahr mit dem Mutual Aid HEAT machen ist für eigentlich Alle von uns was ziemlich Neues, und wir wären für Eure Hilfe dankbar.</p><p>Natürlich fänden wir es auch super, wenn Ihr mitmachen würdet, aber das ist jetzt erstmal nicht das primäre Ziel dieses Texts, dem geht es um Euer Feedback.</p><p>Mit hoffnungsvollen Grüßen,</p><p><br/></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p><br/></p><p>Euer Tadzio (fürs HEAT Team)</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 18 Jun 2026 08:10:37 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Solidarisches Crowdfunding am Start: Mutual Aid HEAT für Alle]]></title>
      <description><![CDATA[Damit auch die, die es sich nicht leisten können, am Mutual Aid HEAT teilnehmen können, bitten wir Euch um solidarische Unterstützung. Unser Crowdfunding ist online!]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><a href="https://aflcio.org/2025/5/1/may-day-means-solidarity"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f2ddc00f-063b-45f7-add3-e1e9a617964e/uploads/images/3zikdjnsmp/solidarity_forever.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Stilisierte Zeichnung: a diverse group of people/workers under the slogan &quot;solidarity forever&quot;."/></a><figcaption>Ohne Solidarität keine Bewegung</figcaption></figure><p>11/06/2026</p><p><br/></p><p>Liebe Leute,</p><p>heute geht’s mal wieder um ein anderes Thema, als mein kommendes Buch. Heute geht es um das Großprojekt, das wir – eine Gruppe von Menschen, von denen einige das Kollapscamp mitorganisiert haben, andere aus völlig anderen Zusammenhängen – im September dieses Jahres organisieren, das Mutual Aid HEAT vom 20. - 27.9. in der Alten Hölle in Brandenburg.</p><p>Ich schreibe diesen Text aus zwei Gründen: erstens der Anlass, dass wir jetzt eine Seite zum solidarischen Crowdfunding/Spendensammeln online haben, wir Euch darauf hinweisen, und erklären wollen, was mit dem Geld passieren wird, und warum wir Euch überhaupt um Geld bitten.</p><p>Zweitens wollten wir diesen Anlass nutzen, um mit Euch ins Gespräch über unser Event zu kommen: wir möchten mit Euch über Eure potenzielle Teilnahme sprechen, was Euch an unseren Event interessiert, was Ihr daran blöd findet, und was Euch eventuell davon abhält, teilzunehmen. Wir wissen, dies ist ein „trial-and-error-Event“, wir wissen selbst gar nicht, was dabei rauskommen wird, und wollen es in Zukunft immer weiter verfeinern, denn wir sind uns sicher: Formate, in denen wir lernen, gemeinsam solidarisch in Katastrophen zu handeln, wird es in Zukunft mehr brauchen, nicht weniger.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Das HEAT</strong></p><p>Zuerst nochmal ein kurzer Abriss, was wir eigentlich planen, weil... zur Zeit so viel passiert, und nicht einmal wir in der Orga immer den perfekten Überblick haben 😁</p><p>Also, unser einwöchiges Event im Herbst will etwas versuchen, das wir länger nicht mehr gemacht haben – nämlich ein paar Tage miteinander verbringen, um eine Sache zu lernen, sich in einem Thema so auszubilden, dass wir, wenn etwas passiert, was diese Skills benötigt, ein bisschen handlungsfähig sind, um uns und Anderen helfen zu können. Wir werden in vier Trainingssträngen lernen, wie wir uns in Notfällen verhalten können: wie versorge ich Menschen mit Essen, wenn die Supermärkte leer bleiben? Wie kommuniziere ich, wenn Strom und Internet und Telefon ausgefallen sind? Wie schütze ich mich und meine Community, wenn wir angegriffen werden? Und zuletzt, wie kümmere ich mich medizinisch und psychologisch um die, die was abbekommen?</p><p>Nach diesen viertägigen Trainings wollen wir aber nicht einfach nach hause fahren, sondern das gemeinsam gelernte auch anwenden – stellt Euch das ein bisschen wie ein Aktionscamp vor, mit 4tägigen Aktionstrainings, und dann einer gemeinsamen Aktion, die ja auch immer zusammenschweisst, wie diejenigen wissen, die schonmal bei einer großen Aktion dabei waren, vielleicht Ende Gelände, vielleicht widersetzen. Als „Kollapsbewegung“ haben wir erstmal kein klassisches „Aktionsziel“, es geht uns ja um Vorbereitung auf Events, von denen wir sicher sind, dass sie eintreten werden, aber am Wochenende des Events werden wir in komplexen „Szenarien“ solche Events simulieren und zusammen durchspielen.</p><p>All dies findet im Rahmen eines „Camps“ statt: d.h., wir sind in einem Kollektiv in Brandenburg, der Alten Hölle, es wird gezeltet werden, Essen wird von ner tollen KüfA gekocht, <em>you know the drill</em>.</p><p>Eins noch, bevor ich jetzt zum Crowdfunding komme: zu Beginn dieser Woche fiel in Reutlingen für 40.000 Menschen der Strom aus, nicht so lang, wie Anfang des Jahres in Berlin, aber trotzdem – das muss nervig sein. Stellt Euch vor, ihr wärt in so einer Situation, hättet aber unser Kommunikationstraining besucht. Ihr wärt handlungsfähig gewesen, hättet Euch und anderen helfen können. Oder schaut – deutlich heikler – nach Nordirland, wo gerade rassistische Mobs durch die Straßen marodieren, wo nicht weiß-gelesene Menschen Angst haben müssen, auf die Straße zu gehen. Ich sage nicht, dass 4 Tage Training gegen eine Schaar hundert junger Nazischläger hilft, aber zu lernen, wie man sich in so einer Situation verhält, was die richtigen Fragen sind, wie ich lerne, umsichtig mich und meine Leute zu schützen... das würde mich schonmal besser fühlen machen. Es wird immer dunkler: Vorbereitung jeden Tag wichtiger. Deshalb das HEAT.</p><p><br/><br/><br/></p><p><strong>Crowdfunding</strong></p><p>Ihr merkt schon: das ist ein anspruchsvolles Event – eine ganze Woche im September, jenseits der Schulferien, da verlieren wir schonmal die meisten Menschen, die schulpflichtige Kinder haben. Überhaupt, sich eine Woche für ein Politevent freizunehmen ist für manche unmöglich, für viele schwierig, und für alle anspruchsvoll. Dazu kommt, dass wir Teilnehmer*innen bitten, die ganze Woche da zu sein, vom 20. bis zum 27.9., sich für nur <strong>einen</strong> Trainingsstrang anzumelden (wir wollen in die Tiefe gehen, nicht so sehr in die Breite), <em>und</em>, dass wir Teilnehmer*innenbeiträge erheben müssen.</p><p>Oder auch, weniger im Werbesprech, es wird Tickets geben, die auch was Kosten, und die Preise haben es auf den ersten und auch den dritten Blick in sich: wir bitten Teilnehmer*innen, <em>sofern sie können</em>, 3-400€ zu zahlen, denn nur mit dem Preis können wir die Kosten des Events decken. Was wir aber dazu sagen: wir tun Alles, was wir können, um dafür zu sorgen, dass auch die teilnehmen können, die teilnehmen wollen, für die der Preis aber zu viel ist.</p><p><em>And this is where you come in</em>: manche von Euch finden vielleicht unser HEAT interessant, haben aber keine Zeit, eine ganze Woche im September freizunehmen, vielleicht habt Ihr andere Probleme mit dem Event, findet es aber grundsätzlich unterstützenswert, vielleicht habt Ihr selbst keinen Bock, findet es aber gut, wenn andere daran teilnehmen. Wir wollen sicherstellen, dass niemand aus ökonomischen Gründen ausgeschlossen wird. Wenn Ihr könnt: bitte helft uns dabei, hier ist unsere Spendenseit:</p><a href="https://mutualaidheat.de/spenden">https://mutualaidheat.de/spenden</a><p>Das Geld, das Ihr über diese Seite spendet, wird dafür verwendet werden, solidarische Ticketpreise zu finanzieren, so, dass wir ab jetzt den Teilnehmer*innen versprechen können, dass wir nicht nur „alles tun werden“, sondern, dass die Ressourcen da sind, um ihre Teilnahme möglich zu machen<br/></p><p></p><p></p><p><strong>Geld für neue Bewegung</strong></p><p>Nach dieser Bitte drängen sich zwei Fragen geradezu auf:</p><p>Erstens, „warum braucht Ihr in dieser neuen Kollapsbewegung eigentlich ständig Geld von uns?“ Die Kollapsbewegung, <em>such as it is</em>, ist eine neue soziale Bewegung, sie hat nicht das organistorische Vorfeld und Hinterland, das eine etablierte soziale Bewegung wie die Antikohlebewegung hatte, die wiederum auf Strukturen aufbaute, die seit Mitte der 1970er von der Antiatombewegung und den Grünen gebaut wurden. Das bedeutete, dass jede große Aktion oder jedes Camp mit institutionellem Funding rechnen konnte, auch die Menschen, die dort Workshops gaben, waren oft „Hauptamtliche“, so wie ich zum Beispiel von der Rosa Luxemburg Stiftung bezahlt wurde, und in diesem Rahmen dann auch gratis Workshops bei Klimacamps etc durchführen konnte.</p><p>Die Kollapsbewegung hat es bisher nicht geschafft, wirklichen Zugriff auf diese Strukturen zu bekommen, tatsächlich ist unsere Erfahrung mit diesen Strukturen bisher ziemlich gemischt – d.h., wir können uns bei unseren Großprojekten nicht auf institutionelle Finanzierung verlassen, wollen aber auch mit Profis zusammenarbeiten, die uns auf höchstem Niveau unterrichten können. Wir wollen nicht in das alte linke und linksradikale Problem der permanenten Selbstausbeutung verfallen, und wollen daher den Menschen Geld zahlen, die uns helfen, dieses Event durchzuführen, und dies mit viel Einsatz und Skills machen. Wir glauben, dass es richtig ist, das zu tun, finden aber auch, dass es wichtig wäre, diese Fragen mal breiter zu besprechen, auch in der Antifa-, der Klima- und anderen Bewegungen: wie finanzieren wir uns, wenn die staatlichen, die öffentlichen, die politischen und die privaten Stiftungsgelder wegbleiben? Wir wollen von Anfang an... „nachhaltige“ (krass, wie das Wort gelitten hat) Finanzierungsstrukturen aufbauen, und <em>for the time being</em> heißt das, dass wir uns gegenseitig finanziell unterstützen müssen.</p><p>Daher unser Crowdfunding: <a href="https://mutualaidheat.de/spenden">https://mutualaidheat.de/spenden</a></p><p><br/><br/></p><p><strong>Weg vom Wochenendaktivismus</strong></p><p>Zweitens, warum kostet das so viel Geld, viel mehr als andere aktivistische Events? Weil das ganze ein fundamental anderes Projekt ist, als das, was wir mittlerweile gerne als Wochenendaktivismus bezeichnen, den zumindest manche aus unserem Orgateam seit geraumer Zeit organisieren: wir werden eine ganze Woche zusammen sein, sieben Tage, wir werden praktische Trainings durchführen, wo der „Trainer-Teilnehmerin“-Schlüssel wichtiger ist, als in Frontalworkhops oder klassischen Wissensvermittlungsformaten. Die Trainer*innen, die diese Trainings mit und für uns durchführen arbeiten teilweise schon seit Ende letzten Jahres am Design des Trainings, und werden beim Event viel Arbeit und Verantwortung haben. Wir glauben, dass solidarische Arbeit auch solidarisch bezahlt werden sollte. Außerdem ist der Preis eben der Dauer des Events geschuldet: sieben Tage KüfA kosten mehr als drei Tage KüfA.</p><p>Wir glauben, dass es wichtig ist, mehr Zeit miteinander zu verbringen, mehr zu lernen, als nur einer Fahne hinterherzurennen. Und wir wissen, dass es wichtig ist, miteinander stabile soziale Beziehungen zu entwickeln, denn wie es im Solipreppen immer heißt: Beziehungen vor Vorräten. Das braucht Zeit, das braucht Intensität, und das braucht einen guten Rahmen. All das wollen wir im September gemeinsam schaffen.<br/><br/></p><p><strong>Teilnehmer*innen und Rollenspieler*innen</strong></p><p>Zwei letzte kurze Punkte noch: wir bitten nicht nur um Euer Geld, wir laden Euch auch weiterhin ein, teilzunehmen, oder Euch als Rollenspieler*innen anzumelden. Wer teilnehmen will, sollte hier clicken und das Anmeldeformular ausfüllen, wir melden uns dann mit dem Termin eines Onboarding-Calls. Das selbe gilt für Rollenspieler*innen, die mit uns zusammen die Szenarien durchspielen werden, die wir gerade designen. Ein Hinweis: auch für Rollenspieler*innen gibt es eine kleine Aufwandsentschädigung.</p><a href="https://mutualaidheat.de/#anmeldung">https://mutualaidheat.de/#anmeldung</a><p>So, das ist jetzt wie üblich länger geworden, als erwartet, also werde ich das mit dem „wir wollen mit Euch über unser Event ins Gespräch kommen, auch und VOR ALLEM, wenn Ihr vor allem Kritiken habt auf nächste Woche, sonst überlastet das diesen Post. Ich hoffe auf jeden Fall, Euch nochmal Lust auf das HEAT gemacht zu haben.</p><p>Mit solidarischen Grüßen,</p><p>Tadzio fürs HEAT Team</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 11 Jun 2026 07:21:37 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Kollaps, Kapitalismus und kein Ende des Wachstums]]></title>
      <description><![CDATA[Wenn der Kapitalismus den Klimakollaps verursacht, dann musste die Klimabewegung versuchen, den Kapitalismus abzuschalten: aber kann das funktionieren? Wo wäre der Hebel?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><a href="https://www.radlabor.de/blog/no-time-for-training-wie-es-trotzdem-klappt"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3e2b6c16-8dfb-4533-87a1-7d3a9e6d4061/uploads/images/xnf6mdazfd/Radlabor-Blog-No-time-for-training_600x600_2x.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Neonschrift auf schwarzem Grund: There is no time for this"/></a><figcaption>Am Ende hängt alles von der Zeitfrage ab...</figcaption></figure><p>04/06/2026<br/><br/></p><p>Liebe Leute,</p><p>zuerst mal eine kleine Entschuldigung von mir, für den Text letzte Woche: wie Ihr vermutlich gemerkt habt, war der ein wenig überhastet und undurchdacht gepostet, er brach nämlich mitten im Argument ab, weil ich mich so unter Zeitdruck fühlte, dass ich nicht genügend Zeit damit verbrachte, ein richtiges Ende für diesen Ausschnitt aus dem 1. Kapitel des neuen Buches – <a href="https://www.lehmanns.de/shop/naturwissenschaften/91505733-9783991365280-gemeinsam-gegen-die-angst">das es sogar schon zu bestellen gibt</a> :) - zu schreiben.</p><p>Daher heute, <em>with humble apologies</em>, der Rest der Kapitels. Ich hab lange herumgesucht, um nen guten cut-off-point zu finden, weil das jetzt schon der längste Blogtext ist, den ich je gepostet habe, aber alle Schnitte wären irgendwie künstlich gewesen. In der 2. Hälfte des Kapitels geht es tief in die Theorie, wie funktioniert dieser Kapitalismus eigentlich, und warum wird er die Welt kaputt machen, völlig egal, was wir davon halten?</p><p>Bevor ich in den Text einsteige, zuerst noch ein paar kurze Präambeln.</p><p>Erstens wollte ich nach dem Aktionswochenende der Klimabewegung in Hamm, wo Ende Gelände am Freitag in Aktion war, und am Samstag eine NGO-Demo ein menschliches Windrad in der Landschaft formte, eine Frage stellen, die wir selten und ungern diskutieren: hat sich das wirklich gelohnt? Steht der Ressourcenaufwand einer gigantischen Mobilisierung in einem sinnvollen Verhältnis zum politischen Output? Ich habe keine Antwort auf die Frage, weil ich weder in Hamm, noch in der Mobi war, aber ich finde, es stünde uns gut zu Gesicht, diese Fragen zu diskutieren. Meine zweite Frage wäre: wo diskutieren wir solche Fragen?</p><p>Zweitens wollte ich auf ein Interview hinweisen, dass ich mit dem internationalistischen IZW3-Magazin geführt habe, und dass die Genoss*innen dort freundlicherweise online gestellt haben: es geht um Degrowth und Klimabewegung, um Kollaps, Kollapsbewegung und die deutsche Linke: <a href="https://www.iz3w.org/artikel/klimakollaps-tadzio-mueller-interview-friedliche-sabotage">https://www.iz3w.org/artikel/klimakollaps-tadzio-mueller-interview-friedliche-sabotage</a>.</p><p>Drittens hab ich eine Frage an erfahrenere Buchautor*innen: erlebt Ihr den Buchschreibprozess auch so manisch, <em>or is that just me</em>? Das erste Buch war ja eher ne Zusammenstellung schon geschriebener Texte, während dieses ein Fließtext ist, und der kreative Prozess ist viel intensiver. Vorgestern dachte ich, <em>it&#39;s in the bag</em>, alles super, Buch ist quasi schon geschrieben, auch, wenn bisher nur die Hälfte des Texts vorliegt, und diese ist noch total unredigiert. Gestern war ich dann ein nervöses Wrack, konnte vor Aufregung und Unsicherheit kaum einschlafen, weil ich mich fragte, wie zur Hölle ich das alles in unter vier Wochen noch eintüten soll.</p><p>Heute bin ich irgendwo mittendrin, daher die Frage: ist das bei Euch auch so, diese kreative Achterbahn?</p><p>Anyway, soviel zum Vorgeplänkel, jetzt auf ins Theoriekapitel: Wenn der Kapitalismus hinter all der Zerstörung steht, und wenn es mir um die Suche nach Hebeln geht, dann ging es jetzt ja um die Suche nach Hebeln im/gegen den Kapitalismus. Und in die steigen wir jetzt ein, mit nem langen Text, der Euch bis zum Ende des 1. Kapitels bringen wird.</p><p>Ich schreibe währenddessen an Kapitel 4, dem Kollapskapitel. <em>Wish me luck</em>.</p><p><br/></p><p>Mit etwas manischen Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p><p></p><p><br/></p><h2><strong>Kollaps, Kapitalismus und kein Ende des Wachstums<br/></strong></h2><p>…Von 2010 bis 2015 krepelte die junge, vor allem linksradikale Klimabewegung ziemlich unbemerkt in den Kohlerevieren herum, versuchte nach dem Gipfel immer neue Hebel zu betätigen... <em>and nobody gave a fuck</em>.<br/></p><h5><strong>...und im Kapitalismus?</strong></h5><p>Das war für mich zunächst einigermaßen überraschend, oder eher: frustrierend, weil ich Bewegung wie gesagt brauche, um mit großen, ansonsten nicht bearbeitbaren Ängsten umzugehen. In diesem Fall: der Angst vor dem Klimakollaps, vor dem <em>end of the world as we know it</em>, um nochmal die 90er zu zitieren.</p><p>Und wieso gleich Angst vorm Kollaps? <em>I mean</em>, in den Nullern wusste die deutsche Linke und ein Großteil der Klimaszene noch nichts von Kipppunkten, damals wurde sich „Klimawandel“ meist als mehr oder minder lineares Phänomen vorgestellt, es wurde sich auf Avocadoanbau in Franken und Karibikurlaub auf Borkum gefreut, „Katastrophen“ und ähnliches würde es im globalen Süden geben, aber hier, bei uns, hier oben, bei uns Reichen, da würde das ganze einfach nur die Durchschnittstemperatur um ein oder zwei Grad erhöhen. No <em>big deal</em>, das ist doch immer noch vor allem ne Luxusfrage: es geht um Eisbären, und um Menschen im globalen Süden, <em>in that order</em>, und wegen solcher Irrelevanzen machen wir uns hier in Deutschland keinen wirklichen Kopf, es sei denn, wir können dadurch mehr Autos verkaufen. Ich kann mich noch gut an ein Gespräch mit einem klugen Genossen erinnern, der mich ungefähr 2010 fragte, ob meine Warnung vor „großflächigen Ernteausfällen im Falle eskalierenden Klimawandels“ nicht „zu alarmistisch“ sei. Im Nachhinein schon ne lustige Frage, und ganz im allgemeinen waren die Reaktionen des Großteils der deutschen Linken auf unsere neue Klimabewegung eher abwartend: der Vorwurf des „Katastrophismus“ stand im Raum, neben den alten linken Antiökozoten wie „Klimaschutz ist anti-Arbeiter“, „Klimaschutz ist ein bürgerliches Luxusthema“, und der allseits beliebte Klassiker: „weil es der Kapitalismus ist, der das Klima kaputtmacht, müssen wir halt den Kapitalismus kaputt machen, dann klappt&#39;s auch mit dem Klima.“</p><p>Das waren natürlich keine wirklichen inhaltlichen Aussagen, es ging in jedem Fall um die intellektuelle Abwehr der Notwendigkeit einer ernsthaften gesellschaftlichen und / oder linken Auseinandersetzung mit dem, was die „Klimafrage“ für die reichen spätimperialen Beutegemeinschaften des globalen Nordens bedeuten würde – zum Beispiel, was das mit der „gemeinsamen aber unterschiedlichen Verantwortung“ (CBDR: <em>common but differentiated responsibility</em>) für die Lösung der Klimafrage eigentlich auf sich haben könnte, die schon 1992 auf dem berühmten „Erdgipfel“ in Rio ins Völkerrecht eingeschrieben wurde. Trotzdem lohnt es sich, den Gedankengang „weil es der Kapitalismus ist, der das Klima kaputtmacht, müssen wir halt den Kapitalismus kaputt machen, dann klappt&#39;s auch mit dem Klima“ ein bisschen aufzudröseln, um zu erklären, wie gleichzeitig richtig, und völlig nutzlos dieser Gedanke ist, und besonders, was er nicht mitdenkt. Und um das zu tun, muss ich nochmal zurück zu meiner Dissertation, in der es, wie gesagt, um antikapitalistischen Aktivismus ging, und die Frage, wie dieser effektiv sein kann: „<em>how do we fight </em>and win<em> against capital(ism)?</em>“ Und um diese Frage zu beantworten, musste ich zurück auf Anfang, und erstmal so richtig verstehen, wie eigentlich „Kapitalismus“ funktioniert, besonders sein oft beschworener innerer „Wachstumszwang“.</p><p>Hmmm, wie fang ich an...? Vielleicht hier: der Kapitalismus ist ein wirklich beeindruckendes System. Im Gegensatz zu allen, wirklich allen anderen von Menschen erzeugten Gesellschaftsstrukturen ist er in der Lage, aber auch darauf angewiesen, permanentes, oft gesellschaftlich disruptives „Wachstum“ zu produzieren. Während alle anderen bekannten Produktions- und Lebensweisen (ich könnte auch „Ökonomien“ sagen, aber schon die Abtrennung „ökonomischer“ von anderen Aktivitäten ist ein Artefakt kapitalistischer Entwicklung, existierte so in nichtkapitalistischen Gesellschaftsformen nicht) im Grunde eher zyklisch funktionieren, oder zumindest nicht die permanente Revolutionierung grundlegender Produktionstechnologien und so enorm steigende Produktivität als dauerhaftes Merkmal beinhalten, sind Gesellschaften, in denen die kapitalistische Produktionsweise herrscht, sowohl in der Lage, als auch bei Strafe des Untergangs dazu gezwungen, permanent zu wachsen. Und hier müsst Ihr Euch „Wachstum“ nicht als irgendeine BIP-Kennzahl vorstellen (<em>as in</em>: „Die deutsche Wirtschaft ist im vergangenen Quartal um 0,2% gewachsen, was bedeutet, dass Gott von uns enttäuscht ist, weshalb wir ihm jetzt erstmal ein paar Jungfrauen und einen erheblichen Teil unserer Sozialsysteme opfern müssen!“), sondern als etwas ganz konkretes, ein bisschen wie in dem mittlerweile vermutlich in Vergessenheit geratenen 80er Jahre Song „wir steigern das Bruttosozialprodukt“: jeden Tag steht eine Kapitalistin – eine Person, die Produktionsmittel und Lohnkapital besitzt, und diese zur Produktion von Waren nutzen will, um damit Geld zu verdienen – auf, um abends mehr Kapital zu besitzen, als am Morgen. Und jeden Abend überlegt sie sich, wie sie das Mehrkapital (den „Mehrwert“) so investiert, dass sie am nächsten Tag noch ein bisschen mehr Mehrwert erwirtschaften kann. Wenn sie das nicht tut, dann wird sie am Tag drauf von ihren Konkurrent*innen insofern überrundet werden, als dass diese keine Schluris waren, ihre Produktion effizienter und damit ihre Produkte billiger gemacht haben, und „unsere“ Kapitalistin deswegen weniger verkaufen kann, deswegen abends weniger, nicht mehr Kapital hat, und sie deshalb, wenn das ein paar Tage oder Jahre so läuft, <em>out of business </em>gehen wird.</p><p>Der „Wachstumszwang“, der dem Kapitalismus innewohnt wie ein übelgelaunter Flaschengeist, entsteht also nicht aus makropolitischen Entscheidungen, oder durch kapitalistische Regentänze um das Wachstumstotem herum, sondern aus unendlich vielen mikroökonomischen Entscheidungen einzelner wirtschaftlicher Akteure, hat meist nur wenig mit irgendwelchen Regierungsentscheidungen zu tun. „Wirtschaftswachstum“ verläuft stattdessen meistens nach Auf- und Abschwungszyklen, die über die Jahrzehnte hinweg überraschend stabil sind (vgl. Kondratieff und Schumpeter). In dem Sinne hat „der kapitalistische Wachstumszwang“ kein „Zentrum“, es gibt keinen Ort, wo wir ihn einfach abschalten könnten: solang ein Großteil gesellschaftlicher Produktion für den Markt stattfindet, und solang die meisten Menschen nicht ohne Rekurs auf diesen Markt überleben können, weil ihnen über die Jahre und Jahrhunderte ihre eigenen Reproduktionsmöglichkeiten gestohlen wurden, besteht dieser Wachstumszwang, werden unsere Leben von einer Logik bestimmt, auf die wir kaum Einfluss haben, die sich selbst und ihre Effekte gleichsam hinter unserem Rücken herstellt.</p><p>Entschuldigt diesen kurzen, möglicherweise zu schnellen Ritt durch ein bisschen Kapitalismustheorie, es ging mir darum, einen wichtigen Punkt zu etablieren, auf den ich im Rahmen meiner Dissertationsforschung stieß: nicht nur ist der Kapitalismus ein einzigartig produktives und dynamisches Wirtschaftssystem, er ist auch ein System, das kein Zentrum, keinen Winterpalast, keinen Ort hat, den zu kontrollieren bedeuten würde, dass es auch möglich wäre, von dort den Kapitalismus abzuschalten, ihn zu revolutionieren oder umzustürzen.</p><p>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________</p><p>Völlig unabhängig davon, ob wir tatsächlich breite Bevölkerungsmehrheiten hinter ein antikapitalistisches Transformationsprojekt versammeln könnten – können wir nicht, dazu weiter unten (Kapitel 3) – wüssten wir gar nicht, was diese Mehrheiten dann machen sollten, denn, dies ein weiterer wichtiger Punkt, den mir meine Diss zu verstehen half, und der natürlich auch von Marx abgekupfert ist: im Gegensatz zu allen anderen gesellschaftlichen Systemen ist der Kapitalismus im Grunde unabhängig davon, was Menschen von ihm halten. Wir reproduzieren den Kapitalismus und die Wert- und Warenform (das „ortlose Zentrum“ des Kapitalismus“) jedes Mal, wenn wir in kapitalistischen Märkten Produkte kaufen und verkaufen, je häufiger wir das tun, desto weiter treiben wir die Unterwerfung des Lebens unter die Logik des Kapitals voran, und da unser Bedürfnis, unsere Reproduktion durch kapitalistische Märkte sicherzustellen, wirklich vollkommen unabhängig ist, was wir davon halten, ist auch der Kapitalismus von unserer Zustimmung weitgehend unabhängig. Ein System, das auch dann stärker werden kann, wenn es weniger „Massenloyalität“ generiert, weil es durch stummen ökonomischen Zwang funktionieren kann; das kein angreif- oder okkupierbares Zentrum hat; und das sich durch seine stetige innere Dynamik die Welt ständig weiter unterwirft, und so immer mehr Alternativlosigkeit schafft... Ein System, das zu bekämpfen wir keine Hebelpunkte haben, das unsere eigenen Bedürfnisse zu seiner Stabilisierung artikulieren kann, und das so unangreifbar ist wie ein <em>ghost in the machine.</em></p><p>Das bedeutete natürlich nicht, dass es keinerlei Widerstandsmöglichkeiten, keine Handlungsfähigkeit gegenüber „dem Kapitalismus“ gab: wenn unsere Abhängigkeit vom Kapitalismus – aus der dann auch die Notwendigkeit resultiert, jedes Mal den Kapitalismus zu reproduzieren, wenn wir unsere Grundbedürfnisse befriedigen – das Resultat des Verschwindens nichtkapitalistischer Lebensweisen und „Welten“ ist, dann muss die Gegenstrategie natürlich lauten, genau solche „Welten“ (soziale Räume, in denen zum Kapitalismus alternative „Wertlogiken“ gelten<a href="#sdendnote1sym">i</a>) zu erschaffen, zu verteidigen, und auszubauen.<a href="#sdendnote2sym">ii</a> Diese Strategie aber krankte an zwei Problemen, das zweite davon wird uns dann wieder zur Klima-Kollaps-Frage zurückführen.</p><p>Erstens: klar können „wir“ Antikapitalist*innen lauter „<em>intentional communities</em>“ aufbauen, Aussteiger*innenkollektive, in denen nichtkapitalistisches Leben gelebt wird, aber deren Schicksal wird auch nicht besser sein, als das aller antikapitalistischen Kommunen seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, seit Saint Simon oder Robert Owen und den anderen „utopischen Sozialist*innen“: sie würden stagnieren, und/oder irgendwann vom Kapitalismus geschluckt werden. Warum? Weil der Kapitalismus eben diese eingebaute, krebsartige oder parasitäre Wachstumsdynamik hat, während nichtkapitalistische Gesellschaftsformen keine derart starke interne Expansionsdynamik aufzeigen, und deswegen in der „Systemkonkurrenz“ grundsätzlich unterlegen sind. Das ist kein bloßer theoretischer Punkt, eine quantitative historische Studie des „Aussteigens“ als antikapitalistischer Strategie würde genau diese Annahme bestätigen.</p><p>Das zweite Problem einer „lasst uns alternative Formen nichtkapitalistischen Zusammenlebens auf- und ausbauen“ liegt in der Zeitfrage, oder genauer, auf der Zeitachse. Ich habe oben danach gefragt, ob und wie und wo wir den Kapitalismus „abschalten, revolutionieren oder umstürzen“ können, und die Antwort ist erstmal: Nein. Im besten Fall können wir zu ihm alternative Gesellschaftsprojekte an den Start bringen, diese langsam aber sicher ausbauen (neue Gesellschaft bauen dauert), und dann hoffen, dass eine Kombination aus äußerem Schock, z.B. einer Pandemie oder, ich weiß auch nicht, einer Blockade zentraler fossilistischer Nachschublinien wie zum Beispiel der Straße von Hormuz, internen Widersprüchen und globaler Revolte dazu führen würde, dass der Kapitalismus gleichsam kollabiert, und Menschen sich den Alternativen zuwenden, die wir über lange Jahre und durch die mühsamen Mühen der Ebene hindurch aufgebaut haben. Das bedeutet aber, dass die Zeitlichkeit des Antikapitalismus keine bruchhaft-revolutionäre ist, sondern, dass Antikapitalismus riiiichtig lang dauert. Nix kurzfristige „Revolution“ - ein Begriff, der im politischen Sinne in hochentwickelten kapitalistischen Gesellschaften tatsächlich vollkommen bedeutungslos geworden ist, denn wie würde denn eine Revolution gegen den Kapitalismus ganz konkret aussehen, wenn es keinen Winterpalast mehr gibt, den Lenin und die Bolschewiki stürmen konnten? - im besten Falle dann eben langwierige „Transformation“, und ein irgendwo in einer sehr, sehr fernen ewigen Zukunft kommender „Postkapitalismus“.<a href="#sdendnote3sym">iii</a></p><p><br/></p><h5><strong>Kapitalismus, Klima und die Frage der Zeit</strong></h5><p>Und das mit der Zeitfrage beim Antikapitalismus, dass wir keine kurzfristige Möglichkeit haben, den Kapitalismus abzuschalten, wurde dann ein besonderes Problem, als ich begann, mich mit der Klimafrage zu befassen. Denn ein kurzer Blick auf die Ende der Nuller in der Klimakommunikation äußerst populäre „Hockeystickgrafik“ zeigte: globale Treibhausgasemissionen folgen ziemlich genau der Expansion oder Schrumpfung der Weltwirtschaft. Wächst die globale Wirtschaft, steigen die Emissionen, wächst sie nicht, oder schrumpft sogar, wie z.B. während der Ölkrise der frühen 1970er, des Zusammenbruchs der Ostblockwirtschaften Anfang der 1990er, bleibt das Emissionsniveau gleich, oder es sinkt. Dieser Zusammenhang änderte sich auch nicht durch globale klimapolitische Verträge wie das Kyoto Protokoll, oder durch eher auf der materiellen, der Produktionsebene stattfindende Prozesse wie den Ausbau erneuerbarer Energien: Wirtschaftswachstum = mehr Emissionen, Wirtschaftsschrumpfung = weniger Emissionen. Und da wie gerade erklärt Wirtschaftswachstum gar nicht so sehr aus unseren gemeinsamen politischen oder gesellschaftlichen Entscheidungen resultiert, da wir keinen wirklichen Zugriff auf die Wachstumsdynamik haben, bedeutete das auch, dass wir keinen wirklichen Zugriff auf die Klimaproblematik hatten.</p><p>All das hätte mich nicht unbedingt stressen müssen, wenn ich, wie viele zu dem Zeitpunkt, den „Klimawandel“ (im Nachhinein auch ein irgendwie putziges Wort) als ein im Grunde linear verlaufendes Problem verstanden hätte, das irgendwann, vielleicht in 100 Jahren oder so, zu ner sanften und in Deutschland vielleicht sogar angenehmen Erhöhung der Durchschnittstemperatur um nette ein bis zwei Grad Celsius führen würde. Aber aufgrund meiner Verbindungen zur radikalen Ökobewegung im UK, ganz konkret der politischen Freundschaft mit einem Genossen, nunmehr ein einflussreicher und oft im Guardian veröffentlichter <em>Earth scientist</em>, verstand ich von Anfang an, dass es bei der Klimasache nicht um einen etwas kleineren oder größeren Anstieg globaler Temperaturen ging, sondern um drohende fundamentale Veränderungen der Bedingungen menschlichen Lebens auf der Erde.<a href="#sdendnote4sym">iv</a></p><p>Die Kurzfassung: wenn der Kapitalismus ungebremst weiter die Atmosphäre mit Treibhausgasen vermüllt, dann ist das notwendige Resultat kein linearer Temperaturanstieg, stattdessen würde das globale Klimasystem – ein komplexes System mit zwei grundsätzlich möglichen Zuständen: stabil und instabil – seine unüblich lange stabile Phase der letzten 12.000 Jahre verlassen, jenes mittlerweile berühmte „Holozän“, in dem die globale Durchschnittstemperatur nicht mehr als zwei Grad Celsius vom Mittelwert abwich. Je mehr Treibhausgase, desto mehr näherten wir uns dem Kipppunkt dieses stabilen Systems an, dem Punkt, an dem ein relativ stabiles Weltklima durch ein instabiles ersetzt würde. Würde dieser Kipppunkt überschritten – und die reale Bedeutung des „Zwei Grad Limits“, das schon Ende der Nuller in der Wissenschaft diskutiert, und das im „Paris Agreement“ ins Völkerrecht eingeschrieben wurde, war dieser: jenseits von zwei Grad Erwärmung steigt die Wahrscheinlichkeit des Umkippens in ein instabiles globales Klima auf über 50% - wäre es ziemlich wahrscheinlich, dass die Bedingungen für stabile menschliche Zivilisation auf der Erde schon bald nicht mehr gegeben wären. Außerdem wäre dieser Prozess des „Kollaps“ ein unglaublich ungerechter, da ich 2008 von unseren Freund*innen aus der „Klimagerechtigkeitsbewegung“, die sich auf der globalen Klimagipfelebene links neben der „Klimabewegung“ herausgebildet/abgespalten hatte, über die Prinzipien der Umwelt- und Klimaungerechtigkeit lernte: in jeder Umwelt- oder Klimakatastrophe leiden üblicherweise die am meisten, die am wenigsten dazu beigetragen haben, und umgekehrt die am wenigsten, die am meisten dazu beigetragen haben, und deswegen nun über die Ressourcen verfügen, sich vor den Effekten ihrer eigenen fossilkapitalistischen Zerstörungspraxen zu schützen. Wenn der globale Meeresspiegel ansteigt, würden die ehedem imperialen Niederlande schwimmende Städte bauen, aber das ehemals kolonisierte Bangladesch würde absaufen.</p><p>Ich verstand also schon damals, dass die Perspektive einer ungebremsten Klimakatastrophe nicht „ein paar tote Eisbären, aber frische Avocados aus Franken“ war, sondern „das Ende menschlicher Zivilisation“ - also das, was wir heute „Kollaps“ nennen, und was als Thema schon 2008 ein wenig in der Diskussion war, als Jared Diamond einen der Klassiker der Kollapsologie veröffentlichte: <em>Kollaps – warum Gesellschaften überleben oder untergehen</em>. Der notwendige Endpunkt der Klimakatastrophe ist der Kollaps menschlicher Zivilisation. Die Klimakatastrophe wird von einem globalen fossilen Massenproduktionskapitalismus angetrieben, den aufzuhalten wir weder das kurzfristige materielle Interesse, noch die Handlungsfähigkeit und die Hebel haben, zumindest nicht in der Zeit, die uns zur „Lösung“ der Klimafrage noch zur Verfügung steht, oder damals stand. Das bedeutete in der schonungslosen strategischen Zusammenfassung: <em>we were completely fucked</em>.</p><p><br/></p><h5><strong>Illusorische Handlungsfähigkeit in der Klimakatastrophe</strong></h5><p>Enter <em>Verdrängung</em>, denn als mit gut 30 Jahren immer noch halbwegs junger antikapitalistischer Aktivist konnte ich diese Schlussfolgerung nicht akzeptieren: klar, der Kapitalismus würde das Problem nicht lösen können, und ich sah zu dem Zeitpunkt keine Möglichkeit, den Kapitalismus abzulösen. Aber hatte ich nicht vor Jahren erlebt, wie soziale Bewegungen Unmögliches möglich machen konnten? War nicht soziale Bewegung mein Mittel, mit meinen politischen Großängsten umzugehen, waren soziale Bewegungen nicht die Quelle aller wahrer, schöner, guter Dinge in der Welt?</p><p>Meine Antwort auf die Frage nach der unmöglichen Lösung der Klimafrage lag also notwendigerweise im Aufbau einer sozialen Bewegung zum Thema Klima/Klimagerechtigkeit, denn: wenn die Lösung unter gegebenen Bedingungen unmöglich ist, soziale Bewegungen aber die Grenzen des Möglichen verschieben können, dann ist soziale Bewegung der einzige Weg zur Lösung des Problems. Dass das pures magisches Denken war, nicht unähnlich dem magischen Denken der Emissionshandelsfans oder Technologiefetischist*innen - „Klimakatastrophe? Klar, krasses Problem, aber lasst erstmal &#39;nen Markt drum herum gründen, der wird das dann magisch klären, oder lass die Leute massenhaft E-Autos kaufen, dann wird das alles irgendwie gut.“ - konnte ich damals noch nicht erkennen, ich hatte noch nicht verstanden, wie viele unserer politischen Geschichten eigentlich Mythen waren, die wir uns gegenseitig erzählten, um unsere Angst, unsere Schuld und unsere Scham im Angesicht der schon damals fast sicheren kollektiv-kapitalistischen Selbstzerstörung der Menschheit nicht fühlen zu müssen. Stattdessen war ich felsenfest davon überzeugt, dass wir es schaffen könnten, eine globale antifossilistische und antikapitalistische Bewegung aufzubauen, die so viel Schlagkraft entwickeln würde, dass sie <em>irgendwie</em> – ich hatte ja schon festgestellt, dass wir den kapitalistischen Expansionsdrang nicht abschalten könnten, aber diese Einsicht, zu der ich noch kurz davor mehrere Jahre recherchiert hatte, verdrängte ich kurzerhand so vollständig, wie ich als Teenager meine Homosexualität verdrängte – das Unmögliche durchsetzen würde.</p><p>Schritt eins in diese Richtung war für mich das oben schon erwähnte erste Klimacamp in Deutschland, Schritt zwei die Mobilisierung zum/gegen den COP15 Klimagipfel in Hamburg: im Kampf gegen den Neoliberalismus waren die Gipfel globaler Institutionen relevante Hebel, Interventionspunkte gewesen, warum also nicht im Kampf gegen die Klimakatastrophe? Naja, weil das vollkommen unterschiedliche Prozesse waren: der Neoliberalismus als globales De- und Reregulierungsprogramm war durchaus auch von diesen Gipfeln abhängig, wenn die Unterzeichnung eines Freihandels- oder Investitionsschutzabkommens verhindert werden konnte, würde dies seine gesellschaftszersetzenden Effekte nicht entfalten; aber eine Mobilisierung zu einem „Klimagipfel“? Würden wir ihn effektiv „blockieren“, liefe der Prozess der Klimazerstörung ungestört weiter; würde dort ein „Deal“ verhandelt werden, wie später dann in Paris, zeigte sich, dass der Prozess der Klimazerstörung trotzdem ungestört weiterliefe.</p><p>Wie schon geschrieben, der Gipfel floppte, dito die Mobilisierung, also machten wir uns auf die Suche nach dem nächsten möglichen Hebel, die Klimabewegungen des globalen Nordens entschieden sich, „in die Reviere“ zu gehen, und wir wissen, was darauf folgte: Klimacamps, Ende Gelände, der Kampf um den Hambacher Wald und Lützerath, um einen Kohleausstieg. Und was bekamen wir für über ein Jahrzehnt aufopferungsvoller Kämpfe? Einen Braunkohleausstieg irgendwann Ende der 2030er, während die Welt schon Ende der 2010er begann, abzusaufen, oder in Flammen aufzugehen. Wir hatten zwar den „Ausstieg“ gewonnen, aber im Klimakampf verloren. Auch „die Reviere“, das zeigte der „Kohlekompromiss“ der Bundesregierung, waren keine effektiven Hebel, um die Klimaagenda effektiv voranzutreiben.</p><p>Aber die Klimabewegung ließ sich trotzdem nicht entmutigen, die Suche nach effektiven Hebeln zur Handlungsfähigkeit in der Klimakatastrophe ging weiter: nach den Antikohlekämpfen in den Revieren tauchte Fridays for Future auf der weltgeschichtlichen Bühne auf, machte sich zum vorletzten Versuch der Klimabewegung auf, das Unmögliche möglich zu machen: freundliche Massendemonstrationen wurden überall in der Welt organisiert, die stärkste Einzelorganisation war Fridays Deutschland, die hier am 20.9.2019 die größten Demos der Bundesgeschichte organisierten, und zeigten: „hey, richtig viele in der Gesellschaft wollen Klimaschutz!“</p><p>Allein: auch das war kein Hebel, denn wie gezeigt ist der Kapitalismus der Grund des Klimaproblems, und gleichzeitig ziemlich unabhängig davon, was wir von ihm halten, seine Macht ergibt sich daraus, dass wir keine realistischen großflächigen Alternativen haben. Also entschied sich Deutschland wieder gegen echten Klimaschutz, bis sich die Letzte Generation zum letzten Versuch aufbrach, den letzten Hebel betätigte, der noch denkbar war – maximalen Druck auf die fossilen Gesellschaften der Welt auszuüben, bis diese sich unter dem ständig wachsenden Druck von Straßenblockaden endlich daran erinnerten, dass sie doch mal versprochen hatten, das Klima zu schützen. Und wie das verlief, das erleben wir heute noch in seinen Ausläufern. Die Gesellschaft verrohte im Gleichschritt mit der taktischen Eskalation durch die LG, und um 2023 herum war klar: der Versuch der Klimabewegung, gegen die Klimakatastrophe handlungsfähig zu werden, effektive Hebel gegen den fossilkapitalistischen Zerstörungswahnsinn zu finden, war gescheitert. Wir waren zu wenige und wurden immer weniger, wir hatten keine effektive Strategie, und die Gesellschaft hatte sich ein für allemal von uns abgewandt. Wir konnten den Kapitalismus nicht kaputtmachen, der Kapitalismus machte das Klima kaputt, und kaputtes Klima bedeutete den sicheren Kollaps menschlicher Zivilisation.</p><p><em>Game Over.</em></p><p><br/></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p></p><h5><strong>Und zuletzt: handlungsfähig im Kollaps?</strong></h5><p>Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht, warum ich Euch auf diesen dann doch recht langen Ritt durch die neuere Bewegungsvergangenheit genommen, warum ich als berüchtigter „Defätist“ die Bewegungen so hart abfeiere, denen ich dann am Ende aber wieder unterstelle, gescheitert zu sein? Weil ich zeigen will, dass die Suchbewegung, die in sozialer Bewegung stattfindet, die Suche nach Handlungsfähigkeit auch im Angesicht der größten Herausforderungen, vor denen die Menschheit stehen kann, immer noch genau das ist, was hilft, mit der Angst umzugehen. Mit Ausnahme der Klimaauseinandersetzung war keine der oben beschriebenen Auseinandersetzungen schon im Vorfeld „verloren“, gab es immer Pfade zur Handlungsfähigkeit, die in manchen Fällen auch gegangen wurden. Ich will nicht, dass wir „aufgeben“, es geht um das genaue Gegenteil: Es geht mir um die Verlängerung dessen, was ich oben beschrieben habe, in eine Zukunft des Kollaps.</p><p>Also noch ein letztes Mal zurück zur Chronologie. Was für mich aus der schwierigen Einsicht in die Unvermeidbarkeit des Klimakollaps folgte, habe ich ausführlicher im ersten Buch beschrieben: zuerst die Realisierung, dass „Klimakollaps“ auch gesellschaftlicher Kollaps und universelle Faschisierung bedeuten würde, dann tiefe Depression und der Versuch der langsamen Selbstzerstörung in der schwulen Berliner Partyszene, und zuletzt das Wiederauftauchen aus der Depression, als ich in Lützerath „die Bewegung“ wiederfand, und bei meinem Freund Pär Plüschke und seiner Gruppe „Preppa Tillsammans“ (zusammen Preppen) die Strategie des solidarischen Preppens, die eine mögliche, eine noch anzustoßende Kollapsbewegung verfolgen sollte.</p><p>Aber wie so eine Kollapsbewegung genauer funktionieren, in welchem strategischen Raum sie sich bewegen würde, an welchen Hebelpunkten sie ansetzen könnte, das wurde dann nicht mehr so richtig klar. Jetzt muss die Erzählung also weitergehen: wie sieht der gesellschaftliche Raum des Kollaps aus? Was sind die “Stakes”, worum geht es, wer ist noch im Raum, und wie verhalten die sich? Wie finden wir auch im Kollaps wieder zu gemeinsamer, menschlicher (womit ich das Projekt, um das hier geht, irgendwo links und irgendwo im Humanismus verorten würde – im neuen Terrain werden auch Richtungen und Projekte erst einmal unklar, und müssen neu bestimmt werden) Handlungsfähigkeit zurück, und überlassen unseren ewigen Gegner*innen, den Faschist*innen, nicht das gesamte Terrain?</p><p>Dieses Buch handelt also von der Zukunft, was sich auch in der Natur der intellektuellen und politischen Claims, die ich darin machen werde, niederschlagen wird: wenn wir von der Zukunft reden, besonders von einer Zukunft, die einen fundamentalen Bruch mit dem darstellt, was die Zukunft in unserer unmittelbaren Vergangenheit gewesen ist, ist notwendigerweise nicht alles, oder immer weniger, “beweisbar”. Dies ist ein Buch voller politischer und gesellschaftlicher Hypothesen, von Aussagen a la “X ist das wahrscheinlichste Szenario, und sollte X, dann wäre Strategie Y optimal”.</p><p>Das erste Buch handelte vom Scheitern einer alten Bewegung in einer kollabierenden Welt, und der Suche nach neuen Pfaden, auf denen unser Scheitern nicht im Voraus programmiert war. Dieses Buch handelt von der Entstehung einer neuen Bewegung in einer kollabierenden Welt, und den Pfaden, auf denen diese zu solidarischer Selbstwirksamkeit zurückkehrt. Es ist ein Buch nicht über Hoffnung, sondern über Angst und Handlungsfähigkeit, Solidarität und darüber, in einer immer dunkler werdenden Welt in Gemeinschaft (Bewegung) Bedeutung zu finden. Wenn das erste Buch ein Reisebericht war, ein polit-emotionales Tagebuch, ist dieses ein programmatischer Aufschlag: im besten Fall wird es eine Art “was tun im Kollaps?”.</p><p>_______________________________________</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 04 Jun 2026 06:32:31 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Ursprünge der Klimabewegung]]></title>
      <description><![CDATA[Nach der globalisierungskritischen- & der Antikriegsbewegung beginnt der nächste Zyklus sozialer Kämpfe: die Klima(gerechtigkeits)bewegung. Eine Geschichte über Ursprünge]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/01048187-6955-4ae3-a200-ceae17aa60a5/uploads/images/lzf2cwqxir/IMG_0327.JPG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Cops umzingeln eine am Boden sitzende, untergehakte Gruppe von Aktivisten. In der Mitte davon sitze ich und muss aus irgendwelchen Gründen lachen. Neben mir mein alter Freund Alexis Passadakis."/><figcaption>Seltener Lacher während der versuchten Blockade des Kohlekraftwerks Moorburg, im Rahmen des 1. Klima- und Antira-Camps.</figcaption></figure><p></p><p>28/05/2026</p><p></p><p></p><p>Liebe Leute,</p><p>bis ich den <em>first draft</em> meines neuen Buches fertigeschrieben habe, bleibt es erstmal dabei, dass ich hier “sneak previews” des Manuskripts poste - die sollten für Euch im Idealfall interessant sein, und für mich ist es nützlich, Euer Feedback zu bekommen, also win-win :)</p><p>Die letzten beiden Posts stammten aus dem ersten substantiellen Kapitel, “(30 Jahre) Aktivismus gegen die Angst”, das Kapitel handelt von Bewegung als Königsweg zur Handlungsfähigkeit im Angesicht riesiger, welthistorischer Herausforderungen. Zuerst war da die <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/ee411305-2a0a-439f-9b63-9fc0c26fb784">neoliberale Globalisierung</a>, dann der <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/f755626a-eb86-4040-931d-ab37878741a5">Krieg</a>. Der erste Text handelte von einer fast ekstatischen Handlungsfähigkeit in Bewegung, der zweite davon, was passiert, wenn solche Bewegungen keine effektiven “Hebel” haben, um die Macht ihrer Masse umzusetzen.</p><p>Dieser Text schließt im Grunde genau an den letzten an, started ungefähr Mitte der Nuller, und fragt: damn, was bedeutet diese Klimafrage eigentlich, und wie machen wir dazu/dagegen/darum “Bewegung”?</p><p>Wie auch die letzten beiden Texte sind diese hier noch Entwürfe - eventuelle Rechtschreib- oder Grammatikfehler werden noch herauslektoriert, ich freu mich über Feedback, aber bitte gerne entlang großer Linien (das funktioniert, jenes nicht), anstatt “auf S. X in Zeile Y ist Fehler Z” :)</p><p>Soviel dazu, jetzt erstmal weiter in der Bewegungsgeschichte, und der Suche nach Handlungsfähigkeit. Nächste Woche geht’s dann um Kapitalismustheorie, und die Frage, warum einfach “Kapitalismus abschaffen!” zu rufen es auch nicht so richtig bringt.</p><p></p><p>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________</p><p></p><p></p><p></p><p><strong>Handlungsfähig in der Klimakatastrophe?</strong></p><p>…Aber nach der Frustration der Antikriegsbewegung ging es nicht direkt weiter in den Aktivismus, sondern zurück an die Uni, wo ich das enorme Glück und Privileg hatte, meine Dissertation über antikapitalistischen Aktivismus in der globalisierungskritischen Bewegung zu schreiben, also im Grunde eine kritische Rückschau, einen strategischen <em>Debrief </em>zur Bewegung machen zu dürfen, die mein Leben so tiefgreifend und die Welt immerhin ein bisschen verändert hatte. Die Forschungsfrage lautete im Grunde: mit welchen Mitteln bekämpfe wir „Antikapitalist*innen“ in der globalisierungskritischen und anderen Bewegungen eigentlich unseren großen Feind, den Endgegner, den finalen Boss, den wir für so viel des Übels in der Welt verantwortlich machen, und wie effektiv sind diese Mittel?</p><p>Als ich meine Dissertation im Herbst 2006 endlich fertiggeschrieben hatte, war nicht nur ich fertig mit der Uni, die Welt war auch fertig mit der globalisierungskritischen Bewegung: eine unserer letzten größeren Aktionen im globalen Norden war der Versuch, den G8 Gipfel im schottischen Gleneagles zu stören, aber während ein paar hundert oder wenige Tausende Linksradikale von gut organisierten Cops durch die schottischen Highlands gejagt wurde, gingen die allermeisten Menschen, die zum Protestieren nach Schottland gekommen waren, nicht gegen die G8 auf die Straße, sondern unter dem Banner „Make Poverty History“ <em>für </em>eine Ausweitung der Kompetenzen genau jener multilateraler politökonomischer Institutionen, die zu delegitimieren eine der zentralen Strategien unserer Bewegung gewesen war. Der radikale Flügel isoliert, der moderate Flügel kooptiert (in das Herrschaftsprojekt integriert), die britische Regierung von Antagonistin der Bewegung zu ihrer Dompteurin geworden: <em>the movement was dead</em>.</p><p></p><p></p><p></p><p><strong><em>…long live the movement!</em></strong></p><p>Und was machen Menschen, bei denen „Bewegung“ und „Kampf“ zentrale Teile ihrer Identität sind, was machen „Aktivist*innen“, wenn eine, wenn ihre Bewegung endet? Natürlich gehen manche von uns dann für immer nach hause, fangen irgendeinen gut bezahlten oder zu arbeitsintensiven Job an, kriegen zwei, drei, viele Kinder – aber für aktivistische Selbstwirksamkeitsjunkies wie mich war natürlich klar, dass es mit einer neuen Bewegung weitergehen musste. Kalter Bewegungsentzug – brrrr, geht gar nicht.</p><p>Glücklicherweise hatten die britischen Genoss*innen schon einen Weg aus der mittlerweile irrelevanten antineoliberalen Globalisierungsbewegung gezeigt: während der schwarz-rote Flügel der Bewegung, dem ich mich zurechnete, sich 2005 noch an den großen globalen Gipfeln abarbeitete, weil sich uns in Seattle der Gedanke eingeprägt hatte, dass diese relevante <em>Hebel</em> wären, an denen wir unsere begrenzten Energien anlegen könnten, um maximale Veränderungswirkung zu erzielen, und deshalb nach Gleneagles mobilisierte, hatte der im UK einflussreiche ökoanarchistische Flügel diesen Gedanken, diese Illusion schon lange hinter sich gelassen, und plante stattdessen das erste „Klimacamp“. Ende August 2006, genau zur Zeit, als ich in Brighton am Schreibtisch saß und meine Diss über eine zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr relevante Bewegung fertig schrieb, begann im ersten <em>Camp for Climate Action </em>am Kohlekraftwerk <em>Drax</em>, dem größten CO2-Emittenten im UK, ein neuer Zyklus sozialer Kämpfe, eine neue soziale Bewegung: wir würden sie später als „Klimabewegung“ kennenlernen.</p><p>2007 war dann nicht nur das Jahr meines schwulen Coming Outs und Umzugs ins queerhedonistische Mekka Berlin, es war auch das Jahr meiner persönlichen Klimakonversion. Wie viele deutsche Linke und Linksradikale hatte ich bis dahin eine absurd-überhebliche Einstellung gegenüber allem, was irgendwie als „Umweltthema“ erschien, dachte, wie viele Linke es immer noch tun, dass Umweltfragen privilegierter bürgerlicher Wohlfühlquatsch wären, dass es bei Umweltfragen um knuffige Megafauna wie Eisbären und Schildkröten ging, vielleicht noch um Bäume, eventuell ein bisschen um Landwirtschaft, dass die <strong>wirklich</strong> wichtigen Themen aber die klassischen linken Themen wären: Kontrolle von Produktionsmitteln, Klassenkampf, Umverteilung, Vergesellschaftung, etc. Ohne mich damit je wirklich befasst zu haben, hatte ich das antiökologische linke Vorurteil internalisiert, dementsprechend es bei den echten linken Themen um Menschen geht, um Ausbeutung vs. Befreiung, während Ökothemen Luxusthemen seien, denen man sich irgendwann nach der Revolution zuwenden könnte.</p><p></p><p></p><p></p><p><strong><em>Die Klimafrage</em></strong></p><p>Die Mitte der Nullerjahre, als der erste Klimavertrag der Welt in Kraft trat (das mittlerweile berechtigterweise weitgehend vergessene „Kyoto Protokoll), als ein klimapolitischer Diavortrag eines ehemaligen US Vizepräsidenten den Oskar für den besten Dokumentarfilm erhielt, waren auch die Zeit, als der globale Norden im Kontext immer deutlicher eskalierender Klimakatastrophenfolgen langsam begann, die Klimafrage ernst zu nehmen. Eine besonders wichtige Rolle spielte hier der Hurricane Katrina, der im August 2005 auf New Orleans traf: bis dahin gab sich die reiche Welt (mich als Sprössling des kosmopoliten Großbürgertums einsgeschlossen) gerne der Illusion hin, die Klimakatastrophe wäre ein „irgendwo und irgendwann anders“-Problem. Aber als das reichste und mächtigste Land der Welt eine „Umweltkatastrophe“ erlebte, die sich aufgrund historischer rassistischer und klassenpolitischer Ungerechtigkeiten sofort auch als soziale Katastrophe zeigte, als mexikanisches Militär in Texas einrückte, um Evakuierte dort mit Nahrungsmitteln zu versorgen<a href="#sdendnote1sym">i</a>, als George W. Bush und seine Republikaner unter anderem die 2006er Zwischenwahlen zum Kongress krachend verloren, weil sie die <em>disaster response</em> so himmelschreiend vermasselt hatten, und gerade weil das ganze in den USA stattfand, in denen der Rest des Westens immer ein wenig seine eigene Zukunft sehen kann – da begann auch der reichen Welt klarzuwerden, dass dieser „Klimawandel“ bisher wohl zu wenig Aufmerksamkeit erhalten hatte.</p><p>Institutionen wie die Weltbank und der Internationale Währungsfonds begannen, von „grünen Krediten“ zu sprechen, sich nach jahrelanger durchaus effektiver Delegitimierung durch unsere Bewegung als die Institutionen zu positionieren, die eine globale „<em>green transition</em>“ finanzieren und ermöglichen könnten. Und als 2007, während der nunmehr wirklich letzten großen globalisierungskritischen Aktion in Europa, beim G8-Gipfel in Heiligendamm, die brillante Polittaktikerin Angela Merkel es doch tatsächlich schaffte, unsere Gipfelblockaden völlig ins Leere laufen zu lassen, indem sie die G8 nicht mehr als neoliberale Gouvernante der Welt, sondern als globalsolidarische Institution kluger Klimaretter*innen positionierte, begann ich zum ersten Mal, die weltverändernde Relevanz des Themas zu erkennen. Zu Beginn gar nicht, weil ich das Thema selbst für wichtig hielt, sondern weil ich verstand, dass unsere alten Gegner – die globalen Institutionen und Kapitalfraktionen, die das Projekt „neoliberale Globalisierung“ vorangetrieben hatten – begannen, sich umzuorientieren, mitten in der beginnenden Großkrise des Kapitalismus einen neuen Sprech zu fahren: „Schaut her, wir sind gar keine bösen Neoliberalen mehr, wir erkennen an, dass da eine mögliche Katastrophe auf uns zukommt, und wir werden sie nicht nur lösen, wir werden die Energie, die sie freisetzt nutzen, um einen neuen, einen aufgeklärten, einen nachhaltigen, einen grünen Wachstumszyklus loszutreten, der uns aus der tiefsten Weltwirtschaftskrise seit der <em>Great Depression</em> herausziehen kann.“</p><p></p><p></p><p></p><p><strong><em>Die Klimabewegung…</em></strong></p><p>Also begann ich, mich sowohl aktivistisch als auch akademisch mit der Klimafrage auseinanderzusetzen, und schnell bekam ich den Eindruck, das könnte ne größere Sache sein, als ich bisher verstanden hatte. Eine Reihe deutscher Aktivist*innen nahm am 2. Klimacamp (Camp for Climate Action) im Sommer 2007 teil, und wir waren so begeistert von der Aktionsform, dass wir uns entschieden, 2008 das erste Klimacamp in Deutschland zu organisieren, das dann als erstes deutsches „Antirassistisches und Klimacamp“ in Hamburg-Moorburg stattfand. Von da aus ging es weiter zur „Kopenhagen-Mobilisierung“, als die gerade entstehende aktivistische Klimabewegung zusammen mit so ziemlich dem gesamten Rest der Welt darauf setzte, dass ein Erfolg beim COP15-Klimagipfel in Kopenhagen auf irgendeine Art und Weise Einfluss auf den damals schon ständig eskalierenden „Klimawandel“ nehmen könnte. Aber wie sich manche von Euch vielleicht noch erinnern können, der Gipfel floppte, dito die großen Demos und Aktionen, die darum herum <em>und dagegen</em> stattfanden, und nach 2009 wurde es erstmal ziemlich still um die Klimafrage herum. Von 2010 bis 2015 krepelte die junge, vor allem linksradikale Klimabewegung ziemlich unbemerkt in den Kohlerevieren herum, versuchte nach dem Gipfel immer neue Hebel zu betätigen... <em>and nobody gave a fuck</em>.</p><p>…</p><p></p><p>Wie gesagt, nächste Woche geht’s weiter mit Kapitalismustheorie, ich wollte Euch jetzt nicht gleich mit 7 Seiten Text erschlagen. Danke, dass Ihr bis hierher mitgelesen habt :)</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Mit weiterhin schreibfreudigen Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 28 May 2026 06:52:46 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Handlungsunfähig im Krieg: ohne Hebel keine Macht]]></title>
      <description><![CDATA[Die legendär-gescheiterte Riesendemo gegen den Irakkrieg am 15/2/2003 in London zeigte, dass eine Bewegung ohne politischen Hebel keinerlei Durchsetzungsmacht hat.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><a href="https://www.counterfire.org/article/15-years-on-from-the-biggest-protest-in-british-history/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f755626a-eb86-4040-931d-ab37878741a5/uploads/images/pmrinjyh7q/antiwar_march_london_2003.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Foto von der riesigen Antikriegsdemo 15/2/2003 in London: Hyde Park voller Leute, ein Meer von Menschen."/></a><figcaption>So viele Leute. So wenig Macht. Die legendär-gescheiterte Riesendemo gegen den Irakkrieg am 15/2/2003 in London.</figcaption></figure><p>21/05/2026</p><p></p><p></p><p>Liebe Leute,</p><p>auch dank Eurer tatkräftigen Hilfe flutscht es gerade beim Schreiben ziemlich gut, Einleitung steht, Kapitel 1 wird hoffentlich heute fertig, was bedeutet, dass ich besser im Zeitplan liege, als befürchtet :) Ein kleiner Wehmutstropfen: dieser äußerst produktive Hyperfokus auf’s Buchschreiben bedeutet auch, dass ich derzeit nur sehr wenig, eigentlich nur noch eine Sache hinkriege, und das ist die Arbeit am Mutual Aid HEAT (hier nochmal der Link: <a href="https://mutualaidheat.de/">mutualaidHEAT.de</a>) - falls Ihr auf Antworten oder Reaktionen meinerseits auf Signal Nachrichten, Emails oder ähnliches erwartet, es tut mir wirklich leid, aber das kann noch ein bisschen dauern. ADHS-getriebener Hyperfokus kann meganützlich sein, aber er ist halt nicht besonders… der hat keinen guten Überblick. Falls ich Euch gerade hängen lasse: verzeiht mir. Ich freu mich so sehr, dass es endlich mit dem Schreiben klappt, dass ich das gerade ausnutzen muss.</p><p>Was mich zum heutigen Text bringt: es gäbe ne ganze Reihe spannender Themen zu besprechen, von den vielen Bestätigungen für meine These vom “kommenden fossilistischen Aufstand”; zur spektakulär kontraintuitiven Nachricht aus der Klimawissenschaft, die mitteilt, dass das “worst case emissions scenario” jetzt aus den kommenden Modellierungen rausgenommen würde, weil es durch reale Klimaschutzfortschritte unwahrscheinlich geworden wäre; oder vielleicht was zum Bericht des Klimaexpert*innenrats, der der Bundesregierung total überraschend bescheinigt, dass diese den Klimaschutz im Grunde einfach gekillt hat, davor aber noch gedemütigt und öffentlich zur Sau gemacht.</p><p>Aber für all das hab ich derzeit keine Zeit, wie gesagt, Hyperfokus, 2. Buch, etc.</p><p>Daher dachte ich mir: ihr schient ja auf den ersten Teil der Einleitung, den ich letzte Woche gepostet hatte, ganz positiv zu reagieren, vielleicht würde Euch also auch der zweite Teil interessieren. Nachdem es letzte Woche um gleißend helle Handlungsfähigkeit ging, um den krassesten aktivistischen Kick meines ganzen Lebens, soll es heute um das Gegenteil gehen. Um eine riesige, gut organisierte Bewegung, die gar nichts, zilch, zip, nada erreichte, weil sie nicht verstand, dass “einfach nur auf die Straße gehen” nicht genug ist, wenn die Addressatin der Proteste nicht hören will.</p><p>Letzte Woche ging es um Bewegungsmacht. Diese Woche geht es um Bewegungsmachtlosigkeit. Und da es sich auch hier um writing-in-progress handelt, freu ich mich über jedes Feedback von Euch.</p><p></p><p>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________</p><p></p><p><strong>Handlungsunfähig im Krieg: keine Bewegung ohne Hebel</strong></p><p>Seattle machte mich zu einem anderen Menschen: sah ich davor noch meinen wahrscheinlichen Karrierepfad in irgendeiner mehr oder minder progressiven UN-Institution – in irgendeinem Ökodepartment der Weltbank vielleicht, oder in einem dieser kleinen linken UN-Forschungsinstitute wie UNRISD – war mir danach klar, dass meine politische Zukunft im „Aktivismus“ lag, in sozialer Bewegung. Alles Andere erschien mir wie totaler Quatsch, was könnte denn toller sein, als die Erfahrung, die ich in Seattle gemacht hatte, was ein besseres Reaktionsmuster auf große politische Ängste, als darum herum und dagegen eine soziale Bewegung zu bauen, innerhalb deren man dann gemeinsam machtvoll die Angst und das sie auslösende Problem bearbeiten könnte?</p><p>Das nächste politische Problem ließ dann auch nicht lang auf sich warten: im Verlauf des Jahres 2002, ich lebte zu dem Zeitpunkt in England, um an der Sussex University meine Dissertation über antikapitalistischen Aktivismus zu schreiben, wurde klar, dass das US-amerikanische Imperium unter der Führung von Dick Cheney und seiner <em>glorified sock puppet </em>George W Bush ohne rechtliche und moralische Grundlage den Irak angreifen würde, und darin vom britischen <em>poodle</em> Tony Blair unterstützt würde. Ich weiß, dass es mittlerweile wieder vollkommen normal geworden ist, auch in den privilegierten Ländern der Welt ständig Kampfjets und andere Militärflugzeuge über unseren Köpfen zu sehen, aber Anfang der Nuller, nach guten zehn Jahren „Friedensdividende“ - der im Nachhinein ziemlich albernen und hyperprivilegierten Annahme, dass nach dem Ende des Kalten Krieges eine Art permanenter globaler Frieden einziehen, die <em>Pax Americana</em> sich auf ewig über die ganze Welt erstrecken würde – war es zutiefst erschreckend, in einem Land zu leben, das zusammen mit dem globalen Bullyhegemon gerade einen illegalen Angriffskrieg plant, der dazu führen würde, dass Bomber von britischen Airforce-Stützpunkten abheben, „<em>to murder Iraqi children</em>“, wie wir es damals etwas polemisch formulierten. Aber es ging bei den Protesten natürlich nicht nur um die humanistische Sorge um Menschen im Irak, so präsent diese auch war: viele von uns in der britischen Antikriegsbewegung trieb die Angst vor einer Welt um, in der Kriege wieder eine ganz normale Form der Durchsetzung imperialer oder auch “nationaler“ Interessen würde – eine Welt, von der uns versprochen worden war, sie wäre seit 1989 vorbei.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Anti-War Movement 2002-2003</strong></p><p>Da ich seit Seattle nun unter die „Aktivist*innen“ gegangen war, und die Erfahrung „grenzenloser Handlungsfähigkeit“ in der gemeinsamen radikalen (ungehorsamen, regelbrüchigen, auch konfrontativen) Bewegungsaktion auf der Straße gemacht hatte, war die Reaktion auf den aufziehenden Krieg, der gleichzeitig eine Art moralischer Bankrotterklärung der siegreichen Seite im Kalten Krieg war – die „neue Weltordnung“ unterschied sich anscheinend gar nicht so sehr von der alten, in der die reichen spätimperialen Gesellschaften des globalen Nordens sich halt nehmen, was sie wollen, und dafür irgendeine Bullshitbegründung nachliefern (so wie damals im Irak, so heute in Venezuela) – fast schon vorprogrammiert: <em>let&#39;s build an anti-war movement</em>.</p><p><em>And so we did</em>. Aber nicht aller Aktivismus ist erfolgreich, nicht alle Bewegung vermittelt heroische Handlungsfähigkeit – im Schnitt ist leider eher das Gegenteil der Fall. „Aktivismus“ ist eine sehr besondere Art von Magie, die nur unter ganz bestimmten, und in den meisten Fällen nicht wirklich vorhersagbaren Bedingungen ihre volle Wirkung entfalten kann, und meistens sind diese Bedingungen nicht gegeben. Eine zentrale Erfolgsbedingung, die in der britischen Antikriegsbewegung nicht gegeben war, ist die Existenz von <em>Hebeln</em>.</p><p>Klar, gemeinsame Masse auf der Straße ist wichtig und ermutigend, und ne riesige Demo zu organisieren, oder ne Aktion, die erfolgreich ihr Ziel erreicht und (zum Beispiel) blockiert oder friedlich sabotiert, kickt auf jeden Fall ziemlich. Aber wenn diese Demos oder Aktionen immer wieder ins Leere laufen, wenn daraus keine expandierende Dynamik im Sinne einer ständig wachsenden Mobilisierungswelle entsteht, vor allem wenn das, wogegen gekämpft wird, irgendwann tatsächlich unwiderruflich eintritt: dann produziert Bewegung genau das Gegenteil der Ermächtigungserfahrung, die Menschen erst dazu bringt, sich als „Aktivist*innen“ (oder auch „Organizer*innen“, falls der Begriff „Aktivist*in“ mittlerweile allzu negativ konnotiert ist) zu betätigen, sich in soziale Bewegung einzubringen. Dann fühlt Bewegung sich genau so lahm an, wie in der schrumpfenden lokalen Basisorganisation irgendeiner Partei herumzusitzen, und abends um kurz nach zehn noch darauf zu warten, dass das Protokoll vom Treffen letzte Woche von der Schriftführerin korrekt vorgelegt wird. Schlimmer noch, da das Versprechen von Aktivismus eben das einer fast schon explosiven Handlungsfähigkeit ist, unabhängig davon, wie lang es bis zum politischen Erfolg in Wahrheit dann braucht, wird genau dieses Versprechen dann zum Problem, denn während Parteiarbeit ganz bewusst auf die lange Sicht angelegt ist, ist es für Bewegungen eine große Herausforderung, die Mühen der politischen Ebene zu überstehen, und zwischen Mobilisierungshochphasen ihre interne Stabilität und Resilienz zu sichern: wenn Bewegungsarbeit erlahmt, droht der Bewegung oft sofort der Exitus.</p><p>Genau das geschah mit der britischen Antikriegsbewegung. Während wir 2002, dem Jahr der Kriegsvorbereitung, unglaubliche Mobilisierungserfolge erzielten, sich praktisch im ganzen Land aktive lokale Antikriegsgruppen organisierten, und sich sehr, sehr klare Mehrheiten gegen einen illegalen Angriffskrieg positionierten, schienen wir als Bewegung der Meinung zu sein, dass das schon ausreichen würde. Klar, es gab nen radikalen Flügel, auf dem auch unsere <em>Sussex Action for Peace</em>-Gruppe verortet war, der mit ungehorsamen Aktionen, Straßen- und anderen Blockaden immer wieder für Aufsehen sorgte, aber im Kern war die Strategie die selbe, auf die sich später auch die deutsche Klimabewegung verlassen würde: große Demos und Aufsehen erregende Aktionen sollten klare gesellschaftliche Mehrheiten für oder gegen etwas produzieren, dann würde die Regierung schon einknicken, weil gesellschaftliche Mehrheiten verprellen sollte für eine demokratisch gewählte Regierung ein Problem sein.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Hebelwirkung</strong></p><p><em>But is it</em>? Die Aussage klingt erstmal nachvollziehbar, aber denkt Euch mal in das (damalige) britische Zweiparteiensystem rein: wenn es realistischerweise nur die Wahl zwischen Labour und Tories gibt, die Tories grundsätzlich für Kriege sind, und Labour diesen konkreten Krieg vorantreibt, dann ist „öffentliche Meinung verschieben“ eben gerade kein Hebel, weil es keine effektiven elektoralen Strafmöglichkeiten für den Fall gab, dass Labour in den Krieg ziehen würde. <em>„Whatcha gonna do – vote for the effin&#39; Tories, ey?“</em></p><p>Das ganze traurige Spektakel einer riesigen, gut organisierten Bewegung ohne jede reale Handlungsmöglichkeit wurde am 15. Februar 2003 auf die Spitze getrieben, als 1,5 Millionen Menschen bei der größten politischen Demonstration der britischen Geschichte sich mühsam und zäh durch Londons Straßen wanden: der Kriegsbeginn stand wenige Wochen bevor, und das erklärte Ziel der Bewegung war, diesen zu verhindern. Gleichzeitig hatte die Regierung Blair laut und deutlich signalisiert, dass ihr die Mehrheitsmeinung wumpe sein würde, sie würde auf jeden Fall die USA in diesem für die Menschenrechte und die Demokratie ach so wichtigen Waffengang unterstützen. Das wiederum bedeutete, dass es eigentlich überhaupt keinen Grund gab, mit 1,5 Millionen Menschen auf der Straße zu sein, außer gegenseitiger Selbstvergewisserung. Würden wir mit dieser langweiligen Demo, die sich zu keinem Punkt entschied, sich zum Beispiel mal auf die Straße zu setzen und London zu blockieren, oder vielleicht eine kleine Party vor 10 Downing Street feiern könnte, in deren Rahmen man, <em>and I&#39;m just spitballing here</em>, ja durchaus die Fassade des Hauses hätte verschönern können, in dem gerade ein illegaler imperialistischer Angriffskrieg geplant wurde, dann wäre da durchaus was gegangen.</p><p>Aber niemand setzte sich, niemand feierte ausgelassen mit Pyros in der Downing Street, niemand entschied sich, zu einem anderen Hebel als der freundlichen Überzeugung zu greifen. Und so kam es, wie es kommen musste: wir fuhren nach London, die Demo war riesig (und schrecklich still: England hat ja nicht so ne richtige Slogan-Ruf-Kultur, aber mit 1,5 Millionen Menschen quasi wortlos durch die Stadt zu ziehen, hatte was ziemlich bedrückendes), dann fuhren wir wieder nach hause, und nichts, wirklich gar nichts hatte sich an den Kriegsplänen geändert. Der 15.2.2003 war der Tag, an dem ich meinen letzten Respekt vor dem verlor, was wir Linksradikalen gerne despektierlich als „Latschdemos“ bezeichnen, und mich endgültig komplett dem massenhaften zivilen Ungehorsam verschrieb, dem gemeinsamen Regelbruch für die gute Sache. (Bewegungsgeschichtliche <em>side-note</em>: auch Roger Hallam, späterer Mitbegründer von Extinction Rebellion und Just Stop Oil/Letzte Generation war auf dieser Demo, und seine völlig richtige Einsicht, dass eine Regierung und/oder Gesellschaft, die nicht hören will, eventuell fühlen muss, wurde dort geformt.)</p><p>Wenige Wochen später, am Donnerstag den 20.3.2003, begann der Krieg tatsächlich. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie wir, eine Gruppe linksradikaler Aktivist*innen, zu einer <em>last ditch</em>-Aktion an der Luftwaffenbasis in Fairford fuhren, wie wir zusammen mit anderen aus dem radikalen Flügel versuchten, die Basis zu stürmen (<em>crazy idea</em>: im Nachhinein hab ich mich oft gefragt, was passiert wäre, hätten wir damit Erfolg gehabt), um den Start von Bombern o.ä. zu verhindern. Am besten erinnern kann ich mich aber an das Gefühl absoluter Ohnmacht, als ich in einem kleinen Graben vor einem Zaun lag, nachdem mich ein Polizist zurückgeschubst hatte, und ich die abhebenden Bomber über mich hinweg-, Richtung Bagdad, Kirkuk und Mosul fliegen sah: ich heulte, schrie, zitterte vor Frustration und Machtlosigkeit. Dieser Moment ist ähnlich in meinen Körper eingebrannt, wie sein Gegenteil in Seattle: nie mehr so ohnmächtiger Aktivismus, schwor ich mir damals...</p><p>…</p><p>Nächste Woche geht’s dann weiter in der Einleitung: dann geht’s um die Klimabewegung, und unseren ewigen Kontrahenten - den Kapitalismus.</p><p>Bis dahin alles Gute, habt ein schönes Pfingstwochenende - ich werde es vor allem schreibend verbringen.</p><p>Mit produktiven Grüßen,</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Euer Tadzio<br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 21 May 2026 06:42:04 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Bewegung gegen die Angst]]></title>
      <description><![CDATA[Soziale Bewegung ist das perfekte Antidot gegen politische & Zukunftsängste: sie vermittelt eine Art von Handlungsfähigkeit, die in der politischen Arbeit einzigartig ist]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><a href="https://www.tandfonline.com/cms/asset/e28ef8ea-93ee-46ab-b54c-faeaf81275ae/csad_a_1688614_f0001_ob.jpg"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/ee411305-2a0a-439f-9b63-9fc0c26fb784/uploads/images/4bw6nvwq2o/seattle_-_we_are_winning.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Drei Robocops vor einer Wand, auf der &quot;we are winning&quot; gesprüht wurde."/></a><figcaption>Berühmtes Graffiti von den Aktionen in Seattle. Wir sprachen im Nachgang dann von &quot;the time when we were winning&quot;.</figcaption></figure><p>14/05/2026<br/><br/></p><p>Liebe Leute,</p><p>zuerst einmal: vielen, vielen Dank für Euer Feedback zum letzten Text, den ich hier vor zwei Wochen gepostet hatte: den zur “<a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/e9abf9d3-e188-450f-a3c6-d5a17e563cf6">Zukunftsangst</a>”. Eure freundlich-kritischen Kommentare bestätigten mein Gefühl, dass der Text noch nicht so richtig den Ton, die Stimme traf, in der ich Euch von der Kollapsbewegung erzählen will, und dass mir, tbh, auch noch der rote Faden fehlte, den es braucht, damit eine so komplexe und weitreichende Geschichte, wie ich sie für das 2. Buch plane, bei Euch auch wirklich Resonanz erzeugen kann. Und danach brauchte ich erstmal ne Woche Zeit, um ein bisschen in mich zu gehen, um über die richtige Story nachzudenken, und ich glaube, ich hab sie jetzt gefunden. Ja, es geht um Angst vorm/im Kollaps, aber es geht auch darum, wie sie bearbeitet werden kann - denn das ist ja die Geschichte, die ich erzählen will, wie die Arbeit an einer Kollapsbewegung mir ermöglicht, meine nicht unerheblichen Zukunftsängste so zu bearbeiten, dass ich immer noch das Leben genießen, Freude, Liebe und Solidarität spüren kann.</p><p>Also: nicht nur Angst und andere negative Gefühle in den Blick nehmen, sondern ihr Gegenteil - die Handlungsfähigkeit. Wie kann Bewegung dabei helfen, gegen Angst und Politpanik handlungsfähig zu werden, wie fühlt sich das an, wie funktioniert es, und wie kann Bewegung in einer Zukunft des Kollaps aussehen? Das ist im Grunde die Frage, die ich im Buch beantworten will, daher hab ich mal die Einleitung umgeschrieben. Auch hier bitte ich Euch wieder um Feedback, obwohl ich ehrlich gesagt gestern abend nicht so richtig gut einschlafen konnte, weil ich mich fragte, was ich mache, wenn Ihr jetzt wieder sagt, das sei nicht so richtig der richtige Ton. Aber nungut, Kritik und Selbstkritik und so, wenn’s noch nicht passt, muss ich nochmal ran und weiter nach der richtigen Story und dem richtigen Ton suchen.</p><p>Aber nach meinem Frusterlebnis von vor zwei Wochen, als Ihr meine Sorgen über Ton und Inhalt des bisher geschriebenen bestätigt hattet, sprach ich mit einer guten alten Freundin, die mir folgenden Rat gab: “trust yourself”. So I will: ich glaube, dass ich im Text unten einen besseren Ton treffe, und ich… schätze mal, dass die Geschichte von Aktivismus als Antidot zur Angst und als Quelle von Handlungsfähigkeit bei Euch ein bisschen Resonanz hat. Dass sie bis in die Steinzeit zurückgeht, also in die 1990er, liegt daran, dass ich alt bin, da konnte ich nichts dagegen machen ;)</p><p>So here goes, ein weiterer kleiner Hilferuf meinerseits: liebe Leute, würde das, was da unten steht, Euch dazu verleiten, das Buch weiterzulesen?</p><p>Fragt mit leicht sorgenvollem Blick</p><p>Euer Tadzio</p><p></p><p>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________</p><p></p><p></p><p><strong>Einleitung:</strong></p><p><em>Every human being has a basic instinct to help each other out.</em></p><p><em>It might not seem that way sometimes, but it’s true. If a hiker gets lost in the mountains, people will coordinate a search. If a train crashes, people will line up to give blood. If an earthquake levels a city, people all over the world will send emergency supplies. This is so fundamentally human, that it’s found in every culture without exception.</em></p><p><em>Yes, there are assholes who just don’t care. But they’re massively outnumbered by the people who do.</em></p><p>Andy Weir, <em>The Martian</em></p><p></p><p>Dies ist ein Buch über Angst und Handlungsfähigkeit, über Katastrophe und Solidarität, über Kollaps und Bewegung.</p><p>Wie auch das erste Buch dieser Reihe – <em>Wie ich lernte, die Zukunft wieder zu lieben</em>, <em>aka </em>Das Kleine Rosa Buch – ist es zuallererst eine Geschichte über einen emotionalen Prozess, in diesem Fall: wie ich lerne, mit meiner Angst in einer kollabierenden Welt umzugehen, wie ich versuche, in dieser Angst wieder den Weg zur Handlungsfähigkeit zu finden. Es ein Buch darüber, wer ich sein will in einer Zukunft, die von Faschismus, von ökologischem und gesellschaftlichem Kollaps bestimmt sein wird.</p><p>Ich wollte anstatt „lerne“ zuerst „lernte, mit meiner Angst umzugehen“ schreiben, im Sinne eines abgeschlossenen Prozesses aber das wäre ehrlich gesagt Quatsch. Ich gehe immer noch mit meinen Ängsten um, jeden Tag, und manchmal sind diese Ängste so stark und laut, dass ich mich an diesen Tagen dann mit dem mittlerweile nur noch sehr, sehr selten erfüllten Wunsch trage, mich mal wieder ein paar Tage völlig in der Berliner Partyszene abzuschießen, um all das nicht mehr spüren zu müssen.</p><p>Ich kann hier keinen Weg beschreiben, wie man im Kollaps der Zukunft ein für allemal und abschließend mit den Ängsten umgeht, die dieser Prozess auslöst, denn natürlich macht der Prozess der stetigen und manchmal katastrophal-bruchhaften Verschlechterung ökologischer und gesellschaftlicher Bedingungen Angst, wie sollte es denn anders sein? Was ich aber beschreiben werde, ist der Weg, den ich in den vergangenen Jahren gegangen bin, den ich seit spätestens seit 2025 zusammen mit einer entstehende „Kollapsbewegung“ gehe: ein Weg der durch die Angst und die Akzeptanz der kollabierenden Realität hin zu einer neuen Art von... nunja, vielleicht nicht „Hoffnung“, aber eben Handlungsfähigkeit, Gemeinschaft, und Bedeutung führt. Dieser Weg ist nie abgeschlossen, aber es soll in diesem Buch ja um Bewegung gehen, und Bewegung ist immer ein <em>work in progress</em>.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Aktivismus statt Ohnmacht</strong></p><p>Gerade weil dieses Buch von Angst handelt, und meinen Versuchen, mit Angst umzugehen, ist es auch ein Buch über soziale Bewegung: über eine Bewegung, die bisher nur in schemenhaften Umrissen zu erkennen ist: die “Bewegung für einen gerechteren Kollaps”, auf English <em>just collapse movement</em>, oder im Deutschen kurz: die Kollapsbewegung.</p><p>Warum Angst und Bewegung zusammengehören? Weil mir nach knapp 30 Jahren „Aktivismus“, wie Bewegungspraxis of verkürzt beschrieben wird, klar geworden ist, dass “Bewegung” meine Art und Weise ist, mit Ängsten umzugehen. Meine Art und Weise, im Angesicht gigantischer Probleme von welthistorischen Ausmaßen trotzdem Selbstwirksamkeit, Handlungsfähigkeit, <em>Ermächtigung</em> zu erleben. Und wie jedes Missbrauchsopfer, jedes Opfer physischer Gewalt von Partnern, Polizisten oder Prügelnazis weiß: im Kern von Gewalttraumata liegen die Erfahrung von Ohnmacht und Handlungsunfähigkeit.</p><p>Was uns Angst macht, ist gar nicht so sehr der Schmerz oder die Erwartung des Schmerzes, es ist die absolute Handlungsunfähigkeit im Moment der Gewalterfahrung. Wenn Trauma die Verabsolutierung von Angst ist, dann ist Handlungsfähigkeit das Antidot dazu. Und zumindest zu der Art von Handlungsfähigkeit, die ich in meiner politischen Praxis anstrebe – gemeinsame, solidarische Handlungsfähigkeit, die direkt, gleichsam körperlich erlebt werden kann, ob in der Antinazi- oder Tagebaublockade, ob beim Gipfelprotest oder kämpferisch-hedonistischen Pride Marsch – ist soziale Bewegung der Königsweg.</p><p>Natürlich kann ich auch versuchen, durch Arbeit in politischen Parteien selbstwirksam zu sein, oder in „der Zivilgesellschaft“ (so vage sie auch definiert sein mag), oder in Vereinen, oder in informellen Nachbarschaftsnetzwerken, aber es sind „Aktivismus“ und „Bewegung“ mit ihrer Unmittelbarkeit, mit ihrer Kollektivität, und nicht zuletzt mit ihren... mit unseren verzweifelten David-gegen-Goliath-Kämpfen, die diesen in der politischen Arbeit fast einzigartigen Kick produzieren: der Moment der Aktion, des Straßenkampfes, der überraschend gigantischen Demo kann zu einer Art kollektiver Transzendenz der eigenen Ohnmachtserfahrung führen, und ein einzigartiges, mit nichts anderem vergleichbares Gefühl, mag es auch illusorisch sein, von Handlungsfähigkeit-in-der-Weltgeschichte vermitteln.</p><p></p><p><strong>The Battle of Seattle</strong></p><p>Ok, Handlungsfähigkeit in der Weltgeschichte klingt jetzt ein bisschen hochgegriffen, aber ich meine es ganz genau so, mit all dem Pathos und der impliziten Hybris. Nicht nur glaube ich, dass alles Wahre, Schöne, Gute auf der Welt ursprünglich von sozialen Bewegungen kommt – ohne die Arbeiterbewegung gäbe es in Deutschland keinen Wohlfahrtsstaat, <em>such as it still is, </em>gäbe es kein allgemeines Wahlrecht, ohne die Frauenbewegung kein (leider zunehmend umkämpftes) Recht auf Abtreibung und körperliche Selbstbestimmung, ohne queere Bewegung hätten mein Ehemann und ich sehr viel weniger Rechte, auf dem Papier und in der Öffentlichkeit – ich habe selbst erlebt, wie soziale Bewegung es immer wieder geschafft hat, die Grenzen des Möglichen zu verschieben, nicht nur im kleinen, im konkreten, sondern auf der ganz großen Bühne.</p><p>Denkt Euch mal zurück in die 1990er, oder, wenn Ihr jünger als ich Gen Xer seid, stellt Euch die 1990er Jahre vor. Der neoliberale Kapitalismus hatte während der 80er seine drei großen Gegner*innen besiegt und/oder „kooptiert“, in sein hegemoniales Projekt eingebunden: die organisierten Arbeiter*innen im globalen Norden, die Staaten des globalen Südens, und zuletzt den großen bösen Wolf des irgendwie nichtsorichtigkapitalistischen Ostblocks. Der konservative US-amerikanische Intellektuelle Francis Fukuyama hatte „das Ende der Geschichte“ verkündet, womit er meinte, dass die Weltgeschichte im Grunde mit der Erreichung des Stadiums des globalisierten neoliberaldemokratischen Kapitalismus an ihr Ende gekommen wäre, das höchste Stadium menschlicher und historischer Rationalität erreicht hätte: von hier an nur noch das Selbe, auf immer und ewig; der damalige US Präsident Bush Senior sprach von der „neuen Weltordnung“, und meinte damit die neoliberale US-amerikanische Hegemonie, an deren Wesen von nun an die ganze Welt alternativlos genesen sollte; das berüchtigte Thatcher&#39;sche Diktum dementsprechend es „keine Alternative“ zum immer weiter durchliberalisierten Kapitalismus gäbe, war im Grunde das Motto der „Weltgemeinschaft“ der 1990er.</p><p>Auf der politischen Alltagsebene bedeutete all dies für linke, ökölogische oder anderweitig nicht komplett dem Kapitalismus in einem weirden Stockholm-Syndrom verfallene Menschen, dass in den 90ern jede Diskussion über gesellschaftliche Fortschritte, oder das Verhindern gesellschaftlicher Rückschritte, mit dem Verweis darauf abgeblockt wurde, dass das doch alles nicht möglich sei, weil Globalisierung: mehr Geld für „Soziales“, oder Gesundheit, härtere Umweltauflagen oder die Absicherung von Lieferketten gegen manchesterkapitalistische Sauereien? „Würden wir ja gerne, aber Ihr wisst: die Globalisierung, da können wir nix machen – wenn wir die Steuern erhöhen/Umweltauflagen verschärfen/Kinderarbeit verbieten, dann gehen die Firmen woanders hin, dann sind hier alle arbeitslos und arm: wollt Ihr Linken das?“</p><p>Im popkulturellen Alltag drückte sich die allgemeine linksökologische Erfahrung der 1990er im globalen Norden in Kultalben („Alben“ sind beidseitig auf runde Vinylscheiben gedruckte Playlists) wie „Nevermind“ oder „Rage Against the Machine“ aus: „<em>Fuck you I won&#39;t do what you tell me. FUCK YOU I WON&#39;T DO WHAT YOU TELL ME!</em>“ Die bestimmenden Gefühle waren Entfremdung von einer Welt, in der Widerstand tatsächlich, wie die Borg immer wieder angedroht hatten, zwecklos geworden war, und Angst vor einer Zukunft, in welcher der Kapitalismus sich die Welt immer vollständiger unterwerfen würde: damals war es nicht der globale ökologische Kollaps, der den Linksgrünen in der reichen Welt Angst machte, es war die Perspektive einer Welt ohne jegliche Differenz, eine Welt, in der nichts, was sich nicht in Geldwerten ausdrücken ließe, irgendeinen Wert haben könnte. Nicht „Das Ende Der Welt“, sondern „das Ende aller <em>anderen</em> Welten“.<a href="#sdendnote1sym">i</a> Universelle Unterwerfung unter die Herrschaft des Kapitals, mit der Perspektive, irgendwann in einer dystopischen Matrix (1999) zu enden, in der wir Menschen zu bloßen Batterien der Kapitalakkumulation degradiert sind.</p><p>Aber während die Welt sich mit der Geschichte des Endes der Geschichte selbst hypnotisierte, wuchs an ihren Rändern, in den Zwischenräumen des Kapitalismus eine soziale Bewegung heran, die sich anschicken würde, die vermeintlich lückenlose Kontrolle des Kapitals über die Welt in Frage zu stellen; die den Neoliberalismus herausfordern und, <em>as the slogan would later go</em>, andere Welten möglich machen würde. Ausgehend von der indigenen zapatistischen Rebellion der EZLN im Süden Mexikos, im Lakandonendschungel von Chiapas, die am Tag des Inkrafttretens des nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA eine postmoderne globale Revolte gegen die vereinheitlichende Macht des Kapitals ausrief, fortgesetzt in den globalen „Encuentros“, in der eine noch embryonale „globalisierungskritische Bewegung“ (vielen von uns gefiel damals die Bezeichnung „<em>mouvement altermondialiste</em>“ besser, Bewegung für eine andere Globalisierung: eine Globalisierung der Solidarität, nicht des Kapitals) anfing, sich kennenzulernen und gemeinsame Aktionen zu planen; von riesigen Streiks im öffentlichen Sektor Frankreichs und Südkoreas; über unseren ersten Überraschungserfolg, als 1998 eine noch lose und namenlose Koalition von NGOs und linken Basisgruppen das geplante Investitionsschutzabkommen <em>MAI</em> zu Fall brachte; bis zu den legendären Protesten gegen den Eröffnungsgipfel der Welthandelsorganisation am 30. November 1999 in Seattle.</p><p>An diesem Tag, an dem das zu diesem Zeitpunkt mächtigste Land der Menschheitsgeschichte eine Riesenparty feiern wollte, um die Unterwerfung immer neuer, immer mehr Welten unter die Logik des Kapitals zu feiern, brachte ein zotteliger Haufen ungewöhnlicher Verbündeter – Ökos und Gewerkschafter*innen, queere Anarchist*innen und katholische Nonnen – die Stadt zum Stillstand, verhinderte die Eröffnung des Gipfels, zwang den Gouverneur des Bundesstaates dazu, einen zivilen Notstand zu verhängen und die Nationalgarde gegen uns auf die Straßen zu schicken, und anstatt einen großen neoliberalen Gipfel zu feiern, versank die Stadt in den Abendstunden im Tränengas und dem Rauch brennender Mülltonnen und anderer Barrikaden. Als sich wenige Tage später der politische Nebel lichtete, war die Welt eine andere geworden: wo vorher Widerstand noch zwecklos erschien, waren plötzlich andere Welten möglich geworden, stand dem neoliberalen Projekt ein neuer Gegner gegenüber: ein gemeinsames „Nein“ zur einen Welt des Kapitals, und viele gemeinsame „Jas“ zu vielen verschiedenen möglichen Welten. <em>One No. Many Yeses</em>.</p><p></p><p><strong>Nach dem Straßenkampf</strong></p><p>Natürlich bezwang die globalisierungskritische Bewegung am Ende nicht den globalen Neoliberalismus, tatsächlich dauerte unsere heroische Hochphase nicht einmal zwei Jahre: von Seattle aus entwickelte sich zwar ein Zyklus globaler Auseinandersetzungen, in denen wir die Gipfel der Mächtigen aus den Innenstädten der globalen Zentren in die Berggipfel und Wüsteneien der Peripherie verjagten, aber schon im Sommer 2001 wurde scharf zurückgeschossen, wie in Göteborg (EU Gipfel Juni &#39;01) und in Genua (G8 Gipfel August &#39;01), der globale Repressionsapparat schloss die Reihen. Und als dann „9/11“, der 11. September 2001 die Welt völlig neu organisierte, verschwand unsere Bewegung von den Titelseiten der Zeitungen, von den Straßen der Großstädte, und bald auch von der Bühne der Weltgeschichte.</p><p>Was aber nicht verschwand, war das Gefühl, die Erinnerung, die sich in die Körper all derjenigen eingebrannt hatte, die es damals auf den Straßen von Seattle in einem gigantischen welthistorischen Kraftakt schafften, das Ende der Geschichte zu beenden, andere Welten möglich zu machen: nachdem ich es 1998 schon gar nicht fassen konnte, dass ein paar NGOs und ein paar wenige globale Aktivist*innen das MAI hatten verhindern können, ersetzte „Seattle“ (das Ereignis, nicht die Stadt) in mir die Angst vor dem ewigen, nicht verhinderbaren, unabänderlichen Sieg des Kapitals über alles Wahre, Schöne, Gute in der Welt mit einem Gefühl beinahe grenzenloser Handlungsfähigkeit. Eine Handlungsfähigkeit, die ich nie alleine hätte spüren können, die auch in einer Parteiversammlung unmöglich zu erfahren gewesen wäre: die Angst wurde ersetzt durch, verjagt von einer Erfahrung kollektiver Macht, die ohne das gemeinsame Zusammenkommen auf der Straße und den im Wortsinne epischen Konflikt zwischen Böse (Riot-Robocops in Uniformen und mit allerlei „nichtlethaler Bewaffnung“) und Gut (ganz viele verschiedene Menschen, jung, alt, queer, straight, Normie, Zecke...) nicht möglich gewesen wäre. Meine erste wirkliche Bewegungserfahrung war also eine, in der ich nach Jahren gefühlter Handlungsunfähigkeit plötzlich die Erfahrung kollektiver Handlungsfähigkeit gemacht hatte, und das auch noch im Rahmen eines Ereignisses, das in der ganzen Welt gehört und gesehen wurde, das in der ganzen Welt Resonanzen hatte.</p><p><em>Deswegen</em> hängen für mich Angst und Handlungsfähigkeit und dann Bewegung miteinander zusammen: die ersten beiden Begriffe sind für mich Antipoden, die letzten beiden gehören zusammen. Handlungsfähigkeit fressen Angst auf, und Bewegung macht gemeinsame Handlungsfähigkeit. Eigentlich recht einfach.</p><p>__________________________________________________________________</p><p>Ich freu mich auf Euer Feedback, entweder in den Kommentaren hier, oder per Email, oder den sozialen Medien. Danke für Eure Hilfe.</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 14 May 2026 06:26:52 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Von der Zukunftsangst]]></title>
      <description><![CDATA[Die im Kollaps am weitesten verbreitete aber trotzdem nur selten offen artikulierte Emotion ist die Angst: wer die weit verbreitete Angst politisch artikuliert, gewinnt.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<a href="https://phys.org/news/2024-11-future-ways.html"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e9abf9d3-e188-450f-a3c6-d5a17e563cf6/uploads/images/4uuvdnbh3o/fearful-of-the-future.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Schriftzug &quot;Future Fear&quot;, gold, auf rotem Grund."/></a><p>30/04/2026</p><p></p><p>Liebe Leute,</p><p>diese Woche war von viel Buchschreiben, Buchübersetzung, und Mutual Aid H.E.A.T. Organisieren geprägt, und ich habe es nicht geschafft, einen eigenen Blogtext zu schreiben. Daher, und weil ich wirklich gern Euer Feedback zu dem hätte, was ich geschafft habe, zu schreiben, folgt hier gleich ein Auszug aus dem 1. substantiellen Kapitel meines zweiten Buches: “Von der Zukunftsangst”, in dem es vor allem um politische Kommunikation geht. Wie funktioniert politische Kommunikation, was ist die Rolle von “Fakten”, was ist die “Affekten” (kollektiven Gefühlslagen), und ganz im Zentrum: was ist die Rolle von Angst in politischen Projekten und Diskursen?</p><p>Meine Frage an Euch: wie findet Ihr das, vom Ton, und vom Argument her? Es ist ein bisschen weniger... nah an meiner eigenen Person, als das letzte Buch, und ich versuche, ein bisschen akademischer zu klingen, wie Euch vielleicht auffallen wird. Auf jeden Fall würde ich mich freuen, wenn Ihr Kommentare dalasst. Und je kritischer die sind, desto nützlicher, zumindest, wenn Ihr die Kritik nicht allzu vernichtend formuliert ;)</p><p>Also, without much further ado: auf geht&#39;s in die Zukunftsangst.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Von der Zukunftsangst.</strong></p><p>Überall, wo man hinschaut, geht die Angst um. Angst vor Krieg und Klimakatastrophe, Angst vor Echsenmenschen und Migrant*innen, Angst vor Arbeitsplatzverlust, Mieterhöhung und übermächtigen Milliardären (sic!). Die Reichen bauen Bunker, die Europäische Union legt sich Asylverfahren zu, bei denen niemand in Europa die Asylsuchenden auch wirklich sehen muss, Rüstungsausgaben steigen weltweit auf neue Rekordhöhen, die Politik ist getrieben von der Angst vor dem kommenden fossilistischen Aufstand, der auf den Irankrieg und die globale Energiekrise so sicher folgen muss, wie das Wurstpornofoto auf dem Insta-Account von Markus Söder.</p><p>Aber kann das wirklich stimmen: dass <em>Angst</em> etwas ist, das “wir alle”, oder zumindest sehr viele von uns “gemeinsam haben”? Die Aussage erscheint erstmal nicht wirklich stimmig, gar kontraintuitiv, wenn wir uns die politischen Diskurse unserer Zeit anschauen. Darin finden wir, mit Ausnahme des politischen Diskurses der AfD und anderer rechtsradikaler Kräfte (dazu gleich mehr), nur sehr wenige Geschichten über Angst, noch im Bundestagswahlkampf 2025 plakatierten die Grünen mit dem Slogan “Zuversicht!”, und in den Geschichten, die die derzeitige Bundesregierung erzählt, gibt es zwar einige Hinweise auf komplizierte Krisen, auf große Gefahren und schwierige Herausforderungen, aber (während ich dies schreibe wird in der Koalition ein riesiges “Reformpaket” verhandelt) nichts daran müsse einem Angst machen, das wäre alles lösbar, wenn nur die richtigen Reformen, Steuersenkungen, Geschenke an die Kapitalseite, etc. Klar, es ist Krise, aber Krise ist eigentlich seit der Weltwirtschaftskrise 2007ff., dann wieder Eurokrise, dann “Migrationskrise”, dann Coronakrise, dann Energiekrise I (2022) und Energiekrise II... Krise ist also ohnehin ständig, und bisher sind wir am Ende ja immer irgendwie durch die Krisen hindurchgekommen. Wieso dann also Angst haben, oder zumindest, wieso sie sich eingestehen?</p><p><br/><br/></p><p><strong>Die Angst der Mitte vor der Spaltung</strong></p><p>Die Suche nach “Angst” im politischen Diskurs muss daher notwendigerweise indirekt verlaufen, denn Angst vor dem Kollaps wird kaum artikuliert, sie wird verdrängt, sie wird hinter anderen Themen und Ängsten und Schuldzuweisungen versteckt. Sie ist ein wenig wie eine Sonnenfinsternis, ein Ereignis, das so viele Extreme Effekte produziert, dass es direkt anzuschauen zu gefährlich, zu verwirrend, zu destabilisierend wäre. Oder auch wie dunkle Materie im All, die wir nicht direkt sehen können, weil sie nicht mit Licht (in unserem Bild: rationaler Reflexion) interagiert, die aber allerlei gravitationelle Effekte in der realen Welt hat, aus denen wir Rückschlüsse auf ihre Existenz ziehen können.</p><p>Ein Beispiel dafür ist die Diskussion über eine eventuelle “Spaltung” oder “Polarisierung” der deutschen Gesellschaft”, wie diese zu verhindern, oder, so es sie denn wirklich gäbe, wieder zurückrollen ließe. Wenn also der bekannte <a href="https://www.zeit.de/2022/39/steffen-mau-gesellschaft-gespalten-soziologie-hu-berlin/komplettansicht">Soziologe Steffen Mau</a>, Autor von <em>Triggerpunkte </em>der <em>Zeit</em> sagt, “die Spaltung (sei) ein Angstszenario”, dann erklärt er dem deutschen Großbürgertum in dessen hofberichterstattender Pravda, dass die tiefe Angst davor, die Gesellschaft möge auseinanderfliegen, gar nicht begründet sei, dass “die meisten Leute” sich immer noch “in der breiten Mitte grupieren”. Was scheinbar eine Erzählung über soziologische Fakten ist, ist eigentlich, auf der deutlich wirkmächtigeren emotionalen Kommunikationsebene, eine Art väterliches “nein, liebes Kind, Du musst Dir keine Sorgen machen, die Dinge sind immer noch so, wie Du sie kennst, wie Du sie gerne haben willst.” Das ist mindestens genau so sehr Therapie wie Soziologie, denn da wir Angst fühlen, suchen wir Diskurse, wählen unter den verschiedenen politischen Diskursprodukten, die uns in der hochmediatisierten Welt, in der wir leben, angeboten werden, genau diejenigen, die uns am wenigsten schlecht fühlen machen.</p><p>Wenn “die Mitte” über Polarisierung oder Spaltung diskutiert, drückt sie damit ihre tiefe, grundlegende Angst davor aus, dass sie nicht mehr die Kontrolle über die Gesellschaft hat, dass wir auf eine Zukunft mit wahrscheinlich sehr viel weniger, zumindest sehr viel umkämpfteren Privilegien zusteuern. Die Erzählung der Mitte, man müsse gegen die “gesellschaftliche Spaltung” vorgehen, ist vor allem die Angst davor, dass es nicht mehr ausreichend “gemeinsames” gibt, was diese Gesellschaft zusammen-, und die Mitte in ihrer recht komfortablen Machtposition belässt. Und da sich “Spaltung” aus der Perspektive der bürgerlichen Gesellschaft am besten mit “Vernunft” und “Kommunikation” bekämpfen lässt, die dann dem ewigen “Kulturkampf” von rechts, und der “Identitätspolitik” von links entgegengestellt wird, die also die Mitte von “den Extremen” unterscheidet, landen wir am Ende bei einem Diskurs, der auch nur sagt: egal, was das Problem ist, wir müssen nur mehr von dem machen, was wir ohnehin schon für richtig hielten, dann kriegen wir das schon gelöst. Ja, wir haben Angst davor, dass die Welt sich verändert, aber wenn wir einfach nichts ändern, sondern nur mehr so sind, wie jetzt auch schon, dann müssen wir keine Angst mehr haben.</p><p>Mein Lieblings- und Abschreckungsbeispiel für einen solchen Diskurs kommt vom intellektuellen Doyen des schwarz-grünen Flügels der <em>taz</em>, <a href="https://taz.de/Demokratie-Marktwirtschaft-und-Mitte/!5998011/">Peter Unfried: der behautete </a>vor nicht allzu langer Zeit, dass es “ohne<strong> funktionierende Demokratie, Marktwirtschaft und starke Mitte... keine Klimapolitik” gäbe, </strong>die Erderhitzung würde “weder rechts außen, noch links außen” ins Konzept passen, um daraus zu schlussfolgern, dass es nun endlich mal ein paar vernünftiger (sprich: zentristischer) Erwachsener bräuchte, um sich hinzusetzen, und einen rationalen Kompromiss zu finden: “&#39;der Kompromiss ist das neue progressiv&#39;”. Das ist durchaus clever: da wird die potenzielle Spaltung der Gesellschaft zwar als Problem benannt – die Angst davor ist ja real, und kann von politischen Diskursproduzent*innen nicht einfach ignoriert werden – aber dann sofort wieder in die väterliche Versicherung zurückgerollt, derentsprechend jetzt die Erwachsenen sich wieder zusammen hinsetzen, und die Dinge so lösen würden, wie sie da oben immer schon gelöst wurden: durch den ideologiefreien, vernünftigen, allseits habermasianischen Diskurs gesellschaftlicher Eliten. Auch hier zeigt sich der Modus der Bearbeitung von Angst im demokratischen politischen Diskurs unserer Zeit: die Probleme werden kurz anerkannt, es wird kurz in Richtung Akzeptanz geblinkt, nur um dann zu einer Erzählung zurückzukehren, in der sich die Dinge nicht fundamental ändern müssen, sich nicht fundamental ändern werden, in der am Ende, wie üblich in Märchen, alles wieder gut wird.</p><p>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________<br/></p><p><strong>Der affektive Überschuss</strong></p><p>Das Problem mit diesen vernünftig-väterlichen Politdiskursen, in denen jedes Problem durch ein bisschen mehr davon gelöst werden kann, was wir ohnehin schon immer für richtig hielten – Linke glauben zum Beispiel, dass ein bisschen Umverteilung das Klimaproblem lösen würde, Realogrüne glauben, dass ein bisschen mehr E-Autos bauen, kaufen und fahren das Klimaproblem lösen würde, also genau das, was ohnehin schon seit Jahrzehnten gefordet wird – ist, dass sie im Grunde gegen den emotionalen Impetus derjenigen gehen, die sie überzeugen sollen. Ja, wir suchen Diskurse, die uns die Angst nehmen, aber wenn diese fast schon zwanghaft von der Lösbarkeit der Probleme ausgehen, vermitteln sie den Zuhörenden leicht den Eindruck, dass es hier gar nicht um ihre Gefühle ginge, gar nicht um sie ginge, sondern darum, ihnen zu kommunizieren, dass ihre Gefühle unnötig, übertrieben oder gar selbst Teil des Problems seien. Das führt dann dazu, dass sich von diesen Erzählungen abgewendet wird, weil Menschen, die starke Emotionen fühlen, in der Kommunikation meistens nicht wollen, dass ihre Gefühle (Angst) in ihr Gegenteil verkehrt werden sollen (Entwarnung) – sie wollen, dass ihre Gefühle gespiegelt und validiert werden, sie suchen erstmal gar keine Lösung. Wenn eine gute Freundin mir ständig von ihren <em>boy troubles </em>berichtete, wollte sie von mir nicht hören, wie sie diese überwinden könnte, sie wollte einfach gehört und gesehen, und nicht unter Lösungsdruck gesetzt werden.</p><p>Die der Politik zugrundeliegenden kollektiven Gefühlszustände – oder auch <em>Affekte</em> - produzieren gegenüber den sie artikulierenden politischen Diskursen in diesem Sinne einen “affektiven Überschuss”, sie können von ihnen nicht vollständig eingefangen werden, vor allem nicht von politischen Diskursen, deren erklärtes Ziel es ist, den Menschen genau das Gefühl zu nehmen, das gerade ihre Wahrnehmung bestimmt. Wenn die Alltagswahrnehmung vieler Menschen zunehend von Angst bestimmt ist – I mean, warum betreiben denn immer mehr Menschen, sogar Vollzeitpolitprofis die ich kenne, immer mehr <em>news avoidance</em>? Weil die Welt immer mehr Angst und schlechte Laune macht – die politischen Erzählungen unserer Zeit dieses Gefühl aber nur oberflächlich anerkennen, spiegeln und validieren, dann bleibt da immer das Gefühl, dass das nicht-gespiegelte Gefühl auf irgendeine Art schamvoll ist: dass “Angst” zu haben ein Zeichen des eigenen “Defätismus” ist, dass “Angst” ja eine Emotion sei, die vor allem “von rechts” ausgenutzt werden, und die wir deswegen verdammt nochmal auch nicht dauern fühlen sollten, dass Angst in einem gewissen Sinne ein infantiles Abwenden von der Welt ist, während sich der aufgeklärte Mensch (am besten der Einfachheit halber Mann) ohne Angst und mit ganz viel Rationalität den mit Sicherheit lösbaren Problemen unserer Zeit stellt.</p><p>Und wie jede*r gute Sexarbeiter*in weiß: die einfachste Art und Weise, Menschen zu manipulieren, mit ihnen eine Beziehung aufzubauen, innerhalb sich die Person akzeptiert und wohl fühlt, wohler, als in anderen Zusammenhängen, ist, die realen aber versteckten Gefühle und Wünsche anzuerkennen und zu validieren. Wer ein starkes Gefühl ständig verdrängen muss, und dann einen Ort findet, an dieses Gefühl “abgeholt” wird, wird immer wieder gerne an diesen Ort zurückkehren. Dann ist auch erstmal egal, ob für das Problem, dass das Gefühl auslöst, eine auch nur ansatzweise realistische Lösung vorgeschlagen wird, denn wie schon gesagt, es geht Menschen mit ihren Gefühlen erst einmal nicht um deren Auflösung, sondern deren Anerkennung. Und da der globale ökologische Kollaps nun einmal starke negative Gefühle auslöst, lassen politische Diskurse, die weder den Kollaps noch dessen Unlösbarkeit noch die Angst, die daraus folgt, wirklich anerkennen können, einen leicht manipulierbaren affektiven Überschuss zurück, der nun von politischen Entrepreneur*innen artikuliert, in eine gewünschte politische Richtung gelenkt werden kann...</p><p><br/><br/></p><p><strong>Donald Trump, oder: wie funktioniert politische Kommunikation?</strong></p><p>...von politischen Entrepreneur*innen, wie zum Beispiel... Donald Trump.</p><p>Donald Trump ist ohne Frage das größte politische Kommunikationsgenie der Postmoderne. <em>Seriously</em>, die Tatsache, dass dieser widerliche orangefarbene Babymann zwei Mal ins mächtigste politische Amt der Welt gewählt wurde – das zweite Mal als vorbestrafter Putschist mit erheblichen Gesundheitsproblemen, und der Ankündigung, gleich zu Beginn seiner Regierungszeit (aber “only for a day”) als Diktator regieren zu wollen, und trotzdem mit einer respektablen Mehrheit – ist auf der Ebene dessen, was es für unser Verständnis effektiver (und affektiver) politischer Kommunikation bedeutet, noch lange nicht hinreichend reflektiert worden.</p><p>Natürlich ließe sich einfach sagen, dass Politiker*innen immer lügen, Leute diesen Lügen auf den Leim gehen und Trumps Lügen die reaktionären Ansichten seiner Unterstützer*innen bedienen. Das mag auf einen Teil seiner Basis zutreffen, gilt aber sicher nicht für alle Trump-Wähler*innen. Und es ignoriert eine schon 2016, bei seinem ersten <em>presidential run</em> beschriebene Tatsache: “Viele seiner Unterstützer glauben die wilden Behauptungen von Trump nicht – aber es ist ihnen egal”, wie di<em>e Washington Post </em>schrieb. Sie unterstützen ihn nicht wegen, sondern trotz seiner Positionen. Ihnen geht es nicht um &#39;Inhalte&#39;, was wiederum erklärt, warum es Trump niemals schadet, wenn er einer Lüge “überführt wird” (wobei ehrlich gesagt schon die Kategorie “Lüge” irgendwie anachronistisch wirkt, wenn man Trump diskutiert und verstehen will).</p><p>Es geht um viel mehr als einen lügenden Politiker. Trumps politischer Diskurs ist ein ideales Beispiel dessen, was in Deutschland postfaktische Politik genannt wird. Der englische Begriff <em>post-truth politics</em>, also Postwahrheitspolitik, geht aber darüber hinaus – denn Wahrheiten sind mehr als Tatsachen. Während der deutsche Begriff den Eindruck vermittelt, dass hier lediglich bestimmte Fakten infrage gestellt werden, der bürgerlich-aufklärerische Kontext, in dem diese existieren, aber weiter besteht, so verweist der englische Begriff darauf, dass der ganze konzeptionelle Rahmen, in dem Fakten erst Sinn machen, ins Wanken gerät. Trumps politische Statements artikulieren keine klassischen Wahrheitsansprüche mehr. Deshalb können sie auch nicht mit den traditionellen Waffen der Ideologiekritik bekämpft werden. Für eine Konstellation, in der Trump inhaltlich sagen kann, was er will, um im nächsten Atemzug das Gegenteil zu behaupten – und in der ihm dies nicht schadet –, <a href="www.youtube.com/watch%3Fv=NqOTxl3Bsbw%20">hat der Comedian Stephen Colbert in seiner Satiresendung “The Late Show” den Begriff “Trumpiness”</a> geprägt.</p><p>Die Unterstützer*innen Trumps folgen keinem Kandidaten, der sein politisches Programm rational begründet, der an ihre ökonomischen Interessen appelliert. Sie folgen einem, der fühlt, was sie fühlen, die Wut und die Enttäuschung, aber vor allem und vielmehr: das Begehren nach Anerkennung, danach, wieder dazuzugehören, etwas zu sein – über Handlungsmacht zu verfügen. “Make America(ns feel) great again.” Für Colbert ist Donald Trump deshalb der Politiker der Zeit: “ein emotionales Megafon für Wähler voller Wut”. Sein Agieren stellt affektive Resonanzen her. Seine Unterstützer*innen bejubeln nicht den Inhalt seiner Sätze, sondern die Tatsache, dass dort jemand steht, der ihnen ein Gefühl von Stärke und Relevanz gibt, das sie seit Jahrzehnten nicht mehr gespürt haben.</p><p>Das bedeutet, dass politische Kommunikation, im Gegensatz zu dem, was der hegemonial-bundesrepublikanische Habermasianismus vorschlägt, nicht über inhaltliche Übereinstimmung funktioniert, oder gar als popper&#39;scher Prozess der ständigen Falsifizierung von Hypothesen. Sie funktioniert stattdessen über den Aufbau emotionaler Resonanzen, sympathischer Schwingungen zwischen Subjekten. Natürlich ist diese Analyse nicht besonders neu, schon Spinoza argumentierte im <em>Tractatus politicus</em>, dass Menschen “mehr von Leidenschaft als Vernunft geleitet sind”, und die mit Abstand effektivste Kommunikationsform der Gegenwart, kapitalistische Werbung, hat sie schon lange internalisiert, aber wir scheinen diese grundlegende Tatsache politischer Kommunikation weitestgehend immer noch nicht verstanden, noch nicht in unsere Strategien integriert zu haben. Denn der einzige politische Akteur mit Massenreichweite, der ernst zu nehmen scheint, wie viel Angst Menschen auch hierzulande vor einer immer dunkleren Zukunft haben, ist leider: die AfD.</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p></p><p>Mit gespannt auf Euer Feedback wartenden Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 30 Apr 2026 06:33:56 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Die Anmeldung zum Mutual Aid H.E.A.T. ist jetzt offen…]]></title>
      <description><![CDATA[Die Website des Mutual Aid H.E.A.T. (20. - 27.9. in Brandenburg) ist jetzt am Start, und Ihr könnt Euch dort anmelden. Come all, come many. MutualAidHEAT.de ]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><a href="https://mutualaidheat.de/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/3a415ad9-bdef-4cf2-9897-d7ea532f1d97/uploads/images/hhzxuyn2mp/IMG_6559.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Screenshot der Mutual Aid HEAT Website: &quot;Gemeinsam in Krisen handeln lernen. 20. - 27. September 2026, Alte Hölle, Brandenburg.&quot;"/></a><figcaption>Die Website des Mutual Aid H.E.A.T. ist jetzt am Start, und Ihr könnt Euch dort anmelden. Come all, come many.</figcaption></figure><p>23/04/2026</p><p><br/><br/></p><p>Liebe Leute,</p><p>heute geht es hier weder um die Vorhersage dunkler Zukünfte, noch um deren Analyse, heute geht es um die praktisch-solidarische Vorbereitung auf solche Zukünfte, damit wir nicht handlungsunfähig und paralysiert sind, heute geht es wieder um unser 2026-Großprojekt: das<a href="https://mutualaidheat.de/"> <strong>Mutual Aid H.E.A.T</strong></a>., wo HEAT für <em>hostile environment awareness training</em> steht. Es geht um das <strong>HEAT</strong>, <a href="https://mutualaidheat.de/">weil unsere Website jetzt online ist, und Ihr Euch dort für das Event bewerben könnt</a>.</p><p>Nochmal die Umrisse des Ganzen:</p><p><br/></p><p><strong>Das Mutual Aid HEAT</strong></p><p>In einem einwöchigen Event trainieren wir solidarische Hilfe in Stresssituationen, wir organisieren uns als Menschen die sich Aktiv einbringen wollen, um gemeinsam handlungsfähig zu sein und zu bleiben, und wir machen erste Lernerfahrungen in vier praktischen Trainingssträngen.</p><p>Wir planen ein Event für diejenigen, die die Bedrohung durch Kollaps und Autoritarismus so ernst nehmen wie wir; die wissen, dass wir uns jetzt auf Klimakatastrophen, auf autoritäre Machtübernahmen, auf Systemzusammenbrüche, auf weniger Unterstützung durch den Staat vorbereiten müssen, nicht erst in ein paar Jahren; und die wissen, dass sich für eine Zukunft mit zunehmenden Katastrophen vorbereiten bedeutet, jetzt Zeit und Ressourcen in diese Vorbereitung zu investieren.</p><p><em>20.-27.09.2026, Alte Hölle, Brandenburg: </em>Ankunft Sonntagnachmittag, Beginn mit einem gemeinsamen Plenum, ab Montagmorgen starten die Trainings und Szenarien, Abreise Sonntagmittag.</p><p><em>Fünf Tage Training + Zwei Tage Szenario: </em>Fünf Tage Training mit kleinen Szenarien in der fiktiven Welt, zwei Tage das Gelernte in einem großen Szenario durchspielen, danach gemeinsam die Erfahrung reflektieren.</p><p><em>Vier praktische Trainingsstränge: </em>Teilnehmende können wählen zwischen 4 inhaltlichen Strängen: Kommunikation, Kollektiver Selbstschutz, Versorgung und Logistik, Medizinischer und emotionaler Support.</p><p><em>150-200 Teilnehmende: </em>Wir wollen, dass aus diesem Event praktische Organisierung entsteht, weshalb es auch kein “offenes” Event ist. Stattdessen werden wir schon im Vorfeld des Camps mit potenziellen Teilnehmenden kommunizieren und einen Auswahlprozess organisieren.</p><p><em>Ticketpreis: 300-400€: </em>Da wir wahrscheinlich nur begrenzt an institutionelle Fördergelder herankommen, werden wir Teilnehmer*innenbeiträge erheben müssen. Wir versuchen aber alles, damit möglichst keine Teilnahme am Geld scheitert.</p><p><br/></p><p><strong>Neue Formate</strong></p><p>Wir sind von dem, was wir da gerade organisieren, ziemlich begeistert, wissen aber auch, dass es ein ziemlich ungewöhnliches Event ist: wenn Ihr Fragen habt, wenn Euch Dinge irritieren (“Habt Ihr auch an ABC gedacht?” “Warum gibt es keinen Platz für XYZ?” “Warum so hohe &#39;Ticketpreise&#39;?”), meldet Euch bei <a href="mailto:kontakt@mutualaidheat.de">kontakt@mutualaidheat.de</a>. Wir freuen uns über jedes, auch kritisches Feedback, weil wir wissen, dass sich alle von uns progressiven, linken, humanistischen Aktivist*innen gerade in einer “trial and error”-Phase befinden: nicht Alles, was wir hier organisieren, wird richtig funktionieren, aber wir wollen dieses Event, wenn Alles gut läuft, jedes Jahr organisieren, daher ist jede Kritik produktiv.</p><p>Vor allem aber laden wir Euch zur Teilnahme ein: wir haben in vielen Gesprächen in den vergangenen Monaten, seit dem Kollapscamp 2025, immer wieder gehört, dass viele von Euch mehr wollen, als sich “nur” mit kollapsrelevanten Themen zu beschäftigen, viele wollen praktisch ins machen kommen, wollen sich echte Fähigkeiten aneignen, die dann in katastrophalen Situationen – Naziangriffe oder Hitzewellen, Flutkatatastrophen oder Stromausfälle – tatsächlich eingesetzt werden können.</p><p>Wir behaupten nicht, dass Ihr nach diesem Training und dem Wochenendszenario “Expert*innen” in den Feldern sein werdet, über die ihr dort mehrere Tage lang Dinge lernen werdet – aber wir sind uns sicher, dass wir nach HEAT auf jeden Fall wissen werden, was wir <em>nicht</em> können, was <em>nicht </em>funktioniert, und woran wir deshalb noch weiter arbeiten, noch weiter trainieren, uns noch weiter ausbilden müssen.</p><p>Wenn das für Euch interesant klingt, klickt auf den Button “<a href="https://mutualaidheat.de/#anmeldung">Teilnehmen</a>”, und tragt Euch ein.</p><p>Wir freuen uns auf Euch.</p><p><br/></p><p>Mit trainingseuphorischen Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p><p><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 23 Apr 2026 06:46:33 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Der kommende fossilistische Aufstand]]></title>
      <description><![CDATA[Teures Benzin = teures Essen, teure Mobilität, teurer Urlaub. Das werden reiche fossilistische Gesellschaften nicht akzeptieren. Es droht: der fossilistische Aufstand…]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><a href="https://duke.fm/2026/04/12/irish-police-clear-fuel-protesters-from-central-dublin-after-days-of-gridlock/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/446359ac-19ac-4a72-b1d0-50e0b5333b9d/uploads/images/yyopojwk7c/irish_fuel_protests.JPG?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Ein Trecker in Dublin, mit einem Schild: &quot;No fuel, no food&quot;."/></a><figcaption>Der Trecker sagt&#39;s, wie&#39;s ist.</figcaption></figure><p>16/04/2026</p><p>Liebe Leute,</p><p>ich weiß nicht, ob Ihr es mitbekommen habt, aber in der <em>Poblacht na hÉireann</em>, der irischen Republik, <a href="https://www.dw.com/en/ireland-clears-refinery-blockade-as-fuel-protests-trigger-nationwide-shortages/a-76751180">geht&#39;s gerade ziemlich ab</a>: seit Dienstag vergangener Woche protestieren <em>truckers</em>, Landwirt*innen und Transportunternehmer*innen gegen die wegen des Iran-Krieges steigenden Benzin- und Dieselpreise. Aber sie protestieren nicht nur, sie blockieren auch: bewaffnet mit Treckern und Lastwagen wie vor zwei Jahren die “Bauernproteste”, schafften es die Benzinkleber, Irlands einzige Ölraffinerie teilweise zu blockieren, und den Zugang zu zwei weiteren Treibstoffdepots in Galway und Limerick einzuschränken. Das Resultat: über ein Drittel aller irischen Tankstellen hatte plötzlich nichts mehr zu verkaufen, die gesellschaftlichen Spannungen stiegen so weit an, dass die Regierung damit drohte, die Armee gegen die Blockaden einzusetzen.</p><p>Bemerkenswert daran war, dass von den Demonstrant*innen und Blockierer*innen, die im Laufe von drei Tagen weite Teile des Landes lahmgelegt hatten, “<a href="https://www.irishtimes.com/ireland/2026/04/11/how-the-fuel-protests-brought-the-country-to-a-standstill/">kein einziger Demonstrant verhaftet, kein Fahrzeug entfernt wurde</a>”, und auch die Armee tauchte am Ende nirgendwo auf. Stattdessen setzte die Regierung sich mit einigen ausgewählten <em>movement leaders</em> hin und einigte sich mit ihnen auf ein Reduktion der Treibstoffsteuer, also genau auf die selbe fossile Subvention, die jetzt auch in Deutschland von der Merz-Regierung umgesetzt wird, und die vor vier Jahren auch die Ampel an den Start brachte (zur “Parteiunabhängigkeit” fossilistischer Politik unten noch mehr). Kurz: die fossilen Treibstoffpreise stiegen, in kürzester Zeit entstand eine militante und kampffähige Bewegung für niedrigere Spritpreise, und bingo, ebenfalls innerhalb kürzester Zeit gab die Regierung nach – der Sprit ist jetzt wieder billiger, und ein immer größerer Teil der Staatshaushalte reicher Länder stellen derzeit eine direkte Subvention der Zerstörung der Welt dar, weil&#39;s halt nicht anders geht.</p><p>Der Kontrast zum “policing” der Klimablockaden der Letzten Generation, zu den Reaktionen auf allerlei Klimaproteste ist extrem deutlich, das policing in diesem Fall erinnert uns vielmehr an die freundlichen und verständnisvollen Reaktionen auf die Bauernproteste. Letztere waren sowohl gefährlicher, als auch effektiver, als die Blockaden der Klimabewegung, aber niemand, der diese Proteste organisierte, wurde später als “Kriminelle Vereinigung” verfolgt, wie das der LG geschieht, nirgendwo wurde die ganze Härte des Staates gegen diese ungehorsamen Protestierenden an den Start gebracht.</p><p><em>So what the fuck is going on here?</em></p><p><br/></p><p><strong>Fossilismus vs. Antifossilismus</strong></p><p>Die Chancen und Perspektiven einer sozialen Bewegung aus den gesellschaftlichen Reaktionen auf ihre Aktionen abzuleiten hat mir bei der Klimabewegung gute Dienste geleistetet - es waren die Reaktionen auf die Blockaden der Letzten Generation seit Anfang 2022, die mir zeigten, dass Deutschland fertig hatte mit Klimaschutz, und aus den Reaktionen auf die Bauernproteste wurde mir klar, dass die stärkste politische Produktivkraft unserer Zeit der absolute Wunsch ist, dass sich doch bitte nichts mehr ändern möge – also werde ich das hier mal fortsetzen.</p><p>Ok: in beiden Fällen versucht eine Bewegung, mit dem Mittel der Störblockade die gesellschaftlichen Kosten so hochzutreiben, dass ihren Forderungen nachgegeben wird (wobei dazugesagt werden muss, dass die Kosten im Falle der <em>fuel protests</em> erheblich höher sind, als bei ein paar Klimakleber*innen). Aber die Reaktion auf die eine Bewegung - “wenn ihr nicht aufsteht, fahr ich Euch tot!” “Sperrt die Klimakleber ein!” Oder von links: “was wagen die es, Arbeiter*innen auf dem Weg zur Arbeit aufzuhalten!” - steht in keinem Verhältnis zur Reaktion auf die andere, der trotz des höheren Störfaktors sehr viel mehr gesellschaftliche Sympathie und Unterstützung von links bis rechts zufliegt. “<a href="https://gript.ie/despite-media-spin-poll-shows-big-majority-support-fuel-protest/"><em>Despite the disruptions all this week, 56% of people told pollsters Ireland Thinks that they agreed with the actions of the fuel protesters while just 38% disagreed</em></a>.”</p><p>Hier ein kurzer Einschub: weil die Mitte und die Linke auch nicht anders ist, als die Rechte, wenn es darum geht, soziale Bewegungen zu delegitimieren, wenn sie uns nicht passen, greifen auch wir (genau wie die Mitte und die Rechten, wenn es um linke Proteste geht) gern zum “<a href="https://forlouth.medium.com/the-blockade-is-the-message-20eb93493849">aber das ist keine echte &#39;Bewegung&#39;, die sind von rechten Agitatoren aufgestachelt worden</a>!” Das ist leider Quatsch. <a href="https://www.thejournal.ie/ireland-fuel-protests-far-right-influence-hijack-7009832-Apr2026/?utm_source=twitter_short">Klar haben Rechte versucht, diese Proteste nach rechts zu artikulieren, <em>that&#39;s how political radicals roll</em>, aber die Dynamik kam “von unten</a>”.</p><p>Aber zurück zum Hauptpunkt: zwei Proteste/Bewegungen, ähnliche Taktiken, ganz andere Ziele, aber eine von beiden kriegt mehrheitliche Unterstützung und Konzessionen von der Regierung, die andere kriegt politisch nichts, wird gehasst, geächtet und gejagt. Warum? Weil die fossilistischen Gesellschaften der reichen Welt uns, die Klimabewegung, nachvollziehbarerweise als von außen kommenden Störfaktor betrachten konnten, der sowohl den Fossilismus als auch den Kapitalismus kritisiert. Aber die <em>fuel protests</em> kommen AUS der Gesellschaft, sie SIND die Gesellschaft. Und natürlich wird man sich nicht selbst schlagen, sich nicht über den eigenen Fuß fahren oder sich selbst ins Gefängnis stecken für etwas, das im Grunde nur einfordert, was im eigenen Leben als völlig „normal&quot; gilt: dass Benzin immer verfügbar ist und dass man es kauft, um zur Arbeit zu fahren, ohne dabei arm zu werden.</p><p><br/></p><p><strong>Die fossilistische Gesellschaft</strong></p><p>Moment: inwiefern kommen fossilistische <em>fuel protests</em> “aus der Gesellschaft”, während die Klimabewegung als eine äußere Kraft gelesen werden kann? Weil die <em>fuel protests</em> eine gesellschaftliche Realität reflektieren, und daher mit der unglaublich wuchtigen “normativen Kraft des Faktischen” ausgestattet sind, während die Klimabewegung im besten Fall einen gesellschaftlichen Anspruch reflektiert (wir wollen das Klima schützen), und genau deswegen eine Stressquelle. Was ist, ist immer mächtiger, als das, was sein könnte, und jede von uns kann nachvollziehen, dass das zu tun, was man immer tut, viel, viel einfacher und attraktiver ist, als das, was man <em>tun sollte</em>, wenn man sich denn nur endlich mal zusammenreißen könnte.</p><p>Etwas konkreter: wenn ich von unserer fossilistischen Gesellschaft spreche, meint das ein System, in dem nicht nur der Benzin- Dieselpreis von einer Krise des globalen Fossilismus beinflusst ist, sondern so ziemlich alles, was wir heutzutage zum Leben brauchen – von Nahrungsmitteln bis hin zu Computerchips. Wenn die Straße von Hormuz dicht bleibt, sogar, wenn sie bald wieder aufgeht, werden Lebensmittelpreise <em>around the world </em>trotzdem ansteigen, weil die Lieferungen mit dem fossilen Dünger, von dem die industrielle Landwirtschaft weltweit abhängt, natürlich auch erstmal wieder anlaufen müssen. Teures Benzin = teures Essen. Wenn das fossile Energiesystem wackelt, wackelt die gesamte Gesellschaft. Wenn die Benzinpreise steigen, wird kurz- bis mittelfristig unser Leben schlechter (<em>never mind the climate thing, nobody does these days</em>). Wenn der Spritpreis explodiert oder Tankstellen leer sind, trifft das auch die überzeugte Klimaschützerin, die kein Auto hat – weil ihr Gemüse im Supermarkt teurer wird, weil die Heizkosten steigen, weil die Lieferketten stocken. Der Fossilismus ist die Infrastruktur, in der wir alle leben, auch die, die ihn ablehnen und bekämpfen (ist mit dem Kapitalismus genau so).</p><p>Der Fossilismus ist mehr, als bloß eine Energieform. Ok, zuerst mal ist es wohl die bisher optimalste Energieform für den Kapitalismus (vgl. Altvater und Malm). Und darauf baut dann ein ganzes Energiesystem/Energieregime auf, das fossilistische. Während viele Energiewendehopiumist*innen zu glauben scheinen, der fossile Kapitalismus bestünde bloß aus ein paar Öl- und Gastanks und Kohlegruben, sei bloß eine &#39;Energieform&#39;: der fossile Kapitalismus sind unsere Felder und Wohnungen, unsere Kinderzimmer und Computerserver, unsere Urlaube, unser Einkauf, unsere Freizeit.</p><p>Damit will ich nicht auf die banale Abwehr hinaus, mit der wir Linksradikale so oft konfrontiert werden - “hey, wenn Du den Kapitalismus so scheiße findest, warum benutzt Du dann nen Laptop von Apple?” - ich will bloß erklären, wieso sich ein Protest für billigeres Benzin für viele Menschen richtig und gut anfühlt, während ein Klimaprotest wie eine Stressquelle wahrgenommen, und deswegen verdrängt wird. Wir sind alle Fossilist*innen.<br/>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________</p><p><strong>Die <em>moral economy</em> des Fossilismus</strong></p><p>Die globale “Energiekrise”, die seit einigen Wochen tobt und ständig eskaliert, und keine Anzeichen macht, aufhören zu wollen, bedeutet, dass wir uns auf irische Zustände vorbereiten müssen – eine Einschätzung, die die Bundesregierung wohl teilt, sonst hätte sie nicht wieder so nen fossilistischen Quatsch wie nen “Tankrabatt” durchgesetzt (stellt Euch mal die deutsche Reaktion vor, wenn ein Drittel aller Tankstellen im Land trocken wären – ich sehe schon die Mobs durch die Altstädte ziehen). Das Szenario, das gerade Regierungshandeln in den meisten Ländern der Welt antreibt (<a href="https://www.abc.net.au/asia/some-countries-in-asia-are-rationing-energy-why-they-ve-been-hit/106562342">in Asien sind die Effekte der Energiekrise schneller spürbar, und in manchen Ländern dort wird Energie jetzt schon <em>rationiert</em></a>) ist also folgendes: Ein drohender oder tatsächliches Benzin-Engpass wird nicht nur zu Preiserhöhungen führen, sondern ganze Regionen ohne Kraftstoff zurücklassen. In unserem fossilistischen Alltag bedeutet das: kaum Mobilität. Und das bedeutet: Proteste, Blockaden, Unruhen. Warum? Weil <em>moral economy</em>.</p><p>Die <em>moral economy</em> ist eine traditionelle Vorstellung von sozialen Normen und Verpflichtungen, von den angemessenen wirtschaftlichen Funktionen der Akteure in einer Gemeinschaft, und der marxistische englische Historiker EP Thompson hat gezeigt, dass <em>riots</em> meist dann passieren, dass Menschen dann zum krawallieren auf die Straße gehen, wenn sie sich in ihrer moralischen Ökonomie verletzt fühlen, wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie laufen sollten.</p><p>Die <em>moral economy</em> des modernen Fossilismus besagt: Menschen in reichen Ländern müssen in der Lage sein, Benzin (dito Flugreisen) zu Preisen zu kaufen, die sie nicht verarmen lassen. Steigen die Preise darüber hinaus, rechtfertigt dies militante Reaktionen der Bevölkerung, und darin liegt des Pudels Kern. Denn die militant protestierende Bevölkerung wird sich dann selbst nicht als Regelbrecher sehen, egal, ob ihre Handlungen “illegal” sind, oder das gesellschaftliche Leben “stören”: denn in der fossilistischen <em>moral economy</em> hat dann ja die Regierung ihre Verpflichtungen nicht erfüllt, weshalb sie dann auch schuld an allen folgenden Problemen ist. Die Protestierenden werden sich selbst als die Durchsetzungsorgane gemeinschaftlicher Regeln verstehen, als Kraft, die dafür sorgt, dass die Dinge wieder werden, wie sie sein sollen, dass die Welt dann wieder “normal” läuft. Wie damals die Bauernproteste und davor noch die <em>Gillets Jaunes</em>: egal, ob wir den Protesten linke oder rechte Motivationen zuschreiben, zuerst mal ging es in allen genannten Fällen darum, die existierende Normalität zu verteidigen.</p><p>Das bringt mich zurück zum Anfang: Die Gesellschaft wird diese Proteste nicht aktiv „unterdrücken&quot; wollen, da sie die selbst gesetzten Regeln der Gesellschaft durchsetzen (oder dies zumindest versuchen/versprechen). Diese Regeln lauten, zusammengefasst: “Wir halten die Klappe und helfen dem Kapital, die Welt zu zerstören – solange wir ein paar glänzende Spielzeuge und billige Mobilität dafür bekommen.”</p><p><br/><br/></p><p><br/><br/></p><p><strong>Der kommende fossilistische Aufstand (und die Linke)</strong></p><p>Hormuz oder nicht Hormuz, Energiepreise werden in Zukunft tendenziell immer weiter steigen, weil der Energiepreis in einem gewissen Sinne als der Preis der Natur verstanden werden kann, und da im Kollaps kapitalverwertbare Natur immer knapper wird, wird der Preis der Natur ansteigen (steigende Nachfrage bei sinkendem Angebot), ergo werden Energiepreise steigen (<a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/029244c2-a6c4-4fc6-a7cb-a0850acdc053">mehr dazu könnt ihr hier lesen</a> – <em>disclaimer</em>: mit dem steigenden Energiepreis hatte ich recht, aber ich hatte noch nicht auf dem Schirm, was die <em>knock-on</em> Effekte so eines Preisanstiegs auf Löhne und Zinssätze wären).</p><p>Das wird zu der Art von fossilistischem Aufständen führen, die ich oben beschrieben habe, die wir aus den irischen <em>fuel protests</em>, aus den Bauernprotesten, von den <em>Gillets Jaunes</em> kennen. Und wenn Regierungen nicht (mehr) in der Lage sind, mit Staatsgeld gegenzusteuern, wenn irgendwann tatsächlich ganze Regionen keinen Sprit mehr haben, dann wird&#39;s da auch richtig knallen. Allüberall auf der Welt werden fossile <em>fuel riots</em> ausbrechen, und wir Linken werden mal wieder keine Ahnung haben, wie wir uns dazu stellen sollten. Sollten wir mit den fuel protests auf die Barrikaden gehen? Hmmm, irgendwie haben die meisten von uns schon verstanden, dass das mit den fossilen Brennstoffen keine so gute Idee ist, zumindest nicht langfristig, aber irgendwie finden wir auch, dass Menschen halt ein Recht auf Mobilität haben, und wenn diese Mobilität de facto fossilistisch ist, dann haben die Menschen halt ein Recht auf... billigen Sprit. Und billige Urlaube, weil, das schwere Los der Arbeitnehmenden im Kapitalismus (hey, ich bin voll pro Urlaub, <em>just to be clear</em> ;)) und so.</p><p>Noch schwerwiegender für unsere linke Reaktion auf diese Proteste, Krawalle und mittelfristig Aufstände (eher im globalen Süden, weil da die Regierungen halt weniger Kohle haben, und mit fossilistischen Subventionen gegenzusteuern) wird sein, dass der kommende fossilistische Aufstand ein Konsument*innen- und kein Arbeiter*innenaufstand sein. Er wird daher von einem Ort kommen, aus einem Subjekt heraus, das wir auf der Linken verdrängen, weil wir uns schämen, wie manipulierbar wir Konsument*innen sind. Der Konsument will das, was ihm versprochen wurde – er will NICHT die Revolution. Das beweist er jeden Tag wieder, das beweisen <strong>wir </strong>jeden Tag wieder.</p><p>Der kommende fossilistische Aufstand wird der Gesellschaft dringendsten Wunsch mobilisieren: dass die Dinge so bleiben mögen, wie sie sind – oder wie sie in einer perfekten, imaginierten Vergangenheit waren. Deshalb wird es für die AfD und andere rechte Kräfte auch so verdammt einfach sein, den Aufstand nach rechts zu artikulieren: sie muss sich einfach hinstellen und “ein Euro pro Liter Sprit!” versprechen, und viele Menschen werden ihr wie Lemminge hinterherrennen. Nicht, weil sie Faschos sind. Sondern, weil sie ihre fossilistische Normalität verteidigen werden.</p><p><em>It&#39;ll be hellish</em>.</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Mit besorgten Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p><p><br/></p><p>p.s.: ich hatte oben versprochen, kurz etwas zur “Parteiunabhängigkeit” fossilistischer Politiken zu schreiben, also dazu, warum sowohl die Ampel, als auch Merz, als auch die irische Regierung und viele andere <em>around the world</em> zum selben fossilistischen Werkzeug greifen, wenn eine fossile Energiekrise droht, habe es dann aber nicht mehr in den Text einbauen können. Hier meine Gedanken dazu: nicht der Fossilismus ist abhängig von uns und den Parteien, die wir wählen, wir und die Parteien, die wir wählen, sind abhängig vom Fossilismus. Und da abhängigkeit eine machtbeziehung ist, bedeutet das: die Macht liegt beim Fossilismus, die Parteien tun nur, was sie tun müssen, damit wir unseren Stoff kriegen.</p><p></p><p>p.p.s.: und für Kurzentschlossene: ich bin heute abend in Ludwigslust, um dort auf meinem kleinen rosa Buch zu lesen: </p><a href="https://gruene-ludwigslust-parchim.de/startseite?type=1">https://gruene-ludwigslust-parchim.de/startseite?type=1</a><p><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 16 Apr 2026 06:02:02 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Netflix statt Nachrichten: wohin die Gesellschaft den Kollaps…]]></title>
      <description><![CDATA[Die Kollapsszenarien in aktuellen SciFi-Filmen sind realistischer, als Alles, was bei uns pol. diskutiert wird, Realismus findet man eher auf Netflix, als in den News.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Netflix statt Nachrichten: wohin die Gesellschaft den Kollaps verdrängt</h1><figure><a href="https://fm4.orf.at/stories/3052816/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/7f25f559-a15b-4a4e-8206-6368fc1b2d5e/uploads/images/6etidydbq2/project_hail_mary.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Filmposter Project Hail Mary: Ryan Gosling schaut aus dem runden Fenster einer Raumkapsel."/></a><figcaption>Project Hail Mary</figcaption></figure><p>09/04/2026</p><p></p><p></p><p>Liebe Leute,</p><p>ich hoffe, Ihr hattet ein schönes Osterwochenende. Meines war ein bisschen davon beeinträchtigt, dass ich mit nervigen Magenproblemen krank zu hause lag, und weder die schöne Sonne, noch die viele freie Zeit so richtig genießen konnte. Aber krank zu hause liegen heißt auch: maximal viel Hörbuch hören – tatsächlich meine absolute Lieblingsfreizeitbeschäftigung – was dann auch bedeutet, maximal viel Zeit in anderen Welten zu verbringen (ich höre meist Fantasy-, Horror- oder SciFi-Romane), Welten, die nicht so scheiße, so dumm und so gefährlich (leider halt auch nicht so real) sind, wie die, die ich sehe, wenn ich aus dem Fenster schaue.</p><p></p><p></p><p><strong><em>Project Hail Mary</em> (<em>contains spoilers</em>)</strong></p><p>Na gut, gefährlich sind diese Welten auch, zum Beispiel die Welt, in der die zur Zeit hoch gehypte Geschichte <em>Project Hail Mary</em> (PHM) spielt: gerade als Film mit Ryan Gosling in den Kinos, erzählt PHM die Geschichte einer Welt, unserer Welt, dem dritten Planeten des Sol-Systems, deren Sonne von interstellaren Mikroorganismen befallen wird. Diese Organismen (<em>astrophage</em>) fressen auf einer exponentiell steigenden Kurve die Energie der Sonne auf, was auf der Erde natürlich zu extremem Klimawandel führen würde: schon zehn Jahre nach der Entdeckung des astrophage-Befalls, der ungefähr im “Jetzt” stattfindet, würde eine dunklere Sonne die Erde mit so viel weniger Energie bestrahlen, dass erhebliches “global cooling” stattfinden würde, das mit gigantischen Ernteausfällen, globalen Hungersnöten und dem Beginn endloser globaler Konflikte um einen schrumpfenden Ressourcenpool einhergehen würde. Gute zwanzig Jahre nach der Entdeckung würde schon die Hälfte der Weltbevölkerung sterben...</p><p>Da liege ich also, leise leidend auf dem Sofa, will mich in andere Welten beamen... und plötzlich horche ich auf, weil mir exzellente Vorleser von PHM gerade ziemlich detailliert und faktisch korrekt erklärt hat, wie die wahrscheinliche Zukunft <strong>unserer</strong> Welt aussieht: in dieser, unserer Realität gehe ich davon aus, dass schon in zehn Jahren – 2036 – erhebliche Ernteausfälle (nicht nur Ernte-, auch Fisch- und Fleischausfäll drohen natürlich) und andere Ressourcenknappheiten zu massiven globalen Konflikten führen, und existierende Konflikte massiv anheizen werden. Ich glaube ebenfalls, dass in 20-25 Jahren (also an dem Punkt, wo in PHM die Hälfte der Weltbevölkerung gestorben wäre, wenn nicht... aber das wären dann zu viele Spoiler) eine Kombination aus globalem ökologischen Kollaps, globaler Faschisierung und globaler “Thukydides-Falle” (schon ein paar Mal erwähnt: wenn ein absteigender internationaler Hegemon auf einen aussichtsreichen “Challenger” trifft, ergibt das notwendigerweise mehr Krieg) die Welt für die allermeisten von uns zu einem ziemlich unangenehmen Ort gemacht haben wird.</p><p>Danach wird&#39;s natürlich wieder unrealistisch, denn die Welt reißt sich zusammen, schmeißt alle Ressourcen in einen Topf, und macht jenen letzten Spielzug, der im <em>american football</em> gemacht wird, wenn alles andere nicht mehr funktioniert, den <em>hail mary pass </em>(lang nach vorne werfen, und hoffen, dass der <em>wide receiver</em> irgendwie den Ball aus der Luft fischen, und einen <em>touchdown</em> machen kann): eine Raumfahrtmission in das Heimatsystem der Mikroorganismen, um dort die Rettung der Welt zu finden. Na gut, es handelt sich eben um Science<em>Fiction</em>, nicht um klimapolitischen Journalismus, aber... <em>wait a second</em>: was in diesem SciFi-Roman über Kollaps steht, über globalen ökologischen Kollaps, ausgelöst von einer Variation in der Menge Sonnenenergie, die in der Erdatmosphäre bleibt, also genau über das Szenario, das in unserer, in der realen Welt stattfindet, ist tatsächlich erheblich realistischer, als so ziemlich alles – nein, als alles, was ich in unseren Zeitungen lese und in Nachrichtensendungen oder Podcasts höre und sehe. Und das ist irgendwie <em>weird</em>. Das sollte so nicht sein. Es ist aber so. <em>WTF is happening</em>?</p><p><br/></p><p><strong>Kollapsrealismus</strong></p><p>Dass die “Popkultur” deutlich mehr Kollapsakzeptanz entwickelt hat, als unsere politischen Diskurse, sollte uns allen spätestens seit der ultimativen Verdrängungsgesellschaftssatire “<em>Don&#39;t Look Up</em>” (wo ein gigantischer Meteroit auf die Erde zurast, die zu zerstören droht, und fast die ganz Welt... naja, gemeinsam weg-, will sagen, nicht nach oben schaut) klar sein: während dieser Film überall gefeiert wurde, entwickelte ich gleichzeitig die These von der Verdrängungsgesellschaft (je mehr selbstverschuldete Gefahr, desto mehr Verdrängung und Idiotie), und lief damit so ziemlich überall auf, auch in meinen linken und Klimakontexten. Wir konnten uns also schon vor vier Jahren mit unserer eigenen gesellschaftlichen Realität nicht direkt, in der Form der analytischen Kritik auseinandersetzen, aber wir konnten kulturelle Produkte feiern, die genau diese Auseinandersetzung in einen anderen Bereich verschoben, in den Bereich der Unterhaltung, in der eh nix echtes passiert, und jede Katastrophe nur ein bisschen teures <em>CGI</em> ist. Die selben Menschen, die am Tag davor noch mit riesiger Freude, viel Gegacker und einigem betretenen Schweigen <em>Don&#39;t Look Up </em>geschaut und gefeiert hatten, waren am Tag drauf geschockt von der These, wenn jemand es wagte, sie im politischen Raum zu artikulieren.</p><p>Ein weiteres Beispiel aus der Filmwelt ist der Apokalypsethriller “Leave the World Behind” mit drei Stars meiner Filmjugend (Julia Roberts, Ethan Hawke und Kevin Bacon), in dem ein Cyberangriff zum Kollaps allerlei gesellschaftlichen System führt. In dieser Situation, in der Menschen auf sich selbst und ihr unmittelbares Umfeld zurückgeworfen sind, wo alle gesellschaftlichen Konflikte nochmal in schärferen Umrissen wahrgenommen werden, tauchen auch “<em>racial</em>” und Klassenkonflikte wieder auf, und einen dieser löst die Karen des Films, Julia Roberts, mit einem wunderschönen Monolog auf. Gefragt, warum sie ständig so ängstlich sei, so wütend, antwortet sie:</p><p>„Jeden Tag, den ganzen Tag, besteht meine Arbeit, meine ganze Arbeit darin, die Menschen gut genug zu verstehen, damit ich weiß, wie ich sie anlügen muss, um ihnen Dinge zu verkaufen, die sie eigentlich gar nicht wollen. Und wenn man Menschen so beobachtet, wenn man wirklich sieht, wie sie miteinander umgehen, nun ja … Du bist kein Dummkopf. Du siehst, was sie tun, und sie tun es, ohne darüber nachzudenken. Fuck. Ich habe es dir und deinem Vater angetan, und ich weiß nicht einmal wirklich, warum. Wir ficken uns gegenseitig ständig, ohne es überhaupt zu merken. Wir ficken jedes Lebewesen auf diesem Planeten und denken, es sei in Ordnung, weil wir Papierstrohhalme benutzen und Freilandhähnchen bestellen. Und das Kranke daran ist: Ich glaube, tief im Inneren wissen wir, dass wir niemanden täuschen. Ich glaube, wir wissen, dass wir eine Lüge leben. Eine Massenwahnvorstellung, die wir gemeinsam aufrechterhalten, die uns hilft, auch weiterhin zu ignorieren, wie schrecklich wir wirklich sind.“</p><p><br/></p><p><strong>Realitätsverfremdung</strong></p><p><em>Yup. That&#39;s it</em>, genau das. Das ist die privilegierte Verdrängungsgesellschaft <em>in a nutshell</em>. Besser oder zumindest konziser analysiert, als ich das in den meisten meiner Texte hinkriege, und auf jeden Fall eine präzisere Beschreibung der zentralen gesellschaftlichen Dynamiken unserer Zeit, als ich sie bisher in irgendeiner Nachrichtensendung, irgendeiner halbwegs respektablen Zeitung, oder bei den meisten meiner klugen linken und Klimagenoss*innen gelesen habe. Zu verstehen, dass der Großteil unserer (also auch der linken und ökologischen) politischen Diskurslandschaft eine “Wahnvorstellung” ist, “die wir gemeinsam aufrechterhalten”, um zu verdrängen, “wie schrecklich wir sind”, und dies auch wirklich anzuerkennen, scheint einen intellektuellen Mut zu brauchen, den wir im politischen meist nicht aufbringen können.</p><p>Gut, dass es dafür das Feld “Kultur” gibt, wo schon jeher schwierige Themen besser besprochen werden konnten, wo es zum Beispiel den ersten Kuss zwischen “weiß” und “schwarz” im amerikanischen Fernsehen gab, in <em>Star Trek: The Original Series</em>, zwischen Captain Kirk und Lieutenant Uhura – <em>but to be fair, they were under alien influence</em>. Und dieser “alien influence” ist hier wichtig, denn durch einfache Verfremdungsmechanismen wie eben “alien influence” o.ä. Lässt sich einiges erreichen. Zum Beispiel in <em>Star Trek: The Next Generation</em> (die mit Captain Picard und Data, für die Halbnerds unter Euch): in einer Episode trifft die Enterprise auf eine Spezies, in der es offiziell keine Geschlechter gibt, aber eine verfolgte Subkultur von Menschen, die sich zu binärer Geschlechtlichkeit bekennen – wie es kommen muss, verliebt sich einer der Starfleet-Offiziere in ein Person, die sich als Frau versteht, und plötzlich können Heten in heteronormativen Gesellschaften darüber nachdenken, wie es sich für Homos anfühlt, die sich vor gesellschaftlichen Sanktionen verstecken müssen, cis-Menschen, wie die Welt sich für trans Menschen anfühlt weil sie nicht <em>direkt</em> damit konfrontiert sind, weil es, 1. ein bisschen Verfremdung gibt (“Da geht&#39;s ja gar nicht um uns, das ist ja&#39;n anderer Planet!”), und 2. das ganze im “Kulturbereich” stattfindet, also nicht Kultur, wie die Ethnographie sie versteht, sondern “Kultur” im Sinne von Popkultur, oder Kulturmanagerin.</p><p>Deswegen sollte, wer ein vernünftiges Verständnis vom globalen ökologischen und sozialen Kollaps entwickeln möchte, dafür vielleicht lieber Netflix schauen, als die Nachrichten. <em>Just a suggestion</em>.</p><p>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________</p><p><strong>Kollapsenergie</strong></p><p>Die, oder zumindest: eine der wichtigen Funktionen des gesellschaftlichen Feldes oder Subsystem “Kultur” ist es also, der Ort zu sein, an den wir Dinge, die direkt zu konfrontieren zu schwierig, zu herausfordernd, zu destabilisierend wäre, die wir also verdrängen wollen/müssen, hinschieben können. Das bedeutet dann nicht, dass wir uns damit überhaupt nicht auseinandersetzen, sondern wir verschieben die Auseinandersetzung damit einfach in einen Raum, wo sie uns nicht wehtut. Zum Beispiel in einen Film, den wir hinterher kritisieren, den wir abschalten, den wir durch ein anderes Programm ersetzen könnten. Wo wir nicht unbedingt auf die wuchtigen inhaltlichen und politischen Aussagen achten müssen, sondern uns... <em>I don&#39;t know</em>, den hübschen Hauptdarsteller anschauen können, oder was auch immer.</p><p>Und dass der Kollaps ein Prozess mit erheblicher Wucht ist, das kann niemand verneinen, die sich derzeit regelmäßig mit der Welt auseinandersetzt. Ich würde so weit gehen, zu argumentieren, dass die Verschiebung der Auseinandersetzung mit Kollaps in den “Kultursektor” notwendig war, weil die emotionale Energie, die durch den real-existierenden Kollaps in uns produziert wird, die aber nicht explizit artikuliert werden kann (wo “artikuliert” nicht nur “geäußert”, sondern auch “organisiert” bedeutet), eine der zentralen gesellschaftlichen Produktivkräfte unserer Zeit ist. Dass wir eine kulturelle Produktion brauchen, die voller immer dunklerer Endzeitszenarien ist, weil das die reale Zukunft ist, auf die wir uns zubewegen, ohne dies anerkennen zu können. Im Grunde nutze ich hier eine Art psychologisches Druckkochtopfmodell, wo “die Kultur” das Sicherheitsventil ist. In diesem Druckkochtopf befindet sich immer mehr unartikulierte Kollapsenergie, und eine der Aufgaben einer solidarischen Kollapsbewegung wird es sein, diesen Energien einen produktiveren Ausweg aus dem Druckkochtopf der Verdrängungsgesellschaft zu geben, als nur “coole Filme und Serien auf Netflix”.<br/><br/></p><p><strong>Schlussgedanken</strong></p><p>Wenn Dir als Politikwissenschaftler und Aktivist auffällt, dass die meisten Deiner Kolleg*innen und Genoss*innen egal, wie cool und radikal Du sie mal fandest, Sachen erzählen, die dazu angelegt, die designed sind, unseren täglichen spätimperialen Normalwahnsinn zu sanewashen, wenn Du merkst, dass das meiste, was in dieser Gesellschaft erzählt wird, Teil einer “gemeinsam aufrechterhaltenen Massenwahnvorstellung” sind, kann das schon ein bisschen traurig machen. Also ja: es macht mich traurig, dass ich auf Netflix klügere Analyse serviert kriege, als von den Menschen, deren Aufgabe es ist, kluge Analysen zu produzieren. Manchmal glaube ich, dass es für die meisten Journalist*innen so schwer war und ist, Trump nicht zu “<em>sanewashen</em>” (also so zu tun, als hätte sein Wahnsinn eine andere Methode als das<em> temper tantrum</em> eines überprivilegierten fünfjährigen Soziopathen), weil ihr täglicher Job das Sanewashen einer durch und durch abgefuckten Normalität ist. Dann wird&#39;s tatsächlich schwierig, weil: welchen Teil des Normalwahnsinns sollst Du jetzt normalisieren, und noch schwieriger, welchen sollst Du für verrückt erklären?</p><p>Alles davon, liebe Kolleg*innen, alles. Unser politischer Diskurs ist im Kern die Normalisierung einer bizarren, einer unmoralischen und unmöglichen alltäglichen Realität, und zwar fast jeder Aspekt davon, auch die anscheinend “kritischen”. Julia Roberts brachte es auf den Punkt: “<em>I think deep down we know we&#39;re not fooling anyone. I think we know we&#39;re living a lie. An agreed upon mass delusion to help us ignore and keep ignoring how awful we really are</em>.”</p><p><em>Quite.</em></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Mit freudomarxistisch-kulturwissenschaftlichen Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 09 Apr 2026 05:59:52 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Auch Drachen sind Fabelwesen: China wird das Klima nicht retten]]></title>
      <description><![CDATA[Die Geschichten, die wir übers Klima erzählen, handeln von mythischen Archetypen wie dem Retter, der uns von der Angst erlöst. Aber auch China wird das Klima nicht retten]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><a href="https://www.leoninestudios.com/news/artikel/dragonkeeper-das-maedchen-und-der-drache-ab-24-oktober-2024-im-kino-2978"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9b3f6f2a-5b47-46af-aca2-23d884c0ec27/uploads/images/6nbtz7j2xc/csm_5872858Dragonkeeper_Artwork_00ppi_sRGB_RZv2_b85f5de4f6.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Screenshot aus dem Anime &quot;Dragoncatcher&quot;: chinesischer Wunderdrache vor freundlich lächelndem Mädchen."/></a><figcaption>Auch Drachen sind Fabelwesen...</figcaption></figure><p>02/04/2026</p><p><br/></p><p>Liebe Leute,</p><p>die Sexarbeit wird ja gerne als das älteste Gewerbe der Welt bezeichnet, aber ich bin mir da gar nicht so sicher – ich würde denken, dass Geschichtenerzählen das älteste Gewerbe der Welt ist. Denn während wir zwar <em>day-to-day </em>auch ganz gut ohne Sex überleben können, brauchen wir jeden Tag Geschichten um uns herum: Geschichten geben unseren Handlungen Bedeutung, ordnen unsere Gefühle in sinngebende Zusammenhänge ein, strukturieren unsere menschlichen Beziehungen so, dass wir im besten Fall wissen, welche wichtig sind, welche wir besonders pflegen müssen (oder in einem eher <em>negative case scenario</em>, glauben, dass bestimmte Beziehungen von besonderer Wichtigkeit sind, während sie doch nur vergängliche kleine Wirbel im langen Fluss des Lebens sind).</p><p>Wir brauchen, wir nutzen Geschichten, um Ereignissen, Gefühlen, Entscheidungen Sinn zu geben. Stellt Euch mal eine Welt vor, in der jedes Ereignis sinnlos in unser Leben platzen würde, keine Vor- und keine Nachgeschichte hätte... Wir würden sofort durchdrehen. Die ältesten Geschichten sind daher auch animistische Geschichten, solche, die den Lebewesen, Orten und Gegenständen, die wir im Alltag antreffen, transzendente Bedeutung zuweisen. Oder etwas kürzer: die ältesten Geschichten, die es gibt, sind irgendeine Variation dessen, was wir heute “Religion” nennen. <em>Gods are the world&#39;s oldest brand</em>.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Archetypen</strong></p><p>Die Idee von Gottheiten (animistisch, poly- oder monotheistisch) und anderen übernatürlichen Wesen entsteht, wenn Menschen/Gemeinschaften vor Situationen stehen, die ihnen unerklärlich erscheinen, und/oder sie in intensive Gefühlszustände versetzen, seien diese Ehrfurcht und Staunen, oder panische Angst. Aber Gottesgeschichten sind nicht die einzigen, die wir uns gegenseitig erzählen: wer wie ich viel Zeit mit dem Hören von Horror-, Fantasy- und SciFi-Romanen verbringt, und jeden Abend 1-2 Folgen irgendeiner fantastischen Fernsehserie schaut, der wird auffallen, dass sich alle Geschichten irgendwie wiederholen.</p><p>Eine meiner Lieblingsgeschichten ist die “<em>hero&#39;s journey</em>”, die immer – egal ob im Herrn der Ringe, der Odyssee oder der Bibel, in jedem <em>superhero movie</em> – einer bestimmten Struktur folgt: Aufbruch (“<em>origin story</em>”), Initiation (“Abenteuer”), Rückkehr. Ich liebe zum Beispiel Stephen Kings Romane, weil er so wunderbare, oft jugendliche “Held*innen” schreibt, in die ich, im Herzen immer noch ein alleingelassener kleiner Junge, der von einem Helden (wohl irgendwie auch einem Prinzen) gerettet werden will, mich sowohl verlieben, als auch mit ihnen identifizieren kann.</p><p>Worauf will ich hinaus? Naja, ganz offensichtlich, dass ich mal wieder mit meinem Therapeuten reden muss, aber ich hab auch nen inhaltlichen Punkt: alle Geschichten, die wir erzählen, wiederholen sich in ihrer Kernstruktur immer wieder. Ich hatte zwar leider nie die Zeit, mich mit der Arbeit des visionären Psychologen Carl Jung zu beschäftigen, aber die Idee, dass es im Grunde universelle Urbilder gibt, die in allen Geschichten auftauchen, die wir einander erzählen, um der Welt Sinn zu geben, universelle Urbilder, in denen bestimmte menschliche Grunderfahrungen verarbeitet (“aufgehoben”?) sind, erscheint mir erst einmal sehr einleuchtend – vor allem, wenn man die “großen” Geschichten der Weltgeschichte (verzeiht meine Westprägung hier, ich nehme an, die Bhagavad Gita würde hier ebenso gut reinpassen, dito andere Epen der Menschheitsgeschichte) ein bisschen miteinander vergleicht: die selben Themen, Strukturen, Funktionen rekurrieren immer wieder.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Der Retter</strong></p><p>Eine der zentralen rekurrierenden Funktionen, Charaktäre, Archetypen in den Geschichten, die ich konsumiere, ist “der Retter” (ich gendere hier mal nicht: für mich als schwulen Mann mit <em>more daddy-issues than you shake a stick at </em>ist der Retter immer eine männliche Figur, <em>please reassign their gender as per your own needs</em>). Der Retter... nunja, rettet uns. Rettet uns aus dunklen Kellern, in denen wir gefangen sind, rettet uns aus der Einsam- und der Sinnlosigkeit, der Retter ermöglicht es der Geschichte, weiterzugehen (für Tolkien-Fans: <em>“The Eagles are coming!”</em>). Der Retter heilt und erlöst, der Retter (sagt mir die Google KI) “verkörpert Selbstaufopferung, Moral und Stärke”, und der Ursprung des Archetyps liegt oft in der Mythologie als göttliche Gestalt, oder, in der Literatur, als heroischer Beschützer. Was mich endlich, nachdem ich Euch eine Seite lang als Gruppentherapie genutzt (hoffentlich nicht missbraucht) habe, zum politischen Thema des Textes bringt: dass eigentlich alle nicht-kollapsbewussten politischen Geschichten, die wir über die Welt erzählen, besser mit dem Handwerkszeug der vergleichenden Religionsforschung und Jung&#39;schen Psychoanalyse zu verstehen sind, als mit Verweis auf tatsächliche Realitäten. Offensichtlich ging es mir in diesem Text nicht nur um gegenwärtige politische Diskurse, da wurde auch einiges persönliches mit verarbeitet, aber diese Connection herzustellen, hat sich in meiner Arbeit der letzten Jahre meist als produktiv erwiesen, <em>so bear with me, if you will</em>.</p><p>Ich erwähnte oben kurz das kleine, junge, alleingelassene Ich, das im Keller sitzt, und gerettet werden will – ich will, ich muss gerettet werden, weil ich alleine nicht meine Einsamkeit auflösen kann (<em>still haven&#39;t learnt that, by the way</em>). Mittlerweile habe ich mir natürlich ne Reihe von <em>coping strategies </em>entwickelt, und Wolf ist der alltäglich real-existierende Retter meines Lebens, derjenige, der mich jeden Tag aus dem einsamen Keller befreit/erlöst, und die meisten meiner Dämonen verjagen kann. Aber mein Leben ist glücklicherweise nicht die Klimafrage, denn in der Klimafrage sind wir als Gesellschaft immer noch jenes kleine Kind, das allein und ängstlich im Keller sitzt, sich vermutlich sogar fragt, ob es irgendwie mit dafür verantwortlich ist, dass es so allein ist, dass draußen alles kaputt geht (ob es das tatsächlich ist, oder nicht, ist hier egal – wichtig ist, was gefühlt wird). Oben tosen die Stürme, wüten die Hungersnöte, wird alles jeden Tag immer schlimmer, und wir wissen seit Jahrzehnten davon. Aber weil wir so klein und schwach und handlungsunfähig sind, können wir auch nichts dagegen machen. Es droht das Abrutschen in die tiefe, schwärzeste Depression. Sauron hat seine Hand fast schon um den Ring.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Klimaretter</strong></p><p>Aber dann geht irgendwo im Westen die Sonne auf, wir hören den Flügelschlag der riesigen Adler, die sowohl im Hobbit, als auch im Herrn der Ringe ständig als <em>dea ex machina</em> fungieren, plötzlich geht die Tür des dunklen Kellers auf, und umringt von Lichtschein steht oben der Retter. Im persönlichen Bereich hat diese Person für jede ihre eigene Struktur, im Klimafeld war es meist ein “starkes”, “fortschrittliches” Industrieland, das aus irgendwelchen Gründen anders war, als die anderen Länder. (Von der deutschen Klimajournalismus-Website, die bis vor geraumer Zeit tatsächlich den Namen “Klimaretter” trug, schweige ich hier weitestgehend – die Texte waren meist gut, der Name so cringe, das es wehtat.)</p><p>Zum Ende der Nuller Jahre, als der Hurricane Katrina und Al Gores nobelpreisprämierter Diavortrag “<em>The Inconvent Truth</em>” den globalen Norden ein wenig klimabewusst gemacht hatten, war die Größe der Herausforderung schon einmal klar, vielleicht klarer, als in der heute ständig zunehmenden Klimaverdrängung. Damals war die Heldin der Geschichte der heutige <em>villain</em>: die USA unter Obama wurden als Verkörperung universeller Rationalität und Fortschrittshoffnungen gesehen, sein “Yes We Can!” wurde eine Art globaler Slogan, der uns mitten in den Untiefen der Weltwirtschaftskrise zeigen sollte: <em>yes, we CAN use the climate crisis to start a new round of “green growth”, Obama will save us, and everything will be well</em>. Damals waren Saudi Arabien und China die <em>villains</em>, die Saudis mit ihrem bösen Öl, und China mit seiner bösen Verneinung jeglicher globalen Verantwortungsübernahme (China betonte seinen “developing country status”, der Westen grölte “AbeR DiE chINeSeN!”).</p><p>Später, um das Paris Agreement herum, war es kurz die EU mit ihren zentralen Playern Frankreich und dem angeblichen Ökochampion Deutschland, die in die Rolle der Retterin globaler Vernunft aufstiegen, aber als kurz danach Obama die Bühne verließ, und der bisherige <em>comic relief </em>plötzlich im Weißen Haus saß, schien die Rolle der Klimaretterin kurz verweist. Es ist meine These, dass der Raum, den die Klimabewegung Ende der Zehner einnehmen konnte, genau dieser war: die Rolle der Weltklimaretterin war verwaist, und die Klimabewegung konnte ein bisschen was von der Legitimitätsreserve abgreifen, die in der Rolle lag.</p><p><em>Fast forward to now</em>: mittlerweile sind die USA in die Schurkenrolle verwiesen worden, die EU rudert immer schneller von ihren Klimacommitments zurück, und plötzlich ist es der ehemalige Oberschurke China, der jetzt in der Rolle der Retterin ist. <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/b583b7fd-65f1-4f5d-83a1-a468f7e621a4">Ich schrieb zum letzten Klimagipfel dies</a>:</p><p>“China, das zwar massiv fossile Brennstoffe ausbaut, das 2024 mehr Kohlekapazität hinzugefügt hat, als in den zehn Jahren davor, das auf eine &#39;all of the above&#39;-Energiepolitik (Ausbau aller profitablen Energiequellen) setzt, und darin natürlich auch viel erneuerbare Kapazität dazubaut, ist jetzt die neue Klimaheldin. Wenn also Jonas Waack in der taz schreibt: &#39;<a href="https://taz.de/Kampf-gegen-die-Erderhitzung/!6123497/">Danke, China!</a>&#39; ist das ein bisschen lustig und ein bisschen traurig, weil es natürlich einerseits die Fortschreibung der alten europäischen Attitüde des &#39;jemand anderes wird unseren Müll schon wegräumen&#39; ist, andererseits die psychologische Dimension der Gipfelerzählungen so schön verdeutlicht. Die Klimaheldin, die bei jedem Gipfel gefunden wird, ist die <em>dea ex machina</em>, die es uns erlaubt, unsere Sorgen zu verdrängen, völlig unabhängig davon, was die Heldin in der Realität macht – denn es geht ja nicht um die Realität. Es geht um eine Erzählung, die uns gut fühlen macht.” (Vgl. auch <a href="https://www.darkoptimism.org/2010/01/05/heroes-villains-copenhagen/">diesen Text</a> von 2010, der nach dem gescheiterten COP15-Klimagipfel genau die selbe These über den Klimadiskurs aufstellt.)</p><p><br/></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p><br/></p><p><strong>Weltretter</strong></p><p>Dass China uns retten wird, steht übrigens nicht nur in der <em>taz</em> so, auch einer der für mich derzeit klügsten Intellektuellen der westlichen Welt, Adam Tooze, erzählt ständig die Geschichte, wie das Land, das gleichzeitig den größten fossilen Ausbau der Geschichte vorantreibt, <a href="https://braveneweurope.com/adam-tooze-how-chinas-powerslide-is-driving-the-global-green-electricity-transition">die globale grüne Energiewende antreibt</a>. Und um das zum xten Mal zu betonen: gleichzeitig erneuerbare <em>und</em> fossile Energien ausbauen ist <em>keine </em>Energiewende. Noch mehr: jetzt hofft Tooze, dass China nicht nur das Klima retten wird, sondern er schlägt einen “<a href="https://www.ft.com/content/cf2eeead-461d-4e3b-aeb7-48b30114643c">blueprint for Chinese global leadership</a>” vor. China, so Toozes Position, soll im Grunde die Rolle der alten USA, des alten Westens einnehmen (also die nette Rolle, nicht die reale, aber wir reden hier ja von Geschichten), globale Hegemonie errichten, die Welt stabilisieren, dafür sorgen, dass das Klima geschützt wird, dass es weniger Kriege gibt, dass... wir nicht mehr so allein im dunklen Keller sitzen müssen.</p><p>Ich habe ehrlichen intellektuellen Respekt vor Tooze, aber die psychologischen Treiber dieser “Analyse” sind erheblich offensichtlicher, als die materiell-analytischen. Niemand wird kommen, um uns zu retten: egal, ob China ein <em>good or bad actor</em> ist (je nach Perspektive), egal, wie brilliant oder dämlich die Pläne und Strategien der chinesischen Regierung, egal, ob wir uns mal kurz fragen, was eine globale chinesische Hegemonie bedeuten würde... gibt es den Pfad zur Rettung nicht mehr. China wird das Klima nicht retten, weil es schon kippt; China wird den Fossilismus nicht abschaffen, sondern nur ein hocheffizientes weiteres Energiesystem dazubauen, in einer Welt, deren Energiehunger schneller steigen wird, als ihre Energieproduktionskapazitäten. Und China wird nicht “die Weltordnung” retten, weil diese in einer Kombination aus Thukydidesfalle (Konflikt aufsteigender vs. absteigender Hegemon) und globalem ökologischen Kollaps zermahlen wird. Auch Drachen sind Fabelwesen.</p><p>Der Retter kommt nicht. Das Ende schon. Die Story, wie wir das Ende meistern werden: das ist die Story, die wir jetzt schreiben müssen. Daher der Plan für mein 2. Buch.</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Mit spätkindlichen Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p><p><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 02 Apr 2026 06:16:29 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Der Fossilismus sind wir Alle: die Straße von Hormuz und der drohende…]]></title>
      <description><![CDATA[Wenn der Fossilismus wackelt, wackeln unsere Leben: das beweist die Debatte um die Straße von Hormuz und steigende Benzinpreise. Le fossilisme, c'est nous!]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Der Fossilismus sind wir Alle: die Straße von Hormuz und der drohende fossile Infarkt.</h1><figure><a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Stra%C3%9Fe_von_Hormus"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/b371d428-310a-4f2e-ab07-7dda4c4194bb/uploads/images/j3thclqsjh/Strait_of_Hormuz_and_Musandam_Peninsula_%28MODIS_2018-12-10%29.jpg.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Satellitenbild der Straße von Hormuz"/></a><figcaption>Noch ein paar weitere Fettablagerungen, und der Infarkt ist sicher.</figcaption></figure><p><br/><br/></p><p>26/03/2026</p><p>Liebe Leute,</p><p>heute eine etwas knappe Notiz, bei mir war diese Woche viel Chaos, und später im Laufe des Tages mache ich mich auf nach Schweden, wo ich am Freitag in <a href="https://www.bacchisyre.se/event-details/varken-kungar-eller-klimatkollaps">Stockholm</a>, am Sonntag in Göteborg, und am Montag in <a href="https://underskog.no/kalender/122686-i-m%C3%B8te-med-kollapsen-samtale-med-tadzio-m%C3%BCller/forestilling/212148">Oslo</a> Veranstaltungen absolvieren werde. Das wird viel Herumgereise, und leider gibt&#39;s bei meinen schwedischen und norwegischen Genoss*innen kaum Staatsknete, wie hierzulande, um Honorare zu zahlen. Aber wie Ihr wisst, ist Schweden einer meiner Inspirationsorte, außerdem hab ich langsam wirklich Lust, die Kollapsdebatte auch mit anderen Bewegungen als den deutschen zu diskutieren, die – <em>my European comrades mostly agree</em> – wenn es um Kollaps geht in ständige Abwehrreflexe verfallen. Daher eben auch meine besonders große Freude über die Sache mit der englischen Übersetzung meines ersten Buches.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Die omnipräsente Macht des Fossilismus</strong></p><p>Jetzt aber zur Sache: “die Weltwirtschaft”, so schreiben die Zeitungen, zittert und bibbert ob der Möglichkeit einer tiefen globalen Rezession, die zentrale Diskussion in fast allen Ländern der Welt ist die über steigende Benzinpreise, die derartige politische Sprengkraft hat, dass sogar die fossile KI Katharina Reiche sich vor die Kameras stellt, Konzernschelte betreibt, und “Markteingriffen” (<em>makes sign to ward off the evil eye</em>) das Wort redet. Und mit gutem Grund: als ich für meine Diss zum Thema “Riots” recherchierte - mir ging&#39;s um Gipfelkrawalle, aber die wirklich interessanten historischen Forschungen zu Riots handeln oft von den “early modern bread riots” in Europa, die massenhaft ausbrachen, als im Rahmen des entstehenden Kapitalismus Bäcker begannen, ihre Preise eher “dem Markt” anzupassen, als der <em>moral economy</em> der Dörfler*innen, an die sie ihr Brot verkauften – stach ein Konsens ziemlich schnell hervor: wer Menschen zum krawallieren auf die Straße treiben will, kann das am einfachsten durch eines von zwei Mitteln erreichen – erstens, die Preise von Treib- und Brennstoffen (<em>fuels</em>) zu erhöhen, zweitens die von Grundnahrungsmitteln.</p><p>Und genau deswegen beinhaltet jeder Nachrichtenbeitrag über die steigenden Benzinpreise einen “VoxPop”-Ausschnitt, wo also “ganz normale Menschen” über ihr schreckliches Leid ob der steigenden Preise klagen dürfen, weil DAS ist die wirklich wichtige Frage. Der Benzinpreis. Über den droht sogar Trump zu stolpern, dessen Fähigkeit, politische Krisen zu überstehen, ja schon legendär ist. Klar, Faschismus einführen, trans Menschen abschaffen, Gulags für Migrant*innen bauen... Aber 4 Liter Benzin für 4 Dollar? Neeneeenee Donald, das geht zu weit. Und wer sich jetzt bequem in ein bisschen “boah, ey, die Amis haben echt weirde Prios” zurücklehnen will, die sollte sich erinnern, dass auch die meisten von uns zumindest durch Nichthandeln genau die selben Prioritäten artikulieren: ist uns doch egal (oder wir finden es gut), dass die EU jetzt Abschiebegefängnisse (“Rückführungszentren”) in irgendwelchen Exkolonien bauen will, dass sie Tausende Menschen im Mittelmeer absaufen lässt, und... <em>never mind, you get the idea</em>.</p><p>Massenmord im Sudan? Basically egal. 3 Millionen <em>projected (entirely preventable) deaths </em>durch AIDS? Auch egal. Klimakatastrophe: hmmm, ja, ok, aber dann am Ende auch nix, worüber man wirklich nachdenkt. Aber wenn das Benzin teurer wird, dann wackelt die fossile Gesellschaft in ihren Grundfesten, denn Benzin, dass die Durchschnittsdeutsche sich auch wirklich leisten kann, weil Autofahren halt (vor allem außerhalb der Städte “soziale Teilhabe” erst ermöglicht, weil billiges Benzin Auto- und Flugreisen ermöglicht, weil billiges Gas <em>affordable</em> Heizen ermöglicht.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Ohne billiges Öl kein Mampf</strong></p><p>Was mich zum zweiten <em>absolutely foolproof</em> Mittel bringt, Volksaufstände auszulösen: steigende Grundnahrungsmittelpreise. Denn fossile Brennstoffe sind nicht nur die materielle Grundlage für Mobilität und Wärme (natürlich weiß ich, dass es auch andere, nichtfossile Energien gibt, die Wärme und Mobilität produzieren, aber, <em>you know: in general and average</em>...), sondern auch die Grundlage billiger, massenhafter industrieller Landwirtschaft. Ihr werdet das aus den Nachrichten kennen: die Straße von Hormuz ist nicht nur eine Ölarterie, die Region um sie herum ist einer der globalen Hauptproduzenten von Schwefel und Harnstoff, weshalb die Preise für Düngemittel um allenthalben die Angst vor einer globalen Nahrungsmittelkrise um.</p><p><br/></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p><br/></p><p><strong>Der Fossilismus und “gutes Leben für Alle!”</strong></p><p>Ich erzähl Euch all dies, um die unglaubliche, die gigantische, die in der Menschheitsgeschichte noch nie dagewesene (ich mag das englische Wort <em>awesome</em> in diesem Zusammenhang), die zerstörerische Allmacht des Fossilismus zu illustrieren: stellt Euch die hauptsächlich fossilkapitalistisch organisierte Welt mal als Körper vor, mit Benzin/Öl/Gas als zirkulierendes Blut. Jetzt ist eine wichtige Arterie verstopft, und schon wird&#39;s an den Kapillaren kälter, der Zufluss des lebenswichtigen Elixiers wird verknappt, die Angst vor einem echtem Herzinfarkt grassiert. Und wie ich hoffentlich belegt habe: diese Angst ist gar nicht so unrealistisch. Stellt Euch steigende Benzin- und Nahrungsmittelpreise in politisch instabilen Regionen (<em>which, tbh, means most of the world today, including the “Old West”</em>) vor, die dann von zum Beispiel faschistischen Bewegungen in Proteste artikuliert werden, die zu faschistischen Machtergreifungen führen. Und natürlich wird die Angst vor steigenden Benzinpreisen der letzte Sargnagel der Klimadebatte, weil jedes Mal, wenn uns unsere Abhängigkeit vom Fossilismus – unser Aller, auch der Ökos und der Klimas – so direkt und erschreckend vor Augen geführt wird, müssen wir danach unseren laut und deutlich und ständig wiederholten Wunsch nach “mehr Klimaschutz” noch stiller und heimlicher verdrängen, weil das die Momente sind, wo wir nicht analytisch, sondern, viel wichtiger, <em>deep in our bones</em> verstehen, dass mehr Klimaschutz sehr viel weniger materielle Lebensqualität bedeuten würde, und wir haben uns nunmal ziemlich an unsere billige und bequeme fossilimperiale Lebensweise gewöhnt. Ich habe darauf schon mehrfach hingewiesen, wiederhole es aber gerne: wer für billige Lebenshaltungskosten in Deutschland kämpft, kämpft dadurch auch notwendigerweise für eine funktioniernde fossilkapitalistische Weltwirtschaft, denn diese, gepaart mit Deutschlands Position recht weit oben auf der globalen Ausbeutungspyramide, ermöglicht erst die <strong>angesichts ökologischer Realitäten </strong>immer noch absurd niedrigen Benzin- und Nahrungsmittelpreise im globalen Norden.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Schlussgedanken</strong></p><p>Und doch reden zentristische und grüne und linke Hopiumist*innen uns weiterhin ein, die “grüne Transformation” würde ja doch stattfinden, abgesehen von den üblichen deutschen Diskursschnarchnasen und Mitteanbiederer*innen wie Christian Stöcker, Maja Göpel oder Volker Quaschning kürzlich erst wieder eindrücklich bestätigt von einem meiner frühen Doomer-Helden: David Wallace-Wells, der vor ein paar Jahren einen einflussreichen Artikel schrieb, mit dem eingängigen Titel “<em>The Uninhabitable Earth</em>”. Dave ist jetzt zurück in den Schoss der Verdrängung (I get it: da ist es echt gemütlicher), mit dem irgendwie ziemlich selbstentlarvenden Titel “<em>Don&#39;t look now, but the green transition is still happening</em>.”</p><p>Abgesehen davon, dass, wie schon oft erwähnt, es in der Geschichte der Welt bisher immer nur <em>energy additions</em>, aber keine <em>energy transitions</em> gab, wird halt hier klar, dass das nur Pfeifen im Walde ist: der Iran-Krieg zeigt, dass die wichtigste Variable der Welt der Preis fossiler Energien ist, denn im Gegensatz zu den Verdrängungsträumen der Energiewendefantast*innen spielen erneuerbare Energien, die ohnehin richtig effektiv nur im Stromsektor eingesetzt werden können (daher auch die ebenso illusorische Hoffnung auf universelle Elektrifizierung), ist der Fossilismus halt wirklich überall, er ist in Tea Shops in Bangalore, auf Straßen in Patagonien, in Kochstellen in Nigeria, in der Datsche in Brandenburg...</p><p>Und was noch schlimmer ist: der Fossilismus sind halt wirklich WIR ALLE. Würden Nahrungsmittelpreise wegen des drohenden fossilen Herzinfarkts steigen, wären WIR ALLE negativ betroffen. Würde Benzin dauerhaft massiv teurer werden, wären WIR ALLE Teil der gesellschaftlichen Konflikte darüber. Und ja, linke Linke, auch wir/ihr: wenn das Benzin zu teuer und die Futterpreise zu hoch, rufen Linke nach staatlicher Deckelung der Preise. Sure. Aber was glaubt ihr denn, woher die staatlichen Ressourcen kommen, die Preise deckeln? In Deutschland aus einem direkt vom Fossilismus finanzierten Staatshaushalt.</p><p>Das tolle ist: gerade weil das alles so verdammt offensichtlich, werden die Hopiumist*innen ihre “ENERGIEWENDE, YEAY!”-Erzählung, und Linke ihre “die Bösen sind immer die Anderen” jetzt noch lauter verbraten. Oh well: gut, dass ich von den meisten ehemaligen Weggefährt*innen (der ehemalige Chef meiner ehemaligen Bezugsgruppe <em>comes to mind</em>, ebenso Freund*innen aus den alten Bewegungen, deren Scheitern ich wohl ein oder zweimal zu oft konstatiert hatte) oder auch solchen, vor denen ich mal intellektuellen Respekt hatte (Stöcker und Göpel zum Beispiel) nichts mehr erwarte. Ich habe schon vor 4 Jahren vorhergesagt, dass ab bald auch linke und öko-Diskussionen immer dümmer würden.</p><p>Welcome to the future, in denen der grüne, der linke und der konservative Flügel der Verdrängungsgesellschaft sich immer härter aneinanderklammern. Ich freue mich sehr, das im Rahmen der neuen Kollapsbewegung hinter mir lassen zu können.</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Mit schwedenfreudigen Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 26 Mar 2026 07:49:10 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Invitation to our Mutual Aid H.E.A.T.: learning practical solidarity]]></title>
      <description><![CDATA[This is where we explain our Mutual Aid H.E.A.T. (Future Training Camp): what we’re planning and why; who we’d like to encourage to join us; and how you can take part.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><a href="https://www.redr.org.au/news-and-publications/latest-news/lessons-in-critical-response/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/518f9002-14ea-4663-af40-1c4beb09eb9f/uploads/images/kl2xoeeudr/hostile_environment_awareness_training.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="People wearing high-visibility vests during a practical disaster response training exercise"/></a><figcaption>Participants at Hostile Environment Awareness Training learn critical skills like emergency first aid, through simulated experiences.</figcaption></figure><p>19/03/2026</p><p></p><p>Dear friends,</p><p>I&#39;m afraid there&#39;s no substantive text from me today – I&#39;m still a little overwhelmed by the fact that the Zero Books wants to bring out my little pink book in English, and I&#39;m genuinely worried about how I&#39;m going to manage organising our autumn event, writing a second book in German, and doing a culturally sensitive English translation of my first book all within the next 6–7 months, but I&#39;ll have to make it work somehow 😬</p><p>What there <em>is</em>, however, is something I – and perhaps some of you – have been eagerly anticipating: a text from the organising crew of our event, which until recently went by the somewhat inelegant name &quot;future training camp&quot; and is now called &quot;Mutual Aid H.E.A.T.&quot; The text will explain in more detail what we – the crew, which has now grown to 20–30 people, made up in part of veterans from the Kollapscamp organising team, but also of people with entirely different political backgrounds – are planning for September; AND it will explain how you can take part in the event and how you can make sure you don&#39;t miss any registration deadlines.</p><p>We&#39;ve taken care to explain the event in quite a lot of detail because... well, if I can take the word of my friend and comrade Riot Turtle, because there hasn&#39;t been an event quite like our Mutual Aid Heat in the 50 years of activism he&#39;s witnessed. We wanted to make sure you know what you’ll be getting yourselves into, as we&#39;re planning to communicate a great deal with participants in the run-up to the event, in order to begin preparing the period <em>after</em> the event <em>before</em> the event itself: because our aim isn&#39;t simply a one-off event after which everyone just goes home. Our aim is to contribute to the emergence of resilient, capable organised structures.</p><p>Lastly: the name of the event. H.E.A.T. stands for &quot;hostile environment awareness training&quot;, a scenario-based, high-intensity training format developed for people working in crisis and disaster zones. To our ears, that sounded considerably cooler than the far too... literal previous name. And a radical project does need to be a little bit cool in order to generate resonance.</p><p>After that somewhat longer-than-planned preamble, here it is: information, details, and the invitation to Mutual Aid H.E.A.T. this September.</p><p>Yours,</p><p>Tadzio</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Subscribe to my blog</a></p><p></p><h2><strong>Future Training Camp + Mutual Aid HEAT: learning to act together.</strong></h2><p>Imagine a disaster: the internet and phone lines go down, and panic spreads. Imagine you’re at a Pride march or in a refugee shelter, and suddenly a mob of Nazis is standing in front of you. Imagine that loads of people fall ill, and no doctor comes because the healthcare system has collapsed. Or imagine the food supply chain is in crisis, and suddenly there isn’t enough to eat. Imagine that normality is collapsing around you, people are starting to feel isolated and afraid. What do you need then to feel safe? What makes you feel unsafe, and how can you ensure that you are able to act?</p><p>And now imagine you are prepared, are trained in a whole range of emergency skills, practiced them together, and can provide practical help to yourself and others in a disaster. To make this possible, we invite you to a one-week intensive course: a mix of a training camp and immersion in a fictional world, in which we run through what we have learnt together in real-life scenarios (we cautiously call this: ‘Mutual Aid HEAT’: hostile environment awareness training). Four days of training in the fictional world, two days of running through what we’ve learnt in scenarios including reflecting on the experience together and in between learning movement history and spending time together to build relationships, which is central to ‘prepping in solidarity’.</p><p><strong>When &amp; where? </strong>20th –27th of September, Alte Hoelle/Brandenburg.</p><p>Arrival on Sunday afternoon, the event begins Sunday evening with a joint plenary session.</p><p>The training sessions and scenarios start on Monday morning.</p><p>Departure takes place on Sunday around midday.</p><p><strong>Why?</strong> With this event, we aim to move closer to creating structures which enable practical and emotional action in the face of disaster. This requires new formats that go deeper into skills and knowledge. This event is an attempt to learn a new kind of activism – one that recognises collapse brings greater risks, and so it requires more preparation and training than the campaign activism of past decades.</p><p><strong>Who?</strong> We are planning an event for those who take the threat of collapse and authoritarianism as seriously as we do, who know that the time to prepare for climate disasters, authoritarian takeovers and systemic breakdowns is now, not just in a few years’ time. And we reach out to people who know that preparing for a future of increasing disasters means investing time and resources in this preparation now. We want this event to lead to practical organising, which is why it is not an “open invite” - event. Instead, we will communicate with potential participants in the run-up to the camp and organise a selection process. We are particularly keen to hear from collectives and groups who wish to participate or send “delegates”.</p><p><strong>How many?</strong> We’re expecting between 150 and 200 participants, averaging 50 per ‘training strand’. As we’re likely to have limited access to institutional funding, we’ll need to charge participants a fee, but we can promise that no one will be excluded from taking part simply because they can’t afford it. Without practical solidarity, there can be no solidarity-based collapse movement.</p><p><strong>What?</strong> The training part of the event will be divided into four topics (Communication; Collective Self-Protection; Supply and Logistics; Medical and Emotional Support). Each participant registers for just one of these training and is on site for the entire duration – we want to focus and go deep:</p><p></p><p><strong>Training No. 1: Communication: What to do when the phone, internet and electricity go down?</strong></p><p>At the start of the year, parts of Berlin didn’t just lose power, and many were left without heating – in the districts affected by the major power cut, nobody could make phone calls either. In our society, telecommunications are absolutely central to social participation in general, but also to organising all manner of demonstrations, parties, dates and family celebrations. And we see in authoritarian regimes that control over internet and ways of communication are key points of neutralising or suppressing resistance. So what happens if all telecommunications suddenly fail?</p><p>We want to prepare ourselves for such scenarios: we want to learn together how to communicate effectively and in a spirit of solidarity with one another in emergency situations, whether in person, via walkie-talkies or radio, or using a “Lora/Meshtastic” network. We are planning a four-day intensive training course on communication during disasters, because without communication, there can be no networks of solidarity in the event of a disaster.</p><p></p><p><strong>Training No. 2: Collective self-defence: what to do if we are attacked?</strong></p><p>Daily attacks on migrant and trans people, on women and queer people, on people with disabilities; organised attacks on refugee shelters, Nazi attacks on Pride parades, militant anti-feminism as a political project: the catastrophe of fascist violence is not a distant prospect; it is already affecting an ever-increasing number of marginalised communities on a massive and growing scale. And: whether the police will protect “us” in such situations is, at the very least, highly questionable; for some, the police themselves are one of the greatest sources of danger and physical violence. So what should we do if we are attacked and no one else is there to defend us?</p><p>To develop effective responses to these questions, we are planning a training session on the topic of “collective self-defence”. Of course, the best strategy is always one that deters potential attackers, but if that doesn’t work, we will also learn how to defend ourselves against people who attack us with or without weapons; how we need to move together to make gatherings such as demonstrations safer and how we can organise ourselves for and during such emergencies.</p><p></p><p><strong>Training No. 3: Supplies and Logistics: What to do when there’s nothing left to eat?</strong></p><p>The supermarkets are closed due to a power cut, the supply chains have broken down because of a transport collapse, or, or, or. Food is running out: what do we do? How do we start ensuring supplies for our neighbours, our ‘community’? How do we build solidarity-based logistics networks that can supply themselves and others with food in such a situation?</p><p>To prepare ourselves for such a situation, we are planning a four-day intensive training course on the topic of “Food Supply and Logistics”. What may sound a bit cumbersome, we consider to be essential knowledge in a future shaped by collapse dynamics: those who know where to find food and who can provide people with food form the core of a community. We want to start learning how to form this core in an emergency from the agricultural system through transport and logistics to “how and what do I cook for large groups?”, so that we can provide each other with good food even in the midst of a disaster.</p><p></p><p><strong>Training Session 4: Medical and Emotional Support</strong></p><p>In a future marked by cutbacks, disasters and collapse, it is unrealistic to assume that emergency medical and psychological care will always be available. We ourselves may not yet be directly affected, but for many people, such care no longer exists even today. Whether it’s a heatwave, a flood disaster or a Nazi attack, it’s never a bad thing to know how we can help others who are injured, unconscious or traumatised. Those who know what to do and what not to do in an emergency, and what can be achieved with the resources available, are no longer helpless at the mercy of attacks and other disasters.</p><p>To prepare ourselves for such situations, we are planning a four-day intensive training course on emergency care, emotional care &amp; everyday medicine – it’s no coincidence that our grandparents knew about things like ‘calf wraps’. But it won’t just be about learning ‘technical’ skills, because we want to learn how to interact with one another in emergency situations, how to move together, and how to assess situations. Anyone who has ever experienced paramedics at demonstrations: they are our role models.</p><p></p><p><strong>The shared highlight: Mutual Aid HEAT</strong></p><p>In a practical training session set in a fictional world, you’ll have a unique opportunity to break away from everyday life and experience training and activism in a whole new way. This training offers you the chance to try out different actions, process your emotions and be supported by others, all within a safe space. Don’t we all recognise the phenomenon of attending a training session, learning something new, and then, the moment we’re supposed to apply it, finding we can no longer recall what we’ve learnt?</p><p>Standard HEAT training sessions repeatedly start from a scene, incorporate short role-plays, and allow theoretical knowledge to be experienced in short bursts. We will create a world where you, as participants, are continuously involved right from the start.</p><p>Recurring characters and scenarios that build on one another bring to life what it means to be capable of acting within a storyline. Because your decisions and behaviour, along with those of your group, do not end after every scene, we create a sense of community in which awareness can be fostered of how to deal with the crisis in solidarity with one another in the long term, to organise ourselves and to remain in solidarity beyond the theoretical.</p><p>If you are interested in taking part or supporting us in any way, please send an email to the following address:</p><p><a href="mailto:zukunftstrainingslager@systemli.org"><strong>zukunftstrainingslager@systemli.org</strong></a><strong> (PGP key available on request)</strong></p><p>Your friendly Mutual Aid H.E.A.T. organising crew</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Thu, 19 Mar 2026 12:55:34 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Einladung Mutual Aid H.E.A.T.: gemeinsam Handeln lernen]]></title>
      <description><![CDATA[Hier erklären wir unser Mutual Aid H.E.A.T. (Zukunftstrainingslager): was wir planen, und warum; wen wir zum mitmachen überzeugen wollen; und wie ihr teilnehmen könnt.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Einladung: Mutual Aid H.E.A.T. (ehedem “Zukunftstrainingslager”): gemeinsam Handeln lernen</h1><figure><a href="https://www.redr.org.au/news-and-publications/latest-news/lessons-in-critical-response/"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/5aa61552-3f80-43bb-b021-c08d49882b74/uploads/images/rtzwju4nwl/hostile_environment_awareness_training.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Menschen in Warnwesten bei einem praktischen Katastrophentraining"/></a><figcaption>Participants at Hostile Environment Awareness Training learn critical skills like emergency first aid, through simulated experiences.</figcaption></figure><p>19/03/2026</p><p></p><p></p><p>Liebe Leute,</p><p>heute gibt&#39;s keinen substantiellen Text von mir – ich bin immer noch ein wenig überwältigt von der Tatsache, dass der englische Zero Books Verlag mein kleines rosa Buch auf Englisch herausbringen will, und mache mir ehrlich Sorgen, wie ich unser Herbstevent, das zweite deutsche Buch, und eine gute englische Übersetzung meines erstens Buchs alles in den nächsten 6-7 Monaten gewuppt kriegen werde, aber muss ja irgendwie 😬</p><p>Was es aber gibt, ist ne Sache, auf die ich, und vielleicht manche von Euch auch, schon ne Zeitlang warten: <strong>einen Genoss*innenbeitrag von der Orgacrew unseres Events, das bis vor kurzem noch den etwas ineleganten Namen “</strong><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/a501ff8f-75e7-4f1c-9245-7b4750fb1ef9"><strong>Zukunftstrainingslager</strong></a><strong>” hatte, und jetzt “Mutual Aid H.E.A.T.” heißt.</strong> Der Beitrag wird Euch nochmal in mehr Detail erklären, was wir – die mittlerweile auf 20-30 Menschen angewachsene Crew, bestehend in Teilen aus Veteran*innen der Kollapscamp-Orga, aber auch aus Menschen, die vollkommen andere politische Erfahrungen haben – im September planen; UND er wird erklären, wie ihr am Event teilnehmen könnt, wie ihr sicherstellen könnt, dass ihr keine Anmeldefristen o.ä. Verpasst.</p><p>Wir haben uns Mühe gegeben, das Event in ziemlich viel Detail zu erklären, weil... naja, wenn ich meinem Freund und Genossen <a href="https://www.youtube.com/watch?v=-2sw0UojA08&amp;t=689s">Riot Turtle aus Wuppertal</a> glauben darf, weil es so ein Event wie unser Mutual Aid Heat hat es in 50 Jahren Aktivismus, die er miterlebt hat, noch nicht gegeben. Wir wollten sicherstellen, dass Ihr wisst, worauf Ihr Euch einlasst, denn wir planen, im Vorfeld des Events schon viel mit den Teilnehmer*innen zu kommunizieren, und den Zeitraum <strong>nach</strong> dem Event schon vor dem Event vorzubereiten: denn es geht uns nicht nur um ein <em>one off Event</em> nachdem Alle einfach wieder nach Hause gehen. Es geht uns darum, zur Entstehung resilienter, handlungsfähiger Organisierung beizutragen.</p><p>Letzter Punkt von mir, zum Namen der Veranstaltung. Zuerst mal bedeutet “mutual aid” einfach nur “gegenseitige Hilfe”, und H.E.A.T. steht für “hostile environment awareness training”, ein szenariobasiertes und hochintensives Trainingsformat, das für Personen entwickelt wurde, die in Krisen- und Katastrophenregionen arbeiten. Das klang in unseren Ohren deutlich cooler, als der viel zu … buchstäbliche Name von vorher. Und ein radikales Projekt muss halt auch ein bisschen cool sein muss, um Resonanz zu erzeugen.</p><p>Nach dieser etwas länger als geplanten Vorrede, hier habt Ihr sie: Infos, Details, und die Einladung zum Mutual Aid H.E.A.T. Im September dieses Jahres.</p><p>Mit freudigen und gleichzeitig arbeitsgestressten Grüßen,</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Euer Tadzio</p><p></p><p>_____________________________________________________</p><p><br/><br/></p><p><strong>Zukunftstrainingslager + Mutual Aid HEAT : gemeinsam handeln lernen.</strong></p><p>Stellt Euch vor, es ist Katastrophe: Internet und Telefon fallen aus, Verunsicherung macht sich breit. Stellt Euch vor, Ihr seid bei einem CSD oder in einer Geflüchtetenunterkunft, und plötzlich steht ein Haufen Nazis vor Euch. Stellt Euch vor, dass ganze viele krank werden, und keine Ärztin kommt, weil die medizinische Versorgung zusammengebrochen ist. Oder stellt Euch vor, dass die Nahrungsmittellogistik kriselt, und es auf einmal nicht mehr genug zu essen gibt. Stellt Euch vor, dass um Euch herum die Normalität kollabiert, dass Menschen beginnen, sich isoliert und ängstlich zu fühlen. Was braucht Ihr dann, um euch sicher zu fühlen? Was macht euch unsicher und wie könnt ihr sicherstellen, dass ihr handlungsfähig seid?</p><p>Und dann stellt Euch vor, Ihr seid vorbereitet, habt eine ganze Reihe von Notfallskills trainiert und gemeinsam ausprobiert, könnt Euch und Anderen in der Katastrophe praktisch helfen. Um das zu ermöglichen, laden wir Euch zu einem einwöchigen Intensivkurs ein: eine Mischung aus Trainingslager und dem Eintauchen in eine fiktive Welt, in denen wir das gemeinsam Gelernte live durchspielen (wir nennen das vorsichtig: &quot;Mutual Aid HEAT&quot;: hostile environment awareness training). Vier Tage Training in der fiktiven Welt, zwei Tage das Gelernte in Szenarien durchspielen, danach gemeinsam die Erfahrung reflektieren, dazwischen Bewegungsgeschichte lernen, miteinander Zeit verbringen, um - zentral für &quot;solidarisches Preppen&quot; - Beziehungen aufzubauen.</p><p><strong>Wann &amp; wo? </strong>20.-27.9, Alte Hölle, Brandenburg. Ankunft Sonntagnachmittag, Beginn Sonntagabend mit einem gemeinsamen Plenum, ab Montagmorgen starten die Trainings und Szenarien, Abreise Sonntagmittag.</p><p><strong>Warum? </strong>Wir wollen mit diesem Event dem Ziel näherkommen, in Katastrophen praktisch und emotional handlungsfähige Strukturen zu schaffen. Dafür braucht es neue Formate, die mehr in die Tiefe gehen. Dieses Event ist der Versuch, eine neue Art des Aktivismus zu lernen. Eine, die weiß, dass im Kollaps mehr Risiken auf uns zukommen, dass es mehr Vorbereitung und Ausbildung braucht als im Kampagnenaktivismus der vergangenen Jahrzehnte.</p><p><strong>Wer? </strong>Wir planen ein Event für diejenigen, die die Bedrohung durch Kollaps und Autoritarismus so ernst nehmen wie wir; die wissen, dass wir uns jetzt auf Klimakatastrophen, auf autoritäre Machtübernahmen, auf Systemzusammenbrüche vorbereiten müssen, nicht erst in ein paar Jahren; und die wissen, dass sich für eine Zukunft mit zunehmenden Katastrophen vorbereiten bedeutet, jetzt Zeit und Ressourcen in diese Vorbereitung zu investieren. Wir wollen, dass aus diesem Event praktische Organisierung entsteht, weshalb es auch kein “offenes” Event ist. Stattdessen werden wir schon im Vorfeld des Camps mit potenziellen Teilnehmenden kommunizieren und einen Auswahlprozess organisieren. Wir freuen uns besonders über Kollektive und Gruppen, die teilnehmen wollen, oder “Delegierte” schicken. <strong>Wie viele? </strong>Wir gehen von 150 - 200 Teilnehmenden aus, im Schnitt 50 pro “Trainingsstrang”. Da wir wahrscheinlich nur begrenzt an institutionelle Fördergelder heranzukommen, werden wir Teilnehmer*innenbeiträge erheben müssen, können aber auch versprechen, dass keine Teilnahme daran scheitern soll, dass mensch keine Kohle hat. Ohne praktische Solidarität keine solidarische Kollapsbewegung.</p><p><strong>Was? </strong>Das Zukunftstrainingslager wird in vier Trainingsstränge (Kommunikation; Kollektiver Selbstschutz; Versorgung und Logistik; Medizinischer und emotionaler Support) aufgeteilt sein. Jede*r Teilnehmer*in meldet sich für nur einen dieser Trainingsstränge an und ist den kompletten Zeitraum vor Ort - wir wollen uns fokussieren und in die Tiefe gehen:</p><p><br/><br/></p><p><strong><em>Training Nr. 1: Kommunikation: Was tun, wenn Telefon, Internet und Strom ausfallen?</em></strong></p><p>Anfang des Jahres fiel in Teilen Berlins nicht nur der Strom aus, und vielen blieb die Wärme weg – in den vom großen Stromausfall betroffenen Bezirken konnte auch niemand mehr telefonieren. Telekommunikation ist in unserer Gesellschaft absolut zentral für gesellschaftliche Teilhabe im Allgemeinen, aber auch für die Organisierung jederlei Demo, Party, jedes Dates und jeder Familienfeier. Und wir sehen in autoritären Regimen, dass Kontrolle über Internet und Kommunikation zentrale Mittel sind, um Widerstand zu neutralisieren oder kleinzuhalten. Was also, wenn alle Telekommunikation plötzlich ausfällt?</p><p>Auf solche Szenarien wollen wir uns vorbereiten: wir wollen miteinander lernen, in Notfallsituationen effektiv und solidarisch miteinander kommunizieren zu können, ob live und in Person, per Sprechfunk oder Radiosender, oder mit einem “Lora/Meshtastic”-Netzwerk. Wir planen ein viertägiges Intensivtraining zu Kommunikation in der Katastrophe, denn ohne Kommunikation kann es keine solidarischen Netzwerke in Katastrophen geben.</p><p><br/><br/></p><p><strong><em>Training Nr. 2: Kollektiver Selbstschutz: was tun, wenn wir angegriffen werden?</em></strong></p><p>Alltägliche Attacken auf migrantisierte und trans Menschen, auf Frauen und Queers, auf Menschen mit Behinderung; organisierte Anschläge auf Geflüchtetenunterkünfte, Naziangriffe auf CSD, militanter Antifeminismus als politisches Projekt: die faschistische Gewaltkatastrophe ist keine Zukunftsmusik, sie betrifft jetzt schon massiv und steigend eine immer größere Anzahl marginalisierter Communities. Und: ob die Polizei “uns” dabei schützt, darüber steht zumindest ein großes Fragezeichen, für manche ist die Polizei selbst eine der größten Quellen von Gefahr und körperlicher Gewalt. Was also tun, wenn wir angegriffen werden, und niemand anderes uns verteidigt?</p><p>Um selbstwirksame Antworten auf diese Fragen zu entwickeln, planen wir ein Training zum Thema “Kollektiver Selbstschutz”. Natürlich ist die beste Strategie immer die, die potenzielle Gegner*innen von Angriffen abschreckt, aber sollte das nicht funktionieren, werden wir auch lernen, uns selbst gegen Menschen zu verteidigen, die uns mit oder Waffen angreifen; wie wir uns zusammen bewegen müssen, um Gruppen wie z.B. Demos sicherer zu machen, und wie wir uns für und in solchen Notfällen organisieren können.</p><p><br/><br/></p><p><strong><em>Training Nr. 3: Versorgung und Logistik: Was tun, wenn&#39;s nichts mehr zu essen gibt?</em></strong></p><p>Die Supermärkte sind zu, weil Stromausfall, die Lieferketten funktionieren nicht mehr, weil Transportkollaps, oder, oder, oder.Das Essen bleibt weg: was tun? Wie fangen wir an, die Versorgung unserer Nachbar*innenschaft, unserer “Community” sicherzustellen? Wie bauen wir solidarische Logistik-Netzwerke auf, die in so einer Situation in der Lage sind, sich und andere mit Nahrungsmitteln zu versorgen?</p><p>Um uns auf so eine Situation vorzubereiten, planen wir ein viertägiges Intensivtraining zum Thema “Nahrungsmittelversorgung und -Logistik”. Was ein bisschen schwerfällig klingt ist, halten wir für zentrales Wissen in einer von Kollapsdynamiken bestimmten Zukunft: wer weiß, wo es was zu essen gibt, wer Menschen mit Essen versorgen kann, stellt den Kern einer Gemeinschaft dar. Wir wollen anfangen zu lernen, diesen Kern im Notfall bilden zu können, und vom landwirtschaftlichen System über Transport und Logistik bis zu “wie und was koche ich für Großgruppen?” lernen, einander auch in der Katastrophe mit gutem Essen zu versorgen.</p><p><br/><br/></p><p><strong><em>Training Nr. 4: Medizinischer und emotionaler Support</em></strong></p><p>In einer Zukunft voller Kürzungen, Katastrophen und Kollaps ist es unrealistisch, davon auszugehen, dass immer medizinische und psychologische Notfallversorgung da ist. Wir selbst sind vielleicht noch nicht unmittelbar betroffen, aber für viele Menschen existiert diese schon heute nicht mehr. Egal ob Hitzewelle, Flutkatastrophe oder Naziangriff, es ist nie falsch, zu wissen, wie wir selbst Anderen helfen können, die verletzt, bewusstlos oder traumatisiert sind. Wer weiß, was im Notfall zu tun und was zu lassen ist und was mit den vorhandenen Ressourcen umsetzbar ist, ist Angriffen und anderen Katastrophen nicht länger hilflos ausgeliefert.</p><p>Um uns auf solche Situationen vorzubereiten, planen wir ein viertägiges Intensivtraining zum Thema NECAM Notfallversorgung, Emotional Care &amp; Alltags-Medizin – unsere Großeltern wussten nicht zufällig von Sachen wie “Wadenwickeln” etc. Aber es wird nicht nur um das Erlernen “technischer” Fähigkeiten gehen, denn wir wollen lernen, wie wir in Notfallsituationen miteinander umgehen, wie wir uns gemeinsam bewegen, wie wir Situationen überblicken. Wer schon mal bei Demos Demosanis erlebt hat: das sind unsere Vorbilder.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Gemeinsamer Höhepunkt: Mutual Aid HEAT</strong></p><p>In einem praxisnahen Training, das in einer fiktiven Welt stattfindet, erhältst du die einzigartige Gelegenheit, aus dem Alltag auszubrechen, Training und Aktivismus neu zu erleben! Dieses Training bietet dir die Möglichkeit, in einem sicheren Rahmen Handlungen auszuprobieren, Emotionen zu verarbeiten und von Menschen begleitet zu werden. Kennen wir nicht alle das Phänomen, dass wir in einem Training waren, etwas Neues gelernt haben und sobald wir es anwenden sollen, das Gelernte nicht mehr abrufbar ist?</p><p>Standard-HEAT-Trainings gehen immer wieder aus einer Szene heraus, bauen kurze Rollenspiele ein und machen theoretisches Wissen in kurzen Abständen erfahrbar. Wir werden eine Welt schaffen, in der ihr als Teilnehmer*innen von Anfang an immer weiter mit dabei seid. Wiederkehrende Charaktere und Szenarien, die aufeinander aufbauen, machen erlebbar, was es heißt, handlungsfähig in einer Storyline zu sein. Weil Deine Entscheidungen und Dein Verhalten mit Dir und Deiner Gruppe nicht nach jeder Szene enden, schaffen wir ein Miteinander, in dem ein Bewusstsein dafür geschaffen werden kann, langfristig solidarisch miteinander in der Krise umzugehen, sich zu organisieren und über das Theoretische hinaus solidarisch zu bleiben.</p><p>Neben Teilnehmer*innen brauchen wir auch Menschen die bereit sind, bestimmte Rollen im Rahmen unserer Trainings zu übernehmen und die bei der Koordination der Rollenspieler:innen helfen. Du hast bereits Erfahrungen als Rollenspieler*in gesammelt, möchtest Menschen in ihrem Lernprozess begleiten und eine fiktive Welt mit Leben füllen? Dann melde Dich gerne bei uns. Wir sind noch auf der Suche nach Menschen, die sich vorstellen können, Teams von 3-5 Rollenspielern zu koordinieren (Raum Halten, Übungen anleiten, Theater pädagogische Übungen etc.) und nach Rollenspielern die einen oder mehrere Charakter tiefer ausarbeiten wollen.</p><p><strong>Solltet Ihr Interesse haben, als Rollenspieler*in, Rollenspieler*innen Koordinator*in oder als Teilnehmer*in am Start zu sein, schickt eine E-Mail an folgende Adresse:</strong></p><p><a href="mailto:zukunftstrainingslager@systemli.org"><strong>zukunftstrainingslager@systemli.org</strong></a><strong> </strong>(pgp key auf Anfrage)</p><p></p><p>Eure Mutual Aid H.E.A.T. Orgacrew</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 19 Mar 2026 07:33:26 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[The Spectre of Collapse, or: the Collapsist Manifesto]]></title>
      <description><![CDATA[Collapse marks a new phase in world history, and any left concepts, strategies or tactics that are to succeed must actively take this fact into account.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><a href="https://www.stockholmresilience.org/news--events/general-news/2025-09-24-seven-of-nine-planetary-boundaries-now-breached.html"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/ec2f8736-c965-409c-a26e-86abae766039/uploads/images/kozveognem/planetary_boundaries_2025.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Planetary boundaries graphic by Rockström et al, showing 7 of 9 planetary boundaries have been crossed."/></a><figcaption>The 2025 update to the Planetary boundaries. Licensed under CC BY-NC-ND 3.0. Credit: &quot;Azote for Stockholm Resilience Centre, based on analysis in Sakschewski and Caesar et al. 2025&quot;.</figcaption></figure><p>16/03/2026</p><p></p><p><br/><br/></p><p>Dear friends,</p><p>springtime is book-writing-time, and I have to start devoting more time to writing my second book - like the first one together with the Austrian <em>mandelbaum Verlag</em>, the current working title <em>The Just Collapse Movement: Solidarity Against Fear</em> – I continue to be deeply involved in organising our <em>Future Training Camp</em>, <em>and</em> this week a third major project might be added on top, a possible publication of my first book in English (Live Update: Zero Books wants to publish my book, so that&#39;s awesome :)), so I need to start economising on my labour times a bit, and link this blog more closely to the work on my second book. Meaning: today&#39;s text is simultaneously a first draft of one of the introductory chapters, which is why the content in it probably won&#39;t be entirely new for you. I do though that it makes you a little curious about the new book.</p><p><br/><br/></p><p><strong>The spectre of collapse</strong></p><p>A spectre is haunting the world: the spectre of collapse. All the powers of the old world have allied to ignore this spectre – the centrists and the fascists, the greens and, sadly, the left as well.</p><p>We stand at the cusp of a new, historically unprecedented phase in human history: we are currently experiencing the beginning of global ecological, and deriving from and in turn reinforcing accelerating it, societal collapse. Fossil fartoolatealready capitalism has finally brought the world to the point where Rosa Luxemburg&#39;s old question &quot;Socialism or barbarism?&quot; is being answered with a resounding &quot;duh - barbarism, of course!&quot; – and faced with this challenge, mainstream German society is responding with ever more ferocious suppression of reality.</p><p>It&#39;s 2026, the years keep getting hotter, the hurricanes ever more destructive, the heatwaves ever more deadly, every climate-catastrophe-induced danger that we were ever warned about is hitting us faster and more catastrophically than even the most pessimistic <em>doomers</em> would have dared to fear. But instead of actually engaging in climate action on any meaningful scale – by &quot;structurally decarbonising&quot; and shrinking the German economy and mode of living, both of which would be <em>sine qua non</em> conditions for genuine, sustainable climate action – the country (in concert with the European Union) is actively pushing ahead with the expansion of fossil gas infrastructure designed to burn dirty, often fracked liquefied natural gas (LNG) for the next 50 years. Instead of sounding the societal alarm, instead of having <em>more</em> conversations about climate action and the complicated trade-offs and global justice questions it would entail, about the social conflicts it would trigger, “the climate” is either not a topic at all in the many election campaigns of this &quot;super election year&quot;, or, when it does surface, it doesn&#39;t mobilise voters towards parties that at least nominally take climate protection a little seriously – it&#39;s used to give precisely those parties a good walloping: &quot;anyone who votes Green is voting for the nanny state in their basement!&quot; Rather than engaging with the central, the defining question of the present, we prefer to keep <em>shtum</em> about it, mock those who are &quot;still going on about this climate stuff&quot;, dismiss them, look away, lock away our own fears ever deeper inside ourselves.</p><p>So climate collapse is here, right here and now, and as I predicted a few years ago, the causal relationship isn&#39;t &quot;more (exposure to more) climate catastrophe leads to more climate rationality&quot;, but rather &quot;more climate catastrophe leads to more ignorance, irrationality and stupidity.&quot; But climate collapse is by no means the only aspect of global ecological collapse, because at its core, it isn&#39;t driven by fossilism, but by global growth capitalism, whose optimal form of organisation has until now been fossil mass-production capitalism. To trot out the old enviro-saw here once more: on a finite planet, an economic system that must produce infinite growth or else fall apart represents quite a spectacular act of stupidity and self-harm. Capitalistically turbo-charged humanity is therefore currently ploughing through multiple &quot;planetary boundaries&quot; at once – not only those of the climate system, but also biodiversity, ocean acidification, freshwater, etc.</p><p>Here too the rule applies: the closer we get to catastrophe, the fewer options for action we have, the more insoluble the problem becomes – the more we turn away from it, the less we want to engage with it, the deeper we slide into collective repression. Except in popular culture, where series like <em>The Walking Dead</em>, games like <em>The Last of Us</em>, and movies like <em>One Battle After Another</em> and <em>Don&#39;t Look Up</em> are addressing ecological and societal collapse with increasing frequency and often unflinching honesty – there are essentially no political narratives with any significant reach that address collapse head-on, and ask in any realistic way how one might sensibly respond to this entirely new societal situation. Which is precisely why engagement with the topic has shifted into (pop) culture, because that&#39;s the societal subsystem that exists, among other things, to discuss things that would challenge us too much in any other form.</p><p>In this sense and for this reason, the central political, economic, psychological, ecological, personal, collective etc. fact of the present remains a kind of spectre in most political discussions – a burdensome, tormenting presence, a haunting that we can never quite become fully conscious of, never directly observe, but which makes us permanently afraid without us ever really being able to admit that fear to ourselves or to others: I mean, who&#39;s afraid of ghosts? You&#39;d have to be crazy, wouldn&#39;t you? And nobody wants to be crazy, above all they don&#39;t want <em>Others</em> thinking that.</p><p><br/><br/></p><p><strong>&quot;I ain&#39;t afraid of no ghost&quot;</strong></p><p>What might at first glance look like an intellectually and morally inadmissible reduction of a complex social situation to a problem of individual psychology – collapse is here, but hardly anyone dares to address it openly, because nobody else is addressing it, and the first person who were to do so could hardly expect a positive social response – can easily be illustrated by looking at the political stories that are currently being told about &quot;the climate.&quot;</p><p>From right to left across the spectrum of political narratives:</p><p>The far right fantasises that climate collapse doesn&#39;t exist at all, it&#39;s all &quot;a Chinese hoax&quot;, as per Trump, or, as articulated in the farmers&#39; protests that shook Germany a few years back, a problem that only exists because the Greens and the climate lot keep banging on about it. This is the equivalent of the partner who tells you that the problems in the relationship only exist because they&#39;re being talked about (&quot;Stop it – with your constant nagging you&#39;re just <em>creating</em> the problems!&quot;). The central fact of &quot;collapse&quot; – central in terms of causal relevance compared to other causes – doesn&#39;t appear here at all; it&#39;s merely a figment of the imagination of hysterical climate activists.</p><p>Staunch conservatives like chancellor Merz do formally acknowledge the reality of the climate problem and the general desirability of climate action, but then subordinate such action to all manner of other, far more important social questions and goals: stability, social peace, and of course above all lots of growth, high profits, and alongside that a few taxes for the state and a few (ever fewer) tax-funded services for the rest of society. Here too, collapse is completely unnamed – the end of the perpetual cycle of &quot;more stuff&quot; is decreed impossible <em>par ordre de mufti</em>, denounced as the ramblings of deranged eco-apocalypticists.</p><p>The &quot;centre&quot; – ranging from Merkel through to the Greens, with the Social Democrats somewhere in the middle – constructs the climate question as something from which a new, green, renewable, sustainable, fundamentally <em>good</em> (in the socio-ecological sense) growth cycle could emerge. What&#39;s interesting about this perspective is that it doesn&#39;t entirely un-name collapse; it&#39;s quite aware of its general possibility, but then tries to channel the energy arising from engagement with the topic, from the attempt to avoid collapse, into a new social and economic &quot;growth cycle.&quot; This assumption lay at the core of the &quot;critique of green capitalism&quot; that some on the left articulated towards the end of the noughties (e.g. Brand and Wissen, Passadakis and myself). We can see that this is already the... more sophisticated form of <em>Verdrängung</em>: the psychological object &quot;collapse&quot;, or as it tends to be framed among the centrist Greens, &quot;climate catastrophe&quot; (which is never actually imagined in its real magnitude) is downgraded from an existential threat to a new engine for the old system. Psychologically that&#39;s extremely clever, we must remember this mechanism – but in reality even the Merkelian-Green &quot;centre&quot; completely represses the real dimension of &quot;climate catastrophe.&quot; The Climate Catastrophe That Will Change Everything becomes the engine for a mere &quot;carry on as before, but with electric cars.&quot; As if someone were trying to power a small hatchback with a nuclear bomb.</p><p>Last but... well: last – the left. Not The Party, but the entire left: social, activist, party, academic, cultural. Since I was but a wee young lefty lad, I&#39;ve always seen the left as a kind of ethico-political Ghostbusters, capable of dispelling with the light of criticism the intellectual and psychological obfuscations that must necessarily appear in the discourse of a late-imperial bourgeois-capitalist societ. Except: in collapse, the left is also among those who are frightened of the spectre. Because a large part of the German left still has no relevant political horizon beyond &quot;good industrial jobs&quot;, and the reality of climate collapse would mean there simply isn&#39;t time left to wait for a &quot;just transition&quot; or some magical &quot;industrial conversion&quot; in every heavy industrial region or coal district that saves each and every job exactly as it exists today – same wage, same social &quot;value&quot;, same history, same dignity, same... total unwillingness to change, as with everyone else.</p><p>For leftists, a socio-ecological collapse simultaneously means the end of our utopias (for instance, a &quot;fully automated luxury communism for all&quot;, as demanded by certain left tendencies, is now simply materially impossible). Which is why we&#39;re now witnessing the emergence of what gets called &quot;climate populism&quot; on the left: here it&#39;s the &quot;super-rich&quot;, the &quot;billionaires&quot; and other capitalist riffraff who are responsible for all the problems (psychologically they function as precisely the kind of &quot;fetish&quot; that &quot;foreigners&quot; represent for the right), and once they&#39;ve been done away with, everything will sort itself out in terms of social participation for all – even if the consumption norms we&#39;d be universalising nationally through this approach would represent a global catastrophe. The left reacts to the collapse spectre with the same fear as the rest of society, and in this debate is not one iota more rational.</p><p><br/>_____________________________________________________</p><p><strong><em>I finance most of my political work by way of this blog, and would be grateful for your support</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Support me and my work</a></p><p>_____________________________________________________<br/></p><p><strong>The Irrationality of Capitalist Modernity</strong></p><p>That the left, in this situation, holds no more rational a position than the rest of society is, for me as a leftist, admittedly a little disappointing – but not in the slightest surprising. I&#39;ve had unrealistic expectations of my partners in all my relationships, so naturally that applies to my relationship with the left as well. Because all left narratives, at least those arising and being told in the global North, are <em>modern</em> narratives in the sense of capitalist modernity, within which – and <em>only</em> within which – it became possible to tell stories in which everything could turn out well for everyone, in which a finite world could convince itself of the fantasy of infinite growth and wealth, and therefore at least the possibility of a decent life for all. Capitalist modernity is therefore no age of Enlightenment; it merely replaced one form of magical, religious thinking, with another – the structurally religious faith in eternal progress that animates all the great political currents of modernity.</p><p>Which is why all the political narratives listed above share one thing in common: the <em>more</em>. All modern political narratives told from a Europe that had already subjugated a large part of the world – and later from its genocidal settler colonies – whose (first mercantile, then industrial) capitalist &quot;take-off&quot; would not have been possible without the labour and resources stolen from the rest of the world, contain the idea that capitalist modernity possesses a magic capable of overriding all manner of previously true things. Limits, boundaries become barriers to be leapt over, after which &quot;more for everyone&quot; suddenly becomes a possibility, if only Everyone does Everything right (conservatives and liberals too argue that Everything would be good and even better for Everyone, if only, take your pick, we liberalise the markets, invest correctly, and don&#39;t question the rich and powerful).</p><p>If we look back at the intellectual and cultural history of capitalist modernity in its imperial centres, we see a fundamental assumption – that Everything would get better for Everyone, or at least could – running through all manner of products, from theoretical texts to pop songs. Kant&#39;s philosophy of Enlightenment describes itself as the emergence from self-imposed immaturity, and postulates a teleology of &quot;upward&quot;: detached from the rather cyclical conceptions of time held by indigenous and agricultural societies, capitalist modernity – in Hegel and in Marx too – imagines a world that frees itself from its bondage to nature (magical thinking, because that&#39;s simply impossible), thereby enabling an &quot;always more, always better, always less conflictual.&quot; And this doesn&#39;t stop at theory: since the beginning of global mass-production capitalism (a term I like to use to point to the mode of social integration of the &quot;masses&quot; as consumers), assumptions about &quot;normal&quot; life trajectories have also been oriented towards a constant &quot;more&quot; – 40-year-olds expect to be able to consume more than 20-year-olds. Then popular culture: the German punk band Ton, Steine, Scherben knew they would win &quot;the final battle&quot;, Chumbawamba knew that &quot;I&#39;ll get knocked down, but I get up again&quot;, and Martin Luther King assumed that &quot;the arc of the moral universe is long, but it bends toward justice.&quot;</p><p><br/><br/></p><p><strong>Leftists in Collapse</strong></p><p>Collapse – well: global ecological collapse and the global societal collapse directly triggered by it – is in this sense true post-modernity. Political narratives in collapse – at least those not saturated with suppression and self-serving comfort bullshit – must be narratives that accept that the arrow of history will henceforth only ever point downward. Which is what makes it so difficult to develop, on the one hand, left narratives and strategies that are adequate to collapse, that can produce real emancipatory effects in this new world-historical phase, and on the other hand, to avoid falling into the usual tedious tropes of left magical (movement) thinking, which flatters itself about its own perpetual defeats, and therefore can only ever lead to frustration and depression.</p><p>This book is an attempt to tell such a story: a left story, a story about a left practice that takes collapse seriously, that can convey meaning and courage and community despite the coming defeats and the disappearance of the great left utopias – a story about the development of a just collapse politics.</p><p>…</p><p>I&#39;ll leave it there for now, it&#39;s already late, gone 9 on a Thursday, at which point I get compulsive twitchiness if my text hasn&#39;t been posted yet. Feedback is very welcome – though you probably also know that the introduction to a long text always changes in the course of writing it. So... be gentle, I needed a way into the book-writing, and I&#39;ve found it now. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Zk2zR4wfEoU&amp;list=RDZk2zR4wfEoU&amp;start_radio=1">The horses are on the tracks</a> :)</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Subscribe to my blog</a></p><p>With happy authorial greetings,</p><p>Tadzio</p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Mon, 16 Mar 2026 16:50:21 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Das Gespenst des Kollaps, oder: das kollapsistische Manifest]]></title>
      <description><![CDATA[Der "Kollaps" stellt eine neue Phase der Weltgeschichte dar, & alle Konzepte, Strategien und Taktiken, die Erfolg haben wollen, müssen diese Tatsache aktiv reflektieren.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><a href="https://www.stockholmresilience.org/research/planetary-boundaries.html"><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/259b2a29-5e73-4aa1-a541-eb8c46cd131b/uploads/images/z6wy3tyvjg/Planetary_Boundaries_2023.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Rockströms bekannte &quot;Planetary Boundaries&quot;-Grafik: 6 von 9 sind überschritten."/></a><figcaption>Die berühmte &quot;planetary boundaries&quot;-Grafik: rot markiert die planetaren Grenzen, die schon überschritten worden sind.</figcaption></figure><p>11/03/2026</p><p><br/><br/></p><p>Liebe Leute,</p><p>Ich arbeite gerade mit zunehmendem Eifer an meinem zweiten Buch – wie schon das 1. mit dem österreichischen mandelbaum Verlag, momentaner Arbeitstitel ist <em>Kollapsbewegung: gemeinsam gegen die Angst </em>– und weil ich ja außerdem noch in die Orga des <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/a501ff8f-75e7-4f1c-9245-7b4750fb1ef9">Zukunftstrainingslagers</a> eingebunden bin, und eventuell nächste woche noch das dritte Großprojekt dieses Jahres dazukommt, eine mögliche Veröffentlichung meines 1. Buches auf englisch (<em>fingers crossed</em>!), muss ich langsam ein bisschen Arbeitsökonomie walten lassen, und meine Blogtexte direkter mit der Arbeit am Buch verknüpfen. D.h.: der heutige Text ist gleichzeitig auch ein erster Entwurf eines der Einleitungskapitel, weshalb die Inhalte darin für Euch möglicherweise nicht besonders neu sein werden. Ich hoffe, er macht trotzdem ein bisschen Lust auf das neue Buch.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Das Kollapsgespenst</strong></p><p>Ein Gespenst geht um in der Welt: das Gespenst des Kollaps. Alle Mächte der alten Welt haben sich zur Verdrängung dieses Gespensts verbündet, die Bürgis und die Rechten, die Mitteökos und... leider auch die Linke.</p><p>Wir stehen am Eingang einer neuen, in der Menschheitsgeschichte beispiellosen welthistorischen Phase: wir erleben gerade den Beginn des globalen ökologischen, und daraus abgeleitet und ihn wiederum verstärkend und beschleunigend, des gesellschaftlichen Kollaps. Der fossilistische Schonvielzuspätkapitalismus hat die Welt endlich an den Punkt gebracht, wo Rosa Luxemburgs alte Frage “Sozialismus oder Barbarei” laut und deutlich mit “na, Barbarei natürlich!” beantwortet wird, und vor dieser Herausforderung stehend reagiert die deutsche Mehrheitsgesellschaft mehrheitlich mit immer heftigerer Verdrängung der Realität.</p><p>Es 2026, die Jahre werden immer heißer, die Wirbelstürme immer zerstörerischer, die Hitzewellen immer tödlicher, jede klimakatastropheninduzierte Gefahr, vor der jemals gewarnt wurde, trifft uns schneller und katastrophaler, als auch die pessimistischsten “<em>Doomers</em>” es sich zu träumen gewagt hätten. Anstatt aber tatsächlich großflächig das Klima zu schützen, indem die deutsche Wirtschaft und Lebensweise “strukturell dekarbonisiert” und geschrumpft wird – beides wären <em>sine qua non</em>-Bedingungen für tatsächlichen, nachhaltigen Klimaschutz – baut das Land (im Konzert mit der Europäischen Union) äußerst aktiv den Ausbau fossiler Gasinfrastrukturen voran, die darauf ausgelegt sind, die nächsten 50 Jahre dreckiges, oft gefracktes Flüssiggas (LNG) zu verbrennen. Anstatt den gesellschaftlichen Alarm zu schlagen, anstatt <em>mehr</em> über Klimaschutz und die komplizierten <em>trade-offs </em>und globalen Gerechtigkeitsfragen, die er beinhalten würde, über die sozialen Konflikte, die er auslösen würde zu diskutieren, ist in den vielen Wahlkämpfen dieses “Superwahljahres” das Klima entweder überhaupt kein Thema, oder, wenn es auftaucht, mobilisiert es keine Wähler*innen für Parteien, die zumindest in ihren Programmen den Klimaschutz ein bisschen ernst nehmen, sondern wird genutzt, um genau diesen eins überzubraten: “wer die Grünen wählt, wählt den Unrechtsstaat im Heizungskeller!” <a href="https://www.mdr.de/altpapier/das-altpapier-4574.html">Anstatt uns mit der zentralen, der bestimmenden Frage der Gegenwart auseinanderzusetzen, schweigen wir sie lieber tot</a>, machen uns über diejenigen lustig, die “immer noch über diesen Klimakram reden”, werten sie ab, schauen weg, fressen unsere eigenen Ängste dazu immer tiefer in uns rein.</p><p>Es ist also jetzt schon Klimakollaps, und wie vor ein paar Jahren vorhergesagt ist der Zusammenhang nicht “mehr (Betroffenheit durch mehr) Klimakatastrophe führt zu mehr Klimarationalität”, sondern “mehr Klimakatastrophe führt zu mehr Verdrängung, Irrationalität und Dummheit”. Aber der Klimakollaps ist mitnichten der einzige Askept des globalen ökologischen Kollaps, denn dieser wird nicht im Kern vom <em>Fossilismus</em> vorangetrieben, sondern vom <em>globalen Wachstumskapitalismus</em>, dessen bisher optimale Organisierungsform nunmal der fossile Massenproduktionskapitalismus gewesen ist: um die alte Ökozote hier nochmal heranzuziehen, auf einem endlichen Planeten stellt ein Wirtschaftssystem, das ständiges Wachstum produzieren muss, um nicht zusammenzubrechen, eine ziemliche Dummheit dar. Die kapitalistisch hochgetunte Menschheit ballert deswegen derzeit auch gleich durch mehrere “planetare Grenzen” hindurch, also nicht nur die im Klimasystem, sondern auch bei der Biodiversität, der Ozeanübersäuerung, dem Frischwasser, etc.</p><p>Auch hier gilt: je näher wir der Katastrophe kommen, je weniger Handlungsmöglichkeiten noch bestehen, je unlösbarer das Problem ist, desto mehr wenden wir uns davon ab, desto weniger wollen wir uns damit auseinandersetzen, desto tiefer rutschen wir in die kollektive Verdrängung ab. Außer in der Popkultur, wo Serien von <em>The Walking Dead</em>, Games wie <em>The Last of Us</em> und Filme wie <em>One Battle After Another </em>und <em>Don&#39;t Look up</em> immer häufiger und immer schonungsloser den ökologischen und gesellschaftlichen Kollaps thematisieren, gibt es eigentlich keine politischen Erzählungen von relevanter Reichweite, die den Kollaps offensiv thematisieren, und auf eine realistische Art und Weise die Frage stellen, wie denn sinnvoll auf diese völlig neue gesellschaftliche Situation zu reagieren sei. Genau deswegen ja die Verschiebung der Auseinandersetzung mit dem Thema in die (Pop-)Kultur, denn das ist ja das gesellschaftliche Subsystem, das unter anderem dafür existiert, dort Sachen zu besprechen, die uns in anderer Form zu sehr herausfordern würden.</p><p>In diesem Sinne und aus diesem Grunde bleibt die zentrale politische, ökonomische, psychologische, ökologische, familiäre, persönliche, kollektive etc. Tatsache der Gegenwart in den meisten politischen Diskussionen eine Art Gespenst, eine belastende, quälende Präsenz, eine Heimsuchung, der wir uns nie ganz bewusst sein, die wir nie direkt beobachten können, die uns aber permanent Angst macht, ohne, dass wir diese Angst uns oder anderen gegenüber wirklich eingestehen könnten: ich meine, wer hat denn Angst vor Gespenstern, die hätte doch nen Knall, oder? Und “nen Knall haben” will ja niemand von uns, vor allem nicht, dass die Anderen das denken.</p><p><br/><br/><br/></p><p><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Fe93CLbHjxQ&amp;list=RDFe93CLbHjxQ&amp;start_radio=1">“<strong><em>I ain&#39;t afraid of no ghost</em>”</strong></a></p><p>Was hier auf den ersten Blick wie eine intellektuell und anstandsmäßig unzulässige Personalisierung und Psychologisierung einer komplexen gesellschaftlichen Situation aussehen mag – der Kollaps ist da, aber kaum jemand traut sich, ihn offen anzusprechen, weil niemand anderen ihn anspricht, und die erste Person, die es tut, kaum eine positive gesellschaftlicher Resonanz erwarten kann – lässt sich gut an den politischen Geschichten illustrieren, die über “das Klima” erzählt werden.</p><p>Von rechts nach links im Konzert der politischen Erzählungen:</p><p>Ganz rechts wird fabuliert, den Klimakollaps gäbe es gar nicht, das sei alles “<em>a Chinese hoax</em>”, ein “chinesischer Schwindel”, wie bei Trump, oder, wie bei den “Bauernprotesten” artikuliert, ein Problem, das es nur gibt, weil die Grünen und die Klimas ständig darüber reden. Das ist das Äquivalent des Partners, der einem erzählt, dass die Probleme in der Beziehung nur bestünden, sofern über sie geredet wird (“Hör auf, mit deinen ständigen Beschwerden schaffst Du die Probleme doch erst!”). Die (im Sinne kausaler Relevanz im Vergleich zu anderen Ursachen) zentrale Tatsache “Kollaps” taucht hier erst gar nicht auf, sie ist nur ein Hirngespinst hysterischer Klimaaktivist*innen.</p><p>Stramme Konservative wie Merz erkennen die Realität des Klimaproblems und die Wünschbarkeit von Klimaschutz zwar formal an, ordnen sie dann aber allerlei anderen, viel wichtigeren gesellschaftlichen Fragen und Zielen unter: Stabilität, gesellschaftlicher Frieden, und natürlich und vor allem viel Wachstum, hohe Profite, und daneben fallen noch ein paar Steuern für den Staat und ein paar (immer weniger) steuerfinanzierte Leistungen für den Rest der Gesellschaft ab. Auch hier wird der Kollaps komplett entnannt, das Ende des ständigen “mehr” wird per ordre de mufti für unmöglich, für das Gefasel durchgeknallter Ökoapokalyptiker*innen erklärt.</p><p>Die “Mitte” - ung von Merkel bis zu den Grünen, mit den Sozen mitten drin – fantasiert sich die Klimafrage als etwas, woraus ein neuer, grüner, erneuerbarer, nachhaltiger, im Kern <em>nicht-böser </em>(im sozial-ökologischen Sinne) Wachstumszyklus entstehen könnte. Das spannende an dieser Perspektive ist, dass sie den Kollaps nicht vollkommen entnennt, sie ist sich durchaus seiner allgemeinen Möglichkeit bewusst, versucht dann aber, die aus der Auseinandersetzung mit dem Thema, aus dem Versuch, den Kollaps zu vermeiden entstehende Energie in einen neuen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen “Wachstumszyklus” zu leiten – diese Annahme lag im Kern der “Kritik des grünen Kapitalismus”, die manche Linke gegen Ende der Nuller artikulierten (zB. Brand und Wissen, Passadakis und ich). Wir sehen, dass dies hier schon die... raffiniertere Verdrängungsperspektive ist: das psychologische Objekt “Kollaps”, oder wie bei den Mittegrünen eher verbreitet, “Klimakatastrophe” (die sich eigentlich nie in ihrer realen Wucht vorgestellt wird) wird von einer existentiellen Gefahr zu einem neuen Motor des alten Systems degradiert. Psychologisch ist das extrem clever, den Mechanismus müssen wir uns merken, aber in der Realität verdrängt eben auch die merkelianisch-grüne “Mitte” die reale Dimension der “Klimakatastrophe” vollkommen. Die Klimakatastrophe, die Alles ändern wird, wird so zum Motor des “weiter so, aber halt mit E-Autos”. Als würde man versuchen, mit ner Atombombe nen Kleinwagen anzutreiben.</p><p><em>Last but... well: last,</em> die Linke – nicht die Partei, sonder die gesamte Linke, gesellschaftlich, aktivistisch, Partei, akademisch, kulturell. Seit ich ein junger linker Hüpfer war, habe ich die Linke immer ein bisschen als ethisch-politische Ghostbusters gesehen, die in der Lage ist – dass <em>wir</em> in der Lage sind, die intellektuellen und psychologischen Verdunkelungen, die im Diskurs einer spätimperial-bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft notwendigerweise auftauchen müssen, mit dem Lichtschein der Kritik zu verjagen, allein: im Kollaps ist auch die gesellschaftliche Linke Teil derer, die sich vor dem Gespenst fürchten. Weil ein Großteil der deutschen Linken immer noch keinen relevanten politischen Horizont jenseits “guter Industriejobs” hat, und die Realität des Klimakollaps nunmal bedeuten würde, dass einfach keine Zeit mehr da ist, darauf zu warten, dass in jedem schwerindustriellen oder Kohlerevier ein “gerechter Übergang” oder eine magische “industrielle Konversion” jeden einzelnen Arbeitsplatz genau so rettet, wie er heute ist, selber Lohn, selber gesellschaftlicher “Wert”, selbe Geschichte, selbe Würde, selbe... totale Unwilligkeit zur Veränderung, wie bei allen Anderen.</p><p>Für die Linken bedeutet ein sozial-ökologischer Kollaps gleichzeitig das Ende unserer Utopien bedeutet (zum Beispiel ist ein “fully-automated luxury communism for all”, wie ihn manche Tendenzen in der Linken gerne “fordern”, mittlerweile materiell einfach unmöglich). Deswegen entsteht jetzt das, was auf links “Klima-Populismus” genannt wird: hier sind die “Superreichen”, die “Milliardäre” und anderes großkapitalistisches Gesocks verantwortlich für alle Probleme (psychologisch sind sie also genau so ein “Fetisch”, wie “die Ausländer” das für Rechte sind), und wenn die erst abgeschafft sind, dann wird das schon wieder was mit der gesellschaftlichen Teilhabe für Alle, auch, wenn die Konsumnormen, die wir dadurch national verallgemeinern, eine globale Katastrophe darstellen würden. Die Linke reagiert auf das Kollapsgespenst mit der gleichen Angst, wie der Rest der Gesellschaft, ist in dieser Debatte kein Deut rationaler.</p><p><br/>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________<br/><br/></p><p><strong>Die Irrationalität der kapitalistischen Moderne</strong></p><p>Dass die Linke in dieser Situation keine rationalere Position hat, als der Rest der Gesellschaft, ist für mich als Linken zwar ein wenig enttäuschend, aber mitnichten überraschend (ich habe in allen meine Beziehungen unrealistische Erwartungen an meine Partner gehabt, also auch in meiner Beziehung mit der Linken). Denn alle linken Geschichten, zumindest die, die im globalen Norden entstehen und dort erzählt werden, sind <em>moderne </em>Geschichten im Sinne der kapitalistischen Moderne, innerhalb derer, und <em>nur </em>innerhalb derer die Erzählung von Geschichten möglich wurde, in denen es am Ende Allen gut gehen könnte, in der eine <em>endliche</em> Welt sich die Fantasie <em>unendlichen</em> Reichtums, und daher auch eines zumindest guten Lebens für Alle einreden konnte. Die kapitalistische Moderne ist daher eben keine Zeit der Aufklärung, sie ersetzte nur eine Art des magischen Denkens, das religiöse Denken, durch eine andere Art, den in (im Grunde strukturell religiösen) ewigen Fortschrittsglauben, der allen großen politischen Strömungen der Moderne innewohnt, sie förmlich beseelt.</p><p>Deswegen haben auch all die oben aufgezählten politischen Geschichten eine Sache gemeinsam: das <em>mehr</em>. Alle <em>modernen </em>politischen Geschichten, die aus einem Europa und dann später auch aus seinen genozidalen Siedlerkolonien erzählt werden, das schon damals einen Großteil der Welt unterworfen hatte, und <a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Capitalism_and_Slavery">dessen (zuerst Handels-, dann Industrie-) kapitalistischer “Take-Off” nicht ohne die dem Rest der Welt gestohlenen &quot;Arbeitskräfte&quot; und Ressourcen möglich gewesen wäre</a>, beinhalten die Idee, dass der kapitalistischen Moderne eine Magie innewohnt, die allerlei bisher wahres aushebeln könne: <em>Limits, boundaries </em>werden zu Barrieren, die es zu überspringen gilt, dann ist das “mehr für Alle” plötzlich eine Möglichkeit, wenn nur Alle Alles richtig machen (auch Konservative und Liberale argumentieren, dass Alles für Alle gut und sogar besser würde, wenn wir nur, wahlweise, die Märkte liberalisieren, richtig investieren, und die Reichen und Mächtigen nicht in Frage stellen)</p><p>Wenn wir in die intellektuelle/kulturelle Geschichte der kapitalistischen Moderne in den imperialen Zentren zurückschauen, sehen wir eine grundsätzliche Annahme, das Alles für Alle besser würde, oder zumindest werden könnte, in allerlei Produkten, von Theoriebüchern hin zu Popsongs. Kants Philosophie der Aufklärung beschreibt sich selbst als den Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit, und postuliert eine Teleologie des “aufwärts”: losgelöst von den eher zyklischen Zeitvorstellungen indigener und landwirtschaftlicher Gesellschaften imaginiert sich die kapitalistische Moderne, auch bei Hegel und bei Marx, eine Welt, die sich von der Naturgebundenheit löst (magisches Denken, denn das ist halt unmöglich), und dadurch ein “immer mehr, immer besser, immer konfliktfreier” möglich macht. Und das macht nicht in der Theorie Halt: seit dem Beginn des globalen Massenproduktionskapitalismus (ein Begriff, den ich gerne verwende, um auf den Modus der gesellschaftlichen Einbindung der “Massen” als Konsument*innen zu verweisen) sind auch Annahmen über “normale” Lebenspfade auf ein ständiges “mehr” ausgerichtet, erwarten 40igjährige, mehr konsumieren zu können, als 20jährige. Dann die Popkultur: Ton, Steine, Scherben wissen, dass sie “die letzte Schlacht” gewinnen würden, Chumbawamba weiß, “I&#39;ll get knocked down, but I get up again”, und Martin Luther King ging davon aus, dass <em>“t</em><strong><em>he arc of the moral universe is long, but it bends toward justice.”</em></strong></p><p><br/><br/></p><p><strong>Linke im Kollaps</strong></p><p>Der Kollaps, nunja: der globale ökologische und von ihm direkt ausgelöste globale Gesellschaftskollaps ist in dem Sinne die wahre Postmoderne. <strong>Politische Erzählungen im Kollaps – also zumindest solche, die nicht voller Verdrängung und <em>self-serving comfort bullshit</em> sind – müssen Erzählungen sein, die akzeptieren, dass der Pfeil der Geschichte nunmehr immer nur noch nach unten zeigen wird.</strong> Was es so schwer macht, einerseits linke Erzählungen und Strategien zu entwickeln, die dem Kollaps angemessen, die in dieser neuen welthistorischen Phase reale emanzipatorische Effekte produzieren können, und andererseits nicht in die üblichen Zoten linken magischen (Bewegungs-)Denkens zu verfallen, die sich die dauernden eigenen Niederlagen schönreden, und daher am Ende nur zu Frustration und Depression führen können.</p><p>Dieses Buch ist der Versuch, eine solche Geschichte zu erzählen: eine linke Geschichte, eine Geschichte über eine linke Praxis, die den Kollaps ernst nimmt, die trotz der kommenden Niederlagen und des Verschwindens der großen Linken Utopien Sinn und Mut und Gemeinschaft vermitteln kann – eine Geschichte über die Entwicklung einer solidarischen Kollapspolitik.</p><p>…</p><p>Dabei belass&#39; ich es mal, es ist auch schon spät, nach 9 Uhr am Donnerstag, da krieg ich zwanghaftes Kribbeln, wenn mein Text noch nicht gepostet ist. Ich freu mich über Feedback, aber vielleicht wisst Ihr auch, dass die Einleitung eines langen Textes sich im Laufe des Textschreibens immer ändert. Also... seid gnädig, ich brauchte einen Einstieg ins Buchschreiben, und den hab ich jetzt gefunden. <em>The horses are on the tracks</em> :)</p><p><br/></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p><br/></p><p>Mit schreibfreudigen Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 12 Mar 2026 08:51:34 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[PositHIVe Gegenmacht: HIV, AIDS und die Rückkehr der dunklen Zeiten]]></title>
      <description><![CDATA[In den USA nehme Rechte HIV-Positiven die Medikamente weg, & wir müssen uns auf so ein Szenario vorbereiten. Weil wir positHIV sind, müssen wir antifaschistisch sein!]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>PositHIVe Gegenmacht aufbauen: HIV, AIDS und die Rückkehr der dunklen Zeiten</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/bbc20d8c-5a23-43b2-9f4b-e0bc6433e25d/uploads/images/3x23arwbiz/act_up_symbol.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Zwei rosa Winkel auf schwarzem Grund. Links steht darunter action = life, rechts steht darunter &quot;silence = death&quot;."/><p>05/03/2026</p><p></p><p></p><p>Liebe Leute,</p><p>heute geht es um Alles</p><p>Es geht um Leben und Tod, um Faschismus und antifaschistische Gegenmacht, um Kollaps und SoliPreppen. Es geht darum, dass die Rechten uns HIV-Positiven die Medikamente wegnehmen, weil sie nie aufgehört haben, zu hoffen, dass wir elendiglich krepieren, wie damals in den 80ern. Es geht darum, ob und wie wir Positiven uns dagegen wehren können, wie wir uns solidarisch und kämpferisch auf eine Situation vorbereiten können, in der das, was in den USA heute schon passiert, was im südlichen Afrika mit verheerenden Konsequenzen seit den globalen “Entwicklungshilfe”-Kürzungen des vergangenen Jahres passiert, auch hierzulande eintritt.</p><p>Es geht mir in diesem Text um nicht mehr und nicht weniger, als einen Strategievorschlag für eine neue Positivenbewegung zu formulieren. Ich bin mir sicher, dass das auch ein bisschen anmaßend wirken wird, vor allem auf diejenigen, die schon länger in diesem Politikfeld arbeiten. Aber... nunja, <em>we&#39;re running out of time</em>.</p><p><br/><br/></p><p>“<strong>USA: Viele Positive erhalten keine Medikamente mehr”</strong></p><p>Das war die Headline, die mir vorgestern Abend so sehr die Laune verdarb, dass ich seitdem im politischen Sinne an fast nichts anderes mehr denken kann. <a href="https://www.queer.de/detail.php?article_id=57049">Ich zitiere mal ausführlicher:</a></p><p>“<strong>In den USA zeichnet sich eine ernste Gefahr für die Versorgung von Menschen mit HIV ab, weil staatliche Behörden und Gesundheitsprogramme die Unterstützung für Medikamente und Behandlungsprogramme stark einschränken. Derzeit kürzen rund die Hälfte der 50 US-Bundesstaaten Förderprogramme, mit denen antiretrovirale Medikamente finanziert werden. Zehntausende sozial schwächere HIV-Positive könnten damit ihre Medikamente verlieren – und können sich eine Eigenfinanzierung nicht leisten.</strong></p><p><strong>Für nicht Krankenversicherte können empfohlene Behandlungskosten pro Jahr im US-Gesundheitssystem allerdings 30.000 bis 40.000 Euro betragen – hinzu kommen Kosten für Arztbesuche, Labortests oder Begleittherapien. Aids-Organisationen warnen daher, dass damit viele Menschen von der Behandlung abgeschnitten werden. Dies würde zu weiteren Kosten führen: Die Viruslast bei nicht behandelten Positiven würde innerhalb weniger Wochen ansteigen, was zu einer Schwächung des Immunsystems und weiteren Erkrankungen führen könne. Außerdem können, das zeigt die Erfahrung, schon relativ kleine Versorgungslücken der Neuinfektionen messbar erhöhen.”</strong></p><p>Es tritt also gerade das ein, wovor ich seit geraumer Zeit warne, wovor ich, genauer gesagt, seit geraumer Zeit eine Heidenangst habe: wir HIV-Positiven stehen mittlerweile direkt im Fadenkreuz der rechten Offensive, die Rechten nehmen uns die Medikamente weg, die wir ganz dringend zum Überleben brauchen.</p><p>Natürlich könnte man meinen, es ginge hier um objektive “Sparzwänge”, aber das wäre halt Quatsch: ein Land, das sich einen “<em>war of choice</em>” im Iran und allerlei <em>giveaways</em> an Milliardäre leisten kann, <em>entscheidet </em>sich, bei vor allem armen, bei vor allem queeren, bei vor allem people of color zu sparen, wir sind da kein zufälliges Ziel eines allgemeinen Sparzwangs. HIV-positive Menschen in den USA werden gerade, wie seit letztem Jahr auch HIV-positive Menschen im südlichen Afrika, Opfer rechten Hasses, rechter Verachtung “anderer” Lebensmodelle, Opfer des rechten Wunsches, uns Perverse Gotteslästerer*innen leiden und sterben zu sehen (<a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/f206ddd1-a479-469d-9bec-47524b39a807">hier ein Text</a>, in dem ich kurz auf die Geschichte der HIV-/AIDS-Krise eingehe).</p><p><br/><br/></p><p><strong>Wie dort, so bald auch hier?</strong></p><p>Die nächste abwiegelnde Reaktion, sowohl von positiven wie von negativen Gesprächspartner*innen, ist dann meist der Hinweis, dass das ja in den USA geschehen würde, dass Alles dort ganz anders sei, dass ich mir hier in Deutschland keine Sorgen zu machen bräuchte – aber wer seit 2015 auch nur ein klein bisschen die US-amerikanische Politik verfolgt hat, wird ziemlich schnell erkennen, dass die durchgeknallten Dinge, die dort passieren, ung. fünf bis acht Jahre später dann auch hier ankommen. Natürlich sehen diese politischen Moves dann nicht <em>genau</em> so aus, wie dort, sie werden “hybridisiert”, d.h., an die lokalen Gegebenheiten angepasst – zum Beispiel ist es aufgrund des dt. Krankenversicherungsmodells ziemlich schwierig, ärmeren Menschen einfach die HIV-Medikamente zu streichen, aber das bedeutet nur, dass wir uns die Frage stellen müssen, auf welchem Weg der Angriff auf unsere Medikamente, sprich, aus unsere Körper und unser Überleben, denn nun wahrscheinlich laufen wird.</p><p>Zuerst dachte ich, angesichts immer mehr in Mode kommenden öffentlich-schamfreien Rassismus der <em>moral shithole society</em> Deutschlands, dass der Angriff sich Geflüchtete als sein erstes weil einfachstes Ziel aussuchen würde, aber Menschen mit mehr Erfahrung im HIV-und-AIDS-Politikfeld haben mir versichert, dass das nicht wirklich einfach wäre, weil: sobald Menschen in Deutschland Schutzstatus haben, unterliegen sie nunmal bestimmten rechtlichen Schutzbestimmungen, die nicht ganz einfach abzuräumen sind.</p><p>Stellt Euch diese Überlegungen ein bisschen so vor, als würdet Ihr ein Politikfeld “von oben” betrachten, als wäre es eine Landkarte, die vor Euch liegt: auf der einen Seite der Karte seht ihr uns und unsere Verteidigungslinien; auf der anderen die der Gegenseite, und dazwischen die Topographie des politischen Feldes – Gesetze und Institutionen sind in dem Bild Flüsse, Straßen oder Bergzüge, die gegnerische Bewegungen entweder erschweren oder erleichtern, die uns die Verteidigung oder gar eine Gegenoffensive ermöglichen könnten. Ich starrte eine ganze Zeitlang auf diese imaginierte Karte, fragte mich: “wo wird der Angriff erfolgen?” Bis mir klar wurde: es wird mit der PREP anfangen...</p><p><br/><br/></p><p><strong><em>It will begin (with the PREP)</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/c2cc3d4d-7948-4ac1-a71d-14d979c2f230">Wie vor drei Wochen aufgeschrieben </a>gehe ich davon aus, dass die rechte Offensive im strategischen Sinne relativ rational vorgeht, sie testet unsere Linien aus, greift jede “Randgruppe” an, die sie finden kann, achtet genau darauf, vor welchen wir die Reihen schließen, und bei welchen wir ungefähr so wegschauen, wie die meisten meiner Klassenkamerad*innen wegschauten, als ich in der Unter- und Mittelstufe gebullied wurde: unter anderem deswegen greifen sie derzeit so hart unser trans Geschwister an, weil ein erheblicher Teil der Mitte ziemlich deutlich signalisiert hat, dass sie diese ganze “trans”-Geschichte auch irgendwie dubious und verwirrend finden, und überhaupt, diese ganze Pronomenverwirrung...</p><p>Und wenn dann mal ein Angriff gut läuft, wird diese Angriffslinie auf- und ausgebaut, weshalb wir davon ausgehen können, dass auf ihr weitere Angriffe geplant und durchgeführt werden. Wir sind also im erweiterten Sinne bei geschlechtlichen und sexuellen “Minderheiten” als attraktives Ziel der rechten Offensive, und obwohl HIV/AIDS natürlich KEIN grundsätzlich queeres Thema ist – <a href="https://www.independent.co.uk/life-style/health-and-families/hiv-diagnoses-heterosexual-gay-men-b2009152.html">Headline aus dem UK</a>: “More straight than gay people are being diagnosed with HIV for first time in a decade” - ist es im politisch allmächtigen symbolischen Sinne ein queeres Thema: wenn wir über HIV/AIDS und andere sexuell übertragbare Krankheiten sprechen, sprechen wir fast nie über materielle, medizinische Realitäten, wir sprechen stattdessen von Schuld und Scham und Sünde und Vergebung oder halt eben ewige Verdammnis. An AIDS zu sterben ist der ultimative Beweis der eigenen Sündhaftigkeit, sowohl im historischen schwulen Gedächtnis, als auch, vor allem, bei den Rechten, bei der Arschlochgesellschaft. <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/f206ddd1-a479-469d-9bec-47524b39a807">Ein Blick zurück in die 80er</a>:</p><p>“Die meisten der Opfer der mysteriösen Krankheit waren MSM (&#39;men who have sex with men&#39;) und/oder African Americans. Also Schwuchteln und Schwarze. Die mehrheitsgesellschaftliche Reaktion ließ sich ungefähr so zusammenfassen: &#39;Alles gut und schön, aber ist eh egal, weil jetzt verreckt ihr alle.&#39; Schwule Communities erinnern sich nicht nur an die Zeit, in der man auf mehr Beerdigungen als Partys ging, sondern auch an die Häme, den befriedigten Blick der Normalos als wir vor ihren Augen dahinsiechten. Ausgemergelte Symbole der Strafe Gottes für unsere Sünden!”</p><p>Und wieder zurück in die Gegenwart: wenn die Rechten (leider richtigerweise) geschlechtliche und sexuelle Minderheiten für besonders attraktive Ziele halten, stellt sich die Frage, wo der nächste Angriff kommen wird. Die Antwort darauf ist, wie gesagt, die PREP. PREP ist ein HIV-Medikament (Truvada), das auch als Prophylaxe fungiert: viele in der Schwulenszene sexuell aktive MSM nehmen die PREP, und sind so vor einer Ansteckung mit HIV geschützt. Die PREP ist mittlerweile ein “normaler” Teil schwuler Sexualität geworden, und sie ist im gesellschaftlichen Sinne ziemlich rational: sie rettet Leben, und spart Geld (weil eine lebenslange HIV-Infektion teurer ist, als eine zeitlich begrenzte PREP-Nutzung).</p><p>Und hier seht Ihr hoffentlich schon die Angriffslinie: dass die Kassen (dank Jens Spahn <em>of all people</em>) in Deutschland die PREP finanzieren, ließe sich von Rechts ganz leicht als “gesellschaftliche Finanzierung eines perversen Lebensstils” darstellen, und schon wären wir bei einem Szenario a la USA: mit angeblichen Sparzwängen begründeten, aber eigentlich auf Hass basierenden Kürzungen werden Zehntausende von der PREP ausgeschlossen, Infektionszahlen würden steigen, vermutlich gäbe es dann auch weniger kostenlose Testangebote, und schon könnten wir in den Zentren schwuler Kultur in Deutschland wieder Menschen an AIDS sterben, die dunklen Zeiten könnten zurückkehren.</p><p></p><p>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________<br/><br/></p><p><strong><em>Chto Delat? </em>Was tun (wir PositHIVen jetzt)?</strong></p><p>Ihr wisst, dass ich gerade von “der Mitte” nicht besonders viel erwarte, zumindest nicht, dass sie “uns” (verschiedene marginalisierte Gruppen) adäquat verteidigen wird – während ich diesen Text schreibe, sehe ich in irgendeinem “sozialen Medium” <a href="https://bsky.app/profile/tadziomueller.bsky.social/post/3mgcax3ef6s2v">eine Kachel, auf der Luisa Neubauer</a> mit den schönen Worten zitiert wird, sie wünsche sich, dass 2026 die Menschen mehr “den Vögeln zuhören, den Wind in den Bäumen”, und mir wird ein bisschen schlecht – und dass meine Strategien derzeit auf den Aufbau autonomer (mit kleinem “a”, also nicht unbedingt Autonom) Handlungsfähigkeit in Katastrophensituationen hinauslaufen. Also stellt sich nun die Frage: wie reagieren wir PositHIVen auf die derzeitige politische Situation, wie reagieren wir auf das politisch gewollte Sterben im südlichen Afrika, wie auf die Entwicklungen in den USA, wie bereiten wir uns auf einen kommenden Angriff auf die PREP vor?</p><p>Die bisher wahrscheinliche Antwort ist: “wir” reagieren gar nicht darauf, denn es gibt “uns” gar nicht im Sinne einer politisch handlungsfähigen kollektiven Identität. Wir Positiven wissen kaum voneinander, weil wir nicht offen über unseren Infektionsstatus sprechen, aus historisch guten Gründen, die uns jetzt aber in den Arsch beißen. Natürlich wollten HIV-Positive sich nicht outen, unter anderem, weil bei uns selbst und in der breiteren Gesellschaft immer noch sehr viele Vorurteile und <em>judgement</em> über HIV besteht, weil wir uns immer noch schuldig fühlen, und von außen immer noch als Gefallene/Perverse/in irgendeiner Form Schuldige gesehen werden. Weitere Gründe: zum Beispiel das Arbeitsrecht, wo in vielen Jobs, die physische Fitness voraussetzen, volltherapierte und deswegen praktisch vollkommen gesunde HIV-Positive plötzlich als “krank” und “nicht voll arbeitsfähig” eingestuft werden, was natürlich eine Form von Diskriminierung ist, die nicht mehr den medizinischen Realitäten entspricht. Dann gibt es da die Angst, auf offiziellen “Listen” zu landen, wie sie damals in den 80er und 90er Jahren u.a. aus der Union heraus gefordert wurden. Daher löste die Elektronische Patient*innenakte unter Positiven auch ziemlich kontroverse Diskussionen und große Sorge aus.</p><p>Ich könnte jetzt noch hunderte Gründe aufzählen, warum HIV-Positive sich nur selten und wenn ja meist nur in ihrem allerengsten Kreis outen, <em>but you get the idea</em>. Daraus entsteht aber ein enormes politisches Problem, denn was nicht sprechen kann, kann sich auch nicht organisieren. Eine Community, die sich gegenseitig nicht erkennen kann, ist keine Community <em>für sich</em>, im Sinne einer selbst-bewusst handelnden politischen Entität/Gruppe. Aber eine kollektive Community-Identität ist notwendig, ist Grundbedingung politischen Handelns, ohne queere Outings hätte es keine queere Bewegung geben können, und vielleicht erinnern sich manche hier noch an die “<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Wir_haben_abgetrieben!">wir haben abgetrieben!</a>” aus den frühen 70er Jahren erinnern, in der prominente Frauen, die abgetrieben hatten, ihre Privilegien ausnutzten, um so den Wunsch nach körperlicher Selbstbestimmung für Frauen politisch sprechbar zu machen, obwohl sie sich damit durchaus erheblichen politischen und persönlichen Risiken aussetzten.</p><p>D.h.: es kann keine neue Positivenbewegung geben, keine positive Gegenmacht, wenn wir uns nicht als Community wahrnehmen, wenn wir einander nicht gegenseitig erkennen können, wie das derzeit der Fall ist. Wer politische Macht aufbauen will, um einen mit großer Wahrscheinlichkeit kommenden Angriff auf unsere Medikamente abwehren können, und/oder danach noch in der Lage sein will, unsere Medikamente auf anderen, auf autonomen Wegen zu organisieren, kommt am kollektiven Outing als Positive nicht vorbei.</p><p><br/></p><p><strong>Massenselbstouting der Positiven?</strong></p><p>Ich bin mir völlig bewusst, dass das sehr nach einer Analyse klingt, die ich aus einer höchst privilegierten Position artikuliere, und dass sich als HIV-Positiv outen sowohl megascary, als auch potenziell gefährlich ist. Aber erstens ist mir klar, dass an so einem Selbstouting vor allem die privilegierteren und rechtlich abgesicherteren Mitglieder unserer Community teilnehmen würden, und halte es auch für unsere verdammte Pflicht und Aufgabe, unsere Privilegien im Sinne der Interessen unserer gesamten Community zu nutzen. Zweitens ist es nunmal so, dass politische Praxis, der Kampf marginalisierter Gruppen um ihr Überleben, und die antifaschistisch-solidarische Praxis der Mitte (die es mit Sicherheit auch in Teilen geben wird) in einer sich faschisierenden Zukunft zunehmende Risiken mit sich bringen wird. Wenn wir uns immer nur für den sicheren, den risikoarmen Weg entscheiden, werden wir sie Schritt für Schritt zu einer Duckmäuser- und <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/44d3b8df-f9d3-4c47-a570-67e52939e0fc">Mitläufergesellschaft</a>. Drittens, angesichts der Angst, “auf Listen zu landen”: wer in Deutschland positiv ist, steht schon auf Listen, und zwar über unsere Krankenkassen. Wer den Staat kontrolliert, würde auch Zugang zu diesen Informationen haben, also... ist dieses Ei schon zerbrochen.</p><p>Der Weg nach vorne für uns Positive muss also einen gewissen Mut beinhalten, und er muss verstehen, dass es um viel mehr geht, als “nur” um uns Positive: es geht im Selbstouting der Positiven, wie ich es mir ausmale, um einen Move im gesellschaftlichen Kampf gegen den Faschismus. Von einer Community, die sich nicht kennt, die nicht sprechen kann, und deswegen von unseren potenziellen Allies übersehen werden, und von unseren Gegner*innen straflos angegriffen werden kann, zu einer Community, die den Kampf der Positiven zu einem Leuchtturmprojekt solidarischen Antifaschismus macht.</p><p>Ich schlage ein Massenselbstouting von HIV-Positiven vor, und damit meine ich nicht 50-100 Leute, sondern mindestens Tausend, gerne Tausende, in dem wir nicht nur sagen “wir sind positiv” (weil: <em>who would really care? Be honest, you probably wouldn&#39;t</em>), sondern in dem wir sagen, “weil wir positiv sind, sind wir antifaschistisch. Wenn Ihr Rechten auch nur einer Person die Medis oder die PREP wegnehmen wollt, bekommt ihr es mit uns allen zu tun, und glaubt uns, von uns gibt es viele, viel mehr, als ihr denkt, und wir sind nicht machtlos.” Die Hoffnung wäre hier eine doppelte: zuerst würde dieser Akt der Artikulation unserer Wahrheit uns selbst als Gruppe, als Community erst erschaffen, zweitens würde die Aussage “wir relativ Privilegiertieren versprechen, zusammen mit allen in unserer Community uns selbst UND ANDERE zu verteidigen”. Ich stelle mir vor, wie ein derartiges Statement mutigen, risikobereiten Antifaschismus eine Inspiration für die gesellschaftliche Mitte wäre, deren Antifaschismus allzu oft ziemlich allgemein bleibt und “maximal eine Demo pro Quartal” bedeutet.</p><p>Durch so ein Massenselbstouting könnten wir uns in einem Schritt zu einem Faktor in der Debatte machen, an eine der stärkeren politischen Produktivkräfte in Deutschland andocken (den Wunsch, sich sichtbar gegen rechts zu positionieren), und so anfangen, die Strukturen aufzubauen, die es uns ermöglichen könnten, die kommende Angriffe besser abzuwehren oder zumindest zu überstehen.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Schlussgedanken</strong></p><p>Ich weiß, das ist alles noch ziemlich unausgegoren, aber verzeiht mir: neben Buch II, einer <em>möglichen</em> englischen Übersetzung meines ersten Buches und der Orga des enorm komplexen <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/a501ff8f-75e7-4f1c-9245-7b4750fb1ef9">Zukunftstrainingslagers</a> ist die strategische Arbeit an der Positivenbewegung bisher ein bisschen zu kurz gekommen, aber ich gelobe Besserung, dieser Text soll ein Anfang sein.</p><p>Der letzte Punkt, den ich hier machen will, verbindet all das hier gesagte zurück mit der Agenda des solidarischen Preppens. Ich betone immer wieder, dass SoliPreppen von Beziehungen handelt, dass Beziehungsaufbau der Kern und der Anfang solidarischer Kollapspolitik ist. Und Beziehungen brauchen Kommunikation, ich kann keine Beziehung führen, wenn ich keine Gegenüber habe. Wer Macht aufbauen will, muss zuerst Beziehungen aufbauen, und wir Positiven können erst dann Beziehungen miteinander aufbauen, wenn wir einander auch erkennen können. Ohne queere Outings hätte es keine queeren Bewegungen gegeben, und wenn Freddie Mercury nicht offengelegt hätte, dass er an AIDS stirbt, hätte die Stille noch länger angehalten, wären noch mehr gestorben, ohne je zugeben zu können, warum.</p><p>Einer der wichtigsten Slogans der ikonischen Act Up! AIDS-justice-Bewegung war: “<em>silence = death</em>”. Ich dachte immer, der handelte von der Stille “Der Anderen”, “Der Mitte”. Jetzt glaube ich, dass er vor allem von unserer eigenen Stille handelt: <em>silence = death</em>. Wenn wir nicht sprechen, sprechen Andere über und für uns. Wir müssen die Stille durchbrechen, unsere eigene kollektive Stille. Ich weiß, das wäre ein Wagnis. Aber ohne Outing keine Macht. <em>It&#39;s our choice</em>.</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Mit offen hiv-positiven Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 05 Mar 2026 08:35:35 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Heizungsgesetz, oder: “Imperiale Lebensweise soll wieder Spaß machen!"]]></title>
      <description><![CDATA[Keinen echten Klimaschutz wollen wir in der Praxis fast Alle, weil es sich im Nichtklimaschutz billiger fossiler Energie & imperialer Lebensweise relativ gut leben lässt.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Heizungsgesetz, oder: “Die imperiale Lebensweise soll wieder Spaß machen”</h1><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/d0017a10-e6c0-45ef-af4e-6f2036ff7eea/uploads/images/nwmnu7ho3k/IMG_5928.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Klimapolitik für Dummies - Mengenlehre. Links eine grüne Menge: &quot;was effektiv das Klima schützt&quot;; rechts eine rote &quot;was Deutschen Spaß macht&quot;. Es gibt keine Schnittmenge"/><figcaption>Eigene Grafik</figcaption></figure><p>26/02/2026</p><p></p><p></p><p>Liebe Leute,</p><p>heute nur ein “kurzer” Kommentar zu den Eckpunkten für ein neues Heizungsgesetz – Wolf hat am Sonntag 01.03. Geburtstag, daher machen wir ab morgen früh ein paar Tage Urlaub, und bis dahin gibt&#39;s noch viel zu tun, Ihr kennt das.</p><p>Trotzdem möchte ich es mir nicht verkneifen, angesichts der anstehenden Novelle des für eventuelle Klimaschutzambitionen der BRD zentralen Heizungsgesetzes ein paar Gedanken zur imperialen Lebensweise in Deutschland aufzuschreiben, und zu fragen, wie es angesichts dieser neuen Zumutung für die Klimaagenda denn nun um die sagenumwobenen “<a href="https://taz.de/Rueckhalt-fuer-Klimaschutz/!6146675/">Mehrheiten für Klimaschutz</a>” steht, von denen die verbleibende Klimaszene weiterhin träumt.<br/><br/></p><p><strong><em>Habecks “Heizungshammer”</em></strong></p><p>Aber zuerst, auch, wenn&#39;s uns Klimas schwerfällt, lasst uns nochmal zurück ins Frühjahr 2023 schauen: Habecks magisches Wachstum-und-trotzdem-Klima-Ministerium versucht, ein wenig an der FDP und der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit vorbei ein tatsächlich (sprich: materiell, nicht nur in unseren Köpfen) klimaschutzrelevantes Gesetz zu formulieren – das Gebäudeenergie- oder auch Heizungsgesetz.</p><p>Außerhalb des Stromsektors, in den wichtigen Sektoren Transport und Wohnen wurden bis dahin kaum relevante Emissionsreduktionen erzeugt, weil dort die Substitution erneuerbarer für fossile Energieformen sehr viel schwieriger ist. Also macht sich Habecks äußerst kluger Staatssekretär Patrick Graichen daran, ein Gesetz zu designen, dass zum allerersten Mal ein Element ins deutsche Klimaschutzarsenal einbaut: Zwang. Kosten gab&#39;s schon, nämlich beim EEG (die Einspeisetarife), aber das war, bevor die Gesellschaft aktiv vom Klima genervt war, und das Klima, mit allem was dranhängt (-Kollaps, -Aktivismus, -Wissenschaft...), am liebsten ignorieren wollte.</p><p>Der Kern von Graichens Vorschlag? Eine Regelung, derzufolge “<a href="https://taz.de/Neues-Heizungsgesetz/!6157772/">jede neu eingebaute Heizung mit 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden sollte</a>”, was de facto ein weitgehendes Verbot des Neueinbaus fossiler Gasheizungen dargestellt hätte. Und da die Arschlochgesellschaft als Prinzip keine Einschränkungen ihrer absoluten Handlungsfreiheit (“Verbote”) akzeptiert, auch und gerade nicht, wenn diese Einschränkung solide ethisch begründbar ist, begann genau hier das Ende des Klimaschutz&#39; als politisches Projekt: wegen der Verbindung rechter und fossiler Desinformation (NIUS, Bild, etc.) und der seit Anfang 2022 stetig anwachsenden gesellschaftlichen “HALTET&#39;S MAUL IHR NERVIGEN KLIMAF*TZ*N”-Stimmung mauserte sich ein gesteuerter politischer Shitstorm von rechts zu einem gesellschaftlichen “Kipppunkt”, zum Waterloo des Klimaschutz. Graichen musste gehen, das Gesetz wurde entschärft (der “Wärmepumpenzwang” wurde aufgelöst, indem man eine Ausnahme für Altbauten bis 2028 einbaute, außerdem wurde mehr... Trommelwirbel... <em>Technologieoffenheit</em> ermöglicht, also auch Gasheizungen, die auf z.B. “grünen Wasserstoff” umgestellt werden könnten), die Grünen und die Klimabewegung endgültig und abschließend politisch neutralisiert.</p><p></p><p><br/></p><p><strong>Die “Eckpunkte” eines neuen Heizungsgesetzes</strong></p><p>Trotzdem steckte im nun also deutlich abgeschwächten Heizungsgesetz noch zu viel Klima drin, zu viel Zwang, zu viel Erinnerung daran, dass die Gesellschaft sich damals mehrheitlich <strong>gegen </strong>den Klimaschutz entschieden hatte, zu viel Erinnerung daran, was wir gerne verdrängen wollen. Also muss das Gesetz entkernt, gedemütigt, öffentlich zerstört werden, als Symbol des Verhassten: “&#39;<a href="https://www.deutschlandfunk.de/neues-heizungsgesetz-auf-diese-regeln-haben-sich-union-und-spd-geeinigt-102.html">Alle Heizungsarten sind wieder möglich</a>&#39;, betonte Unionsfraktionschef Spahn. Konkret heißt es im Eckpunkte-Papier: &#39;Das neue Gesetz wird keine Regelungen enthalten, die den Ausbau oder Wechsel bestehender funktionierender Heizungssysteme verpflichtend machen.&#39; Öl- und Gasheizungen können also auch künftig weiter in Wohnhäusern eingebaut werden.”</p><p>Klar, es stimmt, dass die Residualverdrängungspartei SPD – in meinem Kopf werden wir von einer Arschlochgesellschaft (Union) meets Verdrängungsgesellschaft (SPD) regiert, aber gaaanz so einfach ist es natürlich nicht – noch ein nominelles Bekenntnis zum Klimaschutz in die Eckpunkte hineinverhandelt hat, aber das ist kein echter Klimaschutz mehr, wie noch in Graichens Gesetzesvorschlag, sondern magischer Bullshitklimaschutz, solcher, der das Klima durch die weltweite massenhafte Nutzung von Regenbogeneinhörnerpisse (“grüner Wasserstoff”) und Regenbogeneinhörnerfurzen (“Biogas”) retten zu wollen, damit aber vor allem seine eigene fossile Lebensweise und Normalität retten will: zum fossilen Gas soll jetzt ein bisschen anderes Zeugs gemischt werden, und presto, muss der deutsche Michel sich beim Heizen nicht mehr schlecht fühlen, und wen&#39;s kümmert, kann sich einreden, dass ein bisschen beigemischtes Biogas den Fossilismus ersetzt. <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/858dc650-06f9-4abd-b03c-0e2be080b2a3">Nein: das waren nicht nur “die Lobbies” - dieses “Fickt Euch und Euren Klimaschutz!” kam auch von ganz tief aus der kollektiven Volksseele. Keinen echten Klimaschutz wollen wir in der Praxis eigentlich fast alle</a>, weil es sich im Nichtklimaschutz billiger fossiler Energie und niedriger Preise, wirklich relativ gut leben lässt.</p><p><br/>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________<br/></p><p><strong>Normalität muss wieder Spaß machen</strong></p><p>Die taz hat das dann heute in einer Überschrift sehr schön auf den Punkt gebracht: “<a href="https://taz.de/Neues-Heizungsgesetz/!6157772/">Heizen soll wieder Spaß machen</a>”, will sagen, Ziel der Reform ist es, unsere imperiale, klima- und weltzerstörende, andere-menschen-ausbeutende Normalität (die mittlerweile berühmt-berüchtigte “imperiale Lebensweise”) wieder schamfrei und ohne nervige Selbstzweifel leben zu können. Wieder Spahn: <a href="https://www.spiegel.de/politik/deutschland/union-und-spd-kippen-zentrale-vorgabe-aus-habecks-heizungsgesetz-a-a9c354bd-180e-43e4-a8fe-28e0af87fdd8">die Zeit der Gängelung und Bevormundung sei vorbei, “der Heizungskeller wird wieder Privatsache</a>”, wobei Spahn hier den “Privatsphäre”-Begriff von vor Feminismus, Sklavenbefreiung und Arbeiter*innenbewegung meint, den Bereich des Lebens, wo der Pater Familias völlig frei entscheiden und (über die Körper derer unter ihm) frei verfügen darf. Er meint die “Privatsphäre”, in der es bis vor 30 Jahren noch keinen Straftatbestand “Vergewaltigung in der Ehe” gab. Mit “privat” meint er: nur meine Entscheidung, niemand darf mir da reinreden, schon gar nicht sowas nerviges wie “Ethik” oder “Moral”.</p><p>Deutschland will wieder zu sich zurück: so, wie sich in den USA gerne in die 1950er zurückgesehnt wird, ist es in Deutschland (in Ost wie West) <a href="https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/achtzigerjahre-100.html">die BRD der 80er Jahre</a>, in die wir zurückwollen. Und als Deutschland noch Deutschland war, nicht so ne woke Diktatur. In den nächsten Jahren, auch wenn die AfD <em>nicht</em> an die Macht kommen sollte, werden wir einen schrittweisen aber an Geschwindigkeit zunehmenden Rollback von Dingen erleben, die die Arschlochgesellschaft nerven, sprich, <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/c2cc3d4d-7948-4ac1-a71d-14d979c2f230">die absolute Handlungsfreiheit privilegierter Subjekte einschränkt</a>. Umweltschutz, Arbeitsschutz, Menschenschutz, Bürger*innenrechte, etc. Dann macht zwar nicht Allen die Normalität “wieder Spaß”, aber es geht ja erstmal nur um den Spaß der ohnehin schon “Normalen”.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Die Linke und die deutsche Normalität</strong></p><p>Was mich zur linken Position zu unserer “Normalität”, zu unserer imperialen Lebensweise bringt: Deutschland beginnt auf allerlei gesellschaftlichen Ebenen, seine “Normalitäten” zu verteidigen, weil sich gerade so viel verändert. Und zu dieser “Normalität” gehört nunmal auch die imperiale Lebensweise, in der das Alltagsleben auch der ärmsten Menschen im Land stark davon geprägt ist, dass wir hier in Deutschland ganz oben auf einer Pyramide von Ausbeutung, Zerstörung und Mord leben. Z.B. was zum Existenzminimum in Deutschland gehört: das wird im Verhältnis zu gesellschaftlichen Konsummaßstäben konstruiert, weshalb in die Definition von Armut in Deutschland auch das im globalen Vergleich extrem hohe Konsumniveau in Deutschland eingeht: Armut in Deutschland ist weniger arm, weil Armut in historisch ausgebeuteten und kolonisierten Ländern ärmer ist. Ein bisschen mit Brecht: Wären die nicht so arm, wären wir ärmer.</p><p>Wer also eine “linke” Politik niedriger Lebenshaltungskosten und guter Konsumangebote in Deutschland formulieren will, wer wie<a href="https://www.deutschlandfunk.de/luxus-schokolade-armut-in-deutschland-christoph-butterwegge-politologe-100.html"> der linke Armutsforscher Butterwegge sagt, in einem reichen Land wie Deutschland dürfe Schokolade kein Luxus sein</a>, der macht sich des methodologischen Nationalismus schuldig, der sagt damit notwendigerweise auch: “wie Leute andernorts leben, ist mir in der Praxis egal, ich will, dass Leute HIER gut leben können.”</p><p><br/></p><p></p><p><strong>Schlussgedanken</strong></p><p>Jetzt ist der Text wie immer doch länger geworden, als geplant, und am Ende steht wieder nur lauter Kritik, auch an meinen eigenen Leuten. Aber an einem Tag, an dem die Eckpunkte eines neuen Heizungsgesetzes uns Klimas daran erinnern, wie wir von der Gesellschaft fallengelassen und am Ende verraten wurden (eine Gesellschaft, zu der halt auch die Linke gehört), müsst Ihr mir ein bisschen Frust verzeihen. Aus Gründen, auf die ich jetzt nicht näher eingehen werde, lebe ich mit einem ausgeprägten “Beziehungsabbruch-Trauma”, und der Kampf ums Heizungsgesetz war der Moment, wo die deutsche Verdrängungsgesellschaft sich endgültig von uns trennte, wo klar wurde, der Kampf ist verloren.</p><p>Mehr als das kommunizieren die Eckpunkte eigentlich auch nicht: Klimaschutz isch over, Deutschland hat fertig mit Klima, wer noch Klimaschutz will, dem hat ein bisschen magisches Denken zu reichen. Und es belegt nochmal die These, die ich vor vier Jahren aufgestellt habe, und die ich heute nochmal etwas zuspitzen würde: von “<a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/46875490-2964-4b6a-9929-526a81dfe2b9">Je mehr Klimakrise, desto mehr Verdrängung</a>” zu “je mehr Klimakatastrophe, desto weniger Klimaschutz” (oder auch: desto weniger Klima).</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Mit diegutenaltenklimazeitenvermissenden Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 26 Feb 2026 06:38:43 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[“Braver Spaces”: von HIV-Positiven lernen heißt, Diversität lernen]]></title>
      <description><![CDATA[Die Kollapsbewegung sollte von der HIV-Positivenbewegung lernen und anstatt safer spaces sog. "braver spaces" zu bauen: in denen wir den Mut haben, Konflikte auszuhalten.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>“Braver Spaces”: von der Positivenbewegung lernen, heißt, Diversität lernen.</h1><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/17b789d0-a1d7-4506-84ad-c0e30cce06ba/uploads/images/7orcw77dv7/brave_space_3.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Quelle?</figcaption></figure><p>19/02/2026</p><p></p><p><br/><br/></p><p>Liebe Leute,</p><p>heute geht es um die Räume, die soziale Bewegungen schaffen, darum, wer sich darin unter welchen Bedingungen wohlfühlen kann, um die Regeln, die wir uns in unseren eigenen Räumen geben, es geht um die entstehende Kollapsbewegung, um die “offenen Räume von Liebe, Menschlichkeit und Solidarität”, die eines der Ziele des “solidarischen Preppens” sind.</p><p>Es wird um “<em>braver spaces</em>” gehen, um Räume, <a href="https://www.ssoar.info/ssoar/bitstream/handle/document/43647/ssoar-fempol-2015-1-kokits_et_al-gleich_sicher_sicher_gleich_Konzeptionen.pdf?sequence=1">in denen wir zwar Verletzungen manchmal nicht verhindern können, aber darauf vertrauen können, dass es die Bereitschaft und erprobte Formen dafür gibt, sich kollektiv mit diesen Erfahrungen auseinanderzusetzen</a>“ - und falls Ihr von dem Konzept noch nie etwas gehört habt, <em>don&#39;t worry</em>, das war bei mir bis vergangenen Donnerstag auch so.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Die Angst des Linksradikalen vorm Regelbruch</strong></p><p>Ich war bei der <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/09ad3b5f-2f8d-4c2a-abaa-addda50041ca">Positiven-Uni</a> im Waldschlösschen, dem Hauptquartier der deutschen HIV-Positivenbewegung, um einen Wochenendworkshop zum Thema “Act Up! Again” (Vorbereitung unserer Positivenstrukturen auf eine mögliche faschistische Machtübernahme im Kontext der gesellschaftlichen Faschisierung) zu moderieren. Ich war mal wieder ziemlich aufgeregt, nicht nur, weil es um viel ging – Ziel des Workshops war nichts weniger, als einen Kick-Off einer neuen Runde HIV-Positiven-Aktivismus loszutreten, jetzt, wo wir einer Situation immer näherkommen, in der “die dunklen Zeiten” der HIV-/AIDS-Krise zurückkehren könnten (im südlichen Afrika ist dies jetzt schon der Fall) – sondern auch, weil ich die politischen Kulturen der Positivenbewegung noch nicht wirklich kenne. Weil ich unsicher war, wie ich diese navigieren sollte, und schon ein- oder zweimal die Erfahrung in schwul-dominierten politischen Räumen gemacht hatte, dass mich deren hohe Sexualisierung etwas aus dem Konzept brachte: als mich ein alter Bekannter und gelegentlicher Lover bei der Vorbereitung unseres Workshops mit einem beherzten Griff an den Arsch begrüßte, war ich die nächste halbe Stunde erstmal ziemlich verwirrt.</p><p>Ok, es ist für Euch vielleicht ein bisschen lustig, sich vorzustellen, dass es politische Räume gibt, die <em>ich</em> als “zu sexualisiert” wahrnehmen könnte, aber nach Jahrzehnten in den politischen Räumen der Radikalen Linken (wo “Radikal” Teil des Namens ist, kein beschreibendes Adjektiv, <a href="https://steady.page/en/disrupt/posts/d53ea9ab-3c10-419e-bd19-a3c5b9c0daf6">vgl. Scullys exzellente Kritik</a>) bin ich es gewohnt, dass wir Sexualität und Erotik misstrauen, sie im Zweifelsfall als Quelle von Gewalt und Übergriffigkeit definieren, und beide deshalb weitgehend aus unseren Räumen verbannt haben. Und weil dem so ist, hatte ich Sorge, dass ich das “switchen” zwischen den beiden Logiken (linke Räume / Positive Räume, die von cis-Schwulen dominiert werden) nicht hinbekomme, und deswegen dieses nervige Gefühl erleben würde, dass Ihr bestimmt auch kennt: in politische Räume reinzugehen, deren Regeln Ihr nicht kennt, in denen Ihr Euch unsicher fühlt, in denen Ihr Angst habt, “etwas falsch zu machen/sagen/wasauchimmer”.</p><p>Ich litt also unter genau der Angst, die die meisten Nichtlinksradikalen beschreiben, wenn sie in “unseren” Räumen sind: die ständige Angst, etwas falsch zu machen, unsichtbare Grenzen zu überschreiten, die “falsche” Formulierung zu benutzen. “<a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/f2a94a1b-96bd-4dba-b83e-58073fec013e">Unsere linken Szenecodes, die aus guten Gründen existieren, und die &#39;unsere&#39; Räume halt für uns relativ safe und vorhersagbar machen, fühlen sich für Menschen, die sie nicht kennen, oft extrem exklusiv an, so gut und links und solidarisch diese Menschen auch sein mögen</a>.”</p><p><br/><br/></p><p><strong>Positive Räume</strong></p><p>Dieses “ich weiß nicht genau, was die Andere von mir erwartet, was richtig, was falsch, und bin deswegen unsicher” ist ein unangenehmer Zustand, den wir alle kennen. Aber ich hätte mir gar keine so großen Sorgen machen müssen. Mal ganz abgesehen davon, dass ich nach 3 Tagen Positivenuni ein paar sehr konkrete angenehme Erfahrungen mit dem Überlappen von politischen und, ähm, etwas sexualisierteren Räumen hatte, stellte ich fest, dass die Positivenbewegung der Radikalen Linken in punkto Diversität und Erfahrung mit Management von Diversität weit voraus ist. Denn während linksradikale Räume im Kern ideologisch vorselektiert sind (wir organisieren uns mehrheitlich nicht aus einer persönlichen Betroffenheit heraus, oder in räumlich bestimmten Nachbar*innenschaftsgruppen, sondern in ideologisch halbwegs einheitlichen und deshalb schnell gemeinsam handlungsfähigen Gruppen), bringen “Positive” Räume Menschen aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten zusammen, unterschiedlicher Herkünfte, Geschlechtsidentitäten, Generationen. Klar, die Positive Community besteht mehrheitlich aus cis-Schwulen, aber es waren auch Heterofrauen und nonbinäre Menschen dabei, es gab eine größere Gruppe ukrainischer Geflüchteter, es gab Atheisten und Menschen mit muslimischem Kopftuch, es gab Konservative und Linke und long-term-Survivors (mit HIV-Diagnosen, die in die Mitte der 80er zurückgehen)...</p><p>Und genau diese Diversität, die in Positiven Räumen schon viel länger und aktiver ver- und behandelt werden muss, die nicht einfach durch Verweis aus den Räumen aufgelöst werden kann, wie wir Radikale Linke das allzu oft tun – von der eigenen Community ins Exil geschickt zu werden ist im Grunde eine Art soziales Todesurteil, und das ist in der Positiven Community aus gegebenem Anlass ein ziemliches No-Go (<em>because, you know: HIV, AIDS, Death...</em>) - diese unauflösbare Unterschiedlichkeit politischer, emotionaler, kultureller Perspektiven wurde zu Beginn des Eröffnungsplenums auf eine Art und Weise aufgerufen, die ich äußerst inspirierend fand, und hier ein bisschen ausführlicher zitieren möchte (mit dem Disclaimer, dass es sich hier nicht um eine offizielle Position des Waldschlösschens oder der Positivenuni handelte, sondern um einen Gesprächsaufschlag, der aber äußerst positiv aufgenommen wurde, <em>no pun intended</em>).</p><p><br/><br/></p><p><strong>Braver Spaces, mutige Positive</strong></p><p>“Wir sind uns bewusst, dass (queere) Menschen in unterschiedlichen Kontexten leben und verschiedene Meinungen, Herangehensweisen und Perspektiven mitbringen. Menschen sind etwa geprägt durch individuelle Erfahrungen, Erziehung<em> </em>und ihre gesellschaftliche Sozialisation.</p><p>(Als Positivenbewegung) arbeiten wir im Bewusstsein, dass verschiedene Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit auch in unseren Räumen noch reproduziert werden. Gruppenbezogene Formen von Menschenfeindlichkeit, aber auch Privilegien können resultieren aus: sexueller und romantischer Orientierung, Geschlecht, HIV-Status, Alter, Behinderungsstatus, Aussehen, rassistischen Zuschreibungen, Ethnie, Aufenthaltsstatus, Religion und Weltanschauung, Nationalität, Bildungsstatus, Arbeit, ökonomischem Kapital, kulturellem Kapital und diversen anderen Zuschreibungen, Identitäten und weiteren individuellen Merkmalen. Wir halten (die Teilnehmer*innen dazu an), im kritischen Bewusstsein der eigenen Privilegien zu handeln und einander zu begegnen.</p><p>Nach unserem Verständnis folgt daraus, dass es keine Safe Spaces (sichere Räume) geben kann. Daher wollen wir gemeinsam mit euch einen Braver Space gestalten. Braver Spaces sind Räume &#39;in denen wir zwar Verletzungen manchmal nicht verhindern können, aber darauf vertrauen können, dass es die Bereitschaft und erprobte Formen dafür gibt, sich kollektiv mit diesen Erfahrungen auseinanderzusetzen&#39; (Koktis/Thuswald 2015:92). Solche Räume können den Dialog fördern – insbesondere zu herausfordernden Themen. Gespräche über Diversität, Gerechtigkeit und Inklusion sind nicht immer bequem und können es auch nicht sein, wenn wir uns wirklich herausfordern wollen, um unsere Sichtweisen zu erweitern.”</p><p>Um solch einen Raum zu ermöglichen, ermutigen wir euch die folgenden Punkte zu berücksichtigen:</p><ul><li><p>Wir bemühen uns darum, ein Bewusstsein über unsere eigenen Vorurteile, Annahmen, Intentionen und Voreingenommenheit zu schaffen.</p></li><li><p>Wir behalten Offenheit gegenüber Neuem und haben den Willen zu zuhören, zu lernen und zu verstehen.</p></li><li><p>Wir erkennen die Lebensrealitäten, Stärken und Beiträge der anderen an und wertschätzen sie.</p></li><li><p>Wir übernehmen Verantwortung für unser eigenes (Un-)Wissen, Lernen und Handeln</p></li><li><p>Wir hinterfragen Ansichten – nicht Menschen.</p></li><li><p>Wir erleben Situationen unterschiedlich – das bedeutet, wir versuchen in „sowohl als auch“ statt „entweder oder“ zu denken.</p></li></ul><p>Wenn es dennoch zu Verletzungen kommt, möchten wir euch dazu ermutigen, aufeinander zuzugehen, sie anzusprechen und darüber ins Gespräch zu kommen. Wenn euch das alleine nicht möglich ist, unterstützt euch das pädagogische Team gerne dabei. Dabei erfordert es auch Mut, sich verletzlich zu zeigen und Feedback anzunehmen.”</p><p></p><p>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________<br/><br/></p><p><strong>Mut statt Reinheitsgebot</strong></p><p>Ich kann mich nicht erinnern, bei einem Eröffnungsplenum so begeistert zu sein: Wow! Räume, in denen wir nicht davon ausgehen, dass sie sicher sind, oder zumindest mit großer Macht versuchen, sie “sicher” zu machen, weil wir wissen, dass weder safe noch “safer” spaces in diversen politischen Räumen wirklich möglich sind. Räume, in denen wir uns gegenseitig dazu befähigen, mutig zu sein. Plötzlich lag vor mir ein wichtiger Teil der Antwort auf <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/f2a94a1b-96bd-4dba-b83e-58073fec013e">die Frage, die ich vor ein paar Monaten formuliert habe</a>: wie können wir Linksradikalen in der Kollapsbewegung dazu beitragen, die offenen Räume der Solidarität und Inklusion zu schaffen, die es in Katastrophe und Kollaps braucht, wenn wir to be perfectly honest richtig, richtig schlecht darin sind, Räume zu schaffen, die für Menschen zugänglich sind, die nicht unsere Szenecodes beherrschen?</p><p>Ein Teil der Antwort auf diese Frage ist, dass wir Radikale Linke unser Verständnis der Räume ändern müssen, die wir konstruieren wollen. Natürlich kann, soll, muss es Rückzugs- und Schutzräume geben, safer und, wenn möglich, safe spaces: aber diese Räume sind gerade eben keine politischen Räume. Politische Räume sind solche, in denen wir mit anderen Menschen mit anderen Perspektiven, mit anderen Grenzziehungen umgehen (lernen) müssen, und wer versucht, in politischen und Begegnungsräumen “Sicherheit” herzustellen, endet ganz schnell in einer Position, in der die Grenzen der einen Person die absolute Grenze des Handelns der anderen Person darstellen, also keine wirkliche Kommunikation und Vergeschwisterung möglich ist. Echte Diversität in Räumen kann nicht koexistieren mit dem Wunsch, diese “safe” für alle zu machen, deswegen ist der Wunsch nach politischen “safe” und “safer” spaces vollkommen un-, in einem gewissen Sinne antipolitisch. Und <em>btw</em>: der konzeptionelle Upgrade von “safe” zu “safer” spaces hilft auch nicht wirklich, weil darin zwar die Erkenntnis steckt, dass vollkommen “safe” spaces im Politischen unmöglich herzustellen sind (eine in queerer Community-Arbeit sehr erfahrene Trainerin sagte mir dazu gestern: “ja klar, kannste machen, aber dann muss halt jede einzelne Person eine eigene Security/Awareness-Person mit sich herumlaufen haben, die jede einzelne Grenzüberschreitung verhindert, oder ahndet.”), aber die Norm trotzdem eine ist, die echte Diversität – mit ihren Gefahren, mit ihren Konflikten und Verletzungen – am Ende in eine kulturelle Gemeinsamkeit auflösen will, die praktisch nicht ohne repressive Codes und Praxen herzustellen ist.</p><p>Also nicht “<em>safe spaces</em>”, in denen wir sicher sein können, dass niemand unsere Grenzen überschreitet, niemand uns verletzt und in Frage stellt – oder zumindest wissen, dass Menschen, die unsere Grenzen überschreiten, prontissimo hochkant aus dem Raum fliegen. Auch nicht “safer spaces”, eine Korrektur des ursprünglichen Konzepts die der von “safe Sex” zu “safer Sex” folgt: “safer spaces” sind solche, in denen wir zwar wissen, dass Grenzüberschreitungen, dass Konflikte möglich, sogar wahrscheinlich sind, in denen wir aber trotzdem die Abwesenheit von Konflikten und Grenzüberschreitungen zum Ideal erklären.</p><p>Wir radikale Linke hatten mal das Verständnis, dass Konflikt notwendig ist, um politischen “Fortschritt” zu ermöglichen (“die Geschichte aller bisherigen Gesellschaften ist die Geschichte von Klassenkämpfen”), jetzt haben wir uns Regeln gegeben, die versuchen, alle Konflikte aus “unseren” Spaces herauszuhalten, sie stattdessen auf der Straße und anderswo gegen “die Anderen” zu führen. Aber die Positivenbewegung hat mich daran erinnert, dass Konflikte auch “in unseren” Räumen normal und notwendig sind, und dass wir <em>at our peril</em> versuchen, sie daraus zu verbannen. Diversität schafft Konflikte, und wir können das für uns nutzen. Die Frage, besonders auch in Kollaps und Katastrophe, ist: wie können wir Räume schaffen, wo wir nicht dissoziieren müssen, wo wir auch den Mut haben, verletzt zu werden?</p><p><br/><br/></p><p><strong>Schlussgedanken</strong></p><p>Für manche mag das wie ne Einladung klingen, sich jetzt in linken Räumen auch wieder ganz offen und unhinterfragt wie zb ein patriarchales Arschloch zu verhalten, mich selbst an schlechten Tagen ein bisschen eingeschlossen haben wir da ja ne ganze Reihe von. Es geht beim Konzept “braver spaces” aber um etwas ganz anderes: es geht um die Akzeptanz von politischem Risiko, es geht darum, anzuerkennen, dass politische Arbeit in einer real-existierenden Gesellschaft, die auch noch nach rechts rückt, ziemlich viele ziemlich harte Konflikte beinhalten wird, auch und gerade mit den Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten. Wenn wir nicht wieder lernen, solche Konflikte auszuhalten, zu führen, und selbstverantwortlich aufzulösen, wird die kulturelle und politische Diversität unserer Räume immer weiter schrumpfen, bis... wir auch einfach damit aufhören können, uns als politisch relevante Bewegung zu verstehen – dann sind wir einfach nur noch ne “Szene”, und ich glaube, das würde niemandem von uns ausreichen.</p><p>Zuletzt dies: viel von dem, was die Kollapsbewegung derzeit an den Start bringt, läuft auch darauf hinaus, Menschen in die Lage zu versetzen, autonom zu handeln, auch und gerade in Krisen- und Katastrophensituationen. Am Wochenende der Positivenuni nutzten wir – Workshopleitende und Awarenessgruppe – das Konzept “Braver Space” um einen Konflikt zwischen ein paar eher aktivistisch-antifaschistisch orientierten Leuten, und anderen, die eher weniger Lust hatten, Fragen wie “die drohende faschistische Gefahr” zu diskutieren. Die Gruppen stritten sich in einem Workshop, und es gab danach die Sorge, man würde sich eventuell in der Essensschlange zum Abendessen nochmal an den Hals gehen.</p><p>Wir sprachen in der Runde darüber, und kamen zum Schluss, dass genau solche Gespräche und Konflikte in der politischen Arbeit völlig normal sind; boten den Streitenden zwar unsere Unterstützung an, aber fanden grundsätzlich, dass diese als erwachsene Menschen (mit unserer Unterstützung, falls gewollt) in der Lage sein sollten, den Konflikt zu lösen, ihn auszuhalten, oder sich halt für ein paar Stunden aus dem Weh zu gehen. Dass wir uns darauf geeinigt hatten, miteinander mutig zu sein, miteinander gemeinsame Wege zu gehen, obwohl wir nicht vom selben Punkt aus loslaufen.</p><p>Ich fand das <em>tbh</em> wahnsinnig inspirierend. Ich kann seitdem sagen: ich wünsche mir eine Kollapsbewegung, die sich nicht mehr der unpolitischen Illusion von safer oder gar safe spaces hingibt, die vor allem “braver spaces” schafft, in denen verschiedene Arten von Menschen sich im Katastrophenfall tatsächlich gerne aufhalten. Das wäre auch für die “Radikale Linke” ein riesiger Fortschritt: von der Positivenbewegung lernen heißt, gelebte Diversität lernen.</p><p>Ich freue mich auf mehr.</p><p><br/></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p><br/></p><p>Mit mutigen posithiven Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 19 Feb 2026 07:37:32 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[“Sei einfach leise”, oder: die Dominotheorie der Arschlochisierung]]></title>
      <description><![CDATA[Die rechte Offensive will jede Recht abräumen, das sich subalterne Subjekte erkämpft haben. Es wird darin keine sicheren Schutzräume geben, ALLES liegt auf dem Tisch.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c2cc3d4d-7948-4ac1-a71d-14d979c2f230/uploads/images/mta37a3b57/handmaid%27s_tale.webp?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Screenshot aus Handmaid&#39;s Tale, Quelle: https://www.spiegel.de/kultur/tv/tv-fahrplan-fuers-wochenende-the-handmaid-s-tale-wildes-herz-und-bojack-horseman-a-855b4489-6139-49e6-b668-55e6e92336c7</figcaption></figure><p>12/02/2026</p><p></p><p><br/></p><p>Liebe Leute,</p><p>es tut mir leid, schon wieder so alarmistisch zu klingen, aber: ist Euch bewusst, dass in der gegenwärtigen rechten Offensive <em>Alles auf dem Tisch liegt</em>, dass diese sich anschickt, jedes, absolut jedes einzelne Recht und Privileg abzuräumen, das sich subalterne (ausgebeutete, unterdrückte) Subjekte in den letzten ca. 170 Jahren erkämpft haben? Und dass es perspektivisch deswegen nicht einmal für jenes privilegierteste aller Subjekte, den weißen, wohlhabenden, staatsbürgerschafthabenden cishetero Mann, wirklich “sichere” Rückzugsräume geben wird, weil es Ziel der rechten Offensive ist, einen öffentlichen Raum herzustellen, in dem nur sie und ihre Stimmen seh- und hörbar sind, und wer Dinge sagt, die dem Führer und seiner SA missfallen, dann halt in Zweifelsfall keine Bürger*innenrechte mehr hat? Denn: jedes Recht einer Kreatur, die aus Sicht der Rechten unterhalb des Führers steht, schränkt die absolute Handlungsfreiheit des Führers ein, und ist als solches kein absolutes Limit, sondern eine Schranke, die es zu überwinden gilt.</p><p>Ich betone die Tatsache, dass es mittelfristig auch für die privilegiertesten Subjekte in einer kollabierenden, arschlochisierenden Welt keine wirklichen Schutzräume geben wird, weil die Beispiele rechter Landnahme, auf die ich mich gleich beziehen werde, zuerst einmal verschiedene subalterne Subjekte betreffen – ich hoffe aber, ich muss nicht zum zweiten Mal in der Geschichte dieses Blogs das berühmte Niemöller-Gedicht zitieren, damit klar ist: wer heute zulässt, dass Rechte die Rechte Anderer, ohnmächtigerer Subjekte einschränken, liefert sich damit mittelfristig selbst an den faschistischen Galgen.</p><p><br/><br/><br/></p><p><strong>Dominotheorie</strong></p><p>Die Älteren unter Euch werden sich vielleicht noch an die “Dominotheorie” aus dem Kalten Krieg erinnern, die besagte, dass der Übergang eines Landes zum “Kommunismus” unausweichlich eine Kettenreaktion in anderen Ländern auslösen würde, was wiederum die Investition erheblicher Ressourcen begründete, um kein einziges Land “Kippen” zu lassen. Die Theorie war damals ziemlicher Schrott, aber im gewissen Sinne gehe ich davon aus, auch beeinflusst von dem, was wir mittlerweile über betriebliches und community “organizing” wissen, dass jeder rechte Erfolg im Abräumen eines Rechts einer von ihnen verhassten Gruppe ihren gesellschaftspolitischen Blutrausch anheizen, sie noch mutiger, motivierter und stärker machen wird.</p><p>Und wo wird angesetzt? Natürlich an den Rändern, gegen die Ränder. Zuerst werden die Rechte der Schwächsten abgeräumt, jener, die im deutschen Verbändestaat keine Lobby haben, am besten derer, vor denen auch die “humanistische Mitte” ein wenig Angst hat (zb eher “dunkelhäutige” MigrantEN), oder, von denen sich auch die Mitte ein wenig “überfordert” fühlt. Angesetzt wird bei erst kürzlich erkämpften und daher am wenigsten gesellschaftlich abgesichterten Rechten von trans Menschen, und in der Hinsicht haben sie die Schlacht fast schon gewonnen: die meisten nicht zumindest potenziell “cis-passing” trans Menschen, mit denen ich spreche, fühlen sich jeden Tag, den sie sich draußen auf der Straße bewegen, aktiv unsicher und bedroht. Ihre Fähigkeit, im öffentlichen Raum sie selbst zu sein, einfach nur zu existieren, ist jetzt schon keine praktische Realität mehr. <em>Score one for the fascist assholes&#39; offensive</em>.</p><p><br/><br/><br/></p><p><strong>Dominosteine</strong></p><p>Ihr habt vermutlich von Pascal Kaiser gehört, dem queeren Profimännerfußball-Schiedsrichter, der seinem Freund im FC Köln-Stadion einen öffentlichen Heiratsantrag machte. Daraufhin gab&#39;s einen Riesenshitstorm, Kaiser wurde “gedoxxt” (seine Adresse veröffentlicht), es gab eine mediale Diffamierungskampagne – dass daran wohl nicht alles falsch war, dass Kaiser in der Kölner Schwulenszene tatsächlich eine umstrittene, vage zwielichtige Figur mit nicht unerheblichen Schulden bei vielen Kneipiers ist, ändert nichts an der Tatsache, dass ein öffentlicher heterosexueller Heiratsantrag nie zu einer derartigen Reaktion geführt hätte – und am Ende stand, was zu erwarten war: <a href="https://www.ksta.de/koeln/koeln-schiedsrichter-kaiser-offenbar-erneut-zu-hause-attackiert-1218093">Kaiser wurde zu Hause angegriffen und verprügelt, nicht nur einmal, sondern zweimal</a>, bedrückende Fotos seines geschwollenen, brutalisierten Gesichts machten die Runde in den sozialen Medien.</p><p>Was war passiert? Naja, der deutsche Männerfußball ist im Grunde Ground Zero deutscher toxischer cishet Männlichkeit (nicht nur, aber auch, liebe linke Fußballfans, und denkt bitte dran, dass ich seit 40 Jahren Fußballtorwart bin), und Pascal Kaiser beging mit seiner Verschwulung dieses geheiligten Raums eine Kardinalsünde, für die er büßen musste, ganz einfach. Die Message dahinter: “nein, Ihr Schwuchteln, nur, weil wir Euch jetzt erlaubt haben, zu heiraten, und Euch manchmal auf der Straße Händchen halten lassen, seid Ihr nicht gleich, habt Ihr nicht die selben Rechte, seid ihr uns unterlegen und untergeben: geht zurück in den Schrank, da gehört Ihr hin.” Dass fast gleichzeitig in den USA <a href="https://www.theguardian.com/us-news/2026/feb/10/lgbtq-pride-flag-stonewall-trump-removal">die Trump Regierung beschloss, die Pride Fahne vom Stonewall Memorial zu verbannen</a>, war da nur das symbolische <em>icing on the cake</em>.</p><p>Dass ich mit einem Angriff auf einen queeren cis Mann anfange, ist vielleicht nachvollziehbar, ich könnte die Geschichte aber auch von jedem anderen “progressiven” Recht anfangen.</p><p>Zum Beispiel das Recht auf gewerkschaftliche Organisierung, die “Koalitionsfreiheit”: die steht noch ziemlich fest, aber dass Elon Musks Tesla in Grünheide gerade einen Gewerkschaftsvertreter per Security aus einem Betriebsratstreffen abführen ließ, lässt mich langfristig übles ahnen.</p><p>Zum Beispiel das Recht auf Teilzeit, über Jahre und Jahrzehnte von der Frauen- und Arbeiter*innenbewegung erkämpft: steht mittlerweile zur Disposition, denn die Debatte um “Lifestyleteilzeit” o.ä. wird uns in Zukunft immer stärker von den Kapitalist*innen aufgedrückt werden, denn das Recht, in Teilzeit zu arbeiten, begrenzt die absolute Verfügungsgewalt der Kapitalist*innen über die von ihnen gekaufte Arbeitskraft. Schaut nach Japan, wo Sanae Takaichi jetzt schon “work, work, work” als neue Agenda ausgegeben hat. Wer schläft, ist ne Memme…</p><p>Zum Beispiel das Völkerrecht: abgesehen davon, dass dessen Gültigkeitsbereich immer sehr viel kleiner war, als wir uns das in der spätimperialen Welt einredeten, wird das, was vom Völkerrecht bleibt, von der globalen Arschlochoffensive in der Pfeife geraucht – Völkerrecht isch also over.</p><p>Das Recht auf ökonomische Unabhängigkeit: ihr habt eventuell davon gehört, dass die sich allgemein progressiv und bewegungsnah gebende GLS-Bank die Konten antifaschistischer Organisationen wie zum Beispiel der Roten Hilfe geschlossen hat, die Postbank tat kürzlich das Selbe mit Konten der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) getan</p><p><em>You get the overall idea, I hope</em>.</p><p></p><p>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________<br/><br/></p><p><strong>The Endgame: “quiet, piggy!”, oder “sei einfach leise”</strong></p><p>Wenn wir unsere Geschichte in der Zeit der absoluten Könige und König*innen anfangen lassen, sehen wir, dass jedes einzelne bisschen gesetzlich verbriefter Handlungsfreiheit für nichtkönigliche Subjekte erkämpft wurde. Vom Adel, vom Bürgertum, von der Arbeiter*innenbewegung, der Frauenbewegung, von antikolonialen und queeren, von Umwelt- und anderen sozialen Bewegungen. Vor diesen Kämpfen und Bewegungen konnte der König einfach freihändig entscheiden, wem der Kopf abzuhacken sei, wer sprechen dürfe, wer nicht, was sagbar sei, was nicht. In den USA sehen wir: dahin geht die Reise, dahin wollen die Rechten zurück, zur absoluten Macht des Führers.</p><p>Der Führer, der einer für ihn nervigen Journalistin während einer seiner merkwürdigen inflight Pressekonferenzen mit “quiet, piggy!” einschüchtern wollte. Der zum 250 Geburtstag der USA dieses Jahr ein MMA-cage-match im Weißen Haus veranstalten will, MMA wiederum ein Sport, dessen führender Vertreter kürzlich einem migrantisch gelesenen Journalisten, der eine unziemliche Frage stellte (über die Verbindungen zwischen MMA und Rechtsextremismus) mit “<a href="https://taz.de/Mixed-Martial-Arts-und-Rechtsextreme/!6142256/">sei einfach leise, ist am besten</a>” über den Mund fuhr.</p><p>Die Logik dieser Aussagen, die in Wahrheit politische Claims sind, Landansprüche artikulieren, habe ich oben schon dargelegt: im öffentlichen Raum soll nichts mehr sagbar, hörbar, sichtbar sein, Rechte haben, was dem Führer nicht passt, wo “der Führer” wiederum die tatsächliche Verkörperung der Bedürfnisse und Wünsche seines “Volkes” ist (deswegen glauben Rechte auch nicht, dass sie selbst mal den Wünschen des Führers widersprechen und so in der Repressionsfalle landen könnten, weil sie eine im Kern mystische Vorstellung der Verbindung zwischen “Volk” und “Führer” haben – wenn er sie absolut repräsentiert, kann es da keine Gefahr geben). Die rechte Offensive will die meisten Menschen- und Bürger*innenrechte der meisten Menschen aufheben, die hierzulande leben.</p><p>Und das betrifft auch Euch, liebe abwartende, viel zu optimistische, liebe “attentistische Mitte”. “<a href="https://www.theguardian.com/commentisfree/2026/jan/16/the-guardian-view-on-ice-and-renee-goods-killing-trumpisms-brutal-tactics-dont-end-with-migrants"><em>Trumpism’s brutal tactics don’t end with migrants</em></a>”. Sie enden erst, wenn sie besiegt wurden, nicht nur an der Wahlurne, sondern in der Gesellschaft, oder, wenn sie jede Barriere zwischen dem Führer und der absoluten Macht abgeräumt haben. Diese “Barrieren” sind das, was den meisten von uns jetzt noch ein <em>relativ</em> sicheres Leben ermöglicht.</p><p>Und wenn die Dominos erstmal fallen, dann fallen sie nunmal.</p><p>Wehret den... Ach, Ihr wisst schon.</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Mit besorgten Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 12 Feb 2026 08:14:04 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[4 Jahre “Friedliche Sabotage”]]></title>
      <description><![CDATA[Mein Blog feiert heute 4. Geburtstag, und ich werde im Rahmen der Feierlichkeiten erstmal ein bisschen diesen Blog feiern, und Euch dann um ein Geschenk bitten.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/54679c8a-222b-44ab-83c9-c9ce24d945b6/uploads/images/xtsre5bxju/CSDs_schutzen.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Die Fotomontage hat ein Freund für mich gemacht, aber ich kann mich nicht mehr erinnern, wer es war - mein Buch im &quot;book block&quot; einer italienischen Linksradikaledemo :)"/><p>10/02/2026<br/><br/><br/></p><p>Liebe Leute,</p><p>Mein Blog feiert heute 4. Geburtstag, und um es gleich zu Beginn offen zu sagen: ich werde im Rahmen der Feierlichkeiten erstmal ein bisschen diesen Blog feiern – natürlich nicht, nie und nimmer, um mich selbst zu feiern, Ihr wisst, dass meine fast schon mönchische Bescheidenheit so ein Verhalten nie zulassen würde – um Euch dann, mit all den Selbstlobpreisungen im Rücken, zu bitten, meinen Blog zu abonnieren, und ihn im besten Fall auch noch ökonomisch zu unterstützen.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Was bisher geschah...</strong></p><p>Wie Ihr vielleicht mitbekommen habt, werde ich dieses Jahr ein zweites Buch mit dem mandelbaum Verlag schreiben, Arbeitstitel: Solidarische Kollapspolitik: gemeinsam gegen die Angst, und als ich über ein Einführungskapitel nachdachte, spielte ich kurz mit dem Gedanken, es kurzerhand “I told you so” zu nennen, aber so <em>dickish</em> bin nicht mal ich, zumindest nicht, wenn ich kurz darüber nachdenke.</p><p>Aber nungut: als ich im März 2022 die These aufgestellt habe, dass mehr Klimakatastrophe zu WENIGER, nicht zu mehr Klimaschutz führen würde, <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/46875490-2964-4b6a-9929-526a81dfe2b9">weil mehr Verdrängung</a>, und dass Klimaaktivist*innen immer verhasster und verfolgter würden, war ich damit ziemlich allein. In der Rückschau sehen wir: das war ne ziemlich präzise Vorhersage, und auch mit der nächsten “großen” These – <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/35a6c56d-380c-49b6-ae88-cbebf595706d">Das Coming Out der Arschlochgesellschaft</a> – hab ich ziemlich richtig gelegen: die Rechten legen die Scham vor ihrem Nationalismus, ihrem Sexismus, ihrem Rassismus, ihrem kolonialen Mindset ab, was ihnen eine Wucht gibt, der wir von links kaum etwas entgegenzusetzen haben. Die Idee der faschistischen Rechten als “Befreiungsbewegung” (von der Scham, der Schuld, der Angst, und am Ende der Realität) hat ebenso wie die von der Verdrängungsgesellschaft sowohl hohen explanatorischen Wert, als auch eine starke Vorhersagefähigkeit (<em>predictive capability</em>).</p><p>Dann ging&#39;s in den <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/ac3e95db-27bd-47c7-a67b-ff87e778a8a1">Defensivschwenk</a>, der nach ein bisschen Herumeiern in <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/3f54b103-8cdc-488c-bd4d-f0b25ea4180d">meine Reise nach Schweden</a> und die Formulierung der Idee einer “<a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/1af3fae3-1a2c-4e59-9e9c-67978c8dfb9f">Kollapsbewegung</a>” auf der strategischen Basis “<a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/dc3460ff-8be1-40a7-a68d-7243ca32d0a3">solidarischen Preppens</a>” mündete: dieser Blog wurde zu einem der zentralen Mobilisierungstools des ersten <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/c0b47e54-2090-4e6d-be4a-deda9ccab554">Kollapscamps</a>, und ist, glaube ich, eine der Publikationen im deutschsprachigen Raum, die sich aktiv und dauern die Frage stellt: “<a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/35551bd6-6b4b-4d36-973e-eaaa1c99c56c">was tun in der katastrophalen Zukunft?</a>” Klar, es gibt auch noch andere Fragen, aber diese ist verdammt wichtig, und sie wird an viel zu wenigen Orten diskutiert.</p><p>So, genug des Selbstlobs. Ich bin stolz auf diesen Blog, und ich bin den Menschen sehr, sehr dankbar, die durch ihn meine Arbeit unterstützen. Ohne sie hätte ich die letzten Jahre nicht all meine Energie der Sache und dem Suchen nach neuen Pfaden zu solidarischer Handlungsfähigkeit im Kollaps widmen können.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Was tun?</strong></p><p>Naja, ich organisere zusammen mit Scully und immer mehr anderen Menschen das <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/a501ff8f-75e7-4f1c-9245-7b4750fb1ef9">Zukunftstrainingslager</a>, aber für Euch hab ich zwei Vorschläge: entweder abonniert Ihr meinen Blog gratis, weil Kommunismus, Bewegungsressource, all of that. Oder Ihr habt evtl ein paar Euro, um mich und meine Arbeit so zu unterstützen, und abonniert ihn deshalb für einen monatlichen Unterstützungsbeitrag. Meine ökonomische Situation ist sehr viel stabiler, als noch vor 1-2 Jahren, aber immer noch im Kern prekär. Alle Rechnungen können bezahlt werden, aber manchmal dippen wir noch gefährlich unter Null.</p><p>Daher dachte ich mir, ich frag mal nach.</p><p>Mit hoffnungsvollen Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Tue, 10 Feb 2026 07:35:49 +0000</pubDate>
    </item>
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      <title><![CDATA[Selbstverteidigung im Selbstversuch: Gewalt macht keinen Spaß]]></title>
      <description><![CDATA[Ich will kein Selbstverteidigung lernen, es fühlt sich nicht gut an, zieht mich aus meiner comfort zone, kostet Zeit, Geld, etc. Aber ich mache es, weil es notwendig ist.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/9a670f9d-f815-451e-b190-e440a9c06501/uploads/images/ki4gcsvwr2/selbstverteidigungskurse-fur-queere-menschen.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Ein Mensch tritt gegen ein Boxpad"/><figcaption>https://www.tagesspiegel.de/berlin/gegen-den-hass-selbstverteidigung-fur-queere-menschen-im-berliner-club-schwuz-9181338.html</figcaption></figure><p>05/02/2026</p><p></p><p></p><p>Liebe Leute,</p><p>nachdem ich in der taz heute die Überschrift “<a href="https://taz.de/Armut-in-der-BRD/!6150802/">Armut in der BRD: ein normales Leben ist kein Luxus</a>” las, überlegte ich kurz, ob ich wegen all der unreflektierten imperialen Lebensweise und des methodologischen Nationalismus in dieser Aussage – die “Normalität” in Deutschland ist im globalen Maßstab <em>natürlich</em> ein Luxus, was wiederum nicht die Realität der Armut hierzulande negiert – jetzt endlich meinen schon häufig angekündigten und immer wieder verschobenen “Die deutsche Linke und die imperiale Lebensweise: Beutegemeinschaft statt Klassenkampf”-Text schreiben sollte. Aber dann fiel mir wieder der Satz ein, die neue Handlungsanleitung, auf die ich mich mit meinem Therapeuten geeingt habe: “die Inzidenz von Konflikt in meinem System reduzieren”. Also belass&#39; ich die taz und erhebliche Teil der deutschen Linken erstmal weiter ihren Verdrängungsdornröschenschlaf, und widme mich einem anderen aber dann doch (re: Konflikt in meinem Leben) irgendwie verwandten Thema: es geht um queere Selbstverteidigung und antifaschistische Gewalt, ein Thema, das durch die Verurteilung von Maja T. durch ein hochpolitisiertes ungarisches Gericht (Scully hat <a href="https://steady.page/en/disrupt/posts/33cbfd66-7f14-4d87-9583-d2d7234478ae">hier</a> einen bewegenden Text dazu geschrieben) gerade wieder hoch auf der Agenda steht.</p><p><br/></p><p><strong>Geständnis Nr. 1: <em>I just talk the talk, I don&#39;t walk the walk</em></strong></p><p>Zuerst mal ein Geständnis: ich rede und schreibe zwar seit mittlerweile gut drei Jahren über queere Selbstverteidigung, über Pink Panthers und Krav Maga – <em>side note</em>: mein Fokus auf Krav Maga, ein aus dem jüdischen Widerstand gegen den deutschen Faschismus stammender, und später von der IDF weiterentwickelter Kampfstil (danke Jannik für den Hinweis!), entstammt keinem merkwürdigen IDF-Fetisch, sondern der Annahme dass eine Wehrpflichtarmee wie die israelische, in der große, dicke Queers neben dünnen kleinen cis-Frauen und alles daneben und dazwischen kämpft, eine Art des Kämpfens entwickeln würde, die relativ unabhängig von physischen Vorbedingungen effektiv von jede*r effektiv genutzt werden kann – habe aber selbst bis auf einen eintägigen Workshop in Berlin vor über einem Jahr noch keinen einzigen praktischen Schritt in Richtung “regelmäßig Kampfsport üben” gemacht.</p><p>Klar, ich hatte viel zu tun, Buch schreiben und ganz viele Veranstaltungen, Kollapscamp mitorganisieren, etc., und dann verfüge ich noch das dubiose aber nützliche Privileg, ein halbwegs großgewachsener, <em>straight-passing </em>cis-Dude zu sein, mit einer Angriffe durchaus abschreckenden Selbstbewusstseins-/Arroganz-Ausstrahlung, außerdem bin ich natürlich auch re: Sport ne faule Sau wie die meisten von uns... Aber bisher dachte ich <em>deep down </em>und in meinen selbstkritischen Momenten, dass der eigentliche Grund für mein nicht-Kampfsport-Lernen darin lag, dass ich, wie in meiner Klasse und im imperialen Europa üblich, davon ausging, dass ich im Notfall entweder nicht direkt in der (hoffentlich metaphorischen) Schusslinie stehen würde, dass aber vor allem jemand anderes die Gewalt für mich ausüben würde. Dass es bestimmt besser ausgebildete, trainierte, vorbereitete Genoss*innen geben würde, die mich aus der Scheiße (z.B. dem Naziangriff) rausprügeln würden.<br/><br/></p><p><strong>Geständnis Nr. 2: <em>contrary to public opinion</em> hab ich keinen physischen Gewaltfetisch</strong></p><p>All diese Gründe sind sicherlich relevant, aber es gibt da einen weiteren, auf den ich mich heute konzentrieren möchte, in der Annahme, dass er bei einigen von Euch auf Resonanz stoßen könnte. Hier also mein zweites Geständnis: obwohl ich meinen ersten “<a href="https://ephemerajournal.org/sites/default/files/2022-01/4-2mueller.pdf">aber linke Militanz ist unter bestimmten Umständen legitim und wichtig, reine Gewaltfreihei eine inkohärente Position</a>”-Text vor über 20 Jahren geschrieben habe; obwohl es ein oft von Rechten in den sozialen Medien zirkuliertes Video gibt, wo ich... wartet, wie habe ich damals in enormer Frustration auf einer der riesigen “Brandmauer-Demos” ausgedrückt?</p><p>“<a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/5291d5c0-42e3-45a3-9327-b9c53edd0b2a"><em>Gegen Faschismus kämpfen, heißt nicht nur demonstrieren. </em></a><em>Gegen Faschismus kämpfen heißt auch, Faschisten aufs Maul hauen. Wenn Ihr seht, wie Faschisten Uns (meinen Ehemann und mich) belästigen, People of Color belästigen, Frauen dumm anmachen, dann könnt Ihr nicht einfach sagen &#39;hört mal auf&#39;, dann müsst Ihr da hingehen, denen die Nase blutig schlagen, und sagen &#39;Ihr seid Drecksfaschisten, wenn Ihr das nochmal macht, dann treten wir Euch die Birne ein...”</em></p><p>...obwohl ich also in der Öffentlichkeit durchaus aus Fürsprecher einer linken Praxis wahrgenommen werde, die entweder direkt (in der Selbstverteidigung) physisch gewalttätig ist, oder aber (wie zum Beispiel Sabotage) von Vielen als gewalttätig eingeschätzt würde, muss ich sagen, dass sich physische Gewalt, allein das Nachdenken darüber, sie auszüben, für mich extrem unangenehm anfühlt. Das sage ich nicht, um mich als besonders friedliebende Person darzustellen: ich weiß, dass ich allerlei Formen von Gewalt ausgeübt habe und manche auch weiterhin ausübe – wie in meiner Klasse üblich sind diese üblicherweise: emotional, strukturell, verbal und psychologisch – ich sage nur, dass ich mit phyischer Gewalt nicht umgehen kann. Als Kind wurde ich oft verprügelt (<em>yes, I was already an arrogant little shit back then, and also really, really small</em>), in der Schule wurde ich jahrelang gemobbt, auch mit physischer Gewalt, und auch, wenn ich mit Fäusten auf&#39;s Maul bekam (<em>which happened surprisingly frequently, now that I think of it</em>) habe ich nie zurückgeschlagen. Ich habe immer nur <em>gerungen</em>, nie, nicht ein einziges Mal zugeschlagen, nicht mit der Faust, nicht mit der offenen Hand. Ich habe Anfang des Jahrtausends zwei Mal im Kontext von Gipfelprotestkrawallen Steine geworfen, und hatte beide Male das Gefühl: nein, das ist nicht meine Art der Politik.</p><p>Woher auch immer sie kommt – Klassendünkel, Ethik, Angst, vielleicht, weil ich so oft auf&#39;s Maul bekommen habe... - ich habe eine innere Abneigung gegen die Ausübung physischer Gewalt, sogar konsensueller physischer Gewalt, wie (sorry, das Beispiel musste kommen) sie in manchen Spielarten des kinky Sex regelmäßig vorkommt. Wenn mich jemand anbettelt “bitte schlag mich!”, kann ich das nicht einmal tun, wenn ich weiß, dass es ihn total geil machen würde. <em>I don&#39;t like hitting people. I hate it</em>. Und das ist einer der Hauptgründe, warum ich zwar seit Jahren darüber rede, dass “Wir Queers” uns in Kampfsport und Selbstverteidigung ausbilden müssen, ich es selbst aber einfach nicht auf die Kette kriege.</p><p><br/></p><p><strong>Erste Schritte</strong></p><p>Wie gesagt, es ist nicht so, dass ich <em>noch nie</em> Kampfsport gemacht habe: vor etwas über einem Jahr, kurz nachdem ein Freund und Genosse eines Abends vorm Späti, als er eine Person schützen wollte, die von Nazis angepöbelt wurde, von den Schweinen daraufhin richtig übel verprügelt und hart traumatisiert worden war, haben wir zusammen einen eintägigen Krav Maga Workshop mit meinem Freund, Anwalt und Krav Maga Trainer Jannik Rienhoff veranstaltet. Es war ne tolle Location in Kreuzberg, die Teilnehmer*innen waren alles Linke, manche davon Freund*innen, der Lehrer (Jannik) war unglaublich gut, und stand uns natürlich auch kulturell und politisch nah, und der Kurs war richtig, richtig gut, ich hatte echt das Gefühl, in der zwar kurzen aber intensiven Zeit echt was mitgenommen zu haben.</p><p>Als ich dann aber auf dem Heimweg war, merkte ich eine merkwürdige Schwere in meinem Herzen, eine überraschend düstere Stimmung, obwohl ich doch gerade einem meiner langgehegten Ziele – endlich Selbstverteidigung lernen – ein bisschen nähergekommen war, oder zumindest den ersten Schritt gemacht hatte. Nach ein bisschen grübeln und inmichreinfühlen merkte ich, dass es der Workshop selbst war, der mich belastete; dass ich... wie drück ich das aus... dass es irgendwie auf meiner (pardon) Seele lastete, mich den ganzen Tag damit zu beschäftigen, wie ich anderen Menschen maximal effizienz wehtue. Es war deswegen nicht falsch, den Workshop zu organisieren, im Gegenteil. Aber ich bekam damals den Eindruck, dass die Ausübung physischer Gewalt (dito ihre Erfahrung, weshalb bei aller Einsicht in die Notwendigkeit, auch nichtphysische Gewaltformen als solche zu benennen, in der Ethnographie und Psychologie die Erfahrung physischer Gewalt eine besondere ist), und seriously, es tut mir leid, den Begriff Seele hier zu verwenden,<em> so I&#39;ll put it in English: at least for me, thinking too much about physical violence, and even worse, actually exercising it, is not good for my soul</em>. Vielleicht habe ich schon zu viel Gewalt in mir, vielleicht übe ich regelmäßig so viel Gewalt aus (s.o.), dass <strong>noch mehr </strong>Gewalt da irgendwas kippen würde. <em>Maybe. I don&#39;t know</em>.</p><p><br/></p><p><strong>Zweite Schritte</strong></p><p>Trotzdem sprach ich weiterhin über queere Selbstverteidigung, versuchte mit dem Kollapscamp der Schaffung der queeren Pink Panthers Selbstverteidigungsbrigaden einen Schritt näher zu kommen, fragte immer wieder in meinem Umfeld, ob mich denn jemand mal zu einem Kampfsporttraining mitnehmen würde. Und vor einigen Wochen geschah dies endlich, ein Freund und Genosse aus der Kollapsbewegung und Kollapscamporga, hatte einen Krav Maga-Kurs in unserer Nähe in Berlin rausgesucht, und uns für ein Probetraining angemeldet.</p><p>Gestern abend war es dann soweit, und nach einem kommunikativ ziemlich stressigen Tag trafen wir uns vor dem Studio, um mal auszuprobieren, ob das was für uns sein könnte. Ich will Euch jetzt gar nicht die Details erzählen, was an dem Studio und Training gut war, was nicht, wenn Ihr – wie ich halt nicht – Erfahrung mit Kampfsportstudios habt, kennt Ihr die bestimmt besser. Ein schöner Raum war&#39;s nicht, pädagogisch wäre da, um&#39;s freundlich zu sagen, mehr gegangen, die Gruppe wirkte nicht unbedingt sehr einladend. Trotzdem: in nur 1,5 Stunden lernten wir auf jeden Fall etwas, der Trainer hatte durchaus auch seine Vorzüge, und ich war in der Lage, am Schlagpolster meine kommunikativen Aggressionen vom Tag etwas auszulassen. Außerdem war ich endlich mal bei nem Kurs, den wir regelmäßig besuchen könnten, in Berlin, in meiner Nähe, zu nem Zeitpunkt, der nicht total mit dem Rest meines Lebens clasht. Ich hatte einen Schritt gemacht, den ich schon drei Jahre hatte gehen wollen. Wenn ich sonst etwas tue, worüber ich drei Jahre geredet, und für dessen Nicht-Tun ich mich schon häufig kritisiert und sogar ein bisschen geschämt habe, dann ist meine normale Reaktion große Freude, Erleichterung, und ein vermutlich völlig überzogener Stolz darauf, endlich selbst das getan zu haben, was ich so lange angekündigt, und wozu ich Andere immer wieder im- oder explizit aufgefordert hatte.</p><p>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________<br/></p><p><strong><em>I still don&#39;t like hitting people, but...</em></strong></p><p>Aber auch dieses Mal radelte ich mit diesem komischen Gefühl nach Hause, diesem Eindruck, etwas getan, gelernt zu haben, das ich eigentlich, <em>deep down</em>, nicht tun will. Und es stimmt: ich fand es gut, mich zu bewegen, ich war mit nem Freund und Genossen da, ich hab mein eigenes Ziel erfüllt... und trotzdem mag ich Kampfsport nicht. Wir werden auch noch andere Stile ausprobieren, als Krav Maga (auch beim Schutz-Trainingstrang im <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/a501ff8f-75e7-4f1c-9245-7b4750fb1ef9">Zukunftstrainingslager</a> wird es verschiedene Stile geben), aber ich bezweifle, dass sich eine Sache ändern wird: <em>I still don&#39;t like hitting people, I don&#39;t like to learn hitting people, and I don&#39;t like situations where people get hit</em>.</p><p>Und doch werde ich weiter damit machen. Ob es dieses Studio oder ein anderes, Krav Maga oder Muay Thai oder was weniger mackriges sein wird, wir werden dran bleiben, und lernen, uns selbst und Andere zu verteidigen, unter anderem, indem wir Angreifern auf den Kehlkopf hauen, in die Eier treten, durch einen seitlichen Kick das Knie brechen, oder mit dem Handballen die Nase nach oben brechen. Sorry, wenn ich das hier so graphisch aufzähle, aber das sind halt die Sachen, die mensch lernt, wenn es um Selbstverteidigung geht (also das, was ich machen muss, wenn ich dem Konflikt nicht durch&#39;s meist viel klügere Wegrennen ausweichen kann). Ich will diese Dinge nicht lernen, aber ich werde sie lernen, weil ich weiß, dass sie für einen vorlauten kommunistischen Queer, der damals viel gebullied wurde, in einer Welt immer wichtiger sein wird, in der die Bullies wieder an der Macht sind (aka <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/af19a3d1-9b3a-47b7-8776-2442eb0e0e19">Arschlochgesellschaft</a>).</p><p>Warum erzähle ich Euch all das? Drei Gründe:</p><p>Erstens: Ihr seid auch ein bisschen meine Kollektivgesprächstherapie, und ich musste das noch ein bisschen reflektieren und sacken lassen. Danke fürs Zuhören/-lesen :)</p><p>Zweitens: vielleicht gibt es manche von Euch, die sich die selbe Frage stellen, die wissen, es wäre gut, Selbstverteidigung zu trainieren, sich aber nicht dazu durchringen können – und im besten Fall helfen Euch meine Gedanken dazu vielleicht. In der <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/461735ff-64df-4a85-aad4-b82834a7d337">Nachbarschaftsfrage</a> schien das so zu sein, und auch da ging&#39;s um etwas, worüber viele von uns Linken gerne reden, was wir aber viel zu selten praktisch und aktiv tun.</p><p>Drittens: weil ich so verdammt viele Diskussionen führe, in denen ich versuche, Menschen davon zu überzeugen, dass bestimmte politische Praxen nichts mehr bringen, und es notwendig ist, neue auszuprobieren, die mir dann antworten, dass doch “Alle machen sollten, worauf sie Lust haben, am Ende kommt bestimmt die soziale Transformation raus”. BULLSHIT: wenn Alle das machen, worauf sie Lust haben/was sich für sie “normal” anfühlt/was sie nicht aus ihrer comfort zone rausholt, wisst Ihr, was dann dabei rauskommt? BY DEFINITION GENAU DIE SELBE SCHEIßE, DIE HEUTE UNSERE NORMALITÄT IST.</p><p>Sorry fürs anschreien, aber diese linke Bewegungsvariante der unsichtbaren Hand des Marktes oder der bürgerlichen Demokratieillusion ist wie die beiden anderen Ideen auch Bullshit. Sie stellen alle eine Antwort auf die zentrale Frage der kapitalistischen Moderne dar: wie entsteht Gesellschaft, wenn Alle das machen, worauf sie als Individuen Lust haben? In dem man die Präferenzen in einen Markt/eine demokratische Wahl/eine Bewegung mit dem (falsch verstandenen) Prinzip “diversity of tactics” einspeist, und am Ende kommt magisch das gute Leben für Alle raus.</p><p>My point is: ich will keine physische Selbstverteidigung lernen, es fühlt sich für mich nicht gut an, zieht mich aus meiner comfort zone, kostet Zeit, Geld, ist Aufwand, etc. Aber ich mache es jetzt. Wieso? Weil die Zeiten sich geändert haben, und noch viel schneller ändern werden. Weil es Zeit ist, sich auf die Zukunft vorzubereiten, anstatt sie den Nazis zu überlassen.</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Mit leicht verstörten Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p><p></p><p>p.s.: Ich hätte heute Abend in Ludwigslust aus meinem kleinen rosa Buch vorlesen sollen, aber wegen gruseliger Wetterverhältnisse mussten wir das Event leider absagen. Wir melden uns mit einem neuen Termin.</p><a href="https://gruene-ludwigslust-parchim.de/startseite">https://gruene-ludwigslust-parchim.de/startseite</a><p></p><p></p><p>p.p.s.: Falls Ihr es bis hierher im Text geschafft habt, ich muss die Tage mal mit Euch über eine mögliche Preiserhöhung auf meinem Blog reden. Stellt Euch darauf ein, in den nächsten Tagen dazu eine Mail zu bekommen, in der ich erstmal abfrage, wie Ihr reagieren würdet. Danke für Euer Verständnis.</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 05 Feb 2026 07:14:30 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Future Training Camp: practicing solidarity & resistance in collapse]]></title>
      <description><![CDATA[Minneapolis reminds us: resistance to fascism, collective solidarity don't come out of nowhere, we must learn and practice them. That's what we want to do this September.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/e6f6f464-9910-430a-8bde-7af79201aa46/uploads/images/5scpmilmzu/rosie_the_riveter.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Rosie the Riveter says: let&#39;s prepare together, for a future of collapse"/><figcaption>Rosie the Riveter says: let&#39;s prepare together, for a future of collapse</figcaption></figure><p>02/02/2026</p><p></p><p></p><p>Dear friends,</p><p>Today I&#39;ll talk about the event on which I&#39;ll be concentrating my political energies this year, a new kind of event that you may have heard described as &quot;collapse LARP&quot;, whereas I&#39;ve mostly referred to it as a &quot;Future Training Camp&quot;, and which for my <a href="https://action.collapseclub.com/five-elements-of-solidarity-prepping/">&quot;operational partner&quot;</a> Scully/Cindy Peter and me – <a href="https://steady.page/en/disrupt/posts">here&#39;s the link to their exciting blog Disrupt</a> – represents the logical next step in developing a politics of solidarity in collapse. And because the baby still doesn&#39;t have a name (&quot;LARP&quot;, Live Action Roleplaying, would be imprecise, because we&#39;re not actually planning actual role-playing...), I&#39;ll start the story the other way round, with the question: what do we want to achieve, and what kind of event would need to be designed to reach this goal?</p><p>Knowing that there are as many narratives and stories about the new &quot;collapse movement&quot; as there are people who feel they belong to it, and therefore just as many strategic ideas and plans for “what now?”, I want to tell the story here of why, after the huge success of Kollapscamp 2025, Scully and I aren&#39;t involved in organising Kollapscamp 2026 (but we&#39;re in friendly communication with the folks who <em>are</em> organising said camp), but will be putting together, along with a number of other experienced comrades, a completely different event. One that&#39;s quite challenging for us, although the work has barely begun, because we&#39;re something that&#39;s just as hard for us as it is for anyone else: questioning our own business as usual, and doing something fundamentally different.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Death of a trans man, or: Pink Panthers, assemble!</strong></p><p>My journey towards the &quot;collapse movement&quot;, which was simultaneously the way out of my <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/5d301bc9-25de-48dc-8dc6-f123d9fd926c">climate/future depression</a>, began on an extremely sad Friday morning in September 2022. The Saturday before, Malte, a young trans man, had been knocked down by a right-wing German-Chechen boxer when Malte, in his function as a Pride march steward, tried to position himself between the young attacker and a group of lesbians, in an attempt to protect them from verbal abuse. Malte gets punched in the head, hits the ground, falls into a coma, and dies 5 days later in hospital. By that point the media caravan has already moved on, and when I read about Malte&#39;s death on Friday morning on queer accounts in social media, I simultaneously notice that the rest of society, including left-wing and green bubbles, have barely registered this catastrophe. Just imagine how Germany would have reacted if an attacker had gone to the trade union May Day march and beaten a metalworkers&#39; union steward to death there: that same evening there would have been affected speeches from all sides, from DGB and EKD, from VDA and BDI, from SPD and CDU.</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/30375fe8-2e60-4d53-8207-0adf951c2698">A few weeks later I wrote this</a>: &quot;Germany&#39;s queer community is deeply shocked. If those for whom our mere existence seems to be such an affront that they have to insult us, spit on us, hurt us to defend their fragile masculinity can attack and kill us in our safe spaces, then no place is safe. Then none of us is safe. Nowhere. A trans friend has just sent me these lines: &#39;I&#39;m done. Let them shoot me. I&#39;ve already looked death in the face 3 times. What am I doing in a society like this? They should just be honest and shoot me, but this time for real. I don&#39;t know what to do with my feelings anymore. I&#39;m emotionally broken. I&#39;ve seen so many trans people go to their deaths, I just can&#39;t anymore.&#39; Most people who read these lines will probably be briefly shocked, but then return to their own business as usual. &#39;Some queer-hating lunatic has beaten to death one of these suddenly oddly omnipresent trans people. Terrible, of course. A crime? Certainly! But compared with Ukraine, the energy crisis and inflation, hardly worth mentioning.&#39; That&#39;s how the main evening news programme seemed to see it, which on Friday reported some 2-3 minutes about an electronics fair, but couldn&#39;t say anything about Malte&#39;s death.&quot;</p><p>But there were some who said something about it, who met with each other to mourn, but also to show our resilience and resolution. On the Friday after Malte&#39;s death, a few people in Berlin organised a vigil, and even though the 20 people who gathered on a Friday evening on Alexanderplatz almost seemed to disappear in the masses of drunk tourists, it was still a powerful experience for me – although I knew almost no one in the circle, it was immediately clear to me: these are my people, this is my community. These are the people who cared that an attacker beat a queer person to death on our most important holy-day. Who cared enough to do something. For me, that a personal breakthrough.</p><p>Because it left me with one question, and one question only: do we need to start organising queer self-defence on a larger scale? The answer to that was pretty obvious: yes. Absolutely, no doubt about it. And who is &quot;we&quot; here? Well, us queers. Queer self defense has got to sort of be our own handiwork.</p><p>That was the origin of a thought that it took me a year to properly formulate, when I traveled to Sweden to encounter “Preppa Tillsammans”: that <em>catastrophe</em> itself is a strategic space, that an enemy offensive doesn&#39;t represent the end of the fight, but simply the point at which it becomes necessary to switch to defensive mode. And that this &quot;switching to defensive mode&quot; would need to be organised and implemented. Seen from there, the first step on the way out of my depression (which manifested in me as total meaninglessness of my life: if all struggles are already lost, why do anything at all except get totally fucked and constantly fucked?) was virtually unavoidable: if my community (queers) is going to be increasingly under attack, then the best thing I can do now is to think about how I can contribute to enabling, strengthening, expanding the self-defence of my community. If we&#39;re under attack, and we can&#39;t be sure that state and other social institutions will defend us, then we&#39;re left only with (potentially militant) self-defence. If the brownshirts want to pin pink triangles on us again, we become the Pink Panthers.</p><p>&quot;<a href="https://www.freitag.de/autoren/tadzio-mueller/ein-traum-pinke-panther-teilen-regenboegen-aus">Let&#39;s talk about queer self-defence.</a> I&#39;d like to call our coming, literally hard-hitting organisation &#39;Pink Panthers&#39;. This form of self-defence already existed (naturally inspired by the Black Panthers) under this name in 1990s New York, as a gay task force against homophobic assaults. Queer-haters should think twice about attacking a queer person in future, and then not do it – because they know: Queers can defend themselves. And if they do: they can and will hurt you.”</p><p><br/><br/></p><p><strong>From queer self-defence via Preppa Tillsammans to the &quot;collapse movement&quot;</strong></p><p>For me, the origin of the idea of a “collapse movement” lies in the self-defence of my own community, in the hope of quickly (let&#39;s say: within one or two years) creating structures that would be able, for example, to protect a Pride somewhere in Naziland, in such a way that Nazis potentially wanting to attack a Pride march would be deterred from doing so (and should they still decide to go ahead, structures that would be able to dole out adequate punishment).</p><p>Alas, the initial response from within queer millieus was pretty unenthusiastic, and at no point did I have the impression that any real momentum could emerge behind the idea. The idea of &quot;prepping for collapse and catastrophe&quot; hadn&#39;t arrived in polite society yet, there was no real space of resonance in which the idea &quot;let&#39;s learn to defend ourselves against the Nazi attacks that are certainly going to become more and more frequent, because we can&#39;t trust the state on this&quot; could make sense, in which it didn&#39;t end up sounding like paranoid tinfoil hat-brigade bullshit.</p><p>So a certain social inertia stood in the way of realising the goal &quot;creation of autonomous structures capable of action that can provide certain vital inputs in catastrophe situations, from security through communication to medical care&quot;. It was clear to me that &quot;help us queers defend ourselves&quot; wouldn&#39;t be able to motivate enough people. This possibility only opened up for me when I travelled to meet my old friend Pär Plüschke in Sweden, and there experienced for the first time the coherence, intelligence and force of the &quot;solidarity prepping/prepping together&quot; frame. This frame allowed me for the first time to see the outlines of a <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/ad157bce-13de-49b2-92b0-ec5b28687d27">&quot;just collapse movement&quot;.</a></p><p>&quot;We need to learn to organise something like this effectively, in solidarity and openly, just as the comrades from Preppa Tillsammans are starting to do. But at the core of an agenda of &#39;solidarity prepping&#39;... is the insight that &#39;prepping&#39; isn&#39;t about supplies, but about relationships. Prepping first of all denotes nothing more than &#39;preparation for crises and catastrophes&#39;, and isn&#39;t Nazi stuff per se – but it could become that if we don&#39;t get our arses in gear soon. And how do we get our arses in gear? Obviously, with a new cycle of movement, a movement that takes seriously that the global socio-ecological catastrophes (not just climate, but also biodiversity et al) go hand in hand with a massive increase in the fascist threat.&quot;</p><p>When towards late 2023 I began to invest my energy in the possibility of the emergence of a &quot;just collapse movement&quot; based on the strategy of <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/debef94c-927e-482a-a9bd-4b9ece107d16">solidarity prepping (broadly understood),</a> and from 2024 onwards put all my resources into organising Kollapscamp 2025, the original motivation wasn&#39;t to organise <em>yet another </em>activist camp, and I also thought of the &quot;movement&quot; primarily as a means to an end. That end? Creating structures capable of action in concrete catastrophe situations, whether in a heatwave, a flood, or a catastrophic Nazi attack. Activist flood readiness; Pink Panthers; Autonomous aid networks in an inner-city heatwave. That&#39;s what I wanted to organise, that&#39;s what it was about for me.</p><p></p><p>_____________________________________________________</p><p><strong><em>I finance most of my political work by way of this blog, and would be grateful for your support</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Support me and my work</a></p><p>_____________________________________________________<br/><br/></p><p><strong>From Kollapscamp 25 to... working title: Future Training Camp</strong></p><p>The first Kollapscamp was a huge success, and we – Scully and I – are super excited that there will again be a large, colourful, diverse Kollapscamp 26 this year, where people can find an entry point to the just collapse movement. But from our “publicly visible antifascist queers” perspective, meaning from the point of a view of people who are actively and directly and <em>in the short term</em> threatened by collapse and fascism, we&#39;ve also noticed that last year we didn&#39;t really get closer to our goal of creating organisational structures that could immediately or at least quickly deploy into catastrophes. To achieve this goal, we believe, other formats are needed, formats that allow us to go deeper than we could in a two hour workshop.</p><p>And that&#39;s exactly what we want to organise this year: an event that takes up and deepens the spirit of Kollapscamp, that in itself represents a break with the weekend activism that&#39;s become largely dominant amongst many climate and many other &quot;activists&quot;. An event that brings us closer to the above-mentioned goal, not just apropos protection/security for queers, but also in relation to other possible catastrophes and collapses.</p><p>Before I get into explaining why we&#39;re planning what we&#39;re planning, it might be helpful, after three pages of &quot;Grandpa&#39;s telling war stories again&quot; history, to finally and first of all say what we&#39;re actually planning:</p><p><strong>What?</strong> A week-long intensive course in collective collapse- and catastrophe-preparation.</p><p>There will be four four-day intensive trainings in the following thematic strands, in the sense of &quot;X in catastrophe&quot;: Supply/logistics &amp; transport; Communication; Self-protection/security; First aid and everyday medicine. After a day&#39;s break, what&#39;s been learnt will then be tried out at the weekend in scenarios, planning and role-playing games (it&#39;ll be neither full immersion role playing, nor pure tabletop strategy game, but rather a hybrid form: scenarios played out live) and reflected on together.</p><p><strong>When and where?</strong> 21-27.9, Alte Hölle, Brandenburg (about an hour from Berlin)</p><p><strong>Who?</strong> In contrast to the &quot;classic&quot; Kollapscamp, which this year will take place from 5-9. August at Kuhlmühle, this event won&#39;t have open registration for limited tickets, and this time we don&#39;t necessarily want to attract those who want to engage with the topic of &quot;collapse&quot; and &quot;prepping together&quot; for the first time. We&#39;re planning an event for those who take the current situation as seriously as we do; who know that we need to prepare now for climate catastrophes, for fascist takeovers, for system breakdowns, not in a few years; and who know that preparing for a catastrophic future means investing time and resources in this preparation now.</p><p><strong>How many?</strong> We&#39;re expecting about 200 participants, on average 40/50 per &quot;training strand&quot;.</p><p><strong>Registration/participation:</strong> we don&#39;t yet know exactly how we&#39;ll organise this, but let&#39;s put it this way, if you&#39;re interested, get in touch with us (<a href="mailto:scully@systemausfall.org">scully@systemausfall.org</a>; <a href="mailto:tm@friedlichesabotage.net">tm@friedlichesabotage.net</a>), then we can have a conversation. We particularly want to talk to people who aren&#39;t just interested in the event itself, but can imagine (or ideally have already decided) to actively continue working and organising with what they&#39;ve learnt. We also have to assume that there&#39;ll only be limited institutional funding for a project like this, which is why we have to rely on crowdfunding (starting soon) and participant contributions, and we hope of course that as last year at Collapse Camp &#39;25, the principle will apply: if someone wants to come and can&#39;t pay, we&#39;ll find a solidarity way.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Path, goal, error tolerance</strong></p><p>Our as-yet nameless event is an attempt not just to open up a new topic, but to learn a new kind of activism. One that recognises that more risks are coming our way, that more preparation and training is needed than was the case, for example, for a classic Ende Gelände action. We know that taking off a week in September is a big commitment, and we know that this will make participation in our event difficult to impossible for many people. But we&#39;re fairly certain that there are now more than just a few amongst you who are willing and able to make this commitment. This event is for you.</p><p>We also know that the event is an experiment: neither Scully nor I have ever organised several multi-day trainings in multiple fields in which we have practically no expertise, and although the work in the respective training strands, where we&#39;re working together with people who in most cases have been dealing with these topics for years or decades, who in some cases have completely different backgrounds to the people we usually organise with, has already begun and is going very well, we know that we&#39;ll probably mainly learn a lot about what we <em>cannot </em>do. And that&#39;s as it should be, because if collapse really represents a historic turning point, and very, very much will change, then it&#39;s also reasonable to assume that &quot;activism&quot; will change. What it will look like then, we don&#39;t know. But in September at Alte Hölle we want to get a bit closer to this activism of the future.</p><p>If it goes well, awesome. If it goes badly, we&#39;ll learn from it, because the goals will remain the same: to be immediately practically capable of action in catastrophes; to defend one&#39;s own and other threatened communities against increasing threats and attacks; to create spaces of solidarity in catastrophe, and thereby take away space from the right.</p><p>And if you want to give yourself the full collapse movement hit in summer: why not check out both! At the beginning of August Kollapscamp &#39;26 at Kuhlmühle, in September then the training camp/collapse LARP, you name it (really, I mean it: please do name it, we still need good brainwaves :)).</p><p>I&#39;ll leave it at that, it&#39;s long enough now anyway. If you have questions about the nameless event, get in touch, if the answer already exists, you&#39;ll get it. And think about whether this event might be for you. If so: get in touch.</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Subscribe to my blog</a></p><p>With movementist greetings,</p><p>Yours, Tadzio</p><p><br/><br/></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Mon, 02 Feb 2026 14:54:16 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Das Zukunftstrainingslager (Arbeitstitel): nächste Schritte im Kollaps]]></title>
      <description><![CDATA[Dieses Jahr organisieren wir ein "Zukunftstrainingslager", hier erkläre ich, was es damit auf sich hat, woher der Gedanke, was die Ziele: und warum Ihr dabeisein solltet.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Das Zukunftstrainingslager (Arbeitstitel!): nächste Schritte im Kollaps</h1><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/a501ff8f-75e7-4f1c-9245-7b4750fb1ef9/uploads/images/rknyqxd2ke/rosie_the_riveter.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Das klassische &quot;Rosie the Riveter&quot;-Meme mit dem Text: &quot;Let&#39;s prepare together - for a future of collapse&quot;"/><p>29/01/2026</p><p><br/><br/></p><p>Liebe Leute,</p><p>heute soll es auf meinem Blog um das Event gehen, auf das ich meine politische Energie dieses Jahr konzentrieren werde, eine neue Art von Event, von dem Ihr eventuell schon als “Kollaps-LARP” gehört habt, das ich in den vergangenen Wochen gelegentlich “Zukunftstrainingslager” genannt habe, und das für meine “<a href="https://action.collapseclub.com/five-elements-of-solidarity-prepping/">operationelle*n Partner*in</a>” Scully/Cindy Peter und mich – <a href="https://steady.page/en/disrupt/posts">hier der Link zu ihrem spannenden Blog <em>Disrupt</em></a> – den logischen nächsten Schritt in der Entwicklung einer solidarischen Kollapspolitik darstellt. Und weil das Kind bisher immer noch keinen Namen hat (“LARP”, Live Action Roleplaying, wäre zu unpräzise, weil wir keine Rollenspiele planen, und “Trainingslager” beinhaltet ein sehr irritierendes Wort) fange ich die Erzählung mal andersrum an, mit der Frage: was wollen wir erreichen, und was für ein Event müsste designed werden, um diesem Ziel am effizientesten näher zu kommen.</p><p>Wissend, dass es so viele Erzählungen und Geschichten über die neue “Kollapsbewegung” gibt, wie es Menschen gibt, die sich ihr zugehörig fühlen (nicht zu vergessen: die eher ablehnenden Geschichten derjenigen, die sich der neuen Bewegung nicht zugehörig, aber von ihr “unfairerweise angegriffen” fühlen), und deswegen auch ebenso viele strategische Ideen und Pläne, da diese sich oft auch aus der unterschiedlichen Antwort auf die Frage “fühle ich mich persönlich von dem, was kommen wird, betroffen oder bedroht?” ableiten, möchte ich hier die Geschichte erzählen, warum wir dieses Jahr nach dem riesigen Erfolg des Kollapscamp 2025 zwar in solidarischem Kontakt mit den Menschen stehen, die das Kollapscamp 2026 organisieren, aber zusammen mit einer Reihe anderer erfahrener Genoss*innen ein ganz anderes Event zusammenstellen werde. Eines, das uns schon im schon angelaufenen Orgaprozess ziemlich herausfordert, weil es darum geht, etwas zu tun, was uns manchmal genau so schwer fällt, wie allen anderen auch: unser eigenes <em>business as usual</em> zu hinterfragen, und mal etwas wirklich fundamental anderes zu machen.</p><p><br/><br/></p><p><strong><em>Death of a trans man, </em>oder: <em>Pink Panthers, assemble!</em></strong></p><p>Für mich begann die Reise in Richtung “Kollapsbewegung”, die gleichzeitig der Ausweg aus meiner <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/d12adb0e-7d8a-44a4-979f-240b3dac959a">Klima-/Zukunftsdepression</a> und der erste Schritt in Richtung einer Zukunft war, die ich “<a href="https://www.mandelbaum.at/buecher/tadzio-mueller/zwischen-friedlicher-sabotage-und-kollaps/">wieder lieben</a>” konnte, an einem extrem traurigen Freitagmorgen im September 2022. Am Samstag zuvor war der trans Mann Malte beim CSD in Münster von einem jungen rechten Deutsch-Tschetschenischen Boxer niedergeschlagen worden, als Malte in seiner Funktion als Ordner sich zwischen den jungen Mann und eine Gruppe Lesben stellen wollte, um diese vor seinen Pöbeleien zu schützen. Malte geht zu Boden, fällt ins Koma, und stirbt 5 Tage später, am Donnerstag, im Krankenhaus. Zu dem Zeitpunkt ist die mediale Karavane schon weitergezogen, und als ich am Freitag morgen in den sozialen Medien auf queeren Accounts über Maltes Tod lese, merke ich gleichzeitig, dass der Rest der Gesellschaft, einschließlich linker und ökologischer Kontexte, diese Katastrophe wirklich kaum wahrnahm. Stellt Euch mal vor, wie Deutschland reagiert hätte, wenn irgendein Angreifer zum gewerkschaftlichen 1. Mai gegangen wäre, und dort einen Ordner von der IG Metall totgeschlagen hätte: am selben Abend hätte es betroffene Reden von allen Seiten gegeben, von DGB und EKD, von VDA und BDI, von SPD und CDU.</p><p>Ich schrieb wenige Wochen darauf <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/30375fe8-2e60-4d53-8207-0adf951c2698">dies</a>: “Ein Schock geht durch die … queere Community Deutschlands. Wenn diejenigen, für die unsere bloße Existenz ein derartiger Affront zu sein scheint, dass sie uns beleidigen, anspucken, angreifen müssen, um ihre brüchige Männlichkeit zu verteidigen, <strong>uns</strong> in <strong>unseren</strong> <em>safe spaces</em> angreifen und töten können, dann ist kein Ort sicher. Dann ist keine*r von uns sicher. Nirgendwo. An diesem Tag schreibt mir eine trans Freundin: &#39;Ich resigniere. Sollen sie mir die Kugel geben. Ich habe schon 3 Mal dem Tod ins Gesicht geblickt. Was soll ich in so einer Gesellschaft? Wenn, dann sollen sie ehrlich mir die Kugel, diesmal aber richtig, geben. Ich weiss nicht mehr wohin mit meinen Gefühlen. Ich bin seelisch kaputt. Ich habe soviele trans Menschen in den tot gehen sehen, ich kann einfach nicht mehr.&#39; Die meisten, die diese Zeilen lesen, werden vermutlich kurz bestürzt sein, dann aber wieder zum Tagesgeschäft übergehen. &#39;Ein queerhassender Irrer hat eine*n von diesen plötzlich überall auftauchenden trans Menschen totgeschlagen. Hässlich, natürlich. Strafbar? Sicherlich! Aber im Vergleich mit Ukraine, Energiekrise und Inflation kaum der Rede wert.&#39; So dachte zumindest die Tagesschau, die am Freitag zwar 2-3 Minuten über eine Elektronikmesse berichten, aber nichts über Maltes Tod sagen konnte.” Aber es gab manche, die etwas dazu sagten, die sich miteinander trafen, um zu trauern, aber auch, um unsere Entschlossenheit zu demonstrieren. Am Freitag nach Maltes Tod organisierten ein paar Leute in Berlin eine Mahnwache, und auch wenn die 20 Menschen, die wir an einem Freitag Abend am Alexanderplatz waren, in der Menge besoffener Touris fast unterzugehen drohten, so war das doch für mich eine sehr starke Erfahrung – obwohl ich fast niemanden in der Runde kannte, so war mir doch gleich sehr klar: das hier sind <em>meine Leute</em>, das hier ist <em>meine Community</em>. Das sind die Menschen, <em>who cared,</em> dass ein Angreifer einen queeren Menschen an unserem höchsten Feiertag totschlug. <em>Who cared enough, to do something</em>. Das war für mich ein persönlicher Durchbruch.</p><p>Denn die Frage, die ich daraus ableitete, war folgende: müssen <em>wir</em> in die queere Selbstverteidigung gehen? Und die Antwort darauf war ziemlich offensichtlich: ja, müssen <em>wir</em>. Und wer ist hier “wir”? Naja, wir Queers halt. Es kann die Selbstverteidigung der Queers nur der Werk der Queers sein, um das Einheitsfrontlied falsch zu zitieren. Das war der Ursprung des Gedankens, den ich erst ein Jahr später in Schweden dann richtig zusammenfassen konnte: dass die Katastrophe selbst ein strategischer Raum ist, dass die Offensive des Gegners nicht das Ende des Kampfes darstellt, sondern den Punkt, an dem es notwendig ist, <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/ac3e95db-27bd-47c7-a67b-ff87e778a8a1">in die Defensive zu schalten</a>. Und dass dieses “in die Defensive schalten” nunmal auch organisiert und umgesetzt werden müsste. Von da aus gesehen drängte sich der erste Schritt auf dem Ausweg aus meiner Depression (die sich bei mir als totale Sinnfreiheit meines Lebens äußerte: wenn alle Kämpfe schon verloren sind, warum überhaupt irgendwas machen außer druff sein?) beinahe auf: wenn meine Community (Queers) in Zukunft immer mehr <em>under attack </em>sein wird, dann ist das beste, was ich jetzt tun kann, mir zu überlegen, wie ich dazu beitragen kann, die Selbstverteidigung meiner Community zu ermöglichen, zu verstärken, zu erweitern. Wenn wir <em>under attack</em> sind, und wir nicht sicher sein können, dass staatliche und andere gesellschaftliche Institutionen uns verteidigen werden, dann bleibt uns nur die (potenziell auch militante) Selbstverteidigung. Wenn die Blaubraunen uns wieder rosa Winkel anheften wollen, dann bleibt uns nur die rosa Revolte. <em>If they come with pink triangles, we become the </em><a href="https://www.freitag.de/autoren/tadzio-mueller/ein-traum-pinke-panther-teilen-regenboegen-aus"><em>Pink Panthers</em></a><em>.</em></p><p>“Lasst uns über queere Selbstverteidigung reden. Ich würde unsere kommende, im Wortsinne schlagkräftige Organisation gern &#39;Pink Panthers&#39; nennen. Diese Form der Selbstverteidigung gab es bereits (natürlich inspiriert von den Black Pathers) unter diesem Namen im New York der 1990er Jahre, als schwule Einsatztruppe gegen homophobe Übergriffe. Queerhassende sollen es sich in Zukunft zweimal überlegen, eine queere Person anzugreifen, und es dann nicht tun – weil sie wissen: Queers können sich verteidigen. Und wo die hinschlagen – da wachsen Regenbögen raus.” (Erlaubt mir die kurze Parenthese: ja, ich weiß, dass auch die Naziterrorist*innen vom “NSU” Paulchen Panther, den original <em>pink panther</em> in ihrer Propaganda genutzt haben – aber ich werde mir von ein paar staatsfinanzierten Naziarschlöchern weder unsere Worte, noch unsere Symbole, noch unsere Geschichte klauen lassen. <em>Pink Panther is ours, Pink Panthers r us</em>, kein pink für Nazis.)</p><p><br/><br/></p><p><strong>Von queerer Selbstverteidigung über <em>Preppa Tillsammans</em> zur “Kollapsbewegung”</strong></p><p>Für mich liegt der <em>Ursprung</em> der Idee der Kollapsbewegung also in der Selbstverteidigung meiner eigenen Community, in der Hoffnung, innerhalb kurzer Zeit – sagen wir mal, ein bis zwei Jahre – handlungsfähige Strukturen zu schaffen, die z.B. in der Lage wären, einen CSD irgendwo in Nazistan, wo die Freund*innen und Helfer*innen vor allem Freund*innen und Helfer*innen der Nazis sind, so zu schützen, dass eventuell den CSD angreifen wollende Nazis davon abhält, dies zu tun (und im Notfall, sollten sie es tun, adäquates <em>punishment</em> verteilen könnte).</p><p>Aber: während es bei manchen Queers durchaus ein Interesse an so einem Projekt gab, waren das nur sehr wenige, und an keinem Punkt hatte ich den Eindruck, dass da wirklich eine Dynamik entstehen könnte. Im Grunde war das Thema “Vorbereitung auf Kollaps und Katastrophe” in der Gesellschaft noch überhaupt nicht angekommen, es gab gar keinen allgemein sichtbaren Resonanzraum, in dem die Idee “lasst uns lernen, uns auf die mit Sicherheit immer mehr werdenden Naziangriffe selbst zu verteidigen, weil wir dem Staat da nicht vertrauen können” Sinn ergeben konnte, in dem sie nicht wie paranoides Aluhutgeschwafel klingen musste.</p><p>Der Realisierung des Ziels “Schaffung handlungsfähiger autonomer Strukturen, die in Katastrophensituationen bestimmte lebensnotwendige Inputs bereitstellen können, von Sicherheit über Kommunikation bis zu medizinischer Versorgung” stand also eine gewisse gesellschaftliche Trägheit im Weg, und mir war klar, dass “helft uns Queers, uns selbst zu verteidigen” nicht in der Lage sein würde, ausreichend viele Menschen adäquat zu motivieren. Diese Möglichkeit ergab sich für mich erst, als ich zu Pär Plüschke nach Schweden fuhr, und dort zum ersten Mal die Kohärenz, Klugheit und Wucht des “solidarisch/zusammen Preppen”-Frames erlebte: auf der Basis dieses Frames (der bei mir damals noch “solidarische Kollapspolitik” hieß, <em>but who cares</em>) konnte ich zum ersten Mal <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/1af3fae3-1a2c-4e59-9e9c-67978c8dfb9f">die Umrisse einer “Kollapsbewegung”</a> sehen:</p><p>“Wir müssen lernen, sowas effektiv, solidarisch und offen zu organisieren, genau, wie die Genoss*innen von <em>Preppa Tillsammans </em>anfangen, das tun. Aber im Kern einer Agenda des &quot;solidarischen Preppens&quot;... steht die Einsicht, dass es beim &quot;Preppen&quot; nicht um Vorräte geht, sondern um Beziehungen. <em>Preppen</em> benennt zuerst einmal nichts mehr als “Vorbereitung aus Krisen und Katastrophen”, und ist nicht per se Nazikram – könnte es aber nachhaltig werden und bleiben, wenn wir nicht bald in die Puschen kommen. Und wie kommen wir in die Puschen? Klar, <strong>mit einem neuen Bewegungszyklus</strong>, einer Bewegung, die ernst nimmt, dass die globalen sozialökologischen Katastrophen (nicht nur Klima, sondern auch Biodiversität et al) einhergehen mit einem massiven Anstieg der faschistischen Bedrohung.”</p><p>Als ich Ende 2023 begann, meine Energie in die Möglichkeit der Entstehung einer auf der <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/f5e947f9-befe-4a36-975e-d5720fe4dcd8">Strategie des SoliPreppens (breit verstanden</a>) basierende “Kollapsbewegung” zu investieren, und ab Ende 2024 all meine Ressourcen in die Orga des Kollapscamp 2025 zu stecken, war die ursprüngliche Motivation nicht, ein weiteres Politcamp zu organisieren, und auch die “Bewegung” dachte ich für mich immer primär als Mittel zum Zweck. Der Zweck? In konkreten Katastrophensituationen handlungsfähige Strukturen zu schaffen, egal, ob in einer Hitzewelle, einem Hochwasser, oder einem katastrophalen Naziangriff. Aktivistische Hochwasserbereitschaft; Pink Panthers; Autonomes Hilfsnetzwerk bei einer innerstädtischen Hitzewelle. Sowas wollte ich organisieren, darum ging es mir.</p><p><br/>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________<br/></p><p><strong>Vom Kollapscamp &#39;25 zum... Arbeitstitel: Zukunftstrainingslager</strong></p><p>Das erste Kollapscamp war ein riesiger Erfolg, und wir – das meint hier Scully und mich - freuen uns sehr, dass es auch dieses Jahr wieder ein großes, buntes, vielfältiges <a href="https://kollapscamp.de/">Kollapscamp &#39;26</a> geben wird, wo Menschen einen Einstieg zur Kollapsbewegung finden können. Aus unserer bedroht-queeren Perspektive haben wir aber auch gemerkt, dass wir letztes Jahr nicht wirklich unserem Ziel nähergekommen sind, in Katastrophen praktisch handlungsfähige Strukturen zu schaffen. Um dieses Ziel zu erreichen, glauben wir, braucht es andere Formate, die mehr in die Tiefe gehen. Genau so etwas wollen wir dieses Jahr organisieren: ein Event, das den Spirit des Kollapscamp aufnimmt und vertieft, und damit auch in sich selbst einen Bruch mit dem mittlerweile bei vielen Klimabewegten, Postautonomen und vielen anderen “Aktivist*innen” eingegroovten Wochenendaktivismus darstellt. Ein Event, das uns dem oben genannten Ziel näherbringt, nicht nur apropos Schutz/Sicherheit für Queers, sondern auch in Bezug auf andere mögliche Katastrophen und Kollapse, wenn ihr mir den merkwürdigen Plural erlaubt.</p><p>Bevor ich in die Erklärung einsteige, warum wir planen, was wir planen, wäre es vielleicht hilfreich, nach drei Seiten “Opa erzählt wieder vom Krieg”-Geschichte endlich und erstmal zu sagen, was wir denn überhaupt planen:</p><p><strong>Was?</strong> <em>Einwöchiger Intensivkurs in solidarischer Kollaps- und Katastrophenvorbereitung.</em></p><p>Es wird fünf viertägige Intensivtrainings in folgenden Themensträngen geben, im Sinne von “X in der Katastrophe”: Versorgung/Logistik &amp; Transport; Kommunikation; Selbstschutz/Sicherheit; 1. Hilfe und Alltagsmedizin. Nach einem Tag Pause wird das Gelernte dann am Wochenende in Szenarien, Plan- und Rollenspielen (es wird weder <em>full immersion role playing </em>sein, noch pures <em>tabletop Strategiespiel, </em>sondern eher eine Mischform: live durchgespielte Szenarien) ausprobiert und gemeinsam reflektiert.</p><p><strong>Wann und wo?</strong> 21.-27.9, Alte Hölle, Brandenburg</p><p><strong>Wer?</strong> Im Gegensatz zum “klassischen” Kollapscamp, dass dieses Jahr vom 5. - 9.8. in der Kuhlmühle stattfinden wird, wird dieses Event keine offene Anmeldung für begrenzte Tickets haben, und wir wollen diesmal nicht primär diejenigen anziehen, die sich mit dem Thema “Kollaps” und “solidarische Katastrophenvorbereitung” gerade frisch auseinandersetzen wollen. Wir planen ein Event für diejenigen, die die momentane Situation so ernst nehmen, wie wir; die wissen, dass wir uns <em>jetzt </em>auf Klimakatastrophen, auf faschistische Machtübernahmen, auf Systemzusammenbrüche vorbereiten müssen, nicht erst in ein paar Jahren; und die wissen, dass sich für eine katastrophale Zukunft vorbereiten bedeutet, <em>jetzt </em>Zeit und Ressourcen in diese Vorbereitung zu investieren.</p><p><strong>Wie viele</strong>? Wir gehen von ca. 200 Teilnehmenden aus, im Schnitt 40/50 pro “Trainingsstrang”.</p><p><strong>Anmeldung/Teilnahme</strong>: wir wissen noch nicht genau, wie wir das organisieren werden, aber sagen wir&#39;s mal so, solltet Ihr Interesse haben, meldet Euch bei uns (<a href="mailto:scully@systemausfall.org">scully@systemausfall.org</a>; <a href="mailto:tm@friedlichesabotage.net">tm@friedlichesabotage.net</a>), dann kommen wir miteinander ins Gespräch. Wir wollen besonders mit Menschen reden, die nicht nur am Event selbst interessiert sind, sondern sich vorstellen können (oder am besten schon entschieden haben), mit dem Gelernten dann auch aktiv weiterzuarbeiten und zu -organisieren. Wir müssen auch davon ausgehen, dass es für so ein Projekt wie dieses nur begrenzt institutionelles Funding geben wird, weshalb wir uns auf Crowdfunding (geht bald los) und Teilnehmendenbeiträge verlassen müssen, und hoffen natürlich, dass wie letztes Jahr beim Kollapscamp &#39;25 gelten wird: wenn jemand kommen will und nicht zahlen kann, finden wir einen solidarischen Weg.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Weg, Ziel, Fehlertoleranz</strong></p><p>Unser geplantes <em>Event-ohne-Namen</em> ist der Versuch, nicht nur ein neues Thema aufzumachen, sondern eine neue Art des Aktivismus zu lernen. Eine, die weiß, dass im Kollaps mehr Risiken auf uns zukommen, dass es mehr Vorbereitung und Ausbildung braucht, als das zum Beispiel für eine klassische Ende Gelände-Aktion der Fall war. Wir wissen, dass eine Woche im September freizunehmen ein großes Commitment ist, und wir wissen, dass das vielen Menschen die Teilnahme an unserem Event unmöglich machen wird. Aber wir sind uns ziemlich sicher, dass es mittlerweile mehr als nur ein paar unter Euch gibt, die willens und in der Lage sind, dieses Commitment einzugehen. Dieses Event ist für Euch.</p><p>Wir wissen auch, dass das Event ein Experiment ist: weder Scully noch ich haben jemals mehrere mehrtägige Trainings in mehreren Feldern organisiert, in denen wir uns praktisch kaum auskennen, und obgleich die Arbeit in den jeweiligen Trainingssträngen, wo wir mit Menschen zusammenarbeiten, die sich in den meisten Fällen seit Jahren oder Jahrzehnten mit diesen Themen beschäftigen, die in manchen Fällen ganz andere Hintergründe haben, als die Menschen, mit denen wir sonst organisieren, jetzt schon sehr produktiv und strukturiert angefangen hat, wissen wir, dass wir wahrscheinlich vor allem lernen werden, was wir alles noch nicht können. Und das ist genau richtig so, denn wenn der Kollaps wirklich eine historische “Zeitenwende” darstellt, und sich sehr, sehr viel ändern wird, dann ist es auch vernünftig, davon auszugehen, dass sich “Aktivismus” ändern wird. Wie er dann aussehen wird, wissen wir nicht. Aber im September in der Alten Hölle wollen wir uns diesem Aktivismus der Zukunft ein bisschen mehr annähern.</p><p>Wenn&#39;s gut läuft, mega. Wenn&#39;s schlecht läuft, lernen wir daraus, denn die Ziele bleiben bestehen: in Katastrophen sofort praktisch handlungsfähig zu sein; die eigene und andere bedrohte Communities gegen zunehmende Bedrohungen und Angriffe zu verteidigen; solidarische Räume in der Katastrophe schaffen, und so den Rechten den Raum nehmen.</p><p>Und wer sich im Sommer die volle Kollapsbewegungsdröhnung geben will: nehmt doch beides mit! Anfang August das Kollapscamp &#39;26 in der Kuhlmühle, Im September dann das Trainingslager/Kollaps-LARP, <em>you name it (really, I mean it: please do name it</em>, wir brauchen noch gute Brainwaves :)).</p><p>Hierbei belass ich es mal, ist ja jetzt auch lang genug. Wenn Ihr Fragen zum namenlosen Event habt, meldet Euch, sollte die Antwort schon existieren, kriegt Ihr sie. Und überlegt Euch, ob dieses Event möglicherweise für Euch ist. Wenn ja: get in touch.</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Mit kollapsbewegten Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p><p></p><p></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 29 Jan 2026 11:27:57 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Venezuela, Greenland and the Global Coming Out of the Asshole Society]]></title>
      <description><![CDATA[Trump's discursive attack on Greenland shocked Europe, because suddenly, we too live in a world where things can be taken away from us, in worlds that can be broken.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/c6641b0c-a7e6-4144-8697-07201085f559/uploads/images/ucbdxiaodg/Trump_as_pennywise.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>https://www.salon.com/2016/10/30/the-monsters-we-create-on-the-creepy-clown-epidemic-stephen-kings-it-and-donald-trump/</figcaption></figure><p>22/01/2026</p><p><br/><br/></p><p>Dear friends,</p><p>Things are an absolute shitshow right now on the world stage, I mean, it’s properly kicking off. Venezuela. Greenland. The war criminals Putin and Netanyahu in a new &quot;Board of Peace&quot;. Trump in Davos as &quot;the new sheriff in town&quot;: what the fuck is happening in the world? Many commentators are talking about the &quot;end of the rules-based international order&quot;, but that&#39;s obviously not an analysis, it doesn&#39;t explain what&#39;s actually happening, it just states what no longer exists. And let&#39;s be honest: this supposed &quot;order&quot; was only ever order for some, and the &quot;rules&quot; never had universal validity, they protected some, while leaving others exposed. Nostalgia, as Canadian Prime Minister Carney quite rightly said in Davos, is not a strategy.</p><p><br/></p><h2>Trump in Venezuela: shameless imperialism</h2><p>And what does the new world political situation actually look like right now if we view it without the spectacles of privileged European nostalgia?</p><p>First, Venezuela: of course Trump invaded Venezuela for the oil, he said so clearly and explicitly (of course he also wants to distract from the Epstein Files, has to, because of MAGA and the midterms, but that&#39;s another story), but Bush also invaded Iraq for the oil, he just didn&#39;t say it quite so explicitly. The difference between then and now doesn&#39;t lie in what happened, but in how it was justified. Bush Junior still felt compelled to justify the invasion of Iraq in the language of universalist humanism, and to send Colin Powell to the UN General Assembly to lie to the world that Iraq possessed and was about to deploy weapons of mass destruction. Trump, by contrast, world champion of performative shamelessness, has absolutely no problem saying that what he&#39;s doing in Venezuela is about oil, and he&#39;s not ashamed either, rather he&#39;s delighted about publicly broadcast meetings with oil company executives where it&#39;s all about extracting and dividing up Venezuela&#39;s oil wealth. How did he put it in the first campaign? “I could shoot someone on 5th Avenue, and people would still vote for me.”</p><p>If you&#39;ve been following my work for a while, maybe even read my book, something might be ringing a bell right now: &quot;Hang on, we know this already: both behave like shit, but one talks about human rights and universalism, the other is proud to behave like an imperialist pig...&quot; Exactly: that&#39;s the difference between the “sublimation society” (<em>Verdrängungsgesellschaft</em>) and the asshole society: &quot;The sublimation society has to try to justify (its behaviour) in the language of universalist humanism. The arsehole society, by contrast, has made it a principle not to have to explain, and certainly not to have to justify itself.&quot;</p><p>What shocked us about Venezuela wasn&#39;t the fact that the US attacked a country alone, without international support (btw: even &quot;international support&quot; from one&#39;s own allies doesn&#39;t legitimise an illegal invasion), that they kidnapped the head of state, that they installed a pliable government, because they&#39;ve been doing exactly that for over 150 years – mostly with the explicit or at least tacit support of the rest of the rich world (cf. Iran 1953). What shocked us about Venezuela was the nakedness of the American imperialism (aka “Pax Americana”) on display there: of course we know it exists, and somehow we also know that our by global standards very comfortable (&quot;imperial&quot;) mode of living is somehow connected to it – but to engage in such brazenly open imperialism, as if we hadn&#39;t been pretending to the rest of the world for decades that we&#39;re now oh so reformed from our colonial and imperialist past? No no no, we don&#39;t think that&#39;s ok, we enlightened Europeans, we &quot;moral superpower&quot;, we... well, we like our imperial violence the way we like our servants at Downton Abbey: they should always be there, but never be seen.</p><h2></h2><h2>Trump outside Greenland: suddenly we&#39;re &quot;the Others&quot;</h2><p>And what&#39;s so shocking to us about the Greenland story? Obviously not the fact that the world&#39;s most powerful country wants to incorporate territories located near it, or that state borders are shifted through violence or political pressure: we act as if this never or almost never happened within our beautiful &quot;rules-based international order&quot;, but if we compare the fate of the Kurds with that of the Kosovars, for example, it becomes clear that certain groups can draw new borders through force of arms. If the group gets on well with the global powers, a way will be found to set up a state for them (for instance, after the Yugoslav war a whole series of states were newly created), whilst the Kurds have been fighting for their own state for decades but aren&#39;t allowed to have one because that doesn&#39;t fit into the current geopolitical constellation, and they simply don&#39;t have allies anywhere at the very top of the international system. A fact that&#39;s being made painfully clear again this very week, where armed group A (in this case the Islamist Hayat Tahrir al-Sham) has allies in the international system, and is therefore allowed to free IS members, whilst armed group B (the Kurdish-dominated Syrian Defence Forces) has no such allies, and can therefore be shot down, even though they were for ages the only ally of &quot;the West&quot; in the region.</p><p>No, what shocked us about Trump&#39;s discursive assault on Greenland wasn&#39;t the fact that a powerful country wants to shift borders without the consent of a less powerful country. What shocked us was the fact that imperialism is now directed <em>at Us</em>. That the rules that usually applied to &quot;the Others&quot; are now supposed to apply to Us as well. Do you remember the strange debate when it came to putting Netanyahu on trial? The ICC&#39;s chief prosecutor quoted a statement by a ‘senior Western official’ who summed up this hypocrisy perfectly: from the perspective of the rich world, the International Criminal Court is ‘meant for Africa and for rogues like Putin,’ not for the West and its allies. Well said, anonymous Western official, well said.</p><p>I&#39;d go a step further: deep in the subject construction of &quot;white Europeans&quot; and their descendants in the genocidal white settler colonies lies the fundamental assumption that there&#39;s a good, strong, clever, enlightened, progressive, let&#39;s say it, civilised &quot;Us&quot;, and a bad, weak, stupid, backward, let&#39;s say it, underdeveloped &quot;the Others&quot;. And the rules we set up were never there for everyone: they were there to impose limits on the Others, and to protect Us. This means that Trump isn&#39;t just breaking the rules of the post-WWII repression consensus that allowed &quot;the West&quot; to simultaneously feel morally good AND enjoy the benefits of imperial exploitation, but also that he&#39;s directly questioning our central identity construction: he&#39;s showing us that we&#39;re now &quot;the Others&quot; too, and that&#39;s roughly like showing a grand bourgeois that he&#39;s poor, has no status, and you could punch him in broad daylight in the middle of 5th Avenue without him being able to sanction you for it. It&#39;s not really our fears about the future that are unsettling us here (we don&#39;t even realise how much all this will change our lives) – it&#39;s the feeling that the world has come apart at the seams, because We are suddenly no longer Us but the Others. That&#39;s genuinely extremely confusing when you&#39;ve grown up in a world where this distinction is one of the most important pillars of your own reality.</p><p>_____________________________________________________</p><p><strong><em>I finance most of my political work by way of this blog, and would be grateful for your support</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Support me and my work</a></p><p>_____________________________________________________</p><h2>Trump as the rich worlds ”Id”</h2><p>I&#39;ve already said that one of the basic principles of an &quot;asshole society&quot; is not having to explain itself, not having to justify itself, not accepting any limitations on the absolute freedom of action of privileged actors. And since Donald Trump sometimes seems less like a real person than the projection of all the fears and pathologies of privileged people, I&#39;m going to treat him analytically exactly like that: seen this way, Trump is the &quot;It” (“Id” in Freud&#39;s sense, but “It” in Stephen King&#39;s sense too) of the rich world, he&#39;s what happens when overprivileged people feel too restricted, shamed, and not-treated-according-to-their-exalted-status for too long, when privileged people want to free themselves from every shackle that has been imposed on them (from their perspective, of course, illegitimately) by the rabble: &quot;Trump said the only constraint to his power as president is &#39;my own morality, my own mind. It&#39;s the only thing that can stop me&#39;.&quot;</p><p>If an asshole society is based on accepting no boundaries, no rules and laws, then Trump is the asshole society made flesh, and the fact that he&#39;s currently projecting his energies into geopolitics because of his domestic unpopularity leads to the global coming out of the asshole society, mirroring the process I analysed for Germany in 2023 (the &quot;society&quot; in question is the international system itself). And a coming out is fundamentally the self-liberation from and self-unshaming vis-a-vis norms that are imposed &quot;from outside&quot; but are quite seriously taken by the liberating subject: a process that feels powerful and empowering, regardless of whether I&#39;m carrying it out &quot;from below&quot; or &quot;from above&quot;, whether a subaltern subject is liberating itself from a relationship of domination, or a dominant subject is affirming it and saying &quot;no, there are no universal rights, I&#39;m better/worth more than you&quot;. NB: the coming out feels like liberation because it represents a step towards a life that feels more &quot;authentic&quot; and &quot;truer&quot; than what was lived before.</p><p>And if what I&#39;ve written above is correct, then one of the reasons why Europe is currently reacting to Trump in such a shocked and incoherent way is that the appearance of this walking psychopathological projection means we&#39;re confronted with our own &quot;id&quot;, our own maniacally laughing clown Pennywise living in the drainage system of the rich world: with what we are in practice – late-imperial, immoral shithole societies that actually convince themselves that one or two per cent economic growth, that 100,000 new &quot;good industrial jobs&quot; or &quot;cheap driving, meat and flying for everyone&quot; is more important than global climate protection, which until recently still meant &quot;the survival of the Others&quot; – but don&#39;t want to acknowledge in discourse. Trump is the Mr Hyde to Europe&#39;s Dr Jekyll, but remember: they&#39;re actually the same man.</p><h2></h2><h2>The end of our rules-based world</h2><p>The formerly leading (in the sense of &quot;hegemonic&quot;) state of the global North is coming out of the closet on the global level, and is admitting for the first time since sometime before the Second &quot;World War&quot; what it is, what it wants to be: in the case of the US an exterminatory settler project whose basis has always been the destruction and subjugation of other worlds. But the US only stands <em>pars pro toto</em> for the European-imperial project that subjugated one half of the world and massacred the other half for over half a millennium. And now We too are in the sights of the imperialism that only the Others used to be at the receiving end of. That&#39;s quite confusing and fundamentally also very shameful, and is therefore of course primarily sublimated.</p><p>What&#39;s being sublimated? That we too now live in a world where the narrative of universal human rights is shown to be bullshit, a bit of window dressing that we allowed ourselves to have wrested from us when, after the destruction of <em>our own </em>world in the Second World War – as I said, we usually destroy the worlds of others without problems, but the imperial centres really can&#39;t have it coming that close as it did in WWII – in a moment of weakness we legally acknowledged and enshrined what Europe had officially emphasised for several centuries but never lived: that all people have equal rights, regardless of who they are, where they live, whom they love. Where things are also taken away from Us privileged Europeans, just as we&#39;ve been taking them away from the Others for centuries. That now we too live in a world that can break down, or rather, can be broken. That not everything always gets better.</p><p>Trump hasn&#39;t destroyed the rules-based world. He&#39;s destroyed <em>our</em> rules-based world, and in doing so has shown us that we&#39;re nothing special, that we too belong to the Others. In doing so, Trump has also destroyed a bit of us, because being Us, not the Others, that&#39;s the core of the European-imperial superiority construction.</p><p>I&#39;m not grateful to him for it, but perhaps it&#39;ll help us see things a bit more realistically.</p><p>HAAAHAAAHAAA, just kidding. If what I&#39;ve written is correct, European repression is now going to increase massively, the foreign policy debate is going to get even more stupid.</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Subscribe to my blog</a></p><p><br/><br/>With late-imperial sublimation greetings,</p><p>Your Tadzio</p><p><br/></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Thu, 22 Jan 2026 09:04:11 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Venezuela, Grönland & das globale Coming Out der Arschlochgesellschaft]]></title>
      <description><![CDATA[Warum schockieren Trumps Übergriffe auf Venezuela & Grönland Europa so? Sie markieren 1. das globale Coming Out der Arschlöcher, & 2. die Herrschaft unseres eigenen "Es".]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Venezuela, Grönland und das globale Coming Out der Arschlochgesellschaft</h1><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/af19a3d1-9b3a-47b7-8776-2442eb0e0e19/uploads/images/ds25o6sjpw/Trump_as_pennywise.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt="Fotomontage eines Kopfs: die linke Hälfte ist Trumps Gesicht, die rechte Hälfte der Clown Pennywise aus der neuen Version von Stephen Kings &quot;Es&quot;"/><figcaption>https://www.salon.com/2016/10/30/the-monsters-we-create-on-the-creepy-clown-epidemic-stephen-kings-it-and-donald-trump/</figcaption></figure><p>22/01/2026<br/><br/></p><p>Liebe Leute,</p><p>auf der weltpolitischen Ebene ballert es gerade, aber so richtig. Venezuela. Grönland. Die Kriegsverbrecher Putin und Netanyahu in einem neuen “Friedensrat”. Trump in Davos als “<a href="https://www.ft.com/content/a675b8af-46b7-4f93-a616-41f0a002c22e"><em>the new sheriff in town</em></a>”: <em>what the fuck is happening in the world</em>? Viele Kommentator*innen sprechen vom “Ende der regelbasierten internationalen Ordnung”, aber das ist natürlich keine Analyse, erklärt ja nicht, was gerade passiert, es konstatiert nur, was es nicht (mehr) gibt. Und lasst uns mal ehrlich sein: diese angebliche “Ordnung” war immer nur Ordnung für manche, und die “Regeln” hatten nie universelle Gültigkeit, schützten manche, lieferten andere aus. Nostalgie, wie der kanadische Ministerpräsident Carney in Davos gerade so richtig sagte, ist keine Strategie.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Trump in Venezuela: schambefreiter Imperialismus</strong></p><p>Und wie sieht die neue weltpolitische Situation eigentlich gerade aus, wenn wir sie ohne die Brille privilegierter europäischer Nostalgie betrachten?</p><p>Zuerst nach Venezuela: klar, Trump hat Venezuela wegen des Öls überfallen, hat er ja auch klar und deutlich gesagt (natürlich auch und primär, weil er von den Epstein Files ablenken will, ablenken muss, wegen MAGA und der <em>midterms</em>, aber das ist &#39;ne andere Geschichte), aber Bush hat den Irak doch auch wegen des Öls überfallen, nur hat er das halt nicht so deutlich gesagt. Der Unterschied zwischen damals und jetzt liegt <em>nicht </em>darin, was geschehen ist, sondern darin, wie es begründet wurde. Bush Junior sah sich noch gezwungen, die Invasion des Irak in der Sprache des universalistischen Humanismus zu begründen, und Colin Powell zur UN Vollversammlung zu schicken, um der Welt vorzulügen, der Irak würde über einsatzfähige Massenvernichtungswaffen verfügen. Trump dagegen, Weltmeister der performativen Schamfreiheit, hat überhaupt kein Problem damit, zu sagen, dass es ihm in Venezuela ums Öl geht, und er schämt sich auch nicht, freut sich vielmehr, über öffentlich übertragene Meetings mit Ölfirmenchefs, in denen es darum geht, Venezuelas Ölreichtum zu fördern und aufzuteilen. Wie sagte er im ersten Wahlkampf nochmal? <em>I could shoot someone on 5th Avenue, and people would still vote for me</em>.</p><p>Wenn Ihr meiner Arbeit schon länger folgt, vielleicht sogar mein Buch gelesen habt, klingelt jetzt vielleicht etwas bei Euch: “Moment, das kennen wir schon: beide verhalten sich scheiße, aber der eine erzählt was von Menschenrechten und Universalismus, der andere ist stolz, sich wie ein imperialistisches Schwein zu verhalten...” Richtig: das ist <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/1b6ed89d-b8b8-4a66-9fca-b0c06ab810b1">der Unterschied zwischen der Verdrängungs- und der Arschlochgesellschaft</a>: “Die Verdrängungsgesellschaft muss versuchen, (Ihr Verhalten zu begründen), und zwar in der Sprache des universalistischen Humanismus. Die Arschlochgesellschaft dagegen hat es zum Prinzip erkoren, sich eben gerade nicht erklären, und schon gar nicht legitimieren zu müssen.”</p><p>Was uns an Venezuela schockierte, war <em>nicht</em> die Tatsache, dass die USA ein Land allein, ohne internationale Unterstützung angreifen (<em>btw</em>: auch “internationale Unterstützung” durch die eigenen Verbündeten macht eine illegale Invasion nicht legitim), dass sie den Staatschef kidnappen, dass sie eine ihnen genehme Regierung einsetzen, weil sie das genau so schon seit über 150 Jahren machen – meistens mit dem expliziten oder zumindest stillschweigendem Support des Rests der reichen Welt (vgl. aus gegebenem Anlass Iran 1953). Was uns an Venezuela schockierte, war die Nacktheit des dort zur Schau gestellten US-amerikanischen Imperialismus, <em>aka</em> “Pax Americana”: natürlich wissen wir, dass der existiert, und irgendwie wissen wir auch, dass unsere im globalen Schnitt sehr komfortable (“imperiale”) Lebensweise irgendwie damit zusammenhängt – aber das so ganz offen durchzuziehen, als hätten wir dem Rest der Welt nicht jahrzehntelang vorgeflunkert, wir wären jetzt ach so geläutert von unserer kolonialen und imperialistischen Vergangenheit? Neinneinnein, das finden wir nicht ok, wir aufgeklärten Europäer*innen, wir “moralische Supermacht”, wir... naja, wir mögen unsere imperiale Gewalt so, wie bei Downton Abbey die Bediensteten: sie sollen da sein, aber nicht gesehen werden.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Trump vor Grönland: plötzlich sind wir “die Anderen”</strong></p><p>Und was ist an der Grönland-Geschichte für uns so schockierend? Natürlich nicht die Tatsache, dass das mächtigste Land der Welt sich in seiner Nähe gelegene Territorien einverleiben will, oder, dass Staatsgrenzen durch Gewalt oder politischen Druck verschoben werden: wir tun zwar so, als wäre das im Rahmen unserer wunderschönen “<em>rules-based international oder</em>” nie oder fast nie geschehen, aber wenn wir das Schicksal der Kurd*innen zum Beispiel mit dem der Kosovar*innen vergleichen, dann zeigt sich, dass bestimmte Gruppen durch Waffengewalt neue Grenzen ziehen können. Wenn die Gruppe sich mit den globalen Mächten gut versteht, wird ein Weg gefunden werden, ihr einen Staat einzurichten (zum Beispiel wurden nach dem Yugoslawienkrieg eine ganze Reihe von Staaten neu geschaffen), während die Kurd*innen zwar seit Jahrzehnen für einen eigenen Staat kämpfen, aber keinen haben dürfen, weil das nicht in die geopolitische Konstellation der Gegenwart passt, und die eben keine Verbündeten irgendwo ganz oben im internationalen System haben. Eine Tatsache, die gerade diese Woche wieder schmerzhaft deutlich gemacht wird, wo bewaffnete Gruppe A (in diesem Fall die islamistische Hayat Tahrir al-Sham) Verbündete im internationalen System hat, und deswegen IS-Mitglieder befreien darf, während bewaffnete Gruppe B (die kurdisch dominierten Syrian Defence Forces) keine solchen hat, und deswegen abgeknallt werden darf, obwohl sie doch lange der einzige Verbündete “des Westens” in der Region war.</p><p>Nein, an Trumps Diskursüberfall auf Grönland hat uns nicht die Tatsache geschockt, dass ein mächtiges Land ohne Zustimmung eines weniger mächtigen Landes Grenzen verschieben will. Schockiert hat uns die Tatsache, dass sich der Imperialismus jetzt direkt gegen <em>uns</em> richtet. Dass die Regeln, die sonst für “Die Anderen” galten, jetzt auch für uns gelten sollen. Erinnert Ihr Euch an die merkwürdige Debatte, als es darum ging, Netanyahu vor Gericht zu stellen? Der Chefankläger des ICC zitierte einen Satz eines “senior Western official”, der diese Heuchelei exzellent auf den Punkt brachte: der Internationale Strafgerichtshof sei (aus der Perspektive der reichen Welt) “<a href="https://www.politico.eu/article/israel-icc-benjamin-netanyahu-arrest-warrant-war-crimes-palestine-gaza-justice-protests/">für Afrika und für Schurken wie Putin gedacht</a>”, nicht für den Westen und seine Verbündeten. Wo er recht hat…</p><p>Ich würde noch einen Schritt weitergehen: tief in der Subjektkonstruktion “weißer Europäer*innen” und ihrer Nachfahren in den in jedem Fall genozidalen weißen Siedlerkolonien liegt die fundamentale Annahme, dass es ein gutes, starkes, kluges, aufgeklärtes, fortschrittliches, <em>let&#39;s say it</em>, <em>zivilisiertes</em> “Wir” gibt, und ein schlechtes, schwaches, dummes, zurückgebliebenes, <em>let&#39;s say it</em>, unterentwickeltes “Die Anderen”. Und die Regeln, die wir aufgestellt haben, die waren nie für Alle da: die waren da, um Den Anderen Grenzen aufzuerlegen, und um Uns zu schützen. Das bedeutet, dass Trump nicht nur die Regeln des <em>post</em>-WWII-Verdrängungskonsenses bricht, der es “dem Westen” erlaubte, sich gleichzeitig moralisch gut zu fühlen, UND die <em>benefits</em> imperialer Ausbeutung zu genießen, sondern auch, dass er ganz direkt unsere zentrale Identitätskonstruktion in Frage stellt: er zeigt uns, dass wir jetzt auch “Die Anderen” sind, und das ist ungefähr so, als würdest Du einem Großbürger zeigen, dass er arm ist, keinen Status hat, und Du ihn bei hellichten Tage mitten auf der 5th Avenue eine reinhauen dürftest, ohne, dass er Dich dafür sanktionieren könnte. Es sind gar nicht so sehr unsere Zukunftsängste, die uns hier verunsichern (wir machen uns gar nicht klar, <em>wie</em> sehr all dies unsere Leben verändern wird) – es ist das Gefühl, dass die Welt aus den Fugen geraten ist, denn Wir sind plötzlich nicht mehr Wir, sondern Die Anderen. Das ist wirklich <em>extrem </em>verwirrend, wenn man in einer Welt aufgewachsen ist, in der diese Unterscheidung einer der wichtigsten Stützpfeiler der eigenen Realität ist.</p><p><br/>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________<br/><br/></p><p><strong>Trump als das “Es” der reichen Welt</strong></p><p>Ich habe schon gesagt, dass eines der Grundprinzipien einer “Arschlochgesellschaft” ist, sich nicht erklären, nicht begründen zu müssen, keine Begrenzungen der absoluten Handlungsfreiheit privilegierter Akteure zu akzeptieren. Und da Donald Trump manchmal weniger eine echte Person zu sein scheint, als die Projektion aller Ängste und Pathologien privilegierter Menschen, werde ich ihn hier analytisch mal genau so behandeln: so gesehen ist Trump das “Es” (im Sinne Freuds, aber auch ein bisschen im Sinne Stephen Kings) der reichen Welt, er ist das, was passiert, wenn zu privilegierte Menschen sich zu lang zu eingeschränkt, beschämt, und nicht-ihrem-erlauchten-Status-entsprechend behandelt fühlen, wenn privilegierte Menschen sich aus irgendwelchen Fesseln befreien wollen, die ihnen (aus ihrer Perspektive natürlich illegitimerweise) vom Pöbel auferlegt wurden: <strong>“</strong><a href="https://www.theguardian.com/us-news/2026/jan/08/trump-administration-news-latest-updates-today">Trump said the only constraint to his power as president is &#39;my own morality, my own mind. It’s the only thing that can stop me&#39;</a>.”</p><p>Wenn die Arschlochgesellschaft darauf beruht, keine Grenzen, keine Regeln und Gesetze zu akzeptieren, dann ist Trump also die fleischgewordene Arschlochgesellschaft, und die Tatsache, dass er seine Energien wegen seiner <em>domestic unpopularity </em>gerade in die Geopolitik projiziert, führt zum globalen <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/35a6c56d-380c-49b6-ae88-cbebf595706d">Coming Out der Arschlochgesellschaft</a>, spiegelbildlich mit dem Prozess, den ich 2023 für Deutschland analysierte (die “Gesellschaft”, um die es geht, ist das internationale System selbst). Und ein coming out ist im Grunde die Selbstbefreiung von und Selbstentschämung gegenüber Normen, die “von außen” auferlegt, aber vom sich befreienden Subjekt durchaus ernstgenommen werden: ein Prozess, der sich wuchtig und ermächtigend anfühlt, egal, ob ich den “von unten” oder “von oben” durchführe, ob sich ein subalternes Subjekt aus einer Herrschaftsbeziehung befreit, oder ein dominantes Subjekt diese affirmiert und sagt “nein, es gibt keine universellen Rechte, ich bin besser/mehr wert, als Du”. Wichtig: das Coming Out fühlt sich wie eine Befreiung an, weil es einen Schritt zu einem Leben darstellt, dass sich “authentischer” und “wahrer” anfühlt, als das, was davor gelebt wurde.</p><p>Und wenn das stimmt, was ich oben geschrieben habe, dann ist einer der Gründe, warum in Europa gerade so schockiert und inkohärent auf Trump reagiert wird, der, dass das Auftauchen dieser wandelnden Psychopathologieprojektion dazu führt, dass wir mit unserem eigenen “Es”, unserem eigenen im Abflusssystem der reichen Welt lebenden manisch lachenden Clown Pennywise konfrontiert werden: mit dem, was wir in der Praxis zwar sind – spätimperiale, unmoralische <em>shithole societies</em>, die sich doch tatsächlich einreden, dass ein, zwei Prozent Wirtschaftswachstum, dass 100.000 neue “gute Industriejobs” oder “billig Fahren, Fleisch und Fliegen für Alle” wichtiger ist, als der globale Klimaschutz, was bis vor kurzem noch hieß “das Überleben der Anderen – aber im Diskurs nicht anerkennen wollen. Trump ist der Mr. Hyde zu Europas Dr. Jekyll, aber Ihr wisst: die sind eigentlich der selbe Mann.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Das Ende <em>unserer </em>regelbasierten Welt</strong></p><p>Der ehedem führende (im Sinne von “hegemoniale”) Staat des globalen Nordens kommt auf der globalen Ebene aus dem Schrank, und steht zum ersten Mal seit irgendwann noch vor dem 2. “Weltkrieg” zu dem, was er ist, was er sein will: im Falle der USA ein exterminatorisches Siedlerprojekt, dessen Basis schon immer die Zerstörung und Unterwerfung anderer Welten war. Aber die USA stehen da nur <em>pars pro toto </em>für das europäisch-imperiale Projekt, dass sich vor einem halben Jahrtausend die eine Hälfte der Welt unterwarf, und die andere Hälfte massakrierte. Und jetzt stehen auch WIR im Visier des Imperialismus, den sonst nur Die Anderen abbekommen haben. Das ist ziemlich verwirrend und im Grunde auch sehr beschämend, und wird deswegen natürlich vor allem verdrängt.</p><p>Was wird verdrängt? Dass jetzt auch Wir in einer Welt leben, in der die Erzählung universeller Menschenrechte Makulatur ist, ein bisschen <em>window dressing</em>, das wir uns abringen ließen, als wir nach der Zerstörung <strong>unser eigenen Welt </strong>im zweiten Weltkrieg – üblicherweise zerstören wir, wie gesagt, ohne Probleme die Welten anderer, aber so nah im 2. WK darf das den imperialen Zentren bitte nicht mehr kommen – in einem Moment der Schwäche mal rechtlich anerkennen und verbriefen ließen, was Europa zwar schon seit mehreren Jahrhunderten offiziell betonte, aber nie lebte: dass alle Menschen gleiche Rechte haben, egal, wer sie sind, wo sie leben, wen sie lieben. In der auch Uns privilegierten Europäer*innen Dinge weggenommen werden, wie wir sie seit Jahrhunderten Den Anderen wegnehmen. Dass jetzt auch Wir in einer Welt leben, die kaputtgehen, oder vielmehr, kaputtgemacht werden kann. Dass nicht alles immer besser wird.</p><p>Trump hat nicht <em>die</em> regelbasierte Welt zerstört. Er hat <em>unsere</em> regelbasierte Welt zerstört, und hat uns dabei noch gezeigt, dass wir nichts besonderes sind, dass auch Wir zu Die Anderen gehören. Trump hat damit auch ein bisschen Uns zerstört, denn Wir zu sein, nicht Die Anderen, das ist der Kern der europäisch-imperialen Überlegenheitskonstruktion.</p><p>Ich bin ihm dafür nicht dankbar, aber vielleicht hilft es uns ja, die Dinge ein bisschen realistischer zu sehen.</p><p>HAAAHAAAHAAA, war nur&#39;n Witz. Wenn das stimmt, was ich geschrieben habe, wird die europäische Verdrängung jetzt erstmal massiv ansteigen, die außenpolitische Debatte noch dümmer werden.</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Mit spätimperialen Verdrängungsgrüßen,</p><p>Euer Tadzio</p><p><br/><br/></p><p><br/><br/></p><p><br/><br/></p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 22 Jan 2026 07:11:35 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[After the Berlin Blackout: The Many Faces of Solidarity Prepping]]></title>
      <description><![CDATA[Beyond just "grassroots prepping": when prepping, it is important to think in terms of scenarios: if disaster A occurs, what specific threat B arises for actor/person C?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/debef94c-927e-482a-a9bd-4b9ece107d16/uploads/images/wtsb7phrnj/preppa_tillsammans.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Illustration: Marcus Vildir/Preppa Tillsammans</figcaption></figure><p>15/01/2026</p><p></p><p></p><p>Dear friends,</p><p>It&#39;s week 1 after a multi-day sabotage-induced blackout in parts of the German capital, and suddenly it feels as though everyone is talking about prepping. The Guardian quotes a retired nurse in <a href="https://www.theguardian.com/world/2026/jan/07/how-is-it-possible-berliners-demand-answers-after-sabotage-causes-blackout">an article about Berlin&#39;s reactions to the blackout </a>with these words: &quot;&#39;It turns out (my husband) has been doing his own prepping. Everyone in Germany is doing it these days. And why wouldn&#39;t you? The difference to just a short while ago is that most readily admit it now without fear of ridicule.&quot;</p><p><br/><br/></p><p><strong>Everyone&#39;s talking about prepping</strong></p><p><em>Everyone is doing it, and most … admit it not without fear of ridicule</em>. <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/dc3460ff-8be1-40a7-a68d-7243ca32d0a3">I wrote in June </a>that &quot;we&#39;ve ... managed in recent months to finally wrench the concept of &#39;prepping&#39; from the stranglehold of that incredibly unproductive framing whereby you must be a right-wing crazy person if you&#39;re thinking about practically preparing yourself for catastrophes and system collapses.&quot; But since the blackout, the debate about catastrophe preparation has really arrived in the mainstream, and it was probably to be expected that the trigger would be a severe catastrophe that deeply encroached upon the everyday normality of people who are, on a global scale, rather spoilt for stability, one that for several days demonstrated this simple truth: <strong>regardless of which major catastrophe hits us, we&#39;re probably not adequately prepared for it, and a lack of preparation for catastrophes means concrete suffering. (</strong>This statement holds true on average at every level, from the state level right down to the individual one.)</p><p>Although this week is really quite busy because we&#39;ve now properly started work on our &quot;collapse training camp/LARP/scenario game&quot; (sorry for the unclear nomenclature, we&#39;re still searching for the perfect name ;)), I thought to myself: if everyone is already talking about prepping, including those who otherwise wouldn&#39;t engage with this somehow still rather uncomfortable topic at all, then it makes sense to go a bit deeper right here and now, and examine more closely what kinds of prepping exist, and above all, what different varieties of &quot;Solidarity Prepping&quot; exist or at least could exist.</p><p><br/><br/></p><p><strong>&quot;Is this Solidarity Prepping yet?&quot;</strong></p><p>This line of enquiry was inspired by a very productive discussion with Ulrich Brand in Jena last year, where Brand, following my criticism of the excessively hesitant and far too optimistic political approaches of many left-wing comrades, described through various aspects of his academic work at the University of Vienna as anti-fascist prepping, in the sense of: &quot;My colleagues and I are trying, together with students, to ensure that the university can&#39;t immediately be taken over by the fascists in the event an FPÖ &#39;People&#39;s Chancellor&#39; Kickl comes to power.&quot; His entirely understandable question &quot;isn&#39;t that also Solidarity Prepping?&quot; I honestly answered (in fact: stumbled through) with &quot;erm, I think... well, yes, that&#39;s left-wing prepping, but perhaps it&#39;s something different from &#39;Solidarity Prepping?&#39;&quot;. I had a similar experience with two other questions, firstly: &quot;What does &#39;anti-fascist prepping&#39; actually look like if I&#39;m, for example, an NGO?&quot;, and secondly &quot;How can I talk to my colleagues at work about &#39;prepping&#39;?&quot;</p><p>All this relative cluelessness on my part showed me that we&#39;ve now reached a point in the debate and the development of a “just collapse movement&quot; where it&#39;s necessary to look into the category &quot;Solidarity Prepping” in somewhat more depth. Because originally the idea of solidarity prepping first served as a discursive tool, it was meant to create space for a left-wing discussion about catastrophe preparation, rather than always dismissing it as &quot;right-wing devil&#39;s work&quot;. This space is now open, and in more and more left-wing and climate debates people are discussing what concretely needs to be done, what the idea of Solidarity Prepping could look like in reality.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Solidarity Prepping beyond the grassroots</strong></p><p>I took the first step in this increasingly necessary process of distinction in Jena too, when someone from the audience suggested describing the kind of prepping I mainly talk about as &quot;grassroots prepping&quot;, as a kind of prepping that closely corresponds to the modes of practice of left-wing and radical-left subcultures: organising in &quot;activist&quot; groups, usually on the basis of shared convictions or friendships. That is, admittedly, quite a good description of most kinds of &quot;Solidarity Prepping&quot; I&#39;ve talked about so far, perhaps with the exception of solidaristic organising amongst HIV-positive people, which is one of my oft-recurring themes.</p><p>And if we understand &quot;grassroots prepping&quot; as a subcategory of Solidarity Prepping, what other categories, that is to say, solidaristic possibilities for action in catastrophe can we still imagine?</p><p>Connecting to Ulli Brand&#39;s narrative, I&#39;d start with institutional prepping (in his case: academic prepping): &quot;prepping&quot; basically just means &quot;preparing&quot;, so &quot;institutional prepping&quot; must = preparation of institutions for catastrophe situations. And for which catastrophe situations? Before the blackout I mainly distinguished between fascism- and climate-collapse-induced catastrophes (fascism is its own form of catastrophe), but would now add &quot;system failures of all kinds and provenance&quot;.</p><p>How could people in an institution, for example, prepare themselves in solidarity for a fascist seizure of power? Without claiming completeness or sensible arrangement (&quot;arranged by relevance and urgency&quot;), here are a few thoughts on this.</p><p><br/><br/></p><p><strong>E.g.: institutional/anti-fascist prepping</strong></p><p>Question: what goal should institutional prepping pursue? Two answers seem obvious to me here. Firstly, any form of Solidarity Prepping should always have the safety of marginalised and therefore particularly endangered (migrantised, ethnicised, queer, read-as-female, etc.) persons and groups in view, which in the case of an institution means that it must ask itself how it particularly protects people active within it who are particularly at risk. Who that is, and whether/to what extent they need &quot;protection&quot; or support, will always depend on the individual case, but every institution should ask itself the question. Secondly, every institution must try to protect itself from a fascist takeover, so as to guarantee its ability to function: in other words, institutional self-protection and priority protection of endangered persons.</p><p>Allow me here to simply brainstorm a bit further, thinking always works best whilst writing: I recently spoke with someone from <em>Deutsche AIDS Hilfe</em>, which is 80-90% financed from federal funds, and asked whether there were preparations there for the scenario &quot;100% loss of all state funding&quot;, a scenario that wouldn&#39;t be particularly unlikely in the event of an AfD seizure of power. One form of &quot;institutional self-protection&quot; would therefore be to think about finances and work out emergency plans, a kind of institutional triage: which elements of our work do we consider central in the sense of a democratic-anti-fascist society, how can we maintain these when the fascist catastrophe is here?</p><p>Important in prepping is thinking in scenarios: if catastrophe A, which concrete threat B arises for actor/person C? If, for example, a heatwave strikes Berlin... could universities, for instance, with their huge lecture halls and catacombs be equipped and offered as cooling spaces? In the event of a cold snap, transport companies could offer their rolling stock as warming buses and trains.</p><p>So: put the safety of particularly threatened people and groups in focus; engage in scenario planning; tap into and stabilise non-state financing sources; &quot;institutional triage&quot;: which part of institutional work must continue, which can drop away first?; protect the institution from takeover by the fascists. Those would be a few elements of &quot;institutional/anti-fascist prepping&quot; that occur to me off the top of my head.</p><p><br/>_____________________________________________________</p><p><strong><em>I finance most of my political work by way of this blog, and would be grateful for your support</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Support me and my work</a></p><p>_____________________________________________________<br/></p><p><strong>Other kinds of prepping</strong></p><p>If you&#39;ll forgive the somewhat disorganised stringing together of my thoughts in this text, I&#39;d carry on in exactly this style and finish the article with a few brief notes on non-fascist but also not &quot;solidaristic&quot; modes of prepping.</p><p>Firstly, apropos &quot;individual prepping&quot;: even though we SoliPreppers keep emphasising that it&#39;s about relationships, not supplies, it&#39;s a really good idea to build up supplies, also because that means one can share these in an emergency. Wolf and I have spent a bit of money and bought ourselves a power bank the size of a car battery, in order to be able to supply not only ourselves but also our neighbours with electricity in an emergency. Those who can help themselves can also help others, and one&#39;s own preparation can be good preparation for collective preparation. Just don&#39;t start hoarding.</p><p>Secondly, state prepping: I&#39;ve largely ignored this so far, and dismissed it with the &quot;argument&quot; &quot;there&#39;ll be less money for it in future anyway&quot;, even though quite a lot is happening there, e.g.: &quot;<a href="https://www.ft.com/content/18d75e20-b63e-4f47-8f63-58c0cc4bca22">Governments are hoarding rice and grain as insurance against a world they increasingly view as unstable</a>.&quot; How and where the state invests in desaster relief is of central importance: if people don&#39;t watch and control and push and pull, state desaster relief institutions will be gutted like in the USA, their help will only go to the good dogs of the Führer, whilst the bad, bad dogs e.g. in left-wing cities or states (ok, looking too much at the USA maybe – then again, it IS our future) get nothing. That is: developing political strategies to influence public desaster relief institutions and processes would be, where possible, an important part of the political work of a solidaristic collapse movement. Here I&#39;m not entirely sure how this connects with my thesis about politics becoming increasingly uninfluenceable from the left, and will get back to you on that.</p><p>Thirdly, workplace prepping: this thought too, the last substantive one in this text, arose from the very productive discussion in Jena, when a trade union activist with whom I&#39;ve had solidaristic arguments about the climate justice question on and off over the past 1.5 decades challenged me to come into a few IG Metall workplaces and talk about precisely these questions – preparation for climate- or fascism-induced catastrophes – because he believed the colleagues could well be open to it. Here I don&#39;t want to speculate for now, I&#39;m simply looking forward to conversations with workplace activists about possible kinds of &quot;workplace/trade union prepping&quot;.</p><p><br/></p><p><strong>Closing remark</strong></p><p>You see, the whole text isn&#39;t really thought through yet – it&#39;s rather part of what my therapist currently likes to call &quot;search movement&quot;, my attempt to map the new terrain in which we find ourselves, to explore its possibilities, pitfalls and shallows. He means by this, btw, that I should have fewer conflicts in my life and my work, and I promise, I&#39;m working on it. In this case, though, I meant the search movement in the new &quot;collapse space&quot;, in which we&#39;re only just beginning to understand what&#39;s actually possible.</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Subscribe to my blog</a></p><p>With ever-prepared greetings,</p><p>Your Tadzio</p><p><br/></p>]]></content:encoded>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Thu, 15 Jan 2026 09:27:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Nach dem Stromausfall: die vielen Gesichter des Katastrophen-Preppen]]></title>
      <description><![CDATA[Nach dem Stromausfall reden Alle vom Preppen. Anlass, die "SoliPreppen"-Strategie zu konkretisieren: wie könnte "antifaschistisches"/"institutionelles Preppen" aussehen?]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f5e947f9-befe-4a36-975e-d5720fe4dcd8/uploads/images/ymvfiaebsk/preppa_tillsammans.png?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Illustration: Marcus Vildir/Preppa Tillsammans</figcaption></figure><p>15/01/2026</p><p></p><p><br/></p><p>Liebe Leute,</p><p>es ist Woche 1 nach einem mehrtägigen sabotagebedingten Stromausfall in der Bundeshauptstadt, und plötzlich fühlt es sich so an, als redeten Alle vom Preppen. Der Guardian zum Beispiel zitiert in einem <a href="https://www.theguardian.com/world/2026/jan/07/how-is-it-possible-berliners-demand-answers-after-sabotage-causes-blackout">Artikel über Berliner Reaktionen auf den Stromausfal</a>l eine verrentete Krankenschwester mit diesen Worten: “&#39;<em>It turns out (my husband) has been doing his own </em><strong><em>prepping</em></strong><em>. Everyone in Germany is doing it these days. And why wouldn’t you? The difference to just a short while ago is that most readily admit it now without fear of ridicule.</em>”</p><p><br/><br/></p><p><strong>Alle reden vom Preppen</strong></p><p><em>Everyone is doing it</em>, und <em>most … admit it not without fear of ridicule</em>. <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/dc3460ff-8be1-40a7-a68d-7243ca32d0a3">Ich schrieb schon im Juni,</a> dass “wir ... es in den vergangenen Monaten geschafft (haben), den Begriff des “Prepping” endlich aus der Umklammerung jenes wahnsinnig unproduktiven Framings zu reißen, dementsprechend rechte <em>crazy person</em> sein muss, wer darüber nachdenkt, sich auf Katastrophen und Systemzusammenbrüche praktisch vorzubereiten.” Aber seit dem Stromausfall ist die Debatte über Katastrophenvorbereitung wirklich in der breiteren Gesellschaft angekommen, und es war wohl zu erwarten, dass der Auslöser eine heftige Katastrophe sein würde, die tief in die Alltagsnormalität im globalen Maßstab ziemlich stabilitätsverwöhnter Menschen eingriff, der für mehrere Tage diese einfache Wahrheit demonstrierte: <strong>egal, welche größere Katastrophe uns trifft, wir sind darauf wahrscheinlich nicht adäquat vorbereitet, und mangelnde Vorbereitung auf Katastrophen bedeutet konkretes Leid</strong>. (Dieses Statement gilt im Schnitt auf jeder Ebene, von der staatlichen bis ganz runter zur individuellen.)</p><p>Obwohl diese Woche wirklich ziemlich busy ist, weil wir jetzt so richtig mit der Arbeit an unserem “Kollaps-Trainingslager/LARP/Szenarienspiel” (sorry für die unklare Nomenklatur, wir suchen noch nach dem perfekten Namen ;)) angefangen haben, dachte ich mir: wenn schon Alle vom Preppen reden, also auch diejenigen, die sich sonst überhaupt nicht mit diesem irgendwie dann doch auch unangenehmen Thema auseinandersetzen, dann macht es doch Sinn, genau hier jetzt ein bisschen in die Tiefe zu gehen, und genauer zu untersuchen, welche Arten des Preppen, und vor allem, welche verschiedenen Spielarten des “SoliPreppen” es gibt oder zumindest geben könnte.</p><p><br/><br/></p><p>“<strong>Ist das schon SoliPreppen?”</strong></p><p>Inspiriert ist diese Fragestellung von einer sehr produktiven Diskussion mit Ulrich Brand in Jena vergangenes Jahr, wo Brand nach meiner Kritik an den zu “abwartenden” und viel zu optimistischen Politikansätzen vieler linker Genoss*innen verschiedene Aspekte seiner akademischen Arbeit an der Uni Wien als antifaschistisches Preppen durchdeklinierte, im Sinne von: “Meine Kolleg*innen und ich versuchen zusammen mit Studierenden, dafür zu sorgen, dass die Universität im Falle eines FPÖ-&#39;Volkskanzlers&#39; Kickl nicht sofort von den Faschisten übernommen werden kann.” Seine völlig nachvollziehbare Frage “ist das nicht auch SoliPrepping?” beantwortete (verstolperte) ich an dem Punkt ehrlicherweise mit “ähm, ich glaube... also, ja, das ist linkes Prepping, vielleicht ist es aber was anderes, als &#39;SoliPreppen?&#39;”. Ähnlich ging es mir mit zwei anderen Fragen, erstens: “Wie sieht denn eigentlich &#39;antifaschistisches Preppen&#39; aus, wenn ich zum Beispiel eine NGO bin?”, und zweitens “Wie kann ich mich denn mit meinen Kolleg*innen im Betrieb über &#39;Preppen&#39; unterhalten?”</p><p>All diese relative (und relativ ungewöhnliche) Sprachlosigkeit meinerseits zeigte mir, dass wir mittlerweile an einem Punkt in der Debatte und der Entwicklung einer solidarischen “Kollapsbewegung” angekommen sind, an dem es notwendig ist, die Kategorie “SoliPreppen” konkreter auszudifferenzieren. Denn ursprünglich diente die Idee des solidarischen Preppen erstmal als Diskurswerkzeug, sie sollte Raum für eine linke Diskussion über Katastrophenvorbereitung, anstatt diese immer als “rechtes Teufelszeug” abzutun. Dieser Raum ist nun geöffnet, und in immer mehr linken und Klimadebatten wird darüber diskutiert, was denn nun konkret zu tun sei, wie die Idee des “solidarischen Preppen” in der Realität aussehen könnte.</p><p><br/></p><p><strong>SoliPreppen ausdifferenziert</strong></p><p>Der erste Schritt in dieser immer notwendigeren Unterteilung wurde mir ebenfalls in Jena vorgeschlagen, als ein Mensch aus dem Publikum in die Diskussion über “was ist eigentlich SoliPreppen” hinein den Vorschlag machte, die Art des Preppen, von der ich hauptsächlich rede, als “Grasswurzel-Preppen” zu bezeichnen, als eine Art des Preppens, die sich eng an den Praxismodi linker und linksradikaler Subkulturen orientiert: sich in “aktivistischen” Gruppen organisieren, meist auf der Basis geteilter Überzeugungen oder Freundschaften. Das ist, zugegebnermaßen, eine ziemlich gute Beschreibung der meisten Arten von “SoliPreppen”, über die ich bisher gesprochen habe, vielleicht mit der Ausnahme der solidarischen Organisierung unter HIV-Positiven, die eines meiner oft wiederkehrenden Themen ist.</p><p>Und wenn wir “Grasswurzel-Preppen” als <em>Unterkategorie</em> des SoliPreppen verstehen, welche anderen Kategorien, will sagen, solidarische Handlungsmöglichkeiten in der Katastrophe können wir uns denn noch vorstellen?</p><p>Andockend and Ulli Brands Erzählung würde ich mal institutionellem Preppen (in seinem Fall: akademisches Preppen) anfangen: “preppen” heißt im Grunde einfach nur “vorbereiten”, also muss “institutionelles Preppen” = Vorbereitung einer Institutionen auf Katastrophensituationen bedeuten. Und auf welche Katastrophensituationen? Vor dem Stromausfall habe ich vor allem zwischen faschismus- und klimakollapsbedingen Katastrophen unterschieden (der Faschismus ist seine eigene Form der Katastrophe), würde jetzt aber noch “Systemausfälle aller Art und Provenienz” hinzufügen.</p><p>Wie könnten Menschen in einer Institution sich zum Beispiel solidarisch auf eine faschistische Machtübernahme vorbereiten? Ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder sinnhafte Anordnung (“arrangiert nach Relevanz und Dringlichkeit”) hier ein paar Gedanken dazu.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Z.B.: institutionelles/antifaschistisches Preppen</strong></p><p>Frage: welches Ziel sollte institutionelles Preppen verfolgen? Zwei Antworten scheinen mir hier nahezuliegen. Erstens sollte jegliche Form solidarischen Preppens als zentrales Prinzip immer die Sicherheit marginalisierter und deshalb besonders gefährdeter (migrantisierter, ethnisierter, queerer, weiblich gelesener, etc.) Personen und Gruppen im Blick haben, was im Fall einer Institution bedeutet, dass diese sich fragen muss, wie sie in ihr aktive Menschen mit besonderer Gefährdung besonders schützt. Wer das ist, und ob/inwiefern sie “Schutz” oder Support brauchen, wird immer vom Einzelfall abhängen, aber die Frage sollte sich jede Institution stellen. Zweitens muss jede Institution versuchen, sich vor einer faschistischen Übernahme zu schützen, um so ihre Arbeitsfähigkeit zu garantieren: also, institutioneller Selbstschutz und vorrangiger Schutz gefährdeter Personen.</p><p>Erlaubt mir hier bitte, einfach ein bisschen weiter zu brainstormen, denken geht beim Schreiben immer am besten: ich sprach kürzlich mit einer Person aus der Deutschen AIDS-Hilfe, die zu 80-90% aus Bundesmitteln finanziert wird, und fragte, ob es dort Vorbereitungen auf das Szenario “100%iger Wegfall aller staatlichen Förderung” gäbe, ein Szenario, das im Fall einer AfD-Machtübernahme gar nicht besonders unwahrscheinlich wäre. Ich will hier nicht im Detail die Antwort wiedergeben, kann aber zumindest berichten, das ein interessantes Gespräch daraus entstand. Eine Form des “institutionelles Selbstschutz” wäre es also, sich über Finanzen Gedanken zu machen, und Notfallpläne zu erarbeiten, eine Art institutioneller Triage: welche Elemente unserer Arbeit halten wir für zentral im Sinne einer demokratisch-antifaschistischen Gesellschaft, wie können wir diese aufrechterhalten, wenn die faschistische Katastrophe da ist?</p><p>Wichtig beim Preppen ist das Denken in Szenarien: wenn Katastrophe A, welche konkrete Bedrohung B entsteht da für Akteur/Person C? Wenn zum Beispiel eine Hitzewelle in Berlin zuschlägt... könnten da zum Beispiel Universitäten mit ihren riesigen Hörsälen und Katakomben als Kühlungsräume ausgestattet und angeboten werden? Im Falle eines Kälteeinbruchs könnten Verkehrsbetriebe ihren “rolling stock” als Wärmebusse und -bahnen anbieten.</p><p>Also: die Sicherheit besonders bedrohter Menschen und Gruppen in den Fokus stellen; Szenarioplanung betreiben; nichtstaatliche Finanzierungsquellen erschließen und stabilisieren; “institutionelle Triage”: welcher Teil der institutionellen Arbeit <strong>muss </strong>weiterlaufen, welche können zuerst wegfallen?; Schutz der Institution vor Übernahme durch die Faschos. Das wären ein paar Elemente “institutionellen/antifaschistischen Preppens”, die mir auf die Schnelle einfallen.</p><p><br/>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________<br/></p><p><strong>Andere Arten des Preppen</strong></p><p>Wenn Ihr mir die etwas unorganisierte Aneinanderreihung meiner Gedanken in diesem Text verzeiht, würde ich gleich in diesem Stil weitermachen, und den Artikel mit ein paar kurzen Notizen zu nicht-faschistisch aber auch nicht “solidarischen” Modi des Preppens zu Ende zu bringen.</p><p>Erstens, apropos “individuelles Preppen”: auch wenn wir SoliPrepper*innen immer wieder betonen, dass es um Beziehungen geht, nicht um Vorräte, <a href="https://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/stromausfall-so-wappnen-sie-sich-fuer-notfaelle-a-8916c2e0-f48b-4633-8d99-cc87f0453264">ist es eine echt gute Idee, sich Vorräte anzulegen</a>, auch, weil das bedeutet, dass mensch diese im Notfall teilen kann. Wolf und ich haben ein bisschen Geld in die Hand genommen, und haben uns eine Powerbank von der Größe einer Autobatterie gekauft, um im Notfall nicht nur uns, sondern auch unsere Hausnachbar*innen mit Strom versorgen zu können. Wer sich helfen kann, kann auch anderen helfen, und die eigene Vorbereitung kann gute Vorbereitung für die kollektive Vorbereitung sein. Fangt halt nur nicht an, zu horten.</p><p>Zweitens, staatliches Preppen: hab ich bisher ziemlich mit Ignoranz gestraft, und mit dem “Argument” “da wird&#39;s in Zukunft eh weniger Geld geben” abgetan, obwohl sich da einiges tut, z.B.: “<a href="https://www.ft.com/content/18d75e20-b63e-4f47-8f63-58c0cc4bca22"><em>Governments are hoarding rice and grain as insurance against a world they increasingly view as unstable</em></a>.” Wie und wo der Staat in Katastrophenvorbereitung investiert ist von zentraler Wichtigkeit: wenn nicht hingeschaut und kontrolliert und gedrückt und gezogen wird, werden staatliche Katastrophenschutzinstitutionen wie in den USA geschleift werden, ihre Hilfe wird nur noch den <em>good dogs</em> des Führers zukommen, während die <em>bad, bad dogs</em> zB in linken Städten oder Bundesstaaten (<em>ok, looking too much at the USA maybe – then again, it IS our future</em>) nichts bekommen. D.h.: politische Strategien zu entwickeln, um staatliche Katastrophenhilfeinstitutionen und -prozesse zu beeinflussen wäre, sofern möglich, ein wichtiger Teil der <em>politischen Arbeit</em> einer solidarischen Kollapsbewegung. Hier bin ich mir nicht ganz sicher, wie das mit meiner These von der zunehmend von links nicht mehr beeinflussbaren Politik zusammenhängt, <em>and will get back to you on that</em>.</p><p>Drittens, betriebliches Preppen: auch dieser Gedanke, der letzte substantielle in diesem Text, entstand aus der sehr produktiven Diskussion in Jena, als ein Gewerkschaftsaktivist, mit dem ich mich in den letzten 1,5 Jahrzehnten immer mal wieder solidarisch über die Klimagerechtigkeitsfrage gestritten habe, mich herausforderte, mal in ein paar IG Metall-Betriebe zu kommen, und genau über diese Fragen – Vorbereitung auf klima- oder faschobedingte Katastrophen – zu sprechen, weil er glaube, die Kolleg*innen könnten dafür durchaus offen sein. Hier will ich, aufgrund historisch gewachsener betriebs- und gewerkschaftsferne, erstmal nicht spekulieren, ich freue mich auf Gespräche mit betrieblichen Aktivist*innen über mögliche Arten “betrieblichen/gewerkschaftlichen Preppens”.</p><p><br/></p><p></p><p><strong>Schluss jetzt</strong></p><p>Ihr seht, der ganze Text ist noch nicht wirklich fertiggedacht – er ist eher Teil dessen, was mein Therapeut zur Zeit gerne “Suchbewegung” nennt, meinen Versuch, das neue Terrain, in dem wir uns befinden, abzuschreiten, seine Möglichkeiten, Fallstricke und Untiefen zu erkunden. Er meint damit, btw, dass ich mal weniger Konflikte in meinem Leben und meiner Arbeit haben sollte, und ich verspreche, ich arbeite daran. In diesem Fall meinte ich aber die Suchbewegung im neuen “Kollaps-Space”, in dem wir gerade erst anfangen, zu verstehen, was eigentlich möglich ist.</p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p>Mit allzeit vorbereiteten Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 15 Jan 2026 07:29:12 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Brandanschlag, “Friedliche Sabotage”, solidarisches Preppen  ]]></title>
      <description><![CDATA[In Berlin wird ein Anschlag verübt, der zu einem gigantischen Stromausfall führt, & alle diskutieren die Schuldfrage. Dabei gibt es viel spannenderes daraus zu lernen...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>“Friedliche Sabotage”, solidarisches Preppen und der Brandanschlag in Berlin</h1><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/ecabfb98-7427-4932-ab77-8cd9c95d651b/uploads/images/wywtav7tpm/stromausfall_nachbarschaftshilfe.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Foto: Michael Ukas/dpa. https://taz.de/Notunterkunft-nach-Stromausfall/!6142933/</figcaption></figure><p>8/1/25</p><p></p><p></p><p>Liebe Leute,</p><p>wie schon letztes Jahr hatte ich gehofft, dass ich nach einer mehr oder minder erholsamen Weihnachtspause – ich habe viel Zeit in einer Art kassandrischem Selbstmitleid verbracht, das mich selbst ziemlich genervt hat, aber dazu ein andermal – einen geruhsamen Wiedereinstieg in die Politarbeit haben könnte, aber die Realität einer Welt im Kollaps hat mir wieder mal einen Strich durch die Rechnung gemacht.</p><p>Zuerst kam der amerikanische Überfall auf Venezuela, der – hat tip Jan Leidecker – eine Art globales <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/35a6c56d-380c-49b6-ae88-cbebf595706d">Coming Out</a> der <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/f848ac17-ac73-497a-8d08-fb1e28ebfa88">Arschlochgesellschaft</a> markiert: es ist ja nicht so, dass der westliche Imperialismus in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg eine Auszeit nahm, er <em>begründete </em>sich vor allem anders, er sprach nicht von “Einflusszonen” und direkter Kontrolle über Öl- und Gasreserven, sondern (zum Beispiel) von Menschenrechten und Massenvernichtungswaffen. Und jetzt ist die Zeit dieser Begründungen, dieses Verdrängens-und-Schönredens des westlichen Imperialismus vorbei, jetzt wird ganz offen klassische Großmachtpolitik gemacht, und alle Arschlöcher auf der globalen Bühne freuen sich, weil sie endlich dazu stehen können, was sie ohnehin immer schon getan haben, und weil sie manche Sachen jetzt tun können, die sie immer schon tun wollten. Aber auch dazu komm&#39; ich ein andermal.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Friedliche und real-existierende Sabotage</strong></p><p>Denn für einen Blog namens “friedliche Sabotage”, der sich immer mehr auf die Analyse von “<a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/35551bd6-6b4b-4d36-973e-eaaa1c99c56c">Katastrophe</a>” fokussieren will, kann es diese Woche eigentlich nur ein Thema geben, und zwar die real-existierende Sabotage von Stromleitungen im Südwesten Berlins, die mitten im tiefsten Winter zu einem Stromausfall in mehreren Berliner Bezirken führte, der Samstag morgen begann, und in manchen Gegenden erst am gestrigen Mittwoch nach vier Tagen behoben wurde.</p><p>Es geht also einerseits um Sabotage, andererseits um Katastrophe, zwei Themen, über die ich schon länger schreibe, und ohne jetzt zu reklamieren, einen besonders hotten “hot take” zu der Sache zu haben, wollte ich ein paar meiner Gedanken dazu mit Euch teilen – die sind notwendigerweise noch etwas vorläufig oder unfertig, aber wenn ich über Sabotage und Katastrophe reden will, dann ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt dafür, und dieser Blog im besten Fall einer der Orte, wo wir diese wichtigen Debatten führen können.</p><p>Die erste Frage, die mich vielleicht mehr interessiert, als Euch, wurde mir am Montag von Erik Peter von der taz gestellt: ist das, was da im Westen Berlins passierte, die “friedliche Sabotage”, von der ich seit ein paar Jahren schreibe? Antwort: natürlich nicht. Wer auch immer die Sabotage durchgeführt hat, hat zumindest billigend in kauf genommen, dass mitten im Winter zehntausende Menschen ohne Strom, oft ohne warmes Wasser, manchmal ohne Heizung blieben. Und das bei Schnee und Temperaturen um oder unter dem Gefrierpunkt. D.h., dass das Grundprinzip der „friedlichen Sabotage“ - <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/27b92276-4a71-490f-8ff6-62b1ecb7c087">jede derartige Aktion muss peinlich genau darauf achten, dass bei ihr keine Menschenleben gefährdet werden, sonst muss die Aktion abgeblasen werden</a> – hier nicht eingehalten wurde. Nein, das war nicht meine Art der Sabotage. Wenn in Berlin das Kapital einer Mieterin im Winter den Strom abschneidet, kritisieren wir das. Wenn ein Anschlag in Winter Tausenden den Strom abschneidet, kritisieren wir das. Ich halte das für offensichtlich.</p><p><br/><br/></p><p><strong><em>Whodunnit?</em></strong></p><p>Jetzt zur Schuldfrage, mit der die öffentliche Debatte wie üblich viel mehr Zeit verbringt, als mit der Frage, was denn nun aus der jetzigen Situation zu lernen sei. Also, <em>whodunnit</em>, wer hat den Anschlag verübt?</p><p>Ich habe wirklich keine Ahnung, und werde darüber auch nicht spekulieren, das ist nicht meine Aufgabe. Auf der einen Seite wird “Linksterrorismus” gerufen, auf der anderen Seite “der Russe war&#39;s, wir waren&#39;s nicht!”, aber außer den Menschen, die den Anschlag durchgeführt haben weiß das niemand, weshalb ich die Sicherheit, mit der viele aus dem linken Spektrum jetzt auf “den Russen” zeigen, etwas irritierend finde. Erlaubt mir an diesem Punkt ein Zitat aus einem der widerstreitenden Indymedia-Posts (“Bekennerschreiben” und “Distanzierung”), die einer “Vulkangruppe” zugeschrieben werden: “<a href="https://knack.news/14765">Diese Spekulationen sind nichts weiter als der Versuch, die eigene Ohnmacht zu kaschieren... Also wird ein äußerer Feind konstruiert. Das ist bequem, entlastet und verschiebt die Debatte</a>.” Also: wir wissen nicht, wer es war, und darüber zu diskutieren offenbart in der Abwesenheit belastbarer Fakten nur die eigenen politischen Instinkte und Bedürfnisse, und ist <em>as such</em> redundanter Bullshit.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Was wir <em>eigentlich</em> diskutieren sollten: <em>how to friedliche Sabotage</em>?</strong></p><p>In aller Kürze, weil die Medienarbeit der letzten Tage mich ein wenig in Beschlag genommen hat, und ich noch nicht wirklich wieder auf voller Betriebstemperatur bin:</p><p>Erstens glaube ich, zusammen mit <a href="https://steady.page/en/disrupt/posts">Scully</a> und manchen anderen Linksradikalen, dass wir endlich mal ein offenes und öffentliches Gespräch über legitime Sabotageakte führen sollten: unter welchen Bedingungen ist welche Art von Sabotage legitim, unter welchen gar notwendig? Was müsste beachtet werden, um solche Aktionen auf eine ethisch akzeptable Art durchführen zu können? Das linksliberale “die Russen waren&#39;s!” soll u.a. genau so eine Diskussion verhindern, weil ein großer Teil der dt. Linken immer noch nicht akzeptieren will, dass wir schon lange über die Zeit von einfachen Petitionen, appellativen Demos und symbolischen Blockaden hinaus sind.</p><p>Um das zu wiederholen, was ich gestern im Interview für die heutige Ausgabe von Kontraste (ARD) gesagt habe: es gibt auf jeden Fall Situationen und Kontexte, in denen Sabotageakte legitim sind, zum Beispiel wenn ein paar hundert Nazis in einem Regionalzug sitzen, um irgendwo in Franken oder Sachsen nen CSD aufzumischen... dann wäre eine friedliche Gleissabotage sowohl aus gesinnungs- wie aus nutzenethischer Perspektive der optimale Weg, Gewalt zu verhindern; oder zum Beispiel die nächtliche Sabotage der Baustelle eines fossilen Gaskraftwerks, und, und, und. Auf solche Aktionen müssen wir uns auch über öffentliches Storytelling vorbereiten, weil erst das dieser Art von Aktion einen Sinn zuweist, sie attraktiv oder unattraktiv machen kann... Wer jetzt sagt “das waren unmöglich wir” sagt nichts über die Realität, verstellt uns aber den Weg zu einer wichtigen Debatte.</p><p><br/>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________<br/></p><p><strong>Und was lernen wir daraus? SoliPrepping!</strong></p><p>Zweitens erinnert uns diese Katastrophe, wie schlecht wir als Gesellschaft auf Katastrophen vorbereitet sind – egal ob „natürlich“ oder menschengemacht. Das Leid, das Menschen in einer Katastrophe erleiden, ist eben auch das Resultat schlechter, oder mangelhafter Vorbereitung auf solche Katastrophen. Denn es kann eigentlich überhaupt nicht angehen, dass ein Brand an zwei Stromkabeln in der Bundeshauptstadt zu einem viertägigen Stromausfall für Zehntausende Menschen führt. Das ist ein totales Versagen gesellschaftlicher – was in diesem Fall vor allem heißt staatlicher und öffentlicher – Katastrophenhilfestrukturen.</p><p>Was wir aber auch erleben: wie viele Berliner*innen mit einer Welle der Solidarität und Unterstützung reagieren, und so die Grundthese der entstehenden „Kollapsbewegung“ bestätigen: Menschen helfen sich in einer Katastrophe gegenseitig, statt einander die Köpfe einschlagen zu wollen. Berliner*innen haben vollkommen „fremden“ Menschen angeboten, bei ihnen in der Wohnung zu schlafen. Ehrenamtliche Helfer*innen aus ganz Deutschland reisten an, um Kaffee zu kochen, Brötchen zu schmieren, und auf allerlei andere Arten und Weisen zu helfen.</p><p>Das Spannende an dieser Art gesellschaftlicher Katastrophenhilfe ist, dass sie nicht nur horizontale soziale Beziehungen stärkt und ganz konkret menschliches Leiden reduziert. Sie vermittelt den Helfenden außerdem ein Gefühl von Selbstwirksamkeit, von praktisch wirksamer Solidarität, das so ganz im Gegensatz steht zu den Gefühlen, die gerade in der Gesellschaft zu dominieren scheinen: Machtlosigkeit, Angst, Vereinzelung. Wer in einer Katastrophe anderen hilft, erlebt, dass wir in einer Katastrophe nicht handlungsunfähig sein müssen, sondern, mit der richtigen Vorbereitung, in der Lage sind, selbstwirksame, solidarische Menschen zu sein. Und wem in einer Katastrophe solidarisch geholfen wird, erlebt, dass Katastrophen nicht das Ende der Menschlichkeit sind, sondern Momente, die das Beste in Menschen hervorbringen können.</p><p>Genau in diese Richtung weist die entstehende „Kollapsbewegung“: Wir als Bewegung akzeptieren, dass es immer mehr „Katastrophen“ geben wird, welcher Art und wie verursacht auch immer. Wir wissen, dass in solchen Katastrophen Menschen leiden werden, und wollen dieses Leid reduzieren, gleichzeitig aber auch Pfade zu Hoffnung und Handlungsfähigkeit trotz Katastrophe anbieten. Die Strategie, die wir hier vorschlagen, nennen wir „solidarisches Preppen“. Das bedeutet nicht, massenhaft Vorräte in privaten Bunkern zu sichern, sondern zuallererst soziale Beziehungen und Netzwerke zu stärken. Das bedeutet, Nachbar*innen und Mitglieder der eigenen „Community“ (in meinem Fall wäre das unter anderem die queere/schwule Community Berlins) aktiv kennenzulernen, herauszufinden, wer welche (besonderen) Bedürfnisse hat, wer welche Fähigkeiten und Ressourcen mitbringt. Es bedeutet, Treffpunkte und Kommunikationsweisen festzulegen, für den Fall, dass keine Telekommunikation funktioniert. Solidarisches Preppen bedeutet, Gemeinschaften zu stärken, und somit solidarisches Handeln in der Katastrophe praktisch möglich zu machen.</p><p>Und je besser wir uns solidarisch auf Katastrophen vorbereiten, desto resilienter werden wir als Gesellschaft – egal, ob bei Stromausfall oder Hochwasser, trotz Kollaps und Faschismus. Solidarische Katastrophenvorbereitung ist der Weg nach vorne. Berlin hat das in diesen Tagen wieder sehr eindrücklich bewiesen.</p><p></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p></p><p>Mit jahresanfangsmüden Grüßen,</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 08 Jan 2026 07:52:03 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Jahresendpolitikpause]]></title>
      <description><![CDATA[In den sozialen Medien toben die Debatten, die Politik ist im Chaos - aber ich mach jetzt Pause. Und wär dankbar, wenn Ihr schaut, ob Ihr mich ökon. unterstützen könntet.]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/05f7ce41-fc77-4cd2-b314-89eda5f56433/uploads/images/qavamucjg2/WhatsApp_Image_2025-12-18_at_08.50.43.jpeg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Foto: Wolf Schumacher</figcaption></figure><p>18/12/25</p><p></p><p></p><p>Liebe Leute,</p><p>in den sozialen Medien (Twix und Bluesky) tobt gerade eine Auseinandersetzung, in der es um die Frage geht, ob, und wenn ja wie, die deutsche Linke dazu in der Lage sein wird, mit “ihrer Basis” offen und ehrlich über Kollaps und die daraus folgenden politischen Herausforderungen zu diskutieren. Oder ob sie sich, wie sich das Ökobürgertum schon Anfang der 90er entschied, ebenfalls eine Bullshitgeschichte zu erzählen, in dem die Kosten für Klimaschutz immer irgendjemand anderes tragen wird (wahlweise “die Superreichen”, oder “die Lobbies”, oder “die fossilen Konzerne”), ohne dabei einzugestehen, dass der fossile Kapitalismus nunmal ein molekulares globales sozioökonomisches System ist, in dem Deutschland - ja: auch die deutschen Arbeiter*innen - ziemlich weit oben sitzen, in und von dem sie relativ gut verdienen, und an dem sie auch identitär und affektiv ziemlich hängen. Ich weiß schon lange, dass diese Debatte kommen wird, bereite mich schon länger mental und argumentativ darauf vor, und wehe, ich sage Euch: 2026 wird das Jahr sein, in dem die Debatte über Kollaps, Scheitern und Neuaufstellung, die die Kollapsbewegung seit 1-2 Jahren mit der Klimabewegung führt, auch die Linke erreichen wird. Und weil die radikale Linke in Deutschland derzeit nun wirklich nicht viel auf der Tasche hat, wird sie sich noch härter und zunehmend irrationaler gegen die Kritiken verteidigen, die, sofern korrekt, ja bedeuten würden, man müsse sein business as usual ändern, und Kollaps hin oder her: aber sein eigenes Verhalten ändern, neeneenee, das müssen nicht wir (egal, welches “wir” hier angesprochen wird), das müssen immer “die anderen”.</p><p></p><p></p><p><strong>Ein langes Jahr geht zu Ende..</strong></p><p>Puuuh, Ihr seht: diese Debatte bewegt mich, und ich habe auch ein bisschen Angst vor ihr. Schon ihr Vorgeplänkel stellt eine Freundschaft auf’s Spiel, an der mir was liegt, und die vielen Kämpfe mit Klimamenschen, die mit einer Klimaleugner*innenhaften Intensität und Verletztheit auf den Aufstieg der Kollapsbewegung reagierte, die mich wirklich überraschte, haben tiefe Schneisen in mein soziales Leben geschlagen, haben Freundschaften ruiniert, die seitdem ich zurück in Deutschland bin für mich von zentraler Wichtigkeit waren, und jetzt hab ich Angst, dass im kommenden Jahr das selbe im Verhältnis Kollapsbewegung - Radikale Linke geschehen wird. <em>Being Kassandra is NOT a fun job</em>. Daher an dieser Stelle ein riesiger Shoutout an meine Freundin und Genossin Scully (Cindy Peter, falls Euch das verwirrt): wir werden diesen Kampf Seite an Seite führen, was dann auch heißt, dass er ein bisschen Spaß machen wird.</p><p>Aber: jetzt ist nicht Zeit für Kampf, jetzt ist Zeit für runterfahren, und sich von den Strapazen des Jahres erholen. And it’s been a fucking madly intense year. Wenn ich das richtig zusammengezählt habe, hab ich 43 öffentliche Veranstaltungen durchgeführt, außerdem in Vollzeit das Kollapscamp organisiert, diesen Blog bespielt, und meine täglichen KlimaUm9-Videos, die jetzt KollapsUm9 heißen gemacht. Ich habe mir (zusammen mit vielen Anderen) 2025 den Arsch aufgerissen, damit am Ende des Jahres dieser Satz sagbar ist, den ich neulich auf einer Liste las: “Ich wurde als Vertreter der Kollapsbewegung auf ein Podium eingeladen.”</p><p>Hah! Success! Die Kollapsbewegung wird mittlerweile als Akteur wahrgenommen, kann angesprochen, eingeladen, kritisiert, ausgebaut werden. Es gibt uns, zwar noch in sehr emergenter, loser Form, aber es gibt eine Kollapsbewegung, und der Anteil, den ich daran hatte, dass es diese nun gibt macht mich wirklich stolz: that was after all the plan I formulated for myself after Sweden, und als kommunistischer OCD-Patient (zwanghafter Planerfüller ;)) ist das natürlich eines der höchsten der Gefühle :)</p><p></p><p></p><p><strong>Pause</strong></p><p>Wie üblich um die Jahreswende mache ich ne längere Pause, 2-3 Wochen, und die beginnt, inshallah!, kurz nachdem ich diesen Text gepostet habe. Aber da Weihnachtszeit ist, werde ich nochmal kurz die leidige Geschenkefrage aufmachen. <em>So here’s the deal: </em>ich bin allen von Euch, die mit ökonomisch unterstützen, wirklich unendlich dankbar. Ich hab’s schon häufiger gesagt, aber ohne Euch wäre das Kollapscamp nicht möglich gewesen, zumindest nicht zu Beginn, als ich einen erheblichen Teil der Anschubenergie reinstecken musste. Das ging, weil Ihr mich finanziert habt.</p><p><strong>Im Laufe des Jahres haben aber auch ne ganze Reihe von Euch die Förderung gekündigt, oder sie ist ausgelaufen: </strong>manche aus politischen Gründen, weil ihr meine strategischen Linien nicht gut fandet, viele, weil halt auch bei Euch knapp. Ich danke Euch für die bisheriger Unterstützung, und wünsche alles Gute.</p><p>Es sind aber auch sehr viele neue Abonnent*innen hinzugekommen, und an diese wende ich mich jetzt: schaut doch mal, ob es für Euch möglich wäre, diesen Blog mit 5 oder 10 Euro zu unterstützen: ihr würdet damit nicht nur diesen Blog, sondern meine gesamte politische Arbeit finanzieren, meine strategische und praktische Begleitung sozialer Bewegungen in D, und vor allem meine Arbeit am Ausbau von Strukturen, die uns in den kommenden Katastrophen solidarisch handlungsfähig machen: wir, Scully und ich, arbeiten derzeit an einer Art Kollapstrainingslager mit anschließendem Szenariotraining/Rollenspiel, um das gelernte praktisch umzusetzen. Wir arbeiten daran, stabile Strukturen zu schaffen, in denen wir uns helfen können, auch wenn andere Strukturen versagen. Wir planen für den Not- und den Ernstfall.</p><p>Dafür gibt’s halt keine Kohle von Verbänden, weil die dafür meist zu schwerfällig und ängstlich sind. <strong>Also, auch wenn ihr vielleicht manchmal von meiner lauten Insistenz genervt seid: helft mir dabei, so zu nerven, dass die anderen ein wenig in die richtige Richtung gezogen werden.</strong></p><p>Dafür gibt’s gleich 4 Optionen:</p><p>1. Freund*in: ihr unterstützt mich mit €5 pro Monat:</p><a href="https://steady.page/de/plans/2dad5e7f-8f15-4032-aae3-7660b7cb4618/subscribe?period=monthly">https://steady.page/de/plans/2dad5e7f-8f15-4032-aae3-7660b7cb4618/subscribe?period=monthly</a><p></p><ol start="2"><li><p>Freund*in Plus: ihr unterstützt mich mit €10 pro Monat:</p></li></ol><a href="https://steady.page/de/plans/47625a6c-2add-4105-9a93-2cf612780201/subscribe?period=monthly">https://steady.page/de/plans/47625a6c-2add-4105-9a93-2cf612780201/subscribe?period=monthly</a><ol start="3"><li><p>Freund*in Doppelplusgut (für die politisch hauptamtlichen unter Euch ;)): ihr unterstützt mich mit €20 pro Monat.</p></li></ol><a href="https://steady.page/de/plans/9d30c187-3987-4885-b43a-bcb5eb74e638/subscribe?period=monthly">https://steady.page/de/plans/9d30c187-3987-4885-b43a-bcb5eb74e638/subscribe?period=monthly</a><ol start="4"><li><p>gibt es die Möglichkeit einer einmaligen Geschenkmitgliedschaft, €20 Weihnachtsgeschenk, das einmalig ist, und nicht automatisch verlängert wird.</p></li></ol><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/gift_plans">https://steady.page/de/friedlichesabotage/gift_plans</a><p></p><p>Ich wäre echt dankbar, wenn Ihr Euch überlegen würdet, so eine Mitgliedschaft zu übernehmen. Auch, wenn ich nicht immer der smootheste oder geduldigste Gesprächspartner bin: seit über zwei Jahrzehten, seit meiner Dissertation in Brighton 2002-2006 habe ich mein ganzes Denken und Schreiben und Leben der Weiterentwicklung von Taktikten und Strategien im Kampf gegen die Gesamtscheiße gewidmet, und ich glaube, da nicht immer nur Scheiße gebaut zu haben. Helft mir bitte, diese Arbeit so weiterzuführen, dass ich auch dann ehrlich sein kann, wenn es niemand hören will - manchmal nicht einmal ihr.</p><p><em>I know I’m annoying: that’s exactly why you need me</em>.</p><p>Danke für Eure Hilfe und Euer Verständnis. Habt ne schöne Jahresendpause, meine fängt hoffentlich morgen endlich an.</p><p></p><p>Mit jahresendmilden Grüßen,</p><p></p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 18 Dec 2025 08:53:48 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Hopium-Abhängigkeit vs Kollapsakzeptanz: wo bitte geht's zum Methadon?]]></title>
      <description><![CDATA[Die Wahrheit überfordert, aber Verdrängung lähmt: gibt es einen Weg zwischen diesen zwei Polen? Nicht, wenn wir Verdrängung als Drogen-/Hopiumabhängigkeit verstehen...]]></description>
      <content:encoded><![CDATA[<h1>Zwischen Hopium-Abhängigkeit und Kollapsakzeptanz: wo bitte geht&#39;s zum Methadon?</h1><figure><img src="https://assets.steadyhq.com/production/post/f4f54b37-96cd-4003-bcfb-c1fe9fe0fa86/uploads/images/fycmehzuj5/drug_abuse.jpg?auto=compress&amp;w=800&amp;fit=max&amp;dpr=2&amp;fm=webp" alt=""/><figcaption>Quelle des Originalbildes: https://www.joelnathanmd.com/blog/drug-abuse-intervention-qa/</figcaption></figure><p>11/12/25</p><p><br/><br/></p><p>Liebe Leute,</p><p>das Jahr 2025 neigt sich dem Ende zu, und anstatt mit diesem Text neue Konfliktlinien aufzumachen, von denen ich glaube, dass sie nächstes Jahr einen erheblichen Teil der Debatte um das Thema “Wie weiter im Kollaps?” bestimmen werden – vor allem diese: ich möchte mit der deutschen Linken ein Gespräch darüber führen, dass sie zunehmend eine ethisch vollkommen inkohärente Position vertritt, die ich mit “imperiale Lebensweise, aber für Alle (in Deutschland, außer den Milliardären)!” übersetze, oder etwas einfacher: “Billiges Wohnen, billiges Autofahren, billigen Urlaub fürs Volk!” - sollte ich das Jahr vermutlich auf einer etwas versöhnlicheren Note beenden.</p><p><em>On the other hand</em>, was meint jetzt “versöhnlich”? In der Realität heißt das meistens “verdrängend”, weil die meisten von uns, auch Linke, auch Ökos, sich in einer immer widerlicher werdenden Realität oft auf die Position zurückziehen, dass die Person für die Störung unseres Seelenfriedens verantwortlich ist, die auf Probleme hinweist, die wir nunmal ignorieren wollen.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Probleme des kalten Entzugs</strong></p><p>Ist ja auch klar: wir sind eine Gesellschaft von hopium-Junkies, auch das Kollektivsubjekt “Spätimperiale deutsche Beutegemeinschaft” ist ein hopium-Junkie, und wer versucht, Junkies ihren Stoff wegzunehmen, stößt damit meist nicht auf Gegenliebe. Und wenn wir das Problem politischer Kommunikation im Kollaps mal durch die Brille dieser Metapher (naja, Metapher: ehrlich gesagt halte ich die These “Hopium/Verdrängungskommunikation wirkt wie eine Droge, und Menschen verhalten sich dazu wie zu einer Droge” für derartig stark, dass sie keine Metapher darstellt, sondern die direkte, präzise Beschreibung der Wirkungsweise von Verdrängungsdiskursen) betrachten, wie ich das kürzlich im Gespräch mit einem alten Freund und Klimagenossen tat, dann zeitigt das recht schnell ein paar sehr interessante Einsichten.</p><p>Erstens: die radikale “Kein Hopium für Niemand, nirgendwo!”-Forderung überfordert die meisten Menschen, MUSS sie überfordern, weil... naja, wir sind halt fast Alle Hopium-Junkies. D.h. aber nicht, dass diese Abhängigkeit sich für uns krisenhaft darstellt, tatsächlich ist ständig high auf hopium zu sein erstmal angenehmer, als der Entzug, und die Situation <strong>nach</strong> dem Entzug. Dann gibt&#39;s zwar keine allzu schlimmen <em>cravings</em> mehr, das Hirn zittert nicht ständig wegen der Erfahrung, nüchtern durch diese Dreckswelt stiefeln zu müssen, aber dieser hübsche Schein, der über allem liegt, ist weg, die Farben sind weniger intensiv, <a href="https://taz.de/Kampf-gegen-die-Klimakrise/!6046758/">die Realität glitzert weniger</a>, wenn wir sie ohne Drogeneinfluss betrachten (<em>believe me, I know</em>).</p><p>Daraus lässt sich etwas ableiten, das ich zwar weiß, aber viel zu selten berücksichtige: dass die Forderung, sofort Alles ohne Verdrängungsbrille zu betrachten, eine Verdrängungsgesellschaft überfordert, dass auch linke und Ökobewegungen Teil der Verdrängungsgesellschaft sind, und ich deshalb mit dieser Forderung nicht nur die Gesellschaft, sondern auch meine eigenen Leute überfordere. Wäre das hier ein Gespräch über Drogen im Sinne illegalisierter Rauschmittel, wäre ich <em>no doubt</em> verständnisvoller, weil ich weiß, dass Menschen, die von Drogen abhängig sind, zu bestimmten Dingen überhaupt nicht der Lage sind. Zum Beispiel, dass sie nicht der Lage sein werden, ihre Droge nicht mehr zu wollen, wenn sie absolut jeden Tag in jeder Kommunikation mit dem Angebot konfrontiert sind, doch wieder an der Hopium-Pfeife zu nuckeln, weil high sein angenehmer ist, als nicht high sein. Diese Tatsache gilt in einer hopiumabhängigen Verdrängungsgesellschaft auch für Klimas, auch für Linke.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Wie würde ein Entzugsprogramm aussehen?</strong></p><p>Gestern hatten wir in einer Bewegungsvernetzungsgruppe ein Gespräch, das sich zwischen diesen zwei Polen bewegte: einerseits die radikale “<a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/35551bd6-6b4b-4d36-973e-eaaa1c99c56c">Kollaps und Katastrophe sind die Zukunft</a>”-Position, die glaubt, dass Kollaps eine neue Phase der Weltgeschichte darstellt, andererseits die “sozio-ökologischer Kollaps ist ein Thema unter vielen, weshalb wir auch nur sehr begrenzt unsere bisherigen Strategien und Praxen anpassen müssen”-Story, die... naja, die sich halt ziert, die neue Welt im Kollaps als solche zu akzeptieren, weil dies zu tun einfach zu schwierig und unangenehm wäre.</p><p>In diesem Gespräch wurde noch einmal klar, dass der mangelnde Uptake der Kollapsgeschichte im linken und ökologischen Bewegungsfeld auch daran liegt, dass wir auch unsere aktivistische Basis (aus Klima- und anderen linken Bewegungen) mit unserer Story überfordern: zu sagen “Alles ändert sich, Alles, was ihr macht, muss sich ändern, und Ihr müsst euch komplett ändern!” ist einfach zu sehr... kalter Entzug, das KANN diskursiv nicht gutgehen, da ist es völlig logisch, dass die Leute sich in Schutzkonstruktionen flüchten, die es einem erlauben, <em>einen Teil der Realität</em> anzuerkennen, erhebliche Teile davon aber weiterhin zu verdrängen.</p><p>Das stellt die Frage: wie würde eine Intervention, wie könnte ein Entzugsprogramm aussehen? Erstens, apropos Intervention (Kommunikationsstrategie) muss ich eingestehen, dass ich in meiner Kommunikation nicht hinreichend sicherstelle, dass die Menschen, mit denen ich kommuniziere, sich sicher und wertgeschätzt fühlen – eine Intervention mit einer drogenabhängigen Person kann unmöglich funktionieren, wenn diese sich angegriffen, unsicher und nicht wertgeschätzt fühlt (Dynamiken, die sich auch in diesem Text nachweisen lassen, also mache ich den Fehler, den ich beschreibe, sogar <em>während</em> ich ihn beschreibe – was zeigt, dass natürlich auch ich in dieser Debatte emotional agiere, und mein eigenes Wissen über Verdrängung verdränge).</p><p>Zweitens, apropos Entzug (Kommunikative Inhalte) erdachten mein oben erwähnter alter Klimagenosse und ich einen politischen Diskurs, der zwei Ansprüche erfüllen müsste: er müsste einerseits so ehrlich sein, dass er es den Teilnehmenden nicht erlaubt, sich in irgendeine Art von magischem Denken (ob linkem, marktgläubigem, grünem oder welchem auch immer) zu retten, andererseits aber so weichgespült, dass er Menschen nicht allzu sehr abschreckt oder überfordert. Wäre es möglich, diesen Diskurs zu basteln, wäre er sozusagen das Methadon des Hopium-Entzuges, eine Art <em>half way house </em>der Kollapsakzeptanz, der perfekte Mittelweg zwischen Verdrängung und Überforderung.</p><p><br/><br/></p><p><strong>Leere Menge</strong></p><p>Allein: ich glaube, dass es diesen Diskurs nicht gibt, und wenn es ihn gäbe, würde die Stärke der Verdrängungsgesellschaft, die Allgegenwärtigkeit von Hopium und seinen Dealer*innen (denn in einer Verdrängungsgesellschaft kann Jede*r Dealer*in sein!), ihn überlagern und besiegen.</p><p>Erstens glaube ich nicht, dass es möglich wäre, eine Erzählung (einschließlich Policy- und Strategievorschlägen) an den Start zu bringen, die hinreichend ehrlich, aber nicht zu überfordernd ist – die letzten Jahre legen nahe, dass das im eskalierenden gesellschaftlichen Kollaps nicht möglich ist, weil die beiden Mengen (ehrliche Diskurse / nichtüberfordernde Diskurse) sich einfach nicht überlappen. Die Linke und das ökologische Feld haben in der Hinsicht genau das selbe Problem, wie der Rest der Gesellschaft: auch wir sind von den Transformationsanforderungen, die an uns gestellt werden (u.a. von dieser nervigen neuen Kollapsbewegung, aber auch – Scully und ich erleben jetzt auch im Kollaps-Space, wie sich dort die Verdrängung immer wieder neu herstellt – <em>in </em>der neuen Kollapsbewegung), total überfordert, vor allem mit der Auseinandersetzung damit, dass <em>unsere</em>, die aktivistische, also die <em>gute und richtige</em> Art und Weise, Dinge zu tun, nicht mehr funktioniert. Klimaaktivisti reagieren nicht anders, als Kohlearbeiter, wenn sie mit der Kritik konfrontiert werden, dass das, was sie tun, nicht mehr funktioniert, dass es geändert werden muss: sie fühlen sich persönlich angegriffen, und tendieren dazu, die Quelle dieser Aussage mit Verdrängung, Abwertung und Abwehr zu strafen.</p><p>Zweitens, und das ist eine etwas neuere Einsicht, stellt sich Verdrängung auch bei denen immer wieder her, die schon einmal gegen sie vorgegangen, sie zurückgedrängt haben. Stellt Euch das so vor: jedes bisschen Agitation von uns Kollapsis ist eine Art Intervention, bei Menschen, die mehr oder minder große Probleme mit ihrem Hopium-Konsum haben (sonst würden sie dieses Gespräch mit uns gar nicht führen), und wenn sie gut gemacht ist, hat sie vielleicht sogar den gewünschten Effekt – die Person mit dem Drogenproblem hat es geschafft, dieses Problem anzuerkennen, und zu sagen, dass sie sich jetzt auf den Weg macht, das Problem anzugehen (z.B. mit den berühmten zwölf Schritten der <em>Alcoholics Anonymous</em>).</p><p>Das Dumme ist nur, dass diese Person, sobald sie die Intervention verlässt, von überall her wieder mit der Möglichkeit konfrontiert ist, Hopium zu rauchen, weil jedes Gespräch, jede Zeitungslektüre, jeder nicht-dystopische Roman wieder zum Konsum einlädt – und, weil high zu sein, wie gesagt, zumindest kurz- und mittelfristig deutlich angenehmer ist, als nicht high zu sein. Wenn Ihr seit Jahrzehnten regelmäßig Hopium raucht, Euch dann entscheidet, das nicht mehr zu tun, Euch daraufhin aber in jedem Gespräch wieder eine Pfeife angeboten wird, dann ist es völlig nachvollziehbar, dass mensch sich da gelegentlich wieder der alten Sucht hingibt, ihr nicht unbedingt wieder vollkommen verfällt, aber doch merkt: “naja, mit ein bisschen Hopium ist schon netter, als ohne.”</p><p><br/>_____________________________________________________</p><p><strong><em>Ich finanziere meine politische Arbeit vor allem über diesen Blog, und wäre dankbar für Deine Unterstützung</em></strong></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/about">Werde Unterstützer*in</a></p><p>_____________________________________________________<br/></p><p><strong>Vorausschau</strong></p><p>Das bedeutet also, dass ich derzeit keine Möglichkeit sehe, einen im Grunde und strukturell “versöhnlicheren” Diskurs an den Start zu bringen, weil einer der Funktionen meines politischen Sprechens weiterhin sein wird, aus meiner Perspektive sein muss, die im linken und ökologischen und eben auch im neuen Kollapsfeld existierenden Verdrängungserzählungen zu bekämpfen. Ihr könnt mich da, ganz realistisch, als alten aber nunmehr geläuterten langjährigen Hopium-Junkie und -Dealer betrachten, der nach ganz langer Zeit ganz tief im Hopium-Rausch da mit viel Aufwand rausgekommen ist, und der es nun als seine Aufgabe sieht, allen Anderen, die er beim Hopium-Rauchen erwischt, die Pfeife aus dem Mund zu reißen, egal, ob das in der Situation als übergriffig wahrgenommen wird (was es manchmal auf jeden Fall ist): weil, wie gesagt, auch ich bin total irrational, und kann in der Diskussion über Hopium nicht von meinem eigenen jahrzehntelangen Extremkonsum abstrahieren.</p><p>Ich verstehe also, dass es Mittelwege zwischen der Abhängigkeit und dem kalten Entzug geben muss. Aber erwartet nicht von einem Ex-Junkie, der den Weg des kalten Entzugs gegangen ist, und auf dem wieder Glück und Handlungsfähigkeit gefunden hat, dass er Euch irgendwelche weichgespülten Mittelwege vorschlägt – <em>maybe that&#39;s someone else&#39;s Job</em>. Vielleicht taucht bald auch im Kollapsdiskurs eine Person auf, die in der Lage ist, die Kollapsgeschichte so zu erzählen, dass sie niemanden allzu negativ berührt, und deswegen auch mehr gehört wird (wie wir es beim Klimadiskurs erleben konnten).</p><p>Aber meine Geschichten sind designed, schnell und durch Crash aus der Abhängigkeit zu entkommen, und basieren nicht auf dem Glauben, dass es für diesen Entzug noch viel Zeit gibt, für Übergangsphasen, in denen <strong>ein bisschen </strong>Verdrängung noch ok ist. Diese Zeit gibt es nicht mehr, <a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/posts/393b3d74-6ade-4a91-ad36-86b263429115">Ende nächsten Jahres werden Teile Deutschlands wahrscheinlich von Faschist*innen regiert/kontrolliert werden</a>. Der Klimakollaps ist da, die Katastrophen kommen, und trotz allem “lasst uns <em>sowohl</em> Klimaschutz, <em>als auch </em>Klimaanpassung machen!” zeigt sich vom Klimagipfel bis zur Klimademo, dass zwar jetzt ganz viel über Anpassung geredet wird, sich aber niemand wirklich anpasst.</p><p>Deswegen werden die Geschichten, die ich erzähle, oft anstrengend und herausfordernd sein. Auch im nächsten Jahr. Versprochen.</p><p><br/></p><p><a href="https://steady.page/de/friedlichesabotage/newsletter/sign_up">Abonnier meinen Blog</a></p><p><br/></p><p>Mit entschlossenen Grüßen</p><p>Euer Tadzio</p>]]></content:encoded>
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      <pubDate>Thu, 11 Dec 2025 10:39:07 +0000</pubDate>
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      <title><![CDATA[Mitläufergesellschaft: Gießen, Lübcke & die Zukunft des Antifaschismus]]></title>
      <description><![CDATA[Die Reaktionen auf Gießen & Lübcke zeigen:die faschistische Bedrohung ist mittlerweile so akut, dass "die Mitte" beginnt, sich voller Scham vom Antifaschismus abzuwenden.]]></description>
      <category><![CDATA[Antifa]]></category>
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      <pubDate>Thu, 04 Dec 2025 07:01:33 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[“Catastrophe” is the factory of the future: reading Marx in collapse]]></title>
      <description><![CDATA[Against leftist and enviro strategic conservatism: if we want to formulate strategies for collapse, these must start from the core of collapse, i.e. from catastrophe...]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Thu, 27 Nov 2025 08:43:15 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[“Katastrophe” als Fabrik der Zukunft: Marx im Kollaps]]></title>
      <description><![CDATA[Gegen den Konservatismus linken Denkens: wenn wir Strategien für den Kollaps formulieren wollen, müssen diese vom Kern des Kollaps ausgehen, also von der Katastrophe...]]></description>
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      <pubDate>Thu, 27 Nov 2025 06:53:26 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Genoss*innenbeitrag: Wen f*ckt das “Nordische Modell”?]]></title>
      <description><![CDATA[Vom rechten Flügel der Union läuft gerade ein Angriff auf die Rechte von Sexarbeiter*innen, gekleidet in die Sprache von "Frauenrechten". Aber worum geht es *eigentlich*?]]></description>
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      <pubDate>Fri, 21 Nov 2025 07:28:33 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[“Klimagipfel” die 30.: enabler der Verdrängungsgesellschaft]]></title>
      <description><![CDATA[Die COP30 wird wie alle davor nicht das Klima schützen. Warum also diese ständigen “Klimagipfel”? Weil wir sie brauchen, um weiter zu verdrängen, dass kein Klimaschutz.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 13 Nov 2025 07:02:46 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Escape from reality: why collapse makes fascism sexy]]></title>
      <description><![CDATA[The darker reality turns in collapse, the more attractive the escape from reality offered by fascism becomes. TBH, we on the left don't really have a solution for this.]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Sat, 08 Nov 2025 07:49:08 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Realitätsflucht im Kollaps: warum der Faschismus so sexy wirkt.]]></title>
      <description><![CDATA[Je dunkler die Realität im Kollaps wird, desto attraktiver die Realitätsflucht, die der Faschismus anbietet. TBH haben wir Linksgrünen kein wirkliches Rezept dagegen.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 06 Nov 2025 07:09:07 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Novemberveranstaltungen]]></title>
      <description><![CDATA[6.11.: Uni Lüneburg, English language event: climate collapse & antifa; 18.11.: Uni Jena, Debatte mit Uli Brand; 22.11. Lesung in Hannover. See you there :)]]></description>
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      <pubDate>Tue, 04 Nov 2025 07:35:07 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Solidarisches Preppen und das Exklusionsproblem linker “Szeneräume”]]></title>
      <description><![CDATA[Für wen werden die Räume der Kollapsbewegung zugänglich sein, im Sinne von: wer wird sich darin wohlfühlen, wer wird wiederkommen, wer wird sich dort organisieren wollen?]]></description>
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      <pubDate>Thu, 30 Oct 2025 07:18:09 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[“Wie lange haben wir noch...?”, Teil I: ...bis zum Faschismus?]]></title>
      <description><![CDATA[Wie lange haben wir noch bis zum Faschismus? In Sachsen-Anhalt noch knapp 12 Monate. Soviel zu "Nie Wieder". Und wie bereiten wir uns auf die Rückkehr des Faschismus vor?]]></description>
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      <pubDate>Thu, 23 Oct 2025 06:07:56 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Mein Rückblick aufs Kollapscamp: der Erfolg der Gescheiterten]]></title>
      <description><![CDATA[Das Kollapscamp war ein Erfolg für all diejenigen, die schon einmal gescheitert sind, dies anerkannt haben, und genau deswegen jetzt im Kollaps aktiv weitermachen wollen.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 16 Oct 2025 06:10:53 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Was wir gemeinsam haben, oder: SoliPreppen gegen die Angst]]></title>
      <description><![CDATA[Heute was Neues: eine Erzählung über Kollapsbewegung & SoliPrepping, die versucht, Konflikte zu vermeiden, & von dem ausgeht, was wir alle gemeinsam haben: unsere Ängste.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 09 Oct 2025 06:11:55 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Oktoberveranstaltungen]]></title>
      <description><![CDATA[Zurück aus dem Urlaub ist der Oktober voll mit Veranstaltungen: hier eine kleine Liste davon, mit Terminen, Links, etc. Kommt vorbei, ich würde mich freuen :)]]></description>
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      <pubDate>Tue, 07 Oct 2025 06:41:24 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Once more unto the breach… Dann: 3 Wochen Pause.]]></title>
      <description><![CDATA[Morgen ist es endlich so weit: ich nehme drei Wochen Auszeit von der Polit- und Kommunikationsarbeit, vom langen Projekt "Kollapsbewegung". See you on the other side :)]]></description>
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      <pubDate>Sat, 13 Sep 2025 06:49:59 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Nach dem Kollapscamp: ein Dank, eine Bitte, und eine Empfehlung]]></title>
      <description><![CDATA[1. Dank an Wolf, der mich schützt, und Euch, die mich finanziert. 2. Bitte schaut nochmal, ob Ihr mich unterstützen könnt. 3. Lest Scullys "Tyranny of Leaderlessness"!]]></description>
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      <pubDate>Mon, 08 Sep 2025 10:26:38 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[From Kollapscamp, with love]]></title>
      <description><![CDATA[The first Collapse Camp is over, we are extremely exhausted, but we wanted to get in touch with you right after the camp to thank you, criticise, and celebrate ourselves.]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Thu, 04 Sep 2025 10:22:14 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Genoss*innenbeitrag: from Kollapscamp, with love]]></title>
      <description><![CDATA[Das 1. Kollapscamp ist vorbei, wir sind megaerschöpft, wollten uns aber direkt nach dem Camp bei Euch melden, um uns zu bedanken, uns zu kritisieren, und uns zu feiern.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 04 Sep 2025 05:54:58 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Genoss*innenbeitrag: „Rheinmetall entwaffnen“ - jetzt erst recht!]]></title>
      <description><![CDATA[Das "Rheinmetall Entwaffnen"-Camp ist verboten worden, ein möglicher Präzedenzfall: das Policing gegen Linksradikale wird härter. Scully meint: kein Grund, zu verzagen...]]></description>
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      <pubDate>Thu, 21 Aug 2025 06:51:03 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Ungleichheit in der Katastrophe: vom Privileg, bleiben zu dürfen]]></title>
      <description><![CDATA[Bleibefreiheit oder Bleibeprivileg? Reiche Gesellschaften werden im Kollaps immer mehr investieren, um Orte "bewohnbar" zu halten. Daraus entsteht eine neue Ungleichheit.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 14 Aug 2025 07:23:36 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Politischer Diskurs im Kollaps: alles nur noch Taubenschach]]></title>
      <description><![CDATA[In einer Gesellschaft, die ihr eigenes Polyscheitern im Kollaps verdrängt, tendiert jede politische Diskussion zum Taubenschach: ob über Klima, Gaza oder Brosius-Gersdorf]]></description>
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      <pubDate>Thu, 24 Jul 2025 10:06:31 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Rechte Kollapspolitik III: der Führer und das bedürftige Volk]]></title>
      <description><![CDATA["In der Katastrophe gibt es nur eine Art von Hilfe, die vom Führer. Wenn Ihr den Führer verärgert, krieg ihr keine Hilfe, wenn Ihr Euch benehmt, dann bekommt ihr Hilfe.”]]></description>
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      <pubDate>Thu, 17 Jul 2025 07:24:55 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Kollektive Selbstermächtigung: Warum es eine Kollapsbewegung braucht]]></title>
      <description><![CDATA[Deshalb braucht es eine radikal ehrliche Kollapsbewegung: weil wir nur, wenn wir uns vorbereitet haben, in der Katastrophe solidarisch und rational handeln können.]]></description>
      <category><![CDATA[Klimakampf 2.0]]></category>
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      <pubDate>Thu, 03 Jul 2025 05:50:47 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Stell Dir vor, es ist Katastrophe, und Alle reden vom (Soli-)Prepping]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Kollapsbewegung: wir haben es in den letzten Monaten geschafft, die Idee des "solidarischen Prepping" gesellschaftsfähig zu machen. So ein Erfolg gehört gefeiert!]]></description>
      <category><![CDATA[Klimakampf 2.0]]></category>
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      <pubDate>Thu, 26 Jun 2025 05:58:49 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Kollapstour de Suisse]]></title>
      <description><![CDATA[1 Event: Zürich, Di. 19 - 20: "Queere Gesundheit im #Klimakollaps; 2 Event: Basel, Mi 10 - 22 Uhr: "Social Fight Club"; 3  Event: Zürich, Fr. 20 - 22, Podiumsdiskussion.]]></description>
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      <pubDate>Tue, 17 Jun 2025 07:46:16 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die Kollapsbewegung ist kein Busunternehmen]]></title>
      <description><![CDATA[Die Kollapsbewegung erinnert uns daran, dass es für alle gut ist, wenn wir unsere Ärsche hochbekommen, & anfangen, SELBST für das gute Leben & die Solidarität zu kämpfen.]]></description>
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      <pubDate>Mon, 09 Jun 2025 09:14:53 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Vergesellschaftung vs Verdrängung: Wer trägt im Kollaps Verantwortung?]]></title>
      <description><![CDATA[Wir wollen eher, dass jemand die Kontrolle übernimmt, und dann die in unserem Sinne richtigen Entscheidungen trifft, als dass wir diese wirklich selbst übernehmen wollen.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 05 Jun 2025 05:51:55 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[What do we want? DISASTER JUSTICE! When do we want it? NOW!]]></title>
      <description><![CDATA[Plötzlich reden alle vom Preppen, aber nur die Rechten preppen wirklich. Wie würde eine linke Bewegung für *Katastrophengerechtigkeit* aussehen, was müsste sie mitdenken?]]></description>
      <category><![CDATA[Klimakampf 2.0]]></category>
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      <pubDate>Wed, 28 May 2025 10:26:19 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Solidarisch & handlungsfähig in der Katastrophe: kommt zum Kollapscamp]]></title>
      <description><![CDATA[Die neue Kollapscamp-Website ist jetzt online! Meldet Euch an, lasst Euch fürs Programm begeistern, findet Mitmachoptionen, oder spendet für die Camporga: it's all there.]]></description>
      <category><![CDATA[Klimakampf 2.0]]></category>
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      <pubDate>Wed, 21 May 2025 14:32:24 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Genoss*innenbeitrag: Kollapscamp - the hype is real.]]></title>
      <description><![CDATA[was erwartet Euch beim Kollapscamp? Wir sagen: the hype is real! Während der Campprozess am Relaunch der Website und am Anmeldetool arbeitet, hier schonmal ein Teaser...]]></description>
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      <pubDate>Thu, 15 May 2025 06:19:30 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Weltendschmerz, oder: wer ist eigentlich schuld am Faschismus?]]></title>
      <description><![CDATA[Niemand ist 'schuld' am Faschismus, der Faschismus ist selbst ein Modus der Schuldverarbeitung: um den Weltendschmerz nicht zu fühlen, der sich uns im Kollaps aufdrängt.]]></description>
      <category><![CDATA[Arschlochgesellschaft]]></category>
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      <pubDate>Thu, 08 May 2025 05:56:15 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA["It's liberating to come out as an asshole society"]]></title>
      <description><![CDATA[Müller has long since realised that the climate battle is lost. Collapse is a reality. Now, activists in Germany are organising a camp to learn how to act within collapse]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Fri, 25 Apr 2025 07:54:49 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Lohnt sich Klimaaktivismus noch? Vorbereitung auf 1 Bewegungsgespräch.]]></title>
      <description><![CDATA[Aktivismus kann nur dann noch "funktionieren", wenn er nicht dazu führt, dass eine sich ohnehin schon schlecht fühlende Gesellschaft sich noch schlechter fühlen muss.]]></description>
      <category><![CDATA[Klimakampf 2.0]]></category>
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      <pubDate>Thu, 24 Apr 2025 05:55:40 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Jens Spahn, die Union und das Demokratiewashing der AfD]]></title>
      <description><![CDATA[Deutschland braucht eine AfD, die es als nicht „faschistisch“ wahrnehmen kann. Die Alternative wäre: anzuerkennen, dass der Faschismus organisch zu Deutschland gehört.]]></description>
      <category><![CDATA[Antifa]]></category>
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      <pubDate>Thu, 17 Apr 2025 05:56:32 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[How to #talkcollapse: 3 Schritte zur effektiven Kollapskommunikation]]></title>
      <description><![CDATA[1. Sei realistisch: die Mehrheit will und wird nicht hören & verstehen; 2. Emotionale Resonanz vor Inhalten; 3. Gemeinsame Handlungsfähigkeit denkbar machen. Viel Erfolg!]]></description>
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      <pubDate>Thu, 10 Apr 2025 06:10:53 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Marine Le Pens Fußfessel: Antifaschismus ist der neue Klimaschutz II.]]></title>
      <description><![CDATA[Was, wenn die Mitte merkt, dass echter Antifaschismus mind. so schwierig ist, wie echter Klimaschutz? Wird sie sich dann auch beschämt davon abwenden? Ich befürchte das.]]></description>
      <category><![CDATA[Antifa]]></category>
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      <pubDate>Wed, 02 Apr 2025 09:47:17 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[“DiE lOBbiEs SinD SCHu!d”, oder: Warum wir das Klima nicht schützen.]]></title>
      <description><![CDATA[Die Mitte: "wir schützen das Klima nicht, weil die pösen Lobbies den Menschen die Köpfe verdrehen." Aber um Verdrängung zu erklären, braucht's keine Verschwörungstheorie.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 27 Mar 2025 06:50:51 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Alerta Antifa: 2025 wird die offene Gesellschaft beim CSD verteidigt]]></title>
      <description><![CDATA[Die Nazis eskalieren ihre Angriffe auf unsere queeren CSDs, und wir müssen dagegen halten: Queers, Antifa und "offene Gesellschaft"-Liberale zusammen müssen sie abwehren.]]></description>
      <category><![CDATA[Antifa]]></category>
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      <pubDate>Wed, 19 Mar 2025 15:07:13 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#DasKleineRosaBuch Lesen: Westroute I. Köln, Aachen, Wuppertal.]]></title>
      <description><![CDATA[1. Stopp: Köln, 18.3., 19:00, BüZe Ehrenfeld; 2. Stopp: Aachen, 19:00, Haus für Kultur; 3. Stopp: Wuppertal, 20:00, Loch. Bis dann und dort :)]]></description>
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      <pubDate>Sat, 08 Mar 2025 07:03:11 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Genoss*innenbeitrag: 7 Mythen übers solidarische Preppen]]></title>
      <description><![CDATA[Die "Solidarisches Preppen"-Strategie wird manchmal missverstanden, daher hier Hannahs Top-7-Liste der häufigsten und schädlichsten Misverständnisse über linkes Preppen.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 06 Mar 2025 07:11:36 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Bundesangstwahl 2025: im Kollaps gewinnt, wer Ängste politisiert]]></title>
      <description><![CDATA[Zukunftsangst hat den Wahlkampf entschieden: gewonnen hat, wer Ängste aufnehmen & artikulieren konnte, verloren haben "weiter so!" & "Zuversicht". Außerdem: Trostpreise!]]></description>
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      <pubDate>Mon, 24 Feb 2025 07:25:23 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[PositHIV im Kollaps: Act Up Again!]]></title>
      <description><![CDATA[Die HIV-Positivenbewegung ist eines der besten Beispiele, wie Bewegungen in Katastrophen agieren, wie sie "solidarisch Preppen": wie sie lernen, Sachen selbst zu machen.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 20 Feb 2025 07:00:36 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Merz und die “schamfreie Arschlochigkeit”: nörgelige Männlichkeit II]]></title>
      <description><![CDATA[Merz hat mich wegen angeblicher Beleidigung angezeigt (mein Hinweis: "schamfreie Arschlochigkeit"). Meine Verteidigung: das war keine Beleidigung, sondern pol. Analyse!]]></description>
      <category><![CDATA[Arschlochgesellschaft]]></category>
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      <pubDate>Thu, 13 Feb 2025 06:38:34 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Drei Updates und ein Geburtstag (und ein fast geglücktes…]]></title>
      <description><![CDATA[Erstens ein Geburtstag, zweitens meine Veranstaltungsankündigungen, drittens eine Workshopeinladung, und viertens: wie ihr mich online sehen und hören könnt :)]]></description>
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      <pubDate>Wed, 12 Feb 2025 14:04:35 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Taking power, taking revenge: the asshole society strikes back]]></title>
      <description><![CDATA[Fascist assholes want to create a world where everyone is forced to behave like an asshole, so the rest of us don’t constantly remind them of their own abject assholery.]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Sat, 08 Feb 2025 12:12:34 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Machtergreifung 2025: Die Rache der Arschlochgesellschaft]]></title>
      <description><![CDATA[2025: das Jahr, in dem die Arschlochgesellschaft die Macht ergreift. Und es geht ihr nicht nur ums Abräumen "woker" Policies. Es geht um Rache an allem, was sie beschämt,]]></description>
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      <pubDate>Thu, 06 Feb 2025 07:03:14 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Rechte Kollapspolitik vs. Katastrophenkommunismus: “el pueblo” in den…]]></title>
      <description><![CDATA[Valencia zeigt: Rechte können Katastrophen ausnutzen, weil sie vorbereitet sind, aber der menschliche Grundreflex in einem Desaster ist, anderen solidarisch zu helfen.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 30 Jan 2025 06:40:59 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Kollaps-Space: the final (political) frontier]]></title>
      <description><![CDATA[Der Kollaps-Space ist ein sehr wichtiger politischer Raum. Bisher überlassen wir ihn komplett den Rechten. Das Kollapscamp & die JustCollapse-Bewegung werden das ändern.]]></description>
      <category><![CDATA[Kollaps]]></category>
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      <pubDate>Thu, 23 Jan 2025 07:04:33 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#DasKleineRosaBuch Lesen: Südwestroute, 29.-31.1. Tübingen,…]]></title>
      <description><![CDATA[1. Stopp: Tübingen, 29.1., 20:00, 4-Häuser-Projekt; 2. Stopp: Stuttgart, 30.1., 19:00, Raupe Immersatt; 3. Stopp: Freiburg, 31.1., 18:00, Haus der Jugend. See you there!]]></description>
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      <pubDate>Wed, 22 Jan 2025 14:46:37 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[“Windräder der Schande”, oder: who the fuck is Alice?]]></title>
      <description><![CDATA[Alice Weidel ist derzeit die rechte Führungsfigur, die es, noch besser als Höcke, schafft, den Affekt der "Schambefreiung" zu mobilisieren. Das macht sie brandgefährlich.]]></description>
      <category><![CDATA[Antifa]]></category>
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      <pubDate>Mon, 13 Jan 2025 13:40:12 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#DasKleineRosaBuch Lesen: Nordroute 14.-16.1. HH, Flensburg, Kiel.]]></title>
      <description><![CDATA[1. Stopp: Di., 14.1., Uni Hamburg, 18:15 - 19:45; 2. Stopp: Mi., 15.1., Uni Flensburg, 19:30 - 21:00; 3. Stopp: Do., 16.1., Kiel, "Die Pumpe", 19:00. Come all, come many.]]></description>
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      <pubDate>Mon, 13 Jan 2025 07:18:36 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Klimamagie im Kollaps: Geistertänze der Verdrängungsgesellschaft]]></title>
      <description><![CDATA[Kollabierende Gesellschaften entwickeln immer magisches Denken, um Zerstörung zu verdrängen. Heutige Klimadiskurse sind dementsprechend eher Geistertänze, als Politik.]]></description>
      <category><![CDATA[Verdrängungsgesellschaft]]></category>
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      <pubDate>Thu, 09 Jan 2025 07:08:30 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Kein politischer Jahresrückblick]]></title>
      <description><![CDATA[Ich bin zu müde für einen politischen Jahresrückblick und zu kurzsichtig für einen Ausblick. Daher zum Jahresende vor allem: ein Dankeschön an meine Bewegung und Familie.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 19 Dec 2024 07:22:10 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Von “Energiewende” bis “Weltrevolution”: 4 Klimabewegungsmythen im…]]></title>
      <description><![CDATA[Ob "Energiewende? Läuft!" oder "jetzt Weltrevolution!", die Klimabewegung glaubt an viel Quatsch, um ihr Scheitern zu verdrängen. Hier 4 dieser Mythen im Realitätscheck.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 12 Dec 2024 07:05:13 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Jahresendpräsentvorschläge gegen die Dunkelheit]]></title>
      <description><![CDATA[Drei Geschenkvorschläge gegen die Dunkelheit: 1. Das Kleine Rosa Buch; 2. eine Geschenkmitgliedschaft für diesen Blog; 3. all of the above :)]]></description>
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      <pubDate>Sun, 08 Dec 2024 11:33:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Vorwärts nimmer, rückwärts immer: die räumliche Logik des Kollaps]]></title>
      <description><![CDATA["Strategischer Rückzug", oder: Was passiert mit einer Gesellschaft, deren fundamentale "Richtung" sich ändert, nicht mehr "upwards and onwards", sondern "back to basics"?]]></description>
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      <pubDate>Thu, 05 Dec 2024 08:09:33 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Von der Klimadummheit: queere Theorie im Kollaps]]></title>
      <description><![CDATA[Trotz Klimakollaps wird es keinen Klimaschutz geben. Warum weiß ich das? Weil ich schwul bin und leider Männer liebe.]]></description>
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      <pubDate>Wed, 04 Dec 2024 07:39:58 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Solidarische Kollapspolitik 101: wie geht eigentlich “Nachbarschaft”?]]></title>
      <description><![CDATA[Letzten Sonntag habe ich was für mich Neues getan: ich habe endlich meine Nachbar*innen kennengelernt. Bericht eines Selbstversuchs zu "Nachbarschaft" in der Katastrophe.]]></description>
      <category><![CDATA[Klimakampf 2.0]]></category>
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      <pubDate>Thu, 28 Nov 2024 06:59:55 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Ehrlichkeit in Wahlkampf & Katastrophe: Aufklärung für Anfänger*innen]]></title>
      <description><![CDATA[Wer nicht ehrlich kommuniziert, egal, wie gut die Intentionen sind, trägt dazu bei, 1 unmündige, dumme, von Faschist*innen leicht manipulierbare Gesellschaft zu schaffen.]]></description>
      <category><![CDATA[Kollaps]]></category>
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      <pubDate>Thu, 21 Nov 2024 06:49:08 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die Klimahufeisenerzählung, oder: Männer, die die Welt verdrängen]]></title>
      <description><![CDATA[Bald ist die Klimabewegung Schuld am Klimakollaps, Migrant*innen am Faschismus, Frauen daran, dass sie die Incels nicht sexuell befriedigen. Alle schuld: außer der Mitte.]]></description>
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      <pubDate>Tue, 12 Nov 2024 13:41:35 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Trotz Trump, trotz alledem: hope in the darkness]]></title>
      <description><![CDATA["Hoffnung" meint: die Dunkelheit realistisch anerkennen, und dann darin Pläne machen, wie ich mit anderen zusammen trotz alledem Gutes in der Welt schaffen kann.]]></description>
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      <pubDate>Wed, 06 Nov 2024 11:13:51 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Harris, Trump, und die Kritik der nörgeligen Männlichkeit]]></title>
      <description><![CDATA[Die nörgelige Männlichkeit ist der Urschleim, aus dem die toxische Männlichkeit aufsteigt. Sie entsteht aus der Erfahrung, weniger Privilegien zu haben, als früher.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 31 Oct 2024 07:25:02 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Zwei Updates und eine Bitte]]></title>
      <description><![CDATA[Morgen gibt’s auch wieder einen substantiellen Text, die “Kritik der nörgeligen Männlichkeit”, aber heute bleibt es bei: zwei Updates und einer Bitte (leider um Geld).]]></description>
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      <pubDate>Wed, 30 Oct 2024 07:33:19 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Kollapscamp 2025 - solidarisch und handlungsfähig in der Katastrophe]]></title>
      <description><![CDATA[Die Ermächtigung wird weniger in der Aktion gegen Klimakriminelle liegen, sondern im Erlernen von Fähigkeiten, die es uns erlauben werden, im Kollaps gemeinsam zu handeln]]></description>
      <category><![CDATA[Klimakampf 2.0]]></category>
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      <pubDate>Thu, 24 Oct 2024 05:02:32 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[(Un)Solidarische Kollapspolitik: von den Rechten lernen...]]></title>
      <description><![CDATA[Rechte nutzen Katastrophen aktiv als strategische Räume, um ihre pol. Ziele voranzutreiben. Tun wir das nicht, überlassen wir die Katastrophe & die Zukunft den Rechten.]]></description>
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      <pubDate>Tue, 15 Oct 2024 10:48:59 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Jenseits Verdrängung & Defätismus: Katastrophe als strategischer Raum]]></title>
      <description><![CDATA[Wenn "Katastrophe" zum "new normal" wird, müssen Bewegungen die Katastrophe als strategischen Raum politischer Praxis verstehen, nicht bloß als Hieronymus-Bosch-Gemälde.]]></description>
      <category><![CDATA[Klimakampf 2.0]]></category>
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      <pubDate>Thu, 10 Oct 2024 06:09:41 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Apropos “Friedensdemo”: Nicht. Mein. Frieden!]]></title>
      <description><![CDATA[Was wir da gestern erlebten, war nicht mein Frieden, war nicht meine Linke. Was wir gestern erlebten, war die organisierte Verdrängung neuer geopolitischer Realitäten.]]></description>
      <category><![CDATA[Verdrängungsgesellschaft]]></category>
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      <pubDate>Fri, 04 Oct 2024 05:32:53 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[3 Leitplanken für den Klimakampf 2.0: Mehr als nur prepping for future]]></title>
      <description><![CDATA[Leitplanken für den Klimakampf 2.0: er ist 1. nicht appellativ, er macht selbst; er findet 2. in 1 begrenzten Welt statt; er muss 3. aktivistisches Upskilling beinhalten.]]></description>
      <category><![CDATA[Klimakampf 2.0]]></category>
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      <pubDate>Thu, 26 Sep 2024 05:56:07 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Is jetz Klimakollaps – oder is nich Klimakollaps? Vorschlag zur Güte]]></title>
      <description><![CDATA[Warum sagen politische Menschen immer häufiger, der Klimakollaps sei schon da, während die Klimawissenschaft “wir können nicht sagen, ob der Klimakollaps hier ist” sagt?]]></description>
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      <pubDate>Thu, 19 Sep 2024 10:15:39 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Politik in der Polykrise: wenn Alle an Allem scheitern]]></title>
      <description><![CDATA[In der Polykrise werden immer mehr politische Probleme immer unlösbarer. Also versprechen Politiker*innen Uneinlösbares, dann scheitern sie, & werden zu "bad boyfriends".]]></description>
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      <pubDate>Thu, 12 Sep 2024 05:39:28 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Heute: Buchhandellink statt Blogtext :)]]></title>
      <description><![CDATA[Solltet Ihr planen, mein Buch "Zwischen friedlicher Sabotage und Kollaps: wie ich lernte, die Zukunft wieder zu lieben" zu kaufen, wäre es super, wenn Ihr es vorbestellt.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 05 Sep 2024 06:34:03 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Antifaschistische Zeitenwende: Thüringen & “by any means necessary"]]></title>
      <description><![CDATA[Weil die AfD ein revolutionär-faschistisches Projekt ist, darf man sie nie als “normale Partei” behandeln. Demokratische politische Praxis muss bedeuten: AfD zerstören.]]></description>
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      <pubDate>Mon, 02 Sep 2024 06:34:07 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Endspurt: Zwischen friedlicher Sabotage und Kollaps…]]></title>
      <description><![CDATA[29.08.2024 Liebe Leute, heute gibt’s keinen neuen Text, ich befinde mich im Buchendspurt, die lektorierte Version ist hier, und das Buch kommt spätestens am 1.10.!]]></description>
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      <pubDate>Thu, 29 Aug 2024 06:24:52 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Handlungsfähigkeit und Lebensfreude: Leben jenseits der Verdrängung]]></title>
      <description><![CDATA[Jenseits der Verdrängung eröffnen sich unerwartete positive emotionale Zustände: nicht nur politische Handlungsfähigkeit, sondern auch neue, ekstatische Lebensfreude.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 22 Aug 2024 06:07:24 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Was tun, wenn's zu heiß wird? Klimaaktivismus in einer zu heißen Welt.]]></title>
      <description><![CDATA[3. Teil der Suche nach Klimagerechtigkeitsstrategien *in* der Katastrophe: Hitze. Was ist sie, warum ist sie gefährlich, wen betrifft sie - und was machen wir bei Hitze?]]></description>
      <category><![CDATA[Klimakampf 2.0]]></category>
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      <pubDate>Thu, 15 Aug 2024 13:33:31 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Repression of the climate movement is “the new green”]]></title>
      <description><![CDATA[A society that doesn't keep it's climate promises will have no choice but to brutally repress the climate movement: that's why we're getting our asses kicked these days.]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Fri, 09 Aug 2024 07:52:53 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Repression gegen die Klimabewegung ist der neue Klimaschutz]]></title>
      <description><![CDATA[Repression gegen die Klimabewegung ist das, was eine Verdrängungsgesellschaft tun muss, die nicht ständig an ihre gebrochenen Klimaschutzversprechen erinnert werden will.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 08 Aug 2024 08:45:53 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Sommerurlaub im Klimakollaps: solidarische Kollapspolitik revisited]]></title>
      <description><![CDATA[Wenn ihr im Klimakatastrophensommer 2024 nach Inspiration für die Zukunft der Klimabewegung sucht: schaut nochmal nach Schweden und auf deren solidarische Kollapspolitik.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 11 Jul 2024 08:19:09 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[“Anti-AfD-Proteste: Zwei schwer verletzte Polizisten”… Ein kurzer…]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Journis, Ihr müsst jetzt stark sein, aber: auch die deutsche Polizei lügt Euch immer wieder an. Und ihr druckt deren PMs immer ab, als kämen sie von Moses aufm Berg]]></description>
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      <pubDate>Sun, 30 Jun 2024 09:10:47 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Apropos Klimaklage: die politische Ökonomie sozialer Bewegung]]></title>
      <description><![CDATA[Aktivismus ist keine Magie, er hat opportunity costs. Wenn ich Energie in appellative Klimaklagen stecke, habe ich sie nicht mehr übrig für selbstermächtigende Strategien]]></description>
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      <pubDate>Thu, 27 Jun 2024 06:50:16 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Was tun im Kollaps? Klimagerechtigkeitsstrategien in der Katastrophe]]></title>
      <description><![CDATA[Strategievorschlag für eine Klimagerechtigkeitsbewegung im Zeitalter des Klimakollaps: Kollapsbewusstsein, prepping for future und solidarischer Katastrophenschutz.]]></description>
      <category><![CDATA[Klimakampf 2.0]]></category>
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      <pubDate>Tue, 25 Jun 2024 13:50:36 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Ende Gelände und der Extremismus der Verdrängungsgesellschaft]]></title>
      <description><![CDATA[Nicht wir sind die Extremist*innen – die Gesellschaft, die mitten in der Klimakatastrophe weiter fossile Autos und fossile Energieinfrastrukturen baut, ist extremistisch.]]></description>
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      <pubDate>Wed, 19 Jun 2024 10:32:48 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Resonanzkatastrophe: von jungen Ängsten und rechten Geschichten]]></title>
      <description><![CDATA[Politische Kommunikation handelt von Gefühlen, nicht Inhalten: wessen Geschichte emotionale Resonanz hat, gewinnt. Junge Menschen haben Zukunftsangst, die holt die AfD ab]]></description>
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      <pubDate>Thu, 13 Jun 2024 05:36:24 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Klimakampf 2.0: Klimagerechtigkeit in der Katastrophe. Teil 1.]]></title>
      <description><![CDATA[Nach dem Klimakampf 1.0, dem Kampf *gegen* die Klimakatastrophe, geht es im Klimakampf 2.0 immer mehr um Klimagerechtigkeit *in der* Katastrophe.]]></description>
      <category><![CDATA[Klimakampf 2.0]]></category>
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      <pubDate>Thu, 06 Jun 2024 08:50:26 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[A (sort of a) manifesto for the #justcollapse left]]></title>
      <description><![CDATA[There is an absolutely zero chance of “avoiding” climate collapse. We must talk about the new political and social challenges that will definitely come our way very soon.]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Sat, 01 Jun 2024 06:33:43 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Lieber Wolli: wir brauchen Dich. Please live.]]></title>
      <description><![CDATA[Wollis Leben ist akut gefährdet. Ich will, dass Wolli lebt! Daher mein Aufruf: lieber Wolli, hör mit dem Hungerstreik auf!]]></description>
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      <pubDate>Thu, 30 May 2024 05:16:07 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Klimakollaps ist jetzt: aber er ist nicht “die Apokalypse”]]></title>
      <description><![CDATA[Ein Gespenst geht um in der Klimaszene: das Gespenst der Kollapsakzeptanz. Alle Mächte der Klimabubble haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen das Gespenst verbündet.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 23 May 2024 06:32:22 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[AfD Bundesparteitag? Wir #widersetzen uns!]]></title>
      <description><![CDATA[Wir werden uns widersetzen, weil das nicht nur für die AfD schlecht ist, sondern für uns gut und notwendig. Und natürlich: weil wir hier gewinnen können.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 16 May 2024 06:49:27 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[M. Ecke & die unerträgliche Leichtigkeit bürgerlichen Antifaschismus]]></title>
      <description><![CDATA[Gestern wurde Matthias Ecke Opfer von Nazigewalt. Heute wird's Demos geben, wo Menschen zeigen, wie scheiße sie das finden. Ich Frage: was passiert am Tag nach den Demos?]]></description>
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      <pubDate>Sun, 05 May 2024 07:55:36 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Der unbewegte Mann: Klimakampf als Beziehungskonflikt]]></title>
      <description><![CDATA[Seit 2 Jahren beschreibe ich den Klimakampf immer wieder als Beziehungskonflikt. Hier versuche ich zum 1. Mal, diese *Analyse* (weder Analogie noch Metapher) zu erklären.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 02 May 2024 06:23:02 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Krah, AfD und die kohärente “Doppelmoral” der Arschlochgesellschaft]]></title>
      <description><![CDATA[Rechts ist Verrat am verweichlichten real-existierenden Deutschland ok, dürfen Mächtige Gesetze brechen, Fakten zählen nicht. Krah & die AfD werden den Skandal überstehen]]></description>
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      <pubDate>Thu, 25 Apr 2024 05:19:05 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Talk Collapse: Wer hat Angst vorm Hitzesommer 2024?]]></title>
      <description><![CDATA[Der drohende Hitzesommer stresst mich, and I wonder: fragt Ihr Euch auch, wie in de Wohnung einen Hitzschlag vermeiden? wie gehen alte & arme Menschen mit heatstress um?]]></description>
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      <pubDate>Thu, 18 Apr 2024 05:31:57 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die GEAS: rechte Politik stärkt rechte Parteien.]]></title>
      <description><![CDATA[Das ist die Tragik der Mitte und unser aller Problem: ihre Parteien stärken den Rechtsruck, den sie bekämpfen will. Ähnlich, wie beim Klima. So whatcha gonna do now? ]]></description>
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      <pubDate>Thu, 11 Apr 2024 08:35:07 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Interview: “It's not about the probability of victory…”]]></title>
      <description><![CDATA[Interview: "Tadzio Müller founded the world's most powerful climate movement. Now he wants us to prepare for the apocalypse." From flamman.se]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Sat, 06 Apr 2024 06:04:10 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Der postfaktische Klimapopulismus der bürgerlichen Mitte]]></title>
      <description><![CDATA[Die bürgerliche Mitte ist den Verlockungen des Populismus ebenso ausgesetzt, wie alle anderen: sie neigt zur Angst & Vereinfachung, zur simplen Wir vs. Die-Konstruktion.]]></description>
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      <pubDate>Tue, 02 Apr 2024 09:56:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Genoss*innenbeitrag: Vergesellschaftung als Klimastrategie?]]></title>
      <description><![CDATA[Vergesellschaftung ist für Alle da: "Wir müssen die Energiekonzerne allein schon deswegen enteignen, um nicht auf den Ewigkeitskosten des Fossilismus sitzenzubleiben."]]></description>
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      <pubDate>Thu, 28 Mar 2024 06:55:20 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[The fairy tale of how millions of electric wankpanzers saved the…]]></title>
      <description><![CDATA[In the history of capitalism, the introduction of a new energy source has never led to less "old" energy being used. More Teslas in Germany = more fossil fuels globally. ]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Sat, 23 Mar 2024 17:25:10 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Tesla und das Märchen vom klimaschützenden Elektrokapitalismus]]></title>
      <description><![CDATA[Mehr erneuerbare Energie wird im Kapitalismus nicht dazu führen, dass weniger fossile Energie genutzt wird. Mehr Teslas in Deutschland = mehr fossile Produktion global.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 21 Mar 2024 06:29:55 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[3 Gründe, warum Tesla und der Elektrokapitalismus nicht das Klima…]]></title>
      <description><![CDATA[Gegen Tesla, oder dafür, das ist die Frage, die manch linksökologische Bubble im Nachgang des Brandanschlags entzweit: hier versuche ich, Argumentationshilfe zu geben.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 14 Mar 2024 07:44:27 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Antifaschismus ist der neue Klimaschutz – and that's not a good thing]]></title>
      <description><![CDATA[Die Demos werden nicht ausreichen, die AfD zu besiegen; die Mitte wird sich dafür scheiße fühlen; und sich deswegen vom Antifaschismus so abwenden, wie damals vom Klima.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 07 Mar 2024 06:00:36 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[No consensus, no peace: KI-Deepfakes und das Ende der Wahrheit]]></title>
      <description><![CDATA[Ein weiterer Grund, warum wir auf eine Zukunft dauernder Konflikte zusteuern: das Ende der Wahrheit durch KI-generierte Deepfakes. Ohne geteilte Wahrheit kein Frieden.]]></description>
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      <pubDate>Wed, 28 Feb 2024 09:06:26 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Posthegemonie: Politik jenseits der Kompromisse]]></title>
      <description><![CDATA[Konflikt, Polarisierung, auch Gewalt, wird in Unseren Leben schon sehr bald eine viel größere Rolle spielen, als Wir gewohnt sind. Darauf sollten Wir vorbereitet sein.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 22 Feb 2024 10:19:24 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Aschermittwoch in Biberach: Bauernproteste Redux.]]></title>
      <description><![CDATA[Die Republik fragt sich: warum hassen die Bauern die Grünen so sehr, woher all die Militanz, & wie geht's weiter? 3 Antworten auf 3 Fragen in 3 Texten: Enjoy :)]]></description>
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      <pubDate>Thu, 15 Feb 2024 07:34:56 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Nicht von der Kunstfreiheit gedeckt, oder: Erzeugt Gewalt wirklich…]]></title>
      <description><![CDATA[Mit faschistischer Gewalt, und der Notwendigkeit, sich darauf vorzubereiten, ist es wie mit dem Kollaps: es ist angenehmer, sich nicht damit auseinanderzusetzen, aber...]]></description>
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      <pubDate>Thu, 08 Feb 2024 09:31:32 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Liebe (chemische) Drogen: so long, and thanks for all the fun.]]></title>
      <description><![CDATA[No more chems, mind 1 Jahr, evtl (hoffentlich) länger. Ja, ich brauche Aktivitäten, wo ich mal nicht kämpfe, nicht der bin, der versucht, alles zu bestimen. ]]></description>
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      <pubDate>Fri, 02 Feb 2024 10:10:23 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Zeitenwende im Klimakampf: von Abwehr des Klimakollaps zu Kämpfen im…]]></title>
      <description><![CDATA[Indem die Letzte Generation sich vom "Klimakleben"  verabschiedet, markiert sie das Ende der Kämpfe *gegen* den Klimakollaps, und beginnt: die Kämpfe *im* Klimakollaps]]></description>
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      <pubDate>Thu, 01 Feb 2024 08:01:53 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Der Antifaschismus* der vielfältigen Gesellschaft (und die…]]></title>
      <description><![CDATA[AlleZusammenGegenDenFaschismus stellt die Frage: Unter welchen Bedingungen ist es möglich, die rechte Offensive zurückzudrängen? & was bedeutet das für die Klimabewegung?]]></description>
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      <pubDate>Wed, 24 Jan 2024 06:57:40 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Apropos Kollaps: gefährlicher “Mangel an HIV-Medikamenten”]]></title>
      <description><![CDATA[“Der Mangel an HIV-Medikamenten mit den Wirkstoffen Emtricitabin+Tenofovirdisoproxil hat sich weiter verschärft." Gut, dass ich *genau* diese Wirkstoffe brauche...]]></description>
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      <pubDate>Mon, 22 Jan 2024 11:40:56 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[A tale of two Deutschlands: asshole society vs. diverse society]]></title>
      <description><![CDATA[Polarisation, the conflict between the asshole- and the diverse society means that the time for political compromise is over. The future will be struggle.]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Fri, 19 Jan 2024 09:08:25 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[A tale of two Deutschlands: Doitschland vs. die vielfältige…]]></title>
      <description><![CDATA[Polarisierung, der Konflikt zwischen "Doitschland" und der "vielfältigen Gesellschaft" bedeutet, dass die Zeit politischer Kompromisse vorbei ist, dass Kampf ansteht.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 18 Jan 2024 06:59:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Demokratie Verteidigen: Das Coming Out der vielfältigen Gesellschaft?]]></title>
      <description><![CDATA[Am Sonntag fand am Brandenburger Tor keine "normale" Demo statt, sondern ein antifaschistisches Coming Out: das der "vielfältigen Gesellschaft" gegen die AfD Faschisten.]]></description>
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      <pubDate>Mon, 15 Jan 2024 09:29:52 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Manifs d’agriculteurs 2024: l offensive de la société des trouducs]]></title>
      <description><![CDATA[Les protestations "réussies" des paysans sonnent le glas de l'attaque à grande échelle de la société des trous du cul sur le reste. Pourquoi sont-elles si efficaces? ]]></description>
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      <pubDate>Fri, 12 Jan 2024 08:47:20 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Germany’s farmers’ protests: the power of fear (of change).]]></title>
      <description><![CDATA[The German farmers' protests articulate the "id" of society: the childish, defiant part that wants to hide from change. ]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Thu, 11 Jan 2024 08:58:26 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Bauernproteste III: Die Macht der Angst (vor Veränderung)]]></title>
      <description><![CDATA[Die Bauernproteste artikulieren das "Es" der Gesellschaft: nicht nur den Arschlochteil, auch den kindlichen, trotzigen Teil, der sich vor der Veränderung verstecken will.]]></description>
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      <pubDate>Tue, 09 Jan 2024 07:55:48 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Bauernproteste II: sie wollen nicht die Buhmänner sein]]></title>
      <description><![CDATA[Können wir Klimas die Bauernproteste auf unsere Seite ziehen, fragen sich manche Klimas. Die Antwort ist leider: nein, die werden uns immer hassen. Hier steht, wieso.]]></description>
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      <pubDate>Mon, 08 Jan 2024 08:01:53 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Bauernproteste 2024, oder: der Großangriff der Arschlochgesellschaft]]></title>
      <description><![CDATA[Die "erfolgreichen" Bauernproteste läuten den Großangriff der Arschlochgesellschaft auf den Rest ein. Wieso sind sie so effektiv? Hier ein Analyseversuch.]]></description>
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      <pubDate>Fri, 05 Jan 2024 09:49:56 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Dr. JustCollapse, or: how I learned to love the future again]]></title>
      <description><![CDATA[In order to hope, I don't have to rely on magical thinking and collapse denial. To hope, I "only" need to be able to put my trust in the people around me...]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Thu, 07 Dec 2023 08:46:14 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Dr. Justcollapse: oder, wie ich lernte, die Zukunft wieder zu lieben]]></title>
      <description><![CDATA[Um zu hoffen, muss ich nicht auf magisches Denken und Klimaverdrängung setzen. Um zu hoffen, muss ich “nur” mein Vertrauen in die Menschen um mich herum legen können...]]></description>
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      <pubDate>Thu, 07 Dec 2023 06:13:41 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[No morality tale: eine kurze Geschichte von HIV/AIDS]]></title>
      <description><![CDATA[Jedes Jahr am 1.12. muss ich weinen. Aus Trauer für die, die nicht mehr da sind. Aus Wut über die, die uns in den Staub stießen. Dankbarkeit, dass ich leben darf.]]></description>
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      <pubDate>Fri, 01 Dec 2023 07:55:05 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Warteschleife…]]></title>
      <description><![CDATA[Der Jahresabschlusstext "Dr. Justcollapse: wie ich lernte, nicht mehr klimadepressiv zu sein, & die Zukunft wieder zu lieben" (h/t S. Kubrick) folgt nächste Woche...]]></description>
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      <pubDate>Thu, 30 Nov 2023 09:03:36 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Greta vs the German Verdrängungsgesellschaft: who's being antisemitic?]]></title>
      <description><![CDATA[Nope. Greta Thunberg isn't anti-semitic, nor is the climate movement at large - however much Germany would love to project all of its failings onto her.]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Sat, 25 Nov 2023 08:37:46 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Greta Thunberg vs Verdrängungsgesellschaft: wer ist hier Antisemit*in?]]></title>
      <description><![CDATA[Nein, Greta Thunberg ist keine Antisemitin. Auch wenn deutsche Verdrängungswünsche das gerne hätten. Die #Queer-Kolumne im der Freitag, hier ohne Paywall.]]></description>
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      <pubDate>Fri, 24 Nov 2023 07:27:20 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Genoss*innenbeitrag: Klassenkampf vs. Arschlochgesellschaft]]></title>
      <description><![CDATA[Von Lisa Pöttinger: "Jemanden als Arschloch bezeichnen mag zwar korrekt sein, hilft mir aber nicht, diese Person wieder auf die 'richtige' Seite zu ziehen..."]]></description>
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      <pubDate>Mon, 20 Nov 2023 15:32:30 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Das Ende vom (Alp)Traum der “Grünen Volkspartei”]]></title>
      <description><![CDATA[Die Grünen werden in der Arschlochgesellschaft nie "Volkspartei" werden, denn sie können ihre eigene Scheiße nur schönreden, aber nie schamfreie Arschlöcher sein.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 16 Nov 2023 07:41:33 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[#JustCollapse: empowerment through acceptance]]></title>
      <description><![CDATA[Only those who know what is coming can prepare us, so that we don't leave the collapse to the Nazis. And anyone who leaves the future to the Nazis has given up already.]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Sun, 12 Nov 2023 09:03:28 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Solidarische Kollapspolitik: Ermächtigung durch Akzeptanz]]></title>
      <description><![CDATA[Es gibt Hoffnung auch im Kollaps, aber die positiven Geschichten kommen erst *nach* der Trauer. Es wäre falsch zu glauben, dass sie *anstatt* der Trauer kommen.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 09 Nov 2023 15:28:19 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Debranding statt “Volksfront von Judäa”: schafft 2, 3, viele lokale…]]></title>
      <description><![CDATA[Von den Rechten lernen, heißt Siegen lernen: was machen die eigentlich strategisch richtig, was wir gerade nicht auf die Reihe kriegen?]]></description>
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      <pubDate>Thu, 02 Nov 2023 11:29:41 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Beyond ethics and rationality: welcome to the assholocene]]></title>
      <description><![CDATA[The epoch in human history in which the nationalist, patriarchal asshole replaces the neoliberal sociopath as the dominant subject: this is what I call the assholocene]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Thu, 26 Oct 2023 09:58:07 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Jenseits von Ethik und Rationalität: willkommen im Arschlochozän]]></title>
      <description><![CDATA[Die Geschichtsphase, in der das nationalegoistische, patriarchale Arschloch den neoliberalen Soziopathen als dominantes Subjekt ablöst: die nenne ich das Arschlochozän.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 26 Oct 2023 05:17:58 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Notes From The Future V: Warum TeamKollaps in Schweden vorne liegt I]]></title>
      <description><![CDATA[Ich habe in Schweden etwas sehr schönes erlebt: nämlich mich als “card carrying member” von Team Kollaps nicht wie ein Freak und pessimistischer Fantast zu fühlen...]]></description>
      <category><![CDATA[Notes From The Future]]></category>
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      <pubDate>Thu, 19 Oct 2023 12:04:46 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[28.10. in Berlin: #FossileSubventionenStoppen, und #AlleFürsKlima!]]></title>
      <description><![CDATA[Die Klimabewegung muss Alles in ihrer Macht stehende tun, um den 28.10. in Berlin zu einem Tag zu machen, an dem wir unsere gesellschaftliche Stärke demonstrieren.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 12 Oct 2023 09:50:19 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Notes from the Future IV: Solidarisches Preppen]]></title>
      <description><![CDATA[Die Idee von Preppa tillsammans ist, dass Katastrophen zunehmend häufig auftreten werden, & wir ihnen lieber gemeinsam & vorbereitet begegnen, als allein &unvorbereitet.]]></description>
      <category><![CDATA[Notes From The Future]]></category>
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      <pubDate>Wed, 11 Oct 2023 14:26:45 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Notes from the Future IV: Prepping Together]]></title>
      <description><![CDATA[The Idea of Preppa tillsammans (Prepping Together) is that crises occur, and we’d rather face them together and prepared than alone and without preparation.]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Wed, 11 Oct 2023 06:13:39 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Notes from the Future III: Klimantifa for beginners]]></title>
      <description><![CDATA[Klimantifa heißt nicht, dass ab jetzt Alles, was wir Klimas machen, nur noch antifa sein darf; es heißt aber, dass Alles, was wir Klimas machen, auch antifa sein muss.]]></description>
      <category><![CDATA[Notes From The Future]]></category>
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      <pubDate>Thu, 05 Oct 2023 12:13:48 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Notes From The Future II: Die 1st Responder sind wir!]]></title>
      <description><![CDATA[Als ich am Boden liege, und er an meinem Bein demonstriert, wie er eine Blutung stoppen würde, fällt mir auf: das ist jetzt politische Praxis. Das ist Kollapspolitik.]]></description>
      <category><![CDATA[Notes From The Future]]></category>
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      <pubDate>Tue, 03 Oct 2023 14:51:07 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Notes from the Future I: das schwedische Volksheim explodiert]]></title>
      <description><![CDATA[Notes from the Future I: Schweden erlebt eine Gewaltexplosion, eine Art gesellschaftlicher Teilkollaps. Wie gehen linke Bewegungen damit um,& was können wir davon lernen?]]></description>
      <category><![CDATA[Notes From The Future]]></category>
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      <pubDate>Mon, 02 Oct 2023 15:17:46 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Fritze twoplanes Merz: Bestiarium der Arschlochgesellschaft, Folge 1]]></title>
      <description><![CDATA[In der der Arschlochgesellschaft gewinnt der, der den Arschlöchern am klarsten signalisiert: “hey, ich bin wie ihr, ich bin auch ein schamfreies Arschloch”.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 28 Sep 2023 08:09:11 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Beyond magical thinking: 3 truths for the movement for future]]></title>
      <description><![CDATA[We no longer have a chance to prevent climate collapse, because, the climate is collapsing. But the fight against fascism, we can still win.]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Thu, 21 Sep 2023 07:47:08 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die Klimabewegung ist tot. Es lebe die Klimabewegung!]]></title>
      <description><![CDATA[Weil soziale Bewegungen in Zyklen verlaufen, heißt "Scheitern" nicht, dass Alles vorbei ist. Es bedeutet, dass jetzt die Suche nach dem neuen Bewegungszyklus beginnt.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 21 Sep 2023 05:08:41 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Jenseits des magischen Denkens: 3 Wahrheiten für die Klimabewegung]]></title>
      <description><![CDATA[Wir haben keine Chance mehr, den Klimakollaps zu verhindern, weil, das Klima kollabiert gerade. Aber der Kampf gegen den Faschismus: den können wir noch gewinnen.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 07 Sep 2023 14:23:38 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[EIN BESCHEIDENER VORSCHLAG: der Klimakatastrophenallokationsmarkt]]></title>
      <description><![CDATA[EIN BESCHEIDENER VORSCHLAG zur rationalen Verteilung von Klimakatastropheneffekten und zur optimistischen Lösung unserer Probleme anstatt ständigen Herumgenörgels]]></description>
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      <pubDate>Thu, 31 Aug 2023 09:30:21 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Solidarität in Zeiten der Inflation.]]></title>
      <description><![CDATA[Vor 1 paar Wochen schlug Steady eine automatische Inflationsanpassung der Beiträge vorzunehmen, obv a non-starter. Trotzdem: auch Contentproduzent*innen erleben Inflation]]></description>
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      <pubDate>Sat, 26 Aug 2023 11:23:36 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[15.9.: #DisruptionForFuture statt kleinen “großen” Klima-”Streiks”]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Fridays: es ist an Euch, wieder das zu werden, was Ihr zu Beginn wart: our heroes. Am 15.9. ist Eure Chance: take us with you on a journey - #disruptionForFuture!]]></description>
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      <pubDate>Thu, 24 Aug 2023 07:03:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[The Hitchhikers' Guide to Klimakommunikation: Don't Panic?]]></title>
      <description><![CDATA[1. Die positive Psychologie ist wie alle Verdrängungsdiskurse inhaltlich irrational; 2.Der Effekt der positiven Psychologie ist, dass Menschen weiter verdrängen.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 17 Aug 2023 06:29:31 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Make Klimaaktivismus sexy again: die Zukunft des zivilen Ungehorsams]]></title>
      <description><![CDATA[Ungehorsamer (Klima-)Aktivismus ist ziemlich unsexy geworden. Jetzt muss die Klimabewegung daran arbeiten, den Ungehorsam wieder zu legitimieren.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 10 Aug 2023 05:23:21 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Kollaps ist, wenn...]]></title>
      <description><![CDATA[Kollaps ist nicht, wenn alle tot sind; Kollaps ist, wenn es keine Selbstverständlichkeiten mehr gibt. ]]></description>
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      <pubDate>Thu, 03 Aug 2023 10:20:53 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Hitzewelle, Faschisierung, Klimakollaps: wie essen Angst NICHT Seele…]]></title>
      <description><![CDATA[Wenn wir verstehen, dass unsere Klima-Ängste rational sind, und dass wir sie nicht verdrängen wollen, dann bleibt uns eigentlich nur, uns ihnen zu stellen.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 27 Jul 2023 06:13:09 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die Klimabewegung in der Defensive, Teil 1: die LINKE als…]]></title>
      <description><![CDATA[Die Klimabewegung ist in der Defensive, aber wie macht Bewegung eigentlich Defensive? Und kann eine neuaufgestellte LINKE Teil solcher Strategien sein?]]></description>
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      <pubDate>Thu, 20 Jul 2023 11:36:48 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Urlaub :)]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leute, wie sagte Hape Kerkeling, eine der großen Schwuchteln der alten Republik, so schön: ich bin dann mal weg. Am 20.7. hört ihr wieder von mir.]]></description>
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      <pubDate>Fri, 07 Jul 2023 08:11:02 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Deutschland zwischen Klimaradikalen und Arschlochgesellschaft]]></title>
      <description><![CDATA[Gibt es Deutschland nur Arschlöcher? Quatsch. Dieser Text ist ein Versuch, strategisch nützliche Unterschiede innerhalb der deutschen Verdrängungsgesellschaft zu zeigen.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 29 Jun 2023 09:51:26 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Das Coming Out der Arschlochgesellschaft]]></title>
      <description><![CDATA[Stolzmonat: Erklärung für Gleichzeitigkeit des Rechtsrucks allerorten ist, dass die rassistischen, nationalegoistischen Schweine endlich schamfrei sie selbst sein können.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 22 Jun 2023 06:08:44 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die AfD und Das Arschloch-Repräsentationsdefizit der deutschen Politik]]></title>
      <description><![CDATA[Der Anstieg der AfD-Umfragewerte repräsentiert den zunehmend zum trumpesque-schamfreien Arschloch-Sein tendierenden doitschen Volkswillen.]]></description>
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      <pubDate>Fri, 16 Jun 2023 14:24:35 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Verdrängungsgesellschaft & Faschismus: da wächst zusammen, was…]]></title>
      <description><![CDATA[Der Faschismus ist auf dem Vormarsch, und wird auf dem Vormarsch bleiben, weil er die optimale Ideologie, die perfekte politische Form einer Verdrängungsgesellschaft ist.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 08 Jun 2023 09:37:44 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Why queer sex can be deadly in Uganda]]></title>
      <description><![CDATA[Since the end of May, consensual sex in Uganda might be punishable y death – if it's the wrong kind of sex: queer sex. So what the fuck is happening? ]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Thu, 01 Jun 2023 08:40:22 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Nach den 129er-Razzien: Vom Ende der Klimamehrheitsillusion]]></title>
      <description><![CDATA[Endlich stirbt die immer schon irrationale Hoffnung darauf, in der Verdrängungsgesellschaft Deutschland  sei eine Mehrheit für effektiven Klimaschutz zu organsieren]]></description>
      <category><![CDATA[Verdrängungsgesellschaft]]></category>
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      <pubDate>Thu, 25 May 2023 12:23:57 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Von Lützerath nach Rügen: Wir sind das Investitionsrisiko!]]></title>
      <description><![CDATA[Auf Rügen sollte die Klimabewegung *all in* gehen, wie wir es auch in Lützerath getan haben. Denn, wenn wir alle am Start sind, sind wir eine Macht.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 11 May 2023 05:55:08 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[The Last Generation's City Shutdown is a success!]]></title>
      <description><![CDATA[The Last Generation's City Shutdown is a success! Now it's up to the rest of us to stand in solidarity with LG.]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Sat, 29 Apr 2023 07:27:27 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Der Stadtstillstand ist ein Erfolg. Jetzt gilt:…]]></title>
      <description><![CDATA[Liebe Leute, Der “Stadtstillstand” der Letzten Generation ist ein taktischer und politischer Erfolg. Jetzt gilt es, Solidarität zu zeigen!]]></description>
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      <pubDate>Thu, 27 Apr 2023 10:00:41 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Klimaschutz ist Minderheitenschutz]]></title>
      <description><![CDATA[Die Aktionen der Letzten Generation sind Zeichen einer ethisch agierender Zivilgesellschaft, die eine wirklich liberale Demokratie erst ermöglicht und attraktiv macht.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 20 Apr 2023 10:10:20 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Trauer first. Klimaschutz second.]]></title>
      <description><![CDATA[Erst wenn wir getrauert haben, können wir vernünftig handeln.]]></description>
      <category><![CDATA[Verdrängungsgesellschaft]]></category>
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      <pubDate>Thu, 06 Apr 2023 13:02:11 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Strickmuster für den Klimaschutz-in-Handarbeit – Teil 1]]></title>
      <description><![CDATA[Der politische Wind bläst 2023 nicht in unsere Richtung ... Deshalb ist es so verdammt wichtig, dass wir die Wahl am Sonntag gewinnen.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 23 Mar 2023 16:55:06 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Wer ist im Klimanotstand eigentlich der Souverän?]]></title>
      <description><![CDATA[Was es braucht, wäre ein Gespräch der Gesellschaft mit sich selbst.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 09 Mar 2023 14:27:46 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[3 Gründe, warum der Kapitalismus nicht das Klima schützen kann]]></title>
      <description><![CDATA[So unerbaulich diese Schlussfolgerung auch sein mag, ohne Klima ist alles Mist. Und mit Kapitalismus kein Klima. So ist das leider. Enjoy the Anthropocene.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 23 Feb 2023 11:08:54 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die Letzte Generation und ihr zu ruhiges Hinterland]]></title>
      <description><![CDATA[Wir haben zu wenige Geschichten erzählt, in denen die LG als Teil einer gesellschaftlichen Bewegung dargestellt werden, gar als rationalster, zumindest mutigster Teil.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 16 Feb 2023 08:59:27 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Radical Flank Strategy 2.0: Climate Disobedience for All!]]></title>
      <description><![CDATA[Die Klimabewegung ist wieder eine Bewegung, sie flattert mehr nicht einflügelig über den deutschen Autobahnen, sie hat jetzt wieder zwei Flügel - beide ungehorsam!]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Thu, 02 Feb 2023 14:44:14 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Strategie der radikalen Flanke 2.0: Klimaungehorsam für Alle!]]></title>
      <description><![CDATA[Es ist für Klimabewegung absolut notwendig, Widerstandsnester zu schaffen. Und eine Arbeitsteilung zwischen zwei ungehorsamen Flügeln könnte Sinn ergeben.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 02 Feb 2023 07:22:33 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Lützerath, die Grünen & die Klimabewegung: die Legende vom guten Zaren]]></title>
      <description><![CDATA[Den Verteidiger*innen der Grünen geht es, darum, sich nicht schlecht zu fühlen, nicht anzuerkennen, dass sich alles verändern muss; auch die eigene privilegierte Position]]></description>
      <category><![CDATA[Lützerath]]></category>
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      <pubDate>Thu, 19 Jan 2023 13:09:26 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Live aus Lützerath #6: the story of the battle]]></title>
      <description><![CDATA[Wenn Bewegung funktioniert, kommt mehr raus, als man reinsteckt. ]]></description>
      <category><![CDATA[Lützerath]]></category>
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      <pubDate>Sun, 15 Jan 2023 11:24:51 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Live aus Lützerath #5: Lützerath lives!]]></title>
      <description><![CDATA[I'm as happy an activist as I haven't been in years.]]></description>
      <category><![CDATA[Lützerath]]></category>
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      <pubDate>Fri, 13 Jan 2023 17:09:41 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Live aus Lützerath #4: et tu, Robert?]]></title>
      <description><![CDATA[Ein mögliches Szenario: Die Zerstörung des Mythos der Grünen als Klimakraft; und die physische Verteidigung des Dorfes Lützerath gegen das fossilkapitalistische Nichts.]]></description>
      <category><![CDATA[Lützerath]]></category>
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      <pubDate>Thu, 12 Jan 2023 11:52:13 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Live aus Lützerath #3: Tag X²]]></title>
      <description><![CDATA[Drei Geschichten über Lützerath.]]></description>
      <category><![CDATA[Lützerath]]></category>
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      <pubDate>Wed, 11 Jan 2023 12:48:35 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Live aus Lützerath #2: wenn die Steine fliegen]]></title>
      <description><![CDATA[Steht Ihr auf der Seite von RWE, NRW und Pfefferspray? Dann könnt Ihr Euch gerne den Luxus rausnehmen, Euch über ein paar Steine aufzuregen.]]></description>
      <category><![CDATA[Lützerath]]></category>
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      <pubDate>Tue, 10 Jan 2023 13:27:00 +0000</pubDate>
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    <item>
      <title><![CDATA[Live aus Lützerath #1: Der letzte Showdown]]></title>
      <description><![CDATA[Es ist in der Verteidigung von Orten, wo soziale Bewegungen ihre Magie entfalten können: Sie besteht darin, das Unmögliche möglich zu machen.]]></description>
      <category><![CDATA[Lützerath]]></category>
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      <pubDate>Mon, 09 Jan 2023 10:29:40 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Lützerath: Letzte Gefecht der linken Klimabewegung, oder rise like...]]></title>
      <description><![CDATA[Ich habe mich entschieden, am Samstag nach Lützerath zu fahren, und dort mind. bis zum 14.1.23 zu bleiben. Während dieser Zeit gibt einen täglichen Newsletter von mir.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 05 Jan 2023 15:08:45 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Deutschland vs. die Letzte Generation: which side are we on, comrades?]]></title>
      <description><![CDATA[Wenn wir die Letzte Generation öffentlich hängen lassen, werden wir irgendwann alle gefangen sein in den gefährlichen Spielen der Verdrängungsgesellschaft. ]]></description>
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      <pubDate>Thu, 15 Dec 2022 12:13:22 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[“Vorerst besiegt” heißt nicht endgültig geschlagen]]></title>
      <description><![CDATA[Die drei Zyklen des Klimakampfes]]></description>
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      <pubDate>Thu, 01 Dec 2022 10:40:05 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Wie gewinnen wir? Teil 2: Verdrängungsgesellschaft als neues Terrain ]]></title>
      <description><![CDATA[In der Verdrängungsgesellschaft führen die Taktiken, die wir bisher besprochen haben, nicht zu mehr Zuspruch, nicht zu mehr Klimaschutz, sondern zu mehr Gegendruck.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 17 Nov 2022 11:50:36 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[The Last Generation, Scholz, and the Categorical Climate Imperative]]></title>
      <description><![CDATA[In a state of emergency, actions that would otherwise be unacceptable can become legitimate.]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Thu, 10 Nov 2022 17:37:10 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die Letzte Generation, Scholz, und der kategorische Klima-Imperativ]]></title>
      <description><![CDATA[Die Antwort auf die Frage, was legitim ist, verschiebt sich derzeit immer wieder, weil die Klimakatastrophe immer klarer einen gesellschaftlichen Notstand darstellt]]></description>
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      <pubDate>Thu, 03 Nov 2022 19:00:57 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Wie gewinnen wir? Teil 1: Ressourcen und Strategien der Klimabewegung]]></title>
      <description><![CDATA[Wie können wir dafür sorgen, dass unsere Proteste, unsere Aktionen und Kampagnen effektiv sind? Was bedeutet eigentlich Effektivität im Kontext einer Bewegung?]]></description>
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      <pubDate>Thu, 20 Oct 2022 12:32:01 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Gorleben – Hambi – Lützerath: auf in den Kampf! ]]></title>
      <description><![CDATA[Wir müssen ab heute alles dafür tun, denen zu zeigen, dass die politischen, ökonomischen & menschlichen Kosten einer Räumung exorbitant wären.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 06 Oct 2022 09:34:17 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Malte & Meloni]]></title>
      <description><![CDATA[Queers im allgemeinen, und Transmenschen im Besonderen, stellen die mythologisch-ideologische Basis des neuen Faschismus infrage.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 22 Sep 2022 10:25:33 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Heißer Herbst: Lasst uns auf die 9-Euro-Ticket-Bewegung setzen ]]></title>
      <description><![CDATA[Stellt Euch vor, wir ziehen das richtig hoch, & gewinnen am Ende sogar! Nullfürimmer, die FDP liegt blutend am Boden ...]]></description>
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      <pubDate>Thu, 08 Sep 2022 07:29:26 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[ Move Fast And Break Shit!  – Die zwei Probleme von "Ende Gelände"]]></title>
      <description><![CDATA["Ende Gelände" ist im Gegensatz zu "Fridays for Future" (FFF) und "Extinction Rebellion" (XR) in Dtl. noch handlungsfähig – steht aber vor zwei Herausforderungen.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 11 Aug 2022 10:42:05 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Coming out No. 6: I'm suffering from climate depression]]></title>
      <description><![CDATA[The climate catastrophe is not going to destroy my life. In a very real sense, it already has. Is this climate depression? Or just climate realism? How do you experience ]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Mon, 01 Aug 2022 09:33:17 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Coming out Nr. 6: Ich bin klima-depressiv]]></title>
      <description><![CDATA[Die Klimakatastrophe wird mein Leben nicht zerstören. In a very real sense, it already has –  ist das Klimadepression? Oder bloß Klima-Realismus? Wie erlebt Ihr das?]]></description>
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      <pubDate>Thu, 28 Jul 2022 06:06:56 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Präzedenzfall Klimanotwehr]]></title>
      <description><![CDATA[Wenn die Regierung keinen Klimaschutz liefert, doch gleichzeitig ein Klimanotstand vorliegt, würde das die Aktionen der Klimabewegung zu legitimen Notwehr machen.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 14 Jul 2022 05:52:54 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Energiepreise are the new black, Teil 3/3: so what? Es herrscht…]]></title>
      <description><![CDATA[Es ist eine Zeit der Entscheidungen, nicht der Kompromisse; der Kämpfe, nicht der Bündnisse.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 30 Jun 2022 13:32:36 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Gastbeitrag von Andreas Malm: Von der Gewalt des fossilen Kapitalismus]]></title>
      <description><![CDATA[Unternehmen wie Total sollten als kriminelle Vereinigungen betrachtet werden, die Massenmord und die Zerstörung des Planeten planen - sie sollten verstaatlich werden.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 16 Jun 2022 06:53:17 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Lies we tell ourselves so we can sleep at night, episode 1]]></title>
      <description><![CDATA[Coal phase-out, coal commission and "structural change"]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Thu, 16 Jun 2022 05:03:53 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Verdrängungsgesellschaft, St.1 , Ep. 3: Die Dummheit des Olaf Scholz]]></title>
      <description><![CDATA[Die Klimakrise zeigt die Gesellschaften des globalen Nordens als amoralischen Sauhaufen. Klar, dass wir da verdrängen müssen. Wie der Oberdeutsche Scholz gerade bewies.]]></description>
      <category><![CDATA[Verdrängungsgesellschaft]]></category>
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      <pubDate>Thu, 02 Jun 2022 10:53:25 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Lügen, die wir uns erzählen, damit wir schlafen können. Folge 1]]></title>
      <description><![CDATA[Kohleausstieg, Kohlekommission und “Strukturwandel”]]></description>
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      <pubDate>Thu, 19 May 2022 12:43:12 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Energy prices are the new black, part 2: energy struggles]]></title>
      <description><![CDATA[In the coming capitalism, only one thing will be truly scarce: nature, and the price of nature will be expressed most closely in energy prices. ]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Mon, 09 May 2022 21:29:43 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Energy prices are the new black, part 1 ]]></title>
      <description><![CDATA[I'll be thinking more about the issue of energy prices over the next few weeks, and what left-wing and socio-ecological strategies can look like in response. ]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Mon, 09 May 2022 20:33:50 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Energiepreise are the new black, Teil 2: Die Energiekämpfe]]></title>
      <description><![CDATA[Im kommenden Kapitalismus wird nur eins wirklich knapp sein: die Natur, und der Preis der Natur wird sich am nächsten in Energiepreisen ausdrücken.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 05 May 2022 09:02:09 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Energiepreise are the new black – Teil 1]]></title>
      <description><![CDATA[Ich werde mir in den nächsten Wochen mehr Gedanken zum Thema Energiepreise machen, und zur Frage, wie linke und sozial-ökologische Strategien dazu aussehen können.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 21 Apr 2022 10:04:16 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[“Which coming flood?” Welcome to the Thunderdome of Ignorance…]]></title>
      <description><![CDATA[The climate movement represents the re-internalization of externalized violence that places the stability of profits and everyday lives above the stability of the climate]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Tue, 12 Apr 2022 08:03:00 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[“Sintflut? Welche Sintflut?! Verdrängungsgesellschaft - Teil 2]]></title>
      <description><![CDATA[Die Klimabewegung stellt die Re-Internalisierung der externalisierten Gewalt dar, die die Stabilität unserer Profite und Alltage über die Stabilität des Klimas stellt.]]></description>
      <category><![CDATA[Verdrängungsgesellschaft]]></category>
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      <pubDate>Thu, 07 Apr 2022 05:59:35 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Die Linkspartei ist ein gescheitertes politisches Projekt ]]></title>
      <description><![CDATA[Aus Sicht der Klimagerechtigkeitsbewegung braucht es aber eine linke Partei. Denn wir brauchen einen Player, der den Grünen das Klimathema streitig machen kann.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 24 Mar 2022 05:38:56 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[More climate crisis = more repression]]></title>
      <description><![CDATA[We are heading towards an increasingly irrational and brutal climate debate. I believe that no actor in the climate movement has yet truly reflected this fact.]]></description>
      <category><![CDATA[English]]></category>
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      <pubDate>Sat, 12 Mar 2022 14:33:25 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Je mehr Klimakrise, desto mehr Verdrängung]]></title>
      <description><![CDATA[Wir steuern auf eine immer irrationalere und brutalere geführte Klimadebatte zu. Ich glaube, dass noch kein Akteur der Klimabewegung diese Tatsache wirklich reflektiert.]]></description>
      <category><![CDATA[Verdrängungsgesellschaft]]></category>
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      <pubDate>Thu, 10 Mar 2022 08:19:16 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Friedliche Sabotage ist Notwehr ]]></title>
      <description><![CDATA[In der Berliner Zeitung habe ich der "Mitte" in ihren eigenen Begriffen erklärt, warum sie eigentlich schon gestern selbst zur Klimasabotage hätte schreiten müssen.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 24 Feb 2022 08:28:08 +0000</pubDate>
    </item>
    <item>
      <title><![CDATA[Deutschland vs. Klimagerechtigkeit]]></title>
      <description><![CDATA[Über Nikolaus, seinen drei kleinen Helferlein und die Arbeiter*innenaristokratie.]]></description>
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      <pubDate>Thu, 10 Feb 2022 09:15:18 +0000</pubDate>
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